Geplündert

Wer in Neukölln eine Baumscheibe begrünt und den Anspruch hat, sie zu hegen und zu pflegen, ist normalerweise vor allem damit beschäftigt, tagtäglich Plastik- und Papiermüll, Flaschen und Hundekacke aus dem Beet vor der Haustür zu klauben. So ging  es auch  denen jahrelang, die  sich um diesen  Minigarten in der  Emser Straße

im Neuköllner Körnerkiez kümmern, ihn bepflanzten und gossen. Doch eines Tages glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen: Sämtliche Blumen, die samt Topf in der Baumscheibe gesteckt hatten, waren weg. Geklaut! „So was hatten wir noch nie erlebt“, sagen sie. Dass jemand die Pflanzen höchstwahrscheinlich so schön fand, dass er unbedingt den eigenen Balkon damit begrünen wollte, tröstet nur wenig: „Hätte er gefragt, hätten wir ihm gerne gesagt, wo wir sie her haben.“ Aber der Weg wäre dem Dieb wohl zu weit gewesen. Und zu seiner Geiz ist geil-Mentalität hätte es auch nicht gepasst.

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Durchleuchtung garantiert: Nord-Neuköllner auf dem Röntgentisch

Wer im Norden Neuköllns wohnt, hat in letzter Zeit vielleicht nicht nur Post in Sachen Zensus 2011 und Berlin-Wahl bekommen, sondern womöglich außerdem einen vierseitigen befragung nord-neukölln 2011,topos stadtforschungFragebogen von TOPOS Stadt- forschung, der im Auftrag der Senatsver- waltung für Stadtentwicklung entstand.

Befragung Nord-Neukölln 2011 steht in Fett- druck auf dem, und im Anschreiben erfährt der Adressat, dass er einer von rund 9.000 Haus- halten ist, die „durch eine Zufallsstichprobe ausgewählt“ wurden. In Neukölln habe es in den vergangenen Jahren viele Veränderungen und einen verstärkten Zuzug gegeben, Pro- bleme wie z. B. Arbeitslosigkeit seien jedoch nach wie vor nicht beseitigt. Auswirkungen auf die Bezahlbarkeit von Wohnungen könnten Folgen der Entwicklung sein. Deshalb wolle man nun per Fragebogen die Sozialstruktur und gesellschaftlichen Veränderungen so- wie die Meinungen zum Wohngebiet und dessen Entwicklung ermitteln, um möglicherweise entstandene Probleme oder Verbesserungen analysieren zu können.

Funktionieren soll das durch Fragen zur Wohnung, Fragen zur Nachbarschaft und zum Gebiet und Fragen zum Haushalt. Jeweils sechs sind es bei den ersten beiden Themenkomplexen. In welcher Straße liegt die Wohnung, wie groß ist sie und wie ausgestattet? Wie hoch  ist die Miete und wurde die in den letzten drei Jahren erhöht? All das ist von Interesse. Ebenso: Welche Qualität und Intensität haben die nachbarschaftlichen Kontakte? Was fehlt und was stört im Kiez?  Welche Ver- besserungsvorschläge sind nach eigenem Dafürhalten die dringlichsten? Bei einigen Fragen müssen nur Kreuze befragung nord-neukölln 2011,topos stadtforschung, fragen zum haushaltge- setzt werden, bei anderen sind Text- felder auszufüllen.

Das Prozedere setzt sich auf den letzten beiden Seiten fort, auf denen sich alles um den eigenen Haushalt und dessen Ange- hörige dreht, 19 Fragen lang. Geschlecht, Geburtsjahr, berufliche Stellung, höchster Abschluss der Berufsausbildung und wann dieser absolviert wurde, aktuelle Tätigkeiten der Haushaltsmitglieder: Nichts, was nicht unerforscht bleiben soll. Gehören zum Haushalt ein oder gleich mehrere Autos?  Wird Wohngeld bezogen? Wie hoch ist das Haushalts- nettoeinkommen? Welche Nationalitäten wohnen zusammen und welche Spra- chen werden in den eigenen vier Wänden gesprochen? Hat ein Haushaltsmitglied die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen? Trägt man sich mit vagen Umzugsgedanken oder haben die womöglich schon konkretere Formen?

Ein Dank für die Mitarbeit beschließt die Erforschung der Nord-Neuköllner. Die Angabe des Namens sei nicht vorgesehen, teilt der Begleitbrief mit, und die Ant- worten würden selbstverständlich anonym ausgewertet werden. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme an der Umfrage freiwillig ist. Aber die Angeschriebenen erfahren auch: „Senden Sie den Fragebogen bitte auf jeden Fall zurück, auch wenn Sie ihn nicht ganz vollständig ausgefüllt haben.“ Ein Freiumschlag liegt dafür natürlich bei.

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Allzeit bereit

In diesem „Sommer“ muss es oft sehr schnell gehen, will man nicht bis auf die Haut durchnässt sei- nen Weg fortsetzen. Blauer Him- mel und Sonnenschein wechseln sich rasant mit dunklen Wolken und strömendem Regen ab. Wer kann, legt einen Sprint zum nächsten schützenden Hausein- gang ein oder zerrt in Windeseile den allzeit bereiten Regenschirm aus der Tasche.

Insbesondere Gehbehinderte, die auf einen Rollator angewiesen sind, stellt die beständig unbe- ständige Wetterlage jedoch vor erhebliche Probleme. Ein Sprint liegt außerhalb ihrer Möglichkei- ten, ebenso das gleichzeitige Hantieren mit Schirm und Geh- wagen. Schlimmstenfalls mehrmals täglich sind die Betroffenen mit der Unver- einbarkeit des Vorwärtskommens und Trockenbleibens konfrontiert. Ein Zustand, mit dem sich der clevere Konstrukteur dieses Rollators offenbar nicht abfinden wollte. Sein jüngst in Neukölln gesichteter Prototyp hat wahrlich das Zeug, zum begehrten Serienmodell zu werden. Einziges Manko ist die Windanfälligkeit.

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Viele Fahrer, wenig Zuschauer

Autofahrer hatten es gestern nicht leicht in Neukölln: Die Karl-Marx-Straße stadt- auswärts vom Hermannplatz bis zur Fuldastraße gesperrt, die Hermannstraße stadteinwärts auf dem Abschnitt zwischen Flughafenstraße und Hermannplatz dicht, und auf der Flughafenstraße gab es für Motorisierte  ebenfalls kein Durchkommen. Grund dafür war aber kein Großeinsatz der Berliner Feuerwehr oder Polizei, sondern 55. rollbergrennen, radrennen, start flughafenstraße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910das Revival des Rollbergrennens.

2004 hatte der Klassiker für Radrennfahrer zuletzt stattgefunden. „Da lebte mein Mann noch“, sagt die 82-Jährige, die seit fast 40 Jahren in der Flughafenstraße wohnt. Ihr Wohnzimmerfenster steht weit offen, die Blumentöpfe sind von der Fensterbank ge- 55. rollbergrennen, radrennen, start flughafenstraße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910räumt, auf der nun ein dickes Kissen liegt.  Als Hubert noch war, hätten sie die Rennen immer zusammen von hier aus verfolgt, erinnert sich die Frau. Eine ziemlich brenzlige Ecke sei die Kreuzung vor der Haustür gewesen. Mit vollem Karacho seien die Fahrer vom holperigen Kopfsteinpflaster der abschüssigen Mainzer Straße in die notdürftig geflickte Flug- hafenstraße eingebogen.

Statt einer gefährlichen Kurve hatte die radsportbegeisterte Rentnerin gestern von 55. rollbergrennen, radrennen, start hauptrennen flughafenstraße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910ihrem Logenplatz aus den Start-/Zielbereich im Blick. Denn bei der Neuauflage des Traditionsrennens gab es eine geänderte Streckenführung. Nach einem 55. rollbergrennen, radrennen, flughafenstraße, hermannstraße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910kurzen Anstieg bis zur Kreuzung Hermann- straße ging es rechts rasant bergab bis zum Hermannplatz, auf der Karl-Marx-Straße bis zu den Neukölln Arcaden und 55. rollbergrennen, radrennen, hermannstraße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910dort wieder die Flug- hafenstraße hinauf. Ein Rundkurs von 2,1 Kilometern, der – im Gegensatz zu 55. rollbergrennen, radrennen, hermannstraße, hermannplatz, neukölln, nrvg luisenstadt 1910früher –  zur Freude der Sportler ausschließlich über asphaltierte Stra- ßen führte und trotz zeitweiligen Regens gute Zeiten ermöglichte. Nicht mal drei Minuten 55. rollbergrennen, radrennen, karl-marx-straße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910brauchten die Fahrer vom Spitzenfeld des Hauptrennens,  das über 105 Kilometer ging, für die 55. rollbergrennen, radrennen, flughafenstraße, neukölln, nrvg luisenstadt 1910Runde. Die schnells- ten U15-Schüler und U17-Jugendlichen wa- ren nur unwesentlich langsamer, hatten je- doch auch nur sieben bzw. 15 Runden zu absolvieren.

„In der Zeit, in der die ’ne ganze Runde fahren, bin ich gerade die Flughafenstraße hoch“, sagt eine Frau schmunzelnd und treibt die Führenden vom Straßenrand aus klatschend an. Viele sind es nicht, die wie sie das von der NRVg. Luisenstadt organisierte 55. Rollbergrennen live miterleben wollen. „Schade für die Sportler“, findet die Mittfünfzigerin. Wenn es im nächsten Jahr eine 56. Auflage geben sollte, meint sie, müsse unbedingt vorher mehr Reklame dafür gemacht werden: „Die war diesmal ja wirklich sehr mager.“

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Tierisch irritierend

Da dürfte der eine oder andere Kiffer oder Junkie in Neu- köllns Hasenheide etwas gestaunt und sich gefragt haben, was für ’n Zeug ihm sein Dealer denn wohl diesmal ange- dreht hat.

Doch allen, die nicht auf Drogen waren, bot sich gestern Nachmittag dassel- be Bild: Zwei Män- ner, die keine Hunde sondern Alpakas an den Leinen hatten und bei schönstem Sommerintermezzo-Wetter durch den Park spazierten.

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Aus Papier: die Kondome des 21. Jahrhunderts

„Tinaaaaaa, wat kosten die Kondome?“ – wer er- innert sich nicht an diesen rund 20 Jahre alten Werbespot der Bundeszentrale für gesundheit- liche Aufklärung, in dem Hella von Sinnen eine Kassiererin und Ingolf Lück einen beim Kauf von Präservativen ertappten Kunden spielt?

„Manchmal komm ich mir vor wie der Ingolf Lück des 21. Jahrhunderts“, sagt Bernd. Im Leben des heute 38-jährigen Neuköllners ist vieles nicht eben glatt gelaufen. Innerhalb weniger Monate sei er alles los gewesen, was ihm wichtig war: die Frau, die er „abgöttisch geliebt“ hatte, die ge- meinsame uneheliche Tochter, den Job. Alkohol und Drogen wurden seine besten Freunde. Ohne die, meint er, hätte er sich wahrscheinlich einen Strick genommen, als seine Ex begann, Miss- brauchsvorwürfe zu lancieren, um einen Keil zwi- schen ihn und das Kind zu treiben. „Seit einem halben“, sagt Bernd, „bin ich aber völlig clean.“ Schließlich wolle er unbedingt irgendwann wieder Kontakt zu seiner Tochter haben und ein normales Leben führen – mit selber verdientem Geld. Im Gegensatz zu vielen anderen bemühe er sich wirklich um eine Stelle.

Momentan lebt Bernd von Hartz IV. In seinem Einkaufswagen liegen Obst, Gemüse, Milch, Brot, diverse Grundnahrungsmittel und eine 500 Blatt-Packung Schreibpapier. „25,11 Euro“, sagt die Kassiererin. Statt eines Portemonnaies zieht Bernd einen knallgelben Zettel aus seiner Hosentasche und faltet ihn zum DIN A4-Format auseinander. Das Logo des JobCenters prangt auf der oberen rechten Ecke. Die junge Frau an der Supermarkt-Kasse sieht sich das Blatt an und teilt Bernd mit, dass sie neu sei und nichts damit anzufangen wisse. Sie guckt sich Hilfe suchend um, bevor sie sich lautstark an die Kollegin wendet, die drei Kassen entfernt sitzt: „Janine, ick hab hier jemanden mit  so ‚m jelben Zettel. Wat mach ick denn damit?“ Nun wissen auch die Leute in der anderen Kassenschlange, dass Bernd keiner ist, der mit Geld bezahlt. Er guckt verlegen auf seine Einkäufe, biegt den Personalausweis, den er in seinen Händen hält.

Die Filialleiterin kommt und erklärt der neuen Mitarbeiterin im Flüsterton, wie die Zahlung per Lebensmittelgutschein zu handhaben ist. Der von Bernd hat einen Wert von 30 Euro, maximal 5 Euro Wechselgeld dürfen bar ausgezahlt werden. Er steckt die Münzen in seine vordere rechte Hosentasche und den Personalausweis nach der Überprüfung durch die Kassiererin wieder in die hintere linke. Die Erleichterung, dass es nun wohl endlich reibungslos weitergeht, ist denen, die hinter ihm in der Schlange stehen, deutlich anzusehen. Furchtbar peinlich und demütigend seien solche Situationen, sagt Bernd. Um sie zu vermeiden, gehe er am liebsten einkaufen, wenn es in den Läden leer ist – frühmorgens und nie samstags. Aber das klappe eben leider nicht immer.

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Ins Gedächtnis Neuköllns abgetaucht

Es wäre schon eine bodenlose Gemeinheit, unter normalen Umständen im Hochsommer einen Besuch des Neuköllner Geschichtsspeichers zu empfehlen. Denn bei Temperaturen um die 30° und hoher Luftfeuchtigkeit ist es dort schier unerträglich. Ebenso gut könnte man zu einem Saunabesuch in Wintermantel und Fellstiefeln raten. Doch dieser Sommer ist so weit von dem entfernt, was landläufig geschichtsspeicher museum neuköllnSommer genannt wird wie die Ber- liner Bäderbetriebe (BBB) von den erwarteten Einnahmen für die aktuelle Badesaison: Lediglich „gut 30 Prozent des Vorjahresumsatzes zur gleichen Zeit“ seien bis Mitte Juli in die Kassen geflossen, erklärte BBB-Chef Klaus Lipinsky kürzlich im Interview mit der Berliner Morgenpost. Verständlicher- weise hofft er auf einen heißen Au- gust. Für die Expedition ins (barriere- freie!) Gedächtnis Neuköllns unterm Dach des Museums sollte man aus genannten Gründen besser auf das Gegenteil hoffen.

Die Tickets für den Selbstversuch in Sachen Zeitreise sind gelöst: Sie sind gratis, kosten lediglich das vorherige Grübeln darüber, welche Aspekte aus der Historie des Bezirks erforscht werden sollen. Der Wunsch einfach mal gucken zu wollen, reicht nicht, um eine Eintrittskarte zu bekommen. „Wir würden gerne im Geschichtsspeicher zu folgenden Themen recherchieren: 1. Zwangsarbeit der in der Gradestraße ange- siedelten Firmen (z. B. Pintschöl, Kasika, Efha), 2. Stadtbad Neukölln (vorrangig Bild- hauerarbeiten/Skulpturen), 3. Architekt Rossa/Genezareth-Kirche“, stand in der Mail, geschichtsspeicher museum neuköllnmit der wir uns beim Geschichtsspei- cher anmeldeten. Danach passierte erstmal lange nichts. Aus personellen Gründen, so Projektleiterin Barbara Hoffmann, sei das historische Archiv des Bezirks über Wochen geschlos- sen gewesen. Erst Ende Mai öffnete die im Oktober letzten Jahres in Be- trieb genommene Einrichtung wieder.

„Über Rossa hab ich nur wenig ge- funden“, kündigt Barbara Hoffmann mit Blick auf den großen Tisch an. Der Stapel mit Informationen über das Stadtbad Neukölln ist ein ganzes Stück höher, die bedrückenden Zeitzeugnisse über Zwangs- geschichtsspeicher museum neukölln, stadtbad neuköllnarbeit bei Neuköllner Firmen füllen mehrere Ordner.

Nach einigen Stunden des Stöberns in jahrzehntealten Dokumenten, Fo- tos, Zeitungsartikeln, Schriftverkehr und Aktennotizen sind wir um vieles schlauer, was unweigerlich zur Ge- schichte Neuköllns gehört. Wir wis- sen sogar, was sowohl bei den Ber- liner Bäderbetrieben als auch beim Berliner Landesdenkmalamt nicht be- kannt ist: Dass die Bronze-Skulpturen im Stadtbad Neukölln Arbeiten des Malers und Bildhauers Richard Guhr sind, dass sie 10 Zentner wiegen und in den 1960er Jahren im Hof des Bades statt in der Schwimmhalle standen.

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Schlimmer geht’s immer

Dass die Umgestaltung eines Platzes nicht zwangsläufig eine Verschönerung bedeutet, dürfte niemandem verborgen bleiben, der sich mit offenen Augen durch Berlin bewegt und die Vorher- wie auch die Nachher-Situation kennt. Auch in Neukölln gibt man sich viel Mühe mit Verschlechtbesserungen. Das markanteste Beispiel dürfte aktuell die westliche Seite des Richardplatzes sein.

Vor rund einem Jahr wurde damit begonnen den Platz, der Keimzelle des Bezirks ist, richardplatz neukölln, april 2011, umgestaltungzu beackern (wir berichte- ten). Vor gut einem Viertel- jahr war aus der zuvor verwilderten, von Trampel- pfaden durchzogenen Ra- senfläche ein zugepflaster- tes Areal geworden. Links und rechts davon hatte man Platz für Grünes gelassen, und wer wollte, konnte es sich auf den Bänken bequem machen, um der Flora beim Wachsen zuzusehen.

richardplatz neukölln, august 2011, umgestaltungHeute hat sich die Botanik beträchtlich entwickelt und bildet mit Unkraut und Unrat ein urbanes Still- leben. Damit der Platz ja nicht von den Anwohnern als Treffpunkt und Aufent- haltsort genutzt wird, wur- den die Bänke inzwischen wieder abgebaut. Zudem wurden, um die Vermüllung des Platzes nicht zu behindern, alle Abfallkörbe bis auf einen wieder entfernt. Eine landschaftsarchitektonische Meisterleistung, die dem Richardplatz zuteil wurde.

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Mit Anlauf in den Tod

Räumungsverkauf steht auf roten Bannern auf den Schaufenstern und über der verwitterten Markise. Kinderschuhe, Damenschuhe, Herren- schuhe – alles ist erheblich reduziert, nur der Service nicht. Wer das Geschäft in der Karl- Marx-Straße 122 betritt, wird freund- lich begrüßt und „Kann ich Ihnen helfen?“ gefragt. Drei Verkäuferin- nen stehen bereit, um sich der Kundschaft anzunehmen. Bis zum Jahresende wird das noch so sein, dann ist Schluss, denn das Schlagwort „Räumungs- verkauf“ ist hier kein Marketinginstrument: Nach 32 Jahren schließt das Schuhhaus Wittstock seine Filiale in Neukölln und setzt damit die Serie des Sterbens tra- ditionsreicher Fachgeschäfte fort, das trotz City-Management in der Magistrale des Bezirks grassiert.

Schuhe, deren regulärer Preis um einiges über der 100 Euro-Marke lag, sind nun für weit weniger als die Hälfte zu haben.  „Aber auch das ist vielen noch zu teuer“, erzählt eine der Verkäuferinnen. Um Qualität oder eine fachlich kompetente Beratung gehe es nur wenigen, die zum Shoppen in die Karl-Marx-Straße kommen. „Mir schon!“, mischt sich eine Mittvierzigerin ein, die seit rund 30 Jahren Neuköllnerin und seitdem Stammkundin bei Wittstock ist. „Meine Konfirmationsschuhe waren das erste Paar, das ich von hier hab“, erinnert sie sich. Auch die Füße ihrer beiden Kinder seien fast ausnahmslos aus Schuhen gewachsen, die in der Neuköllner Filiale des Familien- unternehmens gekauft wurden. Sie nehme die Sneakers, entscheidet die Frau nach einem Testlauf durch das Geschäft: „Richtig angenehm ist es mir aber nicht, mich an dieser Leichenfledderei zu beteiligen.“ Für weniger als 30 Euro sind die sportiven Lederschuhe ihre. „In den meisten Läden in der Nachbarschaft würde ich für das Geld zwei Paar Schuhe kriegen“, weiß die Kundin. Doch in die Geschäfte gehe sie gar nicht erst rein. Genügend andere tun es und kommen nach erfolgreicher Schnäppchenjagd schwer bepackt wieder heraus.

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Eine Frage der Interpretation

berlin-wahl 2011, heinz buschkowsky, spd neuköllnHeinz steht in Fettdruck in der oberen Zeile, Busch- kowsky genauso fett da- runter, dann folgt mit Zei- lenabstand in grazileren Lettern Der Bezirksbür- germeister. – mit Punkt, obwohl zum kompletten Satz ganz Entscheiden- des fehlt.

Was die Neuköllner SPD und ihr Spitzenkandidat durch diesen Punkt zum Ausdruck bringen wollen, darüber darf munter spe- kuliert werden. Steht er für „Punkt, Schluss, bas- ta!“ und ist eigentlich nur das Überbleibsel eines Ausrufezeichens? Soll er subtil auf die Bildungs- misere in Neukölln auf- merksam machen? Oder will da jemand keine Gelegenheit zum Punkten auslassen, obwohl es doch bei der Wahl am 18. September auf Kreuze ankommt?

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Neuköllner Schätze (1)

Heute beginnt nicht nur der Ramadan (dazu sehr lesenswert: Hatice Akyüns aktuelle Tagesspiegel-Kolumne), sondern auch unsere Sommer-Serie Neuköllner Schätze. In der zeigen wir in lockerer Reihenfolge Dekoratives, Nützliches oder auch Skur- riles, das sonst weitgehend verborgen bleibt. Denn obwohl Balkone zwar der mit Abstand öffentlichste Teil einer Wohnung sind, ist für Passanten meist nur Grü- nendes oder Blühendes sichtbar – nicht aber:

Anton, der in einem Neuköllner Trödelladen zu verstauben drohte und nun bei neuen Besitzern in luftiger Höhe einen Logenplatz zwischen den Geranien bekommen hat.

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