Neuköllner Erinnerungs(un)kultur

Heute würde Martin Weise sein 110. Lebensjahr vollendet haben, wäre er nicht – wie so viele seiner Gesinnungsgenossen – den Naziverbreche(r)n zum Opfer gefallen und mit gerade einmal 40 Jahren zu Tode gebracht worden. Ein wahrhaft mutiger Mann, der auch nach dem Verbot des Parteiorgans „Die Rote Fahne“, für das er als Redakteur tätig war, dieses illegal weiter mit herausgegeben hat. Deshalb verhaftet, martin weise-wohnhaus_jonasstr 42_neuköllnarbeitete er nach fünf Jahren barba-rischer Haft- und Lagerbedingungen erneut publizistisch im Untergrund, diesmal für die Zeitschrift „Die innere Front“.

In seiner Neuköllner Zeit wohnte Mar- tin Weise in der Jonasstraße 42 und war ab 1929 Bezirksverordneter für die KPD – bis die Nazis es unterbunden haben. Da der Hauseigentümer gegen das Anbringen der bereits im September 1984 von der Bezirksverordnetenversamm- lung beschlossenen Neuköllner Gedenktafel an der Fassade seines Gebäudes war, wich man auf eine Metalltafel in einem Stahlrohrrahmen vor dem Haus aus: Erst im September 1998, also ganze 14 Jahre nach dem Beschluss und fast 55 Jahre nach Weises Tod, wurde martin weise-fahrradbügel_neuköllndiese schließlich aufgestellt.

Der auf der stark verschmutzten Tafel nur schwer lesbare Text lautet: „Hier wohnte Martin Weise, ge- boren 1903, Redakteur der „Roten Fahne“ und von 1929 bis 1933 Bezirksverordneter der KPD. Nach einem langen Leidensweg durch verschiedene Kon- zentrationslager und Zuchthäuser wurde er wegen seines Widerstands gegen den nationalsozialis-tischen Terror zum Tode verurteilt und am 15. No- vember 1943 im Zuchthaus Brandenburg hinge-richtet.“

beschmierte martin-weise-gedenktafel_neuköllnDer Rahmen der Gedenktafel, die in einer verdreckten ehe- maligen Baumscheibe steht, mutet wie ein Fahrradbügel an und wird offenbar auch als solcher genutzt. Als sei diese Art der Erinnerungskultur nicht schon unwürdig genug, hat man nun zum 110. Geburtstag Martin Weises noch eins draufgesetzt, das hier nur dokumentiert, aber nicht weiter kommentiert werden soll.

=kiezkieker=

Volle Pulle in die Steinzeit

Man muss nicht durch die Neuköllner Ederstraße gehen oder im Sauvage schlem- men, um ans Paläolithikum, also: die Steinzeit, erinnert zu werden. Denn am heutigen Tage werden immer noch Rituale praktiziert, die – wiewohl erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Mode gekommen – steinzeitlich anmuten. Gemeint  sind die alko-

steinzeit_neukölln

holische Getränke konsumierenden Gruppen von Vätern, Männern oder Herren, die betont lustig, mit oder ohne Gefährt ins Grüne ziehen, um sich beim Bierkistenrennen und anderen trinksportlichen Wettkämpfen zu messen. Statistisch nachgewiesen ist, dass an diesem Tag die meisten alkoholbedingten Unfälle verursacht werden, auch ist die Zahl der Schlägereien exorbitant hoch. Bleibt zu wünschen: Marmor, Stein und Eisen bricht, doch hoffentlich der Vater nicht!

=kiezkieker=

… runter wie Öl

werbung olivenöl-eis_erste sahne neuköllnUm es vorweg zu nehmen: Es geht um Eis, genauer um Speiseeis, und um die Zahl 3. Denn seit 1843 kann Speiseeis in Eis- maschinen produziert und seit 1873 mit Apparaten, in denen Ammoniak verflüssigt wird, dauerhaft kalt und somit haltbar gehalten werden. Tja, und 2013, genauer ab heute, gibt es in Neukölln das ver- mutlich erste Eis aus Olivenöl, das ganz ohne Milch, Sahne und tierische Produkte entsteht. So schlüssig es scheint, aus Speiseöl Speiseeis zu machen, so ungewöhnlich ist es doch auch. Carpaccio mit Olivenöl: unabdingbar. sara tricoli_erste sahne neuköllnAber Gelato?

Wieder spielt die 3 eine Rolle, denn es waren drei Dinge, die Sara Tricoli und Domenico Richichi, die beiden Inhaber des Eiscafés Erste Sahne, bewegten, sich daran zu versuchen: Zum einen produziert Domenicos Vater in Kalabrien von eigenen Olivenbäumen hochwertige Öle, die zum Einsatz kommen sollten. Zum anderen war das Wissen um Kunden, die bisher auf Sorbets zurückgreifen mussten, weil sie Veganer sind oder wegen einer Laktose-Intoleranz nur wenig Freude am sara+domenico_erste sahne neuköllnherkömm- lichen Eis haben. Und außerdem haben die beiden Jungunternehmer den Wunsch, nicht nur kommerziell, sondern auch kreativ tätig zu sein und im Eislabor zu experimentieren.

olivenöl-eis_erste sahne neuköllnDas Schoko-Olivenöl-Eis hat einen tie- fen Dunkelbraunton, ist intensiv schokoladig und so cremig wie das Erste Sahne-Sahneeis. “Wir verkaufen Eis und keine Luft”, sagt Domenico Richichi schmunzelnd. Wer nicht weiß, dass hier Öl ver- arbeitet wurde, käme nicht auf die Idee. Das ist bei der Geschmacksrichtung Pistazie anders. Schon die Farbe hat nichts mit gewöhnlichem Pistazieneis gemein, weil keine Farbstoffe zugesetzt sind. Auf der Zunge macht sich eine leichte Olivenöl-Nuance be- merkbar, die das Pistazien-Aroma harmonisch abrun- sara tricoli_erste sahne_neuköllndet. Außerdem gibt es das außergewöhnli- che milch- und sahnefreie Eis mit Haselnüssen und Pinienkernen.

Sara Tricoli (r.) strahlt, als sie von den neuen Eis- Kreationen erzählt, die ihre Cremigkeit durch eine ausgeklügelte Mixtur aus Olivenöl und biointegralem Sojamehl erhalten und fortan die Sorbets mit Hasel- nuss und Kakao ersetzen. Neu im Sortiment der kleinen Eisdiele in der Kienitzer Straße 116 ist auch eine Joghurt-Linie, die von Eis und Eistorten otivm erste sahne neuköllnbis zu Semifreddi reicht und ebenfalls für Lakto- se-Intolerante geeig- net ist.

Die von den Erste Sahne-Machern ausgesprochene, selbstironische Warnung “Es macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an!” behält somit auch in dieser Eissaison ihre Gültigkeit.

=kiezkieker=

Verschleppt. Getreten. Beschimpft. Bedroht.

kreuzAnlässlich des Berliner Themenjahrs „Zerstörte Vielfalt“ ist die Konfron-tation mit den immer wieder unfass- baren Gräueltaten innerhalb der Dutzend Jahre braunen Terrors groß. Dass sogar die Evangelische Kirche daran beteiligt war, indem sie ver- steckt im hinteren Teil des Fried- hofs der Jerusalems- und neuen Kir- che V an der Neuköllner Netzestraße von 1942 bis 1945 ein Zwangsarbeiterlager betrieb, ist kaum zu glauben. Über 40 christliche Gemeinden (38 evangelische und 3 katholische) waren daran beteiligt und ließen auf säulenrest_ns-zwangsarbeiter_neuköllnihren Friedhöfen über hundert aus der besetzten Sowjetunion verschlepp- te männliche Zivilisten als Totengräber schuften.

Bis vor zwei Wochen erinnerten eine Infor-mationssäule und ein Gedenkstein nahe dem Eingang dieses Friedhofs daran. Heute ist dieser Platz verwaist und nur noch der Sockel und ein Kranz aus Kieseln weist darauf hin, dass hier mehr gewesen sein muss.

Begibt man sich allerdings in den Teil, in dem die Wohn- und Wirtschaftsbaracken gestanden haben, trifft man auf eine etwas schief stehende Tafel, auf der u. a. zu lesen ist: „Hier standen von August 1942 bis April 1945 die Baracken eines hinweistafel_gedenkort zwangsarbeiterlager_neuköllnkirchlichen Zwangsarbeiter- lagers. (…) Wegen mangel- hafter Ernährung litten sie unter Hunger und Krankhei- ten. Kranken wurde in eini- gen Fällen Arbeitsverweige- rung unterstellt. Das bedeu- tete Einweisung in ein »Ar- beitserziehungslager« oder KZ. (…) Bei den häufigen Bombardements des an- grenzenden Flughafens durften die Insassen des Lagers als besonders gekenn- zeichnete »Ostarbeiter« keine Luftschutzkeller benutzen. (…) Das Lager wurde drei Mal von Bomben getroffen und brannte am 29. April 1944 nieder. Auch wenn es bei diesem Angriff, da er tagsüber erfolgte, keine Todesopfer gab, wuchs die Angst. Das Lager wurde 1944 nach der Zerstörung hinweistafel_ausstellung ns-zwangsarbeit_neuköllnnotdürftig wiederaufgebaut. Die Befreiung er- folgte am 24. April 1945 durch die Rote Armee.“

Dann ein weiteres Schild. Und wer am letzten Sonntagnachmittag diesem Hinweis folgte, traf nicht nur auf den Ausstellungspavillon, sondern auch auf Gerlind Lachenicht und eine kleine Gruppe weiterer Menschen, die der Einladung von Cross Roads gefolgt waren und ns-zwangsarbeiter-pavillon_neukölln„Berlin mit anderen Augen“ sehen wollten. Das nämlich verspricht dieses Stadtspa-ziergangsprogramm, das sich insgesamt 19 verschiedenen Themen widmet und so auch dem, der diesem Beitrag die Über- schrift gab.

Gerlind Lachenicht ist hauptamtliche Mitar-beiterin des Landeskirchlichen Archivs und dort für das Forum für Erinnerungskultur der EKBO (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) tätig. An diesem Tag war sie zusätzlich fürsorgliche Gastgeberin im Ausstellungspavillon auf dem St. Thomas-Friedhof und in jeder Hinsicht kompetente Spaziergangs-führerin gerlind lachenicht_crossroads_neuköllnmit großem Engagement, das nicht zuletzt daran festzumachen war, das sie die vorgesehen 1 ½ Stunden schlicht- weg verdoppelte.

Anhand der Ausstellungstafeln zeichnete sie das Schicksal derjenigen Insassen nach, die sie ausfindig gemacht und zu denen sie Kontakt herstellen konnte. Von ihr ist auch zu erfahren, dass erst im Jahr 2000 klar wurde, welche Rolle die Kirchengemeinden in diesem Zusammenhang gespielt haben, und welchen Schock das in Kirchenkreisen auslöste. Eine weitere erschreckende Erkenntnis war die, dass die Zwangsarbeiter selbst nicht wussten, dass sie für kirchliche Einrichtungen arbeiteten, was wiederum deutlich macht, dass sie keinerlei seelsorgerische Begleitung durch die Pfarrerschaft erfuhren. Es war allerdings auch das einzige Lager, das von der Kirche geplant, aufgebaut und über Jahre verantwortet wurde.

Was die Zwangsarbeiter durchmachen mussten, ist unter Anlegung heutiger Maß- stäbe unvorstellbar. Am Schlimmsten muss der Hunger gewesen sein. Und wer denkt, dass die Überlebenden durch die Rote Armee „befreit“ wurden, irrt. Denn zurück in der Heimat, wurden sie als Kollaborateure geschmäht, weil sie für Deutsche gearbeitet und nicht gegen diese die Waffe erhoben hatten. Dass dennoch die einzelnen Lebenswege ganz unterschiedlich verliefen, lässt Gerlind Lachenicht crossroads-gruppe_neuköllndurch ihre ergreifenden Schilderungen deutlich werden.

Beim anschließenden Gang über den Friedhof finden sich auch Gedenkstein und Infosäule wieder, die bewusst in die Nähe Ausstellungsraumes gebracht wurden, weil die geschäftige Hermannstraße ein zu stark trennendes Element gewesen sei. Und nun werden auch die Gestaltung und Funktion dieses Findlings erläutert:

Nachdem die oberste Ebene mit dem Sinnbild des Deckelhebens abgenommen worden war, ging es darum, einen geeigneten Sinnspruch zu finden. Man einigte sich gedenkstein_ns-zwangsarbeiter_neuköllnauf: „Der Gott, der Sklaven befreit, sei uns gnädig.“ Aus dieser zweiten Ebene ist dann für jede der beteiligten Gemeinden ein Stein mit ihrem Namen geschnitten worden, die die meisten von ihnen an einem würdigen Ort – z. B. dem Altar – aufbewahren. Jährlich am Volks-trauertrag findet eine Gedenkfeier statt, zu der Vertreter der jeweiligen Gemeinde mit ihrem Stein zusammenkommen, um ihn auf seinem Platzhalter auf der dritten Ebene zu crossroads-führung_gerlind lachenichtplatzieren. Diese Feier wird jeweils von Ange- hörigen der Evangelischen Schule Neukölln gestaltet.

Ein Schüler dieser Schule war es auch, der 2008 beim Besuch des ehemaligen Zwangs-arbeiters Wassili Miljutin, in dessen Dorf in der Ost-Ukraine einen Film mit dem Titel „Eine Reise durch die Ukraine“ gedreht hat. Dieser Film kann in der Ausstellung ange- sehen werden.

Broschüre_Erinnerungsorte gestalten_kirchliche Zwangsarbeiter NeuköllnDer NS-Zwangsarbeiter-Pavillon auf dem St. Thomas- Kirchhof in der Hermannstraße ist bis Mitte Oktober mittwochs und sonnabends zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. In dieser Zeit stehen Ehrenamtliche für weitere Auskünfte zur Verfügung. Dort ist auch die Broschüre “Geschichte erforschen – Menschen finden – Erinnerungsorte gestalten” für 3 Euro zu erwerben.

Wer Authentisches zum Thema von Gerlind Lache- nicht lesen möchte, dem sei ihr Vortrag zum Tag des offenen Denkmals am 10.9. 2005  empfohlen.

=kiezkieker=

Wurzeln hier und dort

Die Idee, der Chronik „Čermná v proměnách staletí“ deutschsprachig zu entsprechen, hatte der Freunde Neuköllns cermna-chronik tschechische. V. bereits 2004, als das Buch anlässlich der 700-Jahr-Feier des Ortes in Tsche- chien editiert wurde. Neu belebt wurde der Gedanke buchcover_cermna-chronik_freunde neuköllns e.vallerdings erst jetzt im Ge- denkjahr der Auswanderung der Böhmen vor 275 Jahren aus dieser Gegend wieder. Und so wurde nunmehr das Original vom Verein übersetzt, bearbeitet und mit dem Titel „700 Jahre Čermná – Ge- schichte eines ostböhmischen Dorfes“ herausgegeben. Letzten Freitag stellten Manfred Herrmann, Dieter Herr- mann und Christian Kölling als Vertreter des Freunde Neuköllns e. V. die deutsche Ausgabe des Buches bei einer Pressekonferenz im Comenius-Garten vor.

(v. l.: Veronika Patočková, Vladimír Hejl, Alena Vojtková, Lenka Ptáčková und Manfred Herrmann)

(v. l.: Veronika Patočková, Vladimír Hejl, Alena Vojtková, Lenka Ptáčková und Manfred Herrmann)

Manfred Herrmann vom Vereinsvor- stand moderierte die Buchpräsen- tation und machte zunächst die Gäste aus Čermná bekannt: Vero- nika Patočková, eine der drei Über- setzerinnen des Buches, die die Veranstaltung auch dolmetschte, Vladimír Hejl, den Kurator der Ge- meinde der Evangelischen Kirche in Horni Čermná, Alena Vojtková, die amtierende Stadträtin und ehe- malige Bürgermeisterin des Ortes, sowie  Lenka Ptáčková, einer Lehrerin der Elementarschule Základní škola. “Im Ver- gleich mit der tschechischen Ausgabe ist das deutsche Werk zum Einen leicht gekürzt, andererseits aber auch durch Erläuterungen ergänzt worden”, berichtet Manfred Herrmann, der die Redaktion des Buches vorgenommen hatte. Schließlich könne nicht bei allen Lesern vorausgesetzt werden, dass ihnen Namen wie Reinhard Heydrich oder Tomáš Masaryk geläufig sind.

Anhand von projizierten Bildern, von denen die Mehrzahl im Buch enthalten ist, beleuchtet Herrmann einige Details, und so ist zu erfahren, dass Čermná 1936 geteilt wurde in Horni (Ober-) und Dolní (Unter-) Čermná, damals auch „Böhmisch Rothwasser“ genannt. Grund für die Teilung waren die seit vielen Jahrzehnten gepflegten Querelen, z. B. um die Lage von kommunalen Einrichtungen wie Schule, Feuerwehrhaus und anderen. Dazu muss man wissen, dass sich der Ort über sieben Kilometer hinzog, sodass die für die Bürger zurückzulegenden Wege in damaliger Zeit schon eine gewichtige Rolle spielten. Ein weiterer Dissenspunkt ergab sich daraus, dass die Bewohner des unteren Teils überwiegend römisch-katholisch und die im oberen protestantisch waren. Dass die Rivalität auch heute noch vorhanden ist, macht er daran fest, dass für Dolní Čermná eine eigene Chronik Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Vladimir Hejl+Alena Vojtkováherausgebracht worden ist.

In Horní Čermná gibt es zwei Kirchen, die Evangelische Kirche und die Wallfahrts- kirche auf dem Berg Mariánská Hora. Ein Antrag auf den Bau eines evangelischen Bethauses wurde bereits im Jahre 1785 an die Herrscher gestellt. Es sollte an einer geeigneten Stelle gebaut werden, die der katholischen Gemeinde nicht im Weg stehen und weit genug von der katholischen Kirche entfernt sein sollte. Der Eingang durfte nicht in Richtung des Hauptwegs zeigen, und es durfte keinen Turm und keine Glocke haben. Mit dem Bau wurde im Jahre 1787 begonnen. Das Kirchengebäude war sehr bescheiden. Es stand nicht an der Stelle der heutigen Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Bildvortrag+ev. KircheKirche, sondern einige Meter weiter in Richtung Feld.

Schon bald war es allerdings sowohl hinsichtlich der Räumlichkeiten als auch hinsichtlich des baulichen Zustands nicht mehr geeignet, so dass im Jahre 1836 der Grundstein für die neue Steinkirche gelegt wurde. Im Jahre 1839 wurde diese vollendet. Erst im Jahre 1884 erlaubte man, die Kirche um einen 23 Meter hohen Turm mit goldener Kuppel und Stern zu ergänzen.

Zur Wallfahrtskirche wird erzählt, dass der Fuhr- mann A. Keprta im Jahre 1814 eine Ladung von Mühl- steinen durch diese Gegend transportierte. Auf der holprigen Straße überschlug sich der Wagen und der Fuhrmann blieb unter dem Wagen eingeklemmt. Als er die Jungfrau Maria um Hilfe bat, erschien eine strahlende Dame, die ihm half. Im Jahre Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Bildvortrag+Rychta Kirche1864 wurden hier eine Kapelle und im Jahre 1875 die heutige Kirche gebaut, in deren Inneren die Kapelle erhalten blieb.

Auf dem historischen Foto ist neben der Kirche links das Haus „Rychta“ zu sehen. Ob es im Deutschen mit Bürgermeister-, Schultheißen- oder Richteramt wiederge- geben werden sollte, ist nicht eindeutig, gewiss ist, dass die dort tätigen Amtsträger nicht gewählt, sondern von der Herr- Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Henning Vierck+Manfred Herrmannschaft eingesetzt wurden.

Neben der zeitweilig vorhandenen Textilindustrie und der Ziegelei ist es Manfred Herrmann (r., mit Henning Vierck, dem Leiter des Comenius-Gar- tens) wichtig, auf die Sokol-Turnhalle hinzuweisen. Sie sei Symbol für eine Turnbewegung, ähnlich der Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Bildvortrag+Sokol-Turnhalleum Ludwig Jahn, die neben der Körperer- tüchtigung auch den nationalen Impetus beinhaltete. Aus den Mitgliedern, erklärt Herrmann, hätten sich dann auch Soldaten rekrutiert, die – obwohl sie der österreichischen Wehrpflicht unterlagen – auf Seiten der Russen oder Franzosen gegen die Österreicher kämpften, um einen Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Bildvortrag+Grenze Protektorat Sudetengebietunabhängigen Staat Czechoslowakei zu erlangen.

Ein besonderes Kuriosum aus der Besatzungszeit wird auf einem weite- ren Bild deutlich: Mitten durch Čerm- ná ging die Grenze zwischen Reichs- gebiet und Protektorat. Das histori- sche Foto zeige die Kontrollstelle inmitten des Ortes, erläutert Herr- Ortswappen Horni Cermnamann. Auch auf das Wappen von Horní Čermná geht er ein. Das Buch stehe für Bildung und die Linde sei das Symbol für Böhmen. Dass der Baum mit Wurzel dargestellt ist, solle die Entwurzelung der Emigrierten verdeutlichen. Diese wanderten übrigens nicht nur nach Sachsen und Preußen, sondern viele von ihnen nach Texas aus, und das nicht nur aus religiösen sondern später über- wiegend aus wirtschaftlichen Gründen.

Als Stadträtin und Ex-Bürgermeisterin Alena Vojtková um ein Statement gebeten wird, betont sie – wie Veronika Patočková (r.) übersetzt – die gute Zusammenarbeit mit den Buchpräsentation 700 Jahre Cermna+Veronika PatockováNeuköllnern, die enge Verbundenheit und dass das Buch weitere Gemeinsamkeiten in der Geschichte erfahren lasse. Sie habe gehört, dass mancher Neuköllner, wenn er nach Horní Čermná reist, sage: „Ich fahre nach Hause.“ Genau das, betont sie, sage sie selber auch, wenn sie Neukölln besuche. Es sei sehr wichtig, findet sie, dass die Menschen die Geschichte der jeweils anderen erfahren und schließt mit dem Zitat: „Wer die eigene Geschichte nicht kennt, kann nicht in der Gegenwart leben.“

Die nun in deutscher Sprache erschienene Čermná-Chronik schließt Lücken im geschichtlichen Wissen und lässt viel über den Ort erfahren, aus dem vor 275 Jahren Menschen kamen, die zu „Rixdorfer Böhmen“ wurden.

Das vom Freunde Neuköllns e. V. herausgegebene Buch „700 Jahre Čermná – Geschichte eines ostböhmischen Dorfes“ hat 208 Seiten mit diversen Karten und Fotos sowie einen Anhang über das Böhmische Dorf in Neukölln. Die Chronik kostet 9 Euro und ist im Buchhandel (ISBN 978-3-00-038870-5) oder per E-Mail-Bestellung an manfred.herrmann[at] freunde-neukoellns.de erhältlich.

=kiezkieker=

Schnäppchenparadies Neukölln

Liebe  kann man  nicht kaufen, das ist  landläufige Meinung. Dieser  Kaugummi-Auto- mat  in der  Allerstraße  beweist zweifellos das Gegenteil und bietet  Agape – wie  das

agape_kaugummi-automat neukölln

Phänomen Liebe in der antiken griechischen Literatur genannt wurde – wahlweise für 5 oder 20 Cent  an. Und das nicht nur zum Fest der Liebe, sondern an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr, falls er nicht gerade kaputt ist.

Sechs von 18: verfolgt, deportiert, ermordet

stolpersteine oderstr. 52 neuköllnEs herrscht ein Wetter, wie es novembriger nicht sein könnte. Dennoch haben sich an diesem Morgen erstaunlich viele Menschen, sogar eine ganze Schulklasse vor dem Haus Oderstraße 52 im Neuköllner Schillerkiez eingefunden. Für die Kinder ist es sicher kaum, für die Erwachsenen nur schwer vor- stellbar, was sich hier im Sommer 1942 abspielte. Vor den Augen des 12-jährigen Max wird seine Großmutter „abgeholt“. Gemeint war damals damit: aus der Familie gerissen, deportiert und ermordet zu werden. Noch unbegreiflicher, dass auch Max zusammen mit seiner Mutter ein halbes Jahr später mit dem 26. sogenannten Ost- transport des Reichssicherheitshauptamts ins KZ Auschwitz deportiert wird.

Heute werden hier zum Gedenken an diese drei Menschen Stolpersteine in den Bürgersteig eingelassen: “Hier wohnte Martha Meth / geb. Lewin / Jg. 1903 / deportiert 12.1.1943 / ermordet in Auschwitz”, informiert der eine. “Hier wohnte Max Meth / Jg. 1930 / deportiert 12.1.1943 / ermordet in Auschwitz”, besagt ein anderer. gunter demnig_stolpersteine oderstr. 52 neukölln“Hier wohnte Selma Lewin / geb. Meyer / Jg. 1868 / deportiert 31.8.1942 There- sienstadt / ermordet 28.4.1944″, verrät der dritte.

Gunter Demnig arbeitet mit seinem Assis-tenten wie ein Uhrwerk, jeder Handgriff sitzt, inzwischen hundertemal ausgeführt. Nachdem die letzte Schaufel Sand in die Fugen gefegt und die demnig_wetzlar-schule_stolpersteine meth + lewin_neuköllnMessingoberflächen geputzt worden sind, kommt ein Junge, der inzwischen in Charlottenburg zur Schule geht, mit einem Strauß weißer Rosen, die er nun um die Gedenksteine drapiert. Er gehörte der Arbeitsgemeinschaft von Schülern der damali- gen 6. Klasse der Wetzlar-Schule an, die sich mit den Hintergründen der NS-Diktatur be- fasste und sich besonders für das Leben von rassisch verfolgten Kindern inte- wetzlar-schüler_stolpersteine meth + lewin_neuköllnressierte. Auf ihrem Schulfest sammelten sie Geld für diesen Stolperstein.

Der zweite Stolperstein wurde von Verwandten gestiftet, von denen drei bei dieser Gedenkstunde anwesend sind. Herr Schicke erläutert die verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Opfern und veranschaulicht, wie schwer es für sie auch heute noch sei, sich diesem Teil ihrer Familien- geschichte zu nähern. Von ihm ist auch zu erfahren, dass von den insgesamt sieben Kindern der Selma Lewin weitere drei mit ihren Familien in Auschwitz oder There- sienstadt umgekommen sind. Andere konnten emigrieren, z. B. nach Argentinien, oder franziska giffey_stolpersteine oderstr. 52 neuköllnunter falschem Namen in Thü- ringen unter- tauchen. So sachlich Herr Schicke (2. v. r.) das auch schildert, so bedrückend sind die Vorstellungen, die sich damit verbinden.

Auch Dr. Franziska Giffey (r.), Bezirks-stadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport, dankte für das Interesse und das Engagement der Beteiligten. Der Schulleiterin der Wetzlar-Grundschule, Brigitte Schmidt, überreichte sie ebenso wie einer Angehörigen, stellvertretend für die Familie, das Buch „Zehn Brüder waren wir gewesen… Spuren Jüdischen Lebens in Neukölln“. demnig_stolpersteine meth + lewin_neuköllnGiffeys für die Pressearbeit zuständige Mitarbeiterin, Bärbel Ruben, hebt ebenfalls das Bürgerengagement hervor, das solche Aktionen erst ermög- licht. Der Pate des dritten Stolpersteins, der an Martha Meth erinnert, wohne in der Nachbarschaft, erzählt sie. Falls er anwe- send sein sollte, will er sich nicht zu erkennen geben. Gunter Demnig will wei- ter: Die Verlegung 18 neuer Stolpersteine hat er für den Vormittag in Neukölln auf dem Programm.

Schon für 5 nach 10 war die Stolperstein-Verlegung vor dem Haus Richardstraße 86 geplant, und fast auf die Minute pünktlich fährt ein rotes Auto vor, dem der Künstler Gunter Demnig sowie ein junger Mann entsteigen. Die Station in der Richardstraße ist bereits die vierte des Tages. Mit großer Routine und im Beisein von Beate Motel (r.) und Brigitta Polin- na, Vertreterinnen des Förderkreises Böhmi- sches Dorf in Neukölln e. V., der Pate der beiden Mahnmale ist, entnimmt Gunter Dem- nig  Steine aus Gehwegbelag und passt in den freien Platz die Stolpersteine für Karoline Basch, geb. Schütz, und Josef Basch ein.

Beide stammten aus Böhmen: Josef Basch wurde am 17. Mai 1879 in Reitschoves geboren, Karoline am 14.3.1875 in Myss. Am 17. November 1941 wurden die Neuköllner nach Kowno depor- tiert, wo die Nazis einige Monate zuvor ein Konzentrationslager errichtet hat- ten. Kauen, der Ort an dem beide acht Tage nach ihrer Deportation starben, ist eine alte deutsche Bezeichnung für die litauische Stadt Kaunas; Kowno ist deren russischer Name.

Mehr als diese nackten Zahlen sind von den Baschs bisher nicht bekannt. Es liegt jetzt an der Initiative jedes Einzelnen, weiteres über Karoline und Josef Basch zu recherchieren. Volker Banasiak vom Museum Neukölln, der bezirkliche Stolpersteine-Koordinator, nannte mir einige der Möglichkeiten der Spurensuche: Zum Beispiel seien das Brandenburgische Landes- hauptarchiv (dort die Akten des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg), die Archivalien jüdischer Gemeinden, Institutionen und Privatpersonen, Berliner Adress- bücher (verfügbar in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin), sowie die Gedenk- stätte in Yad Vashem wertvolle Quellen.

Josef Basch und Karoline Basch. Was immer sie beruflich taten, mit wem sie im Böhmischen Dorf Kontakt hatten, wer ihre Freunde waren? Wir wissen es noch nicht. Was wir wissen: Sie wa- ren Bürger von Neukölln.

Dem Initiator der Stolpersteine, Gun- ter Demnig (r.), konnte ich noch einige Fragen stellen. 1993, erzählt er mir, habe er die Idee gehabt, durch Stol- persteine an Verfolgte der NS-Zeit zu erinnern. Ab 1996 verlegte er die ers- ten illegal im Berliner Bezirk Kreuz- berg, legitimiert wurde das Projekt erst im Jahr 2000. Seitdem werden die Stolper- steine von ihm das ganze Jahr über verlegt. Einzig Minustemperaturen unter 9 Grad, sagt er, könnten seine Arbeit verhindern. Da störte dann der Regen gleich weniger.

Eine knappe halbe Stunde später erreichen Gunter Demnig und sein Zwei-Mann- Team das sechste Etappenziel in Neukölln: Bis zum Oktober 1940 lebte Paul Fürst in der 3. Etage des Hauses in der Bruno-Bauer-Straße 17a. Dass nun ein Stolperstein an ihn erinnert, ist dem Verein  proNeubritz  zu verdan- ken, der die Patenschaft für das Messing-Mahn- mal des Mannes übernahm, der “wegen politi- scher Unzuverlässigkeit” ermordet wurde.

Paul Fürst war zunächst Justizangestellter ge- wesen, machte sich aber später selbstständig und gründete den Neukultur- und den Kosmos-Verlag. Schon 1920 war er in die SPD eingetreten und bis zum Verbot der Partei im Jahr 1933 ihr Mitglied. Weil Fürst “so- zialistische und wissenschaftliche Bücher” vertrieb, wurde er 1938 mit einem Berufs- verbot belegt. Zwei Jahre später beschlag- nahmte die SA den kompletten Bücher- bestand, und die Gestapo nahm Paul Fürst wegen ille- galer Arbeit in “Schutz- haft”. Nach einigen Tagen wurde er  in das KZ Sach- senhausen eingeliefert, wo er am 6. Juni 1941 um 18.30 Uhr starb. Als Todesursache nennt die vom Lagerarzt ausgestellte Todesbescheinigung, die auch in der Publikation “Widerstand in Neukölln” dokumen- tiert ist: doppelseitige Lungenentzündung und Kreis- laufschwäche.

Bei anderen Anga- ben hätten sich die Nazi ebenfalls viel Mühe gegeben, durch absicht- lich verfälschte Daten die Spurensuche nach Geg- nern des Regimes zu erschweren, sagt Bertil We- wer vom proNeubritz-Vorstand. So werde im Ster- bebuch des Standesbeamten Paul Fürsts alte Ge- schäftsadresse in der Gontardstraße 2 als Wohn- ort genannt: “Sehr wahrscheinlich lebten aber außer Paul Fürst auch seine Mutter, seine Schwes- ter und sein Bruder während der NS-Zeit hier in der Bruno-Bauer-Straße.” Fürsts Schwester starb, wie Recherchen des Vereins ergaben, bruno-bauer-str. 17a_neuköllnim Dezember 1944, die Mutter, die als Opfer des Natio-nalsozialismus anerkannt wurde, am 14. März 1947. Eine Entschädigungszahlung blieb Paul Fürsts Bruder Wilhelm verwehrt, der später in Moabit wohnte und bis zu seinem Lebensende unter den Folgen des Nazi-Regimes litt. “Was von 1933 bis 1945 in Deutschland den Menschen an Verbrechen und Unmenschlichkeiten angetan wurde, hat auch Gott erzürnt und er wird den Schuldigen nie ver- geben, niemals”, hielt er schriftlich fest.

“Wir gehen jetzt weiter zur Jahnstraße 12, wo der proNeu- britz einen weiteren Stolperstein für Karl Tybussek ver- legen lässt. Danach werden wir die älteren Stolpersteine in Neubritz reinigen”, kündigte Wewer zum Abschluss der Gedenkzeremonie vor Fürsts Wohnhaus an. “Scheiß- wetter!”, brummelt Gunter Demnig und setzt sich zu seinem Assistenten und seinem Fahrer ins Auto. Nachdem der 18. neue Stolperstein weiter im Süden Neuköllns verlegt ist, setzt er seine Mission in anderen Berliner Bezirken fort.

=kiezkieker / Reinhold Steinle / ensa=

Bereits erschienene Beiträge über Stolpersteine im FACETTEN-Magazin: hier!

Blasen, fegen, saugen

Täglich lassen sich momentan in Neukölln Szenen wie diese beobachten: Erst werden den  Straßen von emsigen  Frauen und Männern in  Orange akkurate  Seiten-

scheitel gefegt und geblasen, dann kommt der große Laubsammelwagen, verleibt sich die Spur aus Blättern und Verpackungsmüll saugend ein, und ruckzuck sieht alles wie geleckt aus. Vorübergehend.

Dahinter geht’s nicht weiter

„Muss man denn immer wieder daran erinnern?“ Diese Frage wird oft gestellt, auch und gerade im Zusammenhang mit dem 9. November. Gemeint ist nicht der Jah- restag des Mauerfalls und auch nicht der der Ausrufung der Republik in Deutschland, sondern das Gedenken an die furchtbare Pogromnacht vor nunmehr 74 Jahren, in der auch der Versammlungsort des Israelitischen Brüder-Vereins zu Rixdorf, die 1907 eingeweihte Synaehemalige synagoge isarstraße 8 neuköllngoge in der Isarstraße 8 in Neukölln, zerstört wurde. Auch heute noch eine bemerkenswerte Adresse.

Das gelb angestrichene Wohnhaus aus der Gründerzeit steht zwar in der Isarstraße, aus den Fenstern des Vorderhauses sieht man aber zur Neckarstraße hinaus, die dadurch ihren Abschluss findet und so zur Sackgasse wird. Unmittelbar daneben sieht man eine gewaltige Stützmauer, ein Relikt der Rollberge, das vor Abbruch und Bodenerosion schützt. ehemalige synagoge isarstraße 8 neuköllnDieser Schutz setzt sich auf dem engen Hof in der Isarstraße fort und ist in handwerklich gut ausgeführter Klempner- arbeit mit Blechen abgedeckt. Der Hauseigentümer wird wohl wissen, dass diese Anschüttung nicht entfernt werden sollte; dahinter befinden sich die Tiefgeschosse der ehe- maligen Kindl-Brauerei.

Im schmucklosen Quergebäude haben laut Klingeltableau die Historischen Siebenten-Tags-Adventisten ihren Ge- meindesaal. „Die sind seit vier Jahren hier und vorher die Zeugen Jehovas, aber die sind in die Naumburger Straße gezogen. Das war eine gute Nachbarschaft mit denen“, ist von einer Hausbewohnerin zu erfahren, die seit 46 Jahren hier wohnt. Von der ehemaligen Synagoge an dieser Stelle weiß auch sie nur vom Hörensagen, beziehungsweise von den Angaben auf der Berliner Gedenktafel, die an der Haus- ehemalige synagoge isarstraße 8 neukölln, berliner gedenktafel georg kantorowskyfront angebracht ist.

Georg Kantorowsky, der 1917 Rabbi- ner der Neuköllner Synagoge  wurde,  deutete die Maßnahmen, die bereits 1933 gegen die jüdische Bevölke- rung gerichtet waren, richtig und schaffte das bis dahin obligatorische Gebet für den Landesherrn ab. Zeit- gleich begannen sich die Reihen in der zuvor stark frequentierten Ge- meinde zu lichten.

Scheinbar spontan, doch in Wirklichkeit gut geplant wurden in der Nacht vom 9. zum 10. November im gesamten Reich jüdische Gotteshäuser in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte wurden verwüstet oder fielen Plünderungen zum Opfer, viele Juden wurden misshandelt, verhaftet oder verschleppt. Wegen der vielen zu Bruch gegangen Fensterscheiben und der vielen Feuer wurde dieses Pogrom als Reichskristallnacht bezeichnet. Auch die Synagoge in der Isarstraße wurde in Schutt und Asche gelegt. Die Gemeinde traf sich seitdem in der Jugendsynagoge am heutigen Fraenkelufer. Wer konnte, emigrierte; denen, die blieben, fehlten entweder die finanziellen Mittel oder die Beziehungen. Es gab allerdings auch welche, die gern bleiben wollten, die sich nicht vorstellen konnten, dass es noch schlimmer kommen könne. So auch Georg Kantorowsky, der bei entsprechenden Empfehlungen immer gefragt hatte: „Was soll ich in Amerika, was soll ich in Shanghai?“ Es war wohl die Ironie des Schicksals, dass er nach der Deportation seines Sohnes dann doch floh und zwar via ehemalige synagoge isarstraße 8 neuköllnShanghai in die USA.

Von der alten Synagoge sind lediglich ein paar Stützmauern und damit der Grund- riss des Gebäudes erhalten geblieben. Auch eine Außentreppe, die zu Zeiten der Synagoge zur Frauenempore führte, ist noch da. Wie es im Inneren der Synagoge aussah, die religiöses Zentrum von an- ehemalige synagoge isarstraße 8 neukölln, foto: museum neuköllnfangs mehr als 2.000 Rixdorfer Juden war, zeigt Bildmaterial aus dem Archiv des Museums Neukölln.

In den Folgejahren der Pogromnacht erlosch jeg- liches jüdische Leben in Neukölln. Und so darf die Antwort auf die eingangs gestellte Frage nur lauten: „Ja, es muss!“

Wer mehr aus dieser Zeit und den jüdischen Mitbürgern in Rixdorf/Neukölln erfahren möchte, dem sei das von Dorothea Kolland heraus- gegebene Buch “Zehn Brüder waren wir ge- wesen … Spuren jüdischen Lebens in Neu- kölln”  empfohlen.

Auch sei darauf hingewiesen, dass Gunter Demnig am  29. November nach Neukölln kommen wird, um  weitere 18 Stolpersteine im Bezirk  zu verlegen.

=kiezkieker=

Mit Käschern und nackten Beinen: Box Lacrosse-Premiere in Neukölln

Sonntagmittag, Oder-/Ecke Emser Straße, aus dem Eisstadion des Werner-See- lenbinder-Sportparks Neukölln lärmt es fast wie bei einem Eishockeyspiel. Es ist der 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neukölln23. September, die Eisbahnsaison beginnt traditionsgemäß doch erst im Oktober. Also was ist da los?

Ohne Eintrittsgeld entrichten zu müssen, gelangt man auf die Tribüne, die aber nur recht spärlich besetzt ist. Umso lebhafter geht es in dem noch eislosen Oval zu.

Hier tummeln sich 14 Menschen: 12 von ihnen tragen Helme, Brustpanzer, Arm- schützer und Handschuhe, die anderen beiden, die Schiedsrichter, sind im schwarzweiß gestreiften Outfit. Erstere handhaben einen käscherähnlichen Stock, an 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllndessen Spitze sich ein Netz befindet, mit dem recht  virtuos ein kleiner Ball gefangen, getra- gen und geworfen wird.

Wie zu erfahren ist, stehen sich bei diesem ersten Box Lacrosse Turnier in Berlin im Rahmen der European Lacrosse League gerade die Old Dogs Plzeň (grüne Trikots) und die Wolves Radotín (weiße Trikots), also Mann- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnschaften aus Pilsen und Prag, im Spiel um den dritten Platz gegenüber.

Außer den Spielern, den Veranstaltern, der kleinen Fangemeinde und vielleicht noch einigen sehr Bil- dungsnahen weiß wohl niemand um diese Sportart, 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllndie  bereits im 17. Jahrhundert von den Indianern der amerikanischen Ostküste erfunden wurde und dort zur spielerischen Wehrertüchtigung heranwachsender Krieger diente. Anfang des 20. Jahrhunderts war La- crosse, das auf dem Feld sowie in Sporthallen bzw. auf enteisten Eisbahnen gespielt wird, sogar olym- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnpische Disziplin.

Die Regeln des Spiels erschließen sich wahrlich nicht sogleich, aber von Drittel zu Drittel wird man auch hier klüger. Zur Erläuterung: Eine Mannschaft besteht aus fünf Spielern und einem Torwart, der wesentlich ausladender als seine Team-Kollegen gepolstert ist. Weitere 10 Spieler halten sich bereit zum Aus- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnwechseln auf der Bank auf. Sie wechseln je nach eigener Stärke und Spielverlauf. Wird angegriffen, sind die offensivstarken Spieler auf dem Platz, bei der Verteidigung die defensivstarken.

Zu Beginn jeder Periode findet ein Faceoff, also ein Anstoß wie beim Eishockey in der Spielfeldmitte statt. 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnDabei müssen sich alle Spieler – abgesehen von den den beiden Faceoff-Spielern – jenseits der Linien, die das Spielfeld dritteln, aufhalten und dort verweilen, bis eine Mann- schaft im Ballbesitz ist oder der Ball eine der Restraininglines überquert hat. Das Team, das den Ball in die Angriffshälfte befördert hat, darf diesen 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnkeinesfalls in die eigene Hälfte zurück passen oder tragen. Ein Vergehen führt zum Ballverlust.

Nach einem erzielten Tor folgt ein kurzer Pfiff des Schiedsrichters. Danach folgt kein Faceoff, sondern der Ball wird sofort wieder ins Spiel gebracht.

Die Spielzeit beim Box Lacrosse beträgt 3 mal 15 Mi- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnnuten. Die Zeit wird an- gehalten, wenn ein Team oder die Schiedsrichter eine Auszeit nehmen. Jede Mannschaft kann pro Drittel eine 60-sekündige Auszeit nehmen, aber nur dann, wenn sie sich im Ballbesitz und in der Angriffszone 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnbefindet.

Wer in der eigenen Verteidigungshälfte in Ballbesitz, hat 10 Sekunden Zeit, den Ball in die Angriffszone zu befördern. Wenn die angreifende Mannschaft den Ball verliert, wird die Zeit unterbrochen, erkämpft sich die gegnerische 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnMannschaft den Ball, läuft sie weiter. Ähnlich wie beim Basketball, darf beim Lacrosse ein Angriff nicht länger als 30 Sekunden dauern. In dieser Zeit muss ein gültiger Torschuss versucht werden. Gültig, d. h. regelgerecht, ist der aber nur, wenn er von vorne in Richtung Tor geht. Abpraller von der Wand hinter dem Tor oder Schüsse aus dem Raum hinter dem Tor 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnzählen nicht als gültiger Torschuss. Schafft ein Team es nicht, den Angriff innerhalb einer halben Minute erfolgreich abzuschließen, kommt das gegnerische in Ballbesitz – und zwar genau an der Stelle, wo sich der 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnBall in der Sekunde 0 befindet.

Zwischen den Dritteln, die zugleich Seitenwechsel für die Mannschaften bedeuten, gibt es Pausen von jeweils zwei Minuten. Zusätzliche Pausen – dann Zeitstrafen genannt – bekommt, wer einen Gegen- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neukölln1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnspieler unterhalb der Gürtellinie attackiert, ihm ein Bein stellt oder die Spielregeln durch grobes unsportliches Verhalten bricht. Denn auch wenn es zu- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnnächst anders aus- sieht: Beim für Laien 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnbrachial anmutenden Box La- crosse ist zwar vieles, aber längst nicht alles erlaubt, und wer im Eifer des Gefechts das Regelwerk vergisst, wird vom Schiedsrichter unmissverständlich an sie erinnert.

Doch auch ohne Kenntnis der Regeln (oder gerade des- wegen), ist man als Zuschauer ganz schnell gefangen- 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllngenommen von der Faszination, die von diesem Spiel ausgeht. Nahezu artistisch gehen die Spieler mit ihrem Schläger um, und das in oft atemberaubender Schnelligkeit. Nicht 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnnur ein gutes Auge muss mit Fang-, Wurf- und Treffsicherheit gepaart sein, auch ein gerüttelt Maß an Gewaltbereitschaft zum Einsatz von Schläger und Körper sind gefragt – man muss auch einstecken können. Denn der 140 Gramm schwere Hartgummiball fliegt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde über das Spielfeld. Zusätzlich wird 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllnder Schläger genutzt, um anderen Spielern den Ball abzunehmen. Die Ver- teidiger versuchen, dem ballführenden Spieler auf Schläger, Hände oder Oberkörper zu schlagen. Wenn das nicht klappt, dann geht der Spieler schon mal mit vollem Körpereinsatz zur Sache.

Für die beiden Sanitäter der Johanniter Unfallhilfe, die beim ersten Box Lacrosse Turnier auf Berliner Boden im Eisstadion Neukölln Dienst 1. box lacrosse turnier berlin, european lacrosse league, eisstadion neuköllntaten, war es dennoch ein ruhiges Wochen- ende. Das sähe alles viel brutaler und härter aus, als es ist, bilanzierten sie kurz vor dem Finalspiel.

Das Spiel um Platz 3 gewannen die Wölfe aus Radotin letztlich überzeugend mit 12:7. Auch das anschließende Endspiel, das der LC Bison Radotin und die Deutschland Adler bestritten, konnte das Team aus Tschechien für sich entscheiden.

=kiezkieker=

Zu viel des Guten

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinAusgerechnet der Wind war gestern das größte Problem auf dem Tempelhofer Feld, wo das erste Festival der Riesendrachen stattfand. Die Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND hatte dazu eingeladen und Dutzende internationale Drachenflieger-Teams waren gekommen. Dazu rund 40.000 Schaulustige – optimistisch frühherbst- lich gekleidet oder mit Mützen und Handschuhen, mit STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlineigenem Drachen im Gepäck oder ohne.

Bis zu 40 Meter lange Großdrachen und das mit 26 Metern weltgrößte Wind- rad waren neben einem bunten Programm rund ums Drachenfliegen angekündigt. Doch die steife, teils überdies böige Brise aus Nordwest  wirbelte manches gehörig durcheinander oder zwang die Riesendrachen-

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STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinLenker ganz dazu, ihre Fluggeräte am Boden oder in Bodennähe zu lassen. Lediglich am Vormittag beim Warm up herrschten nahezu perfekte Bedingungen, im Laufe des Nachmittags frischte der Wind immer weiter auf, verhinderte so aber auch, dass das bunte Spektakel am Himmel durch Regen gestört wurde.

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlin

v. l.: Ingo Malter (STADT UND LAND), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin von Neukölln), Vera Gäde-Butzlaff (BSR), Oliver Schworck (Bezirksstadtrat von Tempelhof-Schöneberg), Dr. Christoph Landerer (STADT UND LAND)

Entsprechend positiv fiel das Zwi- schenfazit von Dr. Christoph Lande- rer, Vorsitzender des STADT UND LAND-Aufsichtsrats, nachmittags bei der offiziellen Eröffnung aus. “Das Festival kann schon jetzt als voller Erfolg bezeichnet werden, und wir werden dafür sorgen”, ver- sprach er, “dass es nicht die letzte Veranstaltung dieser Art ist.”

=kiezkieker=

Neue Säugetierart in Neuköllner U-Bahn-Station entdeckt

Die Strecke der U 8 ist 18 Kilometer lang. Eine der 24 Haltestellen entlang der Route ist die Station Leinestraße, an der seit fast einem Jahr nicht nur gehalten, sondern der kleine tunnelpfeifer, u8 leinestraße, neuköllnauch gebaut wird. Im Rah- men der Grundinstandset- zung sei geplant, informiert die BVG-Pressestelle, “die Treppenanlagen zu erneu- ern, Hintergleiswände so- wie Stützen neu zu ver- fliesen und die Beleuch- tungsanlage zu moderni- sieren sowie Aufzüge ein- zubauen.”

Ungleich sensationellere Informationen liefert indes ein Plakat an der östlichen Hintergleiswand: Im Zuge der Erneuerungsarbeiten, heißt es es auf dem, sei eine neue Säugetierart entdeckt worden – der Kleine Tunnel- pfeifer. Gefangen werden konnte zwar noch keines der scheuen Tiere, die sich insbesondere von Müll ernähren, aber diverse dokumentierte Sichtungen kann das Tunnelpfeifer-Forschungsteam bereits  auf  seiner  Webseite  präsentieren.

=kiezkieker/ensa=

Spurensuche auf dem Tempelhofer Feld

Wer das Tempelhofer Feld besucht, wird in der Nähe des Eingangs Columbiadamm neue Aktivitäten bemerken, bei deren Auftakt sogar schwere Baumaschinen zum archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlinEinsatz kamen. Was geschieht dort? An den Bauzäunen vor Ort wie auch auf der Homepage der Tempelhofer Freiheit erfährt man: Archäologische Ausgrabungen gestartet. Wer dazu von kompetenter Seite mehr erfahren will, finde sich freitags um 13 Uhr am Infopunkt Columbiadamm zu einer Gra- bungsführung ein. Ich habe es vorgestern, also am Tag mit dem geschichts- trächtigen Datum 20. Juli, gemacht. Die junge Frau, die sich zwischen Schokoriegeln und Eis am Stiel in der roten Info-Tonne aufhielt, wusste zwar nichts von den Führungen, aber da der Ort des Geschehens in Sichtweite liegt, war Prof. Dr. archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, prof. dr. reinhard bernbeckReinhard Bernbeck schnell gefunden.

Dass der Archäologe von der FU Berlin ein Sweatshirt mit dem Schriftzug “Columbia”  trug, war vielleicht gewollt. Gleichermaßen anschaulich wie sehr sensibel in seiner Wortwahl erläuterte er das Vorhaben dieser sogenannten Rettungsgrabung, die sich im nördli- chen Bereich des “Lilienthal-Lagers“ befindet. Zu (lageplan) archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofverdanken seien die Grabungen zum jet- zigen Zeitpunkt der Absicht, die IGA 2017 aufs Tempelhofer Feld zu holen. Dass daraus nun nichts wird, schmälere die Aktivitäten der Archäo- logen nicht. “Lediglich der Zeitdruck entfällt”, sagt Bernbeck.

Was soll denn nun aber “gerettet“ werden? Oder: Was ist überhaupt von archäologischem Inte- resse? Das sind in erster Linie Zeugnisse aus Zeiten, in denen sich an diesem Platze die Zwangsarbeiterlager der Lufthansa und der „Weser“ Flugzeugbau GmbH befanden. Letztere stellte hier von 1941 bis 1944 fast 2.000 JU87-Sturzkampfbomber her. Die jetzt dort tätigen Grabungsarbeiter, -techniker und Studenten stoßen aber auch auf Spuren ehemaliger Grabstellen, denn hier (lageplan) archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofbefand sich seit 1929 die erweiterte Fläche des Garnisonsfriedhofs – einem Friedhof, dessen Planungen ge- schweige denn die Ausführungen dazu jemals abgeschlossen worden sind. Auf dem Bild, das den Zustand vor dem Um- bau 1929 zeigt, ist die Friedhofserweite- rung eingezeichnet. Bereits acht Jahre später wurde die Fläche auf die heutigen Abmessungen reduziert und es wurden die notwendigen Umbettungen vorgenommen. archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlinNatürlich ging Prof. Bernbeck auch auf die Zeit des alten Flughafens – oder wie er sagte: des „Alten Hafens“ – ein. Entsprechendes Bildmaterial hatte er dazu bei der Hand.

Wie geht nun eine solche Grabung vonstatten? Nachdem die sogenannte Pflugschicht abgetragen ist, d. h. die Ausgrabungsfläche archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofmit Radladern vom Oberboden befreit wurde, beginnt die eigentliche Arbeit der Fachleute. Nun wird mit Spachtel und Pinsel gearbeitet  und  jeder Befund archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhof(hier ein Barackenfun- damentstreifen) und je- des noch so kleine archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofFundstück dokumen- tiert. Die Fundstellen werden nummeriert und der Fundort gekennzeichnet  und anschließend fotografiert, in Aufsicht gezeichnet und eingemessen. archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofDaraus entstehen spä- ter die Grabungs- und Detailpläne. Vor allem bei unbeständigem Wetter müssen die Arbeiten recht zügig gehen, wie die Forscher bereits mehrfach erfahren mussten, denn Regengüsse vernichten gerade sichtbar gewordene Farbunterschiede im archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofErdreich sofort wieder.

Die  Fundstücke sind auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär. Damit, auf das Tage- buch eines Zwangsarbeiters zu stoßen, rechnet hier niemand. Doch auch Kleinigkeiten wie der Bügelverschluss einer Bierflasche oder die Scherben eines Porzellangeschirrs, eines Kachelofens oder einer Industriekeramik geben den Archäologen wichtige Anhaltspunkte: Danach beginnt die zeitliche Zuordnung und z. B. die Recherche, welche Brauerei den Verschluss wann verwendet archäologische ausgrabungen tempelhofer feld berlin, zwangsarbeiterlager, garnisonsfriedhofhat. “Ein verbogener, rostiger Nagel kann bespielsweise sehr gut Auf- schluss über die Dicke einer Bret- terwand geben”, erklärt Reinhard Bernbeck. Einige seiner Schätze hat er mitgebracht und zeigt sie. Dann ist die Expedition ins dunkle Kapitel der Geschichte des Tempelhofer Feldes für uns vorbei, für die Wissenschaftler geht sie weiter.

=kiezkieker=

Erlauben Sie mal … !!!

Was haben ein Schuhmacher in Neuköllns Kopfstraße Anfang des 20. Jahrhunderts und eine Gärtnerin in der Kienitzer Straße Anfang des 21. Jahrhunderts gemein? Beide begehren eine behördliche Erlaubnis. Der Eine, Friedrich Wilhelm Voigt, will eine Aufenthaltserlaubnis – jedenfalls als literarische Figur bei Carl Zuckmayer. Die jule eisendick, café jule neuköllnAndere, Jule Eisendick, möchte eine Schankerlaubnis für ihr neu zu eröff- nendes Café. Während der Eine mit krimineller Energie – allerdings auch mit einiger Chuzpe, die Schmunzeln macht – letztlich scheitert, kommt die Andere mit Geduld und Ausdauer (hoffentlich) zum erwünschten Ziel.

Ein eigenes Café zu betreiben, das war seit langem sehnlicher Wunsch von Jule Eisendick, die tatsächlich Gärt- nerin, genauer Staudengärtnerin, ge- lernt hat. Hätte sie sich auf ein alko- holfreies Getränkeangebot beschränkt, hätte sie ohne weiteres ihr Café eröffnen können, denn wenn kein Alkohol ausgeschenkt wird, handelt es sich um einen „erlaubnisfreien Betrieb“. Aber ihr Wunsch, auch das eine oder andere Glas guten Weins kredenzen zu können, café jule neuköllnbeschwor eine Folge zusätzlicher Geneh-migungen, Auflagen, baulicher Verän-derungen und vor allem langes Warten herauf; denn es bedurfte einer „Schank- erlaubnis“.

Diese wird vom Ordnungs- und Gewerbe- amt erteilt, aber nicht so ohne Weiteres. Da in dem Ladenlokal vorher ein An- und Verkaufsgeschäft betrieben wurde, handelt es sich um eine „Nutzungsänderung“, die behördlich genehmigt werden muss. Damit kam das Bezirksamt Neukölln, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Bau- und Wohnungsaufsicht (BWA) ins Spiel. Um den Antrag ordnungsgemäß stellen zu können, musste eine Architektin beauftragt werden, um neben den entsprechenden Antragsformularen und Umbauplanungen auch eine Grundrisszeichnung im Maßstab 1:100 beibringen zu können. Dass IHK-Bescheinigung, Personaldokumente und Mietvertrag vorhanden sein müssen, versteht sich von selbst. Dass aber auch Nachweise über die Teilnahme an der Gaststättenunterrichtung und Belehrung zum Infektionsschutzgesetz erforderlich werden können, gehört schon nicht mehr zum Allgemeinwissen. Leicht einzusehen café jule neuköllnwiederum ist, dass Honorar und Gebühren fällig werden, und so wechselten mehrmals 200-Eu- ro-Scheine die Besitzerin.

Interessant zu erfahren war für die Existenz- gründerin auch, dass ein WC genügt, wenn Kaffee oder andere alkoholfreie Getränke den menschlichen Körper wieder verlassen. Nimmt Wein denselben Weg, müssen umfangrei- chere Sanitäranlagen vorgehalten werden.

Nach sieben Wochen bangen Wartens sind nunmehr die Umnutzung mit Bescheid Nr. 256 aus 2012 und auch der „Schankvorgarten“ genehmigt und das Café Jule konnte endlich eröffnet werden. Die Schankerlaubnis steht al- lerdings immer noch aus.

Jule Eisendick hat sich dennoch von den Tücken des Einstiegs in die Gastronomie nicht entmutigen lassen, im Gegen- teil: Mit vielen guten Ideen will sie ihre Kundschaft in der Kienitzer Straße 93 begeistern – mit einer 50er- Jahre-Stil-Ecke genauso wie mit Hintergrundmusik von Vinyl-Tonträgern, mit selbst gemachten fotografischen Auf- nahmen an den Wänden wie eben mit dem einen oder anderen Glas Wein. Wenn denn die Erlaubnis für den Ausschank vorliegt. Möge es gelingen.

=kiezkieker=

Mutiert

Was ist  nur aus dem Flughafen Berlin-Tempelhof geworden, seit der ausgedient hat? Der  Flughafen  GerümTempelhof.  Oder auch:  das  KremTempelhofer  Feld.

=kiezkieker=

“Welch ein Reichtum”: Glaubensfreiheit und 275 Jahre Böhmisches Dorf

“Abkunft – Niederkunft – Herkunft – Ankunft – Auskunft – Unterkunft – Übereinkunft – Zukunft”  Diese Abfolge hätte als Motto zur Einladung zu einem „besonderen“ bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorfPressegespräch in der Bethlehemskirche am Richardplatz dienen können, bei dem das Pro- gramm “Glaubensfreheit – 275 Jahre Böhmisches Dorf” vorgestellt wurde. Nichts Besonderes war, dass es auch bei der von  Horst Evertz  von der [Aktion! Karl-Marx-Straße] moderierten Veranstaltung nicht ohne das akademische Viertel ging.

Nach der obligatorischen Verspätung heißt Viola Kennert, Superintendentin des evangelischen Kir- chenkreises Neukölln, die anwesenden Presse- vertreter willkommen, nimmt Bezug auf den Ort und erinnert, dass der Kirchbau älter sei als das bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, viola kennertEreignis, nämlich die Ankunft der Böhmen vor 275 Jahren, das in diesen Tagen gefeiert wird.

Die Kirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts gebaut und 1884 der lutherischen Bethlehems- gemeinde zur Nutzung übergeben. Seit 1912 hat sie den Namen Bethlehemskirche in Erinnerung an die Ursprungskirche, die Bethlehemskirche in Prag. Der Ort erzähle vom Ankommen, vom Heimat-Finden, vom Sich-Arrangieren mit denen, die schon da sind,  sagt Viola Kennert. 275 Jahre Böhmisches Dorf sei auch die Geschichte von Flucht. Flucht derjenigen Böhmen, die einen Ort suchten, an dem sie weder römisch-katholisch noch lutherisch sein mussten und ihre reformierte Konfession leben durften. Eine Konfession, für die Jan Hus bereits hundert Jahre vor Martin Luther gestritten hatte und dafür sterben musste.

Es war aber auch die Erfahrung, dass Integration und Zusammenleben zwar Raum gegeben, aber nicht angeordnet werden kann. Integration sei ein Stückchen Arbeit. Die Voraussetzung dafür sei, dass die Freiheit gewährt wird, den eigenen Glauben zu leben, zu gestalten und in die Gesellschaft einzubringen. Wenn das möglich wäre, würden Fremde zu loyalen Bürgern und Bürgerinnen, und das Zusammenwachsen von ganz Unterschiedlichen würde möglich, die Unterschiede würden aufgehoben, es entstünde etwas Neues. Abschließend weist Viola Kennert auf ein – wie sie findet – bedeutsames Zeichen der Zusammenarbeit der Brüdergemeine und der Rixdorfer Gemeinde hin, nämlich innerhalb der Reformationsdekade im Oktober im Gedenken an Jan Hus das Oratorium von Carl Loewe zur Aufführung zu bringen. „Vielfalt gelingt, wenn Unterschiede geachtet, vielleicht sogar geliebt werden. Ich denke, davon zeugt diese Geschichte – 275 Jahre – und die wollen wir mit unseren bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorfunterschiedlichen Gaben fortsetzen. Ich freue mich über den Austausch, den wir haben werden über das weiter- gehende Programm, das entstanden ist.“ Mit diesen Worten beschließt die Superintendentin ihren Begrüßung.

Launig beginnt Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing: „Das letzte Mal, dass ich – glaube ich – in einer Kirche was sagen durfte, war am Tag meiner Konfirmation.“ Weiter geht es im vom ihm angekündigten „normalen Neu- kölln-Deutsch“. So gäbe es bei vielen, wenn sie Böhmen hören, die Assoziation mit böhmischem Bier, böhmischer Musik, böhmischem Schweinsbraten und böhmischen Knödeln – nicht so bei denen, die sich sowohl in Rixdorfer wie Neuköllner Zeit den Böhmen freundschaftlich verbunden fühlten und fühlen. Er selbst sei seit sechs Jahren in seiner beruflichen Eigenschaft dicht an diesem Thema dran und hätte u. a. vieles vom Comeniusgarten-Initiator Henning Vierck erfahren und gelernt, aber auch mit ihm auf den Weg gebracht. Das Vorhandensein des Böhmischen Dorfes sei zur Normalität geworden und zum Neuköllner Alltag geraten, Fremdlinge seien zu Mitbürgern geworden. Bei den Überlegungen, wer die Vorbereitungen für die Feiern zu diesem Jubiläumsjahr begleiten solle, seien Bezirksbürgermeister und -amt zu dem Schluss gekommen, bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, thomas blesingihm diese Aufgabe zu übertragen, damit sichergestellt sei, dass auch der Bezirk seinen Anteil an dem Gesamtvorhaben habe.

Damit leitet er über zu den Absichten, die Richardstraße umzugestalten, diese u. a. mit Vorgärten und Bäumen zu versehen. Auftakt dazu wird ein 1. Spatenstich zusammen mit dem tschechischen Botschafter am 15. Juni vor dem Haus Richardstraße 97 sein. Bauarbeiten, so Blesings Credo, sind Ausdruck von Veränderung, und sollten unter diesem Gesichtspunkt akzep- tiert werden.

Mit dem Wunsch, es mögen viele Menschen anlässlich der vielen Veranstaltungen rund um das Jubiläum des Böhmischen Dorfs in diesen Bezirk finden, um feststellen zu können, wie viel Kultur – nicht nur beim Festival 48 Stunden-Neukölln – in Neukölln geboten wird, richtet er abschließend den Dank an die Initiatoren, und den Appell an die Presse, das entsprechend zu publizieren und wie in der Kirche üblich, die „Frohe Botschaft“ nach außen zu tragen.

Nun richtet der Kameramann vom tschechischen Fernsehen sein Equipment auf die nächste Rednerin, auf Lenka Štetková. Die Botschaftssekretärin vertritt den tschechischen Botschafter Rudolf Jindrák und schildert mit einigem emotionalem Ausdruck ihre Erfahrungen, die sie als Kind in Ostböhmen, in Litomyšl und dem Pflichtausflug zur „Rosenwiese”, im Nachbarort Ružový paloucek, machte. An diesem Ort, sollen sich die Glaubensflüchtlinge von ibethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, lenka stetkovahrer Heimat verabschiedet haben, bevor sie für immer ins Ausland gingen. Auch Jan Ámos Komenský war unter ihnen. Angeblich haben die Böhmischen Brüder an diesem Ort sogar einen goldenen Kelch vergraben. Dass dieser jedoch niemals gefunden worden sei, erheitert die Zuhörenden. Damals, während dieser Pflichtausflüge, hätte sie gespürt, sagt Štetková, dass es auf Ružový paloucek um etwas Trauriges gegangen sei, um den Anfang einer langen Reise. Wohin aber, warum und wie diese Reise ausging, das hätte sie damals nicht verstanden. Erst viel später, als sie begann, mehr über die Auswanderung der Exulanten in die Welt und auch nach Berlin zu lesen und als sie bei ihrem ersten Besuch des Böhmischen Gottesackers Ortsnamen ihrer Heimat entdeckte, wurde ihr damaliges Kindheitsgefühl der Traurigkeit durch ein neues Empfinden bereichert, der Gewissheit, dass es für die Böhmischen Brüder, die 1737 oder auch später nach Berlin gingen, ein Ankommen nach einer langen Reise gab, dass die genossenen Vergünstigungen und der eigene Fleiß ihnen schließlich die nötige Anerkennung verschafften.

Henning Vierck, der Initiator des Projekts “Glaubensfreiheit”, nimmt das Thema Rosenwiese seiner Vorrednerin auf  und weist auf die sich derzeit wunderschön präsentierende Rosenwiese im Comeniusgarten hin. Dann gerät er vor seinem Hintergrund als Politikwissenschaftler ins Schwadronieren. Bereits um 1968, einer Zeit, in der man über „Basisdemokratie“ nachdachte, bekam er von seinem erzkonservativen Professor Hans Maier, dem späteren Kultusminister in Bayern, bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, henning vierckfolgenden Hinweis: „Wenn Sie etwas über Basisdemokratie wissen wollen, dann müssen Sie sich über die Brüder und Schwestern des Gesetzes Christi informieren, und das sind die Böhmischen Brüder.“ Ab da hat sich Vierck mit der Rosenwiese beschäftigt. Die Rosenwiese stehe im Übrigen für Johann Valentin Andreae, ein Nachfahre von ihm arbeite übrigens im Jugendamt Neukölln. Andreae sei derjenige, der die Rosenkreuzermär verfasst und dazu aufge- fordert habe, dass alle Wissenschaftler ihre Werke nach Tübingen schicken, sollten, damit es Gemeingut wird.

Die Rosenwiese, so Henning Vierck, stehe für Vielfalt, für Vitalität und für das Zusammenkommen ganz unterschiedlicher Blüten. Wenn Tschechen ihr Land verlassen mussten, weil sie in ihrem Land ihrem Glauben nicht nachgehen konnten, dann haben sie geweint und aus den Tränen der Trauer sei die Rosenwiese entstanden. “Als die Exulanten am 25. März 1737 hier in Rixdorf ankamen, habe der König das Schulzengericht gekauft und dort innerhalb kürzester Frist ein preußisches Kolonistendorf errichten lassen.” Wie Soldaten hätten die Häuser an der Straße gestanden, zwei Familien in einem Haus. Das Ackergerät habe man sich geteilt. So habe die Architektur das Zusammenleben unterstützt. Das Dorf Cervená Voda, deren Bewohner geflohen waren und hier angesiedelt wurden, sei heute noch in letzten Resten sozial existent. Eigentlich, meint Vierck, müsse Manfred Motel hier stehen; er habe eine Chronik verfasst, die irgendjemand weiterführen müsse. In der 10./11. Generation leben hier Böhmen, was es seines Wissens so nur in Neukölln gäbe: “Welch ein Reichtum.”

Neukölln hätte in den letzten Jahren nicht viel an ökonomischem Reichtum, dafür aber immer viel an kulturellem Reichtum gehabt, und es gelte die kulturelle Vielfalt gerade jetzt in dem sozialen Wandel zum Nutzen der Menschen zu unterstützen, fordert Henning Vierck.

Horst Evertz merkt an, dass es insbesondere zu diesem Redebeitrag im Anschluss bestimmt viele Nachfragen gäbe – er sollte sich irren. Dann übergibt er an Dorothee Bienert, die Koordinatorin des Kulturprogramms. Einige Veranstaltungen – wie beispielsweise das Forschen von Kindern und Wissenschaftlern zum Thema “Himmel” – würdenbethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, dorothee bienert schon laufen, erklärt sie, andere erst beginnen. Bienert verweist auf die  morgige Eröffnung der Ausstellung “Das Leben ist anderswo”  in der Galerie im Körnerpark, auf  vielfältige Führun- gen, wissenschaftliche Exkursionen und “Begehun- gen toleranter Orte”. Hingewiesen wird Auch beim Kulturfestival in zwei Wochen werde man sich dem Thema „275 Jahre Böhmisches Dorf“ widmen:  Für den 17. Juni organisiere der Ökumenische Arbeitskreis einen ökumenischen Gottesdienst mit anschließender Festveranstaltung am Denkmal Friedrich Wilhelm I. und langer Kaffeetafel. Bis zum Ende des Jahres gebe es viele weitere Veranstaltungen, die ins Programm- heft Einzug gehalten hätten: das Ramadanfest im August, das Rixdorfer Strohballenrollen Anfang Sep- tember und diverse thematische Diskussionsrunden.

Nächste Rednerin ist die in einem der Büdnerhäuser der böhmischen Brüder- gemeine aufgewachsene Dr. Cordelia Polinna. Das Engagement für ihr Projekt erklärt sie einerseits mit dieser persönlichen Situation und anderseits mit ihrer Fachkompetenz als Planungs- und Architektursoziologin. In letzterer Funktion habe bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, cordelia polinnasie sich schon mehrfach mit benachteiligten Stadtteilen und mit Stadtteilen, die von Migran- ten geprägt sind, befasst.

Zum Programm “Glaubensfreiheit – 275 Jahre Böhmisches Dorf” trägt Polinna die Ausstel- lung „Keine Urbanität ohne Dörflichkeit“ bei, die am 30. Juni in der Galerie im Saalbau zu sehen sein wird. Kern der Arbeit sei es gewesen, anhand des Böhmischen Dorfes zu analysieren, wie die dörflichen Strukturen am Rande einer großen Stadt den Ankömmlingen geholfen haben, sich hier heimisch zu fühlen. Wie ist die Beziehung von Dorf und Großstadt? Welche Orte machen das Böhmische Dorf zu einem Stadtlabor, in dem ausgetestet wird, wie Menschen verschiedenster ethnischer, kultureller und sozialer Hintergründe miteinander leben können? Welches sind historische Orte des Glaubens, Orte des Lernens, Orte des Arbeitens und Orte der Gemeinschaft? Das waren die Kernfragen für Cordelia rixdorf 1755, foto: -jkb-Polinna.

Sie zeigt  u. a.  ein Bild vom Relief am Sockel des Friedrich Wilhelm I.- Denkmals. Die aufgereihten Häuser im Vordergrund entsprächen durch- aus der Realität, die Hügel im Hintergrund würden jedoch nicht die Rollberge, sondern eine Reminis- zenz an die Heimat darstellen, weiß Polinna. Um die Orte der Migration heute herausfinden zu können, wurden Stadtbegehungen und Interviews mit heute hier Lebenden durchgeführt. Aus einigen der Begehungen wurden Stadtteilführungen.

Zwei dieser Stadteilführerinnen stellen sich vor, es sind Rascha und Rima Akil, die seit 2008 Stadtspaziergänge begleiten. Die einzelnen Stationen, an denen sie ihre bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, rascha akil, rima akilpersönlichen Eindrücke über diesen Kiez an die Teilnehmer vermitteln, hätten sie selbst ausgesucht. Stolz berichten sie, dass sie ihre Führungen in deutscher, englischer, französischer und arabischer Sprache anbieten. Als sie bei der Aufzäh- lung der zahlreichen Herkunftsorte ihrer Teilnehmer auch Neukölln erwähnen, wird das mit Lachen honoriert. Sie verraten bei der persönlichen Vorstellung, mit denen sie auch ihre Touren jeweils beginnen, dass Rascha 23 ist und Informatik studiert und die 22-jährige Rima ein Jura-Studium absolviert. Ihre Eltern, erzählen sie, seien strohballenrollen, wandbild frauenschmiede neukölln1989 aus dem Libanon hierher gekom- men. “Unsere Heimat ist Rixdorf”, sind sich die beiden Schwestern einig.

Die in der Ausstellung präsentierten Orte sollen im Quartier kenntlich gemacht werden, ergänzt Moderator Horst Evertz noch. Seiner Einladung, nunmehr nach- zufragen, will niemand folgen; offenbar waren alle Beiträge hinreichend informativ.

=kiezkieker=

Neukölln und seine Multi Kulti Süper Talente

finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neukölln46 wollten es werden und versuchten in fünf Vorrunden das Publikum und die Juroren von ihrem Können zu überzeugen. Ins Finale der Casting- show “Neukölln sucht das Multi Kulti Süper Talent”, das gestern Nachmit- tag bei den Neuköllner Maientagen ausgetragen wurde, schafften es nur sieben von ihnen.

“Eigentlich sollten es nur sechs sein”, erklärte Moderator Pauly, “aber wir finalistin feline, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neuköllnwollten  Feline, der mit 10 Jahren jüngsten Teilnehmerin, eine Chance in der Endrunde geben.” Die Schülerin war es dann auch, finalist frank, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neuköllndie das Finale mit ihrer Tanznummer eröffnete und damit weitaus mehr be- geisterte und überzeugte als Immobilienmakler und Elvis-Imitator  Frank, der das Zu- sammenspiel von großen finalistin sarah, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neuköllnPosen und Stimme nur spora- disch erfolgreich in den Griff bekam. Konkurrentin  Sarah  kon- zentrierte sich indes mit ihrer Interpretation eines Titels der achtfachen Grammy-finalistin meltin, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neuköllnSiegerin Adele aufs We- sentliche: den Gesang. Die 17-Jährige, die in einer Bäckerei jobbt und demnächst ihr Fach- abi angehen will, wäre sicher auch bei TV- Casting-Formaten nicht chancenlos. Für die wäre Meltin mit ihren 11 Jahren noch ein bisschen jung. Doch sie bewies schon mit ihrem Bette Midler-Song “The Rose”, dass sie Großes vorhat. Eine Gesangsausbildung dürfte aus ihrer beeindruckend kräftigen Stimme mehr von dem herauskitzeln, das schon jetzt über weite Strecken aufblitzte und unüberhörbar war: Talent.

Davon hat auch  Jamie  (l.) eine Menge abbekommen. Mit ihrer äußerst professionell anmutenden Akrobatk-Show landete die 15-jährige Schülerin, die – der Familien- tradition folgend – Artistin werden will, auf dem Bronzerang. Vor ihr konnte sich  Marc  platzieren, der im Brotjob als Klempner arbeitet und in seiner Freizeit mit Bällen, Keu-

drittplatzierte jamie, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neukölln zweitplatzierter marc, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neukölln gewinnerin nicola, finale "neukölln sucht das multi kulti süper talent", neuköllner maientage, volkspark hasenheide neukölln

len, Ringen und Fackeln jongliert. Irgendwann, sagt er, habe er mit drei Bällen angefangen und dann immer mehr Spaß an der Sache gewonnen. Inzwischen trainiere er mehrere Stunden täglich. Dass trotzdem nicht jedes Kunststück klappte, das er dem Publikum und der fünfköpfigen Jury präsentieren wollte, machte er durch Charme wett. Am Sieg von  Nicola  (r.) konnte aber auch Marc nicht rütteln. In der Vor- runde habe sie, so Moderator Pauly, die Konkurrenz  mit einem Whitney Houston-Titel förmlich an die Wand gesungen. Im Finale ging die Redakteurin eines Schul- buchverlags mit einem Song von Beyoncé als Letzte an den Start und wurde damit Erste der ersten Neuköllner Maientage-Castingshow.

=ensa/kiezkieker=

Neue Heimat Böhmisch-Rixdorf

Heute, wirklich genau heute vor 275 Jahren, am 25. März 1737, erreichten die ersten böhmischen Zuwanderer Berlin. Sie wurden in der südlichen Friedrichsstadt und in Rixdorf untergebracht. Eingeladen waren sie vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. höchstpersönlich.

Was war geschehen? Auf der einen Seite hatte sich in weiten Landstrichen Preußens die Bevölkerung vom Aderlass des 30-jährigen Krieges noch nicht erholt, als sie von der Pest weiterhin zahlenmäßig reduziert wurde. Auf der anderen Seite gab es nach der gewaltsamen Rekatholisierung in Böhmen in den nördlich angren- zenden Gebieten Hunderte von Glaubenflüchtlingen: Manch Böhme ward – das ist bekannt – dem Kelch zuliebe Exulant.

So war es weniger ein Akt der Huma- nität als vielmehr ein wirtschaftliches Kalkül, das den Soldatenkönig bewog, in Rixdorf neun Doppelhäuser für je zwei Familien und neun Scheunen mit Kammern für sogenannte Einlieger errichten zu lassen. Dazu erhielt jeder Ackerwirt zwei Pferde, zwei Kühe und das nötige Ackergerät.

Das Leben der Parallelgesellschaft in Böhmisch-Rixdorf begann, und die Ureinwohner in nunmehr Deutsch-Rixdorf waren über diese Entwicklung herzlich wenig begeistert. Die „Neuen“ – sie stammten übrigens fast alle aus Böhmisch-Rothwasser – wurden argwöhnisch beäugt, sprachen sie doch eine fremde Sprache (Tschechisch), brachten ihre Musik und Trachten mit und hatten auch sonst ganz andere Sitten und Gebräuche. Und sie dachten nicht im Traum daran, sich zu integrieren oder gar zu assimilieren.

Ihre Gottesdienste – es gab die der Evangelisch-reformierten Bethlehemsgemeinde, der Evangelisch-böhmisch-lutherischen Bethlehemsgemeinde und der Evangelischen (Herrnhuter) Brüdergemeine – wurden bis zum ersten Weltkrieg in ihrer Muttersprache gehalten. Jede der drei Gemeinden hatte ihre eigene böhmischer gottesacker, neuköllnKirche, bzw. ihren eigenen Betsaal. Sie hatten auch einen (dreigeteilten) eigenen Friedhof, den Böhmischen Gottesacker. Hier wurden die Grabsteine immerhin bis 1820 zweisprachig, danach erst in Deutsch beschriftet. Das Grundstück für den Friedhof wurde ihnen übrigens 1751 von den deutschstämmigen Rixdorfern zugewiesen, weil diese es für nicht „anständig“ hielten, dass auf dem ihrigen weiterhin die Fremden bestattet wurden.

Ein weiteres Sprachrelikt ist auf dem Straßenschild der Kirchgasse zu finden. Ein Zusatzhinweis soll belegen, dass diese Gasse bis 1909 Mala ulicka, also Enge Gasse hieß.

Wurde auch lange Zeit der Entscheid des Hohenzollern von den Deutsch-Rixdorfern missbilligt, so schmückt sich Neukölln inzwi- schen mit seinem Böhmischen Dorf, ge- rade weil sich hier viel von dem Besonderen der ehemaligen Exu- lanten erhalten hat und gepflegt wird. Auch das im September 2005 eröffnete Museum im Böhmischen Dorf ist aus dem Bezirk längst nicht mehr wegzudenken.

Anlässlich des heutigen Jubiläums findet um 11 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt ein Gottesdienst (u. a. mit Pfarrer Bernd Krebs von der Ev.-ref. Bethlehemsgemeinde) zum Gedenken an die böhmische Einwanderung statt. Teile davon werden in tschechischer Sprache gehalten.

=kiezkieker=

Neuer Name, alte Macken

Heute vor 100 Jahren: Der Kaiser hat Geburtstag. Wilhelm II. wird 53 und lässt ein Telegramm schicken, das um 3/4 9 Uhr bei der versammelten bürgerlichen Elite im 100. jahrestag der umbenennung rixdorfs in neukölln, rathaus neuköllnFestsaal des Rixdorfer Rathauses  ein- trifft. Aus diesem Telegramm, das feierlich verlesen wird, geht hervor, dass das ver- rufene Rixdorf von nun an Neukölln hei- ßen darf.

Dem vorausgegangen waren mehrere politische Tricksereien, in deren Verlauf auch Kaiser beim Kaiser vorstellig wurde. Mit ersterem Kaiser ist Kurt Kaiser gemeint, der letzte Rixdorfer Oberbürger- meister, mit letzterem eben Wilhelm II., der letzte Deutsche Kaiser und König von Preußen.

Umfassende Informationen über diese gleichermaßen spannende wie fragwürdige Prozedur der Namensänderung und ihre Folgen liefert die vorgestern eröffnete Ausstellung „100 Jahre Umbenennung Rixdorfs in Neukölln”, berliner compagnie, 100. jahrestag der umbenennung rixdorfs in neukölln, rathaus neuköllndie das Mobile Museum im Neuköllner Rathaus zeigt. Anlässlich der Vernissage verwandelte sich der BVV-Saal in ein Theater und bot eine historische Einblen- dung dar. Schauspieler der Ber- liner Compagnie gaben die politisch Verantwortlichen von 1912:  den Stadtverordnetenvor- steher Sander, Oberbürgermeister Kaiser sowie die Stadtverordneten Dietrich, Groger, Just, Silberstein und Zoufall. Weitere Rollen übernahmen der amtierende jürgen koglin, franziska giffey, 100. jahrestag der umbenennung rixdorfs in neukölln, rathaus neuköllnBezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin und Neuköllns Stadträtin Fran- ziska Giffey.

Koglin mimte den Saaldiener Wil- helm, Giffey dessen Ehefrau Rosa, eine überzeugte Sozialdemokratin, die in vehementen Wortgefechten mit dem Gatten aus ihrer Meinung hin- sichtlich der Umbenennung von Rix- dorf in Neukölln kein Geheimnis machte und damit auch der des Volkes eine Stimme gab. “Das ist doch Quatsch! Ich will das nicht!”, protestierte sie lautstark und veranschaulichte die Unsinnigkeit des Anliegens kurzum durch ein gänzlich unpolitisches Beispiel: “Deine Macken sind ja auch nicht weg”, erinnerte sie ihren Wilhelm, “wenn ich ab sofort Max zu dir sage.” Aus Rixdorf wurde im Jahr 1912 trotzdem Neukölln.

Nach etwa 20 Minuten endete der voller Spielfreude und Humor  in Szene gesetzte  Ausflug in die Vergangenheit. Für Franziska Giffey und Jürgen Koglin bedeutete das: Raus aus den  Rollen und historischen Kostümen, rein in den Alltag als Lokalpolitiker und in die 4. Bezirksverordnetenversammlung der laufenden Legislaturperiode!

=kiezkieker=

Spektakulärer Rekordversuch zum 50. Geburtstag

Es ist ein wunderbarer sonniger Herbst- tag. Wie in längst vergangenen Tagen gelangt man über das General Aviation Terminal (GAT) aufs Tempelhofer Feld. Der Blick fällt zuerst auf den „Troop Car- rier“ mit der Nummer 5557, dann allerdings auf sieben Bomben- attrappen und eine kleine Menschengruppe vor dem Transparent mit der Aufschrift “Pyro- World – Europäische Fach- und Consu- mer Messe für Pyrotechnik”: Der Mes- severanstalter hat zur Pressekonferenz auf dem ehemaligen Flughafen Tempel- hof geladen.

Wie von Pyro-World-Chef Christian Dett- mer, einem staatlich geprüften Feuer- werker, sowie Thomas Wagner und Udo Neumann von der Bavaria Fireworks zu erfahren ist, können sich Feuerwerksfans freuen, denn am zweiten November-Wochenende findet erstmals eine Messe zur Pyrotechnik hier auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Aussteller aus aller Welt werden im Hangar 5 und auf dem Vorfeld ihre Feuerwerksprodukte präsentieren. Wohlgemerkt, hier geht es nicht um Sil- vesterböller und -raketen, sondern um hochkarätige Pyrotechnik mit Insider-News im Trade-Bereich. Dazu wird es allgemein verständliche Informationen für die Öffentlichkeit geben, die sich für Feuerwerke und insbesondere den sicheren Umgang mit pyrotechnischen Artikeln interessiert. Begleitet wird die Messe von täglich bis zu vier Feuerwerk-Shows, die nicht nur auf dem Tempelhofer Feld und bis nach Neukölln, sondern weit über die Stadt zu sehen sein werden.

Als Highlight konnte die international renommierte Vulcan International Pyrotechnics Ltd. für eine Eröffnungs-Feuerwerks-Show der Superlative gewonnen werden. Krönender Abschluss wird eine große Party mit musikalischen Live-Acts und einem Rekordversuch sein: Die Bavaria Fireworks will die größte jemals in Europa geschossene Kugelbombe 600 oder besser noch 800 Meter hoch in den Himmel katapultieren. Einen Durchmesser von 96 bis 97 Zentimetern und ein Gewicht von mindestens 350 Kilogramm wird sie haben.

Von Udo Neumann, der am Tag des Rekordversuchs seinen 50. Geburtstag feiern wird, erfahre ich weitere Einzel- heiten. Die “Abschussrampe” wird ein Mörser, aus Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK) sein. Der muss – wie die Bombe selbst – erst noch ange- fertigt werden. Die Profi-Feuerwerker mutmaßen, dass er circa 2 Meter lang sein wird, die Wanddicke wird min- destens 12 Zentimeter betragen, sein Innendurchmesser 1.000 Millimeter, also etwas größer als die Bombe sein. Dieses Etwas trägt wesentlich zum Gelingen des Versuchs bei. Ist der Ringspalt zu klein, könnte die Hülle der Bombe, die aus Pappmaché besteht, Schaden nehmen, ist er zu groß, wird die gewünschte Höhe nicht erreicht. Der GFK-Mörser wird ein Gewicht haben, das nur noch mit einem Kran zu bewältigen ist; von dem wird er dann in ganzer Länge ins Erdreich versenkt.

Die Bombe selbst muss so konstruiert sein, dass sie zum Einen so leicht wie möglich ist, um die optimale Höhe zu erreichen, zum Anderen so stabil sein, das gesamte „Innenleben“ zusammenzuhalten. Das wiederum besteht aus einer Vielzahl von Einzelbomben. Demzufolge bedarf es dreier exakt aufeinander abgestimmter Zündungen: Die erste wird die Beschleunigung der Gesamtkugel bewirken, die zweite die Einzelkugeln auseinandertreiben und die dritte schließlich dann die eigentlichen Effekte bewirken. Der Wirkungsdurchmesser soll rund 500 Meter be- tragen. Das hat es in Europa noch nicht gegeben.

Auf die Frage, was dieser Versuch kosten wird, werden Zahlen genannt, die bis zu 50.000 Euro reichen. Man mag zu solchen Experi- menten stehen, wie man will -  wer die Begeiste- rung  von Thomas Wagner, Christian Dettmer und Udo Neumann (v. l. n. r.) erlebt hat, kommt nicht umhin, selbst zumindest ein we- nig neugierig gemacht worden zu sein.

=kiezkieker=

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