Nichts für den ersten Blick

Manchmal  kommt – wie dieses Bild beweist – StreetArt  in Neukölln subtil  daher und

streetart_neukölln

verrät erst bei genauem Hinsehen ihren Sinn (oder Unsinn). Insofern unterscheidet sich die Kunst auf der Straße kein bisschen von der, die manchmal, angekündigt von verschwurbelten Beschreibungen, in Galerien und Ateliers gezeigt wird.

Mitnehmen unerwünscht

Normalerweise läuft es in Neukölln und anderen Berliner Bezirken so: Man braucht irgendwas nicht mehr, entsorgt das für die Mülltonne zu große Teil vor der Haustür sperrmüll mit funktion_neuköllnund früher oder später kommt die Berliner Stadt-reinigung (BSR), um das Indiz für die Vermüllung der Hauptstadt abzutranspor- tieren. Den, dem es einst gehörte, freut’s, weil er sich die Fahrt zum Wert- stoffhof gespart hat – und alle bezahlen dafür.

Entschieden anders ist die Sachlage vor einer Haus- tür in Neuköllns Donau- straße. Dort ist man nun dazu übergegangen, eine ausgediente weiße Schranktür – sprich: vermeintlichen Sperrmüll – als Wand zu deklarieren und diese unmissverständlich formuliert gegen die grassierende To Go-Mentalität zu verteidigen.

Durchfallende Posten

bsr-mülleimer_neuköllnÜberquellende Mülleimer sind ein Ärgernis, überall in der Stadt und nicht nur in Neu- kölln. Hier wird das Szenario jedoch immer seltener.

Daran, dass sich der gemeine Neuköllner einen Dreck um Mülleimer schert, sondern sei- nen Müll lieber da fallen lässt, wo er ihn loswerden will, liegt das auch. Aber nicht nur. Der entscheidende Grund ist viel- mehr, dass das Fassungs-vermögen etlicher Neuköllner Mülleimer durch einen klei- nen Trick erheblich vergrö- ßert wurde. Durch ihn kann oben hemmungslos nachge- stopft werden; die optische Entsorgung übernimmt dann der nächste Schneeschauer. Im Sommer klappt der Trick also nicht.

Geschmackssache

So wie Lothar Matthäus davon überzeugt ist, dass die Farbe des Gürtels zu den Schuhen  passen  muss, finden  offenbar  manche  Leute, dass  sich  die  Farbe  des

Neuköllner Himmels auch am Boden wiederfinden sollte und tragen eifrig blaue und graue Accessoires dazu bei. Das wiederum nennen andere “Vermüllung”.

Eindeutig multifunktionell

Der Job des Verkehrspolizisten war schon vor über 100 Jahren kein leichter. Häufig agierten die nur mit einer Trillerpfeife ausgestatteten Männer, die den Verkehr auf Kreuzungen regelten, zu un- auffällig und kamen unter die Räder der Fuhr- werke oder wurden von Kutschpferden einfach umgerannt. Um den Verkehrspolizisten mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, wurden 1910 Podeste, auch “Tonnen” genannt, ein- geführt. Über 60 Jahre lang war der Einsatz dieser Sicherheitsvorkehrungen Usus, danach ver- schwanden sie wieder sukzessive aus dem Straßenbild der deutschen Innen- städte.

Nicht jedoch in Berlin. Hier sieht man die mobile Variante der  Podeste für Verkehrsposten noch recht oft einsatzbereit an Kreuzungen stehen. Wie oft sie für ihren eigentlichen Zweck gebraucht werden, hängt vor allem von Ampelausfällen und ähnlichen Widrigkeiten ab. Dass die Tonnen außerdem einmal – wie dieses Exemplar an einer Neuköllner Kreuzung – einen Beitrag gegen die Vermüllung von Straßen leisten würden, hätten sich die Erfinder vermutlich nicht träumen lassen.

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Hüben und drüben

Schon wegen der Sonne lässt sich auf der Kreuzberger Seite des Landwehr- kanals besser spazieren-, gassigehen oder joggen als am Neuköllner Ufer, das meis- tens im Schatten liegt. Ein weite- rer  Pluspunkt des Paul-Lin- cke-Ufers ist, dass dort erheb- lich strikter ge- gen die Vermül- lung vorgegan- gen wird. Weih- nachtliche Relik- te, die in Neu- kölln und so auch am Maybachufer nach wie vor zahlreich lagern, stören die Optik des nahenden Frühlings vis-à-vis in Kreuzberg nicht. Wie lange man darauf noch in Neukölln warten muss und ob man gar in sechs Wochen die Ostereier in Tannenbäumen verstecken kann, wird sich zeigen.

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Fundgrube Neukölln

Eigentlich gibt es in Neukölln nur eine Give Box, momentan scheint aber mal wieder der gesamte Norden des Bezirks eine einzige Give Box zu sein: Geschirr und Kü- chenutensilien, Mobiliar, Socken – einzeln oder als Paar, uni oder gemustert – für gro-

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ße und kleine Füße. Mit etwas Glück findet man im Sachensucher-Paradies sogar den einen oder anderen ausgemusterten Buchstaben, der darauf wartet, ins Warme gebracht zu werden.

Äußerst reichhaltig ist auch das Angebot für alle, die es antizyklisch mögen. Ordinäre Nadelbäume oder Edel- tannen, geschlagen oder eingetopft, pur oder mit Restschmuck: Neuköllns Bürgersteige bieten für Sparfüchse alles, was das Herz begehrt. Noch neun oder gar 16 Tage können sie sich weihnachtliche Atmosphäre zum Nulltarif ins Wohnzimmer holen, denn Neukölln steht erst für den 14. bzw. 21. Januar auf dem Fahrplan der BSR-Weihnachtsbaum-Abholer.

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Weshalb im Neuköllner Ortsteil Neubritz das Braune nicht mehr ins Blaue kommt

Würde es wirklich Glück bringen, in Hundehaufen zu treten, müssten in Berlin die hundekotbeutel proneubritz e.v., neukölln, foto: gabriele kantel, schockwellenreiterglücklichsten Menschen Deutsch- lands leben. Bei über 20.000 Tonnen, die jährlich hinten aus den rund 150.000 Berliner Hunden fallen und auf Bürgersteigen, Parkwegen und in Grünanlagen liegen bleiben, stehen die Chancen schließlich mehr als gut, mitten in einer Tretmine zu landen.

Die Hundehaufendichte im Neuköll- ner Ortsteil Neubritz zu reduzieren, das hatte sich der proNeubritz e. V. in den vergangenen 2 1/2 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Sieben Dogstations richtete der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt & Hund gGmbh in den Straßen im Viertel zwischen Kranold- und Jahnstraße ein und bestückte die Tütenspender regelmäßig mit neuen blauen Hundekotbeuteln. Etwa 100.000 Hinterlassen- schaften, beziffert der proNeubritz e. V., seien jährlich eingetütet in den orange- farbenen BSR-Abfalleimern entsorgt worden.

Damit ist es nun vorbei: Am 15. September wurden die Dogstations zum vorläufig letz- ten Mal befüllt. Denn der kleine aktive Verein hat kein Geld mehr, für Nachschub zu sorgen. Zwischen 200 und 300 Euro wären pro Tütenspender und Jahr nötig, um Hundehaltern kontinuierlich griffbereites Verpackungsmaterial für den Dreck ihrer Vierbeiner anbieten zu können, schätzt der proNeubritz-Vorstandsvorsitzende Bertil Wewer. Bisher sei das durch private Spenden gestemmt worden; das Nachfüllen der Stationen übernahmen ehrenamtliche Patinnen und Paten: “Meist Leute, die selbst einen Hund haben und abends beim Gassi-Gehen ‘ihre’ Box bestückten.” Einmal pro Woche, sagt Wewer, sei das wenigstens fällig gewesen.

Um den neuen Sauberkeitsstandard erhalten zu können, versuchte der Verein im Kiez angesiedelte Hotels und Firmen mit Publikumsverkehr als Sponsoren für die Aktion zu gewinnen – erfolglos. “Die fanden die Idee auch meist gut”, so Bertil Wewer. Doch mehr Einsatz als ein Lippenbekenntnis habe letztlich keines der angesprochenen Unternehmen gezeigt.

Dabei darf das Betreiben von Dogstations im Sinne eines saubereren Umfelds durchaus als effektiv bezeichnet werden: Wo ausreichend Beutelspender be- reitstehen, schätzt man bei Stadt & Hund, erhöht sich die Zahl der Hundehalter, die die Hinterlassenschaften von Bello und Konsorten eintüten, von etwa 15 Prozent auf das über Vierfache.

=ensa=

Mit gutem Beispiel voran

Oft geht es ganz schnell, dass aus rätselhaftem Gebrabbel allgemein verständliche einfache Wörter werden: Mama, Papa, Oma und Opa stehen hier ganz hoch im Kurs, dicht gefolgt von Wauwau und Auto.

Die Entwicklung vom Rob- ben übers Krabbeln zum aufrechten Gang dauert da schon etwas länger und ist gemeinhin ein Prozess, der sich über Monate hin- zieht. Ebenso – im wahrs- ten Sinne des Wortes – schleichend ist normalerweise der Verlauf von den ersten wackeligen Schritten bis zur Fähigkeit, größere Strecken auf den eigenen Füßen zurückzulegen. Dass sich während eines Spaziergangs plötzlich beim Kind ein strikter Wille zum Verzicht aufs rollende Behelfnis durchsetzt, ist eher selten. Noch seltener ist aber, dass Eltern sofort und mit äußerster Konsequenz darauf reagieren und die Karre gleich – wie hier in Neukölln – am Straßenrand entsorgen.

So die Eltern das anschauliche Vorbild noch mit dem Rat “Schmeiß einfach weg, was du nicht mehr brauchst!” verbinden, muss man sich um die Zukunft der Vermüllung Berlins wohl keine Sorgen machen.

=ensa=

Schlechte Aussichten

Ihre Wohnung habe keinen Balkon, deshalb halte sie sich bei schönem Wetter gerne für ein Stündchen oder zwei auf dem Platz auf, der direkt vor ihrer Haustür liegt. Manchmal hat sie eine Illustrier- te dabei, meistens aber eine Häkelarbeit. Sie unterhalte sich eben gerne mit anderen, und handarbeiten und reden gehe gleichzeitig, lesen und zuhören und sprechen aber nicht.

Acht im Kreis angeordnete Bän- ke stehen mitten auf dem Platz, der sich am Rand Nord-Neu- köllns befindet. Mülleimer gibt es auch genug. “Dass die über- quellen, hab ich noch nie erlebt”, sagt die Frau. Was sie jedoch häufig erlebt, ist, dass Leute ihren Müll einfach auf den Bänken stehen lassen, ihn darunter abstellen oder in die Sträucher werfen. Wenn sie Kinder dabei erwischt, spricht sie sie an und fordert sie auf, die Mülleimer zu benutzen. Meistens erfolgreich. Manche, meint sie, sähen dann sogar aus, als würden sie sich ertappt fühlen und ein schlechtes Gewissen haben. Erwachsene ließen das dagegen oft vermissen.

“Neulich”, erzählt sie, “saß eine Frau direkt auf der Bank gegenüber.” Erst habe die schätzungsweise Mitte 50-Jährige ein Eis gegessen, dann eine Zigarette geraucht. Bevor sie aufstand habe sie das Eispapier zusammengeknüllt und in eine Ritze der Sitzfläche der Bank gestopft. Die Zigarettenkippe landete auf dem Pflaster, wurde ausgetreten und liegen gelassen. Drei Schritte vom nächsten Mülleimer entfernt. “Als ich sie gefragt hab, weshalb sie ihren Müll nicht in die Tonne wirft, sagte sie nur patzig, dass sie das immer so macht und mich das gar nichts angeht.” Wenn sie öfter eine Illustrierte statt des Häkelzeugs mit zum Platz nehmen würde, würde sie sich seltener ärgern, vermutet die Frau.

“Als ich jung war”, sagt sie zum Abschied, “dachte ich, dass ich die Welt und die Men- schen besser verstehe, je älter ich werde.” Nun sei sie alt und wisse es besser.

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Klarer Fall

“Ist das Kunst oder kann das weg?” Mit dieser Frage ist nicht nur die Berliner Stadtreinigung (BSR) tagtäg- lich in Neukölln konfrontiert, sondern auch jeder, der sich wachen Auges durch den Bezirk bewegt.

Dass die Antwort so ein- deutig mit einem Votum für die Kunst ausfällt wie bei dieser illuminierten, in lufti- ger Höhe baumelnden In- stallation, ist zugegebener- maßen eher selten. Umso häufiger fällt die Entschei- dung berechtigterweise pro Müll aus.

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Unerreichbares Objekt der Begierde

An aprilmäßig anmutenden Sommertagen kann der Hang der Neuköllner, ihr Wohnumfeld zu vermüllen für sie unnütz ge- wordenen Krempel der Allge- meinheit zu überlassen, durch- aus etwas Positives haben. Noch sozialer wäre es aller- dings gewesen, den ausran- gierten Schirm ein paar Äste tiefer zu hängen, damit sich auch Nicht-Kletterer bei spontan einsetzenden Güssen des Re- genschutzes bedienen können.

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Prioritäten

Wo kämen Neukölln und Berlin auch hin, wenn wegen geparkter Fahrräder kein Platz mehr für diese dekorativen Müllsäcke wäre?

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AEG – Alles effektiv gelöst

Mittwochs und an den Wochenenden ist es besonders schwer, die Demonstration zu übersehen, wie leicht sich Geld verdienen lässt. Dann wehen die Scheine förmlich durch die Straßen von Neukölln, flattern über Bürgersteige, kollidieren mit Bäumen oder liegen gebündelt zwischen parkenden Autos. Großzügig und vor allem schnell von Schülern, Hausfrauen, Senioren und anderen, die sich etwas dazuverdienen möchten, zur allgemeinen Benutzung unters Volk gestreut.

Geschenke, die nicht billig waren und nun alle etwas kosten. Aber die Zusteller haben gespart: Zeit und Lauferei. Das gilt auch für diejenigen unter ihren Kollegen, die die leidige Erwerbstätigkeit noch effektiver und eleganter lösen. Die das bunt Bedruckte, das für sie bares Geld bedeutet, in der nächstbesten Altpapiertonne verklappen.

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Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden

Wer sich über Vermüllung aufregen will, findet dafür in Neukölln reichlich kleine und große Anlässe: Vom Kau- gummi-Papier über In- stantnudeln-Tüten bis hin zu ausgemustertem Mobi- liar -  es gibt fast nichts, was nicht zum Zierrat für Bürgersteige und Straßen- ränder taugt.

Beim Besitzer dieses ex- quisiten Sessels im Vin- tage-Look könnte man sich jedoch mit einem übereifrigen Anruf bei der BSR-Dreckecken-Hotline ziemlich unbeliebt machen. Denn der will’s offensichtlich bei der Überwachung seines zwei- und vierrädrigen Fuhrparks einfach nur bequem haben.

=ensa=

 

Die Tücken des Verzichts

Dass man mit einem überdosierten Hang zum Fatalismus nicht immer gut beraten ist, müssen derzeit Neu- köllner erfahren, die vor Tagen oder Wochen dachten: Bei den Tempe- raturen brauchen wir kei- nen Gefrierschrank mehr. Also, raus mit dem Steh- imweg! Wozu haben wir schließlich einen Balkon?

Eine Zeitlang funktionierte das auch gut, bedeutete der Verzicht auf den Stromfresser keinen auf Eis oder Tiefkühlgerichte. Das hielt sich draußen alles wunderbar. Aufpassen musste nur, wer zusätzlich zum Gefrier- gleich noch den Kühlschrank ausgemustert und Getränke im Open Air-Eisfach deponiert hatte. Da galt es den Moment vor der Veränderung des Aggregatzustands abzupassen, wollte man keine bösen Überraschungen erleben. Dieser Stress entfällt seit dem letzten Tag des alten Jahres – zum Bedauern der Fatalisten. Doch schon heute sollen für die wieder bessere Zeiten anbrechen, zumindest vorübergehend.

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Neuköllner Bauernregel

straßenmüll neuköllnstraßenmüll neukölln

Liegen in Neukölln viele Regenschirme auf den Bürgersteigen, wird sich der Himmel am nächsten Tag in strahlendem Blau zeigen.

Stimmt!

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Die Tücken der Inszenierung

Sie könnte so schön sein heute, die Weisestraße. Der Müll, der vor Tagen oder gar Wochen auf dem Bürgersteig abgeladen wurde, könnte weg sein, abgeholt von der Berliner Stadtreinigung (BSR). Dann hätte die rbb-Abendschau-Redaktion allerdings zugeben müssen, dass gar nicht aller Sperrmüll, den sie für ihren Beitrag über die dreckige  Okerstraße in  Szene  gesetzt  hat, in  der  Okerstraße entdeckt und gefilmt

vermüllte weisestraße neukölln,rbb-abendschau-beitrag okerstraßevermüllte weisestraße neukölln,rbb-abendschau-beitrag okerstraße

entmüllte okerstraße, rbb-abendschau-beitrag okerstraßewurde. Die Hälfte des zum Okerstraße-Bashing in- strumentalisierten Gerüm- pels steht nämlich in der Weisestraße – auch heute noch.

Entmüllt ist dagegen die Okerstraße. Frühmorgens sei, wie zu erfahren war, die BSR gekommen, um die Sperrmüll-Haufen und solitären Stillleben auf dem Bürgersteig zu beseitigen. Etwas verwundert dürften die Müllmänner schon gewesen sein, dass das Ausmaß der Vermüllung deutlich hinter den durch den rbb geschürten Erwartungen zurücklag. Hätten sie noch einen Abstecher in die Weisestraße gemacht, wären die erfüllt worden. Aber von der war ja im Abendschau-Beitrag nicht die Rede.

=ensa=

Gründlich verrechnet

Jahrelang konnte man es sich auf der Schillerpromenade zwischen Herrfurthplatz und Okerstraße richtig gemütlich machen. Es gab zahlreiche Bänke entlang des Fußgängerwegs auf der Mittelpromenade, und vor einigen waren sogar Tische in- stalliert: Praktisch, um die Zeitung darauf zu legen, die Ellbogen abzustützen, Bierflaschen darauf abzustellen, mal die Beine  hochzulegen oder größeren Gruppen ein Mehr an Sitzgelegenheiten zu bieten.

Vor etwa einem Vierteljahr war es aber vorbei mit dem Komfort. Das Naturschutz- und Grünflächenamt (NGA)  Neukölln baute die Tische ab und reagierte damit auf Beschwerden, die vermehrt von Anwohnern der Schillerpromenade gekommen seien. Insbesondere das Tischangebot, argwöhnten die, habe den Effekt, dass Trinkergruppen den Grünstreifen zu ihrer guten Stube machen und sich so benähmen, wie man es sich von keinem Nachbarn wünscht: lästig, vermüllend und laut.

Seitdem sind die Tische also weg, die für manchen unerwünschten Nachbarn – wie zu erwarten gewesen sein müsste – jedoch nicht. Auf die veränderten Bedingungen haben sie sich schnell eingestellt. So überaus wichtig sind Tische für das gemütliche, feuchtfröhliche Beisammensein nun wirklich nicht. Und für den Fall, dass jetzt auch noch die Bänke verschwinden sollen, wurde schon mal Vorsorge getroffen.

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Ein Hauch von Neukölln

Auf gewisse Dinge muss man auch fernab Neuköllns nicht verzichten: Die Standards in puncto Vermüllung und Einrüstung halten auch kleinere Städte locker, ohne dass groß danach gesucht werden muss.

_ensa_

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