Nach Neukölln geschwappt

Wer sich im Norden Neuköllns auskennt und häufig im Bezirk aufhält, weiß, wie lästig sie sind: diese Heerscharen von Touristen, die sich mit Reiseführern und Kameras durch die Straßen jenseits des Reuterkiezes wälzen, in Kneipen, Cafés und Restaurants südlich des Hermannplatzes einfallen und in den Geschäften zwischen Neuköllner Schiffahrtskanal und Tempelhofer Feld ihre Reisebudgets verjubeln, dass die Kassen nur so klingeln. Es war folg- lich nur eine Frage der Zeit, wann die einschlägigen Beschützer vor dem Bösen die Besucher des Bezirks in die Liste ihrer Feindbilder aufnehmen und – nach Kreuz- berger Vorbild – mit dem Touristen-Bashing begin- nen würden.

Nun sind erste Anzeichen dafür aufgetaucht, dass die Welle es nach Neukölln geschafft hat. Unweit der Schmierereien schloss vor nicht langer Zeit ein winziges Café, weil die Ausgaben über den Einnahmen lagen. In Sichtweite wird demnächst ein Delikatessenladen mit Gastronomie-Segment er- öffnen, um den Kampf ums Überleben aufzunehmen. Die Unterstützung durch Touristen wird dabei sicher gerne angenommen.

=ensa=

 

5 Antworten

  1. was wäre der mensch nur ohne feinde?

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  2. Man braucht immer einen Prügelknaben…
    Ich war bei zwei Diskussionen im Wrangelkiez dabei, die auch die Touris als Aufhänger hatten. Mein Eindruck war, es richtet sich eigentlich nicht gegen die Touris, die sind nur ein Ventil. Es geht in Wirklichkeit um die verfehlte Politik und Stadtplanung des Senats.

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  3. …oder: Wer sonst keine Sorgen hat, macht sich welche.

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  4. Ja, wirklich eine Frechheit diese Touris… können kein Türkisch, finden sich in den Läden nicht zurecht, versperren die Fahrradständer am U-Bahnhof mit Ihren blöden Blechdingern und letzte Woche haben sie mir doch glatt Italiener die letzte Büchse Ravioli im Lidl vor der Nase weg gekauft… Wir mussten 3 Tage hungern…. das ist so eine Frecheit!

    Ich glaub ich fahr erst mal nach Barcelona und werde mich ein wenig von der Tourischwemme erholen, da gibts ein paar geile Besetzerprojekte, die ich mir schon immer angucken wollte 😉

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  5. genau, genau: wir wollen lieber draussen bleiben..in unsrer geistigen enklave.

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