Der Anfang ist gemacht: Frisches Grün fürs Tempelhofer Feld

gaebler+schmidt_pk 1.baumpflanzung_tempelhofer feld_berlinEs hätte schlimmer kommen können, aber auch besser. Noch Freitagmorgen hatten Christian Gaebler (l.), Staatssekretär für Stadt-entwicklung beim Berliner Senat, und Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt (r.) damit gerechnet, im strömenden Regen die ersten neuen Bäume auf dem Tempelhofer pk 1.baumpflanzung_tempelhofer feldFeld pflanzen zu müssen. Doch dann war es am frühen Nachmittag nur noch herbstlich kalt und stürmisch. “Beste gärtnerische Bedingungen also”, fand Schmidt, “um die Bäume gut und nachhaltig in den Boden zu bringen.”

26 Gleditschien sind es, die nun im Bereich des Alten Hafens zu Vorreitern der “Qua- lifizierung der Parklandlandschaft anknüpfend an den Nutzerwünschen” werden, wie Christian Gaebler es nannte. Denn Befragungungen hätten ergeben, dass das Bedürfnis der Besucher nach schattigen Aufenthaltsplätzen groß ist. Das sahen und sehen natürlich die Aktivisten der Bürgerinitiative 100 % Tempelhofer Feld gänzlich anders: Die Pflanzaktion sei eine “Auftaktveranstaltung der gegen den eindeutigen gaebler+schmidt_bi thf100_tempelhofer feldBürgerwillen geplanten Zerstörung des Feldes”, echauffierten sie sich nicht nur per Pressemitteilung, son- dern auch vor Ort. Gleditschien seien zudem “nicht standortgerecht”, hielten sie Gaebler und Schmidt vor, die wiederum das völlig anders sahen und sehen und darauf verwiesen, dass die Baumart selbstverständlich im Vorfeld mit dem Berliner Natur-schutzbeauftragten abgestimmt wur- de. Gleditschien seien Bäume, die mit Wind, Trockenheit, hohen Temperaturen, einem verdichteten Boden und somit mit den spezifischen Bedingungen des ehemaligen Flugfelds gut zurechtkommen, refe- rierte Gaebler. Dazu kämen die optischen Vorzüge der Gleditschie, die sich mit ihrer 1.baumpflanzung tempehofer feld_gaebler+schmidtSilhouette perfekt in das Gesamtbild des Parks einfüge.

Im Herbst, kündigte der Staatssekretär an, werden weitere 116, ebenfalls sorgfältig ausgesuchte Bäu- me auf dem Areal gepflanzt. Und nicht nur das: Außerdem werde dann begonnen, mit der Aus- hebung eines 3 Hektar großen Wasserbeckens den Wunsch vieler Besucher nach Wasserflächen zu realisieren. Das Resultat würden jedoch nicht nur attraktive Aufenthaltsbereiche in den Uferregionen sein, sondern auch ein “ökologisch und ökono- misch vernünftiges Regenwasser-Management”. Etwa 300.000 Euro fielen derzeit als Kosten für die Wasserbecken Übersicht_Copyright Gross MaxAbleitung des Regenwassers von der Tempelhofer Freiheit in den Landwehrkanal an. Geld, das man für das Gelände sinnvoller ein- setzen könne.

Des Weiteren werde in absehbarer Zeit die Neuordnung der Sportfelder am Columbiadamm gestartet, um die dringend benö- tigten Flächen für die Erweiterung des muslimischen Friedhofs schaffen zu können.

Die Umsetzung anderer Pläne liegt noch in fernerer Zukunft. Bis 2016 reicht das Zeitfenster, das Christian Gaebler für Projekte wie das Anlegen eines Nord-Süd-Radwegs, die Verbesserung der Infrastruktur in puncto Toiletten und Gastronomie, die Schaffung quartiersnaher Spiel- und Sportplätze, das Ausweiten von Urban bi thf100_1.baumpflanzung_tempelhofer feldGardening-Flächen und die Kennzeich- nung und Ausstellung historischer Spuren auf dem ehemaligen Flughafen nannte.

Die Visionen vom künftigen Sound des Tempelhofer Felds hatten die Aktiven der Bürgerinitiative gegen die Bebauung gleich dabei. Baulärm vom Band begleitete die Spatenstiche von Christian Gaebler und Christoph Schmidt. Die Aufgabe, die der Staatssekretär ihnen auftrug, dürfte schwieriger zu bewältigen sein: “Dann zeigen Sie mir doch die 85 Prozent der Berliner, die etwas gegen mehr Bäume hier haben!” lautet sie.

=ensa=

Aus Ehemaligem wird Zukünftiges: letzte Führungen durch den Bauteil H2rd

Die Orientierung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof ist nicht leicht. Ortsangaben mit Begriffen wie Hangar, Tor, Eingang, Gebäudeteil und Aufgang treiben manchen Besucher an den Rand der Verzweiflung. “Das Leitsystem bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofmüssen wir dringend verbessern”, stellte so kürzlich auch Martin Pallgen, Presse- sprecher der Tempelhof Projekt GmbH, fest. Vergleichsweise leicht zu finden ist dagegen das ehemalige Offiziershotel – wenn man es nicht auf den Plänen sucht, fassade_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdie auf dem Areal stehen. Denn dort heißt es nur Bau- teil H2rd.

An den Ostertagen wird es in dem Trakt am Platz der Luftbrücke noch einmal richtig voll werden. Dann nämlich bietet sich die letzte Gelegenheit, das Gebäude vor seiner bevorstehenden  Sanierung und dem Umbau zu einem flur eg_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKreativzentrum zu besichtigen. Es ist das zweite Mal, dass es neu gestaltet wird, um den Be- dürfnissen einer veränderten Nutzung zu genügen.

“1935″, erklärt Birgit Ohström, “haben die Nazis mit der Errichtung des größten Baudenkmals Europas begonnen. Aber ganz fertig geworden sind sie nie, weil das Tau- sendjährige Reich eben früher als von ihnen geplant zu Ende gegangen ist.” Von außen sah und sehe seitdem birgit ohström_berlin kompaktalles ganz wunderbar aus, sagt die Stadtführerin, “aber das war’s dann auch schon.” 1938 zog die Hauptverwaltung der Lufthansa in das Gebäude. 1950 wurde mit dem Wiederaufbau des im Krieg weit- gehend ausgebrannten Anwesens für die US Air Force begonnen, die es in Columbia House umbenannte, hier  ihren Officers’ Club und  ein Offizierskasino einrichtete und die vorherigen Büros in den Obergeschossen zu Offiziers-unterkünften umgestalten ließ.

Was einen dort erwartet, lässt sich im Erdgeschoss noch nicht erahnen: Der Empfangsbereich wirkt seit seiner Komplettrenovierung vor 26 Jahren edel-funktional; saal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdas riesige ehemalige Restaurant mit dem abgewetzten blauen Velours und angestaubten verspiegelten Wand- elementen versprüht Retro-Prunk. Es riecht, als wären die Fenster und Tü- ren zur angrenzenden Terrasse seit Jahren nicht mehr geöffnet gewesen.

Als Restaurant solle es auch künftig wieder genutzt werden, informiert Bir- git Ohström. Denn der Umbau des denkmalgeschützten, viergeschossi- gen Gebäudeteils  verfolge nicht nur das Ziel, jungen und arrivierten Kreativen Büros und Ateliers anzubieten. “Zur Planung gehören auch öffentliche Bereiche mit treppenhaus_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKonferenz- und Veranstaltungssälen, eben dem Restaurant und einem Besucherzentrum mit Café.” Ideen, das einstige Hotel wieder als Hotel in Betrieb zu nehmen, seien verworfen worden. Aus einleuch- tenden Gründen, wie sich später zeigt.

Durch das weitgehend original erhaltene Treppen- haus geht es hinauf in die 1. Etage. Birgit Ohström weist auf das Treppengeländer hin, das sich vom Keller bis unters Dach zieht: “Es ist komplett aus Aluminium.” So wie er nach Plänen von Ernst Sage- biel, einem der bedeutendsten Architekten der NS-Zeit, gebaut wurde, ist auch der Eichensaal erhalten. Über zwei Stockwerke reicht der mit düs- terem Eichenholz vertäfelte  Raum, der zudem auf Schritt und Tritt durch Eichenblatt-Ornamente daran erinnert, weshalb er heißt, wie er heißt. Eine eingebaute Leinwand

eichensaal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofeichensaal-kronleuchter_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

machte den rund 6 Meter hohen Saal zum Konferenz- und Vortragsraum der Luft- hansa – und ein Wasserschaden in der darüber liegenden Etage große Teile des wendeltreppe_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofEichenparketts kaputt.

In den einstigen Büros und späteren Hotelzimmern für durchreisende Offiziere der US Air Force ist es eine Mischung aus Verfall und amerikanischen innenarchi-tektonischen Vorlieben, die ihnen zugesetzt hat. Ram- ponierte, schwere Stores hängen vor milchigen Fenstern, die begonnene Beseitigung der Teppiche förderte edlen Parkettboden zutage,  die Wände und Decken sind so vergilbt wie die Heizkörper und Fensterrahmen, farblich dominieren Schlamm- und Brauntöne, die Bäder haben die Zeit, in der sie als modern galten, lange hinter sich. “Nach heutigen Maßstäben sind die Räume viel zu klein, um sie in einer gehoben Kategorie als Hotelzimmer vermieten zu können”, stellt Birgit Ohström fest und führt in

zimmer_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofoffizierswohnung_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofbad_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

die ehemalige Offizierssuite am Ende des schier unendlichen Flurs. Dass sich privilegiert fühlen konnte, wer einst in den drei Zimmern wohnen durfte, wird noch hotel-flur_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofheute deutlich. Obwohl auch diesen Gemächern nicht mehr als morbider Charme geblieben ist.

Nach dem denkmalschutzgerechten Umbau wird von dem nichts mehr zu sehen. Wo nun historische Spuren durch fast acht Jahrzehnte führen, wird dann alles hell, freundlich und topmodern sein. “Es ist an der Zeit, dass aus diesem spannenden, immer mehr verfallenden Gebäude endlich was ge- macht wird”, findet Birgit Ohström. Man kann nicht anders als ihr recht zu geben.

Am 31. März und 1. April werden letztmalig vor der Sanierung und dem Umbau des Gebäudes Führungen durch das frühere Offiziershotel angeboten. Tickets kosten 10 Euro (erm. 6 Euro); eine Anmeldung ist ratsam.

=ensa=

Yes, indeed!

Seit einer gefühlten Ewigkeit liegt eine hell- bis dunkelgraue Wolkendecke über Ber- lin. Da kommt  das optische Pendant, das sich  in Sichtweite der  Neuköllner  Bezirks-

kunst am zaun_tempelhofer feld_berlin

grenze am Zaun um das Tempelhofer Feld präsentiert, gerade recht: Aus bunten, miteinander verschlungenen Bändern entstand am Columbiadamm ein StreetArt- Werk, das Labsal für Augen und Seele ist und gern öfter beweisen darf, dass es auch perfekt vor eine himmelblaue Kulisse passt.

Das Erbe unter unseren Füßen

Rostige Nägel, eine Rasiercreme-Tube, Flaschen,  Scherben von Tellern mit dem Aufdruck “Schönheit der Arbeit”, ein Schaltplan, Identitätsmarken grabungen 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlinamerikanischer Soldaten, Emaille-Töpfe, Grabstellen und Sarg- griffe, Tuben mit Salben gegen Geschlechts- krankheiten, Gabeln, Reste von Stahlhelmen, Kämme, ein Souvenir für Ursula, Flugzeugteile:  Die vor einem Vierteljahr begonnene Spuren- suche auf dem Tempelhofer Feld (wir berich- teten)  hat ein so skurriles wie makaberes Sam- melsurium zutage gefördert. Gestern stellten die an den Grabungen beteiligten Institutionen einige der knapp 10.000 Fundstücke vor, die innerhalb weniger Wochen auf der Fläche des Lilienthal-Zwangsarbeiterlagers der Lufthansa geborgen wer- grabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlinden konnten.

“Es ist besonders die Menge, die uns überrascht hat”, sagt Landes- konservator Prof. Dr. Jörg Haspel (2. v. l.), “und die Tatsache, dass vieles so dicht unter der Grasnarbe lag.” Schon in 30 Zentimetern Tiefe wurde aus dem Suchen ein Finden. Den- noch seien es extrem schwere Gra- bungen gewesen, betont Dr. Karin Wagner (r.), die im Landesdenkmalamt Berlin den Fachbereich Archäologie leitet. grabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlin, jan trenner (grabungsleitung)Schließlich hätten die Wissenschaftler in belasteten, womöglich noch mit Kampfmitteln kontaminierten Bö- den nach dem “Erbe unter unseren Füßen” gesucht. Was das praktisch bedeutete, veranschaulicht Gra- bungsleiter Jan Trenner mit einem kniehohen Metall- gefäß, das beim Auffinden für Adrenalinschübe sorgte. Dass es sich bei dem Exponat um einen Behälter handelt, in dem Nahrungsmittel aufbewahrt wurden, sei erst durch Untersuchungen festgestellt worden.

Bei anderen Dingen war es trotz der Komplexität der Nutzung des Gebiets leichter, ihnen ihre Geschichten zu entlocken. Die Toilettenartikel sind Zeugnisse der Besatzungszeit. Die Sarggriffe gehen auf die Zeit vor dem 1. Weltkrieg zurück, als der Friedhof am Columbia- damm, der heute durch eine Backsteinmauer vom Tempelhofer Feld getrennt ist, weit bis in das ehemalige Flughafenareal hineinragte. “Die Flugzeugteile stammen von Kampfmaschinen, die  während des 2. Weltkriegs hier in den Werkshallen der Lufthansa von Zwangsarbeitern montiert und repariert wurden”, erklärt Prof. Dr. Reinhard Bernbeck (M.) vom Institut für Vorderasiatische Archäologie der FU Berlin. “Die  vielen gefundenen Nägel,  die alle  bei  7  Zentimetern umgebogen sind, lassen

grabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlingrabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlin

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grabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlinauf die Dicke der Holzwände der 12 Meter langen Baracken des Lagers schließen.” Etwa 4.000 Männer und Frauen aus Frankreich, Belgien und Osteuropa wur- den hier von der Lufthansa als Zwangs-arbeiter für die Rüstungsindustrie einge-setzt, schätzt man. Konkretes, so Bern- beck, gehe aus einem Forschungsbe- richt hervor, der allerdings vom Luftfahrt-Konzern  nicht zugänglich  gemacht wer- de. Der Dokumentarfilm “Fliegen heißt Siegen: Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa” sei diesbezüglich aber auch sehr aufschlussreich, bemerkt Professor Haspel. Durch die Grabungen auf dem Tempelhofer Feld kommt grabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlinweiteres Licht in das abgedunkelte Kapitel der Vergangenheit der Kranich-Airline.

Zudem leisten die Funde einen wertvollen Beitrag zur Stadtgeschichte. Inwieweit die haptischen Relikte der Nazi-Zeit Einfluss auf die Konzepte für die künftige Nutzung des Tempelhofer Felds haben werden, ist noch unklar. Fakt ist, dass die Wissen- schaftler im kommenden Jahr gerne ihre archäologischen Grabungen im Bereich des KZ Columbiahaus und des Richthofen-Lagers fortsetzen würden. Derzeit werde grabungsfunde 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlinmit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an der Verlängerung der Kooperationsvereinbarung gearbeitet, sagt Landeskonservator Haspel. Auch sei eine Experten-gruppe unter Andreas Nachama, dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, eingerichtet worden, die ein Gedenkstättenkonzept für das Tempelhofer Feld entwi- ckeln werde.

“Wir begreifen die Ausgrabung und die Würdigung der Funde aber auch als Vorbereitung auf das Berliner The- menjahr 2013 und grabung 2012, lufthansa-zwangsarbeiterlager, tempelhofer feld berlin, jan trennerden Tag des offenen Denkmals im nächsten Tag”, sagt Jörg Haspel. Ersteres werde unter dem Motto “Zerstörte Vielfalt – Berlin in der Zeit des Nationalsozia- lismus” stehen, letzter beschäftigt sich mit dem Aspekt “Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?”. Das seien doch geeignete Anlässe, sich in- tensiv mit der eminent wichtigen Frage zu beschäftigen, wie man nationalsozialis- tische Großanlagen erhalten, erschließen und für nachfolgende Generationen entwickeln kann, findet er.

=ensa=

Für jeden etwas

Voll war es am Wochenende auf dem Tempelhofer Feld – und das lag nicht nur am schönen Wetter, sondern auch an den Veranstaltungen, die dort stattfanden: Am Eingang Columbiadamm zog der 22. Tag der Erinnerung und Mahnung mit Aus- stellungen, Diskussionen, Bühnenprogramm, Kinderfest und etwa 70 Infoständen von  Initiativen und  Institutionen, die  das  Erinnern an  Opfer des  NS-Regimes wach

22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin, kz columbiadamm, zwangsarbeiterlager tempelhofer feld22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin

22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin, kz columbia damm, zwangsarbeiterlager tempelhofer feld22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin, förderverein für ein gedenken an die nazi-verbrechen auf dem tempelhofer feld e.v.

22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin, bündnis neukölln22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin,22. tag der erinnerung und mahnung, tempelhofer feld berlin, podiumsdiskussion "das problem heißt rassismus"

halten und sich gegen Rassismus und Neonazimus engagieren, scharenweise Besucher an. Thematischer Schwerpunkt waren das KZ Columbia-Haus und das Zwangsarbeiterlager auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens. Im Mittelpunkt der Diskussionsrunden im Zelt stand dagegen vor allem der gegenwärtige Ras- sismus, den u. a. Mouctar Bah von der Oury Jalloh-Gedenkinitiative so eindringlich schilderte, dass dem Publikum der Atem stockte.

Zum Kontrastprogramm waren es nur wenige Schritte: Gegenüber vom Aktionstag-Gelände wurde – begleitet von Jubel, Anfeuerungsrufen, Applaus und dem Gebrüll der Teams – die  15. Deutsche Jugger-Meisterschaft ausgetragen. Sie war  zugleich

15. deutsche jugger-meisterschaft, 3. german open jugger, tempelhofer feld berlin15. deutsche jugger-meisterschaft, 3. german open jugger, tempelhofer feld berlin15. deutsche jugger-meisterschaft, 3. german open jugger, tempelhofer feld berlin

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die dritte Auflage der German Open der noch jungen Sportart Jugger, die mar- tialischer aussieht als sie ist und sich überdies dadurch von anderen unterscheidet, dass Frauen und Männer zusammen in gemischten Teams gepolsterte Keulen und Kugeln schwingen, um die Gegner am Torerfolg zu hindern.

Weniger lautstark, aber nicht minder lebhaft, ging es bereits am Vortag beim  1. Bau- ernmarkt des Allmende-Kontors zu. Obwohl die Zahl der Stände noch sehr über- schaubar  war, strömten  reichlich  Besucher in  den  Nachbarschaftsgarten. Ob  aus

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1. bauernmarkt, allmende-kontor, tempelhofer feld1. bauernmarkt, allmende-kontor, tempelhofer feld1. bauernmarkt, allmende-kontor, tempelhofer feld berlin

dem Testballon  etwas Regelmäßiges wird, ist  noch ungewiss. Das müsse man erst mit  den Anbietern diskutieren, erklärten die Veranstalter. Sicher ist aber, dass es kein Ganzjahres-Event werden soll, denn dafür sei das Tempelhofer Feld als Standort denkbar ungeeignet.

Mr. Bean in London, Bohnen in Neukölln

Noch mehr sportliche Möglichkeiten als sonst bieten sich in den nächsten beiden Wochen auf dem Tempelhofer Feld. Täglich von 10 bis mindestens 22 Uhr können am Eingang Tempelhofer Damm  alle olympischen Wettkämpfe auf einer 100 Qua- dratmeter großen Videowand  verfolgt werden. Zusätzlich lassen sich auf der Event- fläche verschiedenste Sportarten kostenlos ausprobieren.

Schon knapp zwei Wochen bevor das olympische Feuer überhaupt London erreichte, begann am östlichen Rand des Tempelhofer Felds eine Olympiade der besonderen Art: Nicht  Menschen oder Menschen und Tiere treten hier gegeneinander  an, sondern  Pflanzen – genau  genommen:  Bohnen. In  einem  spannenden  Dreikampf

bohnen-olympiade, hüttendorf gecekondu, tempelhofer feld neukölln

mit den  Disziplinen Keimen, Wachsen und Klettern  wird im Hüttendorf Gecekondu der Sieger der  1. Bohnen-Olympiade  ermittelt. Etwas Geduld sollten Zuschauer allerdings schon mitbringen.

Das Loch ist das Ziel

walburga pauels, nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlin“Eigentlich müsste meine Bahn ja mit  Besen gespielt werden”, findet  die Berliner Künstlerin Walburga Pauels. Schließlich denke jeder bei ihrem Vornamen walburga pauels, nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlinso- fort an feiernde He- xen und die Walpur- gisnacht. Aber so weit sollen sich die nuture Mini ART Golf- Bahnen dann wohl doch nicht von gängigen Minigolf-Parcours entfernen. Vorgestern startete die Anlage, die auf originelle Weise Freizeitsport mit Kunst ver- nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlinbindet, offiziell in ih- re zweite Saison als Pionierprojekt auf dem Tempelhofer Feld. Walburga Pauels Bahn, die den Namen “Undine im Elysium” trägt, ist eine der vier Neu-Kreationen – und tückischer als sie zunächst erscheint. “Die Kieselsteine direkt nach dem Abschlag haben es wirklich in sich”, findet einer der ersten Spieler. Wenn der Ball zwischen denen liegen bleibe, werde es schwierig. Für die Künstlerin indes war der zweite Teil der Strecke nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlin, melanie schmidtdie weitaus größere Herausforderung. Denn der Wasserstrahl aus der Dusche über dem Kopf der Undine, der – beim Einlochen des Balls von einem Sensor aktiviert wird – tat nur in der Werkstatt, was er tun sollte: in ein Bassin plät- schern. Ob des ständigen Windes auf dem Tempelhofer Feld wehte der Strahl jedoch zu- nächst ständig am Auffangbecken vorbei und traf die Beine derer, die zur falschen Zeit am fal- schen Ort standen. “Da musste viel nach- eckhard roth, nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlingearbeitet wer- den, bis alles klappte”, gesteht Walburga  Pauels.

Die meisten anderen Bahnen konnten ihre Praxis- tauglich- und Bespielbarkeit bereits im letzten Jahr jens hikel, nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlinunter Beweis stellen. Mehr als 20.000 Mini- golfer zählte der nu- ture ART e. V. bisher auf der 1.600 Quadrat- meter großen Anlage, die durch die Initiative des Künstlers Christoph Ernst realisiert wurde und auf spielerische Weise Kunst, guisun jang, nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlinÖkologie und Tech- nik vermitteln soll. Oder, wie auf der Bahn von  Guisun Jang, auch zu meditativen Mo- menten verhilft.

Spricht man jedoch mit Besuchern, die sich schon hier ihre Zeit vertrieben haben, betonen die vor nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlin, uli schärerallem den Spaßfak- tor. “So viel wie auf dieser Anlage lachen sonst beim Minigolf nicht”, sagt eine Rentnerin, die bereits mehr- fach mit ihrer Familie oder Freunden zu Gast war. Eine nuture mini art golf, tempelhofer feld, pionierprojekt tempelhofer freiheit, berlin, kirsten reynolds + bastiaan marisLieblingsbahn? Nein, die habe sie nicht, weil alle so grundverschieden seien, dass man sich schwer entscheiden könne. “Aber die gehört unbe- dingt zu meinen Favoriten”, findet die Neuköllnerin und zeigt auf die Bahn des britisch-niederländischen Künstlerduos Kirsten Reynolds und Bastiaan Maris. “The Last Hole” heißt diese und ist auch eine der Neuigkeiten. Hunderte alter James Last-LPs wur- den von Reynolds und Maris zu verschieden großen Rundbögen, teils beweglichen Schluchten und so zu einer freizeitsportlichen Herausforderung recycelt. “Das hätte ich mal sehen sollen, bevor wir unsere ganzen alten Schallplatten auf dem Flohmarkt verhökert haben”, ärgert sich ein Zehlendorfer. Sein Garten sei groß genug für die eine oder andere Minigolf-Bahn.

Die nuture Mini ART Golf-Anlage  nahe dem Eingang Columbiadamm ist täglich von 13 Uhr bis zum Sonnenuntergang  geöffnet. Eine Spielrunde kostet 5 Euro (ermäßigt 3,50 Euro).

=ensa=

Problem erkannt, Problem gebannt

Wenn in Neukölln öffentliche Plätze zu Treffpunkten Trinkfreudiger zu werden drohen oder es bereits geworden sind, ist es dort mit der Gemütlichkeit zuweilen schnell vorbei: Durch das Entfernen von Tischen oder auch Bänken werden unmiss- verständliche Signale gesetzt. Den angestrebten Effekt der Vertreibung erreichen diese drakonischen Maßnahmen jedoch – dank der Kreativität und Genügsamkeit der Betroffenen – jedoch nicht  zwangsläufig. Oft gesellt sich noch der Unmut derer hinzu, die Bänke auf Plätzen oder in Grünanlagen gemein- hin unalkoholisiert nutzen und sich ihrer Rast- stätten beraubt fühlen.

In der Oberlandstraße in Tempelhof, zwischen der Neuköllner Bezirksgrenze, den Studios der Berliner Union-Film und dem Bahlsen-Fabrik- verkauf, sah und sieht die Situation trotz ähn- licher Problemlage anders aus. Auch hier, auf dem Bürgersteig vor dem Parkplatz eines Super- und Getränkemarkts, kommt man gerne zum kleinen Umtrunk und  zu geselligem Palavern zusammen. Auf Komfort in Form von Sitzplätzen muss dabei seit jeher verzichtet werden. Es ist eher wie in einer Open Air-Kneipe, mit der kalten Betonmauer des Parkplatzes als Theke. Der Beliebtheit des Treffpunkts kann das nichts anhaben.

“Vor einiger Zeit haben die mal ‘nen Anpfiff wegen ihres Mülls bekommen”, erinnert sich ein Mitarbeiter des FRISTO Getränkemarkts. Ein weiterer hätte den Platzverweis bedeutet. Doch statt den zu riskieren, sorgte die Clique selber für Abhilfe: mit simplen Müllsäcken, die regelmäßig entsorgt und substituiert werden. “Das funktioniert erstaunlich gut. Vermüllungsprobleme gibt’s seitdem nicht mehr.”

=ensa=

Verrückte Welt

Da staunt der Fachmann und … der Reiher wundert sich: Es ist Oktober, das Laub entweder noch grün oder schon bunt, der Himmel strahlendblau und die Menschen sitzen stundenlang in luftiger Sommerkleidung auf Wiesen herum, statt in Woll- pullovern vor den Heizungen. In Berlin ist endlich die kostbare Fracht namens Sommer an- gekommen – zwar ein bisschen spät, aber immerhin. Vergessen ist das Gemaule über den vor 20 Jahren als Feiertag gestrichenen 17. Juni und den als Ersatz in die Bresche gesprungenen  3. Oktober: In diesem Jahr ist das schier Unglaubliche passiert, und der längst nicht mehr neue Tag der Deutschen Einheit dem alten Tag der  deutschen  Einheit  temperatur-  und wettermäßig  in nichts  nach.

   

So hängt sich an den verspäteten Sommer gleich noch die Erkenntnis, dass der gesetzlich verordnete Feiertagstausch  auch für Berliner mit “Nüscht wie raus zum Wannsee”- oder Grill-Ambitionen nicht zwingend einen Nachteil bedeuten muss.

=ensa=

Spektakulärer Rekordversuch zum 50. Geburtstag

Es ist ein wunderbarer sonniger Herbst- tag. Wie in längst vergangenen Tagen gelangt man über das General Aviation Terminal (GAT) aufs Tempelhofer Feld. Der Blick fällt zuerst auf den „Troop Car- rier“ mit der Nummer 5557, dann allerdings auf sieben Bomben- attrappen und eine kleine Menschengruppe vor dem Transparent mit der Aufschrift “Pyro- World – Europäische Fach- und Consu- mer Messe für Pyrotechnik”: Der Mes- severanstalter hat zur Pressekonferenz auf dem ehemaligen Flughafen Tempel- hof geladen.

Wie von Pyro-World-Chef Christian Dett- mer, einem staatlich geprüften Feuer- werker, sowie Thomas Wagner und Udo Neumann von der Bavaria Fireworks zu erfahren ist, können sich Feuerwerksfans freuen, denn am zweiten November-Wochenende findet erstmals eine Messe zur Pyrotechnik hier auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Aussteller aus aller Welt werden im Hangar 5 und auf dem Vorfeld ihre Feuerwerksprodukte präsentieren. Wohlgemerkt, hier geht es nicht um Sil- vesterböller und -raketen, sondern um hochkarätige Pyrotechnik mit Insider-News im Trade-Bereich. Dazu wird es allgemein verständliche Informationen für die Öffentlichkeit geben, die sich für Feuerwerke und insbesondere den sicheren Umgang mit pyrotechnischen Artikeln interessiert. Begleitet wird die Messe von täglich bis zu vier Feuerwerk-Shows, die nicht nur auf dem Tempelhofer Feld und bis nach Neukölln, sondern weit über die Stadt zu sehen sein werden.

Als Highlight konnte die international renommierte Vulcan International Pyrotechnics Ltd. für eine Eröffnungs-Feuerwerks-Show der Superlative gewonnen werden. Krönender Abschluss wird eine große Party mit musikalischen Live-Acts und einem Rekordversuch sein: Die Bavaria Fireworks will die größte jemals in Europa geschossene Kugelbombe 600 oder besser noch 800 Meter hoch in den Himmel katapultieren. Einen Durchmesser von 96 bis 97 Zentimetern und ein Gewicht von mindestens 350 Kilogramm wird sie haben.

Von Udo Neumann, der am Tag des Rekordversuchs seinen 50. Geburtstag feiern wird, erfahre ich weitere Einzel- heiten. Die “Abschussrampe” wird ein Mörser, aus Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK) sein. Der muss – wie die Bombe selbst – erst noch ange- fertigt werden. Die Profi-Feuerwerker mutmaßen, dass er circa 2 Meter lang sein wird, die Wanddicke wird min- destens 12 Zentimeter betragen, sein Innendurchmesser 1.000 Millimeter, also etwas größer als die Bombe sein. Dieses Etwas trägt wesentlich zum Gelingen des Versuchs bei. Ist der Ringspalt zu klein, könnte die Hülle der Bombe, die aus Pappmaché besteht, Schaden nehmen, ist er zu groß, wird die gewünschte Höhe nicht erreicht. Der GFK-Mörser wird ein Gewicht haben, das nur noch mit einem Kran zu bewältigen ist; von dem wird er dann in ganzer Länge ins Erdreich versenkt.

Die Bombe selbst muss so konstruiert sein, dass sie zum Einen so leicht wie möglich ist, um die optimale Höhe zu erreichen, zum Anderen so stabil sein, das gesamte „Innenleben“ zusammenzuhalten. Das wiederum besteht aus einer Vielzahl von Einzelbomben. Demzufolge bedarf es dreier exakt aufeinander abgestimmter Zündungen: Die erste wird die Beschleunigung der Gesamtkugel bewirken, die zweite die Einzelkugeln auseinandertreiben und die dritte schließlich dann die eigentlichen Effekte bewirken. Der Wirkungsdurchmesser soll rund 500 Meter be- tragen. Das hat es in Europa noch nicht gegeben.

Auf die Frage, was dieser Versuch kosten wird, werden Zahlen genannt, die bis zu 50.000 Euro reichen. Man mag zu solchen Experi- menten stehen, wie man will -  wer die Begeiste- rung  von Thomas Wagner, Christian Dettmer und Udo Neumann (v. l. n. r.) erlebt hat, kommt nicht umhin, selbst zumindest ein we- nig neugierig gemacht worden zu sein.

=kiezkieker=

Geschlossene Gesellschaft?

Ich war zu meiner Freundin und Lebensgefährtin Monika unterwegs. Die Anzeigetafel auf der S-Bahnstation informierte mich, dass der zweite Wagen des S-Bahn-Zuges geschlossen sei. Gut zu wissen. Dann brauchte ich nur noch darauf zu achten, welche Türen defekt sind; zu erkennen an den roten Aufklebern darauf.

Für mich unverständlich, weshalb man darüber nicht gleich auf der Anzeigetafel mit informiert. Es könnte doch einfach angezeigt werden, dass zum Beispiel die dritte, siebte und achte Tür des S-Bahn-Zuges defekt sind. Wozu hat man denn solch eine moderne Technik an den S-Bahnstationen eingeführt? Die muss man doch nutzen. Dann vielleicht noch darauf hinweisen, dass man die Bier- lache unter dem zweiten Sitz im dritten Wagen mit Sandalen möglichst meiden sollte, und man könnte sich prima auf die S-Bahnfahrt einstellen. Leider blieb es jedoch bei der unvollständigen Information, dass der zweite Wagen des S-Bahn Zuges geschlossen sei.

Auf die Plätze neben mir im ersten Wagen setzte sich ein Paar mit ihrem etwa 12 Jahre alten Sohn, der sich nach dem Hinsetzen sofort mit seinem Gameboy beschäftigte. Sein Vater stellte eine, wie mir zuerst schien, rein rhetorische Frage, denn er sagte: „Weshalb lassen die uns denn nicht in den zweiten Wagen?“ Ohne von seinem Gameboy aufzublicken, meinte sein Sohn: „Vielleicht fährt mit dem die Regierung.“ Eine originelle Idee. Angela Merkel, Guido Westerwelle und das ganze übrige Kabinett steigen irgendwo auf der Strecke von Tempelhof nach Neu- Westend in den zweiten Wagen der S-Bahn ein. Und wenn alle drinsitzen steigt an der nächsten Station ein „Motz“-Verkäufer zu. Und wenn das Kabinett vorhat, sogar eine ganze Runde mit der Ringbahn zu drehen, dann lernen sie, dass manche störenden Geräusche nicht durch einen Schaden an der S-Bahn entstehen, sondern dadurch, dass leere Bierflaschen durch den Wagen rollen. Ich fand es jedenfalls sehr bedauerlich, dass bis Neu-Westend nicht ein einziges Mitglied der Regierung in den zweiten Wagen eingestiegen ist.

=Reinhold Steinle=

Reinhold Steinle moderiert morgen Popráci, das Rixdorfer Strohballenrol- len am Richardplatz in Neukölln. Die nächsten Termine für seine Stadt- führungen  durch  Neuköllner  Kieze  sind  hier  aufgelistet.

Die Tücken des Timings

Es  gibt Dinge, die  unvereinbar  sind: So  wird  sich beispielsweise denen, die immer

erst zum Sonnenunterganggucken auf dem Tempelhofer Feld einfallen, nie er- schließen, was es mit dem Zelt auf sich hat, das nahe dem Eingang am Columbiadamm aufgebaut wurde. Weil das nur täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet ist.

Ein Besuch lohnt sich aber vor allem an Werktagen ab 16 und an Wochenenden ab 14 Uhr. Denn nur dann sind Mitarbei- ter des Tem- pelhofer Freiheit-Teams vor Ort, die die im Zelt aushängenden Informationstafeln mit den Planungen für das Tempelhofer Feld erklären. Und das tun sie nicht nur kom- petent, sondern auch mit erfrischend kri- tischen und sogar  selbstkritischen  Zwi- schentönen.

Bis Mitte Oktober soll im Zelt noch infor- miert und der Dialog mit den Berlinern gesucht werden. Dann ist es auch mit der Unvereinbarkeit vorbei, weil die Sonne schon zwei Stunden früher als heute hinter dem Tempelhofer Feld untergeht.

=ensa=

Eine schwierige Aufgabe und ihre Lösung

Das Tempelhofer Feld ist ein circa 400 Hektar großes Areal direkt am hoch- verdichteten Neuköllner Norden. Über den aktuellen Planungstand zur Nutzung dieses Geländes berichteten letzte Woche zwei Vertreter der Tempelhof Projekt GmbH  im Köln-Zimmer des Rathauses Neukölln bei einer  gemeinsamen Veran- staltung von Lokaler Agenda 21 und Volkshochschule Neukölln.

Die Planung, an der die Senats- verwaltungen für Stadtentwick- lung und Finanzen, die Se- natskanzlei sowie die drei An- rainerbezirke Tempelhof-Schö- neberg, Neukölln und Fried- richshain-Kreuzberg mitarbei- ten, sieht sich unterschied- lichsten Forderungen gegen- über: Wollen einige  das Ge- lände bebauen, fordern andere, es einfach so zu lassen wie es ist. Die  Tempelhof Projekt GmbH steht also vor keiner einfachen Aufgabe.  Für deren Lösung wurde ein eingängiges Konzept erarbeitet, das auf folgenden sechs Leitbildern basiert:

1. Leitbild „Bühne des Neuen“: Nutzung des Flughafengebäudes für qualitätsvolle Ausstellungen und Messen, um finanziellen Defizite in anderen Bereichen aus- zugleichen oder zu verhindern.

2. Leitbild Thema „Wissen und Lernen“: Bildungscluster mit Zentral- und Lan- desbibliothek sowie Gedenkstätte für das ehemalige KZ Columbia-Haus.

3. Leitbild Thema „Saubere Zukunftstechnologien“:  Industrieansiedlung auf dem Gelände als Ergänzung zu denm Standorten in Adlershof und Tegel nach Schließung des dortigen Flughafengeländes.

4. Leitbild Thema „Sport und Gesundheit“: Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für individuelle Breitensportler und Vereine.

5. Leitbild Thema „Integration der Quartiere“: Voraussetzungen für die Verbindung hochverdichteter Wohnquartiere in Neukölln und Tempelhof mit dem Gelände schaffen.

6. Leitbild Thema „Dialog der Religionen“: Schaffung von Begegnungsstätten der Weltreligionen.

Detailliert sind die Pläne der  Tempelhof Projekt GmbH  hier nachzulesen.

In der Lokalen Agenda 21 der Stadt Berlin (Abgeordnetenhausbeschluss Drs. 15/3245), dem SPD, Linke und einige Parlamentarier der Grünen im Sommer 2006  zustimmten, fehlen leider genaue Aussagen zur Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes vollständig. Alle, die für eine naturnahe Nutzung des Geländes eintreten, können sich allerdings  am Kapitel 4 der Berliner Agenda 21 mit dem Titel „Berlin in der märkischen Landschaft“ orientieren.  Die Broschüre steht hier zum Download bereit.

Der nächste öffentliche Auftritt der Tempelhof Projekt GmbH ist heute ab 18.30 Uhr bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen der BVV Friedrichshain-Kreuzberg.

=Christian Kölling=

Natur und Technik

Einen Monat ist es morgen her, dass Japan vom schwersten Erdbeben seit knapp 140 Jahren erschüttert wurde. In Japan war früher Nachmittag, als es sich vor der Ostküste der Insel ereignete.

Rund 9.000 Kilometer entfernt in Berlin war es viertel vor 7 (oder dreiviertel 7), und auf dem Tempelhofer Feld wurde abermals schwerstes Gerät in Stellung gebracht.  Wenig später begann der zweite Tag, an dem gigantische Spezialfahrzeuge entlang der Start- und Landebahnen Vibrationen aus- lösten, um seismische Messungen durch- führen und so der vermuteten Existenz eines Heißwasserreservoirs auf die Schliche kom- men zu können.

=ensa=

 

Recycling total: Neues aus Autositzen, Socken und Anzughosen

Öko-Mode – das klingt für viele immer noch nach Frischkornbrei und “Atomkraft? Nein danke”-Buttons, nach grauem Recycling-Papier, entenfußähnlichen Lederschuhen, in der Badewanne gefärbten Latzhosen und groben Stoffen in Naturtönen.

Dass sich ökologisch korrekt hergestellte Klei- dung und Accessoires längst nicht mehr von Designtem unterscheiden müssen und wollen, das ohne diesen Anspruch hergestellt wurde, zeigt derzeit die theKEY.to-Messe in der Colum- biahalle. Heute ist dort – nach zwei  Tagen für Fachbesucher und Presse – Pub- likumstag (10 – 18 Uhr; Eintritt: 5 €).

Es war eine Limousine der Marke Lincoln, die ausgeschlachtet wurde, damit diese Tasche entstehen konnte. Sie gehört zur Limited Edi- tion des kanadischen Labels Mari Cla Ro, das in Toronto beheimatet ist. Vor allem auf Schrottplätzen wird das Designer-Team fündig, wenn es um die Produktion neuer Teile für die aus Taschen, Porte- monnaies und Jacken be- stehende Kollektion geht: “Sicherheitsgurte, Beschichtungen von Armaturenbrettern und Innenraumver- kleidungen, Sitzbezüge – es gibt eigentlich nichts, was wir nicht recyclen können”, sagt einer von ihnen. Sogar Fragmente explodierter Airbags finden sich als Details an Business- und Freizeit-Taschen wieder oder werden zu sportiven Jacken.

Auch bei der Wienerin Anita Steinwidder kommt vermeintlich der Mülltonne oder dem Alt- kleidercontainer Geweihtes zu neuen Ehren. Die ausgebildete Architektin zerreißt oder zer- schneidet alte T-, Sweatshirts und Pullover und setzt sie zu schicken, alltagstauglichen Remade-Unikaten zusammen. Ausschließlich aus ausgemusterten Socken und Strümpfen entstanden ist ihre Kollektionsreihe “Shape”, die mit den Struktu- ren und deut- lichen Ge- brauchsspuren wie Fersenab- drücken der verwendeten Materialien spielt.

Ausgediente Männerhosen aus dem Fundus der Wiener Volkshilfe Box sind es dagegen, die vom Label MILCH verarbeitet werden: zu originellen Klei- dern, Röcken, Jacken und Kappen, die nur selten ein Geheimnis daraus machen, was für sie zweck- entfremdet und recycelt wurde.

=ensa=

Dem Wetter zum Trotz: es grünt in der Columbiahalle

THEKEY.TO,conspiracy,columbia-halleZu verdanken ist das aber nicht etwa der morgen beginnenden Grünen Wo- che, sondern dem Neuköllner Unter- nehmen theKEY.to. Von heute bis Samstag präsentiert es vis-à-vis vom Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof eine internationale Messe für grüne Mode und Lifestyle-Produkte mit Nachhaltigkeitsfaktor.

Rund 50 Labels und Designer aus 15 Nationen sind bei der vierten theKEY.to-Auflage, die unter dem Motto “Conspi- racy” steht, dabei. Als Schirmherrin konnte erneut die Bündnis 90/Die Grü- nen-Chefin Renate Künast gewonnen werden.

=ensa=

Neues Pionierprojekt auf dem Tempelhofer Feld?

Oder sieht das nicht schwer nach der Konfrontations-Lektion einer Therapiegruppe für Agoraphobiker aus?

=ensa=

Vier Tore und acht Eckfahnen fürs Tempelhofer Feld

Seit heute gibt’s auf dem Tempelhofer Feld was Neues: zwei Bolzplätze – zwar ohne Linien, Mittelkreis und Elfmeterpunkte, dafür aber mit richtigen Toren und Eckfahnen.

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Zur Einweihung des größeren der beiden Plätze kickte in einem Freundschaftsspiel ein Frauenteam des TSV Helgoland 1897 gegen die in blauen Outfits antretenden Damen des SV Adler Berlin. Verspringende Bälle und zahlreiche Fehlpässe lähmten den Spielfluss auf beiden Seiten und machten den Unterschied zwischen einem rumpeligen Bolzplatz und einem Fußballfeld offensichtlich.

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Mit der Erweiterung des Freizeitsport-Angebots durch einen 90 x 60 Meter-Platz und ein 60 x 40 Meter großes Kleinspielfeld nahe des Eingangs am Columbiadamm reagieren die Grün Berlin GmbH als Bewirtschafterin des Tempelhofer Felds sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung laut einer Presse-Info auf die “Nachfrage der Besucher nach Sport- und Freizeitflächen”. Es sei geplant, heißt es weiter, “bis zur endgültigen Realisierung der Parklandschaft mit provisorischen, temporären Angeboten der Nachfrage nach Sport- und Aktionsflächen so weit wie möglich zu entsprechen.” Man darf also gespannt sein, was da noch alles so kommt.

=ensa=

Acht Hektar fürs Wunschdenken auf dem Tempelhofer Feld

Vorgestern wurden im Hangar 1 des ehemaligen Flughafens Tempelhof die ersten 19 (möglichen!) Pionier-Projekte vorgestellt: Vormittags eine Pressekonferenz mit Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, abends eine Infor- mationsveranstaltung mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Verantwortlichen vom “Tempelhof Projekt” sowie von der Grün Berlin GmbH fürs Volk. Ziemlich viel forum thf,pioniernutzung tempelhofer freiheit,tempelhofer  feld,berlin-tempelhofGetöse für die Pläne von 19 Pro- jektträgern, die momentan mehrheit- lich vor allem aus Ideen und Ab- sichtsbekundungen bestehen. Das Wichtigste fehlt jedoch den meisten noch: eine Finanzierung. Doch das konkret zur Sprache zu bringen, schien so gar nicht im Interesse der Offiziellen zu liegen.

Auch Ingeborg Junge-Reyer trug im rbb-Abendschau-Interview kräftig zur Verschwiemelung des Sachverhalts bei. So könnte ihr auf die Projektinitiatoren gemünzter Satz “Ich bringe die Finanzierung mit!” leicht den Eindruck erwecken, dass diese bereits mit Geldkoffern in den Startblöcken hocken. Dem ist aber nicht so. Und auch die durch Junge-Reyers Aussage genährte Annahme, öffentliche Mittel würden bei der Realisierung der Pionier-Vorhaben gar keine Rolle spielen, ist mit Vorsicht zu genießen. So soll beispielsweise die Finanzierung des Kulturnetzwerk Neukölln-Projekts “Jet Set” im Pionierfeld Oderstraße zum Großteil durch den Hauptstadtkulturfonds und mit 5.000 Euro aus dem Soziale Stadt-Topf des Quar- tiersmanagements Schillerpromenade gespeist werden. Bewilligt ist bislang nur letzteres.

Gut möglich also, dass im Frühjahr 2011, wenn die meisten der 19 Pioniere der ersten Stunde starten wollen, einige von ihnen ihre Konzepte für die große Tempelhofer Freiheit ob fehlender finanzieller Mittel wieder in den Schubladen versenkt haben.

_ensa_

Street View in Neukölln (2)

Bei der heutigen zweiten Folge der Street View-Serie geht es in die Lilienthalstraße, die es in puncto Facetten -ebenso wie die Warthestraße – in sich hat. Allerdings in vollkommen anderer Weise, und das offenbart sich schon, wenn man vom Columbia- damm in die Lilienthalstraße abbiegt.

street view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, tempelhofBevor es dazu kommt, ver- lässt man nämlich Neukölln und bewegt sich für Sekunden auf Tempelhofer Terrain.

street view neukölln, lilienthalstraßeDas Teilstück danach, an dem links eine Kleinkartenkolonie und rechts die Sportanlagen der TiB e. V. liegen, gehört dann wieder ganz zu Neukölln.

street view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, kreuzbergMit dieser Eindeutigkeit ist es aber bereits an der nächsten Ecke, wo die Lilienthalstraße auf Züllichauer Straße trifft, vorbei: Die Häuser auf der linken Straßenseite gehören zu Kreuzberg, alles auf der rechten Straßenseite zu Neukölln. Und das ist:

street view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, friedhof lilienthalstraßestreet view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, friedhof lilienthalstraßeDer städtische Friedhof Lilienthalstraße,

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street view neukölln, lilienthalstraße, johannes basilikadie katholische St. Johannes-Basilika, die gerade aufwändig an Dach und Fassade restauriert und saniert wurde,

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street view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, eingang zur hasenheideund ein Eingang zum Volks- park Hasenheide.

street view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, kreuzbergIn Sachen Bevölkerungs- dichte ist es um die Kreuzberger Seite der Lilienthalstraße also wesentlich besser bestellt.

_ensa_

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