Natur und Technik

Einen Monat ist es morgen her, dass Japan vom schwersten Erdbeben seit knapp 140 Jahren erschüttert wurde. In Japan war früher Nachmittag, als es sich vor der Ostküste der Insel ereignete.

Rund 9.000 Kilometer entfernt in Berlin war es viertel vor 7 (oder dreiviertel 7), und auf dem Tempelhofer Feld wurde abermals schwerstes Gerät in Stellung gebracht.  Wenig später begann der zweite Tag, an dem gigantische Spezialfahrzeuge entlang der Start- und Landebahnen Vibrationen aus- lösten, um seismische Messungen durch- führen und so der vermuteten Existenz eines Heißwasserreservoirs auf die Schliche kom- men zu können.

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Heinz Buschkowsky bei „Stuckrad Late Night“

Auch wenn das Ballhaus Rixdorf selber  anderes vorgaukeln will: Es liegt – wie alles auf der östlichen Straßenseite des Kottbusser Damms zwischen Hermannplatz und heinz buschkowsky, stuckrad late night, zdf neo, ballhaus rixdorf neuköllnMaybachufer – in Neukölln und nicht in Kreuzberg! Derzeit wird dort die Talkreihe „Stuckrad Late Night“ mit Benjamin von Stuckrad-Barre aufgezeich- net, die bei zdf_neo ausge- strahlt wird.

Für die vorgestern gesen- dete „Stuckrad Late Night“-Ausgabe hatte sich der Moderator Heinz Buschkowsky, Neuköllns omnipräsenten Bezirksbürgermeister, eingeladen. Vom Dampfplauderer, den er in einschlägigen (Pseudo-)Polit-Talks gibt, blieb da nicht viel übrig.

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Neuköllner Abwege

Man kann Neukölln ja vieles nachsagen. Dass sich der Bezirk nicht um seine Bewohner und Gäste kümmert, gehört wahrlich nicht dazu. Stellenweise ist dieses Bemühen um das Wohl aller, die Neuköllner Grund und Boden betreten, sogar so exzessiv, dass es einem  Tränen der Rührung in die Augen treiben kann. Beispiel Kopfstraße: Gerade noch rechtzeitig wird hier Fußgängern, die durch die Sackgasse zielstrebig Kurs auf die Lessing- und Thomashöhe oder die Karl-Marx-Straße nehmen  wollen, per  Hinweisschild  empfohlen, doch  lieber auf  die andere Straßen-

seite zu wechseln statt über holperiges Erdreich mitten durch die verkümmerte Bota- nik zu stapfen. Änderungsschneidern und Orthopädie-Fachärzten dürfte der Hinweis auf den richtigen Weg allerdings weniger gefallen.

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Neukölln im Rücken, Kreuzberg im Blick

friedrich ludwig jahn, turnvater jahn-denkmal, hasenheide, neuköllnEin tristes steinernes Plateau, verkümmerte Beete, ausgeblichene oder durch Schmie- rereien verunzierte Ehrentafeln: Schön ist nicht, was Friedrich Ludwig Jahn sehen könnte, wenn er den Kopf ein wenig senken und sehen könnte. Doch der als Turnvater Jahn bekannt gewor- dene Motor der deutschen Turnbewegung guckt stoisch zu den schmucken Fassaden der Häuser auf der Kreuzberger Seite friedrich ludwig jahn, turnvater jahn-denkmal, hasenheide,    neuköllnder Hasen- heide.

Seit 1872 steht Jahn in Bronze da, um an den ersten Turn- platz Deutsch- lands zu erin- nern, der am 19. Juni 1811 im Volkspark Ha- senheide eröffnet wurde. Es ist nicht zuletzt diesem 200. Jubiläum zu verdanken, dass derzeit die Turn-Europameisterschaften in Berlin stattfinden – natürlich ohne Feierlichkeiten an historischer Stelle rund um das  derzeit wenig repräsentative Jahn- denkmal. Das wird erst aufgehübscht, wenn Europas Turnelite weitergezogen ist und wieder in anderen Städten ihr Können zeigt. Doch zum ehrwürdigen Jahrestag soll rund um die Statue „200 Jahre Turnbewegung – 200 Jahre soziale Verantwortung“ gefeiert werden, und dann soll auch Jahn wieder mit sauberer Jacke in einem attraktiveren Ambiente stehen. Etwa 30.000 Euro machen der Berliner Senat und der Bezirk Neukölln dafür locker.

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Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden

Wer sich über Vermüllung aufregen will, findet dafür in Neukölln reichlich kleine und große Anlässe: Vom Kau- gummi-Papier über In- stantnudeln-Tüten bis hin zu ausgemustertem Mobi- liar –  es gibt fast nichts, was nicht zum Zierrat für Bürgersteige und Straßen- ränder taugt.

Beim Besitzer dieses ex- quisiten Sessels im Vin- tage-Look könnte man sich jedoch mit einem übereifrigen Anruf bei der BSR-Dreckecken-Hotline ziemlich unbeliebt machen. Denn der will’s offensichtlich bei der Überwachung seines zwei- und vierrädrigen Fuhrparks einfach nur bequem haben.

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Erfolg verpflichtet

Das in Neukölln aus der Taufe gehobene Projekt „Stadtteilmütter“ macht es vor: Ob des großen Erfolgs hat es sich verstetigt, was dazu führt, dass regelmäßig neue Ausbildungslehrgänge neue Stadtteilmütter produzieren. Insgesamt 223 Frauen wurden bisher für diese Tätigkeit qualifiziert, jüngst kamen 32 Azubis dazu. Ähnlich ist es mit der „Woche der Sprache und des Lesens in Neukölln“: Die soll wegen des beachtlichen Zuspruchs im nächsten Jahr zum vierten Mal stattfinden und bei entsprechendem Interesse sogar auf andere Bezirke ausgedehnt werden.

Im Schatten dieser renommierten Neuköllner Projekte hat nun ein weiteres die Erfolgslaufbahn eingeschlagen: Zur Wiederholung der enormen Freude, die die Hermannstraße Autofah- rern bereits vor den letzten Weihnachtsferien bescher- te, ist die Hauptverkehrs- route auch pünktlich vor Beginn der Osterferien pro Fahrtrichtung wieder nur einspurig befahrbar. So konnten in urbanem Am- biente erneut perfekte Trainingsbedingungen zur Vorbereitung auf die Stau- steherei im Osterreiseverkehr geschaffen werden. Parallel wurden selbstverständlich auch diesmal in den Anrainerkiezen durch Straßensperren wieder Möglichkeiten geschaffen, die Aktualität der Navigationsgeräte zu überprüfen und/oder den Orientierungssinn zu schulen.

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Entspannung und Anspannung

Mit der ausschusssitzungsfreien Zeit, die in der letzten März-Woche herrschte, ist es für die Neuköllner Bezirksverordneten nun vorbei. Doch vor allem die lokalpolitisch interessierte Öffentlichkeit dürfte der volle Fahrplan der ersten April-Woche in einen Entscheidungsnotstand bringen:

Morgen ab 17 Uhr trifft sich der Ausschuss für Bildung, Kultur und Schule in der Heinrich-Mann-Schule und hat u. a. das Thema  „Unterrichtsausfall effektiv be- kämpfen – mehr Lehrer für Neuköllner Schulen“ auf der Tagesordnung.

Zeitgleich tagt bei der Firma SPAETER der Wirtschaftsausschuss, dessen To Do-Liste einen breiten Bogen von der Vergnügungsstättenverordnung bis zur Teilnahme der Ausschussmitglieder an der 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Ruderregatta spannt.

Mit der Vermüllung des Bereichs rund um den S-Bahnhof Neukölln und dem Ansinnen, städtische Woh- nungsbaugesellschaften in die Bezir- ken in die soziale Pflicht zu nehmen, beschäftigt sich Mittwoch ab 17 Uhr der Ausschuss für Wohnen und Umweltschutz, der seine Tages- ordnung in den Räumen der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land mbH beackert.

Parallel dazu tagt im Wetzlar-Zimmer des Neuköllner Rathauses der Ausschuss für Verkehr und Tiefbau. Programmpunkte sind u. a. das Thema „Tempo 100 auf der Stadtautobahn“ und das Anliegen einer Prüfung, ob die Weichselstraße zwischen Pflügerstraße und Maybachufer als Spielstraße hergerichtet werden kann.

Ebenfalls im Rathaus, jedoch im Köln-Zimmer, trifft sich am Donnerstag um 17 Uhr der Jugendhilfeausschuss. Seine Agenda sieht neben einer Erörterung der Verga- bepraxis von Hortplätzen vor, dass sich die Jugendarbeit-Träger Erlebniszirkus e. V. und Netzwerk Zukunft e. V. vorstellen.

Die Mitglieder des Ausschusses für Naturschutz und Grünflächen absolvieren zeitgleich ihre Sitzung bei einem Ortstermin im Nachbarschaftsheim Neukölln. Auf ihrer  Tagesordnung steht u. a. die Besichtigung des Spielplatzes Schierker Straße.

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Strohgespinste

Schlimme Zustände würden zurzeit im Tierpark Neukölln herrschen. Gerüchte, dass der Betreiber pleite sei und deshalb fast nur noch Stroh verfüttere, schicken sich an, die Runde zu machen. „Wer erzählt denn so ’nen Quatsch?“, fragt Rolf Rese im Gespräch mit dem FACETTEN-Magazin. Der Mann, der von Neuköllns Bezirks- bürgermeister Heinz Buschkowsky gerne Zoodirektor genannt wird, sich mit dem Titel aber nicht wirklich anfreunden kann, beantwortet die Frage im nächsten Moment selber: Er könne es sich schon denken, sagt Rese und berichtet offen von Maß- nahmen personeller Natur, die unvermeidbar gewesen seien – zum Wohl der Tiere.

Seit 2007, als das Bezirksamt Neukölln die Trägerschaft für den kleinen Zoo in der Hasenheide an das Private Museum für tierpark neukölln, hasenheide, ponysTierkunde Berlin übergab, ist der Zoologe für sie verantwortlich. Für Ka- ninchen, Emus, Lamas, ein Yak, Enten und Hüh- ner, Kamele, Pfauen, Schafe, Damwild, Kasch- mirziegen,  ein Schotti- sches Hochlandrind, einen Esel und vier Ponys. „Zwei von denen haben bei uns ihren Alterswohnsitz ge- funden“, erzählt Rolf Rese. 24 Jahre haben die beiden freundlichen Senioren bereits auf dem Buckel; einer von ihnen  hat die meiste Zeit davon einäugig  verbracht, denn  sein  linkes Auge ist blind. Nur noch Stroh zu  futtern

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zu bekommen, bleibt den Oldies trotzdem nicht erspart: „Das ist eine tierärztliche Anordnung zur Verhinderung der Hufrehe, die alle Ponys und den Esel betrifft.“ Die Krankheit drohe bei einer Fehlernährung mit zu viel eiweißreicher Kost, das Füttern tierpark neukölln, hasenheidevon Stroh sei ein adäquates Ge- genmittel. Wirkungsvoller als die Schilder, die die Besucher davon abhalten sollen, den Tieren kleine Snacks zuzustecken. „Das ist ein echtes Problem“, sagt Rese. Ande- rerseits ist ihm natürlich klar, dass keine bösen Absichten dahinter stecken, sondern Gedankenlosigkeit und Unwissenheit: „Wer denkt denn schon darüber nach, dass der natürliche Lebensraum von Kaschmirziegen in den tierpark neukölln, hasenheide, lamaskargen Gebirgszügen Tibets liegt und deshalb die Mägen der Tiere auf tibetische Verhältnisse eingestellt sind?“

Rolf Rese hofft, dass sich ab Juni auch in Sachen tierpark neukölln, hasenheideAuf- klärungsarbeit vieles verbes- sern wird. Dann nämlich stehe endlich die fei- erliche Eröff- nung des Tier- parks Neukölln an. „Noch“, sagt er schmunzelnd, „ist das Gelände ja eher eine begehbare Baustelle.“ Eine, die an Werktagen von Kita-Gruppen und Schul- klassen stark frequentiert wird und an Wochenenden und Feiertagen ein beliebtes Ziel für Familienausflüge ist. Vor allem aber sei der Zoo „ein Stück Normalität in der Hasenheide“, und für dessen Erhalt wird Rolf Rese mit seinem rund 25-köpfigen Team auch weiterhin das Möglichste tun – allen Gerüchten zum Trotz.

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Ablehnung auf ganzer Linie

Leider stand dieses resolute Neuköllner Haus für ein Interview nicht zur Verfügung. So bleibt die Frage, ob alle Bewohner den Wunsch teilen, unbeantwortet.

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Der Schein trügt

Guido Westerwelle legt mit sofortiger Wirkung alle politischen Ämter nieder, Lena verzichtet auf ihre Grand Prix-Verteidigung, KT zu Googleberg erhält die Eh- rendoktorwürde der Universität Erlangen-Nürnberg, die Goldelse wird auf Wunsch der Linken gedreht und künftig in Richtung Osten gucken – die Meldungen mit Über- raschungspotenzial überschlagen sich heute förmlich.

An der Nachricht aus Neukölln, dass die öffentlichen Mülleimer in bezirklichen  Grünanlagen künftig zu  Eichhörnchen-Käfigen  umgewidmet  werden sollen, ist  aber

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nichts dran. Auch wenn man bereits jetzt zuweilen das Gegenteil vermuten könnte.

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