Verdienstmedaille für eine Neuköllnerin: „Ich find’s maßlos übertrieben!“

Eigentlich sollte Helga Schneider schon vor einigen Wochen mit der Verdienst- medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden. „Das hab ich aber erst ’ne halbe Stunde vor dem Termin erfahren und das war mir dann doch ein bisschen zu kurzfristig“, sagt die 72-Jährige. Amüsiert erzählt sie von den Irrungen und Wirrungen, die durch ihren Umzug innerhalb Berlins ob der fehlenden Koordination zwischen den gelben und grünen Briefzustellern ent- standen waren: „Mein Nachsendeantrag funktionierte zwar bei der Post einwandfrei, aber von dem wusste die PIN AG nichts, die die ganzen Schreiben vom Senat immer weiter lustig in meinen alten Briefkasten stopfte.“ Bis sich eine ehemalige Nachbarin der Sache annahm. „Das sieht alles so offiziell aus. Du kriegst bestimmt ’nen Orden“, habe die Frau geunkt, bevor sie auf Helga Schneiders Anweisung die Ku- verts öffnete und ihr telefonisch mitteilte, dass der Spaß Ernst sei und die Zeremonie bereits in einer halben Stunde beginnen solle. Die Neuköllnerin ließ den Termin verstreichen, setzte sich dann aber am nächsten Tag mit der Senatsver- waltung in Verbindung.

„Denen hab ich erstmal gesagt, dass ich es maßlos übertrieben finde, dass ich die- se Auszeichnung für mein ehrenamtliches Engagement bekommen soll, weil es viele gibt, die genauso viel oder noch mehr leisten“, erinnert sich Helga Schneider. Seit vielen Jahren ist die pensionierte Krankenschwester für das Berliner Herz, die Bürgerstiftung Neukölln und das Ricam-Hospiz tätig.

Ersteres, ein ambulantes Kinderhospiz, sei eine absolute Herzensangelegenheit und die ehrenamtliche Aufgabe, die ihr mit Abstand am wichtigsten ist: „Man kriegt da so viel zurück, wenn man sich auch nur stundenweise um schwerstkranke Kinder kümmert und den Eltern und Geschwistern dadurch die Möglichkeit schenkt, zu- mindest sporadisch ein Stück ganz normales Leben zu haben.“ Momentan kommt eine Familie im Norden Berlins jeden Dienstag in diesen Genuss. Im Ricam-Hospiz sind es vorwiegend die Pflanzen, die von Helga Schneiders Lebenselixier, Gutes tun zu wollen, profitieren. Zweimal wöchentlich wird sie dort als Blumenfee aktiv und sorgt dafür, dass die botanische Pracht, die viel zur Atmosphäre des Hauses beiträgt, wächst und gedeiht. Indes ist ihr Engagement bei der Bürgerstiftung Neukölln vor allem Spaß und Entspannung in eigener Sache: Sie helfe da beim Trödelstand mit und mache was fürs Büffet, wenn Feste sind.

„Was soll ich denn sonst tun? Ausm Fenster gucken? Oder Kreuzfahrten machen?“, fragt Helga Schneider. „Was Langweiligeres gibt’s doch gar nicht.“ Außerdem seien weite Reisen ohnehin kein Thema mehr für sie. „Die hab ich früher gemacht, vor vier Jahren die letzte. Heute kann ich in meinem Wohnwagen im Spreewald am besten auftanken.“ Sie klingt dabei wie eine, die mit ihrem Leben einfach zufrieden ist und das Glück, dass es ihr gut geht, tag- täglich lebt.

Seit gestern darf sich Helga Schneider „Trägerin der Bun- desverdienstmedaille“ nennen. Senatorin Carola Bluhm verlieh ihr die Auszeichnung im Namen von Bundespräsident Christian Wulff – nebst einer Urkunde. „Und einer Gebrauchsanleitung, in der genau steht, wie sie zu tragen ist“, erzählt sie lachend. Für Damen gelte, dass die Medaille bei öffentlichen Anlässen genau eine Handbreit unter dem Schlüsselbein auf der linken Seite anzubringen sei. „Ich finde die Auszeichnung zwar immer noch maßlos übertrieben“, sagt Helga Schneider, „habe sie aber angenommen – für alle, die namenlos und verdienstmedaille des bundesverdienstkreuzes der bundesrepublik deutschland,helga schneider,carola bluhm,berlin,neuköllnungeehrt ehrenamtlich aktiv sind.“

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