Eine Neuköllner Besonderheit und ihre Folgen

Einige müssten eigentlich, tun’s jedoch bestenfalls sporadisch. Viele machen’s mehr oder weniger gerne aber regelmäßig. Und manche würden gerne, dürfen allerdings nicht! Die Rede ist von Neuköllner Kindern im schulpflichtigen Alter und dem Schulbesuch.

„Es ist ein Skandal, dass die vom ehemaligen Neuköllner Bildungsstadtrat Schimmang be- schlossene Regelung immer noch gültig ist, dass nur polizeilich gemeldete Kinder in Neuköllns Schulen angemeldet werden kön- nen“, findet Anna Schmidt von Amaro Drom. Der Verein führte jüngst eine Befragung im Flughafen- und Donaukiez durch, um die Situationen und Bedarfe der dort lebenden Roma zu ermitteln. Insbesondere für aus Rumänien und Bulgarien stammende Roma-Familien, so die Erkenntnis, stelle eine wahre Kette von Probleme eine enorme Belastung dar: Sie leben mit viel zu vielen Menschen in viel zu kleinen Wohnungen, erhalten deshalb oft keine Meldebescheinigung und können demzufolge ihre Kinder nicht in wohnortnahe Schulen schicken. Der Ausweg des Besuchs von Schulen in anderen Bezirken, wo es keine derartigen bürokratischen Hürden gibt, sei oft nicht praktikabel: „Die Konsequenz ist daher  meist, dass die Kinder beim Zugang zu Bildung außen vor bleiben.“

Auch Erich Mitbach, Regionalleiter des Jugendamts Neukölln, fand bei der Präsentation der Amaro Drom-Studie deutliche Worte für die Gangart der Behörden des Bezirks. „Die Nichtbeschulung ist das gravierendste Problem bei der Eingliederung von Roma“, stellte er fest. Das Thema müsse mit Dringlichkeit auf politischer Ebene behandelt werden, da es nicht sein dürfe, dass Kindern im schulpflichtigen Alter der Schulbesuch verwehrt bleibe. Kürzlich, wusste Mitbach zu berichten, habe sich der Neuköllner Migrationsbeirat mit einem Schreiben an Franziska Giffey, die amtierende Bildungsstadträtin, gewandt und um eine Stellungnahme gebeten. Nicht ausgeschlossen, dass das Thema bei der heutigen Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Schule behandelt wird.

=ensa=

6 Antworten

  1. nunja, ich sags mal so: es zwingt niemand die roma, mit 20 leuten auf 60 qm zu leben und aus meiner eigenen nachbarschaft weiß ich, dass diese leute sehr wohl sehr schnell verstehen, wie man vom staat geld bekommt.
    meine (roma)nachbarn verfügen über sage und schreibe 4 whg in neukölln, die alle vom staat bezahlt werden. sie könnten sich sehr leicht auf diese whg verteilen, ziehen es aber vor, mit der gesamten sippe und gefühlt 1000 besuchern am tag von whg zu whg zu ziehen. abgesehen von der massiven lärmbelästigung ist das schmarotze, die aber vom gesetz abgedeckt ist, weil jede der whg auf einen anderen gemeldet ist. hinzu kommt, dass die herrschaften in diesem haus mindestens seit 1 jahr keine miete bezahlen, diese aber brav vom amt kassieren. auch hier kann keiner etwas tun, denn für mietschulden gibt es eine extra stelle im jobcenter, die diese dann bezahlt. ist der antragsteller mittellos, sprich hartzi, kann die rückforderungsstelle fordern, bis sie schwarz wird.
    mit anderen worten: das integrationsproblem der roma liegt mitnichten hauptsächliche auf der seite der politik, sondern auf seiten der „betroffenen“.

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    • @rachel lindenbaum

      Genau die gleiche Erfahrung mache ich in meiner Nachbarschaft!

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    • Ganz klar, das gibt es – und wahrscheinlich nicht zu knapp. Aber es gibt eben auch reichlich Fälle, bei denen es keine drei Ausweichwohnungen gäbe.

      Und wie auch immer es um die Sachlage bestellt ist: Es kann doch wohl nicht sein, finde ich, dass Kinder durch einen Beschluss, den es in keinem anderen Bezirk gibt, vom Bildungssystem abgeschnitten werden und man dann öffentlich geförderte Projekte aus dem Boden stampft, die sich der herumlungernden, bildungsfernen Roma-Kinder annehmen.

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      • @ensa, nenn mich ketzerisch, aber ich finde die idee nicht schlecht, dass jemand sich nicht melden kann, wenn zuviele menschen in einer wohnung sind. denn ich denke, die idee dahinter ist eben genau die, dass sich die einzelnen familienteile eigene wohnungen suchen sollen. und von wohnungsmangel kann in neukölln nun keine rede sein.
        ich denke eher, dass das problem darin liegt, dass viele illegal hier sind und sich auch deshalb haufenweise in wohnungen aufhalten. als illegaler ist es aber natürlich schwer, sich polizeilich zu melden und eine wohnung zu bekommen.
        und ich bleibe dabei, dass der integrationswille auf seiten der roma sehr begrenzt ist. ob nun die eltern die kinder abgrenzen oder die kinder sich selbst abgrenzen, ob die kinder wirklich in die schule wollen oder es nicht eh viel spannender ist, mit vatern auf schrottsammelzug durch die gemeinde zu gehen, ist dabei unerheblich.
        viel eher als eine politische lösung herbei zu krähen würde ich unten anfangen: direkter kontakt mit den roma. am besten durch andere, integrierte roma, die ihnen nicht nur sagen, wie sie staatliche gelder abgreifen können, sondern die ihnen klarmachen, dass integration immer zwei seiten hat.

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        • @rachel lindenbaum

          Ich erlebe das ja alles so wie Du und kann Deinen Eindruck 100prozentig bestätigen!

          Aber, wenn man etwas verändern möchte, wäre das nicht NUR über die Kinder möglich? Wenn die über die Schulpflicht etwas anderes kennenlernen würden und plötzlich auch andere Träume und Perspektiven entwickeln würden, könnten sie es ja anders machen als ihre Eltern. Aber das ist wahrscheinlich auch sehr idealistisch gedacht 😉

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  2. … es mag schon sein,dass viele gern zur Schule gingen, doch habe ich nie erlebt, dass dies irgendwie regelmäßig oder von Dauer war – lasse mich aber gern belehren.
    Die eine Schülerin verschwand nach ihrer Kinderheirat (mit etwa14), andere saßen zeitweise zusammengekauert in der Klasse. Kontakt fand auch mein Kollege nicht, der Hausbesuche in einem bis zum Verschwinden gut verlaufendem Fall mehrfach machte.

    Es ist schon richtig, wenn Probleme erörtert werden, aber weder in unserer Wohngegend, im Block, noch in der Schule fanden wir Lösungen. Wenn auch nach 10 Uhr abends im Innenhof noch kleine Kinder lärmen, ist es beispielsweise sehr schwer, den eigenen die Ruhe zu geben, die sie für den kommenden Tag bräuchten.

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