Mit Anlauf in den Tod

Räumungsverkauf steht auf roten Bannern auf den Schaufenstern und über der verwitterten Markise. Kinderschuhe, Damenschuhe, Herren- schuhe – alles ist erheblich reduziert, nur der Service nicht. Wer das Geschäft in der Karl- Marx-Straße 122 betritt, wird freund- lich begrüßt und „Kann ich Ihnen helfen?“ gefragt. Drei Verkäuferin- nen stehen bereit, um sich der Kundschaft anzunehmen. Bis zum Jahresende wird das noch so sein, dann ist Schluss, denn das Schlagwort „Räumungs- verkauf“ ist hier kein Marketinginstrument: Nach 32 Jahren schließt das Schuhhaus Wittstock seine Filiale in Neukölln und setzt damit die Serie des Sterbens tra- ditionsreicher Fachgeschäfte fort, das trotz City-Management in der Magistrale des Bezirks grassiert.

Schuhe, deren regulärer Preis um einiges über der 100 Euro-Marke lag, sind nun für weit weniger als die Hälfte zu haben.  „Aber auch das ist vielen noch zu teuer“, erzählt eine der Verkäuferinnen. Um Qualität oder eine fachlich kompetente Beratung gehe es nur wenigen, die zum Shoppen in die Karl-Marx-Straße kommen. „Mir schon!“, mischt sich eine Mittvierzigerin ein, die seit rund 30 Jahren Neuköllnerin und seitdem Stammkundin bei Wittstock ist. „Meine Konfirmationsschuhe waren das erste Paar, das ich von hier hab“, erinnert sie sich. Auch die Füße ihrer beiden Kinder seien fast ausnahmslos aus Schuhen gewachsen, die in der Neuköllner Filiale des Familien- unternehmens gekauft wurden. Sie nehme die Sneakers, entscheidet die Frau nach einem Testlauf durch das Geschäft: „Richtig angenehm ist es mir aber nicht, mich an dieser Leichenfledderei zu beteiligen.“ Für weniger als 30 Euro sind die sportiven Lederschuhe ihre. „In den meisten Läden in der Nachbarschaft würde ich für das Geld zwei Paar Schuhe kriegen“, weiß die Kundin. Doch in die Geschäfte gehe sie gar nicht erst rein. Genügend andere tun es und kommen nach erfolgreicher Schnäppchenjagd schwer bepackt wieder heraus.

=ensa=

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Eine Antwort

  1. S C H A D E !!!

    So verschwindet ein gutes Geschäft nach dem anderen!
    Was kommt danach?

    Handyladen und Billigpreisketten?
    Sie sind nicht erstrebenswert,
    aber noch nicht das Schlechteste.

    Spielcasinos?
    Die benötigen wir am wenigsten,
    sie dekorieren keine Wohngegend zum Vorteil!

    Nun, wir werden es erleben!

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