Zwischen Image und Wirklichkeit

charrette okerstraße, neukölln„Charrette“ stand auf einer Folie, die an den letzten beiden Tagen über dem Fenster vom Integra e. V. in der Oker- straße hing. Wer aber dachte, im Büro der Sozialarbeiter im Schillerkiez würde nun hochprozentiger Rum von der Insel Ré- union verkauft oder -kostet werden, lag weit daneben. Denn der Begriff steht nicht nur für das alkoholische Gebräu, sondern ist auch ein Fachausdruck für ein öffentliches Planungsverfahren mit Bürger- beteiligung, und um den Auftakt zu einem solchen ging es im und vor dem Laden, der Zentrale der Task Force Okerstraße (TFO) ist.

„Wir machen mit Ihnen die Okerstraße schöner!“ kündigten die Flyer an, mit denen zur Charrette eingeladen worden war. Gleich dahinter folgte die Erklärung, dass es sich um eine Ideenwerkstatt handele. Wer noch weiter las, erfuhr, dass lediglich für das zwischen Hermann- und Weisestraße liegende Drittel der Okerstraße eine Wohnumfeldverbesserung geplant sei, für den Großteil der Straße jedoch nicht. „Im vorderen Teil ist das einfach nötiger“, konstatiert eine Mitarbeiterin der gruppe F Landschaftsarchitekten, die vom Quartiersmanagement Schillerpromenade den Auftrag bekamen, Wahrnehmungen und Wünsche der Anwohner und Gewer- betreibenden zu ermitteln. Die Bewohnerstruktur und Problemlage, ergänzt sie, charrette okerstraße, ideenwerkstatt,neuköllnunterscheide sich doch deutlich vom hinteren Teil der Straße. Einigkeit unter den Anliegern von hüben und drüben herrsche aber vor allem bei einem Punkt: Der Negativ-Stempel, den die Okerstraße aufgedrückt bekommen hat, nervt.

Etwa 60 Passanten wurden gestern und vorgestern befragt, wie sie den Ist-Zustand der Okerstraße beurteilen, was sich ändern müsste und was sie selber dazu beizucharrette okerstraße,ideenwerkstatt okerstraße,neuköllntragen bereit wä- ren. Anonym durfte gelobt und geme- ckert werden. Letz- teres galt vorrangig dem großen und kleinen Müll, der in der Straße entsorgt wird, der Hundekacke, den streckenweise desolaten Bürgersteigen und den offensichtlichen sozialen Problemen mancher Anwohner. „Erschre- ckend war bei den kritischen Aspekten für uns vor allem, wie genau Kinder Drogendealereien in der Straße wahrnehmen und dass die für sie zum Alltag gehören“, sagt die Interviewerin. Sie möchte ihren kompletten Namen wegen der Anbindung des Charrette-Projekts an die heftig in die Kritik geratene TFO nicht veröffentlicht sehen: „Die Themen Gentrification und Entwicklung der Mieten sind bei den Befragungen natürlich auch oft zur Sprache gekommen.“ Verbunden mit Bedenken, dass die geplante Wohnumfeldverbesserung in der Okerstraße ein Instrument der Gen- trifizierung sei. Doch das sehe sie nicht so. Es gehe darum, dass die Anwohner sich charrette okerstraße neuköllnwohlfühlen und sich aktiv an den von ihnen gewünschten Veränderungen beteiligen.

Wobei man sagen müsse, so das Fazit, dass die Leute die Straße jetzt schon größtenteils positiv wahrneh- men, viele Pluspunkte erkennen und die Vielfalt der Kulturen hier zu schätzen wissen. „Das hat uns wirklich überrascht“, gibt die Nicht-Neuköllnerin zu. Beeindruckend seien auch die rege Kommunikation der Anwohner untereinander und ihre Bereitschaft, bei der Verschönerung der Straße zu helfen. Die Anlage und Bepflanzung von Baumscheiben, für die dann Pflege-Patenschaften übernommen werden, sei von vielen gewünscht worden, auch Bänke zum bequemeren Klönen stünden weit oben auf der Wunschliste.

Welche der Ideen sich in die Tat umsetzen lassen, ist jedoch nicht zuletzt eine Frage des Geldes – und die ist noch ungeklärt. Sicher ist aber, dass der Status quo der zweitägigen Charrette am 16. November bei einer Planungswerkstatt im Integra-Büro vorgestellt und diskutiert wird.

=ensa=

2 Antworten

  1. Interessant.

    Was steht eigentlich genau unter „Drogentouristen vermeiden“ (Foto 2)?

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