Vom Bett ins Bad

columbiabad sommerbad neukölln“Is’ noch nich achte?”, fragt die Frau überrascht, als sie die Wartenden vor dem Eingang zum Som- merbad Neukölln sieht. Drei harren dort bereits seit viertel vor 8 aus; bis es endlich 8 ist, ist die Gruppe auf die Stärke einer Fußballmannschaft ange- wachsen. Die Frühschwimmer seien eine extrem verlässliche Spezies, weiß Matthias Oloew, Presse- sprecher der Berliner Bäderbetriebe. “Manche wür- den wohl auch dann noch kommen”, vermutet er, “wenn’s im Sommer frieren und Eisschollen auf dem Wasser treiben würden.”

An die 100 Leute sind es regelmäßig, die  werktags zwischen 8 und 9.15 Uhr im Freibad am Colum- biadamm den Frühtarif für 2 Euro lösen und das Bad columbiabad sommerbad neukölln, mehrzweckbecken, sportbecken, sprungturmspätestens um 10 Uhr wieder ver- lassen.

Sie würde es dreimal pro Woche tun, sagt eine Frau, die am Neuköllner Maybachufer wohnt und in Steglitz arbeitet: “Dass das Columbiabad quasi auf dem Weg liegt, macht es leicht, den inneren Schweinehund zu überlisten.” Bei schönem Wetter sei der sehr kooperativ, bei grauem Himmel und wenig sommerlichen Temperaturen allerdings ein ziemliches Biest. “Da gab’s also etliche Kämpfe in letzter Zeit”, gesteht die Mittvierzigerin, “aber die meisten hab ich gewonnen.” Es würde ihr einfach gut tun, sich morgens vor der Arbeit zu bewegen, und joggen sei nicht ihr Ding. Herrlich sei es dagegen, im gemächlichen columbiabad sommerbad neukölln, schwimmmeisterTempo durchs Wasser zu gleiten und dabei über alles mögliche nachzudenken. Um das exakte Gegenteil geht es einem passionierten Früh- schwimmer aus Tempelhof. Er will sein Pensum möglichst schnell hinter sich bringen und beim Kraulen möglichst an nichts denken. Je menschen- columbiabad sommerbad neuköllnleerer die rund 3,5 Millionen Liter Was- ser im 50 Meter-Becken sind, desto lieber ist es ihm. Auf die Idee, das Colum- biabad tagsüber zu besuchen, sagt er, käme er nie: “Schon weil ab mittags im Sportbecken der Bereich vor dem Sprungturm abgesperrt ist und man deshalb keine 50 Meter-Bahn mehr hat.”

Der Sprungturm mit seinen Plateaus in 3, 5 und 10 Metern Höhe ist neben der 83 Me- ter langen Wasserrutsche eine der Attraktionen für viele, denen es weniger ums columbiabad sommerbad neukölln, wasserrutscheSchwimmen geht. “Da steht die Performance im Vordergrund“, sagt Matthias Oloew. Einer der Schwimm- meister bestätigt es: Es seien in der Tat immer die dieselben, die mit Sprüngen ins 5,25 tiefe Wasser vor ihren Kumpels oder Mädchen “einen auf dicke Hose” machen wollen. Für Imponiergehabe taugt die Rutsche am Nichtschwimmerbereich des columbiabad sommerbad neuköllnMehrzweckbeckens eher wenig. Sie bedeutet statt- dessen Spaß für Klein und Groß und ist auch für manchen Frühschwimmer der krönende Schlusspunkt hinter dem morgendlichen Sportprogramm.

Dafür, dass im 1952 eröffneten und in den 1980er-Jahren modernisierten Columbiabad, das  an Spitzentagen bis zu 8.000 Besucher hat, so wenig wie möglich passiert, sorgen drei bis acht Schwimmmeister. Weil sie ihre Pappenheimer kennen, laufe vieles über das  frühzeitige Erkennen möglicher columbiabad sommerbad neuköllnGefahrensituationen und die Präven- tion. “Ins Wasser musste ich jeden- falls noch nie”, bilanziert einer. Wes- penstiche behandeln, aufgeschlage- ne Knie verarzten und Pflaster kleben, würden neben der Wachsamkeit den Berufsalltag eines Fachangestellten für Bäderbetriebe ausmachen. Unter- stützt werden sie von zahlenmäßig flexibel einsetzbaren Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes, die die Aufsicht für den weiträumigen Bereich der Liegewiesen übernehmen. Dass es auf denen nach heißen Tagen laut Oloew  “wie auf einem Schlachtfeld”  aussieht, können sie nicht verhindern. Dass Badegäste es nicht für nötig halten, ihren Müll in einen nur wenige Schritte entfernten Mülleimer zu werfen, sei allerdings kein Neuköllner Phänomen. Am Bewusstsein, dass ein solches Fehlverhalten zu Lasten der Betriebskosten gehe, mangele es überall. Und ebenfalls daran, dass  jede Eintrittskarte für ein Freibad  von den Steuerzahlern mit columbiabad sommerbad neukölln, kinderbecken, planschbecken9 Euro bezuschusst  werden muss, um das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herstellen zu können.

Würde das Bad schon ab Anfang Mai und bis Ende September geöffnet sein, was angesichts von Wetter- kapriolen immer wieder gefordert wird, lägen die Betriebskosten noch höher. Allein wegen der Heizung, die das Wasser in den Becken auf angenehme Temperaturen bringt. “Aber nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch wäre es  schwachsinnig, früher als Ende Mai zu öffnen”, rechnet Matthias Oloew vor, “denn in der Jahreszeit würde eine einen Monat frühere Öffnung einen um 4 Tonnen erhöhten CO2-Ausstoß bedeuten.” Die Ambitionen der Berliner Bäderbetriebe (BBB) gehen jedoch eher in die Gegen- richtung: “Unser erklärtes  Ziel ist eine klimaneutrale Beheizung.” Fragen ranken sich allerdings noch um das Wie. So komme beispielsweise Solarenergie ob fehlender Dachflächen nicht infrage. Die Möglichkeit, einfach die Heizung abzuschalten, columbiabad sommerbad neukölln, sportbecken, sprungturmscheidet ebenfalls aus. “10 bis 18 Grad”, schätzt der BBB- Pressesprecher, “wärmer würde das Wasser nur durch Sonnen- einstrahlung nicht werden”. Das wäre wohl selbst Hartgesot- tenen zu erfrischend.

Wegen der Wassertemperatur von molligen 26 Grad gehe sie viel lieber morgens zum Schwimmen ins Stadtbad, ge- steht eine Neuköllnerin: “Aber das macht ja jetzt leider  Sommerpause, obwohl wir doch bisher gar keinen Sommer hatten.” Deshalb sei sie auch erst zum zweiten oder dritten Mal in dieser Saison hier. Eine Frau aus Schöneberg, die sich selber als “fanatisch begeisterte Schnellschwimmerin” bezeichnet, setzt da andere Prioritäten: Sie steuert immer andere Bäder mit 50 Meter-Bahnen an. Natürlich gehe es ihr vor allem ums Schwimmen, aber sie habe auch Spaß daran, die  von Bad zu Bad unterschiedliche Badekultur  zu erleben. Das Wetter ist ihr dabei ziemlich egal. “In Freibädern schwimme ich auch sehr gerne, wenn es regnet”, sagt sie. “Dann  ist das Wasser so wunderbar seidenweich.”

Zum Bedauern der Schwimmmeister des Columbiabads gibt es nur wenige Leute mit dieser Vorliebe – gäbe es mehr davon, hätten sie sich in den letzten Wochen weniger gelangweilt. Und jetzt, wo endlich Sommer herrscht, ist Ramadan. Das werde sich durchaus bei den Besucherzahlen bemerkbar machen, meint auch Matthias Oloew. Wer tagsüber nichts essen und trinken darf, halte sich eben auch mit sportlicher Betätigung zurück.

=ensa=

Abgetaucht

wasserrutsche sommerbad neukölln, columbiabad

(im Sommerbad Neukölln)

Die ganz reale Bedrohung

Fahr- und Motorräder, ausgedientes Mobiliar, Lindenlaub, Hundekacke, Flaschen- scherben, Autoreifen, Zigarettenkippen, Cent-Stücke: Auf Neuköllns Bürgersteigen liegt und steht vieles herum. Ein solcher Anblick ist aber außerordentlich selten:

Doch, natürlich befürchte er, dass irgendwelche Idioten seine Klamotten klauen und im ganzen Kiez verstreuen oder der Wäscheständer umgeschmissen und alles wieder dreckig wird, sagt der Mann. “Aber was soll ich machen? Ich hab keinen Balkon, hier auf dem Bürgersteig ist gerade Sonne und morgen früh muss alles trocken sein.” Er könne die Sachen ja schlecht nass in den Koffer packen, wenn es ab in den Urlaub im Süden geht. “Eigentlich”, überlegt er mit einem Blick zum Himmel, “macht mir das Aprilwetter aber im Moment mehr Sorgen als die Idioten.”

Tot im Eis

dorade royal, wochenmarkt karl-marx-platz, neukölln

Wochenmarkt auf Neuköllns Karl-Marx-Platz. Die Sonne knallt vom Himmel. “Ist es nicht herrlich erfrischend, sich die Doraden anzusehen?”, findet die alte Frau, die minutenlang – auf ihren Rollator gestützt – neben dem Fischwagen steht. Heute muss sie sich mit den Erinnerungen an den Anblick der Goldbrassen abkühlen; der Markt  ist  erst  Mittwoch  wieder.

Demnächst auch in Neukölln:

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Ohne Netz und Zirkuskuppel: Slacklining par excellence

Bei schönem Wetter sind sie eine Mischung aus Open Air-Wohnzim- mer, Trainingscamp und Probe- bühne: die Neuköllner Parks. Viele Besucher bringen Stühle, Tische, Grills, massenweise Verpflegung und ihre Familien oder Freunde mit, andere ihr Jonglier-Equipment oder mehr oder weniger transport- freundliche Musikinstrumente.

Wenn Adrian Umlauft in den Volkspark Hasenheide kommt, um seinem Hobby – das auch gerne zum Beruf werden dürfte – zu frönen, fällt das Gepäck schon etwas schwerer aus. Auf das Gewicht eines Kleinkinds im schönsten Trotzalter bringt es die Ausrüstung, die er zum Slacklinen braucht, locker. “Aber es lohnt sich, sie hier her zu schleppen, weil die Bedingungen einfach perfekt sind”, schwärmt er. Die Senke, die sich in Nordsüdrichtung durch die Hasenheide zieht, sei ein wahres Geschenk für Slackliner. “Wenn die nicht wäre”, erklärt er, “müsste ich bei meinem Gewicht und der Slackline-Länge von etwa 100 Metern ziemlich weit in einen Baum klettern, um die Line zu befestigen und die Dehnung des Bands ausgleichen zu können”. Sieben Meter hoch müsste der Fixpunkt schon angebracht werden, schätzt er. Dass das Aufsteigen dadurch komplizierter und verletzungsträchtiger würde, steht auf einem anderen Blatt.

Spaziergänger bleiben stehen, Radfahrer halten an und die Leute, die auf der Wiese sitzen oder liegen, sehen Adrian Umlauft gebannt zu, wie er das Seil erklimmt. “Will der da etwa rüber?”, fragen sich alle staunend. Ja, er will und verschwindet  mental in  einer Welt, die  nur  noch  aus  dem  schmalen Band unter seinen  Füßen  besteht.

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Etwa 10 Minuten dauert es, bis Adrian Umlauft sein Ziel erreicht hat. Eine sportliche Höchstleistung für die Konzentrationsfähigkeit und jeden Muskel seines Körpers. “Besonders”, sagt er, “geht es aber in die Schultern und Arme.” Nach einer kurzen Pause im Schatten  macht er sich auf den Rückweg. Zwei Bänder an der Line  zeigen

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ihm an, dass eine leichte Brise aus nordwestlicher Richtung weht. Die Zahl derer, die dem Slackliner zusehen wollen, wächst stetig. Dass das Band auf halber Strecke nur slacklining hasenheide neukölln, adrian umlauftnoch etwa einen halben Meter von festem Boden ent- fernt ist, beruhigt einerseits. Doch die Spannung, ob Ad-

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rian Umlauft die Strecke erneut ohne unfreiwilligen Abgang schaffen wird, bleibt bis zum Schluss. “Die größte Gefahr sind freilaufende Hunde, die mich anspringen, oder Leute, die in die Line greifen”, sagt er, als er wieder festen Boden unter den Füßen und die In-Ear-Kopfhörer aus den Ohren gezogen hat: “Musik brauch ich, um störende Geräusche auszuschalten und mich besser konzentrieren zu können.” Das sei schon zu Beginn seiner Slackliner-Laufbahn vor etwa 1 1/2 Jahren so gewesen, anderes habe sich hingegen komplett verändert: Die Länge der Strecken und das Gefühl für den schmalen Grat. “Früher hab ich mich am Anfang und Ende des Seils sicherer gefühlt, weil es dort stabiler ist. Aber je mehr Erfahrung ich hab, desto lieber mag ich die Mitte und das Schwingen.” Irgendwann will Adrian Umlauft auch eine 200 Meter-Distanz in der Hasenheide in Angriff nehmen. Geeignete Bäume, findet er, gebe es durchaus.

=ensa=

Das Rote im Blauen

Dass der Flughafen Berlin-Tempelhof geschlossen wurde und Tegel das auch passiert, wenn  BER  irgendwann mal eröffnet  wird,  interessiert die Crew der   C 206

überhaupt nicht. Die rote Cessna, die quasi zum guten Ton am Himmel über Neukölln gehört, braucht weder betonierte Start- und Landebahnen, noch super- moderne Check-In-Terminals oder hochkomplexe Brandschutzvorrichtungen – son- dern einfach nur  Wasser und einen Steg. Beides gibt es im Nachbarbezirk Treptow.

Neuköllner Schätze (4)

Mit einem skurrilen Ge- spann beenden wir an diesem womöglich letz- ten sommerlichen Wo- chenende der Saison unsere kleine Sommer- Serie Neuköllner Schät- ze.

Ecki und Schnecki hei- ßen die beiden, seit sie  in Neukölln ein neues Domizil fanden. Auf ei- nem Süd-Balkon, der Sonne garantierte – so sie denn schien. Die Besitzer von Ecki und Schnecki hätten das, wie wohl die meisten Neu- köllner und Berliner, ger- ne öfter gehabt.

Musterung in Neukölln abgesagt!

fernheizwerk neuköllnDa  Frau Sonne und Herr Blauhimmel es als wichtigste Mitwirkende vorziehen andernorts aufzutreten, muss heute leider auf  den Anblick dieses pittoresken Schattenspiels am Turm des Fernheizwerks Neukölln verzichtet werden. Wann sie sich wieder zu einem ihrer bejubelten Gastspiele in Berlin blicken lassen wird, steht noch nicht fest.

Neuköllner Schätze (3)

Auch beim heutigen dritten Teil unserer Sommer-Serie Neuköllner Schätze ermög- lichen wir wieder intime Einblicke  in etwas, das sonst weitgehend verborgen bleibt. Denn obwohl Balkone zwar der mit Abstand öffentlichste Teil einer Wohnung sind, ist für Passanten meist nur Grünendes oder Blühendes sichtbar – nicht aber:

die Bestie der Weserstraße. “Die hat mein Freund mir nach unserem ersten gemeinsamen Urlaub in Ägypten geschenkt, sozusagen als Therapie-Fisch, weil ich beim Schwimmen im Meer dauernd Haie gesehen habe, die natürlich gar nicht da waren”, erklärt die Halterin des Tiers. “Er meinte, dass so was wie ein Gewöh- nungseffekt eintritt, wenn der Hai ständig um meine Füße kreist, wenn ich ein Fußbad auf dem Balkon nehme.” Leider, meint sie, sei das Bedürfnis, die Füße zum Hai in die Plastikwanne zu stecken, in diesem Sommer aber bisher eher mäßig.

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Neuköllner Schätze (2)

Heute geht es mit unserer Sommer-Serie Neuköllner Schätze weiter. In der zeigen wir in lockerer Reihenfolge Dekoratives, Nützliches oder auch Skurriles, das sonst weitgehend verborgen bleibt. Denn obwohl Balkone zwar der mit Abstand öffent- lichste Teil einer Wohnung sind, ist für Passanten meist nur Grünendes oder Blühendes sichtbar – nicht aber:

der Gute-Laune-Frosch. Seine Besitzerin bekam ihn von einer sehr guten Freundin geschenkt, als es ihr ziemlich schlecht ging. Das ist schon eine Weile her, doch von seiner Wirkung hat der Frosch, der vor einigen Monaten von der Küche auf den Balkon umgezogen wurde, nichts verloren: “Wenn ich den anguck, muss ich immer grinsen.”

Allzeit bereit

In diesem “Sommer” muss es oft sehr schnell gehen, will man nicht bis auf die Haut durchnässt sei- nen Weg fortsetzen. Blauer Him- mel und Sonnenschein wechseln sich rasant mit dunklen Wolken und strömendem Regen ab. Wer kann, legt einen Sprint zum nächsten schützenden Hausein- gang ein oder zerrt in Windeseile den allzeit bereiten Regenschirm aus der Tasche.

Insbesondere Gehbehinderte, die auf einen Rollator angewiesen sind, stellt die beständig unbe- ständige Wetterlage jedoch vor erhebliche Probleme. Ein Sprint liegt außerhalb ihrer Möglichkei- ten, ebenso das gleichzeitige Hantieren mit Schirm und Geh- wagen. Schlimmstenfalls mehrmals täglich sind die Betroffenen mit der Unver- einbarkeit des Vorwärtskommens und Trockenbleibens konfrontiert. Ein Zustand, mit dem sich der clevere Konstrukteur dieses Rollators offenbar nicht abfinden wollte. Sein jüngst in Neukölln gesichteter Prototyp hat wahrlich das Zeug, zum begehrten Serienmodell zu werden. Einziges Manko ist die Windanfälligkeit.

=ensa=

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Neuköllner Schätze (1)

Heute beginnt nicht nur der Ramadan (dazu sehr lesenswert: Hatice Akyüns aktuelle Tagesspiegel-Kolumne), sondern auch unsere Sommer-Serie Neuköllner Schätze. In der zeigen wir in lockerer Reihenfolge Dekoratives, Nützliches oder auch Skur- riles, das sonst weitgehend verborgen bleibt. Denn obwohl Balkone zwar der mit Abstand öffentlichste Teil einer Wohnung sind, ist für Passanten meist nur Grü- nendes oder Blühendes sichtbar – nicht aber:

Anton, der in einem Neuköllner Trödelladen zu verstauben drohte und nun bei neuen Besitzern in luftiger Höhe einen Logenplatz zwischen den Geranien bekommen hat.

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Neue Bescheidenheit

Oder: Lieber ein bisschen Sonne als nur Regen und Schatten.

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Drinnen wie draußen: Dachschaden im Kindl-Boulevard

Sie sei im Kindl Boulevard gewesen und habe dort ans FACETTEN-Magazin denken müssen, teilte uns gestern eine Leserin mit. Super Motive für Fotos gebe es dort, schrieb sie weiter und beschrieb dann bildhaft die Situation, die sie in der Einkaufspassage an der Neuköllner Hermannstraße vorgefunden hatte: “Durch den ganzen langen Gang hat es geregnet, Eimer ohne Ende, mit Hinweisschildern auf “Rutschgefahr!”. Da nicht alle tropfenden Stellen mit einem Eimer versehen werden dachschaden, kindl-boulevard neuköllnkönnen (zu viele, kein Platz mehr zum Treten), empfiehlt sich auch unter´m Dache der drin- dachschaden, kindl-boulevard neuköllngende Gebrauch eines Regenschirmes!”

Grund genug für einen spontanen Ortstermin: Ein Mann im roten Overall zieht mit Putz- wagen und Bodenwi- scher durch die Pas- sage, um Regentrop- fen zu beseitigen, die sich zielsicher neben den Eimern zu Pfützen versammelt haben. Würde er Kilometergeld kriegen, wäre er fein raus. Die Angestellte eines Geschäfts sieht missmutig zum nicht nur lichtdurchlässigen Glasdach vor der Ladentür. Zum Kotzen sei es, dass das nicht endlich repariert wird. Denn das Problem, dass bei stärkerem Regen – oder Tau- wetter nach  Schneefällen (wir berichteten) – im  Kindl-Boulevard  Ungutes  von  oben

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oben kommt und die Ladenzeile zum Hindernisparcours aus Eimern und Warnschildern mutiert, ist wahrlich kein neues. Wie diese Faktenlage zu den voll- mundigen Promo-Texten der TEMA Group passt, die für das Gebäudemanagement zuständig ist,  dürfte schwer zu erklären sein: Das Management lege großen Wert “auf die Pflege des Gebäudes”, heißt es auf der Website. Ferner liest man dort: “Der Kindl Boulevard bietet Komfort, Modernität und Sicherheit in City-Nähe.” Die Zeiten, als das galt, sind lange vorbei.

=ensa=

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Alles wegen Quentin: Heute kein Markt am Maybachufer!

An den Protesten vieler Anwohner liegt es nicht, dass sich heute ihr Wunsch nach einem markt- freien Sonnabend erfüllt. Das von ih- nen angestreng- te juristische Ver- fahren gegen den Neuköllner Stoff- Markt am Maybachufer läuft noch. Wesentlich rigo- roser ging da das aktuell über Berlin wabernde Tiefdruckgebiet Quentin vor: Aufgrund der Wetter- lage werde der Markt an diesem letzten Juli- Samstag nicht stattfinden, erfuhren Händler wie die Cremetörtchen-Manufaktur “Ben und Bellchen” ges- tern Abend von der Marktverwaltung Perske.  Was sie mit den frisch und eigens für den heutigen Neuköllner Markt angefertigten Leckereien machen sollen, erfuhren sie nicht.

=ensa=

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Der Wassergeist vom Körnerpark

Er macht sich ausge- sprochen rar und ist insofern dem diesjäh- rigen Berliner Sommer verblüffend ähnlich. Nass ist er außerdem – noch eine Gemein- samkeit also.

Doch sonderlich sym- pathisch dürfte die aktuelle Ausgabe der Jahreszeit zwischen Frühling und Herbst dem Wassergeist vom Körnerpark trotzdem nicht sein. Denn um sich überhaupt zeigen zu können, braucht er Sonne, weil der Bezirk Neukölln natürlich kein Geld für Kunstlicht hat. Würde der Wasser- geist samt seines Brunnens nach Britz umziehen, wo in genau sechs Wochen neben dem Museum Neukölln das Kulturzentrum Gutshof Britz eröffnet werden soll, sähe die Sache höchst- wahrscheinlich ganz anders aus.

=ensa=

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Neuköllner Gastfreundschaft

Wirklich erwünscht ist er nicht. Aber das hält die Neuköllner nicht davon ab, ihn gastfreundlich zu empfangen. Auf den Bänken, die in Grünanlagen und auf Bür- gersteigen stehen, darf er sich so richtig  breit machen. Sogar für  den Fall, dass Herr

Regen mal eine rauchen will, ist vorgesorgt. Wenn der aber dachte, dass das Alkoholverbot auf dieser Bank durch das Verwässern des handgeschriebenen Schildes aufgehoben ist, dann hat er sich gründlich getäuscht. Zu wohl soll er sich ja auch nicht fühlen.

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Leise und effektiv

Wäre jede Straße in Neukölln nach der am häufigsten vertretenen Straßenbaum-Gattung benannt worden, gäbe es etliche Lindenstraßen im Bezirk. Doch weil die florale Population bei der Benennung von Verkehrswegen hier seit jeher keine – oder  nur eine untergeordnete – Rolle spielt, findet man in Neukölln keine einzige Linden- straße. Was je- doch momentan kaum zu überse- hen ist, sind die Folgen der exzes- siven Lindenan- pflanzung: Autos werden von einer klebrigen Linden- siff-Schicht über- zogen, auf Stra- ßen und Bürger- steigen türmen sich Lindenlaub-Dünen. Die BSR scheint den Kampf gegen die raschelnden Hügel längst aufgegeben zu haben – nicht so die findigen Neuköllner: An diversen Stellen wird das Zeug nun offenbar abgepumpt und mittels eines Schlauchs dem Nachbar- grundstück zugeführt. Auf eine so clevere Idee hätte die BSR natürlich auch kommen können, ist sie aber nicht.

=ensa=

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Alles anders – fast!

Ob früher alles besser war, das sei mal dahingestellt. Anders war vieles aber definitiv. Beispielhaft dafür: der 3. Juli.  Was für einen Auftritt legte der doch im letzten Jahr hin … Die Temperatur scheiterte nicht schon an der 20°-Marke, sondern schaffte es lässig über die 30°. Die Berliner lechzten nach Abkühlungen, empfanden es – von

3.7.2010, neukölln3.7.2010 neukölln, tempelhofer feld3.7.2010 neukölln

wenigen Ausnahmen abgesehen – auf dem Tempelhofer Feld als “unerträglich heiß”. Erfrischende Getränke standen hoch im Kurs. Ein regelrechtes Kontrastprogramm größte deutschlandfahne berlins, neukölln, youssef bassal, fußball-wm 2010, frauenfußball-wm 2011fordert dagegen der diesjährige 3. Juli: Pullover und Socken statt Aircondition, Regen- statt Sonnen- schirm, Heißgetränke statt Eistee.

In der Neuköllner Sonnenallee 35 aber, wo Youssef Bassal sein Geschäft hat, gibt es reichlich Stoff für ein Déjà vu-Erlebnis. 110 Quadratmeter genau ge- nommen. Denn dort hängt erneut Berlins größte Deutschland-Fahne, weil auch momentan wieder ein Fußball-WM-Turnier mit deutscher Beteiligung läuft. Diesmal sind es die DFB-Frauen, die ganz vorne mitmischen wollen. Übermorgen müssen sie gegen Frankreich ran. Dann ist vor Bassals Laden wieder Public Viewing angesagt – bei hoffentlich sommerlicherem Wetter.

=ensa=

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