Weshalb im Neuköllner Ortsteil Neubritz das Braune nicht mehr ins Blaue kommt

Würde es wirklich Glück bringen, in Hundehaufen zu treten, müssten in Berlin die hundekotbeutel proneubritz e.v., neukölln, foto: gabriele kantel, schockwellenreiterglücklichsten Menschen Deutsch- lands leben. Bei über 20.000 Tonnen, die jährlich hinten aus den rund 150.000 Berliner Hunden fallen und auf Bürgersteigen, Parkwegen und in Grünanlagen liegen bleiben, stehen die Chancen schließlich mehr als gut, mitten in einer Tretmine zu landen.

Die Hundehaufendichte im Neuköll- ner Ortsteil Neubritz zu reduzieren, das hatte sich der proNeubritz e. V. in den vergangenen 2 1/2 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Sieben Dogstations richtete der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt & Hund gGmbh in den Straßen im Viertel zwischen Kranold- und Jahnstraße ein und bestückte die Tütenspender regelmäßig mit neuen blauen Hundekotbeuteln. Etwa 100.000 Hinterlassen- schaften, beziffert der proNeubritz e. V., seien jährlich eingetütet in den orange- farbenen BSR-Abfalleimern entsorgt worden.

Damit ist es nun vorbei: Am 15. September wurden die Dogstations zum vorläufig letz- ten Mal befüllt. Denn der kleine aktive Verein hat kein Geld mehr, für Nachschub zu sorgen. Zwischen 200 und 300 Euro wären pro Tütenspender und Jahr nötig, um Hundehaltern kontinuierlich griffbereites Verpackungsmaterial für den Dreck ihrer Vierbeiner anbieten zu können, schätzt der proNeubritz-Vorstandsvorsitzende Bertil Wewer. Bisher sei das durch private Spenden gestemmt worden; das Nachfüllen der Stationen übernahmen ehrenamtliche Patinnen und Paten: „Meist Leute, die selbst einen Hund haben und abends beim Gassi-Gehen ‚ihre‘ Box bestückten.“ Einmal pro Woche, sagt Wewer, sei das wenigstens fällig gewesen.

Um den neuen Sauberkeitsstandard erhalten zu können, versuchte der Verein im Kiez angesiedelte Hotels und Firmen mit Publikumsverkehr als Sponsoren für die Aktion zu gewinnen – erfolglos. „Die fanden die Idee auch meist gut“, so Bertil Wewer. Doch mehr Einsatz als ein Lippenbekenntnis habe letztlich keines der angesprochenen Unternehmen gezeigt.

Dabei darf das Betreiben von Dogstations im Sinne eines saubereren Umfelds durchaus als effektiv bezeichnet werden: Wo ausreichend Beutelspender be- reitstehen, schätzt man bei Stadt & Hund, erhöht sich die Zahl der Hundehalter, die die Hinterlassenschaften von Bello und Konsorten eintüten, von etwa 15 Prozent auf das über Vierfache.

=ensa=

5 Antworten

  1. Es ist schade, dass solche Projekte, die der Gesundheit und der Sauberkeit gleichermassen dienen so wenig Gegenliebe finden.

    Diese Erfahrug durften auch der Verein Pro Schillerkiez e.V. und die Haus- und Wohnungseigentümerinitiative Schillerpromenade sammeln.

    Als im Jahr 2002 einige Kieze durch die Aktion von Peter Strieder zum Millionär wurden, gab es auch zum ersten Mal eine Bewohner-Jury. Mit Freude und Elan, aber auch ebenso umsichtig wurde damals das Geld verteilt.

    Mein Antrag zur Aufstellung der Hundekottütenspender wurde schon 2002 einstimmig angenommen. In Zusammenarbeit mit der BSR wurden für die Entsorgung der gefüllten Tüten andersfarbige Müllbehälter bereitgestellt.

    Die Straßen waren in der folgenden Zeit sauberer,

    Die Hundehalter und Hundehalterinnen ließen sich durch das vorhandene Angebot der Tüten leicht ansprechen. Sie kamen dem freundlichen Hinweis die kostenfreien Tüten zu benutzen nach und bestückten sich oft mit einem Vorrat von 1 bis 3 weiteren Tüten.

    Leider mussten dann die Tütenspender wieder abgebaut werden, weil es über das Qm keine Folgefinanzierungen mehr gab.
    Ebenso konnten auch wir damals Niemanden finden, der dazu bereit war die Finanzierung der Tüten zu übernehmen.

    Nun schlummern die Tütenspender ungenutzt in den Vereinsräumen und nemen auch noch Platz weg.

    Es stellt sich die Frage, welche Rechte die Bewohner einer Stadt haben, in Anbetracht der gesundheitlichen Gefahr, die der Hundekot darstellt. Die Wurmeier, die jeder von uns mit seinen Schuhen in die Wohnung tragen kann, können bis zu 10 Jahre überleben.

    Es bemühen sich immer wieder kleine Gruppen dieses leidige Thema mit viel Energie in den Griff zu bekommen. Keine Gruppe hat die notwendigen Finanzen hier ewig durchzuhalten.

    Es ist längst an der Zeit, dass die Politiker hier endlich eine brauchbare Lösung finden und auch umsetzen..

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  2. wieso nicht direkt von der hundesteuer abzweigen, erscheint doch logisch. also antrag stellen bei entsprechenden gremien.

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  3. Der Vorschlag hört sich gut an, den hatten wir auch schon vor vielen Jahren selber, er er funktioniert leider nicht.

    Die Hundesteuer ist lediglich eine Luxussteuer, damit ein Hund gehalten werden darf. Diese Steuer stammt aus alten Zeiten, in denen man in der Stadt aus hygienischen Gründen möglichst keine Hunde haben wollte. Dadurch sollte die Anzahl der Hunde eingeschränlkt werden. Es gab in der Stadt mit wenigen Ausnahmen nur reine Wach- und Blindenhunde.
    Über die Hundesteuer werden Schäden finanziert, die durch den Hundekot und den Urin entstehen. Büsche und Bäume werden ersetzt, ebenso die im „Pinkelbereich“ versotteten Straßenlaternen, Ampeln und andere Straßenmöbel.
    Wie gesagt, hier können nur die Politiker etwas an den vorhandenen Tatsachen ändern, die Bürger können es nicht.

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  4. allerdings sehe ich jede Nacht immer wieder in der weserstr. männer auf dem kinderspielplatz pinkeln ect. die ganzen besoffenen der bars.auch gegen zäune und strassenlaterne, das sind nicht alles die hunde, die kinder pissen auch in den büschen auf dem kinderspielplatz, manchmal auch anderes. und obwohl auf dem spielplatz viele mülltonnen sind, schafft man es nicht es da zu entsorgen, man schmeisst es einfach auf dem boden. so sieht es dann auch aus nach dem we. möbel wurden immer an unserem baum entsorgt vor unserem haus, nachdem sich da monatelang mal alles türmte wegen winter, haben wir dann mal denjenigen angezeigt. wenn man ihn drauf ansprach, hiess es nur : wieso wird doch abgeholt!!
    nach der anzeige ist es jetzt bei uns alles sauber am baum.
    das büsche und bäume ersetzt werden wegen hundeurin, halte ich für blödsinn.

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    • Das Hundeurin massiv Pflanzen, insbesondere Bäume und Sträucher schädigt ist kein Blödsinn sondern eine seit jahrzehnten bewiesene Tatsache… Dies bedeutet nicht dass Menschenurin nicht auch Schäden anrichtet, doch der Guss ist im vergleich zu Hundeurin (bis auf Schwerpunktecken) eher vernachlässigbar…
      150.000 Hund in Berlin macht 60.000 bis 80.000 Liter Hundeurin pro Tag auf Bäume und Sträucher. Würde bedeuten, dass sich im Vergleich 600.000 bis 800.000 Berliner täglich 1x auf der Straße erleichtern würden… Eine unrealistische Größe, da wir nicht täglich Loveparade haben…

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