Mit Protestbaum an der Spitze durch Neukölln und Kreuzberg

dach hermannplatz_kdk2013_neuköllnWenn Neuköllner und Kreuzber- ger auf ihre Hausdächer steigen und Balkone in Richtung Hasen- heide zu Party-Locations werden, ist wieder Karneval der Kulturen.

Gestern ging die bunte, interna-tionale, tanzende, singende und musizierende Karawane zum 18. Mal auf die Route zwischen Hermannplatz und Yorckstraße. Angeführt – und das war eine Premiere – von einem Handwagen, auf dem ein  Protestbaum  stand. Denn der  Straßenumzug, der seit  1997 in  Berlin zum

protestbaum_kdk2013_berlin-neukölln protest_kdk2013_neukölln

Pfingstsonntag gehört und seit Jahren regelmäßig so viele Menschen, wie die Ban- kenmetropole Frankfurt/Main Einwohner hat, an die Strecke holt, ist im Schrumpfen begriffen. Gestern waren es  nur noch 74 Gruppen (2012: 90), die bereit sowie in der dancing dragon_kdk2013_hermannplatz neuköllnLage waren, den enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand für ihre Performan- ces, Kostüme und Wagendekorationen zu stemmen. Dass das Land Berlin kräftig an diesem Event verdient, das u. a. unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit steht, die Gruppen und Künstler aber nicht daran beteiligt, kritisiert auch die Neuköllner Grünen-Politikerin Susanna Kahlefeld, die 2011 als Direktkandidatin ins Berliner Ab- geordnetenhaus gewählt wurde. Bereits vor einem halben Jahr hatte ihre Fraktion einen Antrag auf Einrichtung eines ent- sprechenden Fonds gestellt.

Darauf, dass der eingerichtet wird, hofft auch Vassiliki Gortsas, die Organisatorin des Karnevals der Kulturen. “Viele Gruppen können den sehr hohen Aufwand nicht mehr bewältigen”, weiß sie. Dass die Zurückhaltung des Berliner Senats langfristig die Vielfalt gefährdet, befürchtet sie.

=ensa=

“Kein marginales, sondern ein tiefgreifendes Thema für die Gesellschaft”

unbelehrbar-plakat_eingang sputnik-kino kreuzberg“Der Film ist wirklich optimal”, findet Sigi, und er muss es wissen. Nicht weil er ein renommierter Filmkritiker ist, sondern weil in der Geschichte, die der Film “Unbelehrbar” erzählt, sehr viel von sei- ner eigenen steckt. Vorgestern saß Sigi zusam- aussicht_sputnik-kino kreuzbergmen mit vielen anderen über den Dächern Kreuz- bergs im Sputnik-Kino, dem höchsten Kino Berlins, um sich die Leinwand-Version seiner Vergangenheit anzu- sehen. Und plötzlich schien der bittere Cocktail aus Unsicherheit, einem deso- laten Selbstwertgefühl, Verzweiflung und läh- mender Hilflosigkeit  wieder zum Greifen nah. Dass eine weite Etappe von Sigis Vita von einer Frau gespielt wird, macht keinen Unterschied. Die Emotionen, die Ellen in Anke Hentschels Film “Unbelehrbar”  durchlebt, kennen keine Geschlechtergrenzen. Nicht oder kaum lesen und schreiben zu können, ist für alle Betroffenen belastend – für etwa 7,5 Millionen Volljährige in Deutschland, also 14 Prozent aller Erwachsenen.

Die Schauspielerin Lenore Steller gibt ihnen mit ihrer Verkörperung der Ellen ein brillantes, zu Empathie animierendes Gesicht: Wie das Gros der funktionalen An- UNBELEHRBAR_Standfoto_CMYKAlphabeten mogelte sie sich irgend- wie durch ihre schulische Laufbahn. Als sie im Alter von 40 Jahren von ihrer Vorgesetzten dazu gedrängt wird, durch eine Weiterbildung ihre beruf- lichen Möglichkeiten zu verbessern, reagiert die Küchenhilfe zunächst trotzig: “Ich brauch keine Möglich- keiten!” Aber dann reift in ihr doch zwischen Zweifeln und Ängsten ein Jetzt-oder-nie-Gefühl heran, und sie beschließt, den Ehemann und die beiden Kinder im Teenager-Alter in der bran- denburgischen Kleinstadt zurück zu lassen, um in Berlin einen Alphabetisierungs-Lehrgang zu machen. Völlig auf sich allein gestellt, wird aus der anfangs ver- unsicherten, zögerlichen, schüchternen Ellen eine mutige, optimische Frau, die bereit ist, die überall aufgestellten Hürden in der fremden Umgebung zu nehmen und die anke hentschel_unbelehrbar-regisseurin_sputnik-kino kreuzbergWelt der Schriftsprache zu erkunden.

Auch für Regisseurin Anke Hentschel (l.) war die filmische Umsetzung des Themas An-Alphabetismus eine Heraus-forderung. “Es war ein Zeitungsartikel darüber, der mich sehr bewegt und mir den Impuls gegeben hat, es probieren zu wollen”, erzählte sie nach dem Ende des Films bei einer Gesprächsrunde, an der mit Marion und Peter auch zwei ehemalige funktionale An-Alphabeten vom Neuköllner Verein Lesen und Schreiben sowie Dr. Ulrich Raiser (l.) von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung teilnahmen. Mit dem Film “Unbelehrbar”, sagte sie, sei eine Metapher für Orientierungslosigkeit unbelehrbar-expertengespräch_sputnik-kino kreuzbergentstanden. Durch die exzellente Besetzung und insbesondere die her- ausragende Leistung von Lenore Stel- ler funktioniert die perfekt. Um sich die Rolle zu erarbeiten, die so schwierig sei wie die, eine Blinde zu spielen, nahm die Hauptdarstellerin – wie schon die Regisseurin – im Vorfeld Kontakt zu Betroffenen auf.

Mit dem Ergebnis, dass auch Peter und Marion, bewegt vom Film bestä- tigten, sich in vielen Situationen wie- dererkannt zu haben. “Noch heute”, gestand der 53-Jährige, “hab ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich einen Formular oder einen Bewerbungsbogen ausfüllen muss.” Denn sich als Erwachsener das anzueignen, was man als Kind verpasst hat, sei ein langer, anstrengender Weg. Für Marion begann der, als sie selber Kinder hatte: “Da hab ich begriffen, dass ich jetzt endlich den Arsch hoch kriegen und lesen und schreiben lernen muss.” Das Problem sei allerdings, unterstrichen beide, dass es filmrollen_sputnik-kino_berlin-kreuzbergviel zu wenige Hilfsangebote und Kurse gebe.

Dem konnte Dr. Ulrich Raiser nur zustimmen: “Man müsste viel mehr Geld für die Bereiche Alphabetisierung und Grundbildung in die Hand nehmen, aber es ist doch leider nicht so leicht, das zu kriegen.” Der Film, sagte er, sei sehr wichtig, um zu auf breiter Ebene zu verdeutlichen, dass es sich um kein mar- ginales, sondern um ein tiefgreifendes Thema für die Gesellschaft handelt. Durch das Ansehen von “Unbelehrbar” habe nun jeder die Chance nachzuvollziehen, worum es eigentlich geht, wenn von An-Alphabetismus die Rede ist.

“Unbelehrbar” läuft zurzeit im hackesche höfe kino, im Lichtblick-Kino und im Sputnik-Kino; ab 18.4. ist er im filmkunst 66 und im Film Cafe zu sehen.

Heute steht die Regisseurin Anke Hentschel nach der 20 Uhr-Vorführung für Gespräche bereit, morgen nach der 18 Uhr-Vorführung (beide im Licht- blick-Kino) ist die Autorin Katharina Schlender ebenfalls dabei. Am 20. April gibt es eine Sondervorführung mit Anke Hentschel und der Hauptdarstellerin Lenore Stelle im filmkunst 66 (Uhrzeit erfragen).

=ensa=

Schönes zwischen Unschönem

uhr_reuterkiez neuköllnWenn man schon sehr lange in einem Kiez wohnt, der seit einiger Zeit zum Hotspot ausgerufen wird, sehnt man sich nach alten Zeiten. Ich würde von mir nicht behaupten, dass ich gegen Veränderung bin. Nur wenn Veränderungen für die Menschen, die hier wohnen, nicht zum Besten sind, würde ich gerne so manche Entwicklung stoppen wollen.

Als ich vor über 10 Jahren nach Neukölln in den Reuterkiez gezogen bin, wurde ich mit so manchem Unverständnis seitens meiner Freunde konfrontiert: Wie kannst Du nur?! Das ist ganz schrecklich da, dreckig und ungemütlich! 2006, zum großen Fußballfest in Deutschland, wurde Neukölln von so manchen Politikern zur No-go-Area erklärt. Dazu ein aufmüpfiger Neuköllner Bürgermeister, der immer wieder mit Statements über die Sozialschieflage, natürlich von den Menschen selbst verursacht, durch alle Talkshows getingelt ist. Der auch gerne über die Schwierigkeit mit den vorhandenen Migrationsmitbürgern schimpft.

Die Wirklichkeit war anders: Okay, die Berliner Stadtreinigung schaute nicht so oft vorbei, aber dafür hatten wir Menschen aller Art im Kiez. Es war weder gefährlich noch reuterkiez_neuköllnbeängstigend!

Und heute, über sechs Jahre später: Unzählige Cafés und Bars haben so manchen Trödelladen verdrängt, Clubs und Restaurants viele ehemals Sozialvereine vereinnahmt. Billigere Supermärkte machen Platz für Bioläden. Türkische Kulturvereine mussten für Archi- tekturbüros und Sneakerläden weichen. So was nennt man Gentrifizierung! Die hat sich rasend schnell und unaufhaltsam ausgebreitet und unseren Kiez fest im Griff! Die Folgen sind exorbitante Mieten und die Ver- drängung von Menschen, die nicht in dieses junge, kreative, unglaublich hippe Stadtbild passen. Beun- ruhigend, beängstigend, fast gefährlich – so empfinde ich das heute!

Ich gehe immer noch gerne hier spazieren, staune über die Veränderung, wundere mich über das allgegen-wärtige englisch und französisch sprechende Volk. Gekleidet in einem Stil, der mich an meine Teenager-Zeit der 1980er Jahre erinnert. In ihrer Individualität wirken sie so gleichgeschaltet, dass thielenbrücke neukölln-kreuzberg_foto mayarosaman das Gefühl hat, der immer wieder gleichen Person zu begegnen! Sehr selten hört man Türkisch oder Arabisch.

Und dann findet man mitten auf der Thielenbrücke, die rüber nach Kreuzberg führt, eine Tafel auf dem Boden. Ein biss- chen im Schnee versteckt, blitzt da eine große schwarze Tafel mit der Inschrift So viel Hipster ist nicht zu fassen! Schön hipster-tafel_thielenbrücke neukölln-kreuzberg_foto mayarosamit Hunde- pipi versehen! Da hat jemand auf subtile Weise mit richtig viel Aufwand seine Verwunderung kundgetan!

Danke, wer auch immer das war! Es tut gut zu wissen, dass es Gleich- gesinnte gibt. Auch wenn dieser stille Protest nichts ändern wird, ist es einfach nur schön, dass er da ist!

=mayarosa=

Neuer Fall für Hauptkommissar Magnus in Neukölln

Ein Zelt aus farbenfrohen wallenden Stoffbah- nen, über dessen Eingang ein grinsendes Gesicht hängt. Eine HiFi-Anlage samt Laut- sprecherboxen auf zwei zusammengeschobe- nen Tischen. Kahle Panoramafenster, durch die das trübe Licht des Spätnachmittags fällt. Stuhlreihen für die Zuhörer. Es war wahrlich kein stimmungsvolles Ambiente, das Dirk Josczok in der Neuköllner Stadtbibliothek bei der Vorführung seines  Hörspiel-Krimis dirk josczok, stadtbibliothek neukölln“Heldentod”  um- gab. Auch im Publikum herrschten leise oder auch lauter ausgesprochene Zweifel, ob in einer solchen Atmosphäre Span- nung aufkommen und die Zuhörer er- greifen kann.

Das Gerumpel einer U-Bahn, ein schrei- endes Baby, die auf Beruhigung bedachte Stimme einer Mutter, das Gepöbel zweier Jungmänner: In gewöhnungsbedürftiger Lautstärke dröhnt die Kakophonie des Berliner Untergrunds durch den Raum. Als die U7 in die Station Grenzallee eingefahren ist, Mutter, Kind, ein zivilcouragierter Passant sowie die Pöbler die U-Bahn verlassen haben und Ingo Struck, einer der beiden jungen Männer, tot und mit zertrümmertem Kehlkopf auf dem Bahnsteig  liegt, ist das bunte Zelt vergessen.

Hauptkommissar Kurt Magnus und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Wes- halb hat sich der Fahrgast, der Yana Bischof und ihr Baby erst vor den Beläs- tigungen der beiden Männer schützte und schließ- lich im Streit tödlich verletzte, klammheimlich vom Tatort verdrückt? Wer ist er? Bischofs Beschrei- bung des Helfers bringt die Beamten kein biss- chen weiter, denn die ist – aus Dankbarkeit und um den Mann vor Schwierigkeiten zu bewahren – sehr bruchstückhaft. Auch dass sie sein bei der Rangelei verlorenes Handy eingesteckt hat, verheimlicht die Frau. Nicht ahnend, in welche Gefahr sie sich selber begibt, trifft sich Yana Bischof mit ihrem Retter, um ihm sein Telefon zurück zu geben, in einer Eisdiele in den Neukölln Arcaden. Dass der Mann mit der auffälligen Narbe bei der Polizei kein Unbekannter ist, weiß sie nicht. Das ergaben zwei am Tatort gesicherte Fin- gerabdrücke, die mit dem noch unaufgeklärten Mord an Gudrun Vollberg übereinstimmten. Der fesseln- de Plot mit Neuköllner Lokalkolorit steuert unauf- haltsam auf einen  dramatischen Schlusspunkt  zu.

Die Anspannung der Zuhörer löst sich langsam, als Dirk Josczok vor die Stuhlreihen tritt und anbietet, Fragen zu beantworten. Wann er das Stück ge- schrieben habe, will eine Frau wissen. Die Eisdiele Tiziano sei doch schon lange nicht mehr in der 1. Etage der Neukölln Arcaden. 2009 habe er mit “Heldentod” angefangen, erklärt der Autor und schildert seine Ar- beitsweise: “Die macht immer viel Arbeit für die Regie, weil ich vom Film komme und deshalb oft heftige optische Sequenzen in meinen Hörspielen unterbringe, die dann umgesetzt werden müssen.” In die Handlung fließe indes oft ein, was er selber schon miterlebt habe. Die U-Bahn-Szene in “Heldentod” gebe eigene Eindrücke aus Fahrten mit der U7 wieder, verrät der Kreuzberger. “Haue”, sagt er, “hab ich aber nicht während einer U-Bahn-Fahrt durch Neukölln bekommen, sondern im Wedding.”

Dirk Josczoks zweiter Hörspielkrimi um Hauptkommissar Kurt Magnus ist auch wieder in Neukölln angesiedelt, heißt “Zahltag” und wird am 10. De- zember ab 21.33 Uhr bei Deutschlandradio Kultur gesendet.

=ensa=

Platz da!

Vorgestern Vormittag auf dem Kottbusser Damm, der Straße, die die Berliner Bezirke Neukölln und Kreuzberg trennt: Normalerweise unterscheidet sich das Verkehrs- aufkommen auf  der  westlichen Seite nicht  von  dem  auf  der östlichen  Seite, die an

berlin marathon 2012, kottbusser damm neuköllnberlin-marathon 2012, kottbusser damm, berlin-kreuzberg

Neuköllner Bürgersteige grenzt. Wenn – wie Sonntag – Berlin-Marathon ist, sieht die Sache aber ganz anders aus. Dann herrscht jenseits der mittig verlaufenden Hecke großes Gedrängel und diesseits gähnende Leere.

Kreuzköllns Bio-Dreieck

Was in anderen Berliner Bezirken und Neuköllner Straßen die quietschbunten Bubble Tea-Shops, sind auf dem Kottbusser Damm zwischen Bürknerstraße und Maybach- ufer die  Biomärkte. Lange gab es dort nur das VITALIA Reformhaus. Vor knapp fünf Jahren wurde schräg gegenüber, auf der zu Kreuzberg  gehörenden Straßenseite, die

vitalia biomarkt kottbusser damm 99 neukölln bio-supermarkt "natürlich bio" kottbusser damm 4 kreuzberg bio company kottbusser damm 91 neukölln

Edeka-Filiale zum NATÜRLICH BIO-Supermarkt umgerüstet. Doch damit nicht genug: Um die Konkurrenzsituation weiter zu verschärfen, hat sich die BIO COMPANY eine nur wenige Schritte entfernte, kürzlich von Aldi verlassene Gewerbe-Immobilie gesichert und eröffnet dort am 18. Oktober eine weitere Verkaufsstelle für Bio- Produkte in Neukölln.

Neuköllner Glückssachen

Ob man auf der Kreuzberger oder der Neuköllner Seite wohnt, macht keinen Unterschied: Die Adresse  Hasenheide  ist eher keine, die mit Aaahs und Ooohs und Wows bedacht wird. Nur regelmäßig am Pfingstsonntag, da steigt die Beliebtheit der Wohnungen an der Hasenheide sprunghaft an – zumindest die derer, die Fenster oder besser noch einen Balkon zur Straße hinaus haben.

Auch morgen wird über die wieder die Karneval der Kulturen-Karawane ziehen: 99 Gruppen mit 5.190 Teilnehmern aus 70 Nationen starten ab 12.30 Uhr am Her- mannplatz und feiern mit Musik, Tanz und Akrobatik auf der Strecke von der  Hasen- heide bis zur Ecke Yorck-/Möckernstraße sich selber und die 17. Auflage des wohl buntesten gesellschaftlichen Ereignisses der Hauptstadt. Waren es 1996 noch nur rund 50.000 Menschen, die dem von der Werkstatt der Kulturen in Neukölln initiierten karnevalesken Multikulti-Treiben zusehen wollten, so knackte die Besucherzahl bereits im Jahr  2000 die  Millionengrenze. Im  Getümmel entlang der Feststrecke  ei-

karneval der kulturen berlin-neukölln karneval der kulturen berlin-neukölln

nen Sitzplatz zu ergattern, ist also reine Glückssache. Wie unterschiedlich “Glück in Neukölln” aussehen kann, will der diesjährige, noch bis zum 17. Juni laufende  Foto- wettbewerb der Bürgerstiftung Neukölln  herausfinden. Wer sich mit Impressionen vom Karneval der Kulturen daran beteiligen will, sollte allerdings unbedingt darauf achten, dass er das Glück nicht auf der falschen Straßenseite erwischt.

=ensa=

Heute hier, morgen dort: das Freiluft-Atelier von William Wires

william wires, streetpainting reuterkiez neuköllnDaran, dass Menschen mit Fotoappa- raten durch die Straßen von Neukölln schlendern, um Augenblicke auf Zel- luloid oder Speicherkarten zu bannen, haben sich die meisten Neuköllner längst gewöhnt. Alles andere als all- täglich ist dagegen das Prozedere, mit dem William Wires aus seinen Neukölln-Eindrücken Bilder macht.

Ein Bürgersteig in der Friedelstraße, mitten im hippen Reuterkiez. Der Landwehrkanal ist gut 100 Meter entfernt, die längst über die Bezirksgrenzen hinaus bekannte Eisdiele  Fräulein Frost, mit der sich der Schauspieler Carsten Andörfer ein zweites Standbein aufgebaut hat, auf der william wires, streetpainting reuterkiez neukölln, fräulein frostStraßenseite direkt gegenüber. William Wires’ Galerie braucht nicht viel Platz: Zwei Tafeln, die Werke des Mittfünfzigers im Postkar-tenformat zeigen, lehnen an seinem Fahrrad. Das Atelier ist noch kleiner: Mit einem Qua- dratmeter kommt der Künstler aus, wenn er in aller Öffentlich- keit seine Staffelei aufstellt, um unter freiem Himmel zu arbei- ten. Natürlich könnte er ebenso Fotos seiner Wunschmotive machen und aus diesen Vor- lagen in seinem Kreuzberger Atelier Öl-auf-Leinwand-Werke schaffen, sagt Wires. Aber … Einerseits ist er nicht nur Maler, sondern auch Architekt. Und andererseits: “Eine Kamera sieht viel weniger und ganz anders als die Augen, und ich  will  malen, was  ich  sehe.” Die Farben, die Dreidimensionalität, die Perspektive und die At- william wires, streetpainting reuterkiez neuköllnmosphäre – alles solle so authen- tisch wie möglich sein.

Der Aspekt des Miteinanders dieser vier Komponenten ist es auch, der das schmucklose Haus auf der Straßenseite gegenüber für William Wires malenswert macht. Ja, bestä- tigt der Freiluft-Maler, auf den ersten Blick wirke es sehr schlicht und unauffällig, aber die fein abgestimm- ten Farbnuancen seien interessant. Ob ein Geschäft im Haus ist, dessen Inhaber als  Käufer des Bildes infrage kommen könnte, ist für den gebürtigen Amerikaner irrelevant. Wirklich groß sei das Interesse bei Berliner Gewerbetreibenden nicht, gemalte Außenansichten in ihren Läden präsentieren zu können. William Wires wird trotzdem weiter mit seinem mobilen Atelier durch die Stadt ziehen, um zu malen, was andere fotografieren.

In der Galerie Rutil (Liegnitzer Straße 34 in Berlin-Kreuzberg) ist noch bis zum 27. Mai die Ausstellung “Confronting Comfort” mit Werken von William Wires zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 15 – 18 Uhr.

=ensa=

Ganz schön abgehoben …

luftbild nord-neukölln, kettenflieger around the world, neuköllner maientage

luftbild berlin-kreuzberg berlin-mitte, kettenflieger around the world, neuköllner maientage

luftbild berlin-kreuzberg, kettenflieger around the world, neuköllner maientage

luftbild tempelhofer feld, kettenflieger around the world, neuköllner maientage

… mit dem Kettenflieger “Around the World” bei den  Neuköllner Maientagen.

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Mit Alice durch’s Wunderland am Hermannplatz

Ich hatte keinerlei Vorstellung wie ein Theaterstück quer durch ein – von einkaufswütigen Menschen gefülltes – Kaufhaus funktionieren sollte. Deshalb war ich auch schon eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung da, und mit mir die Befürchtung, ewig nach Kartenkasse und Startpunkt im Karstadt am Hermannplatz alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. ettersuchen zu müssen. Aber an jedem Eingang steht ein freundliches Schild, das alle Interessierten in die U-Bahn-Station schickt. Dort tauscht man dann sein Geld oder eine Eintrittskarte gegen einen Zuschau- erausweis. Und wenn man wie ich zu früh ist, kann man noch in Ruhe ein bisschen shoppen gehen.

Pünktlich fand ich mich in einer Menge Wartender wieder, die alle zunächst irritiert auf eine recht laut telefonierende Dame blickten. Als dann aber plötz- lich ein Hase vor dieser auf und nieder hüpfte, war alles klar: Die Performance um „Alice im Wunder- land“ hatte begonnen. Von nun an folgten wir anderthalb Stunden lang den uns zuvor vorgestellten Guides. Zunächst an einen Ort, den der gemeine alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. etterKunde niemals kennen lernt: das Dekorations- lager im Keller.

Ich habe lange überlegt, wie ich das be- schreiben könnte, was ich mit den Schau- spielern und Tänzern des Künstlerkollektivs MS Schrittmacher erlebt habe. Ich kann es nur so sagen: Ich weiß jetzt, wo Weihnachten ist, wenn die ersten bunten Eier im Regal auftauchen, und dass man sich mit Alice in eine alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. etterwahrlich wundersame Welt verläuft.

Die Zeit vergeht wie im Flug während wir von Ort zu Ort eilen, um zu sehen, was Alice noch kaufen und wem sie dabei begegnen wird. Sei es sich selbst oder dem ausrangierten Alt-Schauspieler, der verzweifelt versucht sein tolles Buch an den Mann zu bringen. Dem gehetzten Hasen, der Alice zu allerlei Spontankäufen verleitet. Der modeberatenden Raupe oder der leicht herrschsüchtigen Frau König, die mit den Verkäuferinnen und Kunden durch den alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. etterKarstadt tanzt.

Alles ist äußerst wunderlich und komisch. Besonders wenn uneingeweihte Karstadt-Kunden unwissentlich mitwirken, und sei es nur dadurch, dass sie mit offenen Mündern staunend am Rand stehen. Oder aber in Erklärungsnot geraten – wie der Vater, der seinen zwei kleinen Töchtern verzweifelt zu verklickern versuchte, warum die Verkäuferinnen Hasenohren an alice im wunderland, karstadt am hermannplatz, ms schrittmacher, foto: andreas j. etterWeihnachtsmänner kleben, sich aber plötzlich in quiekende Ferkel verwandeln.

Alles in allem bietet „Alice im Wunderland“ eine perfekte Gelegenheit, den Karstadt am Her- mannplatz mal so richtig kennen zu lernen oder vielleicht auch einen kritischen Blick auf das eigene Kaufverhalten zu werfen und sich dabei noch bombig zu amüsieren.

Die morgige Premiere des Stückes “Alice im Wunderland” der MS Schritt- macher bei Karstadt am Hermannplatz ist  bereits ausverkauft. Am 29. und 31. März, 2. – 5. April und 7. April (jeweils 15 und 18 Uhr) und am 30. März (11 und 15 Uhr) gibt es weitere Aufführungen. Die Tickets kosten 16 € bzw. ermäßigt 11 € und können über Showtime Tickets, (Veranstaltungsort “Treffpunkt: U-Bahn-Zugang Karstadt Hermannplatz” anklicken), per Mail an tickets[at]dock11-berlin.de oder telefonisch unter 030 – 68 74 000 oder 030 – 351 20 312 reserviert werden.

=Anna Sinnlos=

Positive Schwingungen in einem Berliner U-Bahn-Tunnel

Lange Zeit ging ich nicht gerne in den U-Bahnhof Schönleinstraße, der auf der Strecke der U8 direkt unter der Bezirksgrenze zwischen Neukölln und Kreuzberg liegt. Das hat sich gebessert seit dort leckere japanische Reispäckchen verkauft und von mir verzehrt werden. Aber jetzt hat eine unbekannte Künstlerin oder ein Künstler – ich u8 berlin, schönleinstraße, schönseinstraße, foto: reinhold steinletippe aber auf eine Frau, weil es so einfallsreich und kreativ ist – den U-Bahnhof verwandelt.

Als erstes wurde er in Schönsein- straße umbenannt. Und vom eigenen Schönsein kann man sich gleich überzeugen, wenn man in einen dort angebrachten Spiegel schaut: „Du foto: reinhold steinlesiehst toll aus“ bestä- tigt der. An die Berlin-Touristen und die immer zahlreicheren englisch- sprachigen Berliner aus Amerika, England oder Grie- chenland hat der/die unbekannte Künstler/in auch gedacht:  u8 schönleinstraße berlin, king of the day, foto: reinhold steinleRichtig positioniert werden sie mit dem Titel „King of the day“ geadelt. Das greift doch tatsächlich meine Idee auf, dass wir täglich einen neuen Bundespräsidenten/ eine neue Bundespräsidentin bekommen sollten: Ein Tag müsste doch skandalfrei rumzukriegen sein.

Durch die neue Station Schönseinstrasse und die dort zahlreich angebrachten Spie- gel kann man im Nu neues Selbstbe- wusstsein tanken. Ich sehe schon Berliner/innen aus Charlottenburg, Marzahn und anderen Bezirken in der U-Bahnstation Schönseinstraße aussteigen, um sich dort für ein anstehendes Vorstellungsgespräch oder ein Date in eine positive Schwingung zu bringen. Der/die Künstler/in ist jedenfalls mein King, meine Queen of the day.

=Reinhold Steinle=

Samstag ist Reinhold Steinle wieder als Stadtteilführer in Neukölln unter- wegs: Um 15 Uhr startet seine Tour durch den Richardkiez. Seine “Entdeckungen im Reuterkiez”, die unweit der besagten U8-Station beginnen, zeigt er am 17. März zum nächsten Mal.

Hüben und drüben

Schon wegen der Sonne lässt sich auf der Kreuzberger Seite des Landwehr- kanals besser spazieren-, gassigehen oder joggen als am Neuköllner Ufer, das meis- tens im Schatten liegt. Ein weite- rer  Pluspunkt des Paul-Lin- cke-Ufers ist, dass dort erheb- lich strikter ge- gen die Vermül- lung vorgegan- gen wird. Weih- nachtliche Relik- te, die in Neu- kölln und so auch am Maybachufer nach wie vor zahlreich lagern, stören die Optik des nahenden Frühlings vis-à-vis in Kreuzberg nicht. Wie lange man darauf noch in Neukölln warten muss und ob man gar in sechs Wochen die Ostereier in Tannenbäumen verstecken kann, wird sich zeigen.

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Gesucht und gefunden!

theaterparcours ortswechsel, theater der migranten neukölln, reuterkieztheaterErst waren es alte Reclam-Hefte, die über Facebook dringend als Requisiten gesucht wurden – erfolgreich. Dann wurde ebendort die Fahndung nach einer  Nebel- maschine als Leihgabe eingeleitet – mit nicht minder glücklichem Ausgang. Und gestern schließlich machte ein weiteres Anliegen vom Theater der Migranten die Runde durchs virtuell vernetzte Neukölln: Ein amerikanischer Musiker, der beim neuen Stück mitwirke, brauche unbe- dingt “einen Gitarrenverstärker, mit dem er Höhen und Tiefen regulieren kann”. Wer einen habe und ihn für fünf Tage entbehren könne, solle sich schnell melden. Auch diese Bitte wurde nun von jemandem aus der Neuköllner Facebook-Community erfüllt.

Damit ist der Wunschzettel des Ensembles abgearbeitet und der morgigen Premiere von “Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt” steht nichts mehr im Weg. Am Sonnabend und Sonntag führen die Schauspieler das Publikum abermals durch ihren Theaterparcours, der auf der Kreuzberger Seite des Landwehrkanals beginnt und gegenüber im Neuköllner Reuterkiez endet.

=ensa=

Was für ein Empfang

Morgen kommt der Papst nach Berlin und das bedeutet unter anderem: Ausnahmezustand rund um die Apostolische Nuntiatur in der Lilien- thalstraße. Denn dort – auf der Neu- köllner Seite der Straße, deren ge- genüberliegender Bürgersteig zum Bezirk Kreuzberg gehört – wird Bene- dikt XVI. das päpstliche Haupt zur Ruhe betten.

Damit er das wirklich ungestört tun kann, gelten ab morgen (4 Uhr) bis übermorgen (12 Uhr) massive Sicher- heitsvorkehrungen für den Kiez am U-Bahnhof Süd- stern. In diversen Stra- ßenzügen wird es we- der für Auto-, Motor- rad- und Fahrradfah- rer, noch für Fußgän- ger ein Durchkommen geben, sämtliche Zu- gänge in den Berliner Untergrund wurden überprüft und versie- gelt, und Anwohner kommen erst nach Personenkontrollen in ihre Wohnungen, deren Fenster zur Straßenseite während des oben genannten Zeitraums geschlossen zu halten sind. Erhebliche Einschränkungen müssen auch die Inhaber von Läden rund um die diplomatische Vertretung des Heiligen Stuhls hinnehmen: Sie werden ob des verhinderten Kundenverkehrs zu einem Zwangs-Frei-Tag verdonnert – wenn sie nicht, wie das Little John Bikes-Team, kurzum ihre jährliche Inventur auf den 22. September verlegen.

Das Berlin, das sich dem Papst bei seinem Deutschland-Besuch präsen- tiert, wird folglich mit dem wahren Berlin nur sehr wenig zu tun haben. Die Stadt wird zum Kulissendasein verdammt, genau wie alle anderen Stationen der Reise. Doch daran dürfte sich Joseph Aloisius Ratzinger während seiner gut sechsjährigen Amtszeit als Oberhaupt der katholischen Kirche längst gewöhnt haben. Zu wünschen wäre ihm indes, dass seine muttersprachlichen Fähig- keiten zwischenzeitlich etwas gelitten haben und ihm deshalb der gram- matikalische Patzer nicht auffällt, mit dem ihn die direkt neben der Nuntiatur gelegene St. Johannes-Basilika empfängt.

=ensa=

Eine schwierige Aufgabe und ihre Lösung

Das Tempelhofer Feld ist ein circa 400 Hektar großes Areal direkt am hoch- verdichteten Neuköllner Norden. Über den aktuellen Planungstand zur Nutzung dieses Geländes berichteten letzte Woche zwei Vertreter der Tempelhof Projekt GmbH  im Köln-Zimmer des Rathauses Neukölln bei einer  gemeinsamen Veran- staltung von Lokaler Agenda 21 und Volkshochschule Neukölln.

Die Planung, an der die Senats- verwaltungen für Stadtentwick- lung und Finanzen, die Se- natskanzlei sowie die drei An- rainerbezirke Tempelhof-Schö- neberg, Neukölln und Fried- richshain-Kreuzberg mitarbei- ten, sieht sich unterschied- lichsten Forderungen gegen- über: Wollen einige  das Ge- lände bebauen, fordern andere, es einfach so zu lassen wie es ist. Die  Tempelhof Projekt GmbH steht also vor keiner einfachen Aufgabe.  Für deren Lösung wurde ein eingängiges Konzept erarbeitet, das auf folgenden sechs Leitbildern basiert:

1. Leitbild „Bühne des Neuen“: Nutzung des Flughafengebäudes für qualitätsvolle Ausstellungen und Messen, um finanziellen Defizite in anderen Bereichen aus- zugleichen oder zu verhindern.

2. Leitbild Thema „Wissen und Lernen“: Bildungscluster mit Zentral- und Lan- desbibliothek sowie Gedenkstätte für das ehemalige KZ Columbia-Haus.

3. Leitbild Thema „Saubere Zukunftstechnologien“:  Industrieansiedlung auf dem Gelände als Ergänzung zu denm Standorten in Adlershof und Tegel nach Schließung des dortigen Flughafengeländes.

4. Leitbild Thema „Sport und Gesundheit“: Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für individuelle Breitensportler und Vereine.

5. Leitbild Thema „Integration der Quartiere“: Voraussetzungen für die Verbindung hochverdichteter Wohnquartiere in Neukölln und Tempelhof mit dem Gelände schaffen.

6. Leitbild Thema „Dialog der Religionen“: Schaffung von Begegnungsstätten der Weltreligionen.

Detailliert sind die Pläne der  Tempelhof Projekt GmbH  hier nachzulesen.

In der Lokalen Agenda 21 der Stadt Berlin (Abgeordnetenhausbeschluss Drs. 15/3245), dem SPD, Linke und einige Parlamentarier der Grünen im Sommer 2006  zustimmten, fehlen leider genaue Aussagen zur Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes vollständig. Alle, die für eine naturnahe Nutzung des Geländes eintreten, können sich allerdings  am Kapitel 4 der Berliner Agenda 21 mit dem Titel „Berlin in der märkischen Landschaft“ orientieren.  Die Broschüre steht hier zum Download bereit.

Der nächste öffentliche Auftritt der Tempelhof Projekt GmbH ist heute ab 18.30 Uhr bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Bauen der BVV Friedrichshain-Kreuzberg.

=Christian Kölling=

Zur Freude der Zuschauer und zum Leidwesen der Autofahrer: der 16. Karneval der Kulturen ist unterwegs!

Noch tanzen, singen und trommeln sie – die Teilnehmer des diesjährigen Karnevals der Kulturen. Um halb 1 startete das in Neukölln aus der Taufe gehobene Ereignis inkarneval der kulturen 2011, umzug, hermannplatz neukölln seine 16. Auflage: 4.758 Karnevalisten aus 70 Nationen sind diesmal dabei, 67 Wagen bahnen sich den Weg durch Hunderttausende Schau- lustige vom Hermannplatz bis zur Yorckstraße, wo der Zug gegen 21.30 Uhr enden soll.

Mit dabei sind auch Neuköllner Initiativen: Die KIDZ 44 – WIR SIND NEUKÖLLN! beispielsweise, die mit Coversongs ordentlich einheizen, und das BAOBAB!-TEAM,  das  das Spektakel  nutzt,  um  für  das  Fußballturnier  afrikanischer

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afrikanischer Mannschaften am 25./26. Juni zu werben. Da rücken die Showelemente etwas in den Hintergrund, bei anderen hingegen geht es nur um die und um Spaß.

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Neuköllnisch-kreuzbergische Legendenbildung

Ayman, der es im Jahr 2000 mit “Mein Stern” in die Charts schaffte, wurde in Berlin geboren – das steht fest. In welchem Bezirk der deutsch-tunesische Musiker zur Welt kam, ist jedoch unklar. Erstaunlicherweise offen- bar auch für Ayman selber.

So ist in einem Portrait über ihn in der November-Ausgabe des Magazins CLIQUE zu lesen: “Wie wir erfuhren, ist AYMAN in Neukölln geboren und wohnt seit der 6. Klasse in Buckow. Also ein echter Südstaatler. (…) Der Süden ist auch für AYMAN etwas ganz Besonderes. Er liebt es hier im Süden zu wohnen.”

Schmökert man sich dann aber durch die Website des Musikers, erfährt man in der Biografie, dass er “1974 in Berlin Kreuzberg” geboren wurde.

Ja, wo denn nun?

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Vergleichsweise: Kreuzberg und Neukölln

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Was man den Kreuzbergern neidlos oder -voll lassen muss: Ihnen gehört eindeutig das sonnigere, idyllischere Ufer des Landwehrkanals.

weigandufer neuköllnDafür hat Neukölln aber dort, wo die Was- serstraße nicht mehr Landwehr- sondern Neuköllner Schiffahrtskanal heißt, den we- sentlich matschigeren, für Kinderwagen- schieber, Rollatornutzer und Rollstuhlfahrer unbenutzbareren Uferweg. Der Neid der Kreuzberger dürfte sich in Grenzen halten.

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Nur ein Maschendrahtzaun zwischen Leben und Tod

jerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnjerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnHeute ist Volkstrauertag und die Chancen stehen gut, dass man in Berlin ohne Schal und Hand- schuhe der Kriegstoten und Opfer von Ge- waltherrschaft gedenken kann, denn es soll bis zu 18 ° warm werden. Ergo: Optimale Bedingungen, um beispielsweise den Friedhof V der Jerusa- lems- und Neuen Kirche zu erkunden, der 1872 an der Hermannstraße in Neukölln angelegt wurde – 20 Jahre nachdem Friedhof IV an der Kreuzberger Bergmannstraße eingeweiht worden war.

Fast bis ans Tempelhofer Feld zieht sich die hunderte Meter lange Allee zwischen den Grabfeldern. Einzig ein neo-gotisches, back- steinernes Kirchengebäude, das seit 2003 von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche Berlin genutzt wird, jerusalems-friedhof 5 hermannstraße neuköllnhindert am Durchblick bis zum Horizont. Was der Fried- hof an Länge reichlich hat, fehlt ihm jedoch in der Breite: In nördlicher Richtung begrenzt ihn eine hohe Mauer vom Grünen Weg, in jerusalems-kirchhof 5 hermannstraße neuköllnsüd- licher stößt er an die Hinterhäuser  und -gärten der War- thestraße. Nur durch luftige Maschendrahtzäune sind Leben und Tod voneinander getrennt. Aber Anzeichen dafür, dass letzterer sich immer weiter zurückzieht und weitaus weniger Platz benötigt als das früher der Fall war,  sind hier allgegenwärtig: Die Zeiten, als sich eine Grabstelle an die nächste reihte, sind vorbei.  In  äußerst drastischer  Form zeigt sich das am  Ende des Grund-

jerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnjerusalems-friedhof hermannstraße neuköllnjerusalems-friedhof hermannstraße neukölln

stücks, wo die Zeugnisse des Friedhofssterbens hüfthohe, makaber-pittoreske Wälle jerusalems-friedhof 5 hermannstraße neukölln,gedenkort zwangsarbeiterlagerbilden. Nur wenige Schritte von einer Gedenktafel an das Ba- rackenlager kirchlicher Zwangs- arbeiter, das ab August 1942 existierte und im April 1945 von der Roten Armee befreit wurde.

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Noch im Schatten großer Messen: Neuköllns Kunstturm

Es künstlert gewaltig an diesem Wochenende in Berlin: Die internationale Kunst- messe art forum berlin lockt in die Messehallen am Funkturm, im Bezirk Mitte laden mehr als 40 Galerien zum Open Weekend ein, in Kreuzberg gastiert die STROKE.03 Urban Art Fair und in Neukölln der Berlin Art Tower.

berlin art tower 2010,neukölln,alte kindl-brauereiBerlin Art Tower – das klingt, als dürfe oder müsse man hoch hinaus und die über 150 Stufen bis in die Spitze des berlin art tower 2010,neukölln,alte kindl-brauereiTurms der alten Kindl-Brau- erei erklimmen, um dem Kunst- genuss zu frö- nen. Dem, das sei gleich vorab gesagt, ist aber nicht so. Doch zu sehen gibt es auch im Fuß des Turms genug.

Auf über 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren bei der dritten Berlin Art Tower noch bis zum 10. Oktober rund 100 berlin art tower 2010,neukölln,alte kindl-brauerei,arne lösekanninternationale Künstler Kostproben ihrer Arbeit.

Die zweifellos imposanteste zeigt der berlin art tower 2010,neukölln,alte kindl-brauerei,arne lösekannHamburger Ar- ne Lösekann:  Quer durch die ganze Kessel- halle zieht sich die schweben- de Treppe des Architekten und Künstlers. Wer allzu forsch in die Halle geht, wird eher in Kniehöhe spüren als sehen, was die weißen Objekte schweben und eine Treppe bilden lässt.

Erheblich kleinteiliger sind die Installationen anderer Künstler, die wie Lösekann die Besonderheiten der Umgebung nutzen und in der Kranhalle mit der Ar- chitektur der ehemaligen Brauerei spielen.

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Konventionelles Interieur umgibt dagegen die Werke in der Galeriehalle berlin art tower 2010,neukölln,alte kindl-brauereider auf dem Kindl-Gelände beheimateten CoachingCulture Gallery. Weiße Stellwände verwehren den Blick auf dreckig graue Fabrik- berlin art tower 2010,neukölln,alte kindl-brauereimauern und lenken ihn aufs Wesentliche: die so facetten- reichen und spannenden Bilder, Collagen und Objekte junger oder etablierterer Künstler

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