Nicht des Blickes wert

Neulich in Neukölln: Zwei junge, mit  Wasserballkappen  behütete Leute machen ein Stück  Bürgersteig der Richardstraße zum Set  für eine Fotosession, knipsen sich ge-

wasserballkappen-fotosession_neukölln

genseitig in verschiedenen Posen, haben mächtig Spaß dabei – und kaum jeman- den interessiert’s. Eine ähnliche Szene, die sich am Alexanderplatz abspielte, hielten jüngst die Kollegen von der Berliner Zeitung im Bild fest. Was wieder einmal beweist: Neukölln steht Mitte beim Coolness-Faktor in nichts nach.

Ja, wo denn nun?

Wer in Neukölln die Braunschweiger Straße 51 gesucht und gefunden hat, nun vor dem Haus mit  den roten Balkonen steht und das kleine Schild mit der Aufschrift  Thü-

braunschweiger straße_thüringer straße_neukölln

ringer Str. 17 erblickt, könnte zu zweifeln beginnen, ob er wirklich da ist, wo er sein will. Dafür gibt es aber keinen Grund: In Frakturschrift wird dort lediglich daran erin- nert, dass die Braunschweiger Straße bis zum 31. Mai 1964 Thüringer Straße hieß und das heutige Haus mit der Nr. 51 damals die Nummer 17 hatte.

Klar wie Kloßbrühe

Normalerweise  sind  Neuköllner für  ihre unmissverständliche   Ausdrucksweise  be-

pupser kindermode_neukölln

kannt. Das spiegelt sich außer beim Zwischenmenschlichen auch oft bei der Namensgebung für ihre Läden wider. Umso auffälliger ist  es, wenn  jemand  von die-

öffnungszeiten_neukölln

sem Gebaren abweicht und mit vielen Wörtern etwas ausdrückt, was letztlich doch nur weitere Fragen statt Klarheit ergibt.

Weich fallen

Wer die ersten Versuche auf Inline-Skates unternimmt, kennt das Gefühl: Etwas schneller als im Schneckentempo möchte man schon vorankommen, aber auch nicht

Heuskaten_Neukölln

zu rasant, und wenn man stürzt, dann soll es bitte nur mäßig weh tun. Zumindest letzteres ist auf dieser Teststrecke vor einem Haus in Neukölln gewährleistet. Àheu!

Nichts für den ersten Blick

Manchmal  kommt – wie dieses Bild beweist – StreetArt  in Neukölln subtil  daher und

streetart_neukölln

verrät erst bei genauem Hinsehen ihren Sinn (oder Unsinn). Insofern unterscheidet sich die Kunst auf der Straße kein bisschen von der, die manchmal, angekündigt von verschwurbelten Beschreibungen, in Galerien und Ateliers gezeigt wird.

Gefahr gebannt

Füchse, die vor Autos oder Radfahrern über die Straße huschen oder wie angewurzelt mitten auf der Fahrbahn stehenbleiben. Ratten und Marder, die – so selbstverständ- lich wie Hunde, Katzen oder Fußgänger – von einer Straßenseite auf die andere wechseln. All das ist in  Neukölln nichts Ungewöhnliches. In anderen  Bezirken muss

trophäen_fantasiakulisse neukölln

man auf die Begegnung mit wesentlich größeren Exemplaren der Tierwelt gefasst sein. Ein Wildschwein gibt es in der Flughafenstraße zwar auch, aber das kann keine Schäden mehr anrichten, sondern ertrödelt oder ausgeliehen werden.

Alles so schön bunt hier

Ein Mann im rosafarbenen Anzug, das an sich ist schon ein Hingucker – nicht nur in einem Berliner Winter, der als bisher trübster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in den meteorologischen  Annalen dokumentiert werden wird. Aber darum, sein Outfit

obstpräsentation nach thai-art_neuköllntropische früchte_neukölln

zu präsentieren, ging es ihm gar nicht. Auf die tropischen Früchte sollte die Aufmerksamkeit der Passanten am Herrfurthplatz gelenkt werden, wo heute wieder der Wochenmarkt aufgebaut wird. Nein, verkaufen wolle er sie nicht, sondern sie nur als kunstvoll aufgetürmtes Arrangement zeigen, wie es in Thailand üblich ist. Außerdem wolle er mit der bunten Exotik von A wie Ananas über P wie Pitahaya bis Z wie Zitrone einen Kontrapunkt zum grauen Neuköllner Himmel setzen. Seit gestern sieht der schon sehr viel freundlicher aus.

Neuköllner Treibgut

Schwäne und Enten, Ausflugsdampfer, in der Strömung dümpelnde Müllsäcke, Men- schen  in  Schlauch- oder  Paddelbooten – das  gehört für  alle, die mit  Sicht auf  den

wasserwanderer_neuköllner schiffahrtskanal_foto matte blues

Neuköllner Schiffahrtskanal wohnen, zum alltäglichen Anblick. Jemanden beobachten zu können, der auf einem Surfboard stehend in Richtung Landwehrkanal treibt, gehört definitv (noch?) nicht  dazu.

Mitnehmen unerwünscht

Normalerweise läuft es in Neukölln und anderen Berliner Bezirken so: Man braucht irgendwas nicht mehr, entsorgt das für die Mülltonne zu große Teil vor der Haustür sperrmüll mit funktion_neuköllnund früher oder später kommt die Berliner Stadt-reinigung (BSR), um das Indiz für die Vermüllung der Hauptstadt abzutranspor- tieren. Den, dem es einst gehörte, freut’s, weil er sich die Fahrt zum Wert- stoffhof gespart hat – und alle bezahlen dafür.

Entschieden anders ist die Sachlage vor einer Haus- tür in Neuköllns Donau- straße. Dort ist man nun dazu übergegangen, eine ausgediente weiße Schranktür – sprich: vermeintlichen Sperrmüll – als Wand zu deklarieren und diese unmissverständlich formuliert gegen die grassierende To Go-Mentalität zu verteidigen.

Chillen lassen

Einfach  mal entspannt  zurücklehnen und die Beine  baumeln lassen. Es müssen  ja

balkon_flughafenkiez neukölln

bei diesen Temperaturen und in der luftigen Höhe der 4. Etage nicht unbedingt die eigenen sein, wie hier auf einem Neuköllner Balkon demonstriert wird.

Berauschend

Was  auch immer  das ist, es ist  in der Braunschweiger Straße in Neukölln  und lässt

rauschecafe_neukölln

alle fragend zurück, die immer zur falschen Zeit an diesem Ort sind: Rauscht es in dem Café wie am Meer? Kann man sich dort ordentlich berauschen? Oder geht es gar nicht ums Rauschen, sondern ums Rauchen?

Wie die Zeit vergeht …

“Das kann doch wohl nicht sein, dass die es immer noch nicht geschafft haben, die Weihnachtsbeleuchtung  aus  den  Bäumen zu holen”, empört  sich  eine  Anwohnerin

weihnachtsbeleuchtung richardplatz_neukölln

des Richardplatzes. Die Adventszeit ist längst vorbei, der Alt-Rixdorfer Weihnachts- markt noch länger her. “Besser werden die Kabel und Glühbirnen dadurch bestimmt nicht”, ist die Frau überzeugt. “Aber Neukölln hat’s ja.”

Einige hundert Meter Luftlinie entfernt, in einer Parallelstraße der Karl-Marx-Straße, hängt derweil an einem Strauch in einem Hinterhof  noch der Osterschmuck vom letz-

ostereier im winter_neukölln

ten Jahr. Nur noch zwei Monate, dann sind die bunten Plastikeier wieder aktuell.

Ladenhüter

Wenn überall Originale in verschiedenen Formaten, Güte- und Gewichtsklassen  zum

riesenschneeball_neuköllndeko-schneebälle_tedi neukölln

Mitnehmen herumliegen, sinkt das Interesse an käuflich zu erwerbenden Kopien.  Drastische Preisnachlässe sind die Folge, am Ladenhüter-Dasein der künstlichen Schneebälle ändern aber auch die nichts.

Der kluge Neuköllner …

stretch-limou_neukölln

… parkt natürlich nicht in der 2. Reihe, wenn er mit der Stretch-Limousine in Neukölln den Discounter seines Vertrauens angesteuert hat, um durch die Knöllchen- vermeidungsstrategie und beim Einkauf zu sparen, was er lieber an der Zapfsäule investiert.

Ein Herz fürs Grün

ampel mit herz_neukölln

Mancher Neuköllner braucht offensichtlich keine ganzen Hauswände, um seine Bot- schaften zu hinterlassen, sondern kommt mit weniger Fläche aus. Auf Hinweise, ob die Liebe der grünen Welle, den Neuköllner Grünen oder der Farbe Grün an sich gilt, muss da aber aus Platzgründen verzichtet werden.

Enttarnt

Dass Schuhe paarweise an Neuköllner Ampeln, Verkehrs- oder Straßenschildern hängen, ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Wenn aber in einer schnöden, fast herbstlich kahlen Linde gleich mehrere Paare baumeln, dann guckt man doch etwas genauer hin und zählt … in diesem Fall bis 7!

Weite Kreise

Im Hauptbahnhof der Stadt Nürnberg gilt seit dem vergangenen Wochenende ein striktes Alkoholverbot. Nun denken die Stadtoberen auch darüber nach, das Unter- sagen des Genusses alkoholischer Getränke auf den Bahnhofsvorplatz auszuweiten.

In Neukölln hat man da längst weitere Kreise gezogen. Alkoholverbot außerhalb des Cafébereiches  besagt  ein Schild, das vom  Neuköllner Bezirksamt in  Richtung Bür-

gersteig am Rande des “La Grappa”-Areals auf dem Rathausvorplatz angebracht wurde. Kann das etwas anderes als den Umkehrschluss zulassen, dass Alkohol in Neukölln nur noch rund um den Café-Pavillon am Rathaus konsumiert werden darf und das Bier auf einer Parkbank in der Hasenheide ebenso verboten ist wie der Alcopop auf dem Elsensteg?

Entledigt

Wenn die Blätter der Bäume von sattem Grün zu leuchtenden Gelb-, Orange- und Rot-Tönen wechseln oder in welken Braun-Nuancen auf den Bürgersteigen liegen, scheint das auch manche Neuköllnerin zu inspirieren, spontan von knalligem Pink auf eine neue Klamottenfarbe umsteigen zu wollen.

Very britzish

friedhof koppelweg britz, berlin-neukölln, tag des friedhofs 2012“Humor haben sie ja, die Britzer” – das könn- te denken, wer diese Fahne über dem Fried- hof Koppelweg flattern sieht. Auch die Vermu- tung, sie wäre zum Tag des Friedhofs gehisst worden, liegt nahe. Der aber hatte in diesem Jahr mit “Kein Ort wie jeder andere” ein an- deres Motto.

Stattdessen ist die Auf- forderung “Es lebe der Friedhof!” eine Kampa- gne vom Bund deut- scher Friedhofsgärtner, die die Friedhöfe so als kreative und inspirieren- de Orte in die Mitte der Kultur und Gesellschaft rücken wollen.

Auf Prävention gesetzt

Auch für Einbrecher wird Neukölln laut  Kriminalitäts-statistik 2011 immer attrak- tiver. Umso wichtiger ist Prävention geworden, und die geht zuweilen über die Sicherung von Türen und Fenstern hinaus. So informiert beispielsweise eine Arztpraxis potenzielle Kriminelle per Aushang an der Eingangstür darüber, dass nichts zu holen ist: Hier werde kein Bargeld aufbewahrt und würden wertvolle Medikamente abends mit nach Hause genommen. Außerdem seien alle vorhandenen Computer etwa ein halbes Jahrzehnt alt und älter. Kleiner Aufwand, große Wirkung.

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