Viel Rummel um Neuköllns Sozialstadtrat Szczepanski

“Nur ‘ne halbe Stunde, mehr Zeit hab ich nicht”, sagt Bernd Szczepanski, als er an einem der Biertische vor der Bühne der Neuköllner Maientage Platz nimmt. Kaffee ja, Kuchen nein, zu gemütlich soll es nicht werden. Er müsse noch seinen Unter- senioren-nachmittag_neuköllner maientagesuchungsbericht über den Einsatz von Bezirksamtsmitarbeitern bei der Erstellung des Buschkowsky-Buches “Neukölln ist überall” abgeben. Die rund 200 Senioren, die sich auf Ein- ladung von Maientage-Organisator Thilo-Harry Wollenschlaeger und dem Neuköllner Bezirksamt zu Kaffee, Kuchen und einer anschließenden Rummelrunde eingefunden haben, können es wesentlich entspannter angehen. “Die Ersten waren schon um 1 hier, also zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung”, erzählt Wol- lenschlaeger (l.). “Da hatten wir noch gar nicht geöffnet, aber wir Schausteller sind ja thilo-harry wollenschlaeger+bernd szczepanski_neuköllner maientageflexibel.”

Das ist der Grünen-Politiker Szczepanski auch, muss er sein, denn vorherseh- und planbar ist nur ein Teil seines Alltags. Die Begrüßungsansprache ist kurz und der Situation angemessen, dass wohl kaum jemand gekommen ist, um sich lange Politikerreden anzuhören. Ein bisschen Rückschau in eine Zeit, als auch Bernd Szczepanski zu den begeisterten Rummel- gängern gehörte, und ein bisschen Vorschau: “Seien Sie vorsichtig, dass sie nicht so viel Kuchen essen, dass Sie hinterher in den Karussells eine Tüte brauchen, und sozialstadtrat bernd szczepanski_neuköllner maientageamüsieren Sie sich schön!” Wer den Sozialstadtrat beim anschließenden Shakehands beobachtet, käme nicht auf die Idee, dass er es eilig hat. Das ist eine seiner Stärken, neben den fachlichen Kompetenzen.

Auf den Rummel, der heute für Szcze-panski ansteht, hätte er ebenso wie seine Fraktion am liebsten verzichtet. Den zettelten drei Mitglieder der Neu- köllner SPD-Fraktion an, die bei der letzten Bezirksverordnetenversammlung – entgegen vorheriger Absprachen – mit Nein statt mit Enthaltung abstimmten, als es um den Antrag auf Verlängerung der Amtszeit des Sozialstadtrats ging, der rein formell an seinem 65. Geburtstag in den Ruhestand geschickt werden würde. Nun soll heute ab 17 Uhr in einer Sonder- sitzung im BVV-Saal erneut über den Antrag abgestimmt werden. Es deute alles darauf hin, dass das Ergebnis diesmal in seinem Sinne ausfallen werde, sagt Bernd

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Szczepanski. Doch leise Zweifel sind nicht zu überhören. Schließlich hatte sich die Situation im Vorfeld der letzten Abstimmung nicht anders dargestellt.

Beim Bühnenprogramm für die Neuköllner Senioren ist Entertainer Pauly nun von alten Berliner Liedern zu einem Quiz übergegangen. Wie heißt der Bezirksbür- germeister, wie die Neuköllner Ortsteile und welche ist die längste Straße im Bezirk? Wer zuerst die richtige Antwort ruft, bekommt Preise, die sonst nur mit etwas pauly+senioren-nachmittag_neuköllner maientageGlück an der Losbude zu gewinnen sind.

Morgen wird keine Einladung und kein blau- es Bändchen brauchen, wer Bernd Szcze- panski reden hören und sprechen will: Von 14 bis 15 Uhr bittet der Sozialstadtrat zur Bürgersprechstunde ins Haus des Älteren Bürgers. “Mal gucken, wer kommt”, sagt er. Sonderlich bekannt sei das Angebot noch nicht, groß jedoch der Bedarf, ein offenes Ohr für Sorgen im sozialen Bereich zu finden: “Häufig geht es um Mietprobleme.” Aber auch bei unterschiedlichsten anderen Anliegen versucht er weiter zu helfen, das reiche von Gesundheitsthemen bis hin zu Anwohnerärgernissen um vermüllte Straßen und Wege. Er ist ja flexibel.

=ensa=

Eine Insel für die Konrad-Agahd-Grundschule

konrad-agahd-grundschule_neuköllnIn der Konrad-Agahd-Grundschule im Neu- köllner Körnerkiez fand Freitagvormittag die Eröffnung von „Konrads Insel“ statt. Kon- rad Agahd (1867 – 1922), nach dem die Schule 1958 benannt wurde, war 23 Jahre Lehrer in Rixdorf/Neukölln. Bekannt wurde er für seinen Kampf gegen Kinderarbeit. Die Ergebnisse seiner Studien in meh- reren europäischen Staaten veröffentlichte er in Aufsätzen, Broschüren und Fach- büchern.

Die bisher leerstehende Hausmeisterwohnung der Schule konnte nach grund- legender Renovierung mit neu designten Räumen und neuer Funktion den Schülern,

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Eltern und Lehrern übergeben werden. Die Kosten für Umbau und Renovierung in Höhe von 140.732 Euro trug der Bezirk Neukölln. Die Einrichtungskosten und Aufwendungen für den Betrieb der Schülerbibliothek und des Elterncafés von knapp 30.000 Euro wurden über Soziale Stadt-Mittel des Quartiersmanagements Körnerpark simone schützmann_eröffnung konrads insel_neuköllnfinanziert. Mit dem Anliegen, innerhalb der Schule eine Insel zu schaffen, entstanden in den wohnlich und zugleich zweckmäßig gestalteten Räumen eine Schülerbiblio- thek, ein Elterncafé und eine kleine Küche.

Bei der Einweihung wurden die Besucher von  Rektorin Simone Schützmann mit Ro- sen willkommen geheißen. Nach der Be- sichtigung der Räumlichkeiten und einem Auftritt des Kinderchores, der u. a. das sehr witzige Lied über die Stubenfliege zum Besten gab erfolgte die offizielle Eröffnung durch Heinz Buschkowsky und Dr. Franziska Giffey.

buschkowsky+giffey+schützmann_konrads insel_neuköllnDer Bezirksbürgermeister sprach da- bei vor allem die etwa 20 Kinder im Raum an. Er betonte, wie wichtig das Lesen ist. „Lesen”, sagte er, “ist für den Kopf wie Schokolade essen.“ Außerdem fragte er sie nach ihren späteren Berufswünschen. Die Be- zirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport hob in ihrer Rede hervor, dass anhand der eingehenden Anmeldungen festgestellt werden könne, dass die Konrad-Agahd-Grundschule mit zu den beliebtesten Grundschulen in Neukölln gehört.

Das neue Elterncafe soll dazu beitragen, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu verstärken. An zwei Tagen in der Woche initiieren die Eltern ein Elternfrühstück. Dies soll die Vernetzung unter den Eltern verbessern und die Eltern näher an die Schule und ihre Projekte heranführen. Eines davon ist das kostenlose Frühstück von schülerbibliothek_konrad-agahd-grundschule_neuköllnbrotZeit, einer Initiative der Schauspielerin Uschi Glas. Jeden Morgen wird es von ehrenamtlichen Senioren für die Grundschüler zubereitet, die so nicht nur in den Genuss von regelmäßigem Frühstück kommen, sondern von den Ehrenamtlichen auch viel über eine gesunde Ernährung lernen können.

Futter für Kopf und Seele gibt es nun in der neuen Schülerbibliothek, die etwa zur Hälfte mit Buchspenden bestückt wurde. Da sich die Schülerinnen und Schüler über noch mehr Auswahl freuen würden, gilt: Wer gut erhaltene Kinderbücher zuhause hat, die er nicht mehr benötigt, darf sich gerne mit der Konrad-Agahd-Schule in Verbindung setzen, um sie zu spenden.

=Reinhold Steinle=

Unser Autor, der in Neukölln bereits Führungen durch den Reuter-, Schiller-, Rollberg- und Richardkiez anbietet, führt ab nächsten Monat auch durch den Körnerkiez: Die erste Tour ist am 18. Mai und startet um 15 Uhr an der leuchtstoff–Kaffeebar.

Abtauchen, abdrehen, abheben: Heute beginnen die 48. Neuköllner Maientage

Heute Nachmittag wird alles anders sein. Dann werden keine Schwertransporter und Kranwagen mehr die Gänge versperren, keine Scheinwerfer mehr am Boden liegen und  keine  überdimensionalen Deko-Fische  und  Rettungsringe  mehr  auf  den Sitz-

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paulys action-team_neuköllner maientagebänken in einer U-Boot-Attrappe. Das Dach vom Autoscooter wird so hoch sein, dass sich auch Erwachsene aufrecht auf der Fläche bewegen können. Der Shaker wird bis 14 Uhr zusammengebaut und bereit zum Schütteln sein, und die Kirmes-Leckereien sind nicht mehr hinter Holzplatten verborgen. Denn dann begin- nen die 48. Neuköllner Maientage.

Schönes Wetter, das steht für die nächs- ten drei Wochen auf dem Wunschzettel von Thilo-Harry Wollenschlaeger (r.), der das Volksfest fürs Bezirksamt Neukölln organisiert, weit oben. Weil schönes Wetter thilo-harry wollenschlaeger_maientage neuköllnein Garant für viele Besucher ist. An den meteorologischen und somit ökonomi- schen Reinfall, den ihm und den Schau- stellern der letzte Neuköllner Rummel, die Britzer Baumblüte, bescherte, mag er gar nicht mehr denken.

Zu den Neuköllner Maientagen, Berlins größtem Parkfest, hat der 47-Jährige oh- nehin eine ganz besondere Beziehung: Am 14. Februar 1966, dem Tag, an dem er in die Schausteller-Dynastie Wollen- schlaeger hineingeboren wurde, unter- schrieb sein Vater den Vertrag für die Organisation der ersten Neuköllner Maientage. Dass die Geburt des Sohnes dadurch ein wenig in den Hintergrund rückte und der erste Besuch des Vaters in der Wöchnerinnenstation erst einen Tag später erfolgte, “das wäre wohl heute undenkbar”, sagt Thilo-Harry Wollenschlaeger: “Aber meine eingang neuköllner maientageMutter wusste ja, wen sie geheiratet hat.”

Nun ist der Sohn Hausherr des Rummels im Volkspark Hasenheide. “Hausmeister ist treffender”, findet er, da der Job als Organisator vor allem bei laufendem Be- trieb ständig neue Herausforderungen mit sich bringt und nicht mit der Vorbereitung abgeschlossen ist. Bei der hat Thilo-Harry Wollenschlaeger wieder auf das Zusam- menspiel von Altbewährtem und Neuem gesetzt: Über 70 Schausteller sind dabei, die Lebkuchenherzen, Zuckerwatte und Rostbratwürste ebenso anbieten wie Slush-Eis und Herzhaftes der Kategorie “halal“. walzerfahrt_neuköllner maientageBei den Fahrgeschäften haben die kleinen Besucher eine Auswahl von 15 Kinder- karussells. Jugendliche und Erwachsene können schon gleich am Eingang mit einer Walzerfahrt (r.) ins Rummelvergnügen starten, danach in zwei Autoscootern auf Kollisionskurs gehen, im Breakdance und Shaker die Belastbarkeit ihrer Mägen tes- ten, magische Momente im Magic erleben aufbau wildwasser-rafting-bahn_neuköllner maientageund sich in der Wildwasserbahn Atlantis Rafting (l.), die gestern noch aufgebaut wurde, erfrischen lassen. Wie schon im letzten Jahr lädt auch in diesem der Kettenflieger Around The aufbau kettenflieger_neuköllner maientageWorld (r.) wieder zum Abheben in 60 Meter Höhe und einem fan- tastischen Rund- blick über Berlin ein. Nicht mehr auf dem Gelände zu finden sind indes eine große Achterbahn und das Riesenrad.

Dafür konnte Thilo-Harry Wollenschlaeger zwei neue Attraktionen gewinnen: Im Hippie Trip lässt sich eine Reise in die Musik u-3000_neuköllner maientageund Farben der 1970er-Jahre erleben; das Tauchboot U-3000 suggeriert mit Action- filmen und elektronisch-hydraulischem An- trieb 3 1/2 Minuten lang mitreißende Aben- teuer unter Wasser. Ebenfalls neu sind, so Wollenschlaeger, die Feuerwerker, die bis zum 20. Mai an jedem Samstag den Himmel über der Hasenheide in ein spek- takuläres Lichtermeer verwandeln. Das macht jetzt die Firma Halter aus Spandau, die u. a. mit der Sprengung des Daches der Berliner Deutschlandhalle bewiesen hat, dass sich die dort arbeitenden Spezialisten auch auf anderes als pyrotechnische Effekte verstehen.

elif uncuoglu gewinnerplakat_neuköllner maientageTradition hat dagegen bei den Neu- köllner Maientagen längst, dass mitt- wochs beim Gros der Fahrgeschäfte und Buden nur der halbe Preis zu zahlen ist, der Eintritt zum Festge- lände frei und das Plakat für das Volksfest Resultat eines Malwettbe- werbs an Neuköllner Schulen ist: In diesem Jahr gewann den Elif Un- cuoglu aus der Klasse 10c der Her- mann-von-Helmholtz-Schule. Außer- dem gibt es auch bei der 48. Auflage der Neuköllner Maientage wieder Sonder- veranstaltungen für alte Leute und Kinder geben: Am 13. Mai lädt Wollenschlaeger etwa 200 Senioren zu Kaffee und Kuchen auf dem Festplatz vor der Bühne ein, am Folgetag Neuköllner Schülerlotsen zu kostenlosen Rummelspaß. Andere Attraktionen wie die Event-Euro genannte Schausteller-Währung, das Nonstop-Bühnenprogramm oder die Castingshow “Neukölln sucht das Multi-Kulti-Super-Talent” sind noch auf aufbau_maientage neuköllndem Weg zur Tradition zu werden.

Heute um 17 Uhr wird Heinz Busch-kowsky das Volksfest offiziell mit dem Fassbieranstich eröffnen. Noch vorgestern bei der BVV-Sitzung rühr- te er dafür kräftig die Werbetrommel. Die Neuköllner Maientage würden zu den trivialen Dingen gehören, die sehr viel Spaß machen, erinnerte der Bezirksbürgermeister sein Plenum. Für Thilo-Harry Wollenschlaeger sind sie Spaß, Ernst und Leidenschaft zugleich. Mit rund 250.000 Euro beziffert er die Kosten für die gut dreiwöchige Veranstaltung – inklusive der Reparatur der nach der Abreise der Schausteller stark ramponierten Rasenfläche. Keinerlei Verständnis hat er dafür, dass vielerorts von der Politik vergessen wird, dass die Schausteller ein Fest fürs Volk machen, und immer weiter an der Preisspirale für die Standplatzmiete etc. drehen, statt das Anliegen wohlwollend zu unterstützen. “Was auch nicht bedacht wird, ist, dass viele Schausteller von weither anreisen müssen”, sagt Wollen- schlaeger, “weil die Berliner Schausteller allein gar nicht in der Lage wären, so ein Volksfest mit einer Vielzahl an Attraktionen auf den Weg zu bringen.”

Gewinnspiel:

Welche Neuköllner Schule besucht Elif Uncuoglu, die Gewinnerin des diesjährigen Neuköllner Maientage-Plakatwettbewerbs?

Wer diese Frage richtig beantwortet und die Lösung bis zum 27. April um 23.59 Uhr per Mail ans FACETTEN-Magazin schickt, nimmt an der Verlosung von drei Freikarten-Paketen im Wert von jeweils ca. 30 Euro teil, die von Wollenschlaeger und den Schaustellern zur Verfügung gestellt werden.

Die Neuköllner Maientage (Haupteingang am Columbiadamm) sind mon- tags, dienstags sowie donnerstags von 15 bis 23 Uhr und an allen anderen Tagen von 14 bis 23 Uhr geöffnet.

Update (28.4., 10:30 Uhr): Die Gewinner der drei Freikarten-Pakete wurden inzwischen von einem unabhängigen, nach dem Zufallsprinzip ausge- wählten Glücksfeeerich aus dem vollen Lostopf gezogen und sind be- nachrichtigt. Ihnen und allen, die nicht zu den Glücklichen gehören, wün- schen wir viel Spaß bei den 48. Neuköllner Maientagen.

=ensa=

Nadeln für den guten Zweck

schalsZwei Meter lang sollte er schon sein. Und 25 Zentimeter breit. Alles weitere ist jedem selber überlassen: die Far- be, das Muster, das Material, die Nadelstärke. Vom melierten Anfänger- stück aus rechten Maschen bis hin zum hochkompliziert gemusterten Mo- dell, das bewundernde Blicke auf sich zieht, ist alles erlaubt. Wenn es denn selbstgestrickt ist.

Mit dem Slogan “An die Wolle, Fertig, Los!” ruft der Neuköllner Nachbarschaftstreff Sonnenblick derzeit bezirksübergreifend zum emsigen Nadeln auf. Ziel des ambitionierten Strickprojekts ist  der längste Schal Berlins, und der soll  mindestens 500 Meter messen. Im Herbst, d. h. zum Beginn der sonnenblick_kubus_längster schal berlinsnächsten Schal-Saison, dürfte man so viel zusammen haben, schätzt Gernot Zessin von der Kubus gGmbH, die Trä- gerin des Nachbarschaftstreffs ist und das Projekt angestoßen hat. Die bisherige Beteiligung sei jedenfalls gut, auch außer- halb Neuköllns: “Aber Luft nach oben ist ja immer.”

Je mehr Leute mitstricken, Wolle und Zeit investieren und Schals entstehen lassen, desto besser. Denn die wollenen Acces-soires, die zunächst zusammengenäht vermessen und dann wieder in Einzelteile zerlegt werden, sind für eine Versteigerung zugunsten der Hilfsaktion “Ein Herz für Kinder” bestimmt. Wann und wo die Auk- tion stattfindet, stehe noch nicht fest, sagt Gernot Zessin. Spruchreif ist aber, “dass der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky seine Teilnahme formal zugesagt hat.” Bis dahin darf noch fleißig an Teilstücken für  den längsten Schal Berlins  gestrickt werden.

Schals können im Nachbarschaftstreff Sonnenblick (Sonnenallee 273) ab- gegeben werden. Dort sind auch Wollspenden willkommen und weitere Informationen erhältlich: Tel. 030 – 39 20 10 32

=ensa=

“Neukölln hat unheimliche Schätze”

2_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausLokalpatriotismus ist es nicht, der Prof. Dr. Paul Sigel zum Schwärmen bringt und Sätze wie “Neukölln hat unheimliche Schätze” sagen lässt. Nein, der Wis- senschaftler mit den Forschungsschwerpunkten Ar- chitektur- und Städtebaugeschichte sieht den Bezirk vor allem aus der fachlichen Perspektive. Mit 16 Stu- denten des Masterstudiengangs Historische Urba- nistik des Centers for Metropolitan Studies der TU Berlin hat er ihn nun mit dem Fokus auf bemer- kenswerte Siedlungs- und Gebäudekonzepte hin untersucht. Ergebnis des Projektseminars ist die Ausstellung “Neues Wohnen Neukölln – Wohnquar- vernissage_neues wohnen neukölln_neuköllner rathaustiere von 1900 bis heute”, die in Kooperation mit dem Mobilen Museum Neukölln entstand und gestern im Rathaus eröffnet wurde.

Zeitlicher Aufhänger ist der 100. Todestag von Reinhold Kiehl, an dessen Wirken eine Sondertafel erinnert. In “affenartiger Geschwindigkeit” habe der erste Neuköllner bzw. Rixdorfer Stadtbaurat seine Bauwerke geschaffen, stellte Bezirksbürgermeister buschkowsky+giffey_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausHeinz Buschkowsky fest. Da möge man überhaupt nicht daran denken, “wie lange wir heute brauchen, um ein Pförtnerhaus zu bauen”. Wenn “Papa Kiehl” nicht so früh gestorben wäre, ist er überzeugt, würde man nun in der ganzen Welt über den sprechen, der in Neukölln sichtbarste Spuren hinterlassen hat. Einerseits in Form öffentlicher Gebäude, andererseits aber auch, wie der blesing_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausamtierende Baustadtrat Tho- mas Blesing hinwies, durch die Planung und Anlage von Ensembles wie dem Richard- und dem Reuterplatz.

Von den 11 Wohnquartieren, die die Ausstellung porträtiert, hat Kiehl allerdings nur noch drei im Werden beobachten können: Die Schillerpromenade, die als “bessere Wohn- gegend” geplant war, dann aber überwiegend von Arbei-terfamilien bezogen wurde, die Ideal-Passage, wo 203 Wohnungen entstanden, die höchsten technischen und hygienischen An1_neues wohnen neukölln_neuköllner rathaussprü- chen genügten, und die zwischen 1912 und 1937 erbaute Kolonie Ideal in Britz, eine nach dem Vorbild einer Gar- tenstadt entworfene Reihenhaussiedlung.

“Es geht uns darum, auf innovative Wohn- konzepte in Neukölln hinzuweisen, die Antworten auf Aufgaben und Bedürfnisse des Wohnungsbaus paul sigel_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausder Zeit gegeben haben, in der sie errichtet wurden”, erklärte Prof. Sigel. Aber allein dabei wollten es die Studenten bei ihrem Projektseminar ab- seits des “universitären Lernens im Elfenbeinturm” nicht belassen: “Das Augenmerk lag immer auf der histo- rischen und der gegenwärtigen Perspektive und der Frage, ob die Konzepte der Quartiere noch heute neues wohnen neukölln_vernissage_neuköllner rathausfunk- tionieren.” Außer- ordentlich beeindru- ckend sei die Viel- falt der Wohnfor- men, die man im Bezirk insbesondere ob der topographischen Möglichkeiten zwischen In- nenstadt und Peripherie vorfinde. Auf sehr prominente Quartiere wie die Hufeisensied- lung oder die Gropiusstadt, so Sigel, habe man bei der Auswahl ganz bewusst verzichtet.

Stadtrandsiedlung Neuland I-IV. Nie gesehen! Grüne Häuser in Britz. Wo sollen die denn sein? Pilotprojekt Ortolanweg und Siedlung am Schlierbacher Weg. Noch nie ausstellungseröffnung_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausvon gehört! Nur wenige Besucher der Vernissage stehen mit wissender Miene vor allen 11 Text-Bild-Tafeln. Für die meis- ten wird hier das eine oder andere Rätsel rund um das breite Spektrum des Woh- nens im Bezirk gelöst.

Die Ausstellung “Neues Wohnen Neu- kölln – Wohnquartiere von 1900 bis heute” ist noch bis zum 26. April in der 2. Etage des Neuköllner Rathauses zu sehen. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8 – 18 Uhr.

=ensa=

Kiehl, der Baumeister

Das Neuköllner Rathaus, das Stadtbad, die Carl-Legien-Oberschule, das alte Krankenhaus Neukölln, die Albrecht-Dürer-Schule, die Orangerie im Körnerpark, die Albert-Schweitzer-Schule, das ehemalige Kraftwerk am Weigandufer, die Friedhofs-albert-schweitzer-gymnasium_st. jakobi kirchhof neuköllnkapelle nebst Verwaltungsge- bäude des St. Jacobi-Kirchhofs: Überall in Neukölln sieht man sich Bauwerken gegenüber, die nach Reinhold Kiehls Plänen oder durch sein Mitwirken ent- standen.

Auf den Tag genau vor 100 Jah- ren starb Kiehl, der von 1905 bis 1912 erster Stadtbaurat von Rix- dorf war, gerade mal 38-jährig an einem Herzinfarkt. Am 14. März 1913 wurde er hinter der Albert-Schweitzer-Schule auf dem St. Jacobi-Kirchhof (Foto) beigesetzt. Über 20 Jahre nach Reinhold Kiehls Tod, 1934, wurde das östliche Ufer des Neuköllner Schiffahrtskanals zu Ehren des ehemaligen Stadtbaurats in Kiehlufer umbenannt.

Heute um 16 Uhr werden Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, Neu- köllns Baustadtrat Thomas Blesing und Prof. Dr. Jörg Haspel, der Leiter des Landesdenkmalamtes Berlin, anlässlich des 100. Todestags an Reinhold Kiehls Grabstätte einen Kranz niederlegen.

Paris – Mailand – Neukölln

huxleys neukölln“Neue Welt” steht über dem Huxley’s, und momentan ist auch in die Kon- zert-Location an Neuköllns Hasen- heide eine neue Welt eingezogen: die der Mode. Noch bis übermorgen bringt dort der Showfloor Berlin, seit Jahren feste Größe des Eco Fashion-Segments der Berlin Fashion Week, Designer-Mode und den Catwalk auch für die ganz nah, die weder VIPs noch Medienvertreter sind oder zum Umfeld der Textil-Industrie und Sponsoren gehören.

Gestern Abend bei der Auftaktshow, die mit der Premiere des Kurzfilms “Fashion fashion goes neukölln_showfloor berlin_huxleysgoes Neukölln” eingeläutet wurde, stand Design aus dem Gastgeberbezirk im Mittel- buschkowsky_showfloor berlin_huxleys neuköllnpunkt. Vorher kam je- doch Bezirksbürger- meister Heinz Busch- kowsky, der auch im Film in einer kleinen Nebenrolle sich selber gespielt hatte, zu Wort: Paris – Mailand – Neukölln. In einer Reihe mit anderen Mode- metropolen müsse man den Bezirk nennen, stellte er in launigem Tonfall fest. Wer es bis dato noch nicht wusste, erfuhr alsdann, dass die Zukunft der Mode in Neukölln liege. “Unsere Neuköllner Labels inspirieren alles, was Sie auf den Schauen der Berlin Fashion Week sehen”, schwadronierte Buschkowsky in Alleinunterhalter-2_format_showfloor berlin_huxleys neuköllnManier weiter, bevor er sein Loblied auf Neukölln beendete und die Eröffnung des Showfloors durch Mareike Ulmans Label  format  ankündigte.

Die Designerin, die in Klein-Serien aus biozertifizierten Materialien alltagstaugliche Mode für Frauen und format_showfloor berlin_huxleys neuköllnMänner herstellt, gehörte zu den Gewinnern eines De- signercastings, bei dem es um die Möglichkeit der kostenlosen Prä- sentation beim Show- floor gegangen war. Ein Dutzend Models führten nun die von lässig bis klassisch-elegant changierende Prêt-à-porter vor, deren Zeitlosigkeit Ulmans Interpretation von Nachhaltigkeit unterstreicht. Starre Kollektionen sind nicht ihre Sache, vielmehr geht es der 1_format_showfloor berlin_huxleys neuköllndiplomierten Designerin ums stetige Ergänzen durch Teile in 3_format_showfloor berlin_huxleys neuköllnneuen Materialien und Farben.

“Die Show”, hatte Busch- kowsky dem Publikum im Huxley’s zuvor prognosti- ziert, “wird Sie wegfegen!” Und spätestens dann, meinte er, seien auch die- jenigen, die dachten, er habe Quatsch erzählt, überzeugt: “Das ist ein sehr realistischer Mann, der da vorhin ge- sprochen hat.” Quatsch zu erzählen, merkte er noch an, sei ohnehin nicht seine Art. Weggefegt hat die Show allerdings auch niemanden.

Heute präsentiert der Showfloor ab 21.30 Uhr niederländische Avantgarde, vorher  (ab 18 Uhr) ist u. a.  das Berliner Label NIX auf dem Catwalk. Morgen wird der letzte Showfloor-Tag um 18 Uhr durch das Neuköllner Label P|AGE Fashion eröffnet. Kartenreservierung für alle Shows: hier.

format-schaufenster_karstadt hermannplatzAuch gegenüber vom Huxley’s, bei Karstadt am Her- mannplatz, setzt die Berlin Fashion Week showfloor berlin_karstadt hermannplatzunüber- sehbare Zeichen: Zwei Schaufenster zeigen bis morgen Stücke der Show- floor-Labels und auf einer Sonderfläche in der 3. Etage gibt es nachhaltig produzierte Kreationen zum Angucken und Anfassen von Benu Berlin, zuit, 1979, Berlin My Inspiration, Lotta und Johanna Riplinger.

=ensa=

Da geht noch was!

“Damit es wirklich ein Platz von uns Neuköllnern und für uns Neuköllner werden kann, braucht er einen neuen Namen”, stellte umbau_platz der stadt hof_neuköllnAndreas Altenhof von der Lenkungsgruppe der [Aktion! Karl-Marx-Straße] fest, als Mitte August letzten Jahres mit der Umgestaltung vom Platz der Stadt Hof begonnen und im Zuge dessen zu einem Namenswettbewerb aufgeru- fen wurde.

Inzwischen ist das Buddeln auf dem Platz weit fortgeschritten und die Liste der Namensvorschläge lang: Neu- köllner Platz, Rixdorfer Platz, Weltbür- gerplatz, Platz der Internationalen Völkergemeinschaft, Place Jumelage, Mohammed-Bouazizi-Platz, Platz da, Am Diwan, Neukölln’s Mitte, Buschkowsky Rondell, Kurt- Krömer-Platz, Platz der Neuen Heimat und Grünes Eck finden sich u. a. auf ihr wieder. spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neuköllnEbenso der Wunsch, dass Name Platz der Stadt Hof beibehalten werden soll.

Weitere Vorschläge sind nach wie vor bei der Len- kungsgruppe willkommen. Ein zeitliches Ende sei noch nicht abgesteckt, sagt Horst Evertz, Prozesssteuerer bei der [Aktion! Karl-Marx-Straße]: “Auch über den Modus, wie aus den Vorschlägen der künftige Names des Platzes herausgefiltert werden soll, haben wir uns noch nicht verständigt.” Beschlossen wurde jedoch schon, dass Transparenz das Wichtigste bei der Vorgehens- weise sein soll. “Dass der Platz plötzlich einen neuen Namen hat”, so Evertz, “wird es nicht geben.” Die offizielle Umbenennung falle dann in den Zuständigkeitsbereich der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, als deren Impulsgeber sich die Lenkungsgruppe verstehe. “Wenn es zu einer Um- benennung kommt, wird übrigens keine einzige Visitenkarte umgeschrieben werden müssen”, merkt Horst Evertz noch an. Weder durch die Sparkasse noch durch die Unternehmen im Nachbargebäude sei bisher eine Adressierung mit Platz der Stadt Hof erfolgt. Die Frage nach entsprechend gelagerten Folgekosten erübrigt sich also in diesem Fall.

=ensa=

Kochen mit dem Profi: Berlins Schülerbischöfe bei Matthias Buchholz

v. l.: Marco Boest, Benedikt Schuh, Matthias Buchholz, Hannah Gloger, Klaus-Randolf Weiser

v. l.: Marco Boest, Benedikt Schuh, Matthias Buchholz, Hannah Gloger, Klaus-Randolf Weiser

“Wie schneidet man denn Würfel?” Es sind Fragen wie diese, die Profi- Koch Matthias Buchholz verraten, dass er es mit Amateuren am Herd zu tun hat. “Immer abwärts schälen! Das geht  leichter als aufwärts, wie beim Radfahren”, rät er und zieht den Sparschäler über eine Petersilienwurzel. Hannah Gloger, Benedikt Schuh und Marco Boest sehen ihm aufmerksam zu, denn gleich sollen sie es nachmachen.

Während ihre Klassenkameraden im Unterricht sitzen, stehen die drei Zehntklässler der Evangelischen Schule Neukölln – verstärkt durch Schulleiter Klaus-Randolf 1_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnWeiser und Schulstadträtin Franziska Giffey – in der Küche des Buchholz Gutshof Britz. “Dass wir als Schü- lerbischöfe so viele Termine haben und der zeitliche Aufwand so groß ist, hätte ich vorher nicht gedacht”, gesteht Benedikt. Seit dem vergangenen Niko4_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnlaustag sind er und Marco (beide 15) sowie die 16-jährige Hannah im Amt. Beim Ein- führungsgottesdienst in der St. Marienkirche verteil- ten sie Äpfel an alle An- wesenden, zum Treffen mit Heinz Buschkowsky brachten sie ihre 10 Gebote für eine bewusste Ernährung mit. Der Neuköllner Bezirks- bürgermeister habe denen Alltagstauglichkeit attes-tiert, weil es nicht um einen totalen Verzicht z. B. auf Fleisch, sondern um machbare Einschränkungen und das Nachdenken übers Essen an sich geht, sagt Hannah. Der achtsame Umgang mit Lebensmitteln ist das Leitthema der drei Schülerbischöfe, die sich mit dem Bedürfnis, dieses Anliegen unter Gleichaltrige und in die Öffentlichkeit zu bringen, zur 6_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnWahl gestellt haben – und gewählt wurden.

“Aus den Würfeln machen wir ein Apfel-Petersilien-wurzel-Ragout. Dazu wird es Grießklöße in einem Sud aus den Resten geben”, erklärt Matthias Buchholz, der sich in seinem vor 1 1/2 Jahren eröffneten Restaurant einer leichten Landhausküche verschrieben hat und bevorzugt fri- sche, regionale, saisonale Produkte verarbeitet. Dass sich junge Leute für eine gesunde Ernährung einsetzen, gefällt ihm sehr. Mit 2_berliner schülerbischöfe_giffey_buchholz gutshof britz_neuköllnseiner 10-jährigen Tochter erlebe er das genaue Gegenteil, verrät er und erzählt von den Dramen, die sich früher im Hause Buchholz-Elm abspielten, wenn gesundes Selbstgekochtes auf den Tisch kam. Inzwischen sei die Ablehnung ledig- lich etwas gemäßigter und artikulierter, hinzu gekommen sei eine ausgeprägte Weiße-Tischdecken-Antipathie.

“Die Petersiliestängel nicht wegschmei- ßen!”, bittet Buchholz Franziska Giffey (l.). “Die kommen in den Sud.” So lernen die drei Schülerbischöfe nicht nur, wie leicht sich Gutes mit Produkten aus der Region kochen lässt, sondern auch, dass nicht alles in 5_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnder Biotonne landen muss, was dafür prä- destiniert scheint.

Benedikt macht sich mit Matthias Buchholz ans Kochen des Grießbreis. Wie anstrengend die Rührerei in der immer kompakter werdenden Masse aus Hartweizengrieß ist, wundert ihn: “Da braucht man ja richtig Oberarme!” Buch- holz grinst. Er weiß, dass der Alltag als Koch harte körperliche Arbeit bedeutet. In der Regel ist er mit drei Mitarbeitern in der Küche be- 7_berliner schülerbischöfe_giffey_buchholz gutshof britz_neuköllnschäftigt, um Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts für bis zu 50 Gäste täglich zu kreieren. Am 1. Weih- nachtsfeiertag waren es sogar 77. Danach wisse man dann schon, was man getan hat. Zudem werde auch das Kochen durch unterschiedlichste Allergien stän- dig herausfordernder. “Immer gleich wegräumen, was ihr nicht mehr braucht!”, ermahnt der 45-Jährige seine 8_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnBeiköche. “Ordnung ist das oberste Ge- bot in der Küche, ohne die geht das größte Genie den Bach runter.” Es gibt Bemerkungen, die Jugendliche im Alter der Schülerbischöfe lieber hören.

Mit einem Eisportionierer, Suppenkellen und den Händen werden aus der mit gehackter Petersilie bestreuten Grieß- masse Knödel. Etwa 10 Minuten Kochzeit, dann seien sie fertig, schätzt Buchholz. Wer noch nach einem Paradebeispiel dafür sucht, dass Männer durchaus multi- 12_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllntaskingfähig sein können, ist bei ihm an der richtigen Adresse: Er würzt, rührt, erzählt und hat nebenbei noch 11_berliner schülerbischöfe_giffey_buchholz gutshof britz_neuköllnalles im Auge, was auf dem Herd köchelt.

Eine gute Stun- de, dann ist aus wenigen Zutaten eine raffinierte kulinarische Komposition ge- worden. “Schmeckt’s?”, erkundigt sich Mat- 13_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnthias Buchholz und erntet einhelliges Nicken. Doch, findet er, das sei ein Gericht, das mit dem Namen “Petersilienknödel auf Ragout von Apfel und Petersilienwurzel” auch auf die Karte des Restaurants passen würde. “Ich maile euch das Rezept zu”, verspricht er den Schülerbischöfen.

Schon am 20. Januar wird deren Amtszeit wieder vorbei sein. “Viel länger”, vermutet Rektor Klaus-Randolf Weiser, “ließe sich das auch kaum mit dem Schulalltag ver- einbaren.” Schließlich sollen die Leistungen nicht unter den zusätzlichen Verpflich- tungen leiden. Marco Boest, Hannah Gloger und Benedikt Schuh wollen das Privileg, diese etwas anderen Erfahrungen zu machen, bis zum letzten Tag genießen.

Die Tradition der Kinder- oder Schülerbischöfe kommt aus dem Mittelalter. In Berlin wurde die Idee, Kinder und Jugendliche zu Bischöfen zu machen, 2010 vom damaligen Generalsuperintendenten Ralf Meister wieder belebt. Ziel ist es, dem Anliegen von Jugendlichen auch öffentlich eine Stimme zu geben. Neben Berlin gibt es u. a. auch in Hamburg und Göttingen Schüler- bischöfe.

=ensa=

Ausgezeichnet: Neukölln hat sechs neue Ehrennadel-Träger

137 Träger der Neuköllner Ehrennadel gab es bis gestern. Seit gestern sind es sechs mehr: Bei einer Feierstunde im Schloss Britz verliehen Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin die höchste neuköllner ehrennadel-verleihung 2012Auszeichnung für Menschen, die sich um den Bezirk verdient gemacht haben, an Soran Ahmed, Beate Hau- ke, Christian Korb, Lam-Thanh Ly, Brigitte Merten und Peter Renkl.

Aber wie kommt man überhaupt an diese Ehrung, wenn man sie denn will? “Geehrt werden besonders Per- sonen, die langjährig auf dem Gebiet des kulturellen, sozialen, religiösen, wirtschaftlichen, sportlichen, gesell- schaftspolitischen und partnerschaftlichen Bereichs im Sinne Neuköllns tätig gewesen sind”, erklärt Andrea Liedmann aus dem Büro des Bezirksbürgermeisters. Politische Funktionen und Mandate seien für eine Ehrung nicht hinreichend.

Vorschläge für Auszuzeichnende, die samt einer kurze Begründung sowie einer Biographie der betreffenden Person an das Bezirksbürgermeister-Büro zu richten sind, könnten von Vereinen, Vereinigungen oder anderen Organisationen gemacht neuköllner ehrennadelwerden. Wer letztlich die Neuköllner Ehrennadel bekommt, werde dann von einem Gremium entschieden, das sich aus dem Bezirksverordne-tenvorsteher, der stellvertretenden Bezirksver-ordnetenvorsteherin, dem Bezirksbürgermeister und dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister zusammensetzt.

Begünstigungen sind mit der Mini-Trophäe fürs Revers, die seit 1984 einmal jährlich verliehen wird, nicht verbunden. Allein mit der Ehrennadel und einer feierlichen Zeremonie müssen sich die Ausgezeichneten aber auch nicht begnügen: Sie erhalten zusätzlich eine Urkunde, werden ins Ehrennadelbuch eingetragen und im Foyer der 2. Etage des Neuköllner Rathauses namentlich auf einer Messingtafel verewigt. So wie vor ihnen bereits Wolf Henri, der Schmied vom Richardplatz, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, Victor Kopp, der Eigentümer der Neuköllner Passage, die ehemaligen SG Neukölln-Schwimmerinnen Cathleen Rund und Britta Steffen, der Ex-Profiboxer Oktay Urkal, die Ricam Hospiz-Gründerin Dorothea Becker, der Schriftsteller Horst Bosetzky, Konrad Tack, der ehemalige Geschäftsführer des JobCenters Neukölln, der Sprach- woche-Initiator Kazim Erdogan und Christina Rau, die Schirmherrin des Campus Rütli – um nur einige zu nennen.

=ensa=

Tummelplatz Richardplatz

1_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnWer in der Adventszeit ein Pendant zu Weih- nachtsmärkten mit Fahrgeschäften, Los- und Imbissbuden, dröhnender musikalischer Be- schallung und Ständen mit bunten blinkenden Lichterketten sucht, findet das an diesem Wo- chenende auf dem Neuköllner  Richardplatz.

Gestern Nachmittag wurde dort zum 40. Mal der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt eröffnet: buschkowsky_eröffnung alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnvon Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der kraft seines Amtes auch morgen wieder auf der Bühne steht, um sich bei der tra- ditionellen Versteigerung herber Re- bensäfte aus Neukölln als Auktionator zu betätigen.

Überhaupt werden Traditionen beim bedeutendsten Weihnachtsmarkt im lampen-abholung_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnBezirk groß geschrieben. Zur Beleuchtung der Stände dienen Petro-leum-Lampen. “250 halten wir bereit”, sagt der Mann im THW-Zelt, wo die  Laternen abgeholt  werden müssen. Die

warteschlange thw-stand_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnthw-lampenausgabe_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln

2_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnSchlange der Wartenden reicht bis zur Bühne. Ent- sprechend düster ist es noch an vielen Ständen. Zwei Besucherinnen, die erstmals am Eröffnungstag auf dem Weihnachtsmarkt sind, sind irritiert. Am zweiten und dritten Tag sind die Auswirkungen des sich wie- derholenden Prozederes der Lampen-Abholung ver- gleichsweise unauffällig, weil der Weihnachtsmarkt dann bereits am frühen Nachmittag, wenn es noch hell  ist, öffnet. “Könnte  man das denn  nicht so organisieren, dass  alle  Stände  be-

2_stände_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln4_stände_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln3_stände_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln

5_stände_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnmisteln_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln1_stände_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln

leuchtet sind, wenn die Besucher kommen?”, fragen sich die beiden Frauen, die extra aus Spandau angereist sind. Für die Leute hinter den noch dunklen Ständen sei es doch ärgerlich, dass sie ihre schönen Sachen erst mit Verspätung vernünftig prä- sentieren können.

Die Leute hinter den Ständen sind beim Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt keine gewerb- lichen Händler, sondern – auch das hat Tradition – gehören Vereinen, karitativen Einrichtungen, Verbänden und Initiativen. Für viele von ihnen ist der Verkauf von Selbstgebasteltem,  -getöpfertem, -gestricktem, -genähtem, -gemaltem,  -gekochtem

richardplatz 8_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnkutschen-schöne_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllngewerbehof villa rixdorf_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln

und -gebackenem in der einzigartigen Atmosphäre des Weihnachtsmarktes auf dem Richardplatz eine der wichtigsten Einnahmequellen für ihre Arbeit. Trotz der nicht un- beträchtlichen Standmiete, die der Bezirk als Veranstalter erhebt. Von über 300 Euro dorfkirche_alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnist die Rede; wird beispielsweise für das Erhitzen von Getränken Strom gebraucht, kommt ein Aufschlag dazu. Der habe schon in man- chem Jahr mit unwinterlichem Wetter richtig weh getan, sagt ein Mann hinter zwei dampfenden Töpfen. “Aber jetzt bei Schnee und Frost werden Glühwein und Kinderpunsch die Renner sein”, prognostiziert er.

Der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt ist noch heute von 14 bis 21 Uhr und morgen  von 14 bis 20 Uhr geöffnet.

=ensa=

“Ich glaub, dass sich der Bezirk Neukölln nie wieder mit jemandem namens Kolland belasten wird”

Es fällt schwer, sich den Zustand der imposanten Galerie im Körnerpark anno 1982 vorzustellen. “Rohbau, kein Fußboden, unverputzt, kein Licht, kein gar nichts. Der ganze Raum wurde vom Neuköllner Garten- bauamt als Abstellfläche für Gerätschaften und Pflanzen genutzt”, beschreibt Dorothea Kolland, die junge, unverbrauchte Verrückte von damals. Nein, ein Dienstvergehen von ihr sei es nicht gewesen, die Orangerie zum prächtigen Rahmen für kulturelles Leben zu machen, nur eine Guerilla-Aktion – gemein- sam mit dem damaligen Leiter des Hoch- bauamts. Dass der gesamte Park seinerzeit zum Gartendenkmal umgestaltet und “ordentlich Geld für die Renovierung des Gebäudes” in die Hand genommen wurde, kam der zugute. “Aber das Entscheidende war”, so Kollands Einschätzung, “dass ich einfach voller Überzeugung mein Ding durchgezogen hab und auch andere Leute damit überzeugen konnte.” Daraus, dass das leichter war als es heute wäre, macht sie keinen Hehl: “So  massive Neins wie jetzt von Buschkowsky, hab ich früher nie erfahren.” Obwohl es auch mit den vier anderen Bezirksbürgermeistern oft nicht leicht gewesen sei. Zwischenmenschlich habe es mit Frank Bielka am besten geklappt, der den Bezirk von 1989 bis 1991 lenkte und heute Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugesellschaft degewo ist: “Aber das war finanziell durch die Wende und den Wegfall der Berlin-Förderung eine schwierige Zeit.”

Schwierigkeiten anderer Art hatte Dorothea Kolland dagegen in den Anfangsjahren zu bewältigen: Sie musste die Rollen als junge Mutter sowie als Chefin des Kulturamts und Leiterin der neuen Galerie im Körnerpark, die furios mit einer Ausstellung von Markus Lüpertz eröffnet hatte, unter einen Hut bringen. “Weil ich oft bis Mitternacht in der Galerie war, war meine Tochter meistens auch mit dabei. Anders ging es nicht.” Sehr prägend sei diese Zeit gewesen, sagt sie rückblickend. Natürlich habe es zu ihren Hauptaufgaben gehört, Kunst zu managen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich das Publikum Kunst einverleibt und ins Theater, zu Ausstel- lungen oder in Konzerte geht. “Aber wenn ich mich nur mit Administration aufge- halten hätte, wäre ich verrückt geworden. Deshalb wollte ich bis zuletzt auch oft da sein, wo Kunst gemacht wird.”

Doch Dorothea Kolland hat sich in Neu- kölln nicht nur als Entwicklungshelferin in Sachen Kunst und als Kulturmanagerin verdient gemacht. Auch manche ge- schichtsträchtige Immobilie, wie zum Beispiel das so genannte Büdner-Dreieck zwischen Saalbau und Passage, konnte durch ihren Einsatz vor dem Abriss gerettet werden. “Da, wo die ältesten Häuser der Karl-Marx-Straße stehen, sollte Mitte der 1980er-Jahre auf die Schnelle ein Kaufhaus hochgezogen werden”, erzählt sie. “Als ich das erfuhr, haben wir in Windeseile eine Ausstellung fürs Heimatmuseum gemacht, die die Historie des Büdner-Dreiecks dokumentierte und den Landeskon- servator eingeschaltet.” Das sei auch wieder so eine Guerilla-Aktion gewesen: “Innerhalb von 14 Tagen haben wir jeden- falls so etwas wie Denkmalschutz auf den Häusern gehabt, und der geplante Abriss musste zum Ärger der Grundstückeigen- tümerin abgeblasen werden.”

Wie es nun mit der Karl-Marx-Straße wei- tergeht, das hält die scheidende Kultur-amtsleiterin neben der noch wichtigeren Frage der Mietenentwicklung für einen der entscheidenden Schlüssel für die Zukunft des Bezirks. “Um die festen Kultureinrichtungen mache ich mir keine Sorgen, die sind in gutem Zustand und gut akzeptiert.” Sie hält kurz inne. “Eigentlich bin ich optimistisch, dass es bei einigen gentrifizierungsgefährdeten Kiezen bleibt und der Norden des Bezirks an sich auch künftig international gemischt sein wird.” Aber das werde nicht von alleine passieren. Da hätten der Staat, der Senat und natürlich auch der Bezirk durchaus Aufgaben: “Sie müssen Rahmenbedingungen schaffen und das Bleiben attraktiv machen. Aber die Erkenntnis, ist zumindest mein Eindruck, ist noch nicht genügend an den entsprechenden Stellen angekommen. Dazu, dass eine Horde von Künstlern oder Studenten kurz einfällt und dann wieder weg ist, darf es nicht kommen. Und außerdem muss verhindert werden, dass Familien mit Kindern wegziehen, wenn die eingeschult werden.” Darum müssten sich Senat und Bezirk kümmern, weil in erster Linie davon die Zukunft Neuköllns abhänge.

Für ihre eigene Zukunft hat Dorothea Kolland profanere Wünsche, die jedoch auch nicht ohne Tücken sind: “Viel lesen will ich, alles. Und reisen, viel reisen, was allerdings etwas schwierig ist, weil ich sehr gerne zusammen mit meinem Mann reise, der aber blöderweise als Präsident der Landesmusikrats dauernd ehrenamtliche Termine hat. Und außerdem möchte ich natürlich Zeit für mein Enkelkind haben, das in wenigen Monaten zur Welt kommen wird.”

Es ist zweifellos die 31-jährige Er- folgsgeschichte einer so engagierten wie nonkonformistischen und unbe- quemen Frau, die am letzten Tag die- ses Monats zu Ende geht. Das meiste von dem, was Dorothea Kolland an- packte, hat sie auch geschafft. “Aber leider nicht alles”, gibt sie zu. “Ich hätte zum Beispiel unheimlich gerne ein Ausstellungsprojekt mit Kindern, Medizinern, Pfarrern und Psychologen zum Thema “Kinder und Tod” gemacht, weil das Thema so wichtig ist, aber nie richtig behandelt wird.” Und außerdem sei es ihr nicht gelungen, die Politik davon zu überzeugen, dass man die Künstlerförderung finanziell stärker ausgestattet werden muss. “Neukölln”, erklärt sie, “hat in diesem Topf für dezentrale Kulturarbeit genauso viel Geld wie vor fünf Jahren. Bloß war eben damals höchstens die Hälfte der Künstler in Neukölln.” Darauf müsse man doch reagieren und könne das nicht einfach so treiben lassen. “Und was mir wirklich sehr leid tut, ist, dass dieses Jahr zum ersten Mal kein Kiez International stattgefunden hat, weil es mir nicht gelungen ist, in den letzten 12 Monaten eine neue Konzeption zu entwickeln.” Das sei letztlich an der mangelnden politischen Unterstützung und den nur sehr beschränkten personellen Möglichkeiten des Kulturamts gescheitert. “Ich hatte oft in der Kulturszene und auch im Kollegenkreis die Rolle ‘Die Kolland wird’s schon richten’, aber es gibt eben auch Situationen, wo das nicht funktioniert, vor allem nicht alleine.” Für solche konzeptionellen Arbeiten habe sie lediglich eine Mitarbeiterin gehabt.

Eben die, die derzeit – nach einem Intermezzo von Museumsleiter Udo Gößwald – kommissarisch den Chefinnensessel im Neuköllner Kulturamt übernommen hat: Bettina Busse. “Ich werde die Letzte sein, die erfährt, wer meine Nachfolge antritt”, glaubt Dorothea Kolland. Ebenso, dass sich der Bezirk Neukölln nie wieder mit jemandem namens Kolland belasten wird.  “Was klar ist, ist, dass ich den Posten schon gerne in guten Händen wüss- te. Egal ist es mir also absolut nicht”, versichert sie.

Die FACETTEN-Magazin-Redaktion und die Brennans danken für die spannende Zeitreise durch die Neu- köllner Kulturgeschichte, wünschen Dorothea Kolland einen wunderbaren Ruhestand und ihrem/r Nachfolger/in viel Erfolg.

Ein Bezirksbürgermeister muss es ja wissen

Wut, Frust und Unverständnis liegen in der Luft. Die Emotionen gelten dem Buch “Neukölln ist überall” und dessen Autor: Heinz Buschkowsky geißelt in seinem Buch das Versagen der Anderen – der Politik und der Migranten in seinem Bezirk. Er stilisiert sich damit zum einsamen Rufer in der Wüste. Engagierte Bürger Neuköllns, Migran- tenorganisationen und Projekte sprechen Neu- köllns Bürgermeister den alleinigen Deutungs-anspruch der “Wahrheit” in Neukölln ab! Sie sagen: “Wir sind Neukölln! Neukölln ist an- ders” erklären die acht Initiativen, die sich spontan zu einem Bündnis zusammenge- schlossen und mit einem Pressegespräch im Neuköllner Leuchtturm  zur Gegen- offensive geblasen haben, um wahrgenommen zu werden.

pressegespräch "neukölln ist anders", neuköllner leuchtturm, buschkowsky "neukölln ist überall"

v. l.: Elfi Witten (Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin), Deniz Eroglu, Idil Efe, Duygu Akay (Neuköllner Talente), Ghassan Hajjo (Arabische Eltern-Union e. V.), Yüksel Gök (Aufbruch Neukölln e. V.)

“Wir wollen das Bild von Neukölln, das der Bürgermeister in seinem Buch zeichnet, so nicht stehen lassen“, sagt Elfi Witten vom Pari- tätischen Wohlfahrtsverband Berlin, der das Bündnis unterstützt. Der Vorwurf an jene Medien, die dem Maler bei der Vermarktung seines Debüt-Werkes hilfreich unter die Arme greifen, klingt deutlich mit. Aber vorrangig gilt die Kritik der zwischen zwei Buchdeckeln er- schienenen Arbeit von Buschkows- ky und ihren Signalen. Dass ausgerechnet ein Bürgermeister verbal dermaßen auf seinen Bezirk und große Teile der Bewohner einknüppelt, kann hier niemand verstehen. “Er fordert präventive Arbeit, streicht aber die Mittel dafür und pflegt einen äußerst bedenklichen Umgang mit freien Trägern”, moniert Elfi Witten. “Warum”, fragt sie sich, “lässt er es zu, dass Neukölln in Berlin Schlusslicht bei der Kita-Versor- gungsquote ist? Weshalb schöpft er die Möglichkeiten des eigenen Han- delns nicht aus?” Als Bürgermeister, findet auch Kornelia Hmielorz vom FIPP e. V., müsse es ihm doch darum gehen, im Bezirk Türen für Migranten zu öffnen. Doch Buschkowsky schlage die Türen nicht nur zu, sondern treibe zusätzlich einen Keil in die Gesell- schaft. “Sein Wir-Begriff schließt Einwanderer aus und verhindert damit Integration”, kritisiert Idil Efe vom Neuköllner Talente-Projekt der Bürgerstiftung Neukölln. Beispiele für eine gelungene Integration, die es reichlich gebe, würden fatalerweise in seinem Buch nicht vorkommen. Stattdessen wimmele es in dem vor Problembenennungen und verheerenden Schlussfolgerungen, vor statistischem Zahlenmaterial ohne Quellenangaben, vor anonymisierten Informanten, Pauschalisierungen und “ge- fühlten Wahrheiten”. Die eigentlich Hilfebedürftigen seien für Heinz Buschkowsky immer die Schuldigen, seine  Rhetorik  die  eines strafenden Vaters.

pressegespräch "neukölln ist anders", neuköllner leuchtturm, buschkowsky "neukölln ist überall"

r.: Asia Afaneh-Zureiki (JUMA), 3. v. r.: Prof. Barbara John (Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin), l.: Julia Pankratyeva (Integrations-Verein ImPULS e. V.)

Das sieht Asia Afaneh-Zureiki, Spre- cherin von JUMA, einem Empower-mentprojekt für junge Muslime in Berlin, nicht anders: “Die Beispiele für muslimische Jugendliche, die er verallgemeinernd benennt, sind Ein- zelfälle.” Dem stimmt auch Ghassan Hajjo von der Arabischen Eltern- Union zu. Das Buch komme ihm nicht vor, als habe es jemand mit Hin- tergrundwissen geschrieben. Er ma- che bei seiner Arbeit jedenfalls immer wieder die Erfahrung, dass sich die dritte Generation arabischstämmiger Migranten zu integrieren versuche: “Leider ist aber der Wille oft größer als die Möglichkeiten, es zu schaffen.” Ein solches Buch, fürchtet Hajjo, verbaue die Aussicht auf positive Zukunftsperspektiven, was wiederum seelische Probleme forciere. “Diese so wichtige psychische Kom- ponente”, wirft Yüksel Gök vom Aufbruch Neukölln e. V. dem Autor vor, “findet sich aber im Buch mit keiner Silbe wieder.”

pressegespräch "neukölln ist anders", neuköllner leuchtturm, buschkowsky "neukölln ist überall"Auch andere Tatsachen blende der Be- zirksbürgermeister in “Neukölln ist überall” vollkommen aus, ergänzt Julia Pankratyeva, die 2005 in der Gropiusstadt den Integra-tionsverein ImPULS e. V. gründete, dessen Angebote vor allem für Zuwanderer aus den GUS-Ländern ausgerichtet sind: “Wie kann Buschkowsky sagen, dass Migranten faul sind und sich nicht engagieren? Un- ser ganzes Vereinsleben funktioniert vor allem über die ehrenamtliche Mitarbeit von Migranten.” Beim Aufbruch Neukölln sei es genauso, aber statt mit russischen mit türkischen Migranten, bestätigt Yüksel Gök: “Dass Buschkowsky ein sehr  veraltetes Bild von Arbeit hat, wird auch im Buch klar.”

Lob für das schriftstellerische Erstlingswerk des Neuköllner Bezirksbürgermeisters hat niemand aus der Runde der versammelten Initiativen übrig. Das Niveau eines Groschenromans über Integration habe es, sagt Barbara John, die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands: “Das Schlimme an dem Buch ist seine Wirkung. Weil der Bezirksbürgermeister es geschrieben hat, ist der Inhalt nun wie eine Expertise in den Köpfen der Menschen.” Die Folge sei, so John, dass das Dickicht von Vorurteilen über Neukölln und Migranten immer dichter werde. Schließlich würden Außenstehende per se davon ausgehen, dass so ein Bezirksbürgermeister es ja wissen müsse. Was er den “Neukölln ist überall”-Lesern nicht verrät, ist, dass viele Akteure im Bezirk viele Lösungsansätze anbieten. “Wie ignorante Gutmen- schen dazustehen, ist bestimmt nicht in unserem Interesse”, versichert Neuköllner Talente-Projektleiter Deniz Eroglu, “sondern wir wollen Probleme angehen. Leider ist es aber so, dass das Buch Türen zuschlägt, die wir seit Jahren zu öffnen versuchen.”

=ensa=

“Neukölln ist überall” und der Vorher-Nachher-Effekt

“Neukölln ist überall”: Wo fängt man an bei einem Buch, über das sich seit seinem Erscheinen schon viel aufgeregt wurde? Ich würde so gern einen einfachen Verriss mit dem Tenor “Buschkowsky ist ein Prollpolitiker, der alle Ausländer für doof und faul hält und den von ihm regierten Bezirk am liebsten auf den Mond schießen will” schrei- ben. Aber wäre das dem Autor wirklich ge- recht? Nein!, steht für mich nach der Lektüre der 400 Seiten fest, die mich hin und her gerissen und auch überrascht haben, weil sie doch sehr zum Denken anregen, wenn man es denn zulässt.

Vielleicht fange ich der Einfachheit halber mit der Einleitung an, in der der oft als Verbal-Haudrauf bekannte Neuköllner Bezirksbürger-meister Heinz Buschkowsky erstmal alles relativiert, was noch im Buch folgt. Leute, die ihn zitieren oder meinen, Diskussionen in seinem Namen zu führen, relativieren eher selten und stecken gern Menschen in Schubladen. Buschkowsky meint sich aber im Vorwort von diesem Verhalten distanzieren zu können. Verwirrend ist es definitiv, erinnert es doch an den Klassiker der Stammtischdiskussionen “Ich bin ja kein Rassist, aber …” gefolgt von rassis- tischen Aussagen. Dieser leicht bittere Vorgeschmack mag kurz nachklingen, wird aber im Verlauf der Lektüre zum Glück abgelegt. Man schleppt sich also durch eine Aufzählung diverser Missstände und Milieubeschreibungen, die ich dem Autor als erfahrenem Bürgermeister durchaus abnehme: Es ist nötig, derartige gesamt-gesellschaftliche Probleme angesprochen zu sehen; es ist schade, was in den weiterführenden Diskussionen meist daraus wird. Buschkowskys Gegner unter-stellen ihm regelmäßig Populismus – und ja, die Themen sind definitiv populistisch, jedoch scheint der plakativ in einschlägigen Medien dargestellte Buschkowsky nicht der zu sein, der in diesem Buch durchscheint.

Natürlich wird der aktuelle und vergangene Zustand als gescheitert beschrie- ben, und dies stößt den engagierten Mitbürgern in unserem schönen Neukölln zu Recht auf. Aber es wird auch gesagt, wo und woran es hapert: Nicht an denen, die sich engagieren; ich habe zumindest nicht das Gefühl, dass Buschkowsky deren Arbeit für unsere Gesellschaft geringschätzt. Was für mich regelmäßig im Text zu erkennen war, ist, dass Heinz Buschkowsky vor allem ein besseres Staatsbür- gertum  fordert, und zwar nicht nur von Menschen mit Migrationshintergrund. Er fordert immerfort ein offenes Bekenntnis aller Menschen zu unseren demokratischen Grundregeln und prangert an, was sich an Parallelgesellschaften und gesamtgesell- schaftlicher Ignoranz und Entsolidarisierung entwickelt hat.

“Neukölln ist überall” ist ein Buch, das vom Leser eigentlich einen gekonnten Umgang mit Medien verlangt. Selbstkritisches Begutachten der vorliegenden Thesen und auch ein Nachjustieren des eigenen Standpunktes sind gefragt. Ist alles, was hier geschrieben ist, wahr? Ist die Interpretation der Zahlen, die hier vorliegt, die einzig mögliche? Dies sind alles Themen, die man sehen kann, wenn man sie sehen will und in der Lage ist, sich in der Metaebene mit dem Buch auseinander zu setzen. Wenn man einen in der Springer-Presse zitierten Buschkowsky mit dem hier im Buch selber zu Worte kommenden vergleicht, kommen einem kurz Überlegungen dazu, ob es wirklich ein und derselbe ist. Ich glaube nach der Lektüre des Bestsellers, dass Heinz Buschkowsky in der Debatte um die Themen, die er anstößt. teilweise unrecht getan wird. Er selbst  sieht vieles differenzierter als es ihm in den Debatten zugetraut wird. Schnell sieht man nur den Haudrauf, eben weil der Hau- drauf heraufgeschworen und zurechtzitiert wird. Er hat eigentlich eine differenzierte Diskussion verdient. Und ja, da gehört es eben auch dazu mal zu überlegen, was man von dieser Gesellschaft will und was man selber in sie hereinbrin- gen will.

Ich erkenne viel in diesem Buch, mit dem ich sympathisieren kann: ein wertkonservatives Heranwachsen, Gesetzestreue und auch den Glauben an Bildung und die demokratische Gesellschaft und die Hoffnung, in dieser Welt könne man mit eigener Hände Arbeit irgendwie ein selbstbestimmtes Leben sichern. Man merkt, wie sehr Buschkowsky von uns allen als Gesellschaft enttäuscht ist, weil wir nicht anders mit den Problemen umgehen können als sie entweder zu ignorieren, auf- zublasen oder kleinzureden. So wirklich machen will kaum jemand etwas, zumindest nicht auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene. Ich erkenne auch, dass hier versucht wird, Lösungansätze abseits des Kleinkleins anzubieten, jedoch bleibt es bei einem relativ kurzen versöhnlichen Teil am Ende. Dies mag einer gewissen Realpolitikverdossenheit bürgermeisterseits geschuldet sein. Jahrelang große Versprechungen und Forderungen von Landes- und Bundes- politik zu hören und nichts geliefert zu bekommen, kann betroffen machen.

Was also rate ich nun? Lesen! Wem die ersten 100 Seiten sauer aufstoßen, dem rate ich zu etwas mehr Durchhaltevermögen. Das Kapitel “Islamophobie und Überfrem- dungsangst” folgt, mit einem wunderbaren Diskurs über den Umgang der Medien mit dem Islam und den daraus resultie- renden haarsträubenden Vorurteilen in unserer Gesellschaft. Irgendwie hatte ich so etwas in diesem Buch nicht erwartet … Interessanterweise folgt danach eine Auseinanderset- zung u.a. mit Thilo Sarrazin, welche, wenn auch erkennbar eingefärbt, relativ gut die Schwachstellen der Diskussionen und insbesondere der Teilnehmer dieser Diskussionen hervorhebt. Es wird in beiden Lagern viel geredet, wenig gewusst und auch wenig Bereitschaft mitgebracht, einander gedanklich zu befruchten und vielleicht eine Lösung zu finden. Danach folgen politische Reise- berichte, die sich zwar gut lesen, aber insgesamt wenig neue Erkentnisse bringen. Doch wenn Neukölln überall sein soll, dann muss man eben auch in dieses Überall hinein. Ich persönlich will mehr von dem Buschkowsky aus diesem Buch hören, weniger vom zitierten oder in Bild und B.Z. dargestellten. “Neukölln ist überall” zielt vermutlich im Endeffekt darauf ab, dass die gesellschaftlichen Probleme, die so gern als Einzelfall für “Problembezirke” wie Neukölln abgeschrieben werden, überall da sind, wo die Menschen mehr oder weniger geballt auftreten. Und diese sollten wir, im Interesse eines besseren Zusammenlebens und einer Zukunft, in die man zuversichtlich sehen kann, anpacken.

Herrje, da setzt man sich an ein Buch und meint vorher eine Meinung zu haben, und dann werden die Vorurteile zu einem gewissen Grad relativiert, irgendwie schön. Ich frage mich dennoch nach der Lektüre von  “Neukölln ist überall”, warum Heinz Buschkowsky es zulässt, dass man ihn boulevardjournalistisch derart darstellt, vieles als O-Ton deklariert und so das Bild des Undifferenzierten weiter verstärkt.

Am 8. November liest Neuköllns Bezirksbürgermeister um 20.30 Uhr in der Buchhandlung SoSch in den Gropius Passagen: Karten für die Veranstal- tung sind nicht mehr erhältlich, sie ist  ausverkauft!

=Ze evil Kohl=

Neuköllner sind überall

literaturbahnhof, buchmesse frankfurt/main, frankfurt hbfOb Neukölln überall ist, sei mal dahingestellt. Auf sichererem Eis bewegt man sich da aller Wahrscheinlichkeit nach mit der These, dass frankfurt/mainNeuköllner überall sind. In Frankfurt/Main bei- spielsweise, wo seit vor- gestern und noch bis übermorgen die Buch- messe stattfindet. Heute hat dort Neuköllns Be- zirksbürgermeister Heinz Buschkowsky am Ull- stein-Stand seinen gro- ßen Auftritt. Was er von Mainhattan alles nicht sehen  wird – die Zeil mit  ihren Baustellen und futuristischen  Shoppingtempeln, die

zeil, frankfurt/mainbaustelle zeil, frankfurt/mainmy zeil, frankfurt/main

konstablerwache, frankfurt/mainmaritim hotel, frankfurt/main messegeländemy zeil, frankfurt/main

bockenheimer warte, messeturm, frankfurt/mainSkyline aus Perspektiven fernab des Messegeländes und die Kaffee-Rösterei Wissmüller in einem Hinterhof der Leipziger Straße im Stadtteil Bockenheim bei- kaffee-rösterei wissmüller, bockenheim, frankfurt/mainspielsweise – zei- gen wir hier, Busch- kowsky bei seinem Buchmesse-Promo-Marathon aber nicht. Denn es reicht ja, wenn heute ein Neuköllner bei der Buchmesse ist.

=ensa=

Alarm!

In Neukölln ist Hopfen und Malz verloren: Das kann bestenfalls nur eine Halbwahrheit sein – wie ein Blick in den  Gerlachsheimer Weg  zeigt, wo dieses Foto entstand. Was

in Neukölln noch alles verloren ist und sogar für ganz Deutschland auf der Streichliste steht, hat der seit 11 Jahren amtierende Bürgermeister des Bezirks in einem 400 Seiten-Wälzer namens “Neukölln ist überall”  seziert. Der erscheint am kommenden Freitag und wird noch vor der offiziellen Buchpremiere (am 4. Oktober in der Urania) im TV-Talk von Sandra Maischberger vorgestellt. Erst am 8. November präsentiert sich der Autor mit seinem Buch, in dem er – so der Ullstein-Verlag – “Alarm schlägt” und die “Realität in Berlins Problembezirk Nr. 1″ zu Papier bringt, in Neukölln – aber nicht in dessen Norden, sondern weit  im Süden in den Gropius-Passagen. Wer nicht mehr so lange warten will, kann sich schon heute Exklusiv-Auszüge in der neuen BILD-Serie “Die bittere Wahrheit über Multi-Kulti”  zu Gemüte führen.

Großer Wurf mit kleinen Würfeln

scube park neuköllnSo schnell, wie es sich Tanja Rathmann, Markus Haas und Marius Jast im letzten Winter vorge-stellt hatten, ging es dann doch nicht. Genau genommen liegt der Scube Park noch heute 15 Würfel hinter dem seinerzeit vom Gründer-Trio gesteckten Ziel zurück. Andere Ambitionen indes sind erreicht oder auf einen einstandsfeier scube park berlin-neuköllnabsehbaren Weg gebracht, und so wurde ges- tern erstmal offiziell der Einstand des Scube Parks in Neukölln gefeiert. Eine große Eröffnungssause, verspricht Tanja Rathmann, werde es im nächs- scube park berlin-neukölln, markus haas, marius jast, heinz buschkowsky, tanja rathmannten Früh- ling geben, wenn auf der von den Berliner Bäder-betrieben gepachteten Wiese alles fertig ausgestaltet ist, Wege und kleine Gärten angelegt sind und die Scubes in bunten Farben leuchten.

“Ich hatte mir das ja alles viel größer vor- gestellt und musste Frau Rathmann erstmal fragen, ob das nur der Abstellplatz für die Würfel oder schon der Scube Park ist”, merkte Neuköllns Bezirksbürgermeister an. Doch, ja, er sei tief beeindruckt von den Plänen der drei StartUpper, aber für ältere Menschen wie ihn, so Heinz Buschkowsky, sei ja bereits die “Idee sehr gewöhnungsbedürftig”, neun Quadratmeter kleine Holzhütten mit großer Panoramafenster-Front als Touristenunterkünfte anzubieten. Alles in allem erinnere ihn das scube park berlin-neukölln, tanja rathmann, heinz buschkowskydoch sehr an lange zurückliegende Camping-Urlaube, findet Buschkowsky, als er sich zu Tanja Rathmann in einen der Mini- Bungalows gesellt. Nur eben mit dem Unterschied, dass das Auf- und Abbauen des Zelts entfalle und man in den Kisten selbst bei stärkstem Regen samt Gepäck im Trockenen sitze. Wenn er da an einen Skandinavien-Urlaub denke …

scube park neukölln, 1-bett-scube“Genau das ist es, was unsere Gäste über- zeugt”, sagt Marius Jast. “Wie bei einem Hotel-Urlaub müssen sie keine Bettwäsche und Handtücher mitbringen und kön- nen zur Übernachtung auch Frühstück buchen. Und wie bei einem Camping-Urlaub müssen sie nur die scube park berlin-neuköllnTür aufmachen und sind draußen.”

Mit der Belegungs- quote der Scubes sind die drei von Banken und Förderinstituten unterstützten Jung- unternehmer sehr zufrieden, von den Gästeprofilen äußerst überrascht. “Wir haben natürlich auch damit gerechnet, dass unser Angebot vor allem etwas für ein junges, internationales Publikum ist”, gibt Jast zu. Die Erfahrungen, die sie seit der Öffnung vor einem Vierteljahr machen, würden jedoch zeigen, dass sich Leute aller Altersgruppen und scube park berlin-neukölln, etagenbettscube park neukölln, 2-bett-scubeneben Touristen aus Deutschland und al- ler Welt auch Ber- liner in den Einzel- bis 4-Bett-Schlafwür- feln einquartieren. Was sie eint, sei, dass es sich meist um Kurzzeitgäste handele, denen es in erster Linie um eine Übernachtungsmöglichkeit gehe.

Dem Wohlfühlfaktor in den beheizbaren Massivholzhütten sind eben schon aus Platzgründen enge Grenzen gesetzt. Während die Unterbringung in einem Single-Würfel noch recht komfortabel anmutet, reduziert sie sich bei einer Vier-Personen-Belegung darauf, dass alle ein Bett und etwas Platz fürs Gepäck haben. Statt eines Schranks scube park berlin-neukölln, waschraum gästehausgibt es lediglich Kleiderhaken. Wer Privatsphäre will, muss die durch das Zuziehen der bodenlangen Vorhänge vor den Panoramafenstern herstellen. Und der Gang zu Toiletten, Duschen und Wasch- becken führt über das Scube Park-Areal ins Gästehaus, in dem auch ein Aufenthalts- raum sowie eine Küche für Selbstversor- scube park berlin-neuköllnger unterge- bracht sind.

“Aber der Scube Park hier in Neukölln am Columbia- damm ist nur der Anfang”, kündigt Marius Jast an. Das Konzept stoße international auf großes Interesse bei potenziellen Franchise-Nehmern. In Liverpool werde derzeit ein Standort für einen Beatles-Scube Park scube park neukölln, beatles-scube park liverpoolgesucht, in Schwedens Hauptstadt Stock- holm sei bereits einer gefunden worden. Außerdem habe man den Plan, entlang des 337 Kilometer langen Berlin-Usedom-Radfernwegs Partner zu finden, die ihre bereits vorhandene touristische Infra-struktur durch kleine Scube Parks ergänzen wollen. Wenn alle 30 bis 40 Kilometer ein Schlafwürfel-Dorf entstünde und sich alle zentral reservieren ließen, das wäre doch genial für Radfahrer, sind die drei Startupper überzeugt.

=ensa=

König Buschi, Bausteinrat Blase und ein Plätzchen, das zum Platz der Neuköllner werden soll

spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neuköllnWunder dauern etwas länger – so heißt es wenigs- tens. Manchmal aber scheint Neukölln den Gegen- beweis antreten zu wollen. Aktuelles Beispiel dafür ist der  Umbau des Platzes der Stadt Hof: Freitagmorgen wurden Absperrungen aufgestellt, vormittags rückte spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neuköllnein Bagger an, mittags kamen Bezirksbürger- meister Heinz Busch- kowsky, Baustadtrat Tho- mas Blesing nebst Staatssekretär Ephraim Gothe, um Reden zu halten und den  ersten Spa- tenstich  zu machen, und schon wenige Stunden danach war die Baustelle wieder passé. Ein Wunder? Das wäre es in der Tat, wenn in so kurzer Zeit der Platz der Stadt Hof umgestaltet worden wäre. Ist er aber nicht.

Innerhalb der nächsten 14 Tage werde es aber wirklich losgehen, kündigt Horst Evertz von der [Aktion! Karl-Marx-Straße] an, dann werde der Platz komplett gesperrt und innerhalb von knapp 1 1/2 Jahren dessen Umgestaltung vollzogen. Danach solle spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neukölln, thomas blesing, ephraim gothe, heinz buschkowskyer seine Größe von aktuell 1.250 Quadrat- metern verdoppelt haben und nicht nur eine at- traktivere Optik, sondern auch eine deutlich verbesserte Aufenthaltsqualität  aufweisen. Zu- dem fordert er auch von den Autofahrern ein spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neuköllnUmdenken: “Der Platz”, er- klärt Evertz, “wird bis zur Ecke Richardstraße ausge- dehnt. Das Abbiegen aus der Ganghofer- wird dann nur noch in die Richard- und nicht mehr in die Karl-Marx-Straße und umgekehrt mög- lich sein.” Die  Befürchtungen eines Anwohners der Richardstraße, dem Schlimmes schwant, sind nachvollziehbar. In Heinz Buschkowskys Begeisterung darüber, dass die Umgestaltung des Platzes der Stadt Hof ein weiteres Stück Modernisierung der Karl-Marx-Straße  bedeute, mag er nicht so recht einstimmen.

Mit 100.000 Euro beteiligt sich der Bezirk Neukölln, 600.000 Euro finanziert der Berliner Senat aus dem Städtebauförderungs-Programm, um den “Modernisierungs- rückstau der letzten 20 Jahre” in der Karl-Marx-Straße aufzulösen. Durch die Kombination aus Baumaßnahmen und einem neuen Geschäftsstraßen- management, prognostiziert Ephraim Gothe, bringe man die Magistrale Neuköllns spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neukölln, heinz buschkowsky, thomas blesing, ephraim gotheauf einen guten Weg. Wann das Ende des Wegs, sprich: der Hermannplatz, erreicht sein wird, bleibt offen. Von “weiteren Bauabschnitten im Sause- schritt” spricht Buschkowsky und unkt, dass 2024 alles abgeschlossen sei. Dass es schneller gehen wird, hofft Staatssekretär Gothe.

Dass man mit dem Umbau des Platzes der Stadt Hof auch schon weiter sein wollte, will Thomas Ble- sing dann doch nicht unerwähnt lassen. Durch die Haushaltssperre des Senats hänge man  bereits jetzt vier Monate hinterher. Bestens gediehen sei jedoch die Bürgerbeteiligung, die maßgeblich dazu beitragen habe, dass hier umgesetzt werde, was die Neuköllner widerspiegelt: Kernstück des Platzes wird ein etwa 750 Quadratmeter großes demographisches spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neukölln, mosaikstein demografisches pflasterMosaik. Sieben unterschiedliche Steinsorten symboli- sieren in dem sieben Weltregionen und somit die Herkunftsländer der Neuköllner, Glassteine repräsen- spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neukölln, bauausführung: fa. dalhofftieren Staatenlose bzw. Menschen mit ungeklär- ter Herkunft. “Natürlich”, weiß Blesing, “ist das alles teurer als Beton.”

Aber es gehe eben auch um eine Identifikation mit dem Platz, der bisher kaum als solcher wahrgenommen wurde. “Genau deshalb haben wir uns dafür eingesetzt, dass er auch eine kleine Festfläche bekommt und so als Veranstaltungsort genutzt werden kann”, ergänzt Andreas Altenhof. Er gehört hauptberuflich dem Direktorium der Neuköllner Oper an und engagiert sich ehrenamtlich in der aus Anwohnern, Akteuren und Gewerbetreibenden bestehenden Lenkungsgruppe der [Aktion! Karl-Marx-spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neukölln, namenswettbewerbStraße]. Das Gremium will zugunsten der Akzeptanz des Platzes aber noch einen Schritt weitergehen. “Damit es wirklich ein Platz von uns Neuköllnern und für uns Neuköllner werden kann, braucht er einen neuen Namen”, findet Altenhof, der sich längst auf PdSH beschränkt, wenn er über den Platz der Stadt Hof spricht. Wer noch keinen Namensvorschlag in die Box geworfen hat, so sein Hinweis, solle ihn per spatenstich, baumaßnahme "umgestaltung platz der stadt hof", berlin-neukölln, puppentheater k+k volkart, könig buschyMail oder Post schicken.

Gedanken um das “verkrüppel- te Büdchen”, den einstigen China-Imbiss unter der Platane, muss sich indes niemand mehr machen. Das kommt weg und dürfte, ginge es nach dem Willen der Puppenspieler von K & K Volkart, gerne als Puppentheater auf den Böhmischen Platz gestellt werden. Schon als Dankeschön für ihr  launiges Stück um König Buschi, Bausteinrat Blase und Herrn Kowalski vom Ordnungsämtchen hätten sie es verdient. Und der Platz der Stadt Hof wird, wie immer er dann auch heißt, ein neues Büdchen bekommen – nebst einem Wall-Klo, sieben sonder- angefertigten Bänken, neun Mastleuchten und etwa 10 Bäumen. Was ihm bleibt, ist aber definitiv die Platane.

=ensa=

Made in Neukölln: Frühstück für 52.000 Erstklässler

bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllnLange schlafen, gemütlich frühstücken, den Sonntag ruhig angehen lassen: Darauf mussten gestern alle verzichten, die beim Bio-Brotboxen-Packen mithelfen und so dazu beitragen wollten, dass rund 52.000 Erstklässler ihre Schulkarriere heute mit bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllneinem gesunden Frühstück begin- nen konnten.

In der Leergut- halle des Neuköllner Bio-Großhändlers Terra Naturkost sind Dutzende Tischreihen aufgebaut, neben dem Eingang steht eine kleine Bühne. Die Komponenten für die Frühstücksboxen – von 1 wie bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, leerguthalle terra naturkost, neuköllnTeebeutel bis 10 wie Möhrchen – lagern auf Paletten am Rand der Halle. Das von verschiedenen Berliner Bio-Bäckereien produzierte Voll- bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, l.: joachim weckmann (märkisches landbrot), tillmann biokonditorei, r.: dr. burkhardt sonnenstuhlkornbrot wird auf der Empore ein- getütet – Schei- be für Scheibe, gut  52.000mal.

Etwa 500 Helfer sind es, die sich fürs Packen der  Bio-Brotboxen  für die Erstklässler von  knapp 1.000 Berliner und Brandenburger Grundschulen  angemeldet haben. Den Großteil machen Beschäftigte der an der Bio-Brotboxen-Aktion beteiligten Firmen bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllnaus. Für die Parteien sei das Thema der gesunden Ernährung von Kindern verbunden mit tatkräftiger Unterstützung offenbar nur in Wahlkampfjahren interessant, kritisiert mancher. Immerhin: Berlins Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann, die grüne  Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm, Brandesburgs Staatssekretär für Verbraucherschutz Dr. Daniel Rühmkorf und der Neuköllner Bezirks-bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, heinz buschkowskybürgermeister Heinz Buschkowsky stehen am Promi-Packtisch statt am heimischen Frühstückstisch  zu sitzen. Wer die Gesichter kennt, kann einige Meter entfernt Neuköllns Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke sowie den Bezirkssozialstadtrat Bernd Szczepanski entdecken. Ansonsten glänzt auch die Neuköllner Kommunalpolitik vor allem durch Abwesenheit – einzig den Grünen des Bezirks gelingt es, außer ihrem bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, sozialstadtrat bernd szczepanski, catherine michel (stv. fraktionsvorsitzende grüne neukölln)Stadtrat noch drei weitere Fraktionsmitglieder fürs Bio-Brotboxen-Packen zu begeistern. Die Linke – Fehl- anzeige, die Piraten ebenso.

“20.000 Boxen sind schon gepackt!”, ruft Projektinitiator Dr. Burkhardt Sonnenstuhl durch die Halle. Es ist gerade bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, bsr-bio-brot-boxermal viertel vor 11. Eine Viertelstunde da- nach kann er vermel- den, dass nun alle Brotscheiben einge- tütet seien.

Womit seine Pausen- brote  belegt waren, könne er gar nicht mehr erinnern, sagt Buschkowsky. “Ich weiß aber noch, dass ein Klassenkamerad immer bessere Stullen dabei hatte.” Das habe man dann, weil die Geschmäcker eben schon damals unterschiedlich waren, durch Tauschaktionen  behoben. “Tauschen”, grübelt Bernd Szczepanski, “nee, das gab’s bei uns nicht.” Leberwurst habe er gerne auf seiner Schulstulle gehabt; inzwischen sind die Vorlieben andere. “Gutes Brot mit Butter und Kohl- rabischeiben, das schmeckt köstlich”, schwärmt er. Auf gutes Brot, ergänzt er, sei bei ihnen zuhause schon Wert gelegt worden, als er ein Kind war: “Damals nannte man bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllndas aber noch nicht  Vollkornbrot.”  Auch am Packtisch der Neuköllner Grünen in der Terra-Halle, an dem sich einige Bio Com- pany-Mitarbeiter eingereiht haben, ist der Sozialstadtrat dem guten Brot ganz nah. Seine Position ist am Ende des Tisches, wo die Biobrotschnitte als letzte Kompo- nente in die Box gelegt und diese ver- bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, meinrad schmitt (gf terra naturkosthandel), manuela saager (deutsche bank)schlossen und in Kartons ver- packt wird.

Aus den Hallenlautsprechern schallt eine weitere Er- folgsmeldung: Die vor 11 Jahren ins Leben gerufene Bio-Brotboxen-Aktion wurde von der Standortinitiative “Deutschland – Land der Ideen” gemeinsam mit der Deutschen Bank zum herausragenden Projekt ernannt. An die 2.000 Bewerber für die Auszeichnung “Aus- gewählter Ort 2012″ habe es gegeben, berichtet Manu- ela Saager, als sie den Pokal des Kreditinstituts an den Terra-Geschäftsführer Meinrad Schmitt überreicht. Die bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, marion krachtBio-Brotboxen-Aktion ha- be ob ihres nachhaltigen Grund- gedankens und der Idee, den Umgang mit gesunder Ernährung schon früh zu schulen, ge- wonnen.

Genau das war es auch, was die Schauspielerin Marion Kracht davon überzeugte, sich als Botschaf- terin für das Projekt zu engagieren. Das tut die Mutter zweier Söhne inzwischen seit vielen Jahren und mit ungebremstem Elan. “Früher habe sie Sauerteig- brot mit Teewurst geliebt”, sagt sie, “aber jetzt bin ich schon seit 22 Jahren Vegetarierin und lege mir lieber Tomaten aufs Vollkornbrot.” Und selbstverständlich achte sie auch bei ihren Kindern auf eine gesunde Ernährung, das sei das A und O für eine gute Entwicklung.

Je später es wird, desto mehr schmerzen die Rücken der Helfer und leeren sich die Packtische. An einem fehlen Gutscheinkarten für einen Liter Biomilch, an anderen Müslibeutel oder Brotaufstrich-Portionsdosen. “Das ist jedes Jahr so”, wissen die, die schon oft dabei waren. “Auch das mit dem Ziepen im Rücken, aber Spaß macht es bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, luna-cateringtrotzdem.” Im Vorraum der Halle hat der Vollwert-Caterer Luna seinen Eintopf-Stand aufgebaut und kredenzt Deftiges mit und ohne Fleischeinlage. Nur wenige Schritte entfernt bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, ups-lkwswerden vier UPS- Hänger mit Bio- Brotboxen bela- den.

In Neukölln waren es 2.654 Mädchen und Jungen, die heute Morgen zum ersten Schultag eine solche gelbe Box überreicht bekommen haben, zusammen mit einem Zahnputzbeutel. An der Schule am Fliederbusch in Rudow übernahmen das Schulstadträtin Franziska Giffey und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke. “Viele Kinder”, meint der, “ahnen ja gar nicht, welche leckeren Frühstücks-Alternativen es zu Toastbrot mit Nutella gibt.” Heute haben sie schon einige kennen gelernt.

=ensa=

Neue Kapitel für das Geschichtsbuch von Neukölln

Es wird Zeit, fand Bernd Kessinger, dass weiter an der Neuköllner Bezirksgeschichte geschrieben wird. Schließlich war die letzte historische Abhandlung schon vor über einem halben Jahrhundert veröffentlicht worden. Also setzte er sich hin und recherchierte und schrieb: Im letzten Herbst fing er an, ein Frühjahr später war das Werk fertig, das kürzlich mit bernd kessinger, autor "neukölln - die geschichte eines berliner stadtbezirks", die buchkönigin neuköllndem Titel “Neukölln – die Geschichte eines Ber- liner Stadtbezirks”  erschienen ist. Es sei ein Buch geworden, sagt Kessinger, das alteingesessene wie neue Neuköll- ner unterhaltsam  informiert.

Er selber liegt irgendwo dazwischen: “2009 bin ich nach Neukölln gezogen, in die Darkzone der Weserstraße, also in den Bereich um die Weichselstraße, wo es auch heute noch nicht so richtig hip ist.” Aber die  Veränderung fresse sich langsam durch die ganze Straße. Bernd Kessinger lebt auch heute noch in ihr, nun jedoch in dem Teil, wo die Aufwertung unübersehbar ist.

“Die Geschichte von Neukölln”, so sein Fazit, “war schon immer eine  Geschichte von sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung.” Inzwischen sei der Bezirk – wenn er nicht gerade das Klischee des Szene-Kiezes bedient – zur  medialen Metapher für alle gesellschaftlichen Probleme  verkommen. In der Entwicklungsgeschichte des Bezirks nach den Ursachen für die Probleme zu schauen, war die Triebfeder für den Historiker und Kulturwissenschaftler: “Dabei stellt man schnell fest, dass zum Beispiel der Umgang mit dem Thema Migration in Neukölln schon immer integrative Ansätze vermissen ließ.” Das ziehe sich von den  Einwanderern aus Böhmen anno 1737  über die Arbeitsmigranten der 1970er-Jahre bis in die relative Gegenwart wie "neukölln - die geschichte eines berliner stadtbezirks, vergangenheitsverlag, bernd kessingerein roter Faden durch die Bezirksgeschichte. In Bezug auf die  Ursachenbekämpfung  sehe man auf politischer Ebene jedoch erst seit einigen Jahren, ausgelöst durch die Rütli-Welle, Hand- lungsbedarf. “Noch 1997″, erinnert Bernd Kessin- ger, “hielt Buschkowskys Vorgänger Bodo Mane- gold es für völlig unnötig, eine Stelle für einen Migrationsbeauftragten einzurichten.” Die gebe es erst seit 10 Jahren. Was es dagegen immer noch gibt, sei eine von kleinen Wohnungen geprägte bauliche Substanz, die der sozialen Ausgrenzung und ihren Folgeerscheinungen zuarbeite.

In seinem Buch, das im Jahr 1360 einsetzt und mit starkem Fokus auf die Politik von den Entwick- lungen und Brüchen Neuköllns bis in die Jetzt-Zeit erzählt, geht es dem Autor nicht ums Kritisieren, sondern um  “lesbaren historischen Stoff mit wissenschaftlichem Anspruch”. Das Interesse seitens des Vergangenheitsverlags, den Bernd Kessinger erst kontaktierte als das Manuskript bereits fertig war, sei gleich groß gewesen. “Groß war aber auch mein Ärger, als ich erfuhr, dass das Bezirksamt Neukölln dazu bewegt wurde, sich mit einem Druckkostenzuschuss zu beteiligen”, sagt er. Das Ergebnis seines Debüts als Buchautor sei  völlig unabhängig und keinesfalls – wie viele Neu- kölln-Publikationen zuvor – als Auftragsarbeit fürs Rathaus entstanden. Sich dafür nun erklären zu müssen, missfällt ihm spürbar. Was hingegen aufmerksamen Lesern nur unlieb sein kann, ist die nicht eben sorgfältige Arbeit des Korrektors, der über diverse Patzer großzügig hinwegsah. “Ich hab auch schon einige Fehler entdeckt”, räumt Bernd Kessinger ein.

Er ist längst wieder mit neuen historischen Neukölln-Themen beschäftigt. “Momentan”, verrät er, “schreibe ich für das Museum Neukölln etwas über die Hufeisensiedlung.” Was ihn außerdem sehr reizen würde, wären Recherchen und ein Buch über das Rollbergviertel in der Zeit zwischen 1945 und der Kahlschlag- sanierung, die 1966 begann. “Darüber gibt es bisher überhaupt keine umfassenden Publikationen”, hat Bernd Kessinger herausgefunden. Belletristisches solle man von ihm jedenfalls nicht erwarten, dafür sei er zu sehr Historiker.

Bernd Kessingers lesenswertes 194-seitiges Taschenbuch “Neukölln – die Geschichte eines Berliner Stadtbezirks”  ist zum Preis von 14,90 Euro direkt beim Verlag sowie im Buchhandel erhältlich.

=ensa=

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