Die Mauer in Neukölln

„Wo stand denn die Mauer?“ Das fragen sich vor allem Berlin-Touristen, aber auch viele Berliner, die zu jung sind, um sie miterlebt zu haben, oder erst nach dem Fall der innerstädtischen Grenze zu Berlinern wurden. Diejenigen hingegen, die vis-à-vis mit der Berliner Mauer gelebt haben, tragen ihren Anblick im Gedächtnis mit sich herum wie die Erinnerung an die erste Liebe, den Tod enger Familienangehöriger, 9/11 oder das erste eigene Auto. „Hier stand das Monstrum, direkt vor unserer Nase!“, sagt ein Neuköllner, der seit eh und je in der Hei- delberger Straße wohnt.

Eine doppelte Pflastersteinreihe erinnert an den Wall, der die Straße von 1961 bis 1989 in West und Ost teilte. An der Ecke wur- de eine Gedenktafel für Heinz Jercha aufgestellt, der 25 Menschen durch einen der vielen Fluchttunnel unter der Sektorengrenze in der Heidelberger Straße in die Freiheit führte und am 27. März 1962 an dieser Stelle erschossen wurde. Insgesamt mindestens 136 Menschen verloren – wie er – am Todesstreifen ihr Leben.

Mit einer Schweigeminute soll heute, am 50. Jahrestag des Mauerbaus, ab Punkt 12 in Berlin der Opfer gedacht werden, Kirchenglocken werden für sie läuten und Busse und Bahnen so lange stoppen.

Wo seinerzeit die Mauer verlief, zeigt diese Karte. Wer den optischen Ein- druck durch haptisches Erleben intensivieren will, dem sei ein Besuch des Estrel Hotels empfohlen:  Dessen Eigentümer Ekke- hard Streletzki erwarb vor knapp drei Jahren bei einer Auktion vier Mauersegmente, die nun als Zeitzeugnisse zwischen dem Hotel und dem Convention Center stehen – knapp 2 Kilometer vom ehemaligen Grenz- übergang Sonnenallee entfernt.

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