Was für ein Empfang

Morgen kommt der Papst nach Berlin und das bedeutet unter anderem: Ausnahmezustand rund um die Apostolische Nuntiatur in der Lilien- thalstraße. Denn dort – auf der Neu- köllner Seite der Straße, deren ge- genüberliegender Bürgersteig zum Bezirk Kreuzberg gehört – wird Bene- dikt XVI. das päpstliche Haupt zur Ruhe betten.

Damit er das wirklich ungestört tun kann, gelten ab morgen (4 Uhr) bis übermorgen (12 Uhr) massive Sicher- heitsvorkehrungen für den Kiez am U-Bahnhof Süd- stern. In diversen Stra- ßenzügen wird es we- der für Auto-, Motor- rad- und Fahrradfah- rer, noch für Fußgän- ger ein Durchkommen geben, sämtliche Zu- gänge in den Berliner Untergrund wurden überprüft und versie- gelt, und Anwohner kommen erst nach Personenkontrollen in ihre Wohnungen, deren Fenster zur Straßenseite während des oben genannten Zeitraums geschlossen zu halten sind. Erhebliche Einschränkungen müssen auch die Inhaber von Läden rund um die diplomatische Vertretung des Heiligen Stuhls hinnehmen: Sie werden ob des verhinderten Kundenverkehrs zu einem Zwangs-Frei-Tag verdonnert – wenn sie nicht, wie das Little John Bikes-Team, kurzum ihre jährliche Inventur auf den 22. September verlegen.

Das Berlin, das sich dem Papst bei seinem Deutschland-Besuch präsen- tiert, wird folglich mit dem wahren Berlin nur sehr wenig zu tun haben. Die Stadt wird zum Kulissendasein verdammt, genau wie alle anderen Stationen der Reise. Doch daran dürfte sich Joseph Aloisius Ratzinger während seiner gut sechsjährigen Amtszeit als Oberhaupt der katholischen Kirche längst gewöhnt haben. Zu wünschen wäre ihm indes, dass seine muttersprachlichen Fähig- keiten zwischenzeitlich etwas gelitten haben und ihm deshalb der gram- matikalische Patzer nicht auffällt, mit dem ihn die direkt neben der Nuntiatur gelegene St. Johannes-Basilika empfängt.

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