„Nachbarinneuköllnaward“: ein Pokal für beispielhafte nachbarschaftliche Leistungen in Neukölln

Ein Award hätte es nicht unbedingt sein müssen. Eine Auszeichnung oder Ehrung hätte es für Beate Hauke auch getan, denn sie findet es furchtbar, dass immer mehr englische Wörter im deutschen Sprachgebrauch zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Trotzdem – gestern bekam sie einen Award: den Nachbarinneuköllnaward.

Alle zwei Jahre wird auf Initiative der Genezareth-Gemeinde jemand aus dem Schiller- oder Rollbergkiez für sein Engagement im Viertel und ein vorbildliches nachbar- schaftliches Verhalten mit dem Preis ausgezeichnet. „Dahinter“, sagt Elisabeth Kruse, die Pfarrerin der Gemeinde, „steckt die Idee, ganz gezielt positive Beispiele hervorzuheben.“  Dass Vorbilder zum Anfassen besonders in Problemkiezen wichtig nachbarinneuköllnaward,beate hauke,neuköllnsein können, sagt sie nicht, doch es würde das Ansinnen abrunden.

Beate Hauke (r.) kennt ihren Kiez rund um die Schillerpromenade seit dem Kindesalter. Und viele, die im Kiez wohnen oder arbeiten, kennen sie. „Bekannt wie ein bunter Hund“ sei sie, sagen die einen. Andere können aus dem Stand diverse Dinge auf- zählen, die Beate Hauke zusammen mit dem Pro Schillerkiez e. V., dessen Vorsitzende sie ist, für ihren Kiez getan hat und noch tut. Dr. Franziska Giffey (l.), Neuköllns Stadträtin für Bildung, Schule, Kultur, Sport und – neuerdings auch! – Europa-Angelegenheiten, die der Umtriebigen gestern beim Nachbarschaftsfest von der Genezareth-Gemeinde und der Stadt und Land Wohnbauten GmbH den Preis überreichte, musste zunächst zugeben, dass sie Beate Hauke bis dato nur namentlich kannte. Früher, sagte sie, habe sie immer E-Mails von ihr bekommen, die einen Überblick über etliche Veranstaltungen in Neukölln gaben: „Jetzt veröffentlicht sie die in ihrem Blog, der täglich beweist, dass Neukölln rockt.“

Doch den „Nachbarinneuköllnaward“ bekam sie, wie aus der Jury zu hören war, in erster Linie für etwas anderes:  für die  Hartnäckigkeit und ihre Bemühungen, dem Schillerkiez wieder zu einem Wochenmarkt zu verhelfen.  Gegen alle Zweifel, ob das klappen würde, entwickelte sie zusammen mit einigen Unterstützern das Projekt Schillermarkt. Im Mai letzten Jahres fand er erstmals auf dem Herrfurthplatz statt, seitdem gibt es ihn wöchentlich, Samstag für Samstag. „Er ist zwar immer noch nicht über die Stadtgrenzen Berlins hinaus bekannt“, sagt Elisabeth Kruse, die zur Jury gehörte, „aber es gibt ihn noch und er ist im Laufe der Zeit immer wichtiger für den Kiez geworden.“ Als Einkaufsort ebenso wie als Treffpunkt für die Anwohner.

Der Aufbau des Schillermarktes sei zweifellos ihr größtes Projekt gewesen, doch kleinere Sachen wie zum Beispiel die vier Kiez-Reinigungsaktionen, die sie 2005 und 2006 organisiert habe, waren für sie genauso wichtig, relativiert Beate Hauke. Den Preis – ein von der Rixdorfer Schmiede gespendeter Pokal, der von dem Auszubildenden Benjamin Hanf entworfen und geschmiedet wurde – sieht sie als „Dankeschön und Anerkennung für die viele ehrenamtliche Arbeit“ , die sie schon in den Kiez gesteckt hat. Er wird einen Platz in ihrem Wohnzimmer bekommen.

„Bisher“, sagt sie schmunzelnd und stolz, „hab ich bestenfalls mal Urkunden für sportliche Leistungen in der Schule bekommen. Das Sammeln von Pokalen war mehr das Hobby meines Sohnes, der Radrennen gefahren ist.“ Beim Einsatz für das nachbarschaftliche Miteinander hat sie die Nase vorn.

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