Hinter wilden Tieren

Es ist mehr als ein Hauch von Afrika, der neuerdings durch die Selchower Straße in Neukölln weht. Eine ganze Savannenlandschaft zieht sich seit letzter Woche am Parterre des Hauses mit der Nummer 33 entlang. “Vielen gefällt das”, weiß Álvaro Sendra González, “mir aber gar nicht.” Dem Spanier gehört der Laden, über dem Pequod Books  steht  und an dessen Tür  nun ein Zettel  mit dem Hinweis “Nein, hier

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selchower str 33_neuköllnwird kein Elefantenfutter verkauft” klebt. Das sei seine Art von Protest, sagt er. Alle Be- mühungen im Vorfeld Einfluss auf die Motiv-auswahl zu nehmen, seien leider geschei- tert: “Gegen eine Fassade mit etwas Lite- rarischem oder Maritimem hätte ich ja gar nichts gehabt.” Doch diese Vorschläge von Álvaro Sendra González waren es nicht, die realisiert wurden.

Hinter den wilden Tieren und der afrikani- schen Steppe ist das genaue Gegenteil der Fall. Mit Pequod Books setzt der Fotograf, der vor über sieben Jahren nach Berlin kam, von A bis Z seine eigene Idee eines vielsprachigen Antiquariats um. Benannt ist der Laden nach dem Schiff, mit dem Kapitän Ahab in Herman Melvilles pequod books_neuköllnRoman Moby Dick jagte: “Eines meiner Lieblingsbücher.” Im Angebot sind Klassiker der Weltliteratur, aber auch Sachbücher, Dictionarys, Kinderbücher und jüngere Belletristik in über 15 verschiedenen Sprachen. “Englische Bücher sind natürlich die Topseller, weil das die Sprache ist, die die meisten meiner Kunden können”, sagt der Jungunternehmer. Auch deutsche Werke füllen viele Meter in den fast deckenhohen Regalwänden. Über- schaubarer ist die Auswahl an pequod books_neuköllnBüchern in serbischer, türkischer, lateinischer, chinesischer, finnischer, spanischer, hebräischer, spanischer oder rumänischer Sprache. Doch anders als in anderen Secondhand- Buchhandlungen sind sie hier  nicht als multilinguales Potpourri zusammengewürfelt, sondern feinsäuber- lich  sortiert.

Für etwa 12.000 Bücher wäre im Laden Platz. Knapp 8.000, schätzt Álvaro Sendra González, stehen derzeit in den Regalen, um für maximal 6 Euro neue Besitzer zu finden: “Der Durchschnittspreis liegt bei 3,50 Euro, und wer mir ein Buch verkauft, kriegt dafür einen Euro.” Mehr Bücher in deutschen Dialekten, überlegt er, hätte er gerne. Dann könnte auch diese Sparte ein Extrafach bekommen. Eines wird aber sicher nie bei Pequod Books in der  Selchower Straße 33  verkauft werden: Elefantenfutter.

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Ladenhüter

Wenn überall Originale in verschiedenen Formaten, Güte- und Gewichtsklassen  zum

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Mitnehmen herumliegen, sinkt das Interesse an käuflich zu erwerbenden Kopien.  Drastische Preisnachlässe sind die Folge, am Ladenhüter-Dasein der künstlichen Schneebälle ändern aber auch die nichts.

Kreuzköllns Bio-Dreieck

Was in anderen Berliner Bezirken und Neuköllner Straßen die quietschbunten Bubble Tea-Shops, sind auf dem Kottbusser Damm zwischen Bürknerstraße und Maybach- ufer die  Biomärkte. Lange gab es dort nur das VITALIA Reformhaus. Vor knapp fünf Jahren wurde schräg gegenüber, auf der zu Kreuzberg  gehörenden Straßenseite, die

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Edeka-Filiale zum NATÜRLICH BIO-Supermarkt umgerüstet. Doch damit nicht genug: Um die Konkurrenzsituation weiter zu verschärfen, hat sich die BIO COMPANY eine nur wenige Schritte entfernte, kürzlich von Aldi verlassene Gewerbe-Immobilie gesichert und eröffnet dort am 18. Oktober eine weitere Verkaufsstelle für Bio- Produkte in Neukölln.

Ballast abwerfen

antiquariat buchexil-neuköllnUlrike Tschackert hat in den letzten Tagen fleißig Zettel geklebt. Überall im Schillerkiez zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld ist nun zu lesen: Nachmieter gesucht! 75 qm Gewerbe- räume, Allerstraße 43 (Buchexil) zum 1.8.2012  Auch die Möglichkeit, über virtuelle soziale Netzwerke Interessen- ten zu finden, wurde nicht antiquariat buchexil-neuköllnausgelassen. Dass sich die Nachmieter- Frage derma- ßen kurzfristig klärt, ist trotzdem unwahrscheinlich. “Aber je früher jemand kommt, der den Laden haben will, desto besser”, findet die Buchexil-Chefin. Die Last, den Vertrag bis zum Ende der regulären Laufzeit am Jahresende zu erfüllen, wäre sie gerne los.

Am 1. Juli 2007 eröffnete Ulrike Tschackert die antiquarische Buchhandlung, die von Anfang an auf zwei Standbeine setzte: den Online-Verkauf und die Laufkundschaft. antiquariat buchexil-neuköllnWer nun aber denkt, dass letztere Klientel durch die stetigen Verände- rungen im Kiez und den vermehrten Zuzug bildungsnaher junger Leute einen kometenhaften Aufstieg hin- legte, hat sich getäuscht. “Von denen profitieren zwar die Gastronomen, doch Bücher bestellen sie übers Internet oder sind gleich ganz auf Kindle umgestiegen.” Das führe nicht selten zu der absurden Situation, erzählt die Buchhändlerin, dass Paketdienste Büchersendungen des führenden Internet-Versandhauses zur Weitergabe an nicht angetroffene Nachbarn bei ihr im Laden abliefern: “So schofelig, die Annahme der Päckchen zu verweigern, will ich aber nicht sein.” So weit, im Sinne der Kundenbindung auch noch Bestellungen für antiquariat buchexil-neuköllnden Platzhirsch anzunehmen, wird sie allerdings nicht gehen, da dessen Geschäftsmodell keine Buchhändler-Rabatte vorsieht und folglich zum Null-Tarif gearbeitet werden müsste.

Doch es gibt weitere Gründe als die zuneh- mende Internet-Affinität für den Rückgang der Laufkundschaft: Termine bei Physiotherapeuten und Ärzten als Folge  gesundheitlicher Proble- me  machten es für Ulrike Tschackert immer komplizierter, die Öffnungszeiten des Buchexils einzuhalten. “Dazu kommt, dass ich es körper- lich einfach nicht mehr schaffe, schwere Bücher- kisten anzuheben oder zu schleppen.” In erster Linie das habe zu der Entscheidung geführt, den Laden aufgeben zu wollen. Die Erfahrung, mit überzogenen Mieterhöhungen konfron- tiert zu sein, die schon viele Gewerbetreibende in Neukölln machen mussten, blieb antiquariat buchexil-neuköllnihr – trotz des inzwischen zweiten Haus- eigentümerwechsels – erspart. Die Miete, sagt Ulrike Tschackert, sei sehr fair, anders könne man das nicht nennen.

Was diese Aussage unterstreicht, ist, dass die Unternehmerin dem Haus in der Allerstraße treu bleibt und im Hinterhaus einen Lagerraum für den weit im fünf- stelligen Bereich liegenden Buchbestand angemietet hat. “Das Buchexil-Neukölln  gibt es ja weiterhin”, kündigt sie an, “nur eben den Laden nicht mehr.” Künftig werde also alles über das bereits etablierte Online-Segment laufen. “Und das wird auch weiterhin gut laufen”, ist Ulrike Tschackert überzeugt und klingt dabei eher erleichtert als zweckoptimistisch.

Überall im Laden stapeln sich leere Bananenkisten, die darauf warten, mit Büchern bepackt und über den Hof getragen zu werden: “Wenn ein Nachmieter da ist, haben wir hier ganz schnell ausgeräumt.” Außer dem würden aber auch noch Leute gesucht, die Bananenkisten abzugeben haben.

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Angebot und Nachfrage

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Ersteres sollte frau aber lieber nicht allzu wörtlich nehmen und hoffen, dort 1000 Paar Schuhe für insgesamt weniger als einen Zehner schießen zu können. Der Wunsch nach betreutem Trinken wird einem dagegen in jeder Neuköllner Kneipe erfüllt, nicht nur während der Fußball-EM.

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Neuköllns Flopmodels

Eigentlich ist es mit Schaufensterpuppen wie mit Models: Sie sollen den Fokus potenzieller  Kunden auf  die  Klamotten lenken  und diese  bestmöglich präsentieren.

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Etliche Kunststoffgestalten, die aus Neuköllner Schaufenstern auf Bürgersteige und Passanten starren, machen diesen Job jedoch mehr als schlecht und ziehen die Blicke so dermaßen massiv auf sich, dass die Textilien zur Nebensache geraten.

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Simsalabim, Neuköllns Zauberkönig ist wieder da!

zauberkönig neuköllnEs stand wirklich schlecht um ihn, und vor ein paar Monaten konnte niemand sagen, wie es mit ihm weitergehen würde – oder ob überhaupt. Mit einem Fuß im Jenseits, so ließ sich sein Zustand am treffendsten beschreiben, als 2011 von 2012 abgelöst wurde und Mona Schmidt die Betreuung des zauber- haften Adligen aufgab, die sie 1995 von ihrem Vater, dem Magier Günter Klepke, übernommen hatte. Von einer gewissen Hoffnung in zauberkönig berlin-neuköllnihre Nichte sprach sie damals. Doch entschieden sei noch nichts und erstmal wolle man den alten Herrn zur Ruhe kommen lassen.

Mit der ist es heute endgültig vorbei: um 15 Uhr wird der Zauberkönig wiedereröffnet. Viel frische Farbe hat der Laden bekommen, der vor 60 Jahren in die Hermannstraße 84 zog, aufgeräumt wie nie zuvor sieht er aus. Die Schaufensterdeko ist nun luftiger, der Verkaufstresen verschlankt, das Sortiment jedoch nicht: Scherzartikel, Zauber- zubehör, Karnevalskostüme und Masken von gruselig bis skur- ril wird es weiterhin geben. Bei allem frischen Wind, der jetzt mit Mona Schmidts Nichte Karen Goetzke und einer Freundin als Geschäftspartnerin in den Laden weht, solle doch das erhalten bleiben, was den Zauberkönig jahr- zehntelang ausmachte.

Einzig das mit dem Vorführen von Zaubertricks sei ein Problem, weil das Reich des Magischen den beiden Chefinnen noch relativ fremd ist. Doch dafür gibt es ja Karen Goetzkes Opa Günter Klepke, der nicht nur heute bei der Wiedereröffnungsfeier, sondern künftig immer samstags sein Können demonstrieren wird. Dass seine Enkelin nicht frei von zauberhaftem Talent ist, hat sie bereits jetzt bewiesen: Schließlich gelang ihr das Kunststück, ein tradtionsreiches Neuköllner Fachgeschäft als Familienbetrieb zu erhalten. Das haben viele andere nicht geschafft.

=ensa=

Omnipräsent in Neukölln: Geheimnisträger Tagesspiegel

Nach der Geschäftsaufgabe eines Ladens in akzeptabler oder besserer Kiezlage kam es in Nord-Neukölln im letzten Jahrzehnt normalerweise zu folgendem Szenario: Irgendwann wur- den die Schaufenster mit türkischen oder arabischen Zeitungen abgeklebt und hinter dem Sichtschutz begannen die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Handyshops oder eines als Kulturverein, Imbiss oder Spätkauf getarnten Spielcasinos. Beliebt waren die neuen Nachbarn bei niemandem.

Heute dagegen sind es meist im stattlichen nordischen Format ge- druckte Tagesspiegel-Ausgaben, die vorübergehend verbergen, mit wel- chem Geschäftsmodell es der Neu- mieter versuchen will. (Die Berliner Morgenpost sieht man – obwohl gleich groß – seltener, andere Berliner Tageszeitungen wegen ihrer kleineren Formate kaum.) Ist die Phase der Renovierung und mit ihr die der Geheimniskrämerei vorbei, wird das bedruckte Papier entfernt und der Blick auf ein neues Café, eine Galerie oder ein Designer-Atelier frei. Auch diese Branchen sind den Anwohnern nicht per se will- kommen, sondern für manchen ein Synonym für Gentrifizierung. Beliebter als Daddelbuden sind sie in aller Regel aber doch.

=ensa=

Anders als es scheint

Auch wenn Neuköllns Haupteinkaufsstraße stre- ckenweise anderes vermuten lässt: Es ist durchaus nicht so, dass per se kein Interesse am Anmieten von Gewerbe-Immo- bilien im Norden des Bezirks besteht. Oft ist in den Kiezen das genaue Gegenteil der Fall, was man wieder- um an unmissver- ständlichen Botschaften der aktuellen Mieter erkennen kann. “Ohne den Zettel kämen wir zu nichts, weil wir ständig Leute im Geschäft stehen hätten, die wissen wollen, ob der Laden zu haben ist”, sagt einer, der reichlich einschlägige Erfahrungen mit einem unverzettelten leeren Schaufenster gemacht hat.

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Kapituliert

geschäftsaufgabe peter rizzi neukölln, karl-marx-straßeNun reicht’s! Fast 32 Jahre lang hat er in seinem Laden in der Karl-Marx-Straße Mar- kenbekleidung für Männer verkauft, jetzt schließt er. Für immer!

Mit der Aufgabe des Peter Rizzi-Shops ver- dunkelt sich ein weiteres Kapitel im Ge- schichtsbuch der Neuköllner Traditionsge- schäfte in der Magistrale des Bezirks. “Wer hier Qualität statt Billigklamotten anbietet, kann nur enttäuscht werden”, ist das Fazit geschäftsaufgabe peter rizzi neukölln, karl-marx-straßedes Inhabers. Abge- zeichnet habe sich das schon, als das 25-jährige Jubiläum gefeiert wurde: “Viel- leicht war ich wirklich ein bisschen verrückt, weil ich trotzdem an dem Laden fest- halten wollte.” Der sei schließlich das älteste von damals fünf geschäftsaufgabe peter rizzi neukölln, karl-marx-straßeBerliner Peter Rizzi-Ge- schäften gewesen.

Mit dem Inkrafttreten des Citymanagements der [Aktion! Karl-Marx-Straße] keimte neue Hoffnung auf, dass der Standort wieder die Kurve hin zu einer florierenden Adresse kriegen würde. “Immerhin weiß ich durch eine Erhebung von denen, dass nur etwa 60 Pro- zent der Passanten und potenziellen Kunden auf der Karl-Marx-Straße in den Abschnitt südlich der Kreuzung Werbellinstraße kommen.” Aber Erhebungen allein würden den Geschäftsleuten geschäftsaufgabe peter rizzi neukölln, karl-marx-straßein besagtem Bereich auch nicht helfen und wirkliche Pläne, die als Konsequenz auf die Statistik folgen und eine Belebung des Gebiets anpeilen, sehe er nicht. Ein halbes Dutzend leerer, mit “Zu vermie- ten”-Schildern plakatierter Gewerbe-Immo- bilien in der Nachbarschaft macht deutlich, dass Skepsis  mit Tendenz zum Pessimis- mus kein singuläres Phänomen ist.

Zuversichtlich, den Neukölln-Hype für sich nut- zen zu können, seien indes viele Hauseigentümer. Eine Mieterhöhung von 25 Prozent wäre für den Laden von Peter Rizzi fällig geworden: “Da habe ich beschlossen, dass es nun wirklich reicht!” Wenigstens sei der Abverkauf noch ganz gut gelaufen.

=ensa=

Dieter macht’s möglich

Der Verbrauch von Tiefkühlkost steigt in Deutschland stetig. Waren es 1990 noch rund 40 Pfund, die pro Kopf verzehrt wurden, verzeichnete das Deutsche Tiefkühl- institut  20 Jahre später bereits eine  Verdoppelung des  Konsums. Die  Ambition, von

diesem Trend profitieren zu wollen, lässt sich derzeit auch vor zahlreichen Neuköllner Bäckereien erkennen. Für Fastfood-Fans sind die von Kältehoch Dieter natur- gefrosteten Schrippen und Kuchenstückchen allerdings nichts.

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Gassi-Runde mit Krokodil

“Doch, ja”, gibt sie unumwunden zu, “wenn’s kalt ist, geht Holly nicht ohne karnevalskostüme für hunde, woolworth berlin-neuköllnMantel vor die Tür.” Mit modischen Aspekten habe das allerdings nichts zu tun: Holly sei ein Ur- laubsmitbringsel aus Spanien, ein Podenco. Die grazile, vierjährige Hündin mit dem karnevalskostüme für hunde, woolworth berlin-neuköllnlichten, drahtigen Fell friere schnell und werde sich wohl nie mit mit- teleuropäischen Win- tern anfreunden.

“Was der Quatsch hier soll, werde ich aber nie verstehen!” Hollys Frauchen steht in der Hundebedarf-Abteilung eines Neuköllner Kaufhauses und sieht fassungslos auf die saisonalen Sonderposten, die an Kleiderbügeln am Regal hängen: Hundekarnevals- kostüm erklären die Etiketten an den Outfits. Die rote Weste mit Fliege und weißem Kragen ist noch das harmloseste. “Wie jemand auf die Idee kommen kann, seinen Hund als Biene Maja, Krokodil oder Marienkäfer verkleiden zu wollen, ist mir absolut rätselhaft”, meint die Hundebesitzerin. Für Holly nimmt sie nichts Neues zum Anziehen, sondern einen Kauknochen für das perfekte Hundeleben mit.

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Rezeptfrei und ohne Nebenwirkungen

Natürlich kann man pfundweise Schokolade in sich reinstopfen, an Bergamotte-Öl schnuppern oder Johanniskraut-Präparate schlucken, um zu verhindern, dass das trübe Wintergrau die gute Laune vernebelt Effiziente Stimmungsaufheller gibt es aber auch in Neuköllner Blumenläden, und die haben garantiert keine Nebenwirkungen – außer vielleicht, dass einem anfänglich die Augen etwas tränen, vor Begeisterung.

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Neue Optik für eine Institution?

Wohl jeder, der im Neu- köllner Schillerkiez wohnt oder arbeitet, kennt ihn: den Edeka am Herrfurth- platz. Seit rund 40 Jahren gibt es ihn, daher ist er mehr eine Institution als nur ein Lebensmittelladen.

Wer heute das Geschäft vis-à-vis der Genezareth-Kirche ansteuert, steht je- doch vor verschlossenen Türen. Das ist erstmal zugegebenermaßen ärgerlich. Aber angesichts der Information, dass im Laden umgebaut werde, wird wahrscheinlich jeder im nächsten Moment “Na endlich!” seufzen und sich auf künftige komfortablere Einkäufe freuen.

Dem wird allerdings nicht so sein. “Nö”, sagt eine der Angestellten, “der Laden wird nicht umgebaut. Wir kriegen nur neue Kassen!” Ein bisschen Hoffnung, dass es dann weniger Zickereien bei Kartenzahlungen gibt, klingt bei ihr mit. Auf eine auf- geräumtere Obst- und Gemüsezone und Gänge, die nicht vollgestellt und deshalb sogar samt Einkaufswagen begehbar sind, müssen die Kunden weiter hoffen.

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Mit einem Fuß im Jenseits

Er kränkelte schon lange und siechte seit geraumer Zeit in einem Dasein dahin, das aus mehr Abs als Aufs bestand: der Zauberkönig. Nun ist er tot,  gestorben im stolzen Alter von 127 Jahren, höchstwahrscheinlich jedenfalls. Eine endgültige Diagnose will Mona Schmidt momentan noch nicht abgeben. Lieber spricht sie erstmal von einer gewissen Hoffnung, die es vielleicht gebe, von einer Art komatösem Zustand.

Gestern ging es dem Zauber- könig noch einmal richtig gut. Die Kunden – auf Ladycracker, Pfennigschwärmer, Wunderker- zen, Chinakracher, Scherzartikel und Luftschlangen aus – gaben sich gegenseitig die Klinke in die Hand und stand dicht gedrängt in dem kleinen Laden. Günter Klepke, Mona Schmidts Vater, der das Fachgeschäft für Magie an der Neuköllner Hermannstraße 1978 übernahm und 1995 an seine Tochter übergab, führte Zaubertricks vor. Es war ein wenig  wie ein letztes Aufbäumen.

Wenn jeden Monat Silvester, Karneval oder Halloween wäre, dann hätte man sich um das Überleben des Zauberkönigs weniger Sorgen machen müssen. Darauf, dass der Kalender anderes vorsieht, reagierte Mona Schmidt bereits vor einem Jahr, indem sie sich einen Job fernab von Scherz- und Zauberhaftem suchte. “Von dem, was der Zauberkönig einbringt, kann kein Mensch leben”, sagt sie. Der  Harry Potter-Boom sei verpufft, Silvester nur einmal im Jahr und Faschings- oder Halloween-Kostüme würden die Leute lieber in Discountern kaufen: “Bei uns holen sie sich dann nur noch Kleinigkeiten wie Dracula-Zähne oder Schminke.” An einer sprunghaft gestie- genen Miete oder anderen derartigen Begleiterscheinungen des Wandels in Neukölln liege es jedenfalls nicht, dass es dem Zauberkönig geht, wie es ihm geht.

Ob er reanimiert werden kann, das werde sich rausstellen. “Es könnte sein”, so Mona Schmidt, “dass es jemand aus der Familie mit einem neuen, modernen Konzept probieren will.” Doch für diese Entscheidung werde man sich Zeit lassen. Mona Schmidt hat ihre indes getroffen: Deshalb bleibt die Tür ins kleine Reich der Magie ab morgen  geschlossen. Vielleicht nur vorübergehend, vielleicht aber für immer.

=ensa=

Cool gekontert

Vor gerade mal einer Stunde hatte sie die Tür des Neuköllner Kiezladens auf- geschlossen. Etwa eine Dreiviertelstunde später standen sie vor ihr: Zwei Jungs, höchstwahrscheinlich vom Gymnasium gegenüber, ungefähr 15 Jahre alt, einer klein und schmächtig, der andere ein ganzes Stück größer und leicht moppelig. Jeder tütenaufdruck, wer einen freund sucht ohne fehler bleibt ohne freundvon ihnen suchte aus der gläsernen Theke zwei Kuchenstückchen aus, ließ sie sich einpacken und bezahlte. Sie hat jedem noch einen kleinen Schoko-Weihnachts- mann geschenkt.

Die beiden waren schon fast wieder draußen, als der Kleinere sich um- drehte, den Rückweg zur Kasse antrat und ihr die Papiertüte vor die Nase hielt: “Das ist ja voll hänge! Welcher Spacko hat das erfunden?” Sie hat ihn fragend und auch ein bisschen erleichtert an- gesehen. Bei Jungs in dem Alter weiß man ja nie, damit hat sie schon ein- schlägige Erfahrungen gemacht. Aber statt etwas zu tun, was sie dazu gebracht hätte, nach der Pfefferspray- dose unterm Ladentisch zu greifen, zeigte er auf den Spruch auf der Tüte. Wenn jemand ohne Fehler sucht, suche der doch richtig, dozierte er, und werde dann auch einen Freund finden. Wenn der Satz  einen Sinn haben soll, müsse “ohne Fehler” vor “sucht” stehen.

Sie stimmte ihm zu, überlegte kurz und schlug ihm dann vor: “Meinetwegen kannst du gerne unsere Schrippentüten korrigieren.” Er habe doch ab morgen Weihnachts- ferien, erinnerte sie ihn. “Cool gekontert!”, fand er und sagte schmunzelnd beim Hinausgehen, dass er es sich überlegen werde.

=ensa=

“Liebling Kreuzberg” war, “Liebling Neukölln” kommt!

Als sich die Diplom-Modedesignerin Miriam Blaich und die Grafik-Designerin Christine Hornicke im Frühjahr 2011 in Berlin auf einem der zahlreichen De- signmärkte trafen, konnten sie noch nicht ahnen, dass sie schon ein halbes Jahr später gemeinsame La- densache machen wür- den: “Miriam und ich haben uns schon gefunden, sprich gemerkt, dass wir gemeinsam in unserer Ar- beit wachsen und uns ge- genseitig inspirieren. Mi- riam hat drei Jahre allein ihren Laden no mimikri in Kreuzberg geführt, was zwar gut lief, aber der Spaß blieb ein wenig auf der Strecke. Ich dagegen hab im letzten halben Jahr versucht meinen kreativen Stil zu finden und hab nach jemanden gesucht, der die Erfahrung mitbringt meine Kreativität zu kanalisieren. So ergänzen wir uns.”

Kurzerhand wurde der Entschluss gefasst, gemeinsame Sache zu machen. Nur einen Tag später trugen der Zufall und viel Glück ein passendes Ladenlokal im Reuterkiez an die beiden heran: “Miriam ist auf der Straße einer Freundin begegnet, die erzählte, dass sie ihr Geschäft mit Vintage und Handgemachtem aufgeben will. Einen Tag später haben wir den Laden besichtigt und sofort zugesagt.” Bei der Renovierung schlug die Mischung aus Zufall und Glück wieder zu. Unter der “relativ uninspirierend abgehängten Decke” stießen Miriam Blaich und Christine Hornicke auf eine Altbaudecke mit Stuck: “Leider gab es neben dem Stuck auch etwa 13 teils große Löcher mit rausragendem Stroh, die uns anfangs große Angst gemacht haben. Jetzt sind wir aber besonders stolz, dass wir jedes Loch selber gestopft haben.”

Auch die Suche nach einem Namen für den gemeinsamen Laden ließ sich das kreative Frauenpower-Duo nicht aus der Hand nehmen. “Liebling Neukölln” soll er heißen, das stand für die beiden schnell fest. Sie seien schließlich über 30 und  “Liebling Kreuzberg”, die An- waltsserie mit Manfred Krug, habe sie durch ihre Kindheit begleitet. “Aber natürlich funk- tioniert der Name auch ohne Serienkennt- nisse”,  ist Christine Hornicke überzeugt. “Unsere Produkte werden alle von uns selbst erdacht und gemacht, in allem steckt ein Teil von uns, und Neukölln gibt uns die Chance, damit Geld zu verdienen.” Miriam wohne bereits seit sechs Jahren in Neukölln und habe den Wandel des Bezirks in den letzten Jahren miterlebt – mit all seinen Vor- und Nachteilen: “Ich dagegen bin noch recht frisch aus Hamburg her gekommen, und Neukölln empfinde ich bisher sehr willkommen heißend, oft natürlich auch rotzig, aber hier ist noch viel Raum sich auszuprobieren.”

Morgen feiert  “Liebling Neukölln”  von 12 – 19 Uhr seine Eröffnung: Außer Sekt und Leckereien gibt es dann in der Pflügerstraße 78 b einen Rabatt von 10 % auf Mode von no mimikri, gudbling-Schmuck, Wohnaccessoires von gudstav und illustrierte Papierwaren von OH JA OK.

Regulär wird der Laden von Dienstag bis Samstag zwischen 12 und 19 Uhr geöffnet sein.

=ensa=

Neuköllner Hängepartien

Zwar wissen auch die Neuköllner durch den inflationären Zuzug von Straßencafés längst, dass Hindernisse auf Bürgersteigen sinnvollerweise links oder rechts zu umgehen sind. Trotzdem geht mancher Dienstleister oder Einzelhändler mit seinen Exponaten doch lieber auf Nummer sicher.

Eingetütet

Wer sich in Neukölln einigermaßen auskennt, weiß oder mutmaßt, dass es kaum etwas  gibt, was man im Bezirk  nicht verkaufen  oder auch kaufen kann. Legal  ist das

nicht immer, in diesem Fall aber schon. Denn mit einem Seelenverkäufer im herkömmlichen Sinne hat die Bäckereikette, die momentan zwei Seelen mit Käse, Oliven oder Bärlauch zum Sonderpreis anbietet, so gar nichts zu tun.

Da kriegt man sooo ‘nen Hals!

Wer das in Neukölln zu hören bekommt, muss es nicht zwangsläufig mit jemandem zu tun haben, der gerade vor Wut brodelt. Es könnte auch ein Shopping-Tipp sein.

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