An einem Tisch

tag der offenen moschee 2012, sehitlik-moschee neukölln“Wo ist bitte um 14 Uhr die Podiumsdiskussion?”, fragt die alte Dame und spricht dabei seeehr langsam und deutlich. Die junge Muslima, die neben der Tür zum Gebetssaal im tag der offenen moschee 2012, sehitlik-moschee neuköllnErdgeschoss der  Şehitlik-Moschee steht und zum Service-Team der Moschee gehört, hört ihr lächelnd zu. “Die ist oben in der 1. Etage. Gehen Sie einfach links oder rechts die Treppe hoch! Wenn es Sie interessiert, können Sie auch nach der Diskussion an einer Führung durch die Moschee teilnehmen. Die beginnt um 15 Uhr”, erklärt sie in tadellosem, akzentfreiem Deutsch. Irritation dominiert das Mienenspiel und die Stimme der Besucherin, als sie “Danke für die Auskunft” stammelt und den Weg zur rechten Treppe einschlägt. Diese Art  der

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Ansprache sei gerade beim Tag der offenen Moschee keine Seltenheit, sagt die Frau mit dem Kopftuch verständnisvoll. Da merke man sehr deutlich, wie viele Leute in ihrem Alltag nie mit Muslimen im Speziellen oder Menschen mit Migrationshinter- grund im Allgemeinen zu tun haben und in Klischees festhängen.

Die breite Tür zum prächtigen Hauptsaal mutiert zum Nadelöhr. “Schuhe aus!” gilt für die, die hinein wollen. Wer barfuß oder auf Socken heraus kommt, findet kaum Platz, um wieder ins Schuhwerk zu schlüpfen.

Am Tisch im Gebetsraum haben Elisabeth Kruse, die Pfar- rerin der benachbarten Genezareth-Gemeinde, Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemi- tismus und Ron Weber von der Şehitlik-Moschee neben der Moderatorin Platz genommen. Das Thema, das sie in der kommenden Stunde diskutieren wollen, ist brandaktuell und heißt “Schmähung, Meinungsfreiheit, Religion – wie gehen wir als tag der offenen moschee 2012, sehitlik-moschee neuköllnGesellschaft damit um?”.

tag der offenen moschee 2012, sehitlik-moschee neuköllnMit der an die Christin in der Runde gerichtete Frage, wann die Grenzen der Mei- nungsfreiheit erreicht sind, eröffnete die Moderatorin das Gespräch. “Ich begrei- fe”, erklärte Elisabeth Kru- se, “wie sehr das so ge- nannte Mohammed-Video eine Zumutung für die Muslime sein muss,” Aber sollte es nicht doch möglich sein, frage sie sich, Kritik, die unsachgemäß und beleidigend ist, einfach zu ignorieren?” Leider, so die Pfarrerin, sei jedoch genau das Gegenteil passiert: Viele Muslime hätten sich aufstacheln und zu Gewalt verleiten lassen. “Mit Gewalt auf Schmähungen zu reagieren, gehört absolut nicht zu unserer Religion”, entgegnete Ron Weber. Schon die  Aufrufe zu Gewalt seien grundsätz- lich falsch und ein Zeichen dafür, dass “nicht alle Muslime repräsentieren, was unsere Religion von uns möchte.” tag der offenen moschee 2012, sehitlik-moschee neuköllnWas man jedoch bedenken müsse, ist der hohe Stellenwert, den die Propheten bei den Gläubigen haben. Daher würde man sich für sie einsetzen, wie man es bei- spielsweise auch bei Beleidigungen gegenüber Familienmitgliedern tun würde. “Die Schmähungen sind ein Angriff auf die Demokratie”, stellte Levi Salomon klipp und klar fest.

Mit der Frage, wie man auf politische Ebene mit dem Problem umgehen solle, ging es in die nächste Runde. “Es kann nicht Aufgabe unseres Staates sein, Religionsgemeinschaften vor Kritik zu schüt- zen”, fand Elisabeth Kruse. In einer freien Gesellschaft, fuhr sie fort und erntete damit Applaus, müssten alle Religionen lernen, etwas auszuhalten: “Auch das Aus- halten von Verletzungen gehört zur Demokratie.”  Dem wollte Levi Salomon nur bedingt folgen. Trotzdem müssten irgendwo Grenzen gezogen werden, da “demokratiefeindliche Phänomene gesellschaftsver- nichtend sind und die gesamte gesellschaftliche Ord- nung infrage stellen.” Nur wo ist die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Beleidigung, griff Ron Weber, der von Hause aus Jurist ist, Salomons Argumentation auf. Letzteres sei definitiv ein Straftatbestand, ersteres ein Grundrecht. Grenzüberschreitungen seien oft fließend und müssten folglich tag der offenen moschee 2012, sehitlik-moschee neukölln, elisabeth kruse, levi salomon, ron weberimmer im Ein- zelfall geklärt werden.

Große Einigkeit herrschte indes in einem Punkt: Solidarität und der Zu- sammenhalt der Religionen seien das A und O. “Nur gemeinsam sind wir stark”, konstatierte Levi Salomon (2. v. l.) “Wichtig ist”, so Elisabeth Kruse (r.), “dass wir uns besser kennen lernen und das Vertrauen zueinander wachsen lassen.” Dann könne es auch möglich sein, sich gegenseitig mit Dingen zu konfrontieren, die für den anderen etwas sperrig sind. Anlässe wie der Tag der offenen Moschee und eine grundsätzliche Öffnung in die Gesellschaft, wie sie von der Şehitlik-Moschee praktiziert werde, seien für das Verständnis unverzichtbar, betonte Ron Weber (l.): “Dass es hier so voll ist, beweist doch, dass sich die Gesellschaft für Muslime, den Islam und unsere Moschee interessiert.” Und das erlebe man hier täglich bei den Führungen.

Auch die alte Dame hat sich entschieden, an einer teilzunehmen. “Obwohl ich nur ein paar Kilometer entfernt in Steglitz wohne”, erzählt sie, “kannte ich die Moschee bisher nur aus dem Fernsehen und der Zeitung.” Aufgeschreckt durch die Vorfälle rund um den Film habe sie nun aber beschlossen, sich eingehender mit der Religion zu beschäftigen. Man könne ja auch mit 83 noch etwas dazulernen.

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Senat erteilt Absage zur Erweiterung des islamischen Friedhofs Neukölln

sehitlik-moschee neuköllnSeit neun Jahren gibt es auf dem städtischen Friedhof Columbiadamm an der Sehitlik-Moschee ein Areal, auf dem Bestattungen nach den Be- stimmungen des Koran durchgeführt werden. Um die 200 Muslime fanden dort bislang Jahr für Jahr ihre letzte Ruhestätte. Nun stehen nur noch rund 50 Grabstellen zur Verfügung – und zugleich zerschlu- gen sich die Hoffnungen des Neuköllner Bezirks- amts, den islamischen Friedhof durch eine 5 Hektar große Fläche des Tempelhofer Felds erweitern zu können. Heute musste Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing bekanntgeben, dass der Senat den Forderungen eine Absage erteilt habe: “Unsere jahrelangen  Bemühungen für eine Zukunft der muslimischen Bestattungskultur an zentraler Stelle sind damit buchstäblich zu Grabe getragen worden!“ Andere Flächen könnten in Neukölln nicht angeboten werden.  „Insbesondere die Neuköllner und Kreuzberger Muslime sind”, so Blesing, die Leidtragenden dieser Entscheidung – und das im doppelten Sinne.” Die Absage des Senats, erklärt der Baustadtrat, wird mit der seit Öffnung der Tempelhofer Freiheit gewachsenen Nutzung des bean- städtischer friedhof columbiadamm, muslimische bestattungen, neuköllnspruchten Geländes als baumbe- standene Picknick-Area begründet. Eine Umwidmung der Fläche würde demzufolge zu Nutzungskonflikten führen.

Damit ist nun fakt, was Ender Cetin von der Sehitlik-Moschee bereits im Frühjahr befürchtete: Dass Muslime in Berlin bald nicht mehr entspre- chend ihrem Glauben bestattet wer- den können. Zwar gibt es auf dem Landschaftsfriedhof Gatow im Bezirk Spandau ebenfalls einen islamischen Teil, doch auch auf dem sind nur noch Restplätze vorhanden, und eine Erweiterung ist – wie es heißt – nicht möglich, weil dem Bezirk die finanziellen Mittel zur Erschließung des vorhandenen Platzes fehlen.

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Irgendwas ist immer

sommerfest sehitlik-moschee berlin-neukölln“Erst die schwierige Parkplatzsuche und dann die Enge hier.” Die Rentnerin, die extra aus Potsdam mit ihrem Mann, ihrem Sohn und dessen Tochter nach Neukölln gekommen ist, um zum ersten Mal die Sehitlik-Moschee am Columbia- damm zu besuchen, ist sommerfest sehitlik-moschee berlin-neuköllnetwas genervt. Aber eigentlich finde sie alles ganz wunder- bar und faszi- nierend, sagt sie. Eine Moscheeführung habe die Familie schon mitgemacht, bei der Ebru- und Henna-Malerei zuge- sehen und bestens gegessen, während der Comedian Murat Topal nur wenige Meter entfernt auf der kleinen Bühne für kurzweilige Unterhaltung sorgte, anmoderierte, Kindern  Quizfragen  stellte und als  Auktionator  Kunst ans

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Publikum brachte. “Bisher kannten wir den jungen Mann, genauso wie die Moschee, nur aus dem Fernsehen”, sagt die Potsdamerin. Auch mit Muslimen habe sie im Alltag nur selten zu tun. Hier ist sie ihnen ganz nah – und verwundert, dass anscheinend recht wenige Nicht-Muslime sommerfest sehitlik-moschee berlin-neuköllndas Sommerfest zur Kontaktaufnahme nutzen. Das habe sie sich doch anders vorgestellt.

Auch Ender Cetin, Vorstandsvorsitzender der Sehitlik-Moschee, kann mit dem Fest nicht rundum zufrieden sein, das außer einer Feier- lichkeit zugleich eine Reaktion auf Drohbriefe und Anschläge auf die Gemeinde war. Mit  “über 5.000 Gästen”  und vielen Besuchern, die nicht der Gemeinde angehören und Interesse und Solidarität beweisen, hatte er im Vorfeld gerechnet. Klar war ihm auch, dass der Samstag der stärkere Tag werden würde: “Durch das Radrennen am Sonntag über den Columbiadamm wurden nicht nur wir zu Kompromissen gezwungen, sondern auch unsere Besucher müsssen Unannehmlichkeiten hinnehmen.” Dass das Neuköllner Ordnungsamt keine Sondergenehmigung erteilte, auf dem Bürgersteig vor der Moschee Stände auf- zubauen, um das Platzproblem auf dem Grundstück ein wenig zu entspannen, sei skoda-velothon berlin, sperrung columbiadamm, sommerfest sehitlik-moschee berlin-neuköllneine Sache. Dass der Straßenab- schnitt am Sonntag komplett für den Autoverkehr und somit auch das Parken gesperrt sei, werde nicht ohne Auswirkungen auf die Gästezahl blei- ben, ahnte Ender Cetin. Insgesamt waren es letztendlich nur rund 3.000 Besucher, teilte das Büro der Sehitlik-Moschee heute mit.

Wegen des Radrennens hätten auch sie sich für den Sonnabend entschieden, sagt die Potsdamerin und fragt: “Warum hat die Moschee ihr Sommerfest denn dann nicht aufs nächste Wochenende gelegt?” An dem ist das Kulturfestival 48 Stunden Neukölln, das zwar keine Straßensperrungen, dafür aber 600 Konkurrenz-Veran- staltungen bedeutet.

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Premiere: Theater in der Sehitlik-Moschee

sehitlik-moschee neukölln“Passt ein Theaterstück über interreli- giöse Konflikte überhaupt in unsere Mo- schee? Das haben wir uns oft gefragt”, bekennt Ender Cetin. Der Vorstands- vorsitzende der Sehitlik-Moschee steht vor der kleinen Bühne im Keller der Moschee. Vom Prunk und der Farbenpracht des theaterstück "was du nicht siehst", sehitlik-moschee neuköllnGebetssaals ist hier nichts ange- kommen. Über eine schmale, steile Treppe geht es hinab in den schmucklosen Veranstaltungsraum, der fast bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Den Großteil des Publikums machen Menschen aus, denen der Islam näher ist als das Christentum. Aber auch viele, bei denen es eher umgekehrt ist, sind der Einladung gefolgt. “Es ist das erste Mal überhaupt, dass wir hier ein Theaterstück zeigen”, sagt Ender Cetin und bietet an, alle Interessierten nach der Aufführung und der anschließenden Podiumsdiskussion noch durch die Moschee zu führen.

theaterstück "was du nicht siehst", claudia mooz, korkmaz arslan, gamze alakus, sehitlik-moschee neuköllnIn sieben Berliner Schulen und einem Theater haben die vier Schauspieler mit Rolf Kemnitzers Stück  “Was du nicht siehst”  bereits gastiert. Der Auftritt unter den Minaretten einer Moschee ist auch für sie eine Premiere: Claudia Mooz spielt die Rolle der Odette, Michael Gerlinger  den Lehrer Lauer, der zugleich Odettes Vater ist, Korkmaz Arslan die des arabischen Jugendli- theaterstück "was du nicht siehst", korkmaz arslan, michael gerlinger, sehitlik-moschee neuköllnchen Jamal und  Gamze Alakus  gibt Gülay, eine Schülerin mit türkischen Wurzeln.

Es ist die Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern, die in “Was du nicht siehst” erzählt wird, quasi eine adaptierte, mit aktuellen Kon- flikten angereicherte Version von Shakespeares theaterstück "was du nicht siehst", claudia mooz, korkmaz arslan, gamze alakus, michael gerlinger, sehitlik-moschee neukölln“Romeo und Julia”: Denn Odette ist christlich und Jamal muslimisch sozialisiert. Die religiösen und kulturellen Unterschiede sind folglich groß, und entsprechend klischeebelastet versuchen sie sich am Miteinander. Aber die Auseinanderset- zung mit Tradiertem und dem Charakter von Religionen beschränkt sich nicht auf sie, sondern fördert außerdem Probleme unter den Freundinnen sowie zwischen Lehrer und Schüler zutage. Auch die Vater-Tochter-Konflikte spitzen sich zu, nicht zuletzt dadurch, dass Odette beschließt, Muslima zu werden. Das gehe schneller als Tütensuppe, kündigt sie an.

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v. l.: Claudia Mooz, Gamze Alakus, Elisabeth Kruse, Rolf Kemnitzer, Ender Cetin, Korkmaz Arslan, Michael Gerlinger

Länger als bei den vorherigen Auf- führungen in Schulen dauert es, bis  das Publikum die Eindrücke des knapp einstündigen Stücks verarbeitet und Fragen oder State- ments formulieren will. “Jugend- liche reagieren wesentlich spon- taner”, stellt Regisseur Rolf Kem- nitzer fest und wendet sich zu- nächst an Ender Cetin. Der gibt zu, dass er vorher durchaus Bedenken wegen dramaturgischer Zuspitzungen und Übertreibungen gehabt habe. Aber das  sei alles in Ordnung gewesen – und “sogar die Knutsch-Szene war islamisch akzeptabel”, findet Cetin. Über die, erwidert Kemnitzer spürbar erleichtert, habe er vorher auch mit den Schauspielern diskutiert. Man sei schließlich überein gekommen, sie im Stück zu lassen. Anders als sonst sei Odette allerdings nicht im bauchfreien Bühnen-Outfit aufgetreten. “Ich hab zwar mehr Interesse an Differenz als an Toleranz und suche Reibung und Kommunikation”, stellt der Regisseur und Autor klar, “aber ich akzeptiere auch die Umgebung einer Moschee und damit verbundene Kompro- misse. Wir wollten hier ja unbedingt spielen.”

Im Grunde, sagt Ender Cetin, werde der Inhalt des Stücks in der Sehitlik-Gemeinde gelebt: “Es gibt bei uns diverse interreligiöse Beziehungen.” Das widerspreche dem Koran nicht, der schließlich kein Ge- und Verbotskatalog sei. “Genauso wenig wie die Bibel”, ergänzt er. Sie wisse leider nur wenig über bireligiöse Beziehung, muss Elisabeth Kruse zugeben. Die Pfarrerin der benachbarten Geneza- reth-Gemeinde, die ihren Platz im Zuschauerraum gegen einen auf der Bühne getauscht hat, ist tief beein- druckt von der vorherigen Stunde: “Das Stück hat mich sehr ergriffen, aber wegen der Darstellung der Klischees auch traurig  gemacht.” Religionen würden leider oft als Vorwand genutzt, um Mauern zwischen Menschen zu bauen, bestätigt Ender Cetin. Mit der  enge Kooperation zwischen seiner und der protestantischen Gemeinde im Schillerkiez versuche man, dagegen an zu gehen. “Das Problem ist leider”, findet Elisabeth Kruse, “dass der interreligiöse Dialog, der durchaus stattfindet, nicht so viele Schlagzeilen macht wie die interreligiösen Konflikte.”

Jetzt haben auch viele Zuschauer aus dem Publikum ihre Zurückhaltung aufgegeben, erzählen von eigenen Erfahrung mit ihrem Glauben und von bestens funktionierenden bireligiösen Beziehungen. Ein Mann möchte von den Schauspielern wissen, wie die sich auf ihre Rollen vorbereitet und was diese in ihnen bewegt haben. “Die Beschäftigung mit der Rolle der Gülay hat auch im Privaten etwas geändert”, berichtet Gamze Alakus. Sie habe sogar mal ausprobiert, wie es ist, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen. Korkmaz Arslan, selber Alevit, orientierte sich bei der Vorbereitung stark an einem realen Vorbild: “Mein bester Freund ist Jamal sehr ähnlich.” Die Beschäftigung mit der Rolle vom Lehrer Lauer habe ihn sehr stark mit seinem eigenen Verhalten konfrontiert, erinnert sich Michael Gerlinger. Er habe dadurch definitv erfahren, dass Toleranz Grenzen hat.

“Respekt”, ist eine Frau aus dem Publikum überzeugt, “ist das Wichtigste. Und das versuche ich auch meinem Sohn mitzugeben.” Rolf Kemnitzer findet, dass es kein besseres Schlusswort für diesen ungewöhnlichen Theaterabend geben könne.

=ensa=

In der Neuköllner Vielfalt gestrauchelt

“Religionen in Neukölln” heißt eine neue, vom Ressort des Migrationsbeauftragten im Neuköllner Bezirksamt heraus- gegebene Broschüre – und de- ren Präsentation muss zunächst mal als ziemlich misslungen bezeichnet werden. Ausgerech- net auf den 29. September hatte Neuköllns Migrationsbeauftrag- ter Arnold Mengelkoch die Vor- stellung des Nachschlagewerks in der Genezareth-Kirche gelegt: auf Rosch ha-Schana, den Tag des jüdischen Neujahrsfest. Ein Fauxpas, der zur Folge hatte, dass sich verständlicherweise kein einziger Vertreter der jüdischen Gemeinde bei der Veranstaltung blicken ließ, um sich in die Riege der Protagonisten anderer Glaubensrichtungen einzureihen.

88 in Neukölln ansässige religiöse Gemeinschaften führt die in einem leider recht dubiosen Ordnungsschema  gestaltete Broschüre auf: christliche und islamische verschiedenster Ausrichtungen, hinduistische und jüdische sowie kleinere Glau- bensvereinigungen von der Universalreligion Bahai bis zu den Rosenkreuzern. Lediglich Kontaktdaten und Internetadressen sind genannt, über die  Inhalte und Angebote der einzelnen Gemeinden er- fährt man nichts. Ganz bewusst, wie Arnold Mengelkoch betont: “Das Heft soll in erster Linie die Vielfalt der Religionen in Neu- kölln darstellen und die Vernet- zung untereinander initiieren.” An letzterem Punkt setzte dann auch das Programm des Abends an. Zwischen einer beeindruckenden Musik- und Derwisch-Tanz-Einlage des Sufi-Ensembles und dem Auftritt der Gruppe Salsabil berichteten die Vertreter der 22 anwesenden Gemeinden in Kurzform von ihrer Arbeit, um den Einstieg ins gegenseitige Kennenlernen einzuleiten. In einer zweiten Runde wurden die interreligiösen Begegnungen durch Gespräche in wechselnden Kleingruppen über vorgegebene Themen intensiviert. Um religöse Lieblingsfeste, die Bedeutung der Symbole der verschiedenen Glaubens- richtungen und Wünsche an das Mit- einander der Religionen ging es – vor dem Gang zum Büffet.

Interessierte erhalten die Broschüre “Religionen in Neukölln” beim Migra- tionsbeauftragten im Bezirksamt Neu- kölln.

Einblicke in den Islam und die Arbeit islamischer Gemeinden in Berlin ver- mittelt der morgige Tag der offenen Moschee. Mit der Yeni-, der Gazi Osman Pasa- und der Sehitlik-Moschee sowie dem Islamischen Kultur- und Erziehungszentrum Berlin und der Neuköllner Begegnungsstätte nehmen auch fünf Neuköllner Moscheen daran teil und bieten Führungen an. Ebenfalls morgen lädt das Sufi-Zentrum Berlin ab 15 Uhr zum Tag der offenen Tür ein – und zum Mitmachen beim Derwisch-Drehen.

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Besuch in einer fremden Welt am Neuköllner Columbiadamm

sehitlik-moschee columbiadamm,berlin-neukölln,tag der offenen moscheenSie kamen – alleine, in Gruppen, als Paare oder mit der ganzen Familie. Schon nachmittags waren bei der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Neu- kölln am gestrigen “Tag der offenen Moschee” an die 2.500 Gäste gezählt worden.

Viele hielten den Drachen, die Inlineskates oder das Skateboard noch in der Hand – untrügliche Zeichen dafür, dass der Moschee-Besuch mit dem des angrenzenden Tempelhofer Feldes verbunden werden sollte. Oder dass ein Programmpunkt bereits absolviert war. Andere outeten sich durch löchrige Socken als Spontanbesucher. “Schon ‘n bisschen peinlich, aber das ist mir jetzt wurscht”, beschloss eine Frau aus Schöneberg mit Blick auf ihre durch die Strümpfe schimmernden lackierten Zehennägel. “Die Möglichkeit, sich die  Moschee von  innen anzugucken, gibt’s  ja nicht jeden Tag.” Die gibt es zwar sehr

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wohl, zumindest von montags bis freitags, doch das scheint, was auch ein Moschee-Sprecher vermutet, unter Berlin-Touristen bekannter zu sein als bei den Berlinern sehitlik-moschee columbiadamm,berlin-neukölln,tag der offenen moscheenselber. So ist es immer wieder der seit 1997 alljährlich am 3. Oktober stattfindende “Tag der offenen Moschee”, dsehitlik-moschee columbiadamm,berlin-neukölln,tag der offenen  moscheener Neugierige in Scharen in die Sehitlik-Moschee zieht.

Das Staunen ist groß und es gilt nicht nur der prächtigen Ge- staltung des Gebetssaals. “Die Kuppel symbolisiert den Himmel, der Kronleuchter die Sonne und der Teppich die Erde”, erfahren die Besucher. Ebenso, dass der niedrige, zum Bücken zwingende Zugang zum Lehrstuhl kein Konstruktionsfehler sondern der Demut gezollt ist. Ja, dass sogar die Stufen zum Lehrstuhl eine Bedeutung haben und für Erkenntnisstufen stehen. “Hätte ich nicht gedacht, dass hier fast alles Synonym für irgendwas ist”, murmelt die Schönebergerin beeindruckt. “Ist das in christlichen Kirchen auch so?” Nach der Moscheeführung hat sie beinahe das Gefühl mehr über den Islam zu wissen.

_ensa_

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