Papiermüll

Im Körnerkiez waren sie schon, im Richardkiez auch. Nun sind sie im Ganghoferkiez angekommen: die Mitarbeiter von TOPOS Stadtforschung. Vom  Quartiersmanage- ment Ganghoferstraße mit der Lizenz zur aktivierenden Befragung der Anwohner und 23.500 Euro aus dem Quartiersfonds 3 ausgestattet, haben sie jüngst die Brief- kästen aller Haushalte im Gebiet mit Info- Broschüren und mehrseitigen Fragebögen gefüttert. Damit niemand aus Kostengründen von der Rücksendung der Erhebung absieht, liegt gleich ein frankierter Rückumschlag mit im Kuvert.

Ziel der Aktion, erfahren die rund 7.500 An- wohner, sei eine Verbesserung der Lebens- verhältnisse durch die Ermittlung vorherr- schender Bedarfe und Wahrnehmungen. Zudem sollen die Bereitschaft zum bürger- schaftlichen Engagement und die Ressour- cen der im Kiez aktiven Einrichtungen ermittelt werden.

Weshalb dafür persönlichste Angaben zu den wohnräumlichen Verhältnissen, zum Nettoeinkommen und zur Beschäf- tigungssituation gebraucht werden, stößt bei manchem im Kiez auf Unverständnis. Zwar soll der Fragebogen ohne Angabe des Namens zurückgeschickt werden, doch die Nennung von Straße und Hausnummer wird durchaus gefordert. „Wenn die mich verscheißern wollen, müssen sie aber früher aufstehen. In unserem Haus wohnen nur wir“, sagt eine Frau. Und in diversen Häusern an der Richardstraße und Kirchgasse ist  es genauso. Die Broschüre habe sie aufbewahrt, alles andere gleich weggeschmissen, erklärt eine, die sich auf diese Art und Weise weder aktivieren noch befragen lassen will.

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