Geschlossene Gesellschaft?

Ich war zu meiner Freundin und Lebensgefährtin Monika unterwegs. Die Anzeigetafel auf der S-Bahnstation informierte mich, dass der zweite Wagen des S-Bahn-Zuges geschlossen sei. Gut zu wissen. Dann brauchte ich nur noch darauf zu achten, welche Türen defekt sind; zu erkennen an den roten Aufklebern darauf.

Für mich unverständlich, weshalb man darüber nicht gleich auf der Anzeigetafel mit informiert. Es könnte doch einfach angezeigt werden, dass zum Beispiel die dritte, siebte und achte Tür des S-Bahn-Zuges defekt sind. Wozu hat man denn solch eine moderne Technik an den S-Bahnstationen eingeführt? Die muss man doch nutzen. Dann vielleicht noch darauf hinweisen, dass man die Bier- lache unter dem zweiten Sitz im dritten Wagen mit Sandalen möglichst meiden sollte, und man könnte sich prima auf die S-Bahnfahrt einstellen. Leider blieb es jedoch bei der unvollständigen Information, dass der zweite Wagen des S-Bahn Zuges geschlossen sei.

Auf die Plätze neben mir im ersten Wagen setzte sich ein Paar mit ihrem etwa 12 Jahre alten Sohn, der sich nach dem Hinsetzen sofort mit seinem Gameboy beschäftigte. Sein Vater stellte eine, wie mir zuerst schien, rein rhetorische Frage, denn er sagte: „Weshalb lassen die uns denn nicht in den zweiten Wagen?“ Ohne von seinem Gameboy aufzublicken, meinte sein Sohn: „Vielleicht fährt mit dem die Regierung.“ Eine originelle Idee. Angela Merkel, Guido Westerwelle und das ganze übrige Kabinett steigen irgendwo auf der Strecke von Tempelhof nach Neu- Westend in den zweiten Wagen der S-Bahn ein. Und wenn alle drinsitzen steigt an der nächsten Station ein „Motz“-Verkäufer zu. Und wenn das Kabinett vorhat, sogar eine ganze Runde mit der Ringbahn zu drehen, dann lernen sie, dass manche störenden Geräusche nicht durch einen Schaden an der S-Bahn entstehen, sondern dadurch, dass leere Bierflaschen durch den Wagen rollen. Ich fand es jedenfalls sehr bedauerlich, dass bis Neu-Westend nicht ein einziges Mitglied der Regierung in den zweiten Wagen eingestiegen ist.

=Reinhold Steinle=

Reinhold Steinle moderiert morgen Popráci, das Rixdorfer Strohballenrol- len am Richardplatz in Neukölln. Die nächsten Termine für seine Stadt- führungen  durch  Neuköllner  Kieze  sind  hier  aufgelistet.

„villen dank für ihr versetenis“

Die Chance, täglich mit mindestens einem von ihnen zu sprechen, ist rein rech- nerisch selbst bei einem nicht übermäßig ausgeprägten Kommunikationsgebaren lesen und schreiben e.v., neukölln,weltalphabetisierungstag, aktionsbündnis alphabetisierung und grundbildung neuköllngroß: Über 316.000 Berliner gehören zu denen, die nicht oder nicht aus- reichend lesen und schreiben kön- nen, die totale oder funktionale An- Alphabeten sind. Das ist knapp jeder zehnte Hauptstädter. In Neukölln  sind mindestens 28.000 Erwachsene be- troffen. Über sie wird jedoch eher sel- ten gesprochen.

Einmal im Jahr, am Weltalphabeti- sierungstag, der heute sein 45. Jubi- läum feiert, ist das anders. Danach flaut das öffentliche Interesse an Menschen wie Frauke und ihrem Alltag meist rasch wieder ab – die Probleme, die nicht nur die Betroffenen sondern auch die Gesellschaft an sich tangieren, aber bleiben.

Anlässlich des Weltalphabetisierungstags lädt der Neuköllner Verein Lesen und Schreiben heute von 14.30 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Eine gute Gelegenheit, sich über Alphabetisierungsangebote sowie das von LuS e. v. und Lokale Agenda 21 initiierte Aktionsbündnis Alphabetisierung und Grundbildung Neukölln zu informieren, das auch vom FACETTEN-Magazin ausdrücklich unterstützt wird.

=ensa=

Taktile und kinästhetische Reize auf Bau- und Trümmer-schutt: 1. Motorikpark in Neukölln eröffnet

Freude an der Bewegung war in Neukölln schon immer ein Beweggrund. Nicht nur das Tanzen mit der Rieke und das Radeln in einem der zahllosen Vereine, schließlich startete von hier aus die Jahnsche Turnbewegung. Nun bewegt die Neuköllner wieder etwas zum Thema Bewegung.

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Wo vor 1.400 Jahren das Britzer Mädchen bestattet, vor 350 Jahren Wein angebaut, vor 100 Jahren Kies gefördert und vor 60 Jahren der Park am Buschkrug angelegt wurde, dort gibt es nunmehr einen neuen Park im besagten Park: den Motorikpark, erfunden von dem Linzer Sportwissenschaftler Dr. Roland Werthner, ehemaliger Zehnkämpfer und Dreispringer im österreichischen Nationalteam.

In einer Fachinformation liest man u. a.: „Unter Motorikpark wird ein neuartiges und zukunftsorientiertes Konzept eines ,Fitnessparcours’ in der freien Natur be- zeichnet. Deutlich anders als in den Fitnessparks der 60-er/70-er Jahre führen hier sportwissenschaftliche und trainingswissenschaftliche Überlegungen zu einer Konzeption von attraktiven Stationen, die zur Bewegung in der Natur richtig einladen und motivieren.”

motorikpark neukölln,park am buschkrug britz,thomas blesing,gabriele wredeNeuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) übergab die Anlage gestern der Öffentlichkeit und durchschnitt zusammen mit Gabriele Wrede, Vizepräsidentin des Landessportbunds Berlin, das obligato- rische rote Band. In Blesings Begrü- ßungsansprache war zu erfahren, dass dieser Motorikpark Teil einer umfas- senden Sanierung der gesamten Grün- anlage ist, dessen Arbeiten jetzt ungefähr zur Hälfte abgeschlossen sind. Insgesamt wurden und werden rund 3,5 Millionen Euro in einer Bauzeit von vier Jahren bereitgestellt. Im letzten und in diesem Jahr wurden schwerpunktmäßig die Wege erneuert, mit besonderem Augenmerk auf die Behindertenfreundlichkeit. Zusätzlich, so der Baustadtrat, sei für 400.000 € eben dieser Motorikpark installiert worden. Die zweite Phase der Bauarbeiten soll dann in motorikpark neukölln,park am buschkrug britz,ulrich paulig,merry go round ohgden nächsten beiden Jahren erfolgen.

Anschließend erläuterte Ulrich Paulig von der merry go round OHG, die für die Realisierung des Vorhabens zuständig war, das zugrunde liegende Konzept. Sämtliche Generationen und Trainingsgrade über- spannend, können sich nun Senioren, Kinder, Leis- tungssportler und Schreibtischtäter in Bewegung setzen — jeder ganz nach seiner Fasson. Auf jeden Fall aber mit enorm viel Spaß und noch mehr posi- tiven Effekten. Im Motorikpark, prognostiziert Paulig, verlasse man ausgetretene Trainings-Trampelpfade und fördere fundiert den gesamten Haltungs-, Bewe- gungs- und Koordinationsapparat einschließlich der zugehörigen Sensorik sportwissenschaftlich — und motorikpark neukölln,park am buschkrug britzzwar gleichzeitig.

Nur ein Beispiel sei zitiert, das Different Walking: „Kein Spaziergang, aber eine selbst dosierbare Herausforderung, deren Annahme auch noch Spaß macht! Das ganze Bewegungsspektrum zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit steht auf dem Trainingsplan — die Kippbretter lassen sich in Zeitlupe auskosten oder als Herausforderung an federnde Waden, körperliche Spannkraft und natürlich die Balance verstehen. In neue Perspektiven versetzt der Chaosweg Füße, Beine und den Rest des Körpers und hält dabei das Koordinationsvermögen elastisch, während der Bausteinweg die Schenkelmuskulatur auf immer wieder neue Höhen bringt. Getreu Konzept durch kontrollierte Luftsprünge oder das äußerst behutsame Platzieren der Füße, je nach Gusto und Fasson. Ein Konzept für alle: Über den ohnehin individuell bestimmbaren Grad der Heraus- forderung hinaus gibt es erstens eine begeisternde Bandbreite an verfügbaren Stationen und zweitens diese teils auch in variablen Ausführungen, wie etwa den festen (stabilen), den gefederten oder hängenden „Golfplatz“. An der Namensgebung

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wird die besondere Detailliebe des Werthnerschen Bewegungskonzeptes noch einmal deutlich. Nicht nur die fröhliche Gestaltung der Geräte regt an, auch ihre informativen bis augenzwinkernden Titel wie 100 Fußstapfen, Golfplatz oder Orien- tierungswald.“ Tafeln, die in der Nähe der Gerätegruppen aufgestellt sind, erläutern das jeweilige Prozedere.

Bemerkenswert: Auf jeder dieser Tafeln sind auch die Rufnummern von Polizei, motorikpark neukölln,park am buschkrug britzFeuerwehr und Rettungsdienst (!) verzeichnet. Ob sich Roland Werthner die Nutzung seiner Sportgeräte so vorgestellt hat, bedarf allerdings einer weitergehenden Recherche. Weniger herausfordernd ist sie zweifellos.

=kiezkieker=

Szenebezirk Neukölln: Wunschdenken oder Wirklichkeit?

Vertreter der Fraktionen in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) waren gestern von der VHS Neukölln eingeladen, die Probleme im Bezirk und die podiumsdiskussion vhs neukölln, berlin-wahl 2011, lars oeverdieck, marlis fuhrmann,susanna kahlefeld,ulrich zawatka-gerlach,sebastian kluckert,michael bügeKonzepte ihrer Parteien zu erörtern.

Moderiert wurde die Runde von Ulrich Zawatka-Gerlach (3. v. r.), der sich gleich zu Beginn als nicht gerade in- timer Kenner Neuköllns outete. Mehr als zweimal pro Jahr sei er aber doch im Bezirk, leitete der Berliner Parla- mentsredakteur des Tagesspiegels den – nach dem Themenkomplex Bil- dung und Integration – zweiten Dis- kussionspunkt des Abends ein: Nord-Neukölln – Szenebezirk? Probleme und Chan- cen sozialer Verdrängung. Er sei, berichtete Ulrich Zawatka-Gerlach, mit der S-Bahn angereist und zu Fuß vom S-Bahnhof Neukölln zum Veranstaltungsort, dem Nach- barschaftsheim Neukölln, gelaufen: „Den Eindruck, sich hier in einem Szenebezirk zu befinden, bekommt man wirklich nicht.“ Nun frage er sich, ob die Bezeichnung schlichtweg  weltfremd  ist oder ob Neukölln doch eine Gentrifizierung droht.

Er sehe keine Verdrängung, schloss Wolfgang Rühlmann, der in Neukölln als Spit- zenkandidat für DIE GRAUEN antritt, seine minutenlange Eloge auf die vielfältigen kulturellen Angebote im Bezirk. Die seien, so sein persönliches Fazit, besonders für Touristen attraktiv. Mit Fokus auf den Aspekt der möglichen Gentrifizierung versuchte sich Lars Oeverdieck (l.) an der Frage des Moderators: Die Fluktuation im Norden des Bezirks sei schon immer hoch gewesen. Man müsse abwarten, wie sich die beinahe traditionelle Abstimmung mit dem Möbelwagen bei Familien mit Kindern im Einschulungsalter entwickelt, gab der SPD-Kandidat zu be- denken. Seine Einschätzung sei, dass dieses Verhalten nur durch eine bessere Ausstattung der Schulen gebremst werde und daran arbeite man. Dem Problem steigender Mieten könne nur durch Neubauten entgegengewirkt werden – da gäbe es allerdings im Innenstadtbereich ein Platzproblem. „Aber eines muss man doch mal klar sagen“, meinte Oever- dieck: „Nord-Neukölln ist als Ganzes weit davon entfernt, dass bei Neuvermietungen Gutsituierte Schlange stehen.“

Marlis Fuhrmann (2. v. l.), die für die Neuköllner LINKE den Spitzenplatz inne hat, nahm den Aspekt Szenebezirk auf und stellte fest, dass sich der Norden Neuköllns durchaus eine Entwicklung in Richtung Szenebezirk mache. Dafür, meinte sie, müsse man sich nur mal den Reuterkiez ansehen. Bei Wohnungsbesichtigungen sei es plötzlich normal, dass 30 bis 40 Interessenten kommen. Da würde auch oft der eine oder andere Geldschein den Besitzer wechseln, wusste sie zu berichten, bevor sie monierte, dass Vermieter nun in der Situation seien, sich die Mieter aussuchen zu können. Der Aufwärtstrend bei der Entwicklung der Mieten in Nord-Neukölln liege vor allem in der großen Fluktuation begründet, stellte Susanna Kahlefeld, (3. v. l.) eine der Kandidaten der Neuköllner GRÜNEn für das Abgeord- netenhaus, fest. Das Wort Gentrifizierung mied sie: Im Bezirk sei etwas im Gange, bei dem man sich fragen müsse, wie man damit umgeht. Ihre Partei würde sich definitiv für eine Aufwertung ohne Verdrängung stark machen.

Dass die Neuköllner FDP eine andere Marschrichtung hat, machte ihr Direktkandidat für den Wahlkreis 4 deutlich. Neukölln sei in den letzten beiden Jahrzehnten völlig runtergekommen, daran ändere sich nun gerade etwas. „Belastbare Indikatoren für Verdrängungs-Horrorszenarien gibt es aber nicht“, stellte Sebastian Kluckert (2. v. r.) fest. Trotzdem müsse es nicht so sein, dass sich jeder Hartz IV-Empfänger in jeder Straße des Bezirks eine Wohnung leisten können muss. Um eine „vernünftige Durch- mischung abweichend von der vorherigen“ müsse es gehen. Auch er sehe noch keine Gentrifizierung in Nord-Neukölln, erklärte Michael Büge (r.) nach einem Lob für die Aspekte, die die GRÜNE-Kandidatin ins Spiel gebracht hatte. „Aber die Ängste der Menschen vor einem Verdrängungsprozess sind da und die“, so der Bür- germeisterkandidat der Neuköllner CDU, „müssen wir ernst nehmen.“ Der Berliner Senat banalisiere die Problematik der Mietpreisentwicklung konsequent, dabei wäre es angesichts einer Planungszeit von etwa 10 Jahren für Wohnbauten nötig ge- wesen, schon gestern damit anzufangen: „Um eine Entspannung auf dem Woh- nungsmarkt zu erreichen werden wir nicht umhin kommen, Wohnhäuser auf dem Tempelhofer Feld zu bauen.“

=ensa=

Treffen sich zwei Neuköllner …

Wäre Murat Topal so nassforsch wie sein Comedy-Kollege Kurt Krömer, hätte er wohl einfach ein paar Buletten eingepackt und wäre – vorbei an Heinz Buschkowskys Sekretärin – in das bezirksbürgermeisterliche Amtszimmer im Neuköllner Rathaus marschiert, um endlich den Mann persönlich kennen zu lernen, der Neukölln seit fast 10 Jahren regiert.

Aber so ist Topal nicht. Seine Be- gegnung mit Buschkowsky organi- sierte jetzt der be.bra verlag, bei dem im Frühjahr mit „Neukölln – endlich die Wahrheit von A – Z“ das dritte und jüngste Buch des Comedians er- schien. Entstanden sei ein mit leich- ter Feder geschriebenes Neukölln-Lexikon, betonte Verlagschef Ulrich Hopp (l.). Von ihm stammte auch die Idee,  den Neuköllner Murat Topal, der bisher ausschließlich Komisches mit autobiografischen Zügen veröffentlicht hatte, auf eine Expedition in publizistisches Neuland zu schicken. Eine andere Annäherung an den Bezirk ging damit einher.

Hier, in der Sanderstraße, wuchs der Ex-Polizist auf, der 2005 endgültig seinen Dienst quittierte, um sich ganz auf die Karriere als Spaßmacher konzentrieren zu können. „Mittlerweile wohne ich im Ortsteil Britz“, erzählte Topal dem Rudower Buschkowsky und fügte grinsend hinzu:  „Also im Zehlendorf Neuköllns.“ Schon im Vorwort seines Buches ver- spricht der 36-Jährige, dass er sich auf den nächsten 240 Sei- ten immer wieder an dem schie- fen Medienbild Neuköllns abar- beiten werde.

Er sei vom Buch enttäuscht, hat- te der Gastgeber den Autor gleich zu Beginn des Gesprächs im Rixdorf-Salon wissen lassen: „Im Fernsehen“, so Buschkows- kys Vorwurf, „begeistern Sie mich hin und wieder und bringen mich zum Lachen, das schafft das Buch aber nicht!“ Dafür sei es jedoch ausgesprochen mutig, weil es viele Zahlen bringe, die eben schnell veraltern könnten. Lob fand der Neuköllner Bezirksbürgermeister vor allem für das, was Murat Topal zwischen „Gemüsehändler“ und „Gropiuspassagen“ unter dem Stichwort „Gentrifizierung“ zu Papier brachte. Starke Worte seien das, die untermauern, dass die aktuelle Entwicklung in Neukölln im Vergleich zu Friedrichs- hain oder Prenzlauer Berg mit Gentrifizierung so viel bzw. wenig zu tun habe wie ein Elefant mit Pulloverstricken. Bei Topal endet das Kapitel mit dem Satz: „Kann man also den Reuterkiez mit ein wenig Phantasie als Gentrification im Wartestand bezeichnen, liegt Neukölln als Ganzes immer noch in der beschaulichen Ruhe vor dem womöglich niemals auftretenden Sturm.“ Wie sich das so genannte Kreuzkölln entwickeln werde, wisse er nicht, gab Heinz Buschkowsky zu. Kein abgeschlossenes Studium brauche man jedoch, um zu ahnen, dass sich der Schillerkiez wegen des angrenzenden Tempelhofer Feldes in den nächsten 10 bis 20 Jahren dramatisch verändern werde. Aber große Veränderungen habe es in Neukölln schon immer gegeben: „Der Norden Neuköllns von heute“, resümierte Buschkowsky nach einem ausgiebigen Schwenk in seine Jugendzeit, „hat mit meinen Erinnerungen an das Nord-Neu- kölln von früher absolut nichts mehr zu tun.“

„Doch“, bescheinigte  der ein- deutige Sieger in puncto Rede- zeit seinem Gast zum Schluss, „Sie haben mit Ihrem Buch einen wirklich guten Job für Neukölln gemacht.“ Buschkowsky erhielt daraufhin ein Exemplar mit persönlicher Widmung, Murat Topal im Gegenzug von ihm einen Buddy-Bären sowie die Einladung, sich ins Gästebuch des Rathauses einzutragen.

Wer Murat Topals Werk „Neukölln – die ganze Wahrheit von A – Z“ ge- winnen möchte, hat dazu jetzt die Gelegenheit. Der be.bra verlag stellt für eine Verlosung unter den Leserinnen und Lesern des FACETTEN-Magazins drei Bücher  zur Verfügung. Und diese Frage ist zu beantworten:

Zu welchem Kiez gehört die Sanderstraße, in der Murat Topal aufwuchs?

  • A) Körnerkiez
  • B) Schillerkiez
  • C) Reuterkiez
  • D) Richardkiez

Den richtigen Lösungsbuchstaben bitte hinter das Wort „Verlosung“ in die Betreffzeile einer E-Mail setzen und diese (mit Vor- und Zuname +  Postanschrift) an schicken. Einsendeschluss ist der 7. Sep- tember 2011 (23.59 Uhr); der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gehen mehr als drei richtige Anworten ein, entscheidet das Los. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

=ensa=

Platt in Neukölln

Neukölln hat nun seinen eigenen Begegnungsort für gestrandete Nordlichter: Die Muschelschubser haben  vor einigen Tagen spontan bei Facebook eine Gruppe gegründet und auch schon ein erstes Treffen in der realen statt der vir- tuellen Welt abgehalten.

Zusammen kam die Gruppe aus ein und demselben Grund. Sie wollen ihre Kultur hochhalten und Platt in Neukölln schnacken. Natürlich sind auch Kohlfahrten mit Boßeln und Köm geplant.

Viele der Mitglieder bekannten sich dazu, dass sie der plattdütschen Sprache nicht ganz mächtig sind. Verstehen ist nicht das Problem, beim Schnacken stoßen die meisten aber noch an ihre Grenzen. Dies soll mit viel Fleiß und Spaß in den nächsten Wochen und Monaten geändert werden.

Da das erste Treffen im „Ungeheuer“ im Körnerkiez sehr spontan war, konnten leider nur zwei Nordlichter teilnehmen, die platt in neukölln, stammtisch für norddeutsche, plattdeutsch lernenan- deren waren per Facebook zugeschaltet. Lustig ging es trotzdem zu. Bei einer ostfriesische Teezeremonie wurden die Lehrbücher ausgewählt und die ersten Ideen für zukünftige Treffen skizziert.

Die Treffen sollen alle 14 Tage statt- finden – öffentlich im „Ungeheuer“ und fürs harte Büffeln und die ersten Sprach- versuche in den Räumlichkeiten der aus Bremen stammenden Heilpraktikerin Kena Maier im Neuköllner Leuchtturm.

Wer sich angesprochen fühlt, aus Norddeutschland kommt, Platt lernen oder schnacken möchte, der ist herzlichst eingeladen und kann auch telefonisch Kontakt zu den Muschelschubsern aufnehmen: 030 – 303 467 11

=kena=

Seitenwechsel

Wer schon wegen des Ma- schendrahtzauns, der das Tem- pelhofer Feld umgibt, in Wallung gerät, dürfte gestern Nachmittag einen kräftigen Adrenalinschub bekommen haben: Auf der Neu- köllner Seite am Eingang Oder-/ Herrfurthstraße, wo vorher nur transparentes Maschendraht- gewebe war, versperrten plötz- lich fast zaunhohe Holzplatten den Blick auf Berlins größte Spielwiese. Sollten das erste Signale für Fakten sein, die fernab von öffentlichem Informationsfluss und Bürgerbeteiligung geschaffen wurden?

Wer dann die Oderstraße ver- ließ und sich aufs Feld – und somit auf die andere Seite des Bretterwalls – bewegte, konnte erleichtert aufatmen. Jedenfalls nach einem Gespräch mit de- nen, die sich mit Spraydosen, Farben und Pinseln kreativ an den hölzernen Tafeln betätigten.

Nein, es gehe hier nicht um einen Nachbau der Berliner Mauer – hier sei eine deutsch-französische Künstlergruppe dabei, das Bühnenbild für das Hip-Hop-Festival Paris-Berlin zu kreieren, das morgen (also: heute!) bei freiem Eintritt auf dem Feld an der Oderstraße stattfindet. Mit Konzerten von Berliner und Pariser Rappern, Hip-Hop- und Breakdancebattles,  Streetball, Live Painting und den Teilnehmern des DFJW-Mo- dellprojekts „Clichy-sous-Bois trifft Neukölln“, das innerhalb der Städtepartnerschaft Begegnungen zwischen Neukölln und der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois initiiert.

=ensa=

Fein gemacht

Nicht nur für Autofahrer, sondern vor allem für Radfahrer sind viele Straßen in Neukölln eine wahre Zumutung. Insbesondere die kopfsteingepflas- terten Verkehrswege sind im Laufe der Jahre zu Teststrecken für Stoß- dämpfer und Armmuskulatur mutiert. Vergleichsweise komfortable Bedin- gungen bieten dagegen die meisten asphaltierten Straßen. So auch die Böhmische Straße, die der Donau- straße entspringt und unweit vom Richardplatz in die Richardstraße mündet. Dank des Anti-Schlagloch-Programms des Berliner Senats, das 1,7 Millionen Euro in den Bezirk geschaufelt hat, bekommt sie derzeit eine neue Asphaltdecke, die direkt vor der Haustür der Psychosozialen Dienste, einer bezirklichen Erziehungs- und Familien- beratungsstelle, endet.

südliches kiehlufer, neukölln, neukölln ans wasserAuch für den Umbau des südlichen Kiehlufers wird aktuell ordentlich Geld in die Hand genommen. Das Pro- gramm „Neukölln ans Wasser“ macht es möglich, dass der Trampelpfad am östlichen Ufer des Neuköllner Schiffahrtskanals nun zu einem be- quemen Bürgersteig wird. Dass in der Gegend kaum Fußgänger unter- wegs sind, weil das von Gewerbe- betrieben  geprägte Gebiet im Rücken des Estrel Hotels nicht eben zum Flanieren animiert, scheint irrelevant. Sonst wären die Investitionen weiter nördlich ins Kiehlufer geflossen.

=ensa=

Vom Kuhstall zum Neuköllner Kulturstall

Draußen stehen noch allerlei Gerätschaften herum. Der hohe Bauzaun muss auch noch weg. Und die Freilichtbühne ist am Tag drei vor ihrer Inbetriebnahme vom Stadium der Fertigstellung noch ein ganzes Stück entfernt. Aber  übermorgen soll auf dem  Gutshof  Schloss  Britz  alles  bereit sein  für das große Hoffest  (ab 12 Uhr)  mit

kulturstall gutshof schloss britz, neuköllnfreilichtbühne, kulturstall gutshof schloss britz, neukölln

Handwerkerständen, Mitmachangeboten und  Kutschfahrten  und die feierliche Er- öffnung des Kulturstalls für geladene Gäste am Abend.

Im Kulturstall, der früher ein Kuhstall war und nun ein Konzert- und Theatersaal ist, sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Reinhard Mürau hat sich an den nagelneuen, reinhard mürau, kulturstall gutshof schloss britz, neuköllnschwarz glänzenden Flügel gesetzt, der auf der Bühne steht. „Wunderbar! Das ist traumhaft!“, schwärmt der Pianist schon nach wenigen Takten. Seine Begeisterung gilt einerseits der Akustik im Kulturstall und andererseits dem Instrument aus dem Hause C. Bechstein, dem Modell D282. Herrlich ausgeglichen sei es, sagt Mürau, ein Flügel, der das tut, was man will. Sonnabend wird er auf ihm eine Klaviersonate von Ludwig van Beethoven spielen. Dann werden sich nicht nur einige reinhard mürau, kulturstall gutshof schloss britz, neuköllnPresseleute im Saal aufhalten, sondern sämtliche Sitzplätze, von denen es rund 280 gibt, besetzt sein.

Reinhard Mürau, dem bereits früh eine „außergewöhnliche musikalische und pia- nistische Begabung“ bescheinigt wurde, kann es kaum noch erwarten. Auch auf den einen oder anderen Klavierabend, den er im Kulturstall geben wird, freut er sich schon jetzt. Überragende Bedingun- gen biete der neue Konzertsaal in Neukölln, findet der Musiker. Er nennt die Berliner Philharmonie, das Konzerthaus am Gendarmenmarkt und den Meistersaal am Potsdamer Platz – gleich danach, so Reinhard Müraus Resümee, komme der Kulturstall: „Hier zu spielen ist wirklich das pure Vergnügen.“

=ensa=