Mehr Lichtermeer

Früher war eindeutig mehr Licht auf dem Tempelhofer Feld, das damals noch Flugha-

südliche landebahn_flughafen berlin-tempelhof_neukölln

fen Berlin-Tempelhof – oder kurz: THF – hieß. Heute ist es, nachdem sich die Sonne zur  Nachtschicht verzogen hat, finster  auf der polarisierenden Weiterlesen

Heute vor fünf Jahren …

… bekamen die Bewohner des Neuköllner Schillerkiezes noch einmal richtig was auf die Ohren und Leute, die an der Oderstraße wohnten, viel zu sehen: Alles was Trag- flächen  hatte, sollte  an diesem  30. Oktober 2008  letztmalig auf  den Runways  des

letzter thf-flugtag

Flughafens Berlin-Tempelhof abheben und landen. Dazu kamen Linien- und Rund- flüge mit dem Start oder Ziel THF. Wenige Minuten vor Mitternacht verließen als letzte Flieger ein  Rosinenbomber und eine Ju52  Tempelhof: Mit Flügen nach  Berlin-Schö-

thf-ende 30.10.2008_oderstraße neukölln

nefeld beendeten sie den offiziellen Flugbetrieb auf dem Zentralflughafen. Danach konnten die Bewohner der Oderstraße eineinhalb Jahre lang die Ruhe des Areals vor ihren Haustüren genießen. Im Mai 2010 wurde der geschichtsträchtige Flughafen für die Öffentlichkeit geöffnet; seitdem heben hier Kiteboarder ab.

Der Vorgänger des Vorgängers

Es war am 8. Oktober 1923, also genau heute vor 90 Jahren, als auf einer planierten Fläche am nördlichen Rand des Tempelhofer Feldes der  Flughafen Tempelhof eröff- net  und der Flugbetrieb aufgenommen wurde. Viel  ist es heute nicht  mehr, was  auf

tempelhofer feld_berlin

dem Gelände an die Existenz des Alten Hafens erinnert, der schon am Eröffnungs- tag zwei Mitgliedern des Magistrats von Groß-Berlin das Leben kostete: Sie stürzten bei einem Rundflug über der Hasenheide ab. Bereits 13 Jahre später erklärten die Nazis den Alten Hafen zur Geschichte und begannen auf dem Tempelhofer Feld mit dem Bau eines neuen Flughafens.

Neuköllner Absichten – vom Haus der Volksbildung

haus der volksbildung_neukölln“Ich komm mit, ich war auch noch nie da oben!”, hat Bärbel Ruben beschlossen, als sie uns – begleitet vom Hausmeister – im Foyer des Hauses der Volks-bildung empfängt. Die Pressereferentin der Neuköll- ner Bezirksamts-Abteilung Bildung, Schule, Kultur und Sport arbeitet zwar in dem Gebäude in der Boddinstraße, aber was man von dessen Turm aus sieht, hatte sie sich vorher nie gefragt.

Per Aufzug geht es bis zur 3. Etage, und Weiterlesen

10 von 13 von 27: Enthüllung neuer Infotafeln zur Geschichte des Tempelhofer Feldes

flughafengebäude_tempelhofer freiheitEs herrschte Segelwetter gestern Vormittag am Platz der Luftbrücke. Hier, vor dem Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof,  sollen zwei Tafeln des Infor- mationspfades feierlich enthüllt werden – stellvertretend für 10 Tafeln, die an diesem Tage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Genau genommen sind es 13, für die rund 60.000 Euro in Weiterlesen

Viel Genuss und wenig Zeit

next organic berlin_flughafen tempelhofKaum war sie da, war sie auch schon wieder weg. Nur acht Stunden währte am vergangenen Sonntag die Next Organic Berlin (NOB) – und mit ihr die Ver- wandlung der Haupthalle des ehemaligen Flug- hafens Tempelhof in eine  kulinarische Erlebniswelt, bei der auch Neukölln beachtliche Akzente setzte. 

“Bereits um 12 Uhr, also zwei Stunden nach der Öffnung, konnten wir den 500. Besucher zählen”, verkündet Pressesprecherin Kati Drescher beim Rundgang für Medienvertreter, der zu 10 Ausstellern führt und das breite Spektrum der insgesamt 165 Unternehmen umreißen soll, die sich hier präsentieren. Ihr gemeinsamer Nenner 4_next organic berlinsind ökosozial innovative Bio-Produkte. Die stellen sie her, verarbeiten oder vermarkten sie – als Start Up- Betriebe oder als Firmen, die sich längst am Markt etabliert haben. „Wir möchten den Begriff Bio aufbrechen und die Schnitt- stelle zwischen kleinen Manufakturen, Unter- nehmen oder Innovatoren und Handel, Hotel- lerie oder Gastronomie neu managen”, fasst Michael Frühbis vom Le Schicken Verlag, NOB-Ko-Veranstalter und Kurator der Gas- tro-Lounge “Foodopisten”, das Konzept der Fachmesse zusammen. Fachmesse, erklärt er noch, wolle man aber eigentlich auch nicht genannt werden, denn die Next Organic Berlin verstehe sich eher als eine “Kombination aus interdisziplinärer Vernetzungs-Plattform, Marktplatz und Trendshow”.

Einer, der den Sprung von der Idee zum Produkt mit Erfolgskurs-Potenzial bereits geschafft hat, ist Nils Beierlein (l.). “Mein Gedanke war, den besten Eistee der Welt auf den Markt bringen zu wollen”, erzählt er. AiLaike heißt das Ergebnis, das auf einem über 100 Jahre alten  Rezept, richtigem  Tee, rein pflanzlicher  Süße und  hoch-

ailaike_next organic berlin 1_next organic berlin

wertigen Früchten basiert. “Saft kommt mir nicht in die Flasche”, versichert der Jung-Unternehmer aus Mainz, “denn der würde den Teegeschmack total verfälschen.” Um ein besonderes Geschmackserlebnis geht es auch Domantas Uzpalis, der vor drei Jahren in seiner Heimat Litauen Chocolate Naive (l.) gründete. Ebenso wichtig ist dem Chocolatier jedoch, dass Schokolade wieder als Genussmittel in den Fokus des Verbrauchers rückt. Seine Produkte, so die Philosophie, sollen dabei helfen, eine Brücke zwischen den Bohnenbauern und den Kunden zu schlagen. Boris Grö- nemeyer (r.) hat sich dagegen ganz dem Herzhaften verschrieben. Mit King of Salt nutzt  er das Urmeersalz  der zuvor  lange brach  liegenden Quelle in Bad  Essen, ver-

chocolate naive_next organic berlin king of salt_next organic berlin

edelt es und kreiert in einem Spezialverfahren Salze zum Sprühen, um eine perfekt portionierbare Würzbasis zu schaffen.

Originell, innovativ und qualitativ hochwertig, das sind Begriffe, die auf der Next Organic Berlin allgegenwärtig sind und mit Leben erfüllt werden: Von den Foo- dopisten (l.), die bei ihren Live-Koch-Shows “unjerollten Rollmops”, “Fünf Elemente”, einen  “Keine-Eier-Salat”  oder  “Vertikales Schwein”  zum  Verkosten anbieten, in  den

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montaniola_next organic berlin tres cabezas_next organic berlin

verschiedenen Themenbereichen wie auch an jedem einzelnen Stand. Speise- und Edelpilze, die nun dank chido’s auf Kaffeesatz gezogen werden können, veganes und laktosefreies Eis von Helador, das vor sechs Jahren in Berlin gegründete Ge- tränkekollektiv Gekko, Limonaden zum Selbermixen, Käse, Honig, Weine und hoch- prozentige Spirituosen. Wer der Verlockung nicht widerstehen kann und überall next organic berlin_kiez gourmet neuköllnprobieren möchte, braucht einen kernge- sunden Magen.

Wer die kulinarischen Facetten Neuköllns von hinten nach vorne aufrollen möchte, fängt in dem Bereich an, der früher Passa-gieren vorbehalten war. Hier hat das von dem Koch Johannes Kamprad gegründete Unternehmen Kiez Gourmet Neukoelln sei- ne NOB-Dependance, um Feinschmecker mit Wasserbüffel Filetpickfein neukölln_next organic berlinsandwiches, Ciabatta, Grün- kernbratlingen und schottischem Apple Pie auf eine lukullische Expedition zu schicken.

Um Entdeckungen geht es auch bei Pickfein: Die in der Richardstraße ansässige Start Up-Firma von De- nise Roosenboom und Max Kahls verbindet Ge- schmackserlebnisse mit räumlicher Orientierung, in- dem sie ihren kostbaren Stadtplan mit Leckereien Berliner Manufakturen im Probierformat kombiniert.

next organic berlin_rice up neuköllnLängst vom Ge- heimtipp zur be- gehrten Döner- oder Currywurst-Alternative haben sich die Oni- giris von Rice Up gemausert. Tausende der japanischen Reissnacks werden täglich herge- stellt und in der zwischen Neukölln und Kreuz- berg gelegenen U8-Station Schönleinstraße so- next organic berlin_feinschlicht neuköllnwie in allen Bio Company-Filialen verkauft.

Auch feinschlicht, Falko Schumanns Manu- faktur für gutes Fruchten, hat gleich meh- rere Standbeine für den Verkauf ihrer Obst- und Gemüseaufstriche, Senfe und Chut- neys. Seit fast einem Jahr gibt es einen Laden in der Sonnenallee, zusätzlich wer- den per Lastenfahrrad Wochenmärkte und next organic berlin_märkisches landbrot neuköllnFeste in ganz Berlin angesteuert, um Fein- schlichtes an den Gourmet zu bringen.

Besonders groß war die Neukölln-Präsenz bei der ersten Next Organic Berlin jedoch im Brot- Bereich. Mit Katharina Rottmanns Endorphina Backkunst und der Traditionsfirma Märkisches Landbrot frühlingsbrot_märkisches landbrot neuköllnwaren gleich zwei Bäckereibetriebe aus dem Bezirk vertreten, die mit hochwertigen Zutaten und einer gesunden Mischung zwischen Traditionsbewusstsein und Experimentierfreudigkeit immer neue Grund- lagen für variantenreiche Stullen schaffen.

Bezeichnenderweise war es auch eine Neuköllnerin, die die “Täglich Brot”-Area kuratiert hatte. Cathrin Brandes, die sich nicht nur in ihrem Foodblog Tidbits, sondern cathrin brandes+speisenclub neukölln_next organic berlinauch mit dem Speisenclub Neukölln dem Genuss des Essens widmet, rückte mit ihrem Marktplatz das Thema Brot in den Mittelpunkt des Interesses. “Berlin”, findet sie, “hat besseres Brot als man denkt.” Bei verschiedenen Verkostungs-Aktionen konnte das gleich getestet werden.

“Einer Fortführung des Konzepts steht nichts im Wege”, resümierten die Veranstalter nach dem Ende der NOB-Premiere: Die Idee einer interdisziplinären Plattform mit Erlebnischarakter als Verbindung zwischen der Next Food Generation, etablierten Großhändlern und Einkäufern, wurde von etwa 2.500 Besuchern goutiert. Ob man im nächsten Jahr von der Fachbesucherregelung abrückt und vielleicht sogar länger als acht Stunden öffnet, sei aber noch nicht absehbar.

So innovativ wie die Next Organic Berlin sind auch die Nachwirkungen: Heute ab 18 Uhr laden die Veranstalter in Kooperation mit dem Projekt Umdenken und Slow Food Youth zum Reste-Essen in der Markthalle IX (Eisenbahnstraße 42/43, Berlin-Kreuzberg) ein.

=ensa=

Aus Ehemaligem wird Zukünftiges: letzte Führungen durch den Bauteil H2rd

Die Orientierung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof ist nicht leicht. Ortsangaben mit Begriffen wie Hangar, Tor, Eingang, Gebäudeteil und Aufgang treiben manchen Besucher an den Rand der Verzweiflung. “Das Leitsystem bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofmüssen wir dringend verbessern”, stellte so kürzlich auch Martin Pallgen, Presse- sprecher der Tempelhof Projekt GmbH, fest. Vergleichsweise leicht zu finden ist dagegen das ehemalige Offiziershotel – wenn man es nicht auf den Plänen sucht, fassade_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdie auf dem Areal stehen. Denn dort heißt es nur Bau- teil H2rd.

An den Ostertagen wird es in dem Trakt am Platz der Luftbrücke noch einmal richtig voll werden. Dann nämlich bietet sich die letzte Gelegenheit, das Gebäude vor seiner bevorstehenden  Sanierung und dem Umbau zu einem flur eg_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKreativzentrum zu besichtigen. Es ist das zweite Mal, dass es neu gestaltet wird, um den Be- dürfnissen einer veränderten Nutzung zu genügen.

“1935”, erklärt Birgit Ohström, “haben die Nazis mit der Errichtung des größten Baudenkmals Europas begonnen. Aber ganz fertig geworden sind sie nie, weil das Tau- sendjährige Reich eben früher als von ihnen geplant zu Ende gegangen ist.” Von außen sah und sehe seitdem birgit ohström_berlin kompaktalles ganz wunderbar aus, sagt die Stadtführerin, “aber das war’s dann auch schon.” 1938 zog die Hauptverwaltung der Lufthansa in das Gebäude. 1950 wurde mit dem Wiederaufbau des im Krieg weit- gehend ausgebrannten Anwesens für die US Air Force begonnen, die es in Columbia House umbenannte, hier  ihren Officers’ Club und  ein Offizierskasino einrichtete und die vorherigen Büros in den Obergeschossen zu Offiziers-unterkünften umgestalten ließ.

Was einen dort erwartet, lässt sich im Erdgeschoss noch nicht erahnen: Der Empfangsbereich wirkt seit seiner Komplettrenovierung vor 26 Jahren edel-funktional; saal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdas riesige ehemalige Restaurant mit dem abgewetzten blauen Velours und angestaubten verspiegelten Wand- elementen versprüht Retro-Prunk. Es riecht, als wären die Fenster und Tü- ren zur angrenzenden Terrasse seit Jahren nicht mehr geöffnet gewesen.

Als Restaurant solle es auch künftig wieder genutzt werden, informiert Bir- git Ohström. Denn der Umbau des denkmalgeschützten, viergeschossi- gen Gebäudeteils  verfolge nicht nur das Ziel, jungen und arrivierten Kreativen Büros und Ateliers anzubieten. “Zur Planung gehören auch öffentliche Bereiche mit treppenhaus_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKonferenz- und Veranstaltungssälen, eben dem Restaurant und einem Besucherzentrum mit Café.” Ideen, das einstige Hotel wieder als Hotel in Betrieb zu nehmen, seien verworfen worden. Aus einleuch- tenden Gründen, wie sich später zeigt.

Durch das weitgehend original erhaltene Treppen- haus geht es hinauf in die 1. Etage. Birgit Ohström weist auf das Treppengeländer hin, das sich vom Keller bis unters Dach zieht: “Es ist komplett aus Aluminium.” So wie er nach Plänen von Ernst Sage- biel, einem der bedeutendsten Architekten der NS-Zeit, gebaut wurde, ist auch der Eichensaal erhalten. Über zwei Stockwerke reicht der mit düs- terem Eichenholz vertäfelte  Raum, der zudem auf Schritt und Tritt durch Eichenblatt-Ornamente daran erinnert, weshalb er heißt, wie er heißt. Eine eingebaute Leinwand

eichensaal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofeichensaal-kronleuchter_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

machte den rund 6 Meter hohen Saal zum Konferenz- und Vortragsraum der Luft- hansa – und ein Wasserschaden in der darüber liegenden Etage große Teile des wendeltreppe_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofEichenparketts kaputt.

In den einstigen Büros und späteren Hotelzimmern für durchreisende Offiziere der US Air Force ist es eine Mischung aus Verfall und amerikanischen innenarchi-tektonischen Vorlieben, die ihnen zugesetzt hat. Ram- ponierte, schwere Stores hängen vor milchigen Fenstern, die begonnene Beseitigung der Teppiche förderte edlen Parkettboden zutage,  die Wände und Decken sind so vergilbt wie die Heizkörper und Fensterrahmen, farblich dominieren Schlamm- und Brauntöne, die Bäder haben die Zeit, in der sie als modern galten, lange hinter sich. “Nach heutigen Maßstäben sind die Räume viel zu klein, um sie in einer gehoben Kategorie als Hotelzimmer vermieten zu können”, stellt Birgit Ohström fest und führt in

zimmer_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofoffizierswohnung_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofbad_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

die ehemalige Offizierssuite am Ende des schier unendlichen Flurs. Dass sich privilegiert fühlen konnte, wer einst in den drei Zimmern wohnen durfte, wird noch hotel-flur_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofheute deutlich. Obwohl auch diesen Gemächern nicht mehr als morbider Charme geblieben ist.

Nach dem denkmalschutzgerechten Umbau wird von dem nichts mehr zu sehen. Wo nun historische Spuren durch fast acht Jahrzehnte führen, wird dann alles hell, freundlich und topmodern sein. “Es ist an der Zeit, dass aus diesem spannenden, immer mehr verfallenden Gebäude endlich was ge- macht wird”, findet Birgit Ohström. Man kann nicht anders als ihr recht zu geben.

Am 31. März und 1. April werden letztmalig vor der Sanierung und dem Umbau des Gebäudes Führungen durch das frühere Offiziershotel angeboten. Tickets kosten 10 Euro (erm. 6 Euro); eine Anmeldung ist ratsam.

=ensa=

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