Musikalischer Teppich fürs Tempelhofer Feld

Es sind eigenartige Dinge, die an diesem Wochenende über das Tempelhofer Feld geschleppt  werden. Zu verdanken ist der ungewöhnliche Anblick der amerikanischen

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Komponistin Lisa Bielawa (r.), die sich bei einem Besuch vor drei Jahren in das Areal verliebte und sofort die Idee hatte, dass man hierlisa bielawa_tempelhof broadcast_tempelhofer feld berlin mit ihren Kompositionen ein Fest der Freude und Musik veran- stalten müsste.

Nun wird dieser Traum mit Tempelhof Broadcast von etwa 250 Hobby- und Profi-Musikern aus Deutschland und den USA verwirklicht: Seit zwei Jahren bereiten sich die Ins- trumentalisten und Chöre auf das Raum-Klang-Event vor, seit zwei Monaten auch durch Vorort-Proben. Denn der Wind spielt eine – im wahrsten Sinne des Wortes – tra- gende Rolle für das Gelingen von Bielawas Vision, einen musikalischen Teppich auf dem  Feld auszulegen. “Mit  dem Wind ist  der Sound durchschnittlich etwa 400 Meter

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hörbar, gegen den Wind sind es immerhin noch 180 Meter”, erklärt Manuela Kugler-Knape, die Pressesprecherin des Projekts. “Spielt also nicht zu vorsichtig, sondern gebt richtig Gas!”, instruiert der Orchesterchef der Leo Kestenberg Musikschule seine Bläser vor der Ouvertüre auf der nördlichen Start- und Landebahn. Sechs Minu-

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ten spielen hier alle Musiker gemeinsam, danach verteilen sich die Gruppen in choreographierten, zeitlich exakt eingetakteten Bewegungen über das Gelände, um sämtliche  Besucher  in ein  60-minütiges akustisches Erlebnis  und einen  urbanen

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Klangkörper nie dagewesener Größe einzubinden. Dabei bleibt es jedem selber überlassen, den Chören, Blechbläsern, Streichern und Alphornisten zu folgen oder eine individuelle  Position innerhalb der  Klangsphäre einzunehmen. Was man  in ihr

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zu hören bekommt, besteht zwar aus identischen Kompositions-Bausteinen, klingt aber immer und überall anders.

Tempelhof Broadcast ist nochmals heute ab 15 Uhr und morgen ab 14 Uhr zu erleben.

=ensa=

Zum Lachen

wegweiser_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinSpaß kann man auf dem Tempelhofer Feld täglich haben. Gestern, am Weltlachtag, war er auf einem Stück der Wiese nahe dem Biergarten Programm. Vier Stunden lang wurde dort in großer Runde auf hauptstadt-lacht_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinEinladung der Initia- tive Hauptstadt lacht mit Yoga, Tanz, Spie- len und Gesang orga- nisierter Frohsinn ge- pflegt. Was auf Unbe- teiligte wie Kinder- geburtstags-Amüsement für Erwachsene wirkt, sei für die Gesundheit von Körper und Seele  effektiver als Sport, erfuhr man an einem Info-Stand. Flyer, die zu Lach-Partys, Lach-Meditation,

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lachfundstelle_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinLach-Reisen, Lach-Yoga und -Kursen oder in Lach-Clubs einluden, lagen hier  bereit. An einem anderen Tisch war eine Lachfundstelle eingerichtet, direkt dane- ben eine Lach-Bar mit kulinarischen Stär- kungen für die Lachenden.

dackel_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinOb der Rauhaar- dackel, der sich am Rande des Lach-Events tief ins Tempelhofer Feld grub, auf der Suche nach seinem Lachen war, ließ sich leider nicht herausfinden. Seinen Spaß hatte er aber definitiv.

Zum Greifen nah

Wer in Berlin bis zum Horizont gucken will, geht normalerweise aufs Tempelhofer Feld. Dass er mitten in Neukölln, in der Saltykowstraße, viel besser zu sehen ist, ist kaum  bekannt. Mehr noch: In dieser Straße kann man den Horizont sogar anfassen -

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den Rixdorfer Horizont! Vor gut 15 Jahren malten  Werner Brunner und Monique Rival ihn auf die Fassade des Eckhauses, das außerdem viel Platz für Theatralisches bot.

Die Macht der Bilder: Shitstorm über dem Tempelhofer Feld

1_tempelhofer feld_berlinEmpörung, hitzige Diskussionen, Ver- unsicherung. Seit vor einigen Tagen der zwei Jahre alte Blogbeitrag “Das teure Foto” zu einer Revival-Tournee durch das weltweite Netz und seine sozialen Netzwerke aufbrach, ist der Wirbel groß. Denn in Berlin ist das Tempelhofer Feld mittlerweile zum Reizthema geworden – und den Be- treibern von der Grün Berlin GmbH 3_tempelhofer feld_berlinals verlängertem Arm des Berliner Senats, traut mancher inzwischen vie- les zu.

Ob wir auch bezahlen müssen, wenn wir Fotos vom Feld veröffentlichen? Ob es denn noch erlaubt ist, Bilder bei Facebook zu teilen, ohne eine Rechnung befürchten zu müssen? Ob man eine Fotogenehmigung einholen müsse, bevor man zum ersten Mal auf den Auslöser drückt?  Zahlreiche besorgte Mails, Facebook-Nachrichten, Anrufe und Twitter-Messages erreichten uns in den letzten Tagen. Wer Fotos vom Tempel- hofer Feldes in sozialen Netzwerken einstellte, erhielt als Kommentar häufig die wohlmeinende Warnung, dass man gelesen habe, dass für solche Bilder bezahlt werden müsse. Der Aspekt, dass es sehr wohl zwischen privater und gewerblicher 2_tempelhofer feld_berlinFotografie zu unterscheiden gilt, wur- de vom Shitstorm mitgerissen.

Auch Grün Berlin blieb das Phäno- men nicht verborgen. Auf unsere An- frage, wie es sich in Sachen “Foto- grafieren auf dem Tempelhofer Feld” hinsichtlich der Genehmigungs- und Kostenpflichtigkeit verhält, kam von Projektmanager André Ruppert per E-Mail folgende Erklärung: “In der Tat 4_tempelhofer feld_berlingibt es derzeit eine hitzige Diskussion im Netz, die zum Teil sehr emotional geführt wird. Wir freuen uns daher über Ihre Anfrage und möchten an dieser Stelle deutlich machen, dass die Grün Berlin GmbH die Freiheit der Berichterstattung besonders schätzt und achtet und daher in keiner Weise versuchen wird, zu privaten Zwe- cken gemachte Fotos, Filme etc. in irgendeiner Form zu verhindern und deren Veröffentlichung zu behindern. Im Gegenteil: wir freuen uns, dass so viele Menschen das Tempelhofer Feld genießen und ihre Freude beim Besuch der Fläche durch das Einstellen von digitalen Inhalten im Internet zum Ausdruck bringen.”

Gleichwohl machte Ruppert klar, dass für gewerbliches Fotografieren ein anderes Prozedere gilt: “Wie es auch in unseren anderen Parkanlagen der Fall ist, erheben wir für kommerzielle Produktionen (Film, Fernsehen, Foto, Musikvideos) auf dem Tempelhofer Feld eine Motivmiete. Dieses Geld fließt in die Bewirtschaftung der Fläche und senkt den Anteil an öffentlichen Steuermitteln, die vom Land Berlin für den Unterhalt der Fläche ausgegeben wird. Davon ausgenommen sind – wie bereits erwähnt – selbstverständlich Aufnahmen, die Privatbesucher für den eigenen Gebrauch hier machen. Journalisten erhalten im Rahmen der täglichen Bericht- erstattung ebenso wie studentische nichtkommerzielle Produktionen nach Anmel- dung eine kostenfreie Erlaubnis für Foto- und Filmaufnahmen.”

“Sprich mit mir!”: Keine lange Nacht, aber ein unterhaltsamer Abend im Zeichen der Toleranz in Neukölln

Weshalb sind nur manche Dinge so schwierig? Die Sache mit der Toleranz zum Beispiel. Schon an diesem Auftakt des zwischenmenschlichen Triathlons, BMFSFJ_FuerDemokratie_Visual_Bild_ohneBreg_RGB_RZder sich über Akzeptanz zur Königsdisziplin Respekt steigert, scheitern viele. Am vergangenen Dienstag konnte bei der Aktion Tag und Nacht für Toleranz und ihren über 800 bun- desweiten Events Toleranz geübt werden. 15 Trainingscamps gab es in Berlin, eines davon, von Kemal Hür moderiert, in Neukölln – und das wurde bestens besucht.

Unter dem Motto „Sprich mit mir! zusammenkommen, auseinandersetzen, gemeinsam weitergehen“ hatte der DITIB Landesverband Berlin zusammen mit dem orhan senel_lange nacht der toleranz_izg neuköllnTreffpunkt Religion und Gesellschaft e. V. (TRG) ins Interkulturelle Zentrum Genezareth (IZG) zu einem doppeldeutig unterhaltsamen Abend eingeladen. Denn nach der Ouvertüre durch den Kanun-Spieler Orhan Şenel standen nicht nur Unterhaltung, sondern auch Unter-haltungen auf dem Programm. “Wie gestaltet sich in Berlin das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen?”, das war die Frage, die im Zentrum der Veranstaltung stand.

elisabeth kruse_lange nacht der toleranz_izg neuköllnDer von Institutio- nen verschiedener Glaubensrichtungen gegründete TRG fasst sie noch ein Stück weiter. Er habe das Ziel, Begegnungen und Gespräche zwischen Menschen aller Religionen wie auch Nicht-Religiösen zu initiieren, erklärte Vorstandsmitglied Elisabeth Kruse. Toleranz wer- de hier im Sinne von Anerkennung der Gleichberech- tigung verstanden, so die Pfarrerin der Genezaender cetin_lange nacht der toleranz_izg neuköllnreth-Gemeinde: “Ein solcher de- mokratischer Prozess funk- tioniert nur übers Reden.”

Dieses Reden sei eine tägliche Herausforderung in der Sehitlik-Moschee, sagte deren Vorstandsvorsitzender Ender Cetin. Häufig würden die Moscheeführer “mit sehr harten Fragen” zu allerlei Vorurteilen konfrontiert und müssten – um Geduld bemüht – Aufklärungsarbeit dahin- gehend betreiben, dass der Islam z. B. nicht gewalttätig ist, sondern der Koran zu Toleranz und Miteinander aufrufe. maya zehden_lange nacht der toleranz_izg neukölln“Brückenbauer wie der TRG”, meinte Cetin, “kön- nen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verstän- digung leisten.”

Das erhofft sich auch Maya Zehden vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), das ebenfalls Gründungsmitglied des Treffpunkt Religion und Gesellschaft e. V. ist. Religion, sagte sie, müsse als positive Kraft wahrgenommen werden und Fremdes den Status des Gleichberechtigten bekommen. ehrhart körting_lange nacht der toleranz_izg neuköllnDas vom TRG geplante lokal verwurzelte, aber berlinweit aktive interreligiöse Zent- rum mit überregionaler Strahlkraft auf der Tempelhofer Freiheit könne ein Ort werden, wo die Toleranz zwischen Mehrheiten und Minderheiten gelebt wird.

Nicht in der Rolle des Senators a. D., sondern als institutionell unabhängiges TRG-Gründungsmitglied trat schließlich Ehrhart Körting hinter das Pult. “Religiöse Strömungen”, bemerkte er, “stellen doch in Berlin Min- derheiten dar.” Wichtig sei, dass (Glaubens-)Wahr- heiten, die andere für sich finden, gleichberechtigt sind und die Diskussionen darüber auf Augenhöhe geführt werden.  Dass überhaupt salsabil_lange nacht der toleranz_izg neuköllnmiteinander geredet wird, dafür wolle er werben.

Nach dem Auftritt der Gruppe Salsabil könne das Miteinanderreden ausgie- big praktiziert werden, kündigte Kemal Hür den reichlich in die Genezareth-Kirche geströmten Besuchern an. “Danach”, versprach er, “erwartet Sie eine nicht sehr klassische Podiums-diskussion, bei der über die Bedeutung von Toleranz aus verschiedenen religiösen und gesellschaftlichen Perspektiven gesprochen wird.” Und abschließend gebe es dann noch eine interreligiöse Comedy-Show mit der Pfarrerin Dorothee Schaper in ihrer Rolle als Eva-Maria Rastlos. (Fortsetzung: übermorgen)

=ensa=

Der Anfang ist gemacht: Frisches Grün fürs Tempelhofer Feld

gaebler+schmidt_pk 1.baumpflanzung_tempelhofer feld_berlinEs hätte schlimmer kommen können, aber auch besser. Noch Freitagmorgen hatten Christian Gaebler (l.), Staatssekretär für Stadt-entwicklung beim Berliner Senat, und Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt (r.) damit gerechnet, im strömenden Regen die ersten neuen Bäume auf dem Tempelhofer pk 1.baumpflanzung_tempelhofer feldFeld pflanzen zu müssen. Doch dann war es am frühen Nachmittag nur noch herbstlich kalt und stürmisch. “Beste gärtnerische Bedingungen also”, fand Schmidt, “um die Bäume gut und nachhaltig in den Boden zu bringen.”

26 Gleditschien sind es, die nun im Bereich des Alten Hafens zu Vorreitern der “Qua- lifizierung der Parklandlandschaft anknüpfend an den Nutzerwünschen” werden, wie Christian Gaebler es nannte. Denn Befragungungen hätten ergeben, dass das Bedürfnis der Besucher nach schattigen Aufenthaltsplätzen groß ist. Das sahen und sehen natürlich die Aktivisten der Bürgerinitiative 100 % Tempelhofer Feld gänzlich anders: Die Pflanzaktion sei eine “Auftaktveranstaltung der gegen den eindeutigen gaebler+schmidt_bi thf100_tempelhofer feldBürgerwillen geplanten Zerstörung des Feldes”, echauffierten sie sich nicht nur per Pressemitteilung, son- dern auch vor Ort. Gleditschien seien zudem “nicht standortgerecht”, hielten sie Gaebler und Schmidt vor, die wiederum das völlig anders sahen und sehen und darauf verwiesen, dass die Baumart selbstverständlich im Vorfeld mit dem Berliner Natur-schutzbeauftragten abgestimmt wur- de. Gleditschien seien Bäume, die mit Wind, Trockenheit, hohen Temperaturen, einem verdichteten Boden und somit mit den spezifischen Bedingungen des ehemaligen Flugfelds gut zurechtkommen, refe- rierte Gaebler. Dazu kämen die optischen Vorzüge der Gleditschie, die sich mit ihrer 1.baumpflanzung tempehofer feld_gaebler+schmidtSilhouette perfekt in das Gesamtbild des Parks einfüge.

Im Herbst, kündigte der Staatssekretär an, werden weitere 116, ebenfalls sorgfältig ausgesuchte Bäu- me auf dem Areal gepflanzt. Und nicht nur das: Außerdem werde dann begonnen, mit der Aus- hebung eines 3 Hektar großen Wasserbeckens den Wunsch vieler Besucher nach Wasserflächen zu realisieren. Das Resultat würden jedoch nicht nur attraktive Aufenthaltsbereiche in den Uferregionen sein, sondern auch ein “ökologisch und ökono- misch vernünftiges Regenwasser-Management”. Etwa 300.000 Euro fielen derzeit als Kosten für die Wasserbecken Übersicht_Copyright Gross MaxAbleitung des Regenwassers von der Tempelhofer Freiheit in den Landwehrkanal an. Geld, das man für das Gelände sinnvoller ein- setzen könne.

Des Weiteren werde in absehbarer Zeit die Neuordnung der Sportfelder am Columbiadamm gestartet, um die dringend benö- tigten Flächen für die Erweiterung des muslimischen Friedhofs schaffen zu können.

Die Umsetzung anderer Pläne liegt noch in fernerer Zukunft. Bis 2016 reicht das Zeitfenster, das Christian Gaebler für Projekte wie das Anlegen eines Nord-Süd-Radwegs, die Verbesserung der Infrastruktur in puncto Toiletten und Gastronomie, die Schaffung quartiersnaher Spiel- und Sportplätze, das Ausweiten von Urban bi thf100_1.baumpflanzung_tempelhofer feldGardening-Flächen und die Kennzeich- nung und Ausstellung historischer Spuren auf dem ehemaligen Flughafen nannte.

Die Visionen vom künftigen Sound des Tempelhofer Felds hatten die Aktiven der Bürgerinitiative gegen die Bebauung gleich dabei. Baulärm vom Band begleitete die Spatenstiche von Christian Gaebler und Christoph Schmidt. Die Aufgabe, die der Staatssekretär ihnen auftrug, dürfte schwieriger zu bewältigen sein: “Dann zeigen Sie mir doch die 85 Prozent der Berliner, die etwas gegen mehr Bäume hier haben!” lautet sie.

=ensa=

Auf in den Kampf: Berliner Rittergilde bringt das Mittelalter aufs Tempelhofer Feld

berliner rittergilde_training schaukampfgruppe_tempelhofer feldMan hört sie schon, bevor man sie sieht. Der Maschendrahtzaun, der das Tempelhofer Feld umgibt, kann ihre Schreie und den Sound des Aufeinandertreffens von Metall und Metall nicht aufhalten. Männer in blauen Kitteln, mit Ket- handschuh_berliner rittergildetenhauben und Helmen duellieren sich, Schwerter kreisen erst durch die Luft und landen dann krachend auf anderen Klingen, Schil- den, Handschuhen, Schul- ter- oder Schienbeinschüt- zern. Es wirkt martialisch, doch Sorgen um die eige- ne Gesundheit oder die der Recken muss sich niemand machen: es ist die Schau- kampfgruppe der Berliner Rittergilde, die hier 14-täglich sonn- tags für ihre Auftritte thomas berliner_berliner rittergilde_tempelhofer feldtrainiert.

“Bitte nicht noch weiter ran!”, werden Schaulustige ermahnt, die sich dem Spektakel nähern wollen. Thomas Berliner (r.), der zu den Gründern der Gilde gehört, und ein Kollege achten genau darauf, dass der Mindestabstand von 10 Metern zwischen kämp- fenden Rittern und Publikum nicht unterschritten wird. So ist es vertraglich vereinbart und so wird es auch ein- gehalten. “Dafür bräuchten wir nicht mal einen Vertrag”, sagt Berliner. Auf ein Ritterehrenwort könne man sich auch ohne den verlassen. Zuverlässigkeit und ritterliche Tugenden wie Pflichtbewusstsein und Aufrichtigkeit seien bei ihnen das A und O: schilde_berliner rittergildeWeil wir Ritter sind und nicht nur Ritter spielen.”

Wer meint, der Berliner Rittergilde für einen monat- lichen Mitgliedsbeitrag von 11 Euro beizutreten, um dann kostümiert im Kampf seinen Aggressionen freien Lauf lassen zu können, ist eindeutig auf schwert_berliner rittergildedem falschen Dampfer. “Mit Leuten, die Schaum vor ‘m Mund haben, können wir absolut nichts anfangen”, stellt Thomas Berliner fest. Denn ritterliches Verhalten bedeute auch, sich selber und sein Leben unter Kontrolle zu haben.

Über 30 Kilogramm Ausrüstung versetzen Angestellte, Stu- denten und Selbstständige etwa 800 Jahre zurück und machen aus ihnen Ritter der askanischen Herrscher der Mark Branden- burg. Allein drei Kilogramm wiegt das Schwert, dessen Spitze stumpf und dessen Klinge mindestens 3 Millimeter dick zu sein hat. So ist es vorgeschrieben, auch aus sehr jetztzeitlichen ver- sicherungsrechtlichen Gründen. Praktische Argumente führen schaukampfgruppe_berliner rittergilde_tempelhofer feldindes dazu, dass die Authentizität nicht bis ins letzte Detail stimmt. “Unten drunter tragen wir etwas anderes als unsere Vorfahren”, verrät Thomas Berliner grinsend. “Und die Schilde sind nicht wie früher aus Holz, sondern aus Aluminium.” Einerseits seien sie so um einiges haltbarer und ande- rerseits müsse man eben auch an das Publikum denken, das es bei Ritterkämpfen laut und krachend haben will. Dem zuliebe gelte auch bei Schaukämpfen die eherne Regel “Wer getroffen wurde, fällt um!”. Die Leute kämen schließlich “nicht, um ein Mikado-Spiel zu erleben, wo hinter- her die Punkte gezählt werden.” Was sie indes vielleicht gerne erleben würden, aber nicht sehen werden, sind Ritterinnen, die mit Schwert und Schild bewaffnet training schaukampfgruppe_berliner rittergilde_tempelhofer feldin den Schaukampf ziehen. “Doch”, versi- chert Thomas Berliner, “wir haben auch Frauen im Verein und die dürfen durchaus mittrainieren.” Aber Frauen bei Schaukämpfen, das würde doch zu sehr von der Authentizität abwei- chen.

Das Interesse an der Trainingseinheit der Ritter auf dem Tempelhofer Feld ist groß. Erwachsene zücken die Fotoapparate, Jungs und Jungmänner sehen dem Treiben fasziniert zu. “Trotzdem haben wir ein Nachwuchsproblem”, bedauert Berliner. “Von der Schwierigkeit, auch Menschen aus anderen Kulturkreisen zu gewinnen, ganz zu schweigen.” Insofern sind die Nachmittage auf dem Neuköllner Teil des ehemaligen Flughafens auch Übungs- stunden in Sachen Ritterakquise. Ob man das alles kaufen muss, was man zum Kämpfen braucht, will ein kleiner Junge wissen. Seine Augen leuchten, als er erfährt, dass man als Mitglied “ein blaues Hemd, eine Kettenhaube und was zum Pieken” gestellt kriegt. Er werde mit seinen Eltern wiederkommen, kündigt er an.

Das nächste Training der Schaukampfgruppe der Berliner Rittergilde ist am 14. April von 12 bis 16 Uhr auf dem Tempelhofer Feld (Eingang: Herrfurth-/ Oderstraße).

=ensa=

Dem Namen (fast) alle Ehre gemacht

Einen Sonntag mit viel Sonne – den gab es, ohne Schnee und Frost, lange nicht mehr in  Berlin. Bis gestern, was die Menschen in Scharen aufs Tempelhofer  Feld strömen

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ließ, um die Freiheit zwischen Himmel und Erde zu genießen oder auf Asphalt und zartem Grün zu tun, worauf seit  Monaten verzichtet  werden musste. Auch für die Feld-

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lerchen ist inzwischen alles fürs Brüten hergerichtet. Vis-á-vis der abgesperrten Flä- chen, auf dem Gelände des Allmende-Kontors, wurden Sämereien verkauft, und Max

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von Grafenstein vom Bauerngarten gab Hobbygärtnern in einem Workshop Profi- Tipps für die  Aussaat, die Jungpflanzen-Anzucht und eine spätere erfolgreiche Ernte.

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So konnte mancher mehr als den ersten dezenten Sonnenbrand der Saison mit nach Hause nehmen.

Heute in Schweden, schon gestern in Neukölln

waffeltag_waffelkaffel neukölln“Ha en trevlig våffeldagen!” – das wünscht man sich heute in Schweden. Und dann wird Teig gerührt, das Waffeleisen aus dem Kü- chenschrank geholt und bis zum Sättigungs- punkt der våffla gehuldigt. Bis ins 17. Jahr- hundert reicht diese Tradition zurück, die der Überlieferung nach auf einem Missverständ- nis basiert: Auf den 25. März fällt auch der christliche Feiertag Mariä Verkündigung, der auf Schwedisch vårfrudagen heißt, was wie- derum – schnell und nuschelnd artikuliert – wie  våffeldagen, also: Waffeltag, klingt. Und eben den begeht man in Schweden nun immer genau neun Monate vor Weihnachten.

In Neukölln, das schließlich gerne mal vorne ist, wartete man mit dem Waffeltag nicht bis zum 25. März, sondern feierte ihn schon ges- waffelkaffel_neuköllntern: im Waffelkaffel. “Weil Sonntage für solche Aktionen besser sind”, sagt Adrian Schefer, der zusammen mit seiner Partnerin Paula Leu das kleine Café vis-à-vis der Geneza- reth-Kirche vor einem Dreivierteljahr eröffnete.

waffelkaffel neuköllnDraußen sitzen will bei strengem Frost keiner, entsprechend voll ist es drinnen. Das liege aber nur marginal am Waffel- tag und dem mit ihm verbundenen Angebot “Gratis-Waffeln für alle”. Sonntags seien sie immer am Maximum, was in erster Linie der Nähe zum Tempelhofer Feld zu verdanken ist. Durchgefrorene Spaziergänger in Paar- bis Gruppenstärke geben sich gegen-seitig die Klinke in die Hand. Bei jedem Öffnen der Tür dringt ein warmer Schwall Waffelduft auf waffel_waffelkaffel berlin-neuköllndie Straße.

Das 23 Jahre alte und 40 Kilo schwere Doppeleisen läuft zur Hochform auf, tauscht im Akkord zähflüssigen Teig gegen goldbraune Waffeln. Mit Puder- zucker bestäubt oder mit Schlagsahne, Nuss-Nougat-Creme, Eis, Früchten und anderen  Zugaben belegt, landen sie auf verschnörkelten Vintage-Tellern. Wer Kaffee dazu bestellt, bekommt auch den in einer feinen Tasse aus Omas Geschirrschrank. frühlingsrolle_waffelkaffel neuköllnAber es ist nicht nur das Porzellan, das auf Geschichten zurückblickt. Zu jedem Stück des liebevoll gestalteten Waffelkaffel-Interieurs könn- te Adrian Schefer eine eigene Anekdote erzählen: “Das ganze Mobiliar hab ich selber gebaut, mit Abfallholz, das ich in den Straßen Neuköllns gefunden hab.”

Ganz und gar nicht retro, sondern beim Blick aufs Thermometer der Zeit voraus ist das Waffelkaffel indes mit der süßen Kreation, die für diese Woche anlässlich des Waffeltags in die Karte aufgenommen wurde: Frühlingsrolle heißt sie. In ihr steckt eine Kugel Vanille-Eis, umgeben ist die Waffel von Eierlikör und Mohn.

=ensa=

Vorreiter: Die Neuköllner Peter-Petersen-Schule macht Schule auf dem Tempelhofer Feld

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnDas hatten sie sich alles entschieden anders vorgestellt: Ein Frühlingsfest mit Musik, Tanz und bunten Drachen am Himmel sollte es vorgestern zur Saisoneröffnung des M.I.N.T.grünen Klassenzimmers auf dem Tempel- hofer Feld geben. So war es von den Lehrern und Schülern der Peter-Petersen-Schule schon vor einem Vierteljahr geplant worden. Aber dann kam das Hoch Jill, das – im Gegensatz zu Neu- köllns Schulstadträtin Franziska Giffey (l.), Dietz Valentin vom Lions Club Berlin-bezirksstadträtin giffey, dietz valentien, schulleiterin greif-groß, MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnSans- souci (2. v. r.) und vielen anderen – nicht eingeladen war und lausige Käl- te mitbrachte. Statt auf grünem Rasen stand man folglich bei dem Fest rings um die beiden Überseecontainer, das, so Schulleiterin Hildegard Greif- Groß (r.) “eigentlich den Frühling ein- läuten sollte”, knöcheltief im Schnee.

Seit dem letzten Sommer gibt es auf dem Tempelhofer Feld das wohl ungewöhnlichste Neuköllner Klas- senzimmer. Von 12 Klassen der Peter-Petersen-Schule (PPS) wird es genutzt, jede ist einmal pro Monat dort. Um zu erleben, was in normalen Klassenräumen oder auf dem engen MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnSchulhof nicht möglich ist. “Natürlich”, sagt Henning Stirner, der für den Förderverein der PPS die Nutzung des M.I.N.T.grünen Klassen-zimmers koordiniert, “geht es auch darum, dass sich die Kinder hier richtig austoben können.” Im Vorder- grund steht aber die Idee, “reguläre Unterrichtsinhalte in lebensnaher Umgebung” zu vermitteln. Denn auch wenn beim Wort Mint jeder sofort an Pfefferminze denkt – bei diesem Projekt auf dem Pionierfeld Oderstraße steht es für Mathematik,  Informatik,  Naturwissenschaft  und  Technik, was  auch  die  Kinder der

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neukölln

Klasse 1.1 mit ihrer kleinen Darbietung verdeutlichten. Bevor Bewegung in den Kreis der rund 300 Schüler, Lehrer und Eltern kam und mit Tanz, Gesang und einem Auftritt

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neukölln

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnder von Rocco Rossbach angeleiteten Trommel-gruppe versucht wurde, Schnee und Frost – wenn schon nicht zu vertreiben – doch wenigstens für einen Moment vergessen zu machen.

Wer noch nie zuvor im M.I.N.T.grünen Klasssenzimmer war, brauchte schon viel Phantasie, um sich aus-insektenhotel, MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnmalen zu können, was hier nicht nur durch das Engagement von Sponsoren wie dem Lions Club Berlin-Sanssouci, sondern auch durch die tatkräftige Mithilfe vieler Eltern entstanden ist. Der Schulgarten, Spiel- und Experimentier-flächen, die Hochbeete – dem Frühling zum Trotz lag (und liegt) alles, abgesehen vom verwaisten MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnInsek- tenhotel, unter ei- ner dichten Schnee-decke.

Phantasie ist zwei- fellos auch erforder- lich, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was Franziska Giffey in Aussicht stellte: “Der Bezirk Neukölln will, dass hier mehr als nur ein Klassenzimmer entsteht.” Langfristige Ziele seien der Bau einer Kita und eines ganzen Schulgebäudes auf dem Neuköllner Bereich des Tempelhofer Feldes. “Optimal wäre es, wenn man dabei nicht nur an eine Grundschule denken, sondern gleich eine Kombination aus Grund- und Oberschule planen würde”, meint die Stadträtin. Dafür müsse aber – trotz erkennbarer Bedarfe – noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

=ensa=

Der entscheidende Unterschied

verschneites tempelhofer feld_berlin-neuköllnWoran erkennt man, dass dieses Foto zwei Monate alt ist? Am Schnee, sollte man vermuten. Dem ist aber nicht so! Der liegt auch heute, am Vortag des astronomischen Frühlingsanfangs, auf dem Tempelhofer Feld – nicht immer noch, sondern schon wieder. Nein, zu erkennen ist es daran, dass auf dem Foto etwas fehlt: die Gedenksäulen, die nun gedenksäule charlotte wolff, gedenksäule fritz ausländerals Stadtmarkierung anlässlich des Berliner Themen- jahrs “Zerstörte Vielfalt” nahe dem Neuköllner Ein- gang an der Herrfurthstraße stehen.

Eine ist dem Lehrer und Politiker Fritz Ausländer ge- widmet, der 1943 seinem Leben ein Ende setzte. Die andere erinnert an die Ärztin und Sexualwissen-schaftlerin Charlotte Wolff, die vor ihrer Inhaftierung im Februar 1933 in Neukölln arbeitete und später nach London flüchtete, wo sie 1986 starb.

Was erkennt man auf diesem knapp zwei Wochen alten Foto der beiden Gedenk-säulen außerdem? Dass sich zwischen Schnee und Schnee schon kurzfristig ein Hauch Frühling gedrängt hatte.

Hinten nicht wie vorne

In Fietswinkel geht es momentan zu wie in der Praxis eines Allgemeinmediziners während der Hochsaison grippaler Infekte. “Gearbeitetet wird vormittags. Nach- mittags, wenn wir geöffnet haben, kommen wir kaum dazu, weil sich die Leute gegenseitig die Klinke in die Hand geben”, sagt Wolfgang Mrosek, der Inhaber der Fahrradwerkstatt im Schillerkiez. Seine Patienten haben fast alle das fahrradreifen-reparaturgleiche Problem: Sie sind hinten nicht annähernd so gesund wie vor- ne. “Das Zeug, das überall ver- streut wird, damit wir nicht aus- rutschen, ist unsinnigerweise so dermaßen scharfkantig, dass man ohne unplattbare Rei- fen keine Chance hat. “Wer es nicht glaubt und die Skepsis mit blutigen Händen bezahlen will, solle einfach mal ein Häufchen der Krümel eine Weile zwischen den Handflächen reiben, rät der Zweirad-Doc.

Dafür, dass er auch außerhalb der Split-Saison keine Zeit hat, im Fietswinkel eine ruhige Kugel zu schieben, sorgt etwas völlig anderes: die Nähe des Ladens zum Tempelhofer Feld. Auf rund 600 Prozent beziffert Mrosek das Mehr an Reparaturen, die durch das Aufeinandertreffen von Flaschenscherben und Fahrradreifen nötig werden, seit der Kiez zum Ein- und Ausfallstor für Partypeople und Griller geworden ist. Freude darüber, dass er davon ebenfalls profitiert, ist ihm aber nicht anzumerken. Wahrscheinlich, weil das Reifenflicken im Akkord ähnlich unprickelnd ist wie ein hustender und schniefender Patient nach dem anderen.

=ensa=

Auf Eis gelegt

sonnenuntergang on the rocks_neukölln

Ob mit goldig wie die Oscars schimmernden Sonnenstrahlen klappt, was bei Fischen als probates Mittel zur temporären Frischhaltung taugt? Auf dem Tempelhofer Feld gibt  es gleich mehrere solcher  Versuchsstrecken – noch.

Yes, indeed!

Seit einer gefühlten Ewigkeit liegt eine hell- bis dunkelgraue Wolkendecke über Ber- lin. Da kommt  das optische Pendant, das sich  in Sichtweite der  Neuköllner  Bezirks-

kunst am zaun_tempelhofer feld_berlin

grenze am Zaun um das Tempelhofer Feld präsentiert, gerade recht: Aus bunten, miteinander verschlungenen Bändern entstand am Columbiadamm ein StreetArt- Werk, das Labsal für Augen und Seele ist und gern öfter beweisen darf, dass es auch perfekt vor eine himmelblaue Kulisse passt.

Die fast perfekte Illusion

Wer gestern am späten Nachmittag das Tempelhofer Feld auf der Neuköllner Seite passierte, konnte  beim Anblick  der  nördlichen  Start- und  Landebahn  fast  meinen,

sonnenuntergang_tempelhofer feld_berlin-neukölln

dass mit einer äußerst unkonventionellen Runway-Befeuerung schon mal die Wie- derinbetriebnahme von THF geübt wird. Aber bereits Minuten später gingen die Lich- ter wieder aus. Wenige Stunden danach vermeldete die Bürgerinitiative 100 % Tem- pelhofer Feld, dass nun 33.382 Unterschriften gegen die vom Berliner Senat ge- plante Bebauung im Kasten seien. Heute Vormittag werden sie der Senatsverwal- tung übergeben.

So weit das Auge reicht

Was  des Berliner  Autofahrers,  Radlers und  Fußgängers  Leid, ist  des Rodlers, Ski-

verschneites tempelhofer feld

langläufers und Winter-Fans Freud’. Vor allem auf dem Tempelhofer Feld finden Schnee-Enthusiasten momentan Unmengen des von ihnen geschätzten Materials.

Noch reicht’s nicht: Die Unterschriftensammlung gegen die Bebauung des Tempelhofer Felds geht weiter!

Sie haben sich bemüht. Bei Wind und Wetter haben Aktive der Initiative 100 % Tem- pelhofer Feld in den letzten Wochen mit ihren Unterschriftenlisten an den info-stand 100 prozent tempelhofer feldEingängen des Areals gestanden, um Unterstützer für das Anliegen zu gewinnen, die Bebauung des ehemaligen Flughafens zu verhindern. Auch in etlichen Läden in den Anrainer- kiezen lagen Klemmbretter mit Listen aus. “Mehr als 20.000 Unterschriften” kamen so, wie Pressesprecher Felix Herzog ges- tern Abend vermeldete, in einem knappen Monat zusammen. Eine konkretere Zahl konnte er auf Anfrage nicht nennen, was die Schlussfolgerung zulässt, dass das Etappenziel von 23.000 Stimmen bis Mitte Januar nicht erreicht werden konnte. Respektabel ist aber auch der aktuelle Stand allemal. Die vielen Unterschriften seien ein Zeichen. “Wir wollen jetzt erst richtig loslegen und bereits in der ersten Phase des Volksbegehrens ein deutliches Signal an die Politik geben, dass viele Bürgerinnen und tempelhofer feld_oderstraße neuköllnBürger nicht mit den aktuellen Plänen des Senats einverstanden sind”, erklärt Herzog. Spätestens Mitte Februar sollen die Unterschriften nun eingereicht werden.

Auf mindestens 27.500 soll die Zahl bis dahin angewachsen sein. Unterm Strich könne man dann davon ausgehen, dass 20.000 Stimmen die Prüfung durch die Bezirksämter bestehen, d. h. von wahlbe- rechtigten Berlinern abgegeben wurden, als gültig gezählt werden und der Erfolg der ersten Phase des Volksbegehrens besiegelt ist. Deshalb bemühen sich die Aktiven der Bürgerinitiative auch in den nächsten Tagen und Wochen am Tempelhofer Feld und anderen Orten  weiter um Unterschriften von Unterstützern. Selbst wenn die ursprüngliche Planung, das Erwirken des Volksentscheids bis zur Bundestagswahl hinzukriegen, gekippt ist. “Dies ist jedoch nach Neuberechnung der Fristen aus gesetzlichen Gründen leider nicht möglich”, teilt die Pressestelle der Bürgerinitiative mit: “Wir rechnen nun damit, dass der Volksentscheid gleichzeitig mit den Euro- pawahlen Anfang Juni 2014 stattfinden wird.”

=ensa=

Vor der Stimmabgabe zum Singen für das Tempelhofer Feld

Etwa 3.000 Unterschriften waren es in der ersten Woche. Jetzt – gut zwei Wochen nach dem Start des Volksbegehrens – sind es bereits über 5.000 Menschen, die ihre Stimme gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes abgegeben haben. Bis zum 14. Januar, hofft die Bürgerinitiative 100 % Tempelhofer Feld, sollen 23.000 Unter- schriften  gesammelt sein. Dann könne  Berlins Regierendem  Bürgermeister Klaus

tempelhofer feld_neukölln

Wowereit und seinem Senat ein Moratorium für den auf dem Feld geplanten Bau der Zentralen Landesbibliothek auferlegt werden. Heute  ruft die Initiative  ab 15.30 Uhr am Platz der Luftbrücke zum  Singen für das Tempelhofer Feld  auf, um dem Senat heimzuleuchten und die Stimmensammlung für den Erhalt der Freifläche zu forcieren.

Die Bescherung geht weiter: zur kulinarischen Reise in die “Pappelreihe”!

Auch dieses Foto, das heute die Hauptrolle bei unserem Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiel 29.12.2012hat, stammt aus einem Artikel, der in 2012 im FACETTEN-Magazin erschienen ist. Wer erinnert sich an ihn, hat einen ausgeprägten Spürsinn oder stößt beim “Blättern” zufällig auf das richtige Ergebnis?

Wer den Titel des Beitrags, dem das Bild entnommen wurde, oder das Datum seiner ursprünglichen Veröf- fentlichung bis spätestens morgen (30.12.2012) um 8.59 Uhr in die Be- treffzeile einer E-Mail schreibt und sie an Facetten[at]gmx-topmail.de sendet, nimmt – wenn mehrere korrekte Antworten eingehen – an der Verlosung eines  lukullischen Gewinns “made in Neukölln” teil.

Heute kommt er vom Café Pappelreihe. Der Laden in der Kienitzer Straße, nahe dem Tempelhofer Feld, war jahrzehntelang ein Kiosk, der in den letzten 20 Jahren Ganeshamoorthy Sivakolundu gehörte. Im Sommer 2011 über- nahm dessen Sohn Thamilarasan Ganeshamoorthy, den alle nur Tamir nennen, das Geschäft und machte ein Café mit Wohlfühl-Ambiente daraus. Erst seit wenigen Wochen gibt es eine weitere Attraktion auf der Speisekarte der Pappelreihe: ein Mittagsmenü, das aus einer Suppe als Vorspeise und pappelreihe-logoeinem Pasta-Gericht als Hauptgang besteht.

Tamir lädt unsere/n Gewinner/in mit einer Be- gleitperson zu einer solchen kulinarischen Rei- se zur Lunch-Zeit (montags bis donnerstags zwischen 12 und 16 Uhr) ins Café Pappelreihe ein und spendiert beiden ein Getränk dazu.

Also mitmachen!

Update (30.12.2012/9:50 Uhr): Wer sich mit der Antwort “Experimente mit den Spielarten der Sprache” und/oder “4. März 2012″ an dieser Ausgabe unseres Rätsels beteiligt hatte, gehörte zu denen, die sich Hoffnung auf die Einladung ins Café Pappelreihe machen durften.

Aber: Es konnte nur eine/n Gewinner/in geben, und der wurde von einer Glücksfee ermittelt und inzwischen  informiert.

Einfach mal die Klappe halten

3_tempelhofer feld_berlinEtwa 17.000 Wörter liegen statistisch gesehen zwischen dem Aufwachen und dem Einschlafen. Dass Frauen, wie früher vermutet, wesentlich mehr reden als Männer, hat sich längst als falsch heraus- gestellt. Erwiesen ist aber, zumindest nach den Erfahrungen von Elisabeth Kruse, dass Frauen das größere Bedürfnis haben, sich organisierte Aus- zeiten von der verbalen Kommunikation zu gön- nen. “Es sind überwiegend Frauen, die an unseren Leerläufen auf dem Tempelhofer Feld teilnehmen”, sagt die Vorsitzende (M.) des Vereins Treffpunkt Religion und Gesellschaft, 1_leerlauf_tempelhofer feld berlinder eben diese Leer- läufe initiiert hat und einmal monatlich durchführt.

Es ist kalt und fast windstill auf Ber- lins größter Freifläche. Die Sonne hat sich bereits unspektakulär in den Fei- erabend verabschiedet. Ganz anders als beim letzten Leerlauf, der in glü- hendem Abendrot – und bei Schauern und Sturm – stattfand. Die Erfahrung hinsichtlich der Frauenquote wird be- stätigt: Diesmal liegt sie sogar bei 100 Prozent, denn Männer kommen gar nicht zum Treffpunkt am Haupteingang Columbiadamm, von wo aus es zu einem der beiden ältesten Bäume auf dem Tempelhofer Feld geht. Noch nicht schweigend. “Die Platane”, sagt Elisabeth Kruse, “haben wir als Start für die Leerläufe ausgewählt, weil es hier auch im Sommer nicht so trubelig ist.” Dass sie drei Stämme hat und damit perfekt zur Dreifaltigkeit in der christliche Theologie passt, sei ihr erst später 2_leerlauf_tempelhofer feld berlinaufgefallen.

Mit einem kurzen religiösen Gedicht als Textimpuls beginnt der Leerlauf – und das Schweigen. Diesmal würden 20 Mi- nuten reichen, schon wegen der Kälte, ha- ben die beiden Teilnehmerinnen entschie- den. Sonst ist es eine halbe Stunde, in der man stumm über den vorgetragenen Text, über etwas völlig ande2_tempelhofer feld_berlinres oder auch über nichts nachdenken und sich dem hin- geben kann, was passiert. Welchen Weg man dabei einschlägt und ob man ihn allein oder in stiller Gesellschaft zurücklegt, ist jedem selber überlassen.

Der Schnee und gefrorenes Laub, das auf dem Rasen liegt, knirrschen unter den Stiefeln. Das Rauschen der Stadtautobahn wabert über das Feld, irgendwo bellt ein Hund, Zweige knacken, es raschelt im Gebüsch,  in einem Baum krakeelen zwei Vögel. Es klingt 1_tempelhofer feld_berlinnach Streit. Das Handy in der Manteltasche vi- briert – bis der Anrufer aufgibt. Schweigen und telefonieren sind unvereinbar. Die Situation, ziel- los und alleine durch die Dämmerung zu stap- fen, ist gewöhnungsbedürftig. “Einmal ausstei- gen aus dem Zwang zur Produktivität. Einmal nichts schaffen, nicht effektiv und ergebnis- orientiert sein müssen”, nennt das der Leerlauf-Veranstalter auf seiner Webseite. An nichts den- ken, geht nicht. Nachher ein heißer Kakao. “… und spüren, dass man lebt.” 3_leerlauf_tempelhofer feld berlinWollsocken in den Stiefeln wären sinnvoll gewe- sen. Ein Hundehalter ruft weit entfernt nach Bruno, und die 20 Minuten sind leider schon um. Zurück zur dreistämmigen Platane.

“Wer will, kann erzählen, was er unterwegs erlebt hat”, bietet Elisabeth Kruse an. Sie habe sich öfter an den Vorsatz erinnern müssen, nicht an Projekte oder die Verwendbarkeit von Gedanken in einer Predigt denken zu wollen, gesteht sie. Für die Pfarrerin der Neuköllner Genezareth-Gemeinde wird die Adventszeit von Stress und Unbesinnlichem beherrscht: “Aber hier auf dem Tempelhofer Feld wird mir immer wieder sehr bewusst, dass Leere eine Oase und Stille ein Überlebensmittel ist.” Mit einem Segenswunsch beendet Elisabeth Kruse den Leer- lauf: Auch die Bitte, dass die zuständigen Instanzen kluge Entscheidungen für die Zukunft des Tempelhofer Feldes treffen mögen, kommt in dem vor.

Der nächste Leerlauf startet am 7. Januar um 16 Uhr am Haupteingang Columbiadamm.

=ensa=

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