Die letzte Adresse

ricam-hospiz, neukölln, tag der offenen türBerlin-Neukölln, Delbrückstraße 22. Für alle, die in der 5. Etage des Hauses ein Zimmer beziehen, ist diese Adresse die letzte. Denn hier, über den Dä- chern des Ortsteils Neubritz, hat vor 13 Jahren das Ricam Hospiz eröffnet. Damals war es das erste Hospiz in Berlin, inzwischen gibt es neun Ein- richtungen im Stadtgebiet, die auf die medizini- sche Versorgung, Betreuung und ricam-hospiz, neuköllnPflege Todkranker spezialisiert sind.

Alle haben, wie es gesetzlich für Hos- pize vorgeschrie- ben ist, 12 bis 16 Zimmer. Das Ricam Hospiz hat 15; jedes ist ein Einzelzimmer. An die meisten schließt sich ein ricam hospiz, neukölln, dachterrasseeigenes Stück Dachterrasse an, vor allen Türen hängt ein kleiner Stern aus Papier. Wer will, kann so- gar sein Haustier mitbringen, um es auf der letzten Etappe des Lebens bei sich zu haben.

Fünf Frauen und zehn Männer im Alter zwischen 46 und 82 Jahren gehen ihren finalen Weg derzeit im Ricam Hospiz. „Dieses Zahlenverhältnis hab ich vorher noch nie erlebt“, sagt Karen Marsollier, die stellvertretende Pflegedienstlerin. Woran es liegt, dass die Verhältnisse momentan auf den Kopf gestellt sind, kann sie sich nicht erklären. Aber eigentlich spiele es auch keine Rolle. Größere  Effekte auf die Pa- tienten habe ohnehin die Altersspanne. Die tut allen gut, stellt sie immer wieder fest.

Gelegenheiten das Miteinander der Menschen zu beobachten, die die Diagnose „austherapiert“ eint, haben die Mitarbeiter und rund 35 ehrenamtlichen Helfer ricam-hospiz, neukölln, dachterrasse, neubritzreichlich. Die Mahlzeiten können in den Zimmern, aber auch in der Wohnküche mit Blick auf das Wirbeln des Kochs eingenommen werden, der den Speiseplan weitgehend nach Anregungen der Patienten gestaltet. Im Sommer ist der große Dachgarten ein zusätzlicher, gerne genutzter Gemeinschaftsraum, der ein Stück Normalität bietet und Leben in die Prozesse des Sterbens holt.  Sel- biges schaffen auch Schülergruppen, die häufig im Ricam Hospiz anzutreffen sind, um den Patienten Gesellschaft zu leisten, mit ihnen zu backen, zu spielen, zu lesen ricam-hospiz, neuköllnoder einfach nur zu reden. „Gleichzeitig tragen die jungen Leute aber durch ihr Engagement auch das Thema Sterben in ihren Alltag und die Welt“, weiß Karen Marsollier.

Im Ricam Hospiz ist das Sterben Alltag. Fast alle Patienten haben Krebs im Endstadium und den Tod in Sichtweite. Die Geschwindigkeit, mit der sie sich ihm nähern, variiert, kann nur wenige Tage aber auch Wochen dauern. Viele Kranke haben sich schon lange vor ihrem Einzug angemeldet. Ob der nicht eben kurzen Warteliste  muss meist die Dringlichkeitsstufe über die Aufnahme entscheiden.

Eine brennende Kerze und ein Blumenstrauß vor der Tür zeigen an, welches Zimmer als nächstes frei wird. Wer das, so Hospizleiterin Dorothea Becker, „außerordentlich beschwerdereiche letzte Ende“ hinter sich ge- bracht hat. Was bleibt, sind Erinnerungen und der namentlich gekennzeichnete Papierstern, der vor der Zimmertür hing.

=ensa=

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Eine Antwort

  1. Immer enger, leise, leise
    ziehen sich die Lebenskreise,
    schwinden hin, was prahlt und prunkt,
    schwindet Hoffen, Hassen, Lieben
    und nichts in Sicht geblieben;
    als der letzte dunkle Punkt.
    (Fontane)

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