Passé in Neukölln: Molle, Korn, Kippe und Kreuze

Er erinnert sich noch gut an die erste Wahlbenachrichtigung, die er – aus West- deutschland zugezogen – als Neu- Berliner erhielt. Sein Wahllokal liege an der Ecke Schinke-/Hobrechtstraße und heiße „Rogers Inn“, wurde ihm mitgeteilt. In Schulen war er zuvor seinem Wahlrecht nachgekommen, in Gemeindesälen und in einer Se- niorentagesstätte – in einer Kneipe aber bis dato nie: „Das war schon sehr seltsam, vorbei an Frühschop- pen-Stammtischrunden zur Wahl- urne im Hinterzimmer zu gehen.“

Heute hat die damalige Kneipe von Roger Zillmann nicht nur einen neuen Besitzer, sondern mit „Kreuzkölln“ auch einen neuen Namen. Doch auch alle anderen Neuköllner Gaststätten, die einst zum Wählen bei Molle und Korn einluden, haben als Wahllokal ausgedient. „Bei den Kneipen hat es zu oft Beschwerden wegen des Publikums und der verqualmten Luft gegeben“, ist aus dem Büro der Landes- wahlleiterin zu hören. Deshalb werde heute in der Regel in Berlin in öffentlichen Gebäuden gewählt, in Neukölln fast ausnahmslos in Schulen.

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