Kiehl, der Baumeister

Das Neuköllner Rathaus, das Stadtbad, die Carl-Legien-Oberschule, das alte Krankenhaus Neukölln, die Albrecht-Dürer-Schule, die Orangerie im Körnerpark, die Albert-Schweitzer-Schule, das ehemalige Kraftwerk am Weigandufer, die Friedhofs-albert-schweitzer-gymnasium_st. jakobi kirchhof neuköllnkapelle nebst Verwaltungsge- bäude des St. Jacobi-Kirchhofs: Überall in Neukölln sieht man sich Bauwerken gegenüber, die nach Reinhold Kiehls Plänen oder durch sein Mitwirken ent- standen.

Auf den Tag genau vor 100 Jah- ren starb Kiehl, der von 1905 bis 1912 erster Stadtbaurat von Rix- dorf war, gerade mal 38-jährig an einem Herzinfarkt. Am 14. März 1913 wurde er hinter der Albert-Schweitzer-Schule auf dem St. Jacobi-Kirchhof (Foto) beigesetzt. Über 20 Jahre nach Reinhold Kiehls Tod, 1934, wurde das östliche Ufer des Neuköllner Schiffahrtskanals zu Ehren des ehemaligen Stadtbaurats in Kiehlufer umbenannt.

Heute um 16 Uhr werden Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, Neu- köllns Baustadtrat Thomas Blesing und Prof. Dr. Jörg Haspel, der Leiter des Landesdenkmalamtes Berlin, anlässlich des 100. Todestags an Reinhold Kiehls Grabstätte einen Kranz niederlegen.

Neuköllner Treibgut

Schwäne und Enten, Ausflugsdampfer, in der Strömung dümpelnde Müllsäcke, Men- schen  in  Schlauch- oder  Paddelbooten – das  gehört für  alle, die mit  Sicht auf  den

wasserwanderer_neuköllner schiffahrtskanal_foto matte blues

Neuköllner Schiffahrtskanal wohnen, zum alltäglichen Anblick. Jemanden beobachten zu können, der auf einem Surfboard stehend in Richtung Landwehrkanal treibt, gehört definitv (noch?) nicht  dazu.

Großer Auftritt für eine kleine Neuköllner Fußgängerbrücke

Gestern am Neuköllner Schiffahrtskanal: Ein roter Teppich, der bei genauem Hin- sehen eine  viele Meter lange Stoffbahn ist, liegt auf dem  Elsensteg. Überall Blumen,

1_hochzeit_elsensteg neukölln2_hochzeit_elsensteg neukölln

Bänder, Schleifen und aufgeregte, festlich gekleidete Kinder. Wann kommen sie denn endlich? Bei sommerlichen Temperaturen lässt es sich angenehmer warten als in eisiger Februarluft. Jemand spielt mit  klammen Fingern Ziehharmonika. Dann … Alle

3_hochzeit_elsensteg neukölln4_hochzeit_elsensteg neukölln

gehen auf ihre Positionen, ein Limousinen-Korso rollt aus östlicher Richtung auf die Fußgängerbrücke zu. Viel Zeit nehmen sich das Brautpaar und die Hochzeits- gesellschaft für den Elsensteg, der nun Liebessteg ist, nicht. Die Kälte, schnell ins kroatische Lokal am anderen Ufer. “Zigeuner, nix Deutsche” würden dort nun feiern, erklärt einer der beiden Männer, die den roten Teppich wieder zusammenrollen; heute liegt dort ein weißer.

Neukölln holt auf

So richtig kann sich Dennis noch nicht für Neukölln erwärmen. Seit drei Wochen wohnt der Viereinhalbjährige mit seiner Mutter in der neuen Wohnung zwischen Sonnenallee und Neuköllner Schiffahrtskanal. Seitdem hat er ein kleineres Zimmer als vorher, geht in eine neue Kita und muss mit der U-Bahn fahren, um die Jungs zu treffen, mit denen er bisher gespielt hat. “Schöneberg ist schöner”, war noch bis vor fassadenbemalung_hertzbergstr. 1 neuköllnwenigen Tagen die trotzig-traurige Standardantwort, wenn jemand ihn fragte, wie es ihm in der neuen Umgebung gefällt.

Aber nun – seit Dennis die Entdeckung schlechthin gemacht hat – holt Neukölln in seiner Gunst auf. Grund dafür ist die auf Initiative der Kreativen Gesell- schaft Berlin dinosaurier_hertzbergstr. 1_neuköllnbunt bemalte Fassade des Hauses, das direkt am Richardplatz in der Hertzbergstraße steht. Sie zeige, wie es hier früher aus- gesehen hat, dass Neukölln mal ein Dorf war und wie die Menschen gelebt haben, hat seine Mutter ihm erklärt, während sie in Richtung Sonnenallee am Wandbild ent- lang spazierten.

Plötzlich, am Ende der bemalten Fassade, blieb der Jun- ge wie angewurzelt stehen. “Ein Sausier!”, staunte er, mit leuchtenden Augen auf das Urzeitviech starrend, und hakte begeistert nach, ob hier früher etwa Sausier gelebt hätten. Das “Sicherlich!” der Mutter besiegelte, dass Dennis Neukölln nun ein ganzes Stück lieber mag.

Koppheister

Im Vergleich mit seinen Vorgängern, die im Schnee versanken und/oder Berlin vereisten, ist der Winter 2012/2013 bislang eher ein ins Wasser gefallener. Dass sich

estrel hotel_neuköllner schiffahrtskanal

das Estrel kopfüber in den Neuköllner Schiffahrtskanal gestürzt hat, ist allerdings kein Akt der Solidarität, sondern nur eine Frage der Perspektive.

Praktische Sache

Wer in Neukölln trockenen Fußes übers Wasser laufen und nicht damit warten will, bis der  Neuköllner Schiffahrtskanal  zugefroren ist, kann das an  mehr als einem hal-

neukölln, elsensteg, weigandufer, kiehlufer, neuköllner schiffahrtskanal

ben Dutzend Brücken tun. Auf dem Elsensteg und einem kleinen, namenlosen Überweg nahe der Lohmühlenbrücke können einem dabei nicht mal Autos in die Quere kommen.

Neukölln von seiner schönsten Seite

weigandufer neukölln, neuköllner schiffahrtskanal

Das Weigandufer gehört – vor allem bei strahlendem Sonnenschein – zweifellos zu den  Schokoladenseiten des  nördlichen  Teils von  Neukölln. Problematisch ist  aller-

kiehlufer neuköllnkiehlufer neukölln

dings: Wer den Anblick in ganzer Pracht genießen will, muss rüber zum Kiehlufer. Und zwar zu dem Abschnitt des Kiehlufers, der eine Mischung aus morbidem ausflugsdampfer berlin, tour c1 stern und kreisschiffahrt gmbh, neuköllner schiffahrtskanalCharme und  Verwahrlosung  versprüht. Der zu nörd- lich liegt, um über das Neukölln ans Wasser-Pro- gramm aufgepeppt zu werden, und deshalb am Rande des Neuköllner Schiffahrtskanals statt eines komfor- tablen Gehwegs nicht mehr als einen verwilderten Trampelpfad zu bieten hat.

Aber glücklicherweise ist da ja noch die Alternative, einen der Ausflugsdampfer der Stern und Kreis-schiffahrt zu entern, die täglich um 10 und 14.25 Uhr zur Brückenfahrt auf Landwehrkanal und Spree am Estrel ablegen, um sich das Weigandufer vom Wasser aus anzusehen.

=ensa=

Bis zum Hals

Dramatische Szenen spielen sich zurzeit unter der Lohmühlenbrücke ab, die Neukölln mit dem Nachbarbezirk  Treptow verbindet.  Nicht  minder packend war, was

graffiti lohmühlenbrücke neukölln treptow

1987 auf der Lohmühlenbrücke entstand: eine der Schlüsselszenen aus Wim Wen- ders’  cineastischem  Meisterwerk  “Der Himmel über Berlin”.

Verschmäht

Werden öffentliche Gelder in Bauprojekte gesteckt, die niemand braucht, wird schnell der Vorwurf der Verschwendung laut. Besonders mustergültige Exempel für Prasserei finden sich anschließend im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (BdSt) wieder: So wird in dessen 2011-Ausgabe beispielsweise die Lichtinstallation “Neuköllner Tor”  aufgeführt, die nicht nur teurer als geplant wurde, sondern zudem in puncto Sinnhaftigkeit und Effekt nach Meinung des BdSt zu wünschen übrig lässt.

Guckt man sich in diesen Tagen am Neuköllner Schiffahrtskanal um, scheint ein neuer Schwarz- buch-Aspirant in Sicht. Für insgesamt 1.860.000 Euro wurde die Peripherie der Wasserstraße im Bereich um den S-Bahnhof Sonnenallee aufgepeppt.  Allein 900.000 Euro flossen im Rahmen des Projekts “Neukölln ans Wasser” in den Neubau der Treppenanlage Sonnenbrücke Nord. Doch wie man sieht: Vom Bedürfnis der Neuköllner, sich auf den  Granitstufen und  Holzpodesten zu verlustieren, ist nichts zu sehen. Selbiges gilt

stern und kreis-anlegestelle hotel estrel, treppenanlage sonnenbrücke-nord, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser" treppenanlage sonnenbrücke-nord, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser"

treppenanlage sonnenbrücke-nord, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser" estrel biergarten, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser"

für die Gäste des Estrel Hotels und den Biergarten, der mittels einer Investition des Unternehmens umgestaltet wurde, um ihn optisch der Treppenanlage anzupassen.

Ebenso verwaist liegt der neu gepflasterten Gehweg entlang des Kanals am südli- chen Kiehlufer  da, der – wie auch  Egidius Knops’ Kunstobjekt “Welle”  – Teil einer weiteren  “Neukölln ans Wasser”-Baumaßnahme  ist. Ein  Fördervolumen von insge-

kiehlufer neukölln, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser" neuköllner schiffahrtskanal, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser" kiehlufer neukölln, stadtumbau west-projekt "neukölln ans wasser"

samt 960.000 Euro umfasst sie. Das gemessen an der Nutzung wohl erfolgreichste Segment ist allerdings eines, das nur sehr am Rande mit Wasser zu tun hat: die Umgestaltung des Schwarzen Wegs. Vom Wasser haben nicht nur die meisten Neuköllner in diesem Sommer schon jetzt mehr als genug.

Einen Überblick über die “Neukölln ans Wasser”-Umbaumaßnahmen verschafft ein Flyer, der im Rathaus ausliegt und hier als pdf-Download bereitsteht.

=ensa=

Die ideale Alternative

Wenn sich an den Ufern des Neuköllner Schiffahrts- und Landwehrkanals Spazier- gänger,  Hunde und  Jogger gegenseitig  auf  die  Füße   treten und sich  dazwischen

Radfahrer im Slalom üben … Wenn also der Verdacht aufkommt, dass alle Down-by-the-Riverside-Plätze in Neukölln schon vergeben sind, empfehlen wir denen, die Grünes und Wasser mit Ruhe statt Trubel mögen: den Teltowkanal.

.

Nachzügler

Das Strandbad Wannsee ist bereits geöffnet. Fünf andere Berliner Freibäder ziehen in der nächsten Woche nach, für die bis zu 25° C erwarten werden, acht weitere bis Mitte Mai.  Nicht unter denen ist das Sommerbad am Columbiadamm: Wer in Neu- kölln unter  freiem Himmel schwimmen will und  keinen eigenen Pool hat, muss sich

noch bis zum 26. Mai gedulden. Damit startet die Open Air-Badesaison im Bezirk immerhin zwei Wochen eher als im letzten Jahr, das für die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) mit einer bescheidenen Bilanz endete. Ob des erst entschieden zu frühen und dann viel zu erfrischenden Sommers 2011 passierten gegenüber 2010 rund 400.000 Freibad-Besucher weniger die Kassenkreuze. Es liegt also nicht nur im Interesse der Berliner, dass das Zusammenspiel zwischen dem Wetter und den Öffnungs- zeiten der Sommerbäder in dieser Saison besser klappt.

.

Neukölln-Gewinnspiel: Die Bescherung geht weiter (7)

estrel berlin, neuköllnIn Deutschlands größtes Hotel, das direkt am Neuköllner Schiffahrtskanal gelegene Estrel Berlin, geht es für die Gewinnerin oder den Gewinner des letzten Quiz-Tages unseres Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiels. Ergattern kann den Preis aber nur, wer diese Frage richtig beantwortet:

Eine Neuköllnerin ist Trainerin bei den Berliner Boxgirls, dem größten Frauen-Boxclub Europas. In welchem Jahr wurde sie geboren?

abba-story thank you for the music, estrel festival center berlin, neuköllnDas Estrel lädt den/die Gewinner/in plus Begleitperson am 20. Januar zum Show- Ereignis “Die ABBA- Story – Thank you for the music”  ins Estrel Festival Center ein: Die musikalische Hommage an die schwe- dische Kultgruppe reflektiert alle Höhen und Tiefen der einzigartigen Karriere und erzählt die Geschichte der unvergessenen Band anhand ihrer Hits noch einmal. So tauchen in der ABBA-Story „Thank you for the music“ die Zuschauer für zwei Stunden in die glitzernde Partyzeit der 70er Jahre ein.

Wer die beiden Freikarten gewinnen möchte, schreibe das Geburtsjahr sowie (7) in die Betreffzeile einer E-Mail und schicke sie  bis morgen (1. Januar)  um 12 Uhr an: Der/die Gewinnerin wird direkt benachrichtigt. Gehen mehrere richtige Lösungen ein, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen viel Glück!

Update (1.1., 21:32 Uhr): Bei dieser Quizfrage ging es um Sarah Bitterling, die die Boxgirls trainiert und in Neukölln lebt. Sie wurde 1979 geboren.

Der Gewinner unserer letzten Spielrunde wohnt im Süden Neuköllns, musste wieder per Los ermittelt werden und wurde bereits über sein Glück informiert. Allen, die bedauerlicherweise nicht zu den Preisträgern unseres Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiels gehörten, sei schon jetzt gesagt, dass wir weitere Quizrunden planen.

Wir danken allen sehr herzlich, die Preise für unsere verlängerte Be- scherung zur Verfügung gestellt haben.

Poller mal anders: eine Welle für Neukölln

Sicher, es hätten nicht unbedingt Hunderte von Pollern sein müssen. Ein Bruchteil davon hätte auch gereicht, um das Problem des Wildparkens auf der Mittelinsel der Sonnenbrücke über dem Neuköllner Schiffahrtskanal in den Griff zu be- kommen. Und natürlich wäre es ebenfalls nicht nötig gewesen, die einzelnen Pflöcke mit was- serblauer Zwei-Komponenten-Farbe zu lackie- ren. In dezentem Grau hätten sie genauso ihren Zweck erfüllt. Au- ßerdem sind da noch die beiden Schwimmer, die durchs stilisierte Nass pflügen und aus der Ordnungsmaßnahme für Autofahrer  Kunst im öffentlichen Raum machen: “Welle” heißt die mit Stadtumbau West-Mitteln für den Bereich Neukölln-Südring finanzierte Installation, die der Berliner Künstler Egidius Knops auf einer 50 Meter langen Fläche schuf. In der vergangenen Woche wurde das Werk vollendet.

“Sechs Meter lang und 2 Meter 80 hoch sind die beiden Schwimmer”, erklärt Knops. Als Referenz an Britta Steffen, Franziska van Almsick und andere erfolgreiche Athleten der SG Neukölln seien die bemalten Aluminium-Silhouetten zu sehen, die zwischen den Pollern be- festigt wurden. Die wiederum bilden ob ihrer Lackierung und unterschied- licher Höhen zwischen 50 und 140 Zentimetern eine Welle nach.

Den kostenlosen Stellplätzen und dem unfallträchtigen Ein- und Aus- parken auf der Sonnenbrücke wurde nun also durch Egidius Knops’ nicht unumstrittenes Kunstwerk ein Ende gesetzt. Schon während der Bauphase be- schäftigte Kritiker die Frage, ob das Geld in einem Bezirk wie Neukölln nicht sinnvoller eingesetzt werden könne. Um der Situation vorzubeugen, dass vom Ehrgeiz, die Poller zählen zu wollen, gepackte Autofahrer im Schneckentempo die Brücke überqueren und damit eine neue Gefahrenquelle schaffen: “Es sind genau 500″, verrät mit Knops einer, der es wissen muss.

=ensa=

Oben wie unten

Die Bedingungen sind günstig, heute mal wieder einiges doppelt zu sehen: Zum  Bei-

spiel die Lohmühlenbrücke, die Neukölln mit dem Nachbarbezirk Treptow verbindet, sowohl über dem als auch im Neuköllner Schiffahrtskanal.

Auf den Kopf gestellt

An sonnigen Tagen kann es – wie man sieht – leicht passieren, dass das Kiehlufer kopfüber in den Neuköllner Schiffahrtskanal fällt und dem gegenüber liegenden Weigandufer dabei ein ganzes Stück näher kommt.

Verrückte Welt

Da staunt der Fachmann und … der Reiher wundert sich: Es ist Oktober, das Laub entweder noch grün oder schon bunt, der Himmel strahlendblau und die Menschen sitzen stundenlang in luftiger Sommerkleidung auf Wiesen herum, statt in Woll- pullovern vor den Heizungen. In Berlin ist endlich die kostbare Fracht namens Sommer an- gekommen – zwar ein bisschen spät, aber immerhin. Vergessen ist das Gemaule über den vor 20 Jahren als Feiertag gestrichenen 17. Juni und den als Ersatz in die Bresche gesprungenen  3. Oktober: In diesem Jahr ist das schier Unglaubliche passiert, und der längst nicht mehr neue Tag der Deutschen Einheit dem alten Tag der  deutschen  Einheit  temperatur-  und wettermäßig  in nichts  nach.

   

So hängt sich an den verspäteten Sommer gleich noch die Erkenntnis, dass der gesetzlich verordnete Feiertagstausch  auch für Berliner mit “Nüscht wie raus zum Wannsee”- oder Grill-Ambitionen nicht zwingend einen Nachteil bedeuten muss.

=ensa=

Fein gemacht

Nicht nur für Autofahrer, sondern vor allem für Radfahrer sind viele Straßen in Neukölln eine wahre Zumutung. Insbesondere die kopfsteingepflas- terten Verkehrswege sind im Laufe der Jahre zu Teststrecken für Stoß- dämpfer und Armmuskulatur mutiert. Vergleichsweise komfortable Bedin- gungen bieten dagegen die meisten asphaltierten Straßen. So auch die Böhmische Straße, die der Donau- straße entspringt und unweit vom Richardplatz in die Richardstraße mündet. Dank des Anti-Schlagloch-Programms des Berliner Senats, das 1,7 Millionen Euro in den Bezirk geschaufelt hat, bekommt sie derzeit eine neue Asphaltdecke, die direkt vor der Haustür der Psychosozialen Dienste, einer bezirklichen Erziehungs- und Familien- beratungsstelle, endet.

südliches kiehlufer, neukölln, neukölln ans wasserAuch für den Umbau des südlichen Kiehlufers wird aktuell ordentlich Geld in die Hand genommen. Das Pro- gramm “Neukölln ans Wasser” macht es möglich, dass der Trampelpfad am östlichen Ufer des Neuköllner Schiffahrtskanals nun zu einem be- quemen Bürgersteig wird. Dass in der Gegend kaum Fußgänger unter- wegs sind, weil das von Gewerbe- betrieben  geprägte Gebiet im Rücken des Estrel Hotels nicht eben zum Flanieren animiert, scheint irrelevant. Sonst wären die Investitionen weiter nördlich ins Kiehlufer geflossen.

=ensa=

Erfrischend

schloss britz, neuköllnWährend die Möglichkeiten für Schwimmer in Neukölln immer noch stark eingeschränkt sind, finden Enten und Schwäne prächtige Bedingungen im Bezirk vor: Diejenigen unter ihnen, die fließende Gewässer vorziehen, see in der hasenheide, neukölln, rixdorfer teichhaben mit dem Neuköllner Schiffahrts-, dem Landwehr- und dem Teltowkanal sowie di- versen Gräben Auswahl bis zum Abwinken. Nicht anders ergeht es Wasservögeln, die Seen, Teiche und Pfuhle bevorzugen: Der Rixdorfer Teich (Foto links) in der Hasen- heide und der Britzer Kirchteich (Foto rechts) vor dem Schloss Britz sind nur zwei von vielen Gelegenheiten für kleine Erfrischungen zwischendurch – wenn man Federn und Schwimmhäute hat. Alle anderen müssen sich mit dem Blick aufs kühle Nass begnügen.

=ensa=

Sonnige Plätze am Wasser

Bereits im Oktober letzten Jahres wurde die neu gestaltete Treppenanlage an der treppenanlage sonnenbrücke nord, sonnenterrasse estrel hotel, neuköllnSonnenbrücke der Öffent- lichkeit übergeben (wir be- richteten) – mit monate- langem äußerst mäßigem  Zuspruch, da das Wetter nicht eben zum Verweilen auf blankem Stein einlud.  Einen gewissen Schub in Sachen Attraktivität erfuhr die Sonnenterrasse zwi- schen dem Estrel Hotel und dem Neuköllner Schif- fahrtskanal erst mit den gestiegenen Temperaturen der letzten Tage. Dass der Run noch sehr verhalten ausfällt, liegt sicher nicht daran, dass Plätze an der Sonne nicht begehrt wären. Ursache scheint vielmehr eine gewisse Verunsicherung unter den potenziellen Nutzern zu sein. Und die wurde dieser Tage auch dadurch genährt, dass das an der Sonnenallee gelegene Eingangstor verschlossen und somit nur der treppenanlage sonnenbrücke nord, sonnenterrasse estrel hotel, neuköllnZugang von der Estrel-Seite möglich war.

Da beließen es viele Passanten bei sehn- süchtigen Blicken auf das 900.000 €-Pro- jekt. Etwas mutigere Naturen wagten sich zögernd auf die große Freitreppe, um den Nächstbesten zu fragen, ob man Hotelgast treppenanlage sonnenbrücke nord, sonnenterrasse estrel hotel, neuköllnsein oder et- was zum Es- sen oder Trinken bestellen müsse, um sich hier aufhalten zu dürfen. Dem ist definitiv nicht so, wenn es einzig um das Besetzen oder Belegen der Freitreppe geht. Anders ist der Fall jedoch – eigentlich – bei der Benutzung der gepolsterten Liegen: “Bitte haben Sie Verständnis, dass dieser Bereich nur für Hotelgäste reserviert ist” steht an den Seiten des hölzernen Podests, dessen Er- klimmung für Arthrose-Patienten und Unsportliche eine echte Herausforderung sein dürfte.  Umgekehrt könnte es denen schwerfallen, aus den Alternativen – zwei treppenanlage sonnenbrücke nord, sonnenterrasse estrel hotel, neuköllnebenerdigen Liegeeiern – wieder heraus zu kommen.

Doch ein weiteres Manko der Sonnenterrasse betrifft Hotelgäste wie sonstige gleichermaßen: Mülleimer zur Entsorgung von Verpackungsmüll oder Zigarettenkippen sucht man dort vergeblich. Bleibt zu hoffen, dass mit der heutigen Eröffnung des neugestalteten Estrel-Sommergartens, der sich an die öffentliche Freitreppe anschließt, auch diesbezüglich eine neue Ära anbricht. Im eigenen Interesse des Hotels sollte es so sein, denn das ist für die Pflege des gesamten Bereichs zuständig.

=ensa=

Nach Neukölln geschwappt

Wer sich im Norden Neuköllns auskennt und häufig im Bezirk aufhält, weiß, wie lästig sie sind: diese Heerscharen von Touristen, die sich mit Reiseführern und Kameras durch die Straßen jenseits des Reuterkiezes wälzen, in Kneipen, Cafés und Restaurants südlich des Hermannplatzes einfallen und in den Geschäften zwischen Neuköllner Schiffahrtskanal und Tempelhofer Feld ihre Reisebudgets verjubeln, dass die Kassen nur so klingeln. Es war folg- lich nur eine Frage der Zeit, wann die einschlägigen Beschützer vor dem Bösen die Besucher des Bezirks in die Liste ihrer Feindbilder aufnehmen und – nach Kreuz- berger Vorbild – mit dem Touristen-Bashing begin- nen würden.

Nun sind erste Anzeichen dafür aufgetaucht, dass die Welle es nach Neukölln geschafft hat. Unweit der Schmierereien schloss vor nicht langer Zeit ein winziges Café, weil die Ausgaben über den Einnahmen lagen. In Sichtweite wird demnächst ein Delikatessenladen mit Gastronomie-Segment er- öffnen, um den Kampf ums Überleben aufzunehmen. Die Unterstützung durch Touristen wird dabei sicher gerne angenommen.

=ensa=

 

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 123 Followern an