Entrückt

remass-rückenmassage-sessel_neukölln arcadenEr ist weniger als einsilbig. Keine Begrüßung, kein “Nehmen Sie doch Platz!”, keine Frage, ob es irgendwo zwischen Schultergürtel und Hüfte akut zwickt oder ob man nur auf eine Auszeit und ein wenig Entspannung aus ist. Nicht mal über die Bezahlung seiner Dienste per Vorkasse redet er; das übernimmt ein schlankes Etwas, das remass-freimünzestoisch an seiner Seite steht, viersilbig: Münze einwerfen!

Nachdem das erledigt ist, legt er los. Ohne sensitives Vorgeplänkel, sondern so ruppig, dass man sich fragt, welche Kräfte er wohl zum Einstieg freilegt, wenn ihm nur vier statt – wie jetzt – 10 Minuten Zeit zur Verfügung stehen. Wie zwei kräftige Fäuste fühlt sich an, was sich vertikal über die Muskulatur links und rechts der Wirbelsäule schiebt. Würde er fragen, ob es so angenehm ist, bekäme er ein Ja zur Antwort. Denn Massagen bedeuten neben Berührungen schließlich auch, dass Muskeln an ihre Anwesenheit erinnern. Aber der ReMass-Massagesessel fragt nicht nach, neukölln arcadener weiß, dass er seinen Job gut macht und das Prinzip der Shiatsu-Technik perfekt beherrscht, weil er so programmiert ist.

Der Duft gebrannter Mandeln wabert von den Oster-Jahrmarktständen im Erdgeschoss der Neukölln Arcaden bis in die Ruhezone in der 2. Etage, wo sechs als Sessel getarnte Masseure bereitstehen. Viele, die sich hier nie- derlassen, nutzen sie als bloße Sitzmöbel und verzichten auf das Plus an Ent- spannung, das die jeweils vier, menschlichen Händen nachempfundenen Mas-neukölln arcaden_dacharchitektursageköpfe in den Rückenlehnen zu be- scheren vermögen. Nach dem ruppigen Auftakt zeigen sie, dass sie auch anders können: zart streichen, behaglich rollen und sanft kneten.

Bloß die Augen offen halten, um nicht ein- zudösen. Der Trubel und die Geräusch-kulisse der Shoppingpassage scheinen weggedimmt. Eine wohlige Wärme breitet sich auf dem Rücken aus. Bei einem Masseur mit zwei Beinen und zwei Händen wäre nun ein Lob angebracht, bei einem remass-rückenmassageSessel sollte besser davon abgesehen werden. Auch wenn er es verdient hätte.

Die letzte Minute läuft. Für einen Euro, zwei Euro oder 2,50 Euro könnte es in eine vier-, 10- oder 14-minütige entspannende Verlängerung gehen. Doch für die ist leider keine Zeit. Im Display erscheint der Hinweis “Massa- gesessel fährt in Grundstellung”. Bei einem Masseur würde man sich nun bedanken und gleich den nächsten Termin vereinbaren. Hier ist das unnötig.

Zum heutigen Tag der Rückengesundheit verschenkt die Firma ReMass Freimünzen für eine zehnminütige Massage. Diese werden nur noch heute von der Vita-Apotheke im 1. OG der Neukölln Arcaden ausgegeben und sind zeitlich unbegrenzt gültig.

=ensa=

Premiere innerhalb des S-Bahn-Rings

gropiusstadt-ausstellung_neukölln arcadenSo weit im Norden war sie noch nie: Nach drei Stationen im Süden des Bezirks ist die Ausstellung “Mieter, Planer, Architekten. Wer schrieb die Ge- schichte der Gropiusstadt?” nun zum Finale in den Neukölln Arcaden angekommen. Auf der Sonderfläche im Erdgeschoss nahe dem Haupteingang, wo sonst meist Taschen, Remittenden oder Saisonartikel ver- andrea klahold+julia dilger_neukölln arcadenkauft werden, kann man jetzt in Bezirkshistorie und -kultur stöbern und sie – in Form eines Le- porellos – sogar gratis mitnehmen.

15 bebilderte Texttafeln skizzieren die Entwicklung des Neuköllner Ortsteils Gropiusstadt, der seit einem halben Jahrhundert als Hochhaussiedlung bekannt und Zuhause von rund 36.000 Bewohnern ist. Natürlich geht es in der Ausstellung auch um Architektur, “aber im Mittelpunkt stehen Menschen, die die Vergangenheit der Siedlung geprägt haben, die Gegenwart prägen und die Zukunft gestalten wollen”, sagt Julia Dilger (r.) vom Mobilen Museum Neukölln, das die Ausstellung anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Siedlung gestaltete.

Sie dorthin zu bringen, wo Kulturelles nicht erwartet wird und so auch Nicht-Museumsgänger zu erreichen, ist das zentrale Anliegen der mobilen Einrichtung. “In Einkaufszentren hat man wirklich ein ganz anderes, viel breiteres Publikum als in Galerien und Museen”, bestätigt Andrea Klahold (l.), die Centermanagerin der Neukölln Arcaden. “Deshalb ist die Bündelung von Einkauf von Ausstellungsraum, die durch  die Angebote des Mobilen  Museums möglich  ist,  auch für uns  eine  sehr

mobiles museum neukölln_gropiusstadt-ausstellung_neukölln arcadengropiusstadt-ausstellung_mobiles museum neukölln_neukölln arcaden

attraktive Sache.” Schon beim Aufbau der Schautafeln, hat sie beobachtet, seien viele Menschen stehengeblieben, um sich die Exponate anzusehen.

Über 100 Besucher hat das Mobile Museum Neukölln täglich gezählt, als die Gro- piusstadt-Ausstellung zuletzt im Wutzky-Center in Rudow gastierte: “Echte Besucher. Also keine, die sich nur im Vorbeigehen die Fotos angeguckt haben.” Das dürfte nun am nördlichsten Standort locker zu toppen sein.

“Mieter, Planer, Architekten. Wer schrieb die Geschichte der Gropiusstadt?” ist noch bis zum 2. März in den Neukölln Arcaden (Öffnungszeiten: Mo. – Sa. 6.45 – 23 Uhr, So. 12 – 20 Uhr) zu sehen. Von dienstags bis freitags zwischen 10 und 18 Uhr ist ein Mitarbeiter des Mobilen Museums Neukölln vor Ort, um Fragen zur Ausstellung zu beantworten.

=ensa=

“Unser Leben in Neukölln” lässt Zeitzeugen erzählen

“Das ganze Gebiet hatte etwas von den Trümmerwüsten, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg überall in Berlin zu finden waren”, erinnert sich Anna-Maria Fenske. wasserturm leykestraße kopfstraße_neuköllnUnheimlich sei es gewesen, von ganzen Häuser- blocks nur noch die Kellerfundamente sehen zu skulptur sonne_rollbergviertel neuköllnkönnen – und bewohnte Häuser drumherum. Le- diglich rund 40 Jahre liegen die Ereignisse zurück, die die Neuköll- nerin beschreibt. Auf dem, was damals Trüm- merwüste war, entstand das Rollbergviertel. Anna- Maria Fenske ist die jüngste von acht Zeitzeuginnen und -zeugen, die in ihren Erinnerungen nebst Foto- alben kramten und kleine, subjektive Kapitel der Alltagsgeschichte des Bezirks für die nun erschienene 36-seitige  Broschüre “Unser Leben in Neukölln …” verfassten.

Im Mittelpunkt der Erzählungen stehen Erlebnisse und Eindrücke von den 1920er Jahren bis heute. Die Aspekte Wohnen, Freizeit und Einkaufen gaben das thematische Gerüst vor. Sie wurden zunächst im von Ursula Bach geleiteten Geschichtsgesprächskreis der Volkshochschule Neukölln behandelt, an dem auch die Zeitzeugen teilnahmen. Ihre Erinnerungen in Buchform zu veröffentlichen, war eine recht spontane Idee, die, so Bach, auf dem Anliegen fußt, “durch die selbst- erlebten konkreten Erfahrungen ein vhs-broschüre_ unser leben in neuköllnStück Bezirksgeschichte lebendig  zu machen.”

Zurück in die Nachkriegszeit führt das Kapitel Freizeit: “Das Leben fing an, wieder Freude zu machen”, resümiert Karl-Heinz Krause in seiner Erzählung. Erika Fehling erinnert u. a. an das mit finanzieller Hilfe der Amerikaner gebaute Columbiabad: “Dort gab es einen Sprungturm mit Zehn-Meter-Brett, damals (1951) eine Sensation!”

Ein Zeitfenster von rund 90 Jahren öffnet indes das Kapitel Wohnen. Die Bedin-gungen, unter denen man in den 1920er Jahren in den Neuköllner Kiezen lebte, werden ebenso thematisiert wie die Kahlschlagsanierung des Rollbergviertels, Hausbesetzungen im Reuterkiez und Umzüge, die etappenweise zur Verbesserung des eigenen Wohnstandards führten.

Die Vielzahl und Vielfalt der Einzelhandelsgeschäfte, wie sie zwischen 1960 und Mitte der 1980er Jahre in Nord-Neukölln noch anzutreffen waren, spiegeln die Erzählungen im Kapitel Einkaufen wider:  Helga Wirths vergleicht in ihrer das heutige Angebot in der Reuter- und Pflügerstraße mit dem der 1970er Jahre. Jürgen Schäfers Fokus liegt auf der Weser- und Elbestraße um 1960, richtet sich aber auch auf die Karl-Marx-Straße: “Ich habe heute noch den Geruch des gepflegten Holzparketts in der Nase ehemaliges hertie-haus neukölln,karl-marx-straßeund denke gerne an die dort verbrachten Stunden zurück. Am Haupteingang gab es einen Pförtner, bei dem man auch seinen Hund für die Zeit des Einkaufs abgeben konnte“, erinnert er an das vor sieben Jahren geschlossene Hertie-Kaufhaus, das nach Ent- kernung und Komplettumbau 2010 als Shop- pingcenter wiedereröffnet wurde.

Für alle, die erst seit wenigen Wochen, Mo- naten oder Jahren Neuköllner sind, ist die Broschüre eine gute Gelegenheit, mehr über den Bezirk und das Leben zwischen S-Bahn-Ring und Hermannplatz vor ihrer Zeit zu erfahren. Bei Alt-Neuköllnern dürfte die Lektüre zahlreiche verschüttete Erinnerungen wachrufen.

Am 28. Januar um 17 Uhr wird die Broschüre “Unser Leben in Neukölln” in der  Stadtbibliothek  in den Neukölln Arcaden vorgestellt. Das Heft ist außer- dem kostenlos in der Geschäftsstelle der  VHS Neukölln  erhältlich.

Der nächste von Ursula Bach geleitete Geschichtsgesprächskreis behan- delt das Thema  “Von der Schule zum Beruf”, beginnt am 11. Februar und umfasst 10 Termine.

=ensa=

Neuer Fall für Hauptkommissar Magnus in Neukölln

Ein Zelt aus farbenfrohen wallenden Stoffbah- nen, über dessen Eingang ein grinsendes Gesicht hängt. Eine HiFi-Anlage samt Laut- sprecherboxen auf zwei zusammengeschobe- nen Tischen. Kahle Panoramafenster, durch die das trübe Licht des Spätnachmittags fällt. Stuhlreihen für die Zuhörer. Es war wahrlich kein stimmungsvolles Ambiente, das Dirk Josczok in der Neuköllner Stadtbibliothek bei der Vorführung seines  Hörspiel-Krimis dirk josczok, stadtbibliothek neukölln“Heldentod”  um- gab. Auch im Publikum herrschten leise oder auch lauter ausgesprochene Zweifel, ob in einer solchen Atmosphäre Span- nung aufkommen und die Zuhörer er- greifen kann.

Das Gerumpel einer U-Bahn, ein schrei- endes Baby, die auf Beruhigung bedachte Stimme einer Mutter, das Gepöbel zweier Jungmänner: In gewöhnungsbedürftiger Lautstärke dröhnt die Kakophonie des Berliner Untergrunds durch den Raum. Als die U7 in die Station Grenzallee eingefahren ist, Mutter, Kind, ein zivilcouragierter Passant sowie die Pöbler die U-Bahn verlassen haben und Ingo Struck, einer der beiden jungen Männer, tot und mit zertrümmertem Kehlkopf auf dem Bahnsteig  liegt, ist das bunte Zelt vergessen.

Hauptkommissar Kurt Magnus und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Wes- halb hat sich der Fahrgast, der Yana Bischof und ihr Baby erst vor den Beläs- tigungen der beiden Männer schützte und schließ- lich im Streit tödlich verletzte, klammheimlich vom Tatort verdrückt? Wer ist er? Bischofs Beschrei- bung des Helfers bringt die Beamten kein biss- chen weiter, denn die ist – aus Dankbarkeit und um den Mann vor Schwierigkeiten zu bewahren – sehr bruchstückhaft. Auch dass sie sein bei der Rangelei verlorenes Handy eingesteckt hat, verheimlicht die Frau. Nicht ahnend, in welche Gefahr sie sich selber begibt, trifft sich Yana Bischof mit ihrem Retter, um ihm sein Telefon zurück zu geben, in einer Eisdiele in den Neukölln Arcaden. Dass der Mann mit der auffälligen Narbe bei der Polizei kein Unbekannter ist, weiß sie nicht. Das ergaben zwei am Tatort gesicherte Fin- gerabdrücke, die mit dem noch unaufgeklärten Mord an Gudrun Vollberg übereinstimmten. Der fesseln- de Plot mit Neuköllner Lokalkolorit steuert unauf- haltsam auf einen  dramatischen Schlusspunkt  zu.

Die Anspannung der Zuhörer löst sich langsam, als Dirk Josczok vor die Stuhlreihen tritt und anbietet, Fragen zu beantworten. Wann er das Stück ge- schrieben habe, will eine Frau wissen. Die Eisdiele Tiziano sei doch schon lange nicht mehr in der 1. Etage der Neukölln Arcaden. 2009 habe er mit “Heldentod” angefangen, erklärt der Autor und schildert seine Ar- beitsweise: “Die macht immer viel Arbeit für die Regie, weil ich vom Film komme und deshalb oft heftige optische Sequenzen in meinen Hörspielen unterbringe, die dann umgesetzt werden müssen.” In die Handlung fließe indes oft ein, was er selber schon miterlebt habe. Die U-Bahn-Szene in “Heldentod” gebe eigene Eindrücke aus Fahrten mit der U7 wieder, verrät der Kreuzberger. “Haue”, sagt er, “hab ich aber nicht während einer U-Bahn-Fahrt durch Neukölln bekommen, sondern im Wedding.”

Dirk Josczoks zweiter Hörspielkrimi um Hauptkommissar Kurt Magnus ist auch wieder in Neukölln angesiedelt, heißt “Zahltag” und wird am 10. De- zember ab 21.33 Uhr bei Deutschlandradio Kultur gesendet.

=ensa=

Untergang der MS Neukölln?

Viel Luft nach oben, viel Aussicht, viele freie PKW-Abstellflächen, die nie angesteuert werden, viel  Platz, der anderweitig  genutzt  werden  könnte – das ist das  Parkdeck 6

parkdeck 6 neukölln-arcaden

der Neukölln Arcaden. Eigentlich sollte es dort längst anders aussehen: Bereits vor zwei Jahren kündigte der Newsletter der [Aktion! Karl-Marx-Straße] das Anlegen und Ankern der  MS Neukölln auf dem Parkdeck  für den Mai 2011 an. Doch zwischen- zeitlich scheint der Kulturdampfer vom Kurs abgekommen oder ganz untergegangen zu sein.

“Weshalb die Pläne nicht realisiert wurden oder ob das noch passieren wird, wissen wir auch nicht”, teilte Alexander Matthes von der [Aktion! Karl-Marx-Straße] heute auf Anfrage mit. Seinerzeit sei die Sachlage die gewesen, dass ein Bauantrag vorgelegen und es mit Klangsucht einen Projektträger gegeben habe, der sich Sponsoren und Kulturveranstalter als Kooperationspartner zur Umsetzung der Pläne ins Boot holen wollte.  “Momentan sieht es aber danach aus, dass das nicht geklappt hat”, sagt Matthes, der ob des extrem lockeren Kontakts zum Projektträger nur Vermutungen anstellen kann. “Eine konkrete Absage liegt uns jedenfalls noch nicht vor”, betont er. Ebenso, dass  bislang keinerlei Fördermittel an das Projekt gegan- gen seien: “Dann wäre auch die Zusammenarbeit eine engere und der Informations- fluss besser.”

Von Klangsucht war keine Stellungnahme zum Thema MS Neukölln zu bekommen: Telefonisch sind die Eventveranstalter nicht zu erreichen und eine E-Mail kam mit dem Hinweis “mailbox is full” zurück.

=ensa=

Temporärer Hochgenuss im Neuköllner Süden

Die Gropius Passagen, Berlins größtes Shopping-Center, sind für viele Nord- Neuköllner der Grund schlechthin, ab und zu mal zu einer Tour in den Süden des Bezirks aufzubrechen. Aktuell gibt es weitere gute Anlässe, es zu tun: Der spektakulärste steht seit 43 Jahren in der Fritz-Erler-Allee, hat 29. Stockwerke, auf die 228  Wohnungen  verteilt  sind, und einen  Panoramaraum  in der 30.  Etage, der mo-

ideal-hochhaus, gropiusstadt berlin-neukölln ideal-hochhaus, gropiusstadt berlin-neukölln

mentan  Sky-Lounge  heißt. “Normalerweise ist der Raum nicht öffentlich, sondern ein Gemeinschaftsraum für die Mieter des Hauses”, erklärt Uwe Jonas, der Pro- jektleiter der Sky-Lounge. Doch anlässlich der Festivitäten um das 50-jährige Jubiläum der Gropiusstadt  ist er nun für jedermann zugänglich.

Knapp 39 Sekunden braucht der Aufzug für die Fahrt in den 29. Stock. Dann sind es nur noch wenige Stufen, bis die Dachetage des 91 Meter hohen Ideal-Hochhauses und die Sky-Lounge erreicht sind. Von 14 Künstlern wurde der einst recht zweckmäßig gehaltene Raum in eine Kunst- und  Cocktailbar mit  Wohlfühl-Ambiente

panorama berlin, ideal-hochhaus gropiusstadt neukölln

verwandelt. Das Grandioseste war jedoch schon vorher da: die Aussicht über Berlin und weite Teile Brandenburgs.

Die Sky-Lounge im Ideal-Hochhaus ist  noch bis zum 4. September (Mo. – ideal-hochhaus, gropiusstadt berlin-neuköllnDo. 18 – 23 Uhr, Fr. + Sa. 19 – 1 Uhr, So. 13 – 20 Uhr) geöffnet. Programm: Musik mit Mafutu (heute), Musik mit Vicious V (18.8.), Lesungen (am 19. und 26.8. sowie 2.9.), Musik mit M. Freerix (22.8.), Musik mit J. Palmtag (23.8.), Musik mit Mo Magic (24.8.), Musik mit Madame Scandaleuse (29.8.), Musik mit Subterraneans (31.8.), Musik mit Frederik (1.9.)

=ensa=

Gnadenloser Gegner Waage

Selbstvertrauen ist eine Sache, Selbstbewusstsein – wenn man den Begriff wörtlich nimmt – eine andere. Das musste jedenfalls gestern Nachmittag Artur Hermann ibo champions night im huxley's, offizielles wiegen in den neukölln arcadenerfahren. An ersterem mangelte es dem 23-Jährigen nicht.  “Der Typ kann sich auf was gefasst machen”, kündigte er an, als in den Neukölln Arcaden einige der Boxer vorgestellt wurden, die heute Abend bei der IBO Champions Night im Huxleys Neue Welt  in den Ring steigen wollen.

Insgesamt 13 Kämpfe mit Boxern aus 10 Ländern stehen auf dem Pro- gramm. Der von Artur Hermann ge- ibo champions night im huxley's, offizielles wiegen in den neukölln arcadenhört  zu den Hauptkämpfen. Dabei geht es für den seit sieben Faustduellen ungeschlagenen Neuköllner um nichts Geringeres als den ersten Titel als Profiboxer und den Gürtel für die IBO-Junioren-Weltmeisterschaft  ibo champions night im huxley's, artur hermann, offizielles wiegen in den neukölln arcadenim Mittelgewicht.

Doch gestern hieß es erstmal für Artur Hermann sowie die anderen Faustkämpfer: Ab zur Passkontrolle, zur Unterschrift, dass die Boxerei auf eigene Gefahr geschieht und dann ibo champions night im huxley's, jennifer retzke, offizielles wiegen in den neukölln arcadenauf die Waage – offiziell und öffent- lich! Die schon mit einem IBF-Weltmeis- ter-Titel dekorierte Jennifer Retzke, die heute im einzigen Frauenkampf auf Marie Riederer trifft, schlug sich dabei bravourös. Nach ihr präsentierten weitere ibo champions night im huxley's, offizielles wiegen in den neukölln arcadenBoxer die Ergebnisse ihrer ambitionierten Vorbereitung. Dann kam Artur Hermann, zeigte dem Publikum seine Bizeps nebst einem siegessicheren Grinsen und stieg auf die Waage, um die der  Kreis der Offiziellen immer enger und ihre Blicke immer ernster  wurden. Mittelgewicht, das bedeute ein Körpergewicht von maximal  72,5 Kilogramm, teilte der Sprecher mit, bevor er dem sichtlich überraschten Boxer dessen aktuelles Gewicht mitteilte und verkündete: “Du hast jetzt  zwei Stunden Zeit, um  800 Gramm  runter zu kriegen, Artur. Dann wird wieder gewogen!” Mental sichtlich angeschlagen verließ der Neuköllner das Scheinwerferlicht des Shopping Centers. Ziel: die nächste Sauna!

=ensa=

Verklärt

özdilek-filiale neukölln arcadenWenn die [Aktion! Karl-Marx-Straße] über Neuigkeiten oder Veränderungen entlang der Karl-Marx-Straße informiert, fällt das gerne ein wenig blumiger aus als real ersichtlich ist. “Jung, bunt, erfolgreich” – mit  diesen Begriffen soll, geht es  nach dem vom Bezirksamt eingesetzten [Aktion! Karl-Marx-Straße]-Team, Neuköllns Haupt- özdilek-filiale neukölln arcadenstraße einmal charakterisiert werden.

Folglich wurde auch dem Beitrag über die Eröffnung der Özdilek-Filiale in den Neukölln Arcaden, der im aktuellen Newsletter erschienen ist, wieder eine Überdosis Erfolgsgeschichte eingehaucht. Seit dem 5. März bietet die Firma in der Ladenpassage an der Karl-Marx-Straße ihre Haushalts- und Heim- textilien an. Die erste Filiale des türkischen Global Players in Deutschland sei es, und hochkarätige Gäste hätten sich zur Eröffnung eingefunden, ist dem  [Aktion! Karl-Marx-Straße]-Newsletter  zu entnehmen.

Inzwischen eröffnete Özdilek eine zweite Filiale in den Wilmersdorfer Arcaden”, verrät der Schlusssatz des Textes. Das klingt nach einer Vorreiterrolle für Neukölln, nach einer Pole Position. Ein Anruf bei der Özdilek-Filiale im Bezirk Wilmersdorf stutzt die Verhältnisse dann aber gehörig zurecht. Die überraschende Antwort auf die Frage, wann dort Eröffnung gefeiert wurde: “Am 5. März war das.”

=ensa=

Und das in Neukölln …

Wirklich kurz ist der Aufenthalt in einer Bibliothek nur für die, die lediglich Bücher abgeben wollen. Sonst dauert er länger. Wie lange, das hängt in erster Linie davon ab, wie konkret die Vorstellungen bezüglich der Leih-Lektüre sind. Je mehr Bücher hör(spiel)box, stadtbibliothek neukölln, lesen und schreiben e.v., krimoangelesen werden müssen, um eine Entschei- dung treffen zu können, desto mehr Zeit vergeht.

Nun könnte die Verweildauer der Nutzer in der Stadtbibliothek Neukölln weiteren Aufwind be- kommen: dank einer blauen Box, die das Ergeb- nis eines Projekts der Künstlerin krimo mit Teilnehmern der Alphabetisierungskurse beim Lesen und Schreiben (LuS) e. V. ist. In ihr steckt das Hörspiel “Und das in Neukölln – Die Ratte Rix, ihre Freunde und der Raub des roten BMWs”. Etwa ein Jahr hätten nach ersten technischen Experimenten die Arbeiten daran gedauert, rund 20 Leute seien beteiligt gewesen, erzählt krimo.

Aus 12 kurzen Episoden ist ein flotter Streifzug durch den Norden des Bezirks entstanden. Eine von den LuS-Lernern  erdachte und geschriebene Geschichte um die Ratte Rix, einen BMW-Fahrer, den Reporter Rudi Rastlos und andere Personen und Tiere zieht sich als roter Faden durch das Hörspiel. Unterbrochen wird die phantasievolle Fiktion von Interviews, die die ehemaligen funktionalen Analphabeten mit Angestellten verschiedener Neuköllner Institutionen über deren Arbeitsalltag führten: Dass Bezirksbürgermeister Buschkowsky zuweilen in der Rathaus-Kantine anzu- treffen ist, erfährt man da beispielsweise. Ebenso, dass es schon vorkam, dass Tauben durch offene Fenster in Rathausbüros flatterten, um dort ihre Runden über den Schreibtischen zu drehen.  Und der Kassiererin des Stadtbads Neukölln entlockten die Hörspielmacher den Namen eines prominenten Schauspielers, der häufig zu den Badegästen gehört.

Ergänzend zum Hörspiel finden sich in der Box von den LuS-Schülern gelesene eigene Stücke und Texte, die noch mehr Gründe dafür liefern, dass der Besuch der Bibliothek in den Neukölln Arcaden etwas länger als üblich dauern könnte. Knapp 50 Minuten  muss einkalkulieren, wer nur das Hörspiel hören will. Das komplette Audio-Programm bringt es auf rund zwei Stunden.

Die Hör(Spiel)Box steht noch bis zum 2. Mai in der Stadtbibliothek Neukölln. Danach macht sie Station vor dem Neukölln Info Center (NIC), bevor sie zum Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln im Info-Café des LuS e. V. aufgestellt wird.

=ensa=

ITB bringt ägyptische Kunst nach Neukölln

Nachdem sie drei Tage nur fürs Fachpublikum zugänglich war, ist die Internationale Tourismus-Börse heute und morgen für jedermann geöffnet. Hauptpartnerland der koptische skulptur von hanan el-sheikh, tempelhofer feld/eingang oderstraße, neukölln, itb 2012, ankh-kreuzdiesjährigen ITB ist Ägypten,  und das zeigt sich auch an zwei Stellen in Neukölln: am Eingang Herrfurth-/ Oderstraße des Tempelhofer Feldes und in der 1. Eta- ge der Neukölln Arcaden.

Ankh-Kreuze heißen die Skulpturen, die dort sowie an acht anderen Orten in Berlin stehen und von zeit- genössischen ägyptischen Künstkoptische skulptur von hanan el-sheikh, tempelhofer feld/eingang oderstraße, neukölln, itb 2012lerinnen und Künst- lern gestaltet wurden, die allesamt das neue Ägypten und dessen dynamische Kulturszene repräsentieren.

Das Ankh auf dem Tempelhofer Feld ist ein Werk von Hanan El Sheikh. Sie ließ sich von der Fahrraddichte in Berlins Straßen zu ihrer Version des pharaonischen Symbols für Ewigkeit inspirieren. Anhand der Räder, erklärt eine Information auf dem Sockel der Skulptur, versuche sie den Werdegang Ägyptens zu verdeutlichen. Die schwarze Fassade symbolisiere dabei die Vergangenheit, die in der weißen Fassade in die Zukunft übergeht.

.

Der Countdown für eine weitere Neuköllner Postfiliale läuft

“Die veräppeln uns doch nach Strich und Faden!” Hannelore L. ist wütend, aber so richtig. Seit einiger Zeit hängt ein Plakat an der Eingangstür zur Postfiliale in der Hermannstraße 211. Finanzcenter geschlossen ab 29.12.2011 steht auf dem. Und: Die Postbank bleibt jedoch in Ihrer Nähe! Außerdem informiert es in kleiner Schrift darüber, wo ab Ende Dezember finanzielle Dinge erledigt werden können. Für die inte- ressiert sich die Frau aus dem Rollbergkiez aber nicht, entsprechend wenig kümmerte sie sich bisher um das Plakat.

Briefmarken oder frankierte Postkarten kau- fen, Päckchen aufgeben: Vor allem wegen solcher traditionellen Postdienstleistungen kommt  die Mittsechzigerin zum Eckhaus an der Kreuzung Hermann-/Werbellinstraße. Bis eben war Hannelore L. überzeugt, diese hier auch weiterhin zu erhalten. Sie dachte, der Katzentisch mit Sitzgelegenheiten neben den Schaltern würde im Postjargon Finanzcenter genannt und abgeschafft werden, der Rest aber bleibe. Doch dem ist nicht so, hat sie gerade durch Zufall erfahren. “Können die denn nicht aufs Plakat schreiben, dass diese Filiale schließt?”, fragt sich die Neuköllnerin. Dann wisse jeder sofort Bescheid. Die Frage hat sie auch der Frau hinter dem Schalter gestellt. Statt einer befriedigenden Antwort oder gar Zustimmung hieß es nur, dass die Ankündigungen von der Zentrale erstellt würden.

Die grassierende Ausdünnung des Post-Filialnetzes hatte bereits vor knapp zwei Monaten in Neukölln ein Opfer gefordert: Damals schloss zum Ärger der Anwohner die einzige Zweigstelle in der Gropiusstadt im Süden des Bezirks. Weder der medial lancierte Protest der Kunden, noch der von Bezirksstadtrat Falko Liecke (CDU) ha- ben es verhindern können.

“Die Gropiusstädter sind ja jetzt noch ärmer dran”, räumt Hannelore L. ein. Von der Hermannstraße bis zu den Postfilialen in den Neukölln Arcaden oder bei Karstadt am Hermannplatz sei es schließlich nicht wirklich weit. Insofern macht sich die Seniorin keine Hoffnungen auf ein Intervenieren von Bezirkspolitikern. “Die werden sich auch nicht in  den dann noch längeren Warteschlangen die Beine in den Bauch stehen müssen”, glaubt sie. Eine Frechheit sei das, was die Post ihren Kunden zumutet.

=ensa=

Hier dezent, da opulent: Vorweihnachts-Spagat in Neukölln

Die Zeiten, als die Karl-Marx-Straße in der Adventszeit noch weihnachtlich geschmückt und beleuchtet war, sind lange vorbei. Auch Weihnachtsmarkt-Buden zwischen Ganghoferstraße und Rathaus, an denen gegessen, getrunken oder Nippes gekauft werden konnte, gehören der Vergangenheit an. Heute erinnern nur die Auslagen und Dekorationen der Geschäfte an das bevorstehende Fest, Neuköllns Magistrale selber präsentiert sich im Business as usual-Look.

Ganz anders: die Neukölln Arcaden. Schon die Fassade des Shoppingcenters hat sich in ein Lichtermeer verwandelt, in der Einkaufspassage setzt sich die atmosphärische Opulenz fort – über eine Viertelmillion Lämpchen wurden hier verbaut. Die Balustraden aller Etagen sind in funkelnde Lich- tervorhänge gehüllt, Weihnachtsbäume festlich gül- den geschmückt, und über den Rolltreppen hängen mächtige Weihnachtssterne, die halbstündlich im Takt von Weihnachtsliedern in verschiedenen Far- ben aufleuchten.

Ungleich bescheidener fällt die Inszenierung ein paar hundert Meter weiter südlich auf dem Platz der Stadt Hof aus. Das Bunteste ist hier – absehen von dem, was Passanten an und mit sich tragen – das lieblos mit Asphalt ge- flickte Wappenmosaik der Stadt Hof. Dass der lange vernachlässigte Platz seit dem 1. Advent abends etwas heller anmutet, ist dem zu verdanken, was von Fromlowitz + Schilling, den Öffentlichkeitsarbeitern der [Aktion! Karl-Marx-Straße], als “außergewöhnliche Ak- tion” bezeichnet wird: Drei Lichtkünstler bestückten die Platane auf dem Platz mit etlichen weißen Einkaufstüten, die noch bis Anfang Januar bei Einsetzen der Dämmerung durch ein Strom-Sponsoring des Karstadt Schnäppchenmark- tes beleuchtet werden und so dem Ort ein wenig stimmungsvoller machen sollen. Dem Citymanage- ment  geht es jedoch auch noch um etwas anderes. Von einer “Doppelgleisigkeit” spricht Sabine Slapa. Einerseits solle mit dem Projekt Weihnachts- platane zum Shoppen in den Geschäften der Karl- Marx-Straße und ihren Nebenstraßen anregt, an- dererseits aber durch die Wahl des Ortes und eine entsprechende Fokussierung auch signalisiert wer- den, “dass auf dem Platz der Stadt Hof jetzt wirklich etwas passiert”. Schon im nächsten Jahr werde die Umgestaltung angegangen, so Citymanagerin Sabi- ne Slapa, und die soll Neuköllns städtebauliches Stiefkind endlich zum Zentrum der Karl-Marx-Straße machen.

=ensa=

Alles nur wegen des Katers

Sie habe absolut nichts gegen Neukölln, das möchte die Enddreißigerin unbedingt festgestellt wissen. “Aber”, sagt sie, “ich hab eben auch jahrelang keinen Grund gehabt, mich im Kiez rund ums Rathaus aufzuhalten.” Auf dem Türkenmarkt am May- bachufer sei sie manchmal, ab und zu auch im Süden des Bezirks in den Gropius Passagen, doch ansonsten kenne sie  – abgesehen von der Medienberichterstattung – vor allem das Souter- rain von Neukölln. Ihre Wohnung nahe der Jannowitzbrücke im Bezirk Mitte liege nur einen Katzensprung von der Station der U8 entfernt. Auf dem Weg in die Gropiusstadt steige sie dann am Hermannplatz in die U7 um und rausche unter Neukölln hindurch.

Vorgestern wurde das Gesetz der Serie erstmals durchkreuzt – wegen des Katers einer Freundin, die kürzlich vom Wedding in die Boddinstraße gezogen war und am Vortag wegen eines Blinddarmdurchbruchs ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dunja B. erklärte sich daraufhin spontan bereit, solange bei ihr einzuziehen, um das Sitten des Wohnungstigers zu übernehmen. An der Station Rathaus Neukölln aus der U-Bahn zu kommen und plötzlich vor den gläsernen Neukölln Arcaden zu stehen, das sei schon ein Schock gewesen: “Da wurde mir schlagartig klar, wie lange ich schon nicht mehr in dieser Ecke von Neukölln gewesen bin, obwohl ich nur ‘ne Viertelstunde entfernt wohne. Als ich zuletzt hier war, stand noch das Turnschuh-Haus.” 13 Jahre ist es inzwischen her, dass das Gebäude an der Ecke Karl-Marx-/Flughafenstraße, auf dessen Seitenwand Gert Neuhaus sein Fassadenbild mit dem offiziellen Namen “Verschnürung” gemalt hatte, abgerissen wurde.

Sie werde künftig weniger U-Bahn fahren, um mehr von den Veränderungen in Berlin mitzukriegen und sie selber zu erleben, hat die Interims-Neuköllnerin beschlossen.

=ensa=

Individuelles als Kontrastprogramm zur Massenware

Mit der Neuköllner Modedesigner-Szene ist das so ‘ne Sache: Im Reuterquartier ist sie besonders präsent, im Körner-, Schiller- und Richardkiez immerhin noch ver- einzelt vertreten, in den anderen Gebieten aber so gut wie gar nicht. Zu eben diesen anderen Gebieten gehört auch die Karl-Marx-Straße. Wer 08/15-Klamotten sucht, die massenhaft und zu Billigpreisen produziert wurden, hat gute Chancen, fündig zu werden. Ist man allerdings auf Indi- viduelles aus hochwertigen Materialien und in  sorgfältiger Verarbeitung aus, wird es schwierig bis unmöglich – momen- tan jedoch nicht. Denn in den Neukölln Arcaden geht das Neukölln Fa- shion Weekend (wir be- richteten)  in die Verlän- gerung: Noch bis Sams- tag gibt es im Erdge- schoss eine Verkaufs- ausstellung mit fünf Neuköllner Modemachern.

“Die Kooperation mit den Neukölln Arcaden ermöglicht es uns, das Profil der Karl-Marx-Straße in Richtung Mode zu lenken”, beschreibt Susann Liepe vom Citymanagement der [Aktion! Karl-Marx-Straße] die Ambitionen. Angedacht sei, ergänzt ihre Kollegin Sabine Slapa, künftig die Kapazitäten der Neuköllner Modeszene dahingehend zu nutzen, Verkaufs- und Showrooms in leeren Läden der Magistrale zu installieren. Indes richtet sich der Fokus von Neukölln Arcaden-Centermanager Bernd Mu- chow vor allem auf die Endverbraucher und die Designer. Letztere würden durch die Präsenz auf der Aktionsfläche das Umsatz- und Kundenpotenzial einer Ladenstraße erleben, erste- re hätten dadurch die Chance, in den Neukölln Arcaden Designer-Mode ansehen und kaufen zu können.

Zu denen, die dort momentan mit einem Stand vertreten sind, gehört Olivia Leben. Vor zwei Jahren gründete sie ihr Label African Mode Design, mit dem sie eine Brücke zwischen dem schwar- zen Kontinent und Europa bauen will. Olivia Lebens Mode für Frauen, Männer und Kinder ist farbenfroh und nichts für Leute mit einem Faible für unauffällige Outfits. Die Stoffe – zu- meist Baumwolle oder Leinen – be- zieht die Designerin direkt aus Afrika. Dank ihrer guten Vernetzung mit der afrikanischen Community in Berlin ist dafür gesorgt, dass der Nachschub nicht ausbleibt: “Irgendwer ist immer gerade da und bringt mir dann Stoffe mit.” Aus denen entstehen im Atelier in der Briesestraße  kongeniale Verbindungen aus  afrikanischen Materialien und europäischen Schnitten: Hemden, Blusen, Röcke, Ho- sen, Overalls und Kleider. “Jedes Teil meiner Kollektion ist nicht von mir selber entworfen, sondern auch von mir selber genäht”, betont Olivia Leben.

Ein weiteres ihrer vielen Talente offenbaren die Accessoires, die die afrikanophile De- signerin anbietet: Schmuck, Taschen und Beutel im Afrika-Look. Für manche Frau sind sie der Einstieg zum Bekenntnis zu mehr Farbe, für andere perfekte Begleiter für die Mode von Olivia Leben.

Sehenswertes für Fashion-Fans gibt es aber derzeit nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch in der 1. Etage der Neukölln Arcaden. In einzelnen Mode-Boxen zeigen sieben Neuköllner Designer Stücke aus ihren Kollektionen.  “Die Boxen”, so Bernd Muchow, “sind integrativer Teil einer Aktion mit Radio Energy, die momentan in allen Berliner Arcaden stattfindet.” Das Publikum entscheidet mit Votingcards über die ansprechendste Box und nimmt an der Verlosung von Tickets für die Energy Fashion Night teil, bei der u. a. die Kollektion des Siegers präsentiert und der mit dem Arcaden Fashion Award 2011 ausgezeichnet wird. Ob es ein Designer aus Neukölln ist, zeigt sich dann am 21. Oktober.

=ensa=

Phänomenales in Neukölln

Normalerweise sind die Neukölln Arcaden ein Einkaufscenter wie viele andere – wenn man mal davon ab- sieht, dass sie von vielen immer noch “Forum Neukölln” ge- nannt werden, obwohl sie schon seit fast 10 Jahren nicht mehr so heißen. Es gibt die üb- lichen Läden, ein Eis- café, eine Buchhandlung, eine Postfiliale, ein Multiplex-Kino, Rolltreppen, Aufzüge und als high- lightverdächtiges Extra einen großartigen Panoramablick von den oberen Parkhaus-Etagen. An der Aussicht bis zur Peripherie Berlins lag es aber nicht, wenn der Aufenthalt in den Neukölln Arca- den in den ersten beiden Mai-Wochen bei manchem etwas länger dauerte.

Schuld dürfte meist die Ausstellung “Phä- nomena – Entdeck was dahinter steckt” gewesen sein, die heute noch bis 21 Uhr zu Auszeiten in der Welt des Überraschenden und Rätselhaften einlädt. Über 25 Stationen, an denen Phänomenales demonstriert und erklärt wird sowie selber ausprobiert werden kann, verteilen sich über die unteren drei Etagen der Neukölln Arcaden.  Zerrspiegel  und Hohlspiegel, die  die  Wirklichkeit nicht  nur  seitenverkehrt

wiedergeben, stehen neben Rotationsbildern, die in bewegtem Zustand Farben erscheinen lassen, die gar nicht existieren. In der schiefen Hütte, in der mehrere Experimente zur Erdanziehungskraft aufgebaut sind, nimmt für manche der Konflikt zwischen Auge und Gleichgewichtssinn Ausmaße an, die ein schnelles Handeln erfordern: “Wenn ich noch länger hier drin bleib, muss ich kotzen”, sagt ein Mädchen zu seiner Freundin. Das Risiko besteht beim Fernseh-Generator nicht, der lediglich den Ener- gieaufwand verdeut- licht, der nötig ist, damit auf der dunklen Mattscheibe ein Bild erscheint.

Zahlreiche Schulklas- sen haben in den vergangenen Wochen die Gelegenheit wahr- genommen, sich unter fachkundiger Leitung durch den Teststrecke aus Illusionen, Naturwissenschaft und Technik führen zu lassen. Die, die am Prinzip des Gravitationstrichters mit einer Eisverpackung gescheitert sind, gehörten höchstwahrscheinlich nicht dazu. Noch sind einige Stunden Zeit, den Versuch zu wiederholen.

=ensa=

Spielhallen, Laubbläser, Hasenheide, Baustellenmarketing: ein lokalpolitisches Potpourri bei den Ausschusssitzungen

Fans öffentlicher Ausschusssitzungen der Neuköllner Bezirksverordneten haben in dieser Woche ein strammes Programm. Und vor allem morgen geht ohne eine gewisse Entscheidungsfreudigkeit gar nichts, denn ab 17 Uhr tagen zeitgleich der  Wirtschaftsausschuss und der Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur.

Letzterer trifft sich in der Stadt- bibliothek in den Neukölln Arcaden und hat neben dem Thema “Leh- rerstundenzuweisung” Punkte, die sich um Stadthistorisches ranken, auf der Tagesordnung. Parallel dazu kommen im Köln-Zimmer des Neuköllner Rathauses die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses zusammen: Der Spielhöallen-Problematik wird bei ihrer Sitzung behandelt; zudem stehen die Vorstellung des Citymanagements und des Baustellenmarketings in der Karl-Marx-Straße auf ihrer To Do-Liste.

Um den Einsatz von Laubbläsern geht es u. a. Mittwoch ab 17 Uhr im Wetzlar-Zimmer im Rathaus Neukölln bei der Sitzung des Ausschusses für Wohnen und Umweltschutz. Donnerstag ab 17 Uhr kommen dann – ebenfalls im Wetzlar-Zimmer – bei der Zusammenkunft des Ausschusses für Naturschutz und Grünflächen die Artenschutzbeauftragten zu Wort und die Personalprobleme beim Neuköllner Grünflächenamt (NGA) zur Sprache. Ferner wird es unter dem TOP Ö3, der auf der Tagesordnung “Hasenheide soll endlich zur Ruhe kommen” heißt, um die Neuköllner Maientage und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Grünanlage gehen.

=ensa=

“MS Neukölln” nimmt Kurs auf die Neukölln Arcaden

Viele neue Tipps bekommen Leute, die sich in Neukölln auskennen, im neuen Shop- ping Guide Neukölln “Essen und Trinken” eher nicht. Das Café Rix, die Blutwurstma- nufaktur, der polnische Spezialitäten-Laden Pyza und  Feinkost Kropp – es sind vor allem etablierte und hinlänglich bekannte Geschäfte, die in dem Heftchen vorgestellt werden. Einzig die Seite 4 bietet Erstaunliches, denn auf ihr erfährt man, dass es of- fenbar sehr konkrete Pläne gibt, wie das obere Parkdeck der Neukölln Arcaden ab Mai nächsten Jahres genutzt werden soll.

ms neukölln,parkdeck neukölln arcaden,aktion karl-marx-straße,shoppingguide essen und trinken neukölln

.
Den von der [Aktion! Karl-Marx-Straße] konzipierten und vom Bezirksamt Neukölln her- ausgegebenen Shopping Guide “Essen und Trinken” gibt’s seit Montag im Neukölln Info-Center (NIC) im Rathaus, in den porträtierten Läden und hier als Download.
.
_ensa_
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 122 Followern an