Erzieherisches Feintuning

Neulich am späten Nachmittag auf der Neuköllner Karl-Marx-Straße: Eine Mutter zottelt mit ihren beiden Kindern heimwärts. Das Mädchen ist etwa fünf Jahre alt, der Junge schätzungsweise zwei Jahre jünger. Die Mutter trägt ein Kopftuch und schiebt einen Buggy, in dem Einkaufstüten liegen, weil sich der Junior gerade lieber laufend vorwärts bewegen möchte. Um seinen Aktionsradius etwas einzuschränken, soll die Schwester, die bezeichnenderweise Asma (= Schutz) heißt, ihn an die Hand nehmen. Doch das nimmt sie nicht ganz so genau: Statt der Hand hat sich das Mädchen das Handgelenk des kleinen Bruders gegriffen und umklammert es.

„Asma, lernst du etwa in der Kita, dass man so Hand in Hand geht?“, ruft die Mutter ihrer Tochter zu. „Du hältst Farid, als hättest du ihn gerade festgenommen!“ Sie erteilt eine Empathie-Lektion, lässt das Mädchen erleben, wie der Bruder sich dabei fühlen muss und legt die Hände der Kinder dann so ineinander, dass sie wirklich Hand in Hand den Nachhauseweg fortsetzen können.

=ensa=