Zwischen Baum und Borke (2)

(Fortsetzung) … Durch sein Nichtverhalten habe das QM den Beirat, der ohnehin einer der uninformiertesten sei, „zum reinen Abnick- und Alibikomitee“ degradiert. Er fühle sich maßlos hintergangen, sagt Thomas Hinrichsen, und dabei spiele auch der 18. Januar eine entscheidende Rolle.

An diesem Tag, weiß er, hat im Rathaus Neukölln der Ausschuss für Verwaltung und Gleichstellung getagt. Einer der Tagesordnungspunkte war ein Bericht über die Task Force Okerstraße gewesen, den jedoch nicht – wie mit damaligem Wissensstand zu vermuten gewesen wäre – Integra ablieferte, sondern Kerstin Schmiedeknecht vom QM Schillerpromenade. Von Sylvia Stelz (DIE LINKE Neukölln), erinnert sich Hin- richsen, habe er später erfahren, dass das TFO-Projekt sehr ausführlich und fast durchweg positiv dargestellt wurde. Das bestätigt auch Hanna Schumacher (GRÜNE Neukölln) gegenüber dem FACETTEN-Magazin: „Aus Frau Schmiede- knechts Bericht konnte ich keine Kritik entnehmen“. Da sie jedoch vage etwas von Problemen mit den Integra-Sozialarbeitern läuten gehört hatte, habe sie nachgefragt. „Darauf“, so Schumacher, „bekam ich eine sehr abwiegelnde Antwort. Integra sei nicht gekündigt worden. Der Vertrag laufe turnusgemäß immer nur ein Jahr. (…) Von schwerwiegenden Vorwürfen war jedenfalls nicht die Rede.“ Konsequenz der nebulösen Kluft, die sich zwischen den Informationen im Rahmen der Aus- schusssitzung und der Integra-Presseerklärung vom 9. Februar auftut, ist, dass das Thema nun durch eine Große Anfrage der GRÜNEN (TOP Ö 10.4) am kommenden Mittwoch von der Bezirksverordnetenversammlung behandelt wird. „Als Ausschuss- mitglied fühle ich mich ziemlich fehlinformiert“, sagt Hanna Schumacher – und so soll es nicht bleiben.

Das ist auch im Interesse des Quartiersratmitglieds Thomas Hinrichsen. Vor allem für die erfolgreiche Sozialarbeit im Kiez müssten Sofortmaßnahmen für die Weiterführung in die Wege geleitet werden. Bereits seit Jahresbeginn leisten Integra-Leute sie ehrenamtlich und auf eigenes Risiko, hat er erfahren. Der Träger wolle sich adäquat von den Klienten verabschieden, deren Vertrauen er gewonnen habe.

Wie es um das Vertrauen des Quartiersbeirats in die eigene Arbeit und zum Quartiersmanagement Schillerpromenade bestellt ist, könnte sich bereits in einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung zeigen. Die allgemeine Gemütslage nach den juristisch zu klärenden TFO-Vorkommnissen einzuschätzen, fällt schwer. Zu unterschiedlich sind die Motivationen der Mitglieder gelagert. Einige sind Anwohner, andere Angestellte der vom QM geförderten Projektträger und  bei wiederum anderen mischt sich der Anwohner-Status mit beruflichen oder ehrenamtlichen Interessen. Deutliche Worte und ein Interesse an der Wahrheitsfindung dürften vor allem von denen zu erwarten sein, die nicht am QM-Tropf hängen (wollen) und zudem etwas wie Verantwortungsgefühl für die von ihnen bewilligten Projekte empfänden. Letzteres sieht Hinrichsen mit Füßen getreten. „Eigentlich“, sagt er, „würde ich mir wünschen, dass der Beirat nach dieser ominösen Aktion des QMs aus Protest geschlossen zurücktritt und Neuwahlen stattfinden.“

=ensa=

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