Bleibt alles anders

endstation musikcafe flughafenstraße, neuköllnWer heute beim Durchschmökern der Berliner Tageszeitungen oder der lokalen Boulevard-Gazetten bei den Neukölln-Beiträgen landet und dann von einem bewaffneten Streit verfeindeter Familien- clans, einem Rockerkrieg in Neukölln oder einer Blut-Nacht im Ghetto liest, könnte sich fragen:

Hat sich seit dem „Endstation Neukölln“- Beitrag von Peter Wensierski, der vor über 13 Jahren (!) im Spiegel erschien, denn gar nichts geändert? Waren der Neukölln-Hype und das Gentrifizierungs-Gerede nur Saisonartikel? Ist der Bezirk wieder in der Vergangenheit angekommen?

=ensa=

8 Antworten

  1. Es ist zu erwarten, dass der Spiegel das Thema Neuköllner „Endstation“ demnächst aktualisieren wird, zumal jetzt das neue Thema „Mobbing autochthoner Schüler“ dazu kommt. Vermutlich wird wieder kaum darüber berichtet werden, wie und mit welchem Erfolg sich Politiker, Polizei und Neuköllner Bürgerschaft (z.B. die Bürgerstiftung Neukölln N+) gegen die Verelendung zu wehren versuchen.

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  2. Eine andere Frage wäre: Wollen die Leute noch immer solche Geschichten lesen? Machen Zeitungen noch immer Auflage mit diesen Räuberpistolen?
    und dann natürlich noch eine Frage: hat es sich wirklich so zugetragen?
    Gruß von der Potsdamer Straße, die auch immer wieder mit demselben Klischees bedacht wird.

    P.S. habe die Beiträge übrigens nicht gelesen.

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  3. We sie einen Fahrradfahrer auf dem Fußweg erwischen, da kennen unsere „Freunde und Helfer“ keine Gnade. Wenn es aber um die so genannten „Familien-Clans“ geht, die hier so nach Wildwest.Manier rumballern, da ziehen unsere Obrigkeiten vor Gericht den „Schwanz“ ein, sperren die bösen Jungs dann eine kurze Zeit weg und drohen mit dem Zeigefinger. Und wenn der Bad Boy dann reuig ist, darf er wieder lustig weiter ballern. Ja, Bogota läßt grüßen!

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  4. Nun, das eine Verbesserung in vielen Bereichen und steigende Mieten in manchen Kiezen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es parallele Entwicklungen gibt, die teilweise nur für Insider bemerkbar sind… Die (zugezogenen) Touristen freuen sich über das bunte Leben in den Straßen… die wenigsten sehen den Unterschied zwischen buntem Leben und bunter Fassade…
    Ab und an öffnen sich die Fassaden kurzfristig ein wenig und dan ist das Gewundere und Geschriebsel wieder vor Ort…
    Doppelte Böden und (Schein)Fassaden hat es schon immer gegeben, deswegen wurde ja auch der Name von Rixdaorf in Neukölln geändert… Rixdorf ist halt immer noch da… sicherlich haben sich die Geschäfte der Beteiligten im Vergleich zu früher geändert und glücklicherweise ist auch eine steigende Bereitschaft von BewohnerInnen zu beobachten, die das Treiben differenzierter betrachten.

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  5. @Lutz

    Naja, neu ist das Thema „Mobbing in der Schule“ (wer da wen mobbt und weshalb er das tut, ist mir eigentlich ziemlich wurscht) nun wirklich nicht. Dass es jetzt gerade wieder aufgekocht wird, hat wohl eher damit zu tun, dass das – auch nicht neue – Autochthonen-Mobbing gut geeignet ist, um der Stimmungsmache und Diskriminierung neues Futter zu geben. Positive Kontrapunkte sind dabei natürlich eher störend – umso wichtiger, dass es sie gibt 🙂

    +++++

    @Regina

    Ich hab ja auch die Hoffnung, dass es immer mehr Leute gibt, die lieber informiert werden wollen, statt solche Vorkommnisse in einem reißerisch aufbereiteten Brei serviert zu kriegen. Aber auch die anderen gibt’s natürlich weiterhin. Ebenso die, denen derartige Zwischenfälle gut ins Konzept passen.
    Was da in der Emser Straße wirklich los war – keine Ahnung, denn ich war nicht dabei und bin bei gewissen Blättern sehr skeptisch, wenn sie Augenzeugen zitieren. Von offizieller Stelle gibt’s bisher diese Infos:
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/318606/index.html
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/318712/index.html

    +++++

    @Ulrike

    Dem ist nichts hinzufügen.

    +++++

    @Christian

    Ich hatte bei den Fragen eigentlich auch eher die Leute im Auge, die mit den Neuköllner Verhältnissen nicht so vertraut sind und nicht differenzieren können (oder wollen). Kennst Du die „Was ist denn da bei euch schon wieder los?“-Anrufe besorgter auswärtiger Verwandter oder Freunde nicht?
    Man muss eben immer wieder daran erinnern, dass Nord-Neukölln eine Großstadt mitten in Berlin ist, wo viele Facetten mit- oder nebeneinander existieren können.

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  6. Ich gestehe lieber Ensa,
    ich habe noch nie so einen „Ich-bin-ganz-besorgt“-Anruf erhalten…
    Vielleicht liegts daran, dass die Freunde, die nicht in Berlin leben alle schon kürzer oder länger in Neukölln zu Besuch waren und sich selbst ein Bild gemacht haben…
    Vielleicht liegts daran, dass ich ein lebendes Beispiel bin dass lebenslänglich Neukölln nicht in den Abgrund, den Knast oder den Dauerrausch führt…

    Wer weis 😉

    Ich habe gerade auf einer Weiterbildung ein lustiges Gespräch mit einem Kollegen geführt, der mir die Wirtschaftsförderungsbroschüre seines Oberbürgermeisters(!) präsentierte… es war die Stadt Selb im Fichtelgebirge, 20.000 EW…
    Als ich ihm berichtete, das wir keinen OB habe und in Neukölln 380.000 Menschen leben, hat er große Kulleraugen gemacht…

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  7. Über den Spiegelartikel habe ich wirklich laut und lange lachen können. Ich bin in den 90 Jahren zum Glück nicht in Neukölln gewesen, aber die Schießerei in der Emserstr. beunruhigt mich schon, besonders wo Rixdorf gerade von so vielen Überfällen heimgesucht wird.

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