Unerwünscht, verfolgt, versetzt, entlassen

Sie standen als Straßenbahnschaffner, Oberbaurat, Brandmeister, Sekretärin, Stra- ßenreiniger, Oberinspektor, Historiker oder als Direktor des Strandbads Wannsee bei der Stadt Berlin in Lohn und Brot. Sie gehörten als Angestellte, Beamte oder Ar- beiter zu den rund 100.000 öffentlich Beschäftigten der damaligen Reichshaupt- stadt, waren beliebt, erfolgreich und integer.

Doch all ihre fachlichen Fä- higkeiten und Sekundärtu- genden nütz- ten Friedrich Küter, Robert Kauffmann, Lucian David, Rosa Hartoch und Hermann Clajus 1933 nach der Machtergreifung der Nazis nichts mehr. Es erging ihnen wie Tausenden anderen: Weil sie Kommunisten, Juden, Sozialdemokraten oder einfach nur mit der „falschen“ Frau verheiratet waren, wurden sie von einem Tag auf den anderen zu unerwünschten Beschäftigten der Verwaltung, zu Staatsfeinden, die versetzt, zwangspensioniert oder entlassen wurden.

Die Ausstellung „… auf dem Dienstweg“ dokumentiert noch bis zum 14. Juli in der Stadtbibliothek Neukölln anhand von 11 Einzelschicksalen die Verfolgung von Angestellten, Arbeitern und Beamten der Stadt Berlin in der Zeit des NS-Regimes. Zugleich zeigt sie, wie Kurator Christian Dirks bei der Vernissage betonte, die maßgeblichen Akteure und Täter der Verfolgung. „Wenig bekannt ist allerdings noch über die Unterstützer, die sie auf mikropolitischer Ebene hatten“, schränkte er ein.

Insbesondere in Neukölln, so der Historiker, wurde allzu deutlich, dass „die Verwaltung weitaus weni- ger rot als geglaubt“ war. Von den berlinweit etwa 750 eliminierten städtischen Angestellten hatten 35 Prozent bis dato eine Tätigkeit beim Bezirk Neukölln inne: „Das ist ein Spitzenwert in Berlin.“

Zu denen, die ob ihrer SPD-Mitgliedschaft und der jüdischen Herkunft aus dem öffentlichen Dienst entlassen wurden, zählte auch Helene Nathan, die bis 1933 als Bibliothekarin in Neukölln tätig war. Dass die Ausstellung über Menschen, die das gleiche Schicksal wie sie erlitten, nun in der Neuköllner Stadtbibliothek gezeigt wird, die ihren Namen trägt, könnte als posthume Würdigung verstanden werden. Ausschlaggebend waren jedoch eher massive Probleme, in Neukölln überhaupt einen Ort und Termin für die so sehenswerte wie bedrückende Wanderausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und der Agentur Bergzwo zu finden: Das Bezirksamt Neukölln habe das Angebot, „… auf dem Dienstweg“ im Rathaus zu zeigen, dankend abgelehnt.

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