Alles für die Toleranz: Diskussionen, Speed Dating und rote Nasen in einer Neuköllner Kirche

salsabil_derwisch-tanz_lange nacht der toleranz_izg neukölln“Wie macht der das?” Viele Fragen wurden an diesem Abend im Zeichen der Toleranz gestellt und beantwortet. Die, wie Cihangir Böge, der Derwisch-Tänzer des Ensembles Salsabil, es schafft, sich minutenlang mit wehendem Rock und wechselnden Posen um die derwisch_salsabil_lange nacht der toleranz_izg neuköllneigene Achse zu drehen, ohne dabei oder hinterher ins Taumeln zu kommen, blieb offen. Er könne sich das auch nicht erklären, obwohl das Der- wischdrehen ja eine Tra- dition in dem Kulturkreis sei, aus dem er stamme, musste Moderator Kemal Hür der ebenfalls staunenden und ratlosen Pfarrerin Elisabeth Kruse gestehen. Bevor es für das Publikum in vier Gruppen mit gemächlicherem Kreisen beim Entdecken neuer Wege der Kommu-nikation weiterging.

Kugellager wird das spielerische Experiment vom Treffpunkt Religion und Gesell- schaft genannt, weil es nach eben diesem Prinzip funktioniert. In einem Innen- und einem Außenkreis saßen sich Gläubige jeglicher Couleur und Atheisten, Junge und Ältere, Frauen und Männer gegenüber, um sich nach dem Erklingen eines Gongs durch Fragen und Antworten ersten Eindrücke vom bis dato unbekannten Vis-à-Vis get together_lange nacht der toleranz_izg neuköllnverschaffen zu können. “Es war so span- nend wie ein  Speed Dating”, sagte eine junge Frau hinterher begeistert. Es sei ein großartiges System, um in kürzester Zeit Kontakt zu vielen Menschen zu be- kommen und sehr aufschlussreich, wenn man nicht nur die richtigen Fragen stellt, sondern auch aufmerksam zuhören kann, fand ein Mann.  Dass Moderator Kemal Hür anschließend mehrmals darum bitten musste, die Gruppenräume zu verlassen und zur Podiumsdiskussion zu kommen, spricht für den Erfolg der Methode und das Kommunikationsbedürfnis.

v. l.: Nilgün Hascelik (TDZ Türkisch-Deutsches Zentrum), Pfarrer Dr. Eckhard Zemmrich, Kemal Hür, Falko Liecke (CDU Neukölln), Pinar Cetin (DITIB)

v. l.: Nilgün Hascelik (TDZ Türkisch-Deutsches Zentrum), Pfarrer Dr. Eckhard Zemmrich, Kemal Hür, Falko Liecke (CDU Neukölln), Pinar Cetin (DITIB)

Die Gesprächsrunde auf dem Podium sollte nun wieder den Fokus auf das Kernthema Toleranz lenken und es aus verschiedenen religiösen und gesellschaftlichen Per- spektiven beleuchten. Schon bei Falko Lieckes Statement wurde dabei deutlich, welcher Graben zwischen Theorie und Praxis liegt bzw. wie unter-schiedlich dieser wahrgenommen und überwunden wird. Er halte es mit dem Alten Fritz und dessen Grundsatz, dass jeder nach seiner Fasson selig werden solle, meinte der Neuköllner Jugend- und Gesundheitsstadtrat. Wichtig sei eben zu beachten, dass die eigene Freiheit dort aufhört, wo die des anderen beginnt. Diese Grenze müsse in einer funktionierenden Gesellschaft anerkannt und ihr Übertreten sanktioniert werden. Er leite Toleranz von seinem Gottesverständnis ab, erklärte Pfarrer Dr. Eckhard Zemmrich: “Ich muss mich damit abfinden, dass Muslime Jesus anders sehen. Entscheidend ist dabei, dass wir einander zeigen, dass wir miteinander zu tun haben wollen.” Als einen wahren GAU bezeichnete der theo- logische Grundsatzreferent es, “die eigene Religion mit den schlechten Beispielen der anderen Religion zu vergleichen.” genezareth-kirche_neuköllnToleranz sei für ihn ein aktives Dulden, das bestenfalls auf Gegenseitigkeit beruht, oft aber nur einseitig ist.

“Bei der politschen Definition von Toleranz gibt es also Sanktionen, bei der theolo-gischen aber nicht”, stellte Kemal Hür fest.

Pinar Cetin verwies in ihrem Statement zunächst auf die Übersetzungen des Wor- tes Toleranz in die arabische und türkische Sprache. Im Arabischen sei vom Tragen einer Last, vom Aushalten und Annehmen die Rede, im Türkischen davon, mit positiven Gedanken auf etwas zu blicken. “Vielleicht”, vermutete sie, “ist die sprachliche Herkunft für das entscheidend, was wir unter Toleranz verstehen.” Praktisch machte die stellvertretende Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) e. V.  ihre begriffliche Definition an einem aktuellen Bei- spiel fest: Vor einigen Wochen hatten Aktivistinnen der Femen-Bewegung mit freien Oberkörpern vor einer Moschee gegen das Kopftuch von Musliminnen protestiert. Da sei für sie die Grenze des Tolerierbaren erreicht, sagte Pinar Cetin und empfahl, “dass die Femen-Frauen lernen sollten, dass Freiheit nicht immer das ist, was sie sich vorstellen.” Für Nilgün Hascelik, die als Letzte an der Reihe war, blieb nicht mehr viel mehr übrig als eine Kritik an der Lesart des Wortes Toleranz. Es sei sehr negativ behaftet, weil es Passivität projiziert. “Besser gefällt es mir, wenn jemand liecke+cetin+eva-maria rastlos_lange nacht der toleranz_izg neuköllnoder etwas akzeptiert oder respektiert wird”, hielt sie fest.

Um all das, in gescheiterter Form oder Vollendung praktiziert, ging es auch beim humoristisch auf- bereiteten Punkt, den Eva-Maria Rastlos zwischen Diskussion und Büffet setzte. Die Komödiantin, die bürgerlich Dorothee Schaper heißt und Pfarrerin an der Melanchthon Akademie ist, sezierte in kölscher Mundart rastlos+zehden+kruse+cetin_lange nacht der toleranz_izg neuköllndie Vielzahl an kommunikativen und kulturellen Fallstricken, die zwischen Neukölln und Köln, zwischen Gläubigen der Weltreligionen und auf dem Weg zu Toleranz, Akzeptanz und Respekt lauern. Mit ihrem Rezept, miteinander zu streiten und zu lachen, kommt man schon einen Schritt weiter. Wie es um das fürs alltägliche Mitein- ander ebenfalls vorteilhafte Talent bestellt ist, über sich selber lachen zu können, testete sie sogleich mit karnevalesken Accessoires an den völlig überrumpelten Vertretern dreier Religionen: Ender Cetin von der Sehitlik-Moschee, Elisabeth Kruse von der Genezareth-Gemeinde und Maya Zehden vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus schlugen sich achtbar.

Wer sein Talent beim Derwisch-Drehen testen will, kann das jeden Sonntag ab 15 Uhr und mittwochs ab 18.30 Uhr im Sufi-Zentrum Berlin tun.

=ensa= 

“Sprich mit mir!”: Keine lange Nacht, aber ein unterhaltsamer Abend im Zeichen der Toleranz in Neukölln

Weshalb sind nur manche Dinge so schwierig? Die Sache mit der Toleranz zum Beispiel. Schon an diesem Auftakt des zwischenmenschlichen Triathlons, BMFSFJ_FuerDemokratie_Visual_Bild_ohneBreg_RGB_RZder sich über Akzeptanz zur Königsdisziplin Respekt steigert, scheitern viele. Am vergangenen Dienstag konnte bei der Aktion Tag und Nacht für Toleranz und ihren über 800 bun- desweiten Events Toleranz geübt werden. 15 Trainingscamps gab es in Berlin, eines davon, von Kemal Hür moderiert, in Neukölln – und das wurde bestens besucht.

Unter dem Motto „Sprich mit mir! zusammenkommen, auseinandersetzen, gemeinsam weitergehen“ hatte der DITIB Landesverband Berlin zusammen mit dem orhan senel_lange nacht der toleranz_izg neuköllnTreffpunkt Religion und Gesellschaft e. V. (TRG) ins Interkulturelle Zentrum Genezareth (IZG) zu einem doppeldeutig unterhaltsamen Abend eingeladen. Denn nach der Ouvertüre durch den Kanun-Spieler Orhan Şenel standen nicht nur Unterhaltung, sondern auch Unter-haltungen auf dem Programm. “Wie gestaltet sich in Berlin das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen?”, das war die Frage, die im Zentrum der Veranstaltung stand.

elisabeth kruse_lange nacht der toleranz_izg neuköllnDer von Institutio- nen verschiedener Glaubensrichtungen gegründete TRG fasst sie noch ein Stück weiter. Er habe das Ziel, Begegnungen und Gespräche zwischen Menschen aller Religionen wie auch Nicht-Religiösen zu initiieren, erklärte Vorstandsmitglied Elisabeth Kruse. Toleranz wer- de hier im Sinne von Anerkennung der Gleichberech- tigung verstanden, so die Pfarrerin der Genezaender cetin_lange nacht der toleranz_izg neuköllnreth-Gemeinde: “Ein solcher de- mokratischer Prozess funk- tioniert nur übers Reden.”

Dieses Reden sei eine tägliche Herausforderung in der Sehitlik-Moschee, sagte deren Vorstandsvorsitzender Ender Cetin. Häufig würden die Moscheeführer “mit sehr harten Fragen” zu allerlei Vorurteilen konfrontiert und müssten – um Geduld bemüht – Aufklärungsarbeit dahin- gehend betreiben, dass der Islam z. B. nicht gewalttätig ist, sondern der Koran zu Toleranz und Miteinander aufrufe. maya zehden_lange nacht der toleranz_izg neukölln“Brückenbauer wie der TRG”, meinte Cetin, “kön- nen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verstän- digung leisten.”

Das erhofft sich auch Maya Zehden vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), das ebenfalls Gründungsmitglied des Treffpunkt Religion und Gesellschaft e. V. ist. Religion, sagte sie, müsse als positive Kraft wahrgenommen werden und Fremdes den Status des Gleichberechtigten bekommen. ehrhart körting_lange nacht der toleranz_izg neuköllnDas vom TRG geplante lokal verwurzelte, aber berlinweit aktive interreligiöse Zent- rum mit überregionaler Strahlkraft auf der Tempelhofer Freiheit könne ein Ort werden, wo die Toleranz zwischen Mehrheiten und Minderheiten gelebt wird.

Nicht in der Rolle des Senators a. D., sondern als institutionell unabhängiges TRG-Gründungsmitglied trat schließlich Ehrhart Körting hinter das Pult. “Religiöse Strömungen”, bemerkte er, “stellen doch in Berlin Min- derheiten dar.” Wichtig sei, dass (Glaubens-)Wahr- heiten, die andere für sich finden, gleichberechtigt sind und die Diskussionen darüber auf Augenhöhe geführt werden.  Dass überhaupt salsabil_lange nacht der toleranz_izg neuköllnmiteinander geredet wird, dafür wolle er werben.

Nach dem Auftritt der Gruppe Salsabil könne das Miteinanderreden ausgie- big praktiziert werden, kündigte Kemal Hür den reichlich in die Genezareth-Kirche geströmten Besuchern an. “Danach”, versprach er, “erwartet Sie eine nicht sehr klassische Podiums-diskussion, bei der über die Bedeutung von Toleranz aus verschiedenen religiösen und gesellschaftlichen Perspektiven gesprochen wird.” Und abschließend gebe es dann noch eine interreligiöse Comedy-Show mit der Pfarrerin Dorothee Schaper in ihrer Rolle als Eva-Maria Rastlos. (Fortsetzung: übermorgen)

=ensa=

Aus Alt mach Neu mit der Weisheit der Vielen

kinder- und jugendhaus lessinghöhe_neuköllnWenn zwei Neuköllner über die Lessing- höhe reden, kann es sein, dass sie von sehr unterschiedlichen Dingen sprechen. Einer könnte die auf Trümmern des Zweiten Weltkriegs entstandene Grünan- lage zwischen Mittelweg und Kopfstraße meinen, der andere das 1950/51 erbaute Kinder- und Jugendzentrum, in dem vor einem guten halben Jahrhundert Frank Zander seine Musiker-Karriere als Sänger und Gitarrist der Band Gloomys startete. Insofern steckte in der Presseinladung zum ersten Spatenstich für den Umbau der Lessinghöhe gleich eine doppelte Doppel- blesing+liecke_bauschild-enthüllung_lessinghöhe neuköllndeutigkeit: Denn mit Spaten wäre vorgestern dem von Frost durchzogenen Boden nicht beizukom- men gewesen. Also machten sich Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (r.) und Baustadtrat Thomas Blesing (l.) daran, das Bauschild vor der bauschild_lessinghöhe neuköllnältesten Kinder- und Ju- gendfreizeiteinrichtung des Bezirks zu enthüllen, um den symbolischen Start- schuss für den Umbau und die Grundsanierung des Haupthauses des zweiteili- gen Gebäude-Ensembles zu geben. “Im November 2014″, schätzt Jürgen Schmeichler, der das Zentrum seit sechs Jahren leitet, “sollte alles abgeschlossen sein.”

1,2 Millionen Euro stellt das Quartiersmanagement Rollberg aus dem Soziale Stadt- Fonds für die Arbeiten zur Verfügung, die nach den Plänen der Architektin Gabriele fink+schmeichler_lessinghöhe neuköllnFink (r., mit Jürgen Schmeichler) erfolgen und auf einer engen Einbindung der Kinder und Jugendlichen sowie der Angestellten bei der Neukonzeptionierung basieren. raumplanung_lessinghöhe neuköllnWelche Räu- me werden für welche Ange- bote benötigt? Wo sollten sie strategisch günstig liegen? Derartige Fragen wurden zuvor in einem moderierten Prozess erörtert und durchgespielt. “Die Weisheit der Vielen zu nutzen, war für uns der wichtigste Ansatz”, beschreibt Kristina Nauditt vom Argo-Team die “nicht immer ganz einfache” Par- tizipation der Nutzer. Bilder und Filmdokumente aus den 1950er-Jahren, die das seinerzeit von der amerikanischen Regierung finanzierte Gebäude zeigen, waren es schließlich, die Gabriele vergangenheit+zukunft_lessinghöhe neuköllnFink auf die Idee eines architektonischen Spagats brachten:  Das neu gestaltete Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Lessing- höhe wird eine Kombination aus modernster energetischer Sanie- rung und einer Rekonstruktion des Zustands von 1951 sein, der von großen Fenstern und Türen und lichtdurchfluteten Räumen geprägt war. “Aus Sicherheitsgründen wurden viele der Glasflächen einfach zugemauert”, vermutet die Architektin, die die Düsternis ebenso aus dem Gebäude verbannen wird wie Sanitäranlagen aus der Nach- entwurf_sanierung lessinghöhe neuköllnkriegszeit, alte Stromleitungen und Hei- zungsrohre, die sich unverputzt durch alle Räume des Erd- und Kellergeschosses ziehen. Zusätzliche Eingänge und WCs sollen außerdem die Nutzung des Hauses für externe Veranstaltungen erleichtern.

Dass die Zeit bis zur Wiedereröffnung mit Schwierigkeiten einhergehen wird, liegt für Jürgen Schmeichler in der Natur der Sache: “Bei einem  Umbau bei laufenden Be- trieb geht das nun mal nicht anders.” Die vorübergehende Schließung des Hauses wäre jedenfalls für ihn keine Option gewesen. Da nehmen er, seine Mitarbeiter und auch die Kinder und Jugendlichen lieber Einschränkungen in Kauf: “Während zuerst der Keller umgebaut wird, muss sich eben alles im Erdgeschoss abgspielen. Danach zieht der Betrieb in den Keller um und der Umbau geht im Erdgeschoss liecke_lessinghöhe neuköllnweiter.”

Doch die Umgestaltung werde sich nicht nur auf bauliche Maßnahmen beschrän- ken. “Auch das inhaltliche Profil des Kin- der- und Jugendzentrums Lessinghöhe soll”, so Jugendstadtrat Falko Liecke, “an die Bedürfnisse der Anwohner angepasst werden.” Lose Konzepte für eine Ergän- zung durch Angebote für Familien mit Kleinkinder gebe es bereits, kündigt er an, bevor er sein Mitbringsel in die Schatzkiste stellt. Alles was der anvertraut wird, werde in Kunstharz gegossen und bei der Eröffnungsfeier der alten-neuen Lessinghöhe blesing_lessinghöhe neuköllnpräsentiert. Mit dem Dinosaurier wolle er an ein Klettergerüst erinnern, das lange auf dem Spielplatz der Freizeitzentrums stand, erklärt Liecke.

Sein Kollege Thomas Blesing ist mit klei- nerem Gepäck gekommen. Eine 1 $-Note, findet er, sei genau das richtige Souvenir für die Schatzkiste. Schon deshalb, weil sie ein Andenken an die Amerikaner ist, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Neukölln für den Wiederaufbau gesorgt haben.

=ensa=

“In Mitte wird die Problematik totgeschwiegen”: Neukölln startet als erster Berliner Bezirk Impf-Aktion an Schulen

impfung_dr. gundert_hans-fallada-schule neuköllnRoxana guckt lieber weg. Wie der Arzt die feine Kanüle in ihren linken Oberarm piekst und den Impfstoff injiziert, das will sie nicht sehen. “Nein, hat nicht weh getan”, lässt die Neunjährige Dr. Dietrich Gundert wissen, als der ein Pflaster auf spritze_grundimmunisierung von neuköllner kinderndie Einstich- stelle klebt.

Roxana und ihre vier Ge- schwister, die gestern ebenfalls geimpft wurden, ge- hören zu den 90 Kindern, die in den letzten 2 1/2 Jahren überwiegend aus Rumänien nach Neukölln kamen und nun die Hans-Fallada-Schule besuchen. “Roma-Kinder machen damit fast ein Viertel der gesamten Schüler-hans-fallada-schule_neuköllnschaft aus”, stellt Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey fest, die kürzlich den 3. Neuköllner Roma- Statusbericht  veröffentlichte. Auf das in dem thematisierte Problem fehlender Impfnach- weise von Kindern zugewanderter Familien aus Südosteuropa  reagiert der Bezirk nun mit einer großangelegten Impfaktion zur Grund- immunisierung. Dazu habe, so Giffey, insbe- sondere Prof. Dr. Rainer Rossi, Chefarzt des Bereichs Kinder- und Jugendmedizin im Vivan- tes Klinikum Neukölln,  geraten, um die Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten an Schulen effektiv einzudämmen. Den Eltern von 802 Kindern, die derzeit Willkommens- oder Regelklassen von Neuköllner Schulen besu- chen, wird nun diese Grundimmunisierung ihrer Töchter und Söhne gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, MMR (Masern, Mumps, Röteln), Hepatitis B sowie Meningokokken angeboten.

Zwar könne man nicht sagen, dass die Kinder per se keinerlei Impfschutz in ihren Herkunftsländern erhalten haben, schränkt die Lehrerin Anita Wodatschek ein. “Aber ob und wann sie wogegen geimpft wurden, das hängt stark davon ab, ob sie impfpass_grundimmunisierung von neuköllner kindernländlich oder in einer Stadt gewohnt haben, und dokumentiert ist es oft auch nicht.”

Voraus ging der Impf-Aktion ein Info- Abend für die Eltern, bei denen sie von den Sprachmittlern der Schule behutsam in die Problematik einge- führt wurden. “Schriftliche Mitteilungen an die Eltern bringen auch in der Muttersprache meist wenig, weil viele An- alphabeten sind”, weiß Schulleiter Carsten Paeprer. Wichtig sei zudem, ihnen zu verdeutlichen, dass die Kinder nicht geimpft werden sollen, weil sie Roma-Kinder sind, sondern weil ihnen das fehle, was in Deutschland vom Säuglingsalter an zur gesundheitlichen Basisversorgung gehört. Dass die sechsfache Grundimmu-nisierung, die in fünf Durchgängen durchgeführt wird, im schulischen Umfeld am besten aufgehoben ist, um die notwendige Kontinuität zu erlangen, davon sind nicht giffey+paeprer+liecke_hans-fallada-schule_neuköllnnur Paeprer (M.) und Giffey (r.) über- zeugt, sondern auch der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (l.).

“Roma-Familien haben oft keine Krankenversicherung”, weiß Liecke. “Oder sie haben eine in ihrem Her- kunftsland, die aber für die Kosten- übernahme nicht zuständig ist, wenn der Hauptwohnsitz nach Deutsch- land verlegt wurde.” Konsequenz dieser bisher auf bundes- und europapolitischer Ebene vernachlässigten Sachlage sei, dass Arztbesuche aus finanziellen Gründen vermieden werden und Patienten erst als Notfälle der völlig überlaufenen Ret- tungsstelle im Mutter-Kind-Zentrum des Vivantes Klinikums vorgestellt würden und nicht abgewiesen werden dürfen: “Die Kosten müssen dann aus der Bezirkskasse beglichen werden.” Aus der wurden auch 127.000 Euro für die Anschaffung von Impfstoff vorfinanziert. Später würden die Kosten vom Berliner Senat erstattet.

Für die medizinisch fachgerechte Durchführung der für die Kinder kostenlosen Grundimmunisierung greift der Bezirk auf pensioniertes Personal wie beispielsweise Dr. Dietrich Gundert, den ehemaligen Leiter des kommunalen Kinder- und Jugend- gesundheitsdienstes, zurück. Wie viele der 802 neu zugezogenen Kinder im Rahmen der Aktion zunächst an der Hans-Fallada-, der Eduard-Möricke- und der Rixdorfer-Schule komplett durchgeimpft werden müssen, steht noch nicht fest. “Mehrere hundert sind es definitiv, wenn ein gewisser Impfstatus an den Schulen vorhanden sein soll”, ist Franziska Giffey überzeugt. Im Bezirk Mitte, ergänzt Stadtrat Liecke, habe man übrigens ganz ähnliche Probleme: “Aber in Mitte wird die Problematik tot- geschwiegen. Warum, weiß ich nicht.” In Neukölln geht man einen anderen Weg.

=ensa=

Mütze, Lätzchen, Rauchmelder und vieles mehr: Geschenke für alle neugeborenen Neuköllner

karla bareiss+beate dittrich+falko liecke_kjgd-begrüßungspaket neuköllnHoher Besuch für Charlotte. Neuköllns Ge- sundheitsstadtrat Falko Liecke (r.) kam ges- tern höchstselbst vorbei, um der Mutter des sieben Wochen alten Mädchens das Begrü-ßungspaket für Neugeborene zu überreichen.

Künftig werden das Beate Dittrich (M.) und ihre Kolleginnen vom Kinder- und Jugendgesund-heitsdienst (KJGD) des Bezirks tun. “Acht bis 10 Hausbesuche mache ich schon pro Woche”, erzählt die Sozialarbeiterin. Mit leeren Händen stand sie bei denen auch bisher nicht vor der kjgd-begrüßungspaket neuköllnTür. Neu ist, dass die umfangreichen Informationsbroschüren für junge Eltern nun in einem Stoffbeutel übergeben werden und der außer Waren- proben auch kleine Willkommenspräsen- te des Bezirks beinhaltet: ein Lätzchen, eine Mütze und einen Rauchmelder.

“Sehr sinnvoll”, findet Karla Bareiss, Charlottes Mutter, als sie den Rauchmel- der aus der Tasche gezogen hat: “Daran haben wir bisher noch gar nicht gedacht.” Aber schließlich könne ja auch in einem Nichtraucherhaushalt passieren, was sich niemand vorstellen mag. Ob die Mütze noch über Charlottes Kopf passt, muss später probiert werden, denn das Kind will sich durch den Pressetermin nicht in seinem Mittagsschlaf stören lassen. “Dafür ist sie schon morgens um 5 munter”, sagt die 32-jährige Erstgebärende, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin für eine Europa-Abgeordnete tätig ist und den Eltern- charlotte_kjgd-begrüßungspaket neuköllnzeit-Staffelstab im Sommer an Charlottes Vater, einen Landschaftsplaner, weitergeben will.

Baby statt Beruf, das sei wirklich ein völlig neues und äußerst spannendes Erlebnis. Routine wie im Job gebe es nicht: “Gerade beim ersten Kind ist man ja noch sehr unsicher und hat eigentlich ständig Fragen.” Vor allem die Broschüren mit lokalen Informationen und Beratungsgespräche mit Mitarbeitern vom Bezirk seien da ausgesprochen hilfreich. Sollte für Charlotte wirklich schon jetzt ein Kita-Platz gesucht werden? Wo wird Rückbildungsgymnastik angeboten? Welche Kinderärzte in der Nähe sind beate dittrich+karla bareiss_kjgd-begrüßungspaket neuköllnempfehlenswert?

Beate Dittrich erkundigt sich nach dem Ergebnis der U3, erfährt, dass alles bestens sei und erklärt, dass der KJGD beim Versäumen einer Vorsorgeuntersuchung sofort infor- miert werde und die Eltern kon- taktiere. Der Erstbesuch mit der Übergabe des Begrüßungspakets gehöre zur Neuköllner Präventions-strategie und sei vor allem als Tür- öffner gedacht, um auch die jungen Mütter und Väter über bestehende Unter- stützungsmöglichkeiten beraten zu können, die sonst nicht erreicht würden.

Rund 5.000 Euro, so Falko Liecke, habe der Bezirk investiert, um Baumwolltaschen, Mützen und Lätzchen anschaffen und bedrucken zu lassen, Rauchmelder zu kaufen und die Aktion “Begrüßungspakete für Neugeborene” als akzeptanzsteigernde Maßnahme für die Arbeit des KJGD starten zu können. Die Warenproben steuerten Sponsoren bei. Etwa 3.500 neugeborene Neuköllner verzeichnete der Bezirk durchschnittlich in den letzten Jahren. “Die Kurve war leicht abflachend, dürfte aber durch die vielen Zuzüge nun wieder ansteigen”, ist Liecke optimistisch. Dass junge Eltern bei den ersten Schritten unterstützt werden, ist ihm ein wichtiges Anliegen – nicht nur qua Amt, sondern auch weil er selber Vater von zwei kleinen Kindern ist.

=ensa=

Zwischen Himmel und Erde, Vergangenheit und Zukunft

Spektakulär soll es werden. Eine “einzigartige Sinfonie aus Flugakrobatik, Licht-installation und Sounddesign” erwartet die Schaulustigen  morgen  bei der  Fassa- denperformance am Ideal-Hochhaus, gropiusstadt berlin-neukölln, ideal-hochhausdem Höhe- punkt der Festivitäten rund um das 50-jährige Bestehen der Gropiusstadt. “Regen”, sagt Katja Richter, “würde die Show nicht gefährden.” Schwierig könne es nur bei Sturm oder Gewitter werden. Aber die Sprecherin des aus Dramaturgen, Stuntleuten, Technikern sowie Licht- und Sound- designern bestehenden Team Wired ist zuver- sichtlich, dass derartige Wetterereignisse den Ak- teuren erspart bleiben. Und natürlich hofft sie, dass sich reichlich Zuschauer auf der Wiese vor dem Haus einfinden, um das Spektakel weit über ihren Köpfen gebannt zu verfolgen. Eines, das gewissermaßen erst durch den Bau der Mauer möglich gemacht wurde.

Hochhaus an Hochhaus, eines neben, vor und hinter dem anderen – so hatte sich Walter Gropius die Großsiedlung im Neuköllner Süden eigentlich nicht vorgestellt. Sicher, es ging dem Architekten darum, Wohnraum für zehntausende Menschen zu schaffen, aber  “bei den ersten Planungen von Gropius ging es nur um etwa 14.000 Wohnungen und eine erheblich niedrigere Bebauung”, erinnert Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing. Fünfgeschossig, höher sollten die Häuser nicht werden, und alle sollten von großzügen Grünflächen umgeben sein. Doch dann kam im August 1961 der  Bau der gropiusstadt, berlin-neuköllnMauer. Von einem Tag auf den ande- ren musste umdisponiert werden. Das ans Gebiet der Gropiusstadt an- grenzende Bundesland Brandenburg, das anfangs als Ausdehnungsfläche in Kalkül gezogen worden war, war plötzlich ein anderer Staat. Folglich musste höher und enger gebaut werden.

Nichtsdestotrotz bedeute das Woh- nen in der Gropiusstadt immer noch ein  Wohnen im Grünen, sagt Frank Bielka vom Vorstand der degewo, die einen gropiusstadt berlin-neuköllnBestand von rund 4.500 Wohnungen in der Groß- siedlung hält. “Der Grünflächenanteil”, so seine Er- fahrung, “wird aber oft unterschätzt.” Vielleicht ist es aber auch ein Fakt, der nicht ins Klischee der Gro- piusstadt passt, das von Schlagwörtern wie Beton- wüste, Anonymität und Ghetto dominiert  wird. Wie so oft stehen sich auch hier die Außenwahrneh- mungen und die Empfindungen und Meinungen der Bewohner über ihren Stadtteil unvereinbar diametral gegenüber.

pk 50 jahre gropiusstadt, berlin-neukölln

(v. l.: Dr. Martin Steffens, Heike Thöne, Michael Abraham, Thomas Blesing, Frank Bielka, Falko Liecke, Dr. Franziska Giffey, Prof. Jörg Stollmann

Was beim Blick von außen ebenfalls häufig vergessen werde, sei, dass die Gropius- stadt nicht nur aus Wohntür- men bestehe, sondern auch Reihenhäuser, Einfamilien- häuser und Wohnblocks da- zugehören. Diese architekto- nische Vielfalt sei in Groß- siedlungen äußerst selten und mache die Gropiusstadt zum attraktiven Exkursionsziel für Architekten, ergänzt Michael Abraham, Mitglied des Vorstands der Ideal eG. Insbesondere das Modell des genossenschaftlichen gropiusstadt, neuköllnWohnens habe sich im Viertel als wichtiger  Sta- bilisator im sozialen Bereich  bewährt. Aspekte, die die Trabantenstadt vor allem für Familien attraktiv machen, lägen vor allem in  vielfältigen Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie einer ambitionierten Bildungs- und Kulturlandschaft, verweisen Jugend- stadtrat Falko Liecke und Bildungs-, Kultur- und Schulstadträtin Franziska Giffey. So habe mit dem Bildungsverbund Gropiusstadt ein effektives Instrument zur Vernetzung lokaler Kitas und Schulen initiiert werden können. Zugleich solle mit dem Campus Efeuweg per- gropiushaus, gropiusstadt neuköllnspektivisch im Süden von Neukölln das Gegenstück zum Campus Rütli geschaffen werden.

Die Weichen für die Gropiusstadt sind also eindeutig in Richtung Zukunft gestellt und daran ist das 50-jährige Jubiläum alles andere als unbeteiligt. Die Vorbereitung des Festprogramms habe bei allen Akteuren  spannende Prozesse ausgelöst, die Ge- schichte und Perspektiven des Stadtteils neu zu denken, schwärmt Quar- tiersmanagerin Heike Thöne. Eine wichtige Rolle wird bei den Visionen der Akademie einer neuen Gropiusstadt zukommen. Die solle, erklärt Prof. Jörg Stollmann, nicht nur Klammer zwischen Architektur, Sozialem und Historischem sein, sondern auch zur Optimierung der Bürgerbeteiligung beitragen und sich mit der Frage  “Wie kann Stadtentwicklung stattfinden?”  beschäftigen. Also mit einer, die für ganz Berlin von enormer Wichtigkeit ist.

=ensa=

Made in Neukölln: Frühstück für 52.000 Erstklässler

bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllnLange schlafen, gemütlich frühstücken, den Sonntag ruhig angehen lassen: Darauf mussten gestern alle verzichten, die beim Bio-Brotboxen-Packen mithelfen und so dazu beitragen wollten, dass rund 52.000 Erstklässler ihre Schulkarriere heute mit bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllneinem gesunden Frühstück begin- nen konnten.

In der Leergut- halle des Neuköllner Bio-Großhändlers Terra Naturkost sind Dutzende Tischreihen aufgebaut, neben dem Eingang steht eine kleine Bühne. Die Komponenten für die Frühstücksboxen – von 1 wie bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, leerguthalle terra naturkost, neuköllnTeebeutel bis 10 wie Möhrchen – lagern auf Paletten am Rand der Halle. Das von verschiedenen Berliner Bio-Bäckereien produzierte Voll- bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, l.: joachim weckmann (märkisches landbrot), tillmann biokonditorei, r.: dr. burkhardt sonnenstuhlkornbrot wird auf der Empore ein- getütet – Schei- be für Scheibe, gut  52.000mal.

Etwa 500 Helfer sind es, die sich fürs Packen der  Bio-Brotboxen  für die Erstklässler von  knapp 1.000 Berliner und Brandenburger Grundschulen  angemeldet haben. Den Großteil machen Beschäftigte der an der Bio-Brotboxen-Aktion beteiligten Firmen bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllnaus. Für die Parteien sei das Thema der gesunden Ernährung von Kindern verbunden mit tatkräftiger Unterstützung offenbar nur in Wahlkampfjahren interessant, kritisiert mancher. Immerhin: Berlins Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann, die grüne  Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm, Brandesburgs Staatssekretär für Verbraucherschutz Dr. Daniel Rühmkorf und der Neuköllner Bezirks-bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, heinz buschkowskybürgermeister Heinz Buschkowsky stehen am Promi-Packtisch statt am heimischen Frühstückstisch  zu sitzen. Wer die Gesichter kennt, kann einige Meter entfernt Neuköllns Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke sowie den Bezirkssozialstadtrat Bernd Szczepanski entdecken. Ansonsten glänzt auch die Neuköllner Kommunalpolitik vor allem durch Abwesenheit – einzig den Grünen des Bezirks gelingt es, außer ihrem bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, sozialstadtrat bernd szczepanski, catherine michel (stv. fraktionsvorsitzende grüne neukölln)Stadtrat noch drei weitere Fraktionsmitglieder fürs Bio-Brotboxen-Packen zu begeistern. Die Linke – Fehl- anzeige, die Piraten ebenso.

“20.000 Boxen sind schon gepackt!”, ruft Projektinitiator Dr. Burkhardt Sonnenstuhl durch die Halle. Es ist gerade bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, bsr-bio-brot-boxermal viertel vor 11. Eine Viertelstunde da- nach kann er vermel- den, dass nun alle Brotscheiben einge- tütet seien.

Womit seine Pausen- brote  belegt waren, könne er gar nicht mehr erinnern, sagt Buschkowsky. “Ich weiß aber noch, dass ein Klassenkamerad immer bessere Stullen dabei hatte.” Das habe man dann, weil die Geschmäcker eben schon damals unterschiedlich waren, durch Tauschaktionen  behoben. “Tauschen”, grübelt Bernd Szczepanski, “nee, das gab’s bei uns nicht.” Leberwurst habe er gerne auf seiner Schulstulle gehabt; inzwischen sind die Vorlieben andere. “Gutes Brot mit Butter und Kohl- rabischeiben, das schmeckt köstlich”, schwärmt er. Auf gutes Brot, ergänzt er, sei bei ihnen zuhause schon Wert gelegt worden, als er ein Kind war: “Damals nannte man bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllndas aber noch nicht  Vollkornbrot.”  Auch am Packtisch der Neuköllner Grünen in der Terra-Halle, an dem sich einige Bio Com- pany-Mitarbeiter eingereiht haben, ist der Sozialstadtrat dem guten Brot ganz nah. Seine Position ist am Ende des Tisches, wo die Biobrotschnitte als letzte Kompo- nente in die Box gelegt und diese ver- bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, meinrad schmitt (gf terra naturkosthandel), manuela saager (deutsche bank)schlossen und in Kartons ver- packt wird.

Aus den Hallenlautsprechern schallt eine weitere Er- folgsmeldung: Die vor 11 Jahren ins Leben gerufene Bio-Brotboxen-Aktion wurde von der Standortinitiative “Deutschland – Land der Ideen” gemeinsam mit der Deutschen Bank zum herausragenden Projekt ernannt. An die 2.000 Bewerber für die Auszeichnung “Aus- gewählter Ort 2012″ habe es gegeben, berichtet Manu- ela Saager, als sie den Pokal des Kreditinstituts an den Terra-Geschäftsführer Meinrad Schmitt überreicht. Die bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, marion krachtBio-Brotboxen-Aktion ha- be ob ihres nachhaltigen Grund- gedankens und der Idee, den Umgang mit gesunder Ernährung schon früh zu schulen, ge- wonnen.

Genau das war es auch, was die Schauspielerin Marion Kracht davon überzeugte, sich als Botschaf- terin für das Projekt zu engagieren. Das tut die Mutter zweier Söhne inzwischen seit vielen Jahren und mit ungebremstem Elan. “Früher habe sie Sauerteig- brot mit Teewurst geliebt”, sagt sie, “aber jetzt bin ich schon seit 22 Jahren Vegetarierin und lege mir lieber Tomaten aufs Vollkornbrot.” Und selbstverständlich achte sie auch bei ihren Kindern auf eine gesunde Ernährung, das sei das A und O für eine gute Entwicklung.

Je später es wird, desto mehr schmerzen die Rücken der Helfer und leeren sich die Packtische. An einem fehlen Gutscheinkarten für einen Liter Biomilch, an anderen Müslibeutel oder Brotaufstrich-Portionsdosen. “Das ist jedes Jahr so”, wissen die, die schon oft dabei waren. “Auch das mit dem Ziepen im Rücken, aber Spaß macht es bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, luna-cateringtrotzdem.” Im Vorraum der Halle hat der Vollwert-Caterer Luna seinen Eintopf-Stand aufgebaut und kredenzt Deftiges mit und ohne Fleischeinlage. Nur wenige Schritte entfernt bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, ups-lkwswerden vier UPS- Hänger mit Bio- Brotboxen bela- den.

In Neukölln waren es 2.654 Mädchen und Jungen, die heute Morgen zum ersten Schultag eine solche gelbe Box überreicht bekommen haben, zusammen mit einem Zahnputzbeutel. An der Schule am Fliederbusch in Rudow übernahmen das Schulstadträtin Franziska Giffey und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke. “Viele Kinder”, meint der, “ahnen ja gar nicht, welche leckeren Frühstücks-Alternativen es zu Toastbrot mit Nutella gibt.” Heute haben sie schon einige kennen gelernt.

=ensa=

Ein Herz fürs Neuköllner Rathaus

ein herz reist durch berlin, rathaus neukölln, gerhard hoffmannEs wäre zwecklos, die Situation beschönigen zu wollen. Falko Liecke sieht auf das große rote Herz neben dem Eingang zum BVV-Saal: Liebe? Nein, viel Liebe gebe es nicht bei den Versammlungen der Neuköllner Bezirks-ein herz reist durch berlin, rathaus neukölln, falko liecke, luci van org, roman shamovgerhard hoverordneten. “Da sind eher Streit und Aus- einandersetzungen auf der Tagesordnung”, hält der Stadtrat für Jugend und Gesund- heit realistisch fest. Von Hass spricht Liecke nicht. Das wäre wohl auch der falsche Begriff für Antipathien, die auf unterschiedlichen Parteibüchern, kontroversen politischen Anliegen oder dem Streben nach Sieg statt Niederlage basieren.

“Es gibt Liebe, warum hasst du?”  steht in weißer Schrift auf dem schwarzen Sockel, der das knallrote Herz aus Kunstharz trägt. Der Berliner Künstler Gerhard Hoffmann hat es geschaffen, um zum Nachdenken über die Liebe und das, was Hass an- ein herz reist durch berlin, rathaus neukölln, luci van org, roman shamovrichtet, zu bewegen. Die Plastik versuche, sagt Falko Liecke, einen Kontext zwischen der Liebe unter ver- schiedenen Kulturen und der unter Menschen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts her- ein herz reist durch berlin, rathaus neukölln, yaron shamir, luci van org, roman shamovzustellen. Sie wer- be für Toleranz und gegenseitiges Verständnis.

Imposant unter- strichen wurde das Motiv des Künstlers bei der Vernissage: Luci van Org, die 1994 als Lucilectric mit dem Song “Mädchen” die Singlecharts stürmte, und Roman Shamov  machten das Rathaus zum Konzertsaal und hoben dessen akustische Qualitäten hervor. Eine bedrückende Soundcollage diente dem israelischen Tänzer Yaron Shamir als Kulisse für seine Performance, die die gesamte Bandbreite der Gefühle zwischen Liebe und Hass, zwischen Antisemitismus und Lebensfreude ein herz reist durch berlin, rathaus neukölln, yaron shamir, luci van org, gerhard hoffmann, roman shamovwiderspiegelte.

Im November 2010 begann Gerhard Hoff- manns Herz-Installation seine Reise durch Berlin. “Die Station hier im Neuköllner Rathaus ist die 19., Start war im Rathaus Schöneberg”, berichtet der 66-jährige Künstler, der zu einer der Kultfiguren der Berliner Lesben- und Schwulenszene wur- de, seit er 1977 das Café “Anderes Ufer” eröffnete. Zu sehen ist das Herz  bis zum 31. August werktags während der Rat- haus-Öffnungszeiten. Anschließend, sagt Hoffmann, werde es zum Amtsgericht Tiergarten weiterreisen: “Und im November kehrt es wieder ins Rathaus Schöneberg zurück.”

=ensa=

Kochen in anderen Dimensionen

Ginge es nach den beiden Kindern von Falko Liecke, dürfte dessen Repertoire am Herd ruhig etwas weniger umfangreich sein. “Fragt man die, was sie essen wollen, hört man immer nur: Nudeln”, sagt er. Neuköllns Stadtrat für Jugend und Gesundheit mag es – ebenso wie seine Frau – kulinarisch dann doch erheblich variantenreicher; sonst wäre ihm der Spaß am Bekochen der Familie wohl auch längst vergangen. “Wobei man sagen muss”, verrät Liecke, “dass ich das nicht in der Woche abends mache. Da gibt’s bei uns Stulle mit Brot, weil alle schon tagsüber eine warme sabine amelungsen, falko liecke, mieter kochen für mieter, gemeinschaftshaus morus 14, neuköllnMahlzeit hatten.” Er sei ein  “typischer Wochenendkoch”.

Gestern warf der Bezirksstadtrat die- se Tradition zugunsten einer anderen über den Haufen: Unterstützt von seiner Mitarbeiterin Sabine Amelung- sen wirbelte Falko Liecke in der kleinen Küche des Gemeinschafts- hauses Morus 14, um den Gästen der wöchentlichen Aktion Der Rollberg tafelt – Mieter kochen für Mieter Schmackhaftes aufzutischen. Nach Geschnetzeltem, das er im Vorjahr zubereitet hatte, und einem vorherigen Ausflug in die asiatische Küche stand diesmal Bodenständiges auf der Menükarte des Kommunalpolitikers. Gurkensalat als Vorspeise, Blaubeerquark als Dessert und Hackbraten mit grünen Bohnen und Salzkartoffeln als Hauptgang. Dass immer am ersten Mittwoch des Monats auch mit Schweinefleisch gekocht werden darf, kam ihm sehr gelegen, gibt er zu: “Falscher Hase, also Hackbraten, gehört zu meinen Lieblingsgerichten.”

Gewöhnungsbedürftig seien allerdings die Mengenverhältnisse. Hier galt es 50 statt vier Portionen zu kochen. “Dass die Leute vom Morus 14 Erfahrungen mit solchen falko liecke, der rollberg tafelt - mieter kochen für mieter, gemeinschaftshaus morus 14, neuköllnDimensionen haben und auch wissen, wie lange es dauert bis das Wasser in den riesigen Töpfen kocht, ist schon sehr hilfreich”, findet Liecke. Acht Kilo- gramm Hackfleisch, berechneten sie, würde er benötigen; für den Nachtisch wurden 10 Pfund Quark und 5 Pfund frische Blaubeeren verarbeitet. Um den Einkauf musste sich der temporäre Küchenchef nicht kümmern, ebenso wenig ums Schälen der Kar- toffeln: “Aber auch ohne die Vorarbeiten bin ich hier schon seit kurz nach 9 beschäftigt. Da ist also ein halber Arbeitstag weg.” Momentan ließe sich das allerdings ganz gut einrichten, weil während der Sommerferien die Uhren anders ticken. Außerdem mache ihm dieser Einsatz für einen guten Zweck ja auch Spaß. Das sieht Sabine Amelungsen genauso. Deshalb habe sie sofort zugesagt, als Liecke fragte, ob sie mitmachen  wolle – wohlwissend, dass ein gut  eingespieltes Team beim gemeinsa-

mieter kochen für mieter, gemeinschaftshaus morus 14, neukölln mieter kochen für mieter, gemeinschaftshaus morus 14, neukölln

men Werkeln in der kleinen Küche klar im Vorteil ist. “Mit dem Ergebnis bin ich wirklich zufrieden. Das ist alles richtig lecker geworden”, findet die Vorzimmer-Chefin, mieter kochen für mieter, gemeinschaftshaus morus 14, neuköllnals auch sie das Vergnügen nach der Arbeit hinter sich hat und die meisten Gäste den Speisesaal bereits wieder ebenso zufrieden wie satt verlassen haben.

Für viele Menschen aus dem Rollbergkiez ist es längst zur lieb gewonnenen Gewohnheit geworden, jeden Mittwoch im Gemeinschaftshaus zu tafeln. Auch Falko Liecke will wieder- kommen, um sie zu bekochen. “Einmal im Jahr”, sagt er, “versuche ich das einzurichten.” Nächsten Mittwoch ist aber erstmal ein Morus 14-Vereinsmitglied dran.

=ensa=

“Im eigenen Zuhause leben Frauen am gefährlichsten”

Zwei auf einen Schlag – mit diesem Slogan begannen die in der letzten Mai-Woche verschickten Presse-Informationen, die die Doppelveranstaltung am 7. Juni vor dem bzw. im 5. infobörse für frauen in neukölln, rathaus neuköllnRathaus Neukölln ankündigten. Sylvia Edler, die Gleichstellungsbeauftragte des Be- zirks, hatte damit zur  5. Infobörse für Frauen auf dem Rathausvorplatz eingeladen, Jugend- stadtrat Falko Liecke zum Projekttag des Lokalen Aktionsplans Nord-Neukölln  im BVV- Saal. Doch dann kam die Nacht vom 3. auf den 4. Juni, in der im Nachbarbezirk Kreuzberg eine 30-Jährige zum Opfer bestialischster häuslicher Gewalt wurde. Das Wort  “Schlag” 5. infobörse für frauen in neukölln, rathaus neukölln, anti-gewalt-flaggetrifft – mitten ins Zentrum des Deplatzierten. Ließe es sich doch klammheimlich durch “Streich” oder etwas ähnlich Unbelastetes ersetzen.

Um die 40 frauenpolitische Projekte, Vereine und Institutionen gehören dem Netzwerk Frauen in Neu- kölln an, das von Sylvia Edler initiiert wurde, jährlich die Infobörse veranstaltet und sich dafür einsetzt, “die  Chancengleichheit für Mädchen und Frauen  Realität werden zu lassen”. Wohlwissend, dass es in diesem Bereich “noch viel Handlungsbedarf” gibt. Doch Themen wie Bildung, berufliche Orientierung und Qualifizierung rückten bei diesem Aktionstag aus aktuellem Anlass in den Hintergrund.

“Wir sind schockiert”, sagt Sylvia Edler. Ihre Stimme kippt immer wieder, als sie über 5. infobörse für frauen in neukölln, rathaus neukölln, gleichstellungsbeauftragte sylvia edler, stadtrat falko lieckedas grausame Verbrechen an Sema- nur S. spricht. “Gewalt ist nicht hin- nehmbar und sie ist unabhängig von Einkommen, Bildung, Alter und Reli- gion.” Frauen, berichtet die Neuköll- ner Gleichstellungsbeauftragte, wür- den  im eigenen Zuhause am gefähr- lichsten leben. Jede vierte Frau in Deutschland sei dort bereits Opfer seelischer oder körperlicher Gewalt gewesen, 80 Prozent der Taten wür- den von Männern verübt werden. Vor der Rathaustreppe haben sich einige Mitglieder des “Männer gegen Gewalt”-Projekts versammelt, das von der türkischen Väter- initiative männer gegen gewalt, aufbruch neukölln e.v., kazim erdogan, 5. frauen-infobörse neuköllngruppe des Aufbruch Neukölln e. V. angestoßen wurde. Sylvia Edler begrüßt den Initiator Kazim Er- dogan, betont die Wichtigkeit des Anliegens und des Signals, das durch das Projekt von der Community ausgehe. “Die Kapazitäten der Frauenhäuser sind immer ausgelastet, trotz des Gewaltschutzgesetzes, das viele Möglichkeiten geschaffen hat”, so die Gleich-stellungsbeauftragte. Die adäquateste Maßnahme sei der Platzverweis, der auf der Grundlage  “Wer schlägt, der geht”  fußt.

16.108 Fälle häuslicher Gewalt weise die Kriminalstatistik 2011 für Berlin aus. “Das sind  über 40 Einsätze pro Tag!”, mahnt Edler. Um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen, habe sie heute extra die Terre des Femmes-Fahne hissen lassen, schweigeminute für semanur s., 5. frauen-infobörse neukölln, rathausturm neuköllndie  sonst eigentlich nur am 25. November  über dem Rathaus-Vorplatz flattert. Um zehn nach 12 bittet Sylvia Edler um ein weiteres Zeichen: eine Schweigeminute für die getötete Kreuzbergerin.

“Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt in der Ber- liner Kriminalstatistik steigt eher, als dass sie sinkt”, sagt später ein Polizist vom Info-Stand der Polizei. Daraus dürfe man aber nicht schließen, dass die Gewalt zugenommen hat. Vielmehr sei es so, dass die massive Auf- klärungsarbeit über das Gewaltschutzgesetz Früchte trage und Vorkommnisse häuslicher Gewalt häufiger gemeldet würden.

=ensa=

Mit T-Shirts und Telefonen gegen Gewalt und Ratlosigkeit

gruppenbild männer gegen gewalt, aufbruch neukölln e.v.Wenn Dutzende Männer stolz ihre neuen T-Shirts mit dem Statement “Männer gegen Gewalt” auf der Brust präsentieren wollen, wird es selbst im Neuköllner Leuchtturm zu eng. Also legten sie gestern kurzerhand für einen Moment die Emser Straße lahm. Das brachte zwar einem BVG- Bus der Linie 277 sowie einigen Autofahrer eine unerwünschte Zwangspause ein, sorgte aber andererseits auch für das erwünschte Maß an Aufmerksamkeit.

pk projektvorstellung aufbruch neukölln e.v., neuköllner leuchtturm, falko liecke, elfriede buben, farhad dilmaghani,kazim erdogan

v. l.: Falko Liecke (Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit), Elfriede Buben (Philip Morris GmbH), Farhad Dilmaghani (Staatssekretär des Berliner Senats), Kazim Erdogan (Aufbruch Neukölln e. V.)

“Männer gegen Gewalt” ist eines der neuen Projekte, die die Vätergruppe des Aufbruch Neu- kölln e. V.  gestern bei einer Pressekonferenz vorstellte. Viel zu viel sei in den letzten Jahren im Rahmen von Integrationsprojekten für Mütter/ Frauen und Kinder getan worden, kritisiert Kazim Erdogan: “Aber dadurch sind die  Männer entschieden zu kurz gekommen.” In diesem Bereich müsse endlich gehandelt werden. Erdogan ist einer, der handelt, und auch die Männer seiner vor fünf Jahren gegründeten türkischen Vätergruppe strotzen vor Aktivismus. Die Erfahrungen, die sie selber mit Gewalt gemacht haben, sind so unterschiedlich wie ihre Lebenswege. Einig sind sie sich jedoch, dass das Thema dringend aus der Tabuzone geholt werden muss. Helfen sollen dabei 2.000 T-Shirts, die in deutscher und türkischer Sprache Stellung beziehen. Dass die das Problem der Gewalt – selbst bei noch so starker öffentlicher Präsenz – nicht lösen, ist allen Beteiligten klar. “Sie sollen auch nur die Menschen für das Thema sensibilisieren und auf Straßen, in Schulen und Kitas Türöffner für Ge- spräche über Gewalt  sein”, sagt Kazim Erdogan und kündigt an, dass das Projekt mit weiteren Modulen fortgeführt wird. Wichtig sei, so Farhad Dilmaghanis Ein- schätzung, dass das Signal direkt von einer Community ausgehe, der das Stereotyp anonyme telefonberatung für männer, aufbruch neukölln e.v., elfriede buben, farhad dilmaghani, kamil duysakder Machokultur anhafte.

Mit dem anderen neuen Männer-Pro- jekt geht der Aufbruch Neukölln e. V. noch einen Schritt weiter. “Das weicht das Klischee vollends auf”, findet der Staatssekretär des Ressorts Arbeit, Frauen und Integration. Ab sofort bie- tet der Verein eine Telefonhotline an, die  Männer in Krisensituationen  rund um die Uhr  erreichen können, um angstfrei und anonym in deut- scher oder türkischer Sprache über ihre Probleme zu reden. Diejenigen, die ihnen zuhören und mit Rat oder auch Tat hilfreich unter die Arme greifen, sind Mitglieder der Vätergruppe. Zu sechst realisieren sie den Service, jeder von ihnen ist täglich vier Stunden lang stand-by. “Das Beruhigen des Anrufers und das Verhindern von Affekttaten steht bei der Beratung im Vordergrund”, erklärt Kazim Erdogan. Bei entsprechendem Bedarf sollen den Ratsuchenden Brücken zu Kriseneinrichtungen team anonyme telefonberatung für männer, aufbruch neukölln e.v.und Beratungsstellen gebaut werden, die sie ohne diese Erste-Hilfe-Maß- nahme nicht kontaktiert hätten.

Kamil Duysak (r.) ist einer dieser Brü- ckenbauer. Er hat sich eine der beiden Nachtschichten ausgesucht. Das mit dem Alltag zu vereinbaren, sei kein Problem, sagt Duysak, zumal seine Familie hinter seinem ehren- amtlichen Engagement stehe und ihn dabei unterstütze. “Sonst”, vermutet er, “ginge das auch gar nicht.” Von anderer Seite werden die Aktivitäten des Vereins ebenfalls unterstützt. Dem Aufbruch Neukölln e. V. gelang es, die Firma Philip Morris zu gewinnen. “Wir haben in Neukölln ein Werk mit 1.400 Mitarbeitern und fördern solche niedrigschwelligen Projekte an unseren Standorten gerne.” Bisher, so Unternehmenssprecherin Elfriede Buben, seien es ausschließlich Frauenprojekte gewesen. Trotzdem habe keine große Überzeugungs- arbeit geleistet werden müssen, da schließlich auch Frauen von der Förderung der Männerprojekte profitieren würden.

Ein weiterer Nutznießer der auf Männer ausgerichteten Angebote des Vereins um Kazim Erdogan ist zweifellos das Neuköllner Bezirksamt. “Unsere Angebote sind leider nicht immer passgenau”, räumt Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke ein. Dazu komme, dass vielen Menschen mit Migrationshintergrund das Vertrauen in bezirkliche Einrichtungen fehle: “Deshalb sind wir sehr dankbar für Projekte, die Tabuthemen aufgreifen und beim Überwinden von Hürden helfen.” Ob und wie der Bezirk das Engagement der türkischen Männergruppe unterstützen will, die durchaus deutliche Parallelen zu den Stadtteilmüttern aufweist, ließ Liecke offen. Darüber, sagte er, könne man sprechen.

=ensa=

Vom Schlag getroffen

Die ärztliche Versorgung war perfekt gestern Nachmittag im Köln-Zimmer des Neuköllner Rathauses. “In diesem Raum kann Ihnen heute nichts passieren”, versicherte Gesundheitsstadtrat Falko Liecke. Ein Chefarzt und zwei Oberärzte des Vivantes Klinikums Neukölln saßen sechs Frauen und einem Mann gegenüber, die stroke unit vivantes klinikum neukölln, tag des schlaganfalls, bezirksinitiative gesundes neuköllnsich über das Thema Schlaganfall informieren wollten.

“Ein Ziel haben wir ja schon erreicht”, stellt Prof. Dr. med. Darius G. Nabavi schmunzelnd fest. “Es sind mehr Gäste als Dozenten hier.” Unumwun- den gibt der Oberarzt des Schlag- anfall-Zentrums (Stroke Unit) im Neu- köllner Vivantes Klinikum zu, dass es gerne noch mehr hätten sein dürfen, weil wirklich jeder von einer Sekunde auf die andere mit dem Thema Schlaganfall konfrontiert werden könne – sei es als Patient, als Familienangehöriger oder als zufälliger Augenzeuge. “Jährlich werden bundesweit etwa 250.000 neue Schlaganfälle diagnostiziert”, sagt Nabavi. Und bei denen gehe es vor allem um eines: um  schnelles Erkennen und Handeln. Denn pro Minute gehen ohne therapeutische Maßnahmen 2 Millionen Nervenzellen zugrunde.

Um Panikmache geht es dem Mediziner wahrlich nicht: “Nicht jedes Schwindelgefühl ist ein Schlaganfall, also auf eine Minderversorgung des Gehirns zurückzuführen!” Plötzlich  auftretende  Ausfälle von Kraft, Gefühl, Sehen, Sprache und Gleichge- wicht  seien hingegen dringende Verdachtsmomente. “Selbst wenn die nur Minuten oder Sekunden dauern”, ermahnt Nabavi, “sofort die 112 wählen! Denn solchen Warnschlägen folgen meist schwere Schlaganfälle.” Die Sepp Herberger-Weisheit “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” lasse sich somit 1:1 auf den Schlaganfall über- tragen.

Auch Nabavis Mitarbeiter Dr. med. Olaf Crome, Facharzt für Neurologie, untermauert den Hinweis seines Chefs, unbedingt die Notrufnummer zu kontaktieren: “Nur über die wird die Schlaganfall-Rettungskette in Gang gesetzt und der Patient umgehend in eine Stroke Unit eingeliefert.” Von denen gebe es 14 in Berlin, die im Vivantes Klinikum Neukölln sei eine der bundesweit größten. 36 Betten stünden dort für Schlaganfall-Patienten bereit, um die sich ein rund 40-köpfiges Team aus Ärzten und Pflegekräften kümmert, das eng vernetzt  alle Bereiche von Diagnostik über Akut- therapie bis zur Sekundär-Prophylaxe  abdeckt. “Damit”, so Crome, “bieten wir bestmögliche Bedingungen, dass alles gut ausgehen kann.” Bedenklich sei allerdings, ergänzt Darius G. Nabavi, dass nur etwa 30 Prozent aller Schlaganfall-Patienten innerhalb von drei Stunden nach dem Auftreten der Symptome kämen. Trotz vermehrter Aufklärung hänge der Faktor in Deutschland seit Jahren in diesem Wert- bereich fest.

Doch wie lässt sich die Gefahr, einen oder einen weiteren Schlaganfall zu erleiden, reduzieren? Vor allem darüber referierte Dr. med. Boris Dimitrijeski, der als Funk- tionsoberarzt in der Stroke Unit Neukölln tagtäglich das alte Herberger-Bonmot zu durchbrechen versucht. Wohlwis- send, dass statistisch ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten innerhalb von fünf Jahren den nächsten hat. Ge- schuldet sei das insbesondere der Tatsache, dass nicht jeder Genesene den Warnschuss als solchen ver- stehen will und ihn als Auftakt zu einem gesünderen Lebensabschnitt nimmt. “Natürlich”, sagt Dimitrijeski, “gibt es unveränderbare Risikofak- toren wie Geschlecht, Alter oder eine genetische Disposition.” Aber es gebe eben auch die Kriterien, die jeder selber beeinflussen kann. Man müsse einfach auf optimale Blutdruck- und Blutfettwerte sowie eine gesunde Ernährung achten, Übergewicht verhindern, den Alkoholkonsum einschränken, aufs Rauchen verzichten und sich ausreichend Bewegung verordnen. “Die Motivation des Patienten ist bei der Schlaganfall-Reha de facto das A und O”, weiß der Mediziner. Das gelte auch für alle, die das Risiko eines Infarkts des Gehirns von vornherein minimieren möchten.

In Neukölln scheint das Bedürfnis, auf diese lebensbeeinträchtigende oder gar -bedrohende Erfahrung verzichten zu wollen, nicht wirklich stark ausgeprägt. “Wir stellen hier  erschreckend viele jüngere Schlaganfall-Patienten und eine deutlich höhere Schlaganfall-Häufigkeit fest”, konstatiert Chefarzt Darius G. Nabavi. Derzeit werde eine vom Vivantes Klinikum und der Berliner Charité erstellte Studie ausgewertet, die die Interaktion zwischen Migrationshintergrund und Schlaganfall-Frequenz untersucht hat. Mit dieser Neuköllner Schlaganfall-Studie (NESS) habe man totales Neuland betreten, da es bisher in Deutschland keinerlei spezifisches Datenmaterial gab. Längst erforscht war indes das höhere Schlaganfall-Risiko bei Lateinamerikanern und Afrikanern.

=ensa=

In Britz geht’s rund – auch um’s Ei

Die Britzer Bäume halten sich noch ziemlich zurück, was das Grünen und Blühen betrifft. Unter ihnen liefen hingegen noch bis heute Mittag die Vorbereitungen für die 58. Britzer 58. britzer baumblüte, neukölln, fahrgeschäft take offBaumblüte auf Hochtou- ren. “Was hier passiert, ist eine logis- tische Meisterleistung, die nur durch die unkomplizierte Art der Schau- steller klappt”, sagt Thilo-Harry Wol- lenschlaeger, der zusammen mit dem Bürgerverein Berlin-Britz Veran- stalter des traditionsreichen Rum- mels ist. Die komplette Infrastruktur mit Buden, Karussells, LKWs, Tech- nik und Wohnmobilen habe bis Sonntagnacht noch beim Volksfest in Spandau gastiert. Nun ist sie für 2 1/2 Wochen in die direkte Nachbarschaft des Gutsparks Britz gezogen.

58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-osterhase, paulys action teamHeute um 18 Uhr wird Falko Liecke, Neuköllns Stadtrat für Jugend und Gesundheit und zugleich stellvertretender Bezirksbürgermeister, auf der Bühne an der Löwenhütte den Rummel mit dem Fassbieranstich feierlich eröffnen. Schon vier Stunden vorher begann auf dem Festplatz hinter dem größten Osterhasen der Welt das Vergnügen für die Besucher. Rund 40 Schausteller erwarten sie mit rasanten bis gemächlichen Fahrgeschäften, Los-, Wurf- und Schießbuden sowie süßen und deftigen Jahr- markt-Leckereien. Mittwochs gibt’s den Spaß wegen des Familientags sogar zu reduzierten Preisen, täglich und zum Nulltarif wird dem Publikum dagegen bis zum 22. April ein buntes 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerbBühnenprogramm geboten.

Bunt sind auch die Beiträge, mit denen sich sieben Neuköllner Schulen am Volksfest beteiligen. “Anfangs”, erzählt Thilo-Harry Wollenschlaeger, “haben wir die Riesenostereier von Künstlern gestalten lassen. Seit drei 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerb, 1. gemeinschaftsschule neuköllnJahren machen das Schul- kinder.” Besonderer Anreiz sei, dass sie mit ihren österlichen Kunstwerken et- was gewinnen können, er- klärt Pauly, der mal als Clown und diesmal als Osterhase für Wollenschlaeger tätig ist und die Riesenostereier-Aktion betreut: “Die Besucher sind die Jury und stimmen ab, welches Ei das 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerb, sonnen-grundschule klasse 4b, memory-ostereischönste ist und den Wett- bewerb gewinnt.”

Etwas sehr Originelles haben sich die Kinder der 4b der Sonnen-Grundschule für ihr Ei einfallen lassen. Dessen Besonderheit erschließt sich jedoch erst bei genauem Hinsehen. “Unser Ei ist ein Memory-Ei”, lüftet Klassen- 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerb, schule am zwickauer dammlehrerin Ulrike Winkler das Geheimnis. Jeder der Ha- sen, die erst von den Schü- lern per Bleistift mit Schab- lonen aufgetragen und dann ausgemalt wurden, habe ein identisches Gegenstück  auf dem grasgrünen Ei. Anschließend wurde es mit Lack wetterfest gemacht.

Drei weitere noch weiße Rieseneier, kündigt Pauly an, können von den Besuchern der Britzer Baumblüte bemalt werden. Die würden aber nicht am Wettbewerb teil- nehmen. Hätte einer der Maler den Einfall, Star Wars-Motive auf das Ei zu pinseln … “Das wär’s”, schwärmt Pauly. Und auch Thilo-Harry Wollenschlaeger dürfte daran Gefallen finden, weist ein solches Science Fiction-Ei doch in die Zukunft. Ein 58. britzer baumblüte, neuköllnbeliebter Rummel sei schließlich einer, der sich mit einem Miteinander von Tradition und Fort- schritt präsentiert: “Deshalb bin ich immer sehr offen für neue Ideen.” Eine, die bereits umgesetzt wurde und wird, ist die Castingshow “Britz sucht das Super- talent”. Man könne zu solchen Formaten ja stehen, wie man will, aber bei Publikum und Kandidaten kämen sie gut an, und das sei es letztlich, was zählt.

Was beim auf dem etwa 20.000 Quadratmeter großen Areal der Britzer Baumblüte ebenfalls immer gut ankommt, ist schönes Wetter. “Das ist das Wichtigste bei allen Volksfesten”, weiß der erfahrene Schausteller Wollenschlaeger. “Wenn es mitspielt, können wir uns hier der 200.000 Besucher-Marke nähern.” Dem von wirtschaftlich harten Zeiten gebeutelten fahrenden Volk wäre das sehr recht.

Die 58. Britzer Baumblüte auf dem Festplatz Parchimer Allee ist  täglich von 14 bis 22 Uhr (sonn- und feiertags bereits ab 12 Uhr) geöffnet; Eintritt frei.

=ensa=

Große Investitionen für eine große Bildungsoffensive

eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, heinz buschkowsky, falko liecke, bernd müller, franziska giffey, wolf schulgenNun hat auch Neukölln eine Jugend- kunstschule: die Young Arts NK. Vor- gestern wurde sie eröffnet. Aber nicht nur sie, denn zusammen mit ihr wurde die Werkstatt Kinder Eltern Bildung ins Leben gerufen, und die gibt das inhaltliche Dach, das wie- derum dazu führt, dass eine goldene Schleife um das Projektpaket ge- schlungen werden kann. Es sei alles in allem “ein gesellschaftlicher Auf- eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllntrag, der sich in die Zukunft richtet”, betonte Be- zirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bei der Er- öffnungszeremonie. Es zeige Prioritäten für den weiteren Weg des Bezirks auf und verbinde sie in beispielhafter Art ressortübergreifend, ergänzte Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtent- wicklung, die das  bildungsorientierte Modellvor- haben  bis 2014 mit über 1,3 Millionen Euro aus dem Aktionsräume plus-Programm finanziert. “Ein Erfolg ist es aber erst”, so Schulgen, “wenn sich feststellen lässt, dass die Neuköllner das Projekt annehmen.”

eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, bernd müller, franziska giffey, falko liecke

v. l.: Bernd Müller (Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur im BA Neukölln), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport) und Falko Liecke (Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit)

Wie das geschehen soll, erläuterten Franziska Giffey, Falko Liecke und Bernd Müller im Vorfeld der Eröffnung vor Pres- severtretern. Grundlage sei, wie Liecke es formulierte, eine “konzertierte Aktion” zwischen seiner und Giffeys Abteilung. Vereinfacht ausgedrückt stellt die Werk- statt Kinder Eltern Bildung (Homepage ist noch nicht freigeschaltet) eine inter- disziplinäre Vernetzung zwischen fünf Modulen bezirklicher Bildungs- und Kultureinrichtungen dar:  Die Neuköllner Stadtbibliothek bringt ihr Lesemobil ein, der Jugendhilfe-Träger Kleiner Fratz sein Interkulturelles Begegnungszentrum Haus der Familie, die Musikschule Paul Hineröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, lesemobil stadtbibliothek neuköllndemith ihr musikpädagogisches Angebot namens Musik-Spra- che-Bewegung, die Volkshochschule die Erziehungs- hilfe-Offerte Elternkompass und das Kulturnetzwerk Neukölln die neu gegründete Jugenderöffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnkunstschule Young Arts NK. Durch die enge Kooperation der Institutionen habe man nun die Möglichkeit bei der Begleitung von Familien früh anzusetzen und die Offenheit innerhalb der Familien  auf eine gesundheitliche wie auch kul- turelle Bildung zu lenken, prognostiziert Liecke.

Indes skizzierte Bernd Müller den Idealfall: Eltern, die über Kitas oder Schulen mit dem im Neuköllner Ortsteil Britz angesiedelten Haus der Familie in Berührung kommen, lernen dort auch die anderen Projektmodule kennen, nehmen selber am Elternkompass teil und schicken Kind A in die Musikschule, besuchen mit Kind B das Lesemobil und begeistern Kind C für die Jugendkunstschule Neukölln. Das Einbeziehen der Eltern und die Verbesserung ihrer Kompetenzen, betonte auch Franziska Giffey, sei ein äußerst wichtiges Anliegen des Projekts: “Das Ziel ist, dass Eltern den Spaß ihrer Kinder an Bildung unterstützen.” Vielleicht ließe sich durch die Erfahrungen mit den innovativen außerschulischen Lernangeboten sogar das Neukölln vorherrschende Ausmaß an eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnSchuldistanz eindämmen.

“Schon als ich vor 10 Jahren nach Neukölln kam, dachte ich, dass es toll wäre, wenn Neukölln eine Jugendkunstschule hätte”, erzählte Giffey. Jetzt ist sie da und setzt mit Workshops und Seminaren für kreative oder künstlerisch ambitionierte Grund- schüler und Jugendliche auf das Angebot des benachbarten KinderKünsteZentrums auf. Die Trä- gerschaft der Young Arts NK hat das Bezirksamt dem Kulturnetzwerk Neukölln, vielen vor al- lem als Ausrichter des Kunst- und Kulturfes-tivals 48 Stunden Neukölln bekannt, übertragen.

Bereits im letzten Jahr, berichtete Geschäftsführerin Ilka Normann, hätten erste Projekte mit Jugendlichen im neuen, 380 Quadratmeter großen Young Arts NK- Standort stattgefunden – nach umfangreichen Renovie-rungsarbeiten, die das düstere einstige Fernmeldeamt in der Donaustraße dringend nötig hatte. Denn obwohl Neuköllns neuestes Leuchtturmprojekt im Kultur- und Bildungsbereich gerne  in einem Atemzug mit der Alten Post genannt wird: In eben dem Gebäude, das Neuköllner als “Alte Post” bezeichnen, ist es nicht untergebracht. “Wir hoffen aber”, sagte Franziska Giffey auf Nachfrage, “dass bald ein potenter Nutzer kommt und dann auch ein Zugang durch die Alte Post zur Jugendkunstschule möglich wird.” Vielleicht erfüllt sich diese Hoffnung ja 2013 zum 10-jährigen Leerstandsjubiläum.

=ensa=

13. Neuköllner Rathausrallye gestartet

So niedrig wie gestern ist das Durchschnittsalter derer, die in den unbequemen Bänken des BVV-Saals im Neu- köllner Rathaus Platz nehmen, selten. Und auch die Frage, um was für einen Raum es sich hier denn bitteschön handelt, muss normalerweise nicht erst geklärt werden. “Ein Gerichtssaal”, ruft ein Mädchen. Falko eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, bvv-saal, falko liecke, achim terborgLiecke, Neuköllns Stadtrat für Jugend und Gesundheit, der am Rednerpult steht und gerade die 13. Neuköllner Rathausrallye eröffnet hat, schmunzelt. “Man kann hier was lernen”, vermutet ein Junge. Ja, das könne man durchaus, stimmt Liecke ihm zu, bevor er den Kindern erzählt, was es wirklich mit dem Saal auf sich hat. Der lokalpolitische Crashkurs für die Wähler in spe macht dem 39-Jährigen sicht- lich Spaß. Es ist ein bisschen wie die Kür vor der Pflicht. Schon heute Nachmittag steht für den  Stadtrat ein Termin an, der anstrengender werden dürfte: Im Köln- Zimmer des Rathauses tagt der Jugendhilfeausschuss, und nicht nur die Neuköllner Grünen erwarten, dass Liecke dann endlich wegen der Ende April auslaufenden Verträge zahlreicher Jugendeinrichtung im Bezirk Farbe bekennt.

Entspannter wird der Nachmittag dagegen für Achim Terborg werden, der nach dem Stadtrat ans Rednerpult trat. Er leitet das Büro der Neuköllner Bezirksverord- netenversammlung – noch, muss man sagen, denn Terborgs Ruhestand steht kurz eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, theatergruppe projektwerkstatt gropiusstadtbevor. Die BVV sei für Neukölln so etwas wie der Bundestag für ganz Deutschland, quasi eine Art Mini- parlament, erklärt Terborg den Kin- dern. “Welche Parteien kennt ihr denn?”, will er anschließend wissen. Die CDU wird als erstes genannt, dann die Piraten, danach die FDP. Letztere sind nicht mehr in der Neu- köllner BVV vertreten; wo die Politiker der anderen Parteien ihre Plätze im Saal haben, wissen die Rathausrallye-Premierengäste nun auch. Ebenso, dass der Pressetisch in der hinteren rechten Ecke steht und für Zuschauer zwei Tribünen zur Verfügung stehen. “Wenn ihr keine Fragen mehr habt und lieber beim Breakdance zugucken wollt, dann hör ich jetzt auf zu sabbeln”, kündigt Achim Terborg an und eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, tanzgruppe nw80 rudowübergibt die Kinder an die nächsten Pro- grammpunkte im Foyer: ein Piratenstück der Theatergruppe der Projektwerkstatt Gropiusstadt, eine Jongliernummer mit Miriam vom Kinder- und Elternzentrum Am Tower und Tanzeinlagen mit Kindern vom eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüro, imker wilde rübeJugend-Club NW 80. Dazu gab es eine so lehrreich wie leckere Lektion vom Imker des Abenteuerspiel- platzes Wilde Rübe, der zeigte, wie aus Bienenwaben Honig erzeugt wird. Auf dieses Rahmenprogramm eröffnung 13. rathausrallye neukölln, neuköllner kinderbüromüssen künftige Teilnehmer der Rathausrallye aber verzichten. Das gab es nur zur Eröffnung.

Die vom Neuköllner Kinderbüro organisierten Rat- hausrallyes finden noch bis zum 8. März statt. Sie bieten Kindern ab 10 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen an drei Vormittagen pro Woche die Möglichkeit, in kostenlosen geführten Touren das Rathaus zu erkunden und einen Einblick in die Strukturen der Bezirksverwaltung zu bekommen. Weitere Infos: Tel. 68 08 86 09 / E-Mail: kibue[at]kibue.net

=ensa=

Das Fest vor dem Fest: Weihnachten im Sherwood Forest

Hotte ist auch wieder da. Er legt die Gabel auf dem Tellerrand ab, zählt vom Daumen bis zum kleinen Finger durch. “Das fünfte Mal ist es heute”, sagt er mit Blick frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllnauf seine rechte Hand, die wie die eines Bauarbeiters aussieht: “Die hat Franky geschüttelt.” Am liebsten,  überlegt Hotte, würde er sie nun ein paar Tage lang nicht waschen, denn Franky sei sein absoluter Held. Schon damals, als der den Ururenkel von Frankenstein besang, habe er frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllnihn ge- mocht. Da- mals, als Hot- tes Leben noch im Gleichgewicht war und es normal war, in geschlossenen Räumen zu über- nachten. Der 52-Jährige mit dem fatalen Bruch im Lebenslauf ist einer von gut 2.800 obdachlosen und bedürftigen Menschen bei Frank Zanders alljähr- licher Obdachlosenfeier im Neuköllner Estrel Hotel.

Zander hat am Eingang gestanden und jeden seiner Gäste persönlich begrüßt, die mit fünf BVG- Bussen aus dem gesamten Berliner Stadtgebiet zum Ort des Geschehens chauffiert wurden.  Auch wegen Typen wie Hotte steckt die rechte Hand des Sängers und Entertainers in einem Stützverband. “Wenn man tausenden Leuten die Hand schüttelt, geht das auf die Knochen. Und da sind ja auch ‘n paar richtige Handwerker frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllndabei”, sagt Frank Zander schmunzelnd. Selbst wenn ihm der direkte Kontakt noch so sehr zusetzt, körperlich wie emotional, den lässt er sich nicht nehmen: “Das ist meine Familie! Da gehört’s doch da- zu, dass man sich berührt und dem anderen in die Augen guckt.” Seine sind oft tränenverschleiert an diesem Nachmittag.

Frank Zanders Familie wurde in den letzten Jahren kontinuierlich größer: 1995, als er erstmals zur Weihnachtsfeier einlud, bestand sie aus rund 300 Mit- gliedern. Heute hat sich die Zahl verzehnfacht und damit Dimensionen ange- nommen, die zu Vorkehrungen zwingen, die für Familienfeste eher unüblich sind: Mitfeiern kann nur, wer sich vorher ein kostenloses Einlassbändchen geholt hat. Dass seine Familie zugleich stetig jünger wurde, bedrückt den gebürtigen Neuköllner frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllnbesonders: “Ganz schlimm, dass immer mehr Kinder dabei sind.”

Kinder wie Janina. Die Siebenjährige, die mit ihrer Mutter in einem Mutter-Kind-Heim Zuflucht fand, kann ihr Glück kaum fassen. Es gibt frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllnSü- ßes und Cola, vom von zahlrei- chen Sponso- ren bestückten Geschenketisch durfte sie sich etwas aussuchen und noch bevor das Festessen beginnt, wird sie eine neue Frisur bekommen. “Ich war noch nie in meinem Leben bei einem echten Friseur”, erzählt sie auf- geregt. Sonst schneide ihre Mutter ihr immer die Haare – mit mal gutem und mal weniger gutem Ergebnis. Der heutige Haarschnitt wird gut werden, denn es sind frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllnProfi-Friseure vom bbw Bildungswerk der Wirtschaft, die am Rand des großen Saals ihren improvisierten Salon eröffnet haben und kostenlose Haarschnitte an- bieten. Als Frank Zanders Sohn Marcus frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neukölln, marcus zander, hanno bruhnund Hanno Bruhn auf die Bühne ge- hen, um alle Gäs- te zu begrüßen, die nunmehr 17. Weihnachtsfeier für Obdachlose offiziell eröffnen und den vielen ehrenamtlichen Helfern danken, hat Janina ihre neue Frisur und bedankt sich überschwänglich bei der jungen Frau mit der Weihnachtsmann-Mütze dafür.

Marita braucht keinen neuen Haarschnitt. Sie habe eine Freundin, die Friseuse ge- lernt habe. “Ich bin zum ersten Mal hier”, sagt sie. Ihr Tonfall verrät, dass es ihr unangenehm ist. Die Weihnachtsfeier habe sie bisher immer nur im Fernsehen gesehen: “Dass ich mal selber hier sitzen würde …” Ob das nicht der Fiesling aus GZSZ sei, fragt sie, als Wolfgang Bahro mit zwei Teller mit Gänsebraten, Rotkohl und frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neukölln, falko lieckeKlößen vorbeiläuft. Maritas Tischnachbarin nickt. Frank Henkel (CDU) und die Grünen-Politikerin Renate Künast sorgen für das Gegenteil von Aufmerksamkeit. “Das Glück hat in letzter Zeit ‘nen großen Bogen um mich gemacht. Ist alles richtig scheiße gelaufen”, bringt Marita das Aktuelle ihrer Biografie auf den Punkt. Und nun ist mit Falko Liecke (r.) auch noch einer als pro- minenter Kellner für ihren Tisch zuständig, den sie nicht kennt. Der Neuköllner Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit stellt einen der beiden Teller vor ihr ab und wünscht Marita lächelnd frank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neukölln, heinz buschkowskyeinen guten Appetit und ein schönes Fest. Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky serviert in einer anderen Ecke des Saals vom Estrel Convention Center. Das wäre einer gewesen, den sie kennt. “Aber der junge Mann war auch nett”, ffrank zander, 17. weihnachtsfeier für obdachlose, estrel neuköllnindet sie. Und die Gans sei einfach köstlich.

Rund 2.800 Portio- nen des Festmahls werden die Küche verlassen haben, wenn die Feier am Abend mit dem großen Finale beendet wird und sich Frank Zander wieder von seiner großen Familie verabschiedet.

Dann hat der, der sich gerne als “moderner Robin Hood” bezeichnen lässt, auch endlich Zeit für die eigenen Weihnachtsvorbereitungen. Ganz privat und entspannt wolle er das Fest verbringen. “Was ich aber noch gar nicht weiß, ist, wie ich die Kerzen an unseren Baum kriegen soll”, gibt Frank Zander zu. Er habe einen Topfbaum gekauft und der nadele jetzt schon wie doll, ohne dass man ihn anfasst.

=ensa=

Der Countdown für eine weitere Neuköllner Postfiliale läuft

“Die veräppeln uns doch nach Strich und Faden!” Hannelore L. ist wütend, aber so richtig. Seit einiger Zeit hängt ein Plakat an der Eingangstür zur Postfiliale in der Hermannstraße 211. Finanzcenter geschlossen ab 29.12.2011 steht auf dem. Und: Die Postbank bleibt jedoch in Ihrer Nähe! Außerdem informiert es in kleiner Schrift darüber, wo ab Ende Dezember finanzielle Dinge erledigt werden können. Für die inte- ressiert sich die Frau aus dem Rollbergkiez aber nicht, entsprechend wenig kümmerte sie sich bisher um das Plakat.

Briefmarken oder frankierte Postkarten kau- fen, Päckchen aufgeben: Vor allem wegen solcher traditionellen Postdienstleistungen kommt  die Mittsechzigerin zum Eckhaus an der Kreuzung Hermann-/Werbellinstraße. Bis eben war Hannelore L. überzeugt, diese hier auch weiterhin zu erhalten. Sie dachte, der Katzentisch mit Sitzgelegenheiten neben den Schaltern würde im Postjargon Finanzcenter genannt und abgeschafft werden, der Rest aber bleibe. Doch dem ist nicht so, hat sie gerade durch Zufall erfahren. “Können die denn nicht aufs Plakat schreiben, dass diese Filiale schließt?”, fragt sich die Neuköllnerin. Dann wisse jeder sofort Bescheid. Die Frage hat sie auch der Frau hinter dem Schalter gestellt. Statt einer befriedigenden Antwort oder gar Zustimmung hieß es nur, dass die Ankündigungen von der Zentrale erstellt würden.

Die grassierende Ausdünnung des Post-Filialnetzes hatte bereits vor knapp zwei Monaten in Neukölln ein Opfer gefordert: Damals schloss zum Ärger der Anwohner die einzige Zweigstelle in der Gropiusstadt im Süden des Bezirks. Weder der medial lancierte Protest der Kunden, noch der von Bezirksstadtrat Falko Liecke (CDU) ha- ben es verhindern können.

“Die Gropiusstädter sind ja jetzt noch ärmer dran”, räumt Hannelore L. ein. Von der Hermannstraße bis zu den Postfilialen in den Neukölln Arcaden oder bei Karstadt am Hermannplatz sei es schließlich nicht wirklich weit. Insofern macht sich die Seniorin keine Hoffnungen auf ein Intervenieren von Bezirkspolitikern. “Die werden sich auch nicht in  den dann noch längeren Warteschlangen die Beine in den Bauch stehen müssen”, glaubt sie. Eine Frechheit sei das, was die Post ihren Kunden zumutet.

=ensa=

Zwangsläufig unüberraschend

“Nee, wa? Dit gloob ick jetzt nich!” Für einen, der die Sitzungen der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) häufig von der Besuchertribüne aus verfolgt, begann die gestrige konstituierende Sit- zung mit einer  echten Überraschung. Und das noch bevor die Zuschauerränge unter der düsteren Holzdecke des BVV- Saals bis auf den letzten Platz besetzt waren und die Sitzung um 17.11 Uhr an- geklingelt wurde: Der Mann hatte exakt den Stuhl direkt hinter der Brüstung zugeteilt bekommen, auf dem er auch Mitte Juli beim letzten BVV-Termin gesessen hatte. “Hier!”, ruft er einem Bekannten zu, der zwei Reihen weiter hinten sitzen muss, nimmt eine angebrochene Tabletten-Blister- packung von der Balustrade und winkt ihm damit zu. “Die hatte ich vor ‘nem Vierteljahr vergessen. Da sieht man doch mal, wie hier geputzt wird.”

Danach hielten sich die Überraschungsmomente jedoch weitgehend in Grenzen: Der von der Piratenpartei, den Grünen und der Linken eingereichte Antrag auf Änderung der Geschäftsordnung wurde durch die Gegenstimmen der 40-köpfigen SPD/CDU-Zählgemeinschaft  abgelehnt. Die Wiederwahl von Jürgen Koglin (SPD) zum Be- zirksverordnetenvorsteher wurde dagegen mit 51 Ja-Stimmen der insgesamt 55 Stimmberechtigten parteienübergreifend befürwortet.

Ein erheblich schwächeres Votum erhielt später Heinz Buschkowsky (SPD) für eine weitere Legislaturperiode als Bezirksbürgermeister von Neukölln: 40 Abge- ordnete stimmten für ihn, sieben dagegen und acht mit Enthaltung. Mit jeweils 39 Pro-Stimmen sicherten sich Thomas Blesing (SPD) und Falko Liecke (CDU) ihre Posten als Bezirksstadträte. Liecke bekam zusätzlich den als stellvertretender Bezirksbürgermeister, muss dabei jedoch auf das fachliche Vertretungsrecht verzichten, das die SPD für sich beansprucht. Mit 42 Ja-Stimmen, ergo: mindestens zwei Stimmen aus dem Lager der Oppositionsparteien, wurde Dr. Franziska Giffey als Bezirksstadträtin wiedergewählt.

Nach knapp dreistündiger Sitzung begann schließlich der mit Spannung erwartete Tagesordnungspunkt 9.5 “Wahl zur Bezirksstadträtin auf Vorschlag der Fraktion der Grünen”. Kurz zuvor hatte Gabriele Vonnekold (Grüne) vor der Bezirksverordne- tenversammlung zum offensichtlichen Missfallen der SPD/CDU-Zählgemeinschaft ihre Kandidatur erklärt. Die Quittung dafür erhielt sie nicht nur im ersten Wahlgang, sondern auch im anschließenden zweiten: Bis auf ein Mitglied des rot-schwarzen Pakts unterwarfen sich alle dem Koalitionszwang. So standen am Ende den 16 Ja-Stimmen für Gabriele Vonnekold 39 Gegenstimmen gegenüber; die Wahl- entscheidung wird bis zur nächsten BVV-Sitzung am 16. November vertagt.

Die Fraktion bedauere es zutiefst, erklärten die Grünen noch am gestrigen Abend, dass entgegen parlamentarischer Gepflogenheiten, das Vorschlagsrecht aller Parteien zu respektieren, Gabriele Vonnekold nicht gewählt wurde. “Viele Be- zirksverordnete”, so Fraktionschef Bernd Szczepanski, “haben noch vor der Wahl in privaten Gesprächen ihre Anerkennung und Sympathie gegenüber Gabriele Vonnekold ausgedrückt. Umso trauriger ist das Ergebnis dieser Wahl.” Die Grünen würden nun  über das weitere Vorgehen beraten.

=ensa=

Nachspiel als Vorspiel

Könnte die Glücksgöttin Fortuna, die auf dem Turm des Neuköllner Rathauses steht,  den Kopf schütteln, würde sie es seit gestern tun – gelangweilt und ange- widert von den Machtspielen, die nun weit unter ihr in die nächste Runde gehen sollen.

Nach konstruktiven Gesprächen hätten die Kreisverbände der Neuköllner SPD und CDU eine Zählgemeinschaft zur Wiederwahl von Heinz Buschkowsky zum Bezirksbürgermeister vereinbart. Zudem seien die Geschäftsbereiche im Bezirksamt Neukölln neu strukturiert worden, teilte das rot-schwarze Interes- senbündnis mit und benannte auch gleich – bis auf eine Ausnahme – die Abteilungsleiter:

Buschkowsky (SPD) werde weiterhin die Abteilung Finanzen und Wirtschaft (mit Steuerungsdienst, Facility Management und Ordnungsamt) leiten, Franziska Giffey (SPD) auch künftig das ebenfalls unveränderte Ressort Bildung, Schule, Kultur und Sport (mit Schulstationen und dem Bereich der Europabeauftragten).

Die Zuständigkeit von Thomas Blesing (SPD), des alten und neuen Stadtrats der Abteilung Bauen, wird um die Bereiche Natur und Bürgerdienste (mit Quartiers- management) erweitert. Auf den Visitenkarten von Falko Liecke (CDU), bisher für das Ressort Bürgerdienste und Gesundheit verantwortlich, steht fortan Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit.

Gänzlich neu ist, dass der Bereich Soziales (mit Trägerangelegenheiten JobCenter), der bislang zusammen mit Wohnen und Umwelt verwaltet wurde, nun zur separaten Abteilung wird – und die sollen, nachdem die SPD und ihr Juniorpartner CDU wie in einem Selbstbedienungsladen bei den Bezirksamtsposten zugegriffen haben, die Neuköllner Grünen übernehmen. Von der ehemaligen Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne), die von ihrer Partei als Stadtrats-Kandidatin benannt wurde, ist ausdrücklich nicht die Rede: Sie könne nicht erwarten, so die gestern veröffentlichte Presse-Info, “dass SPD und CDU ihr aufgrund der gewonnenen Erfahrungen erneut das Vertrauen für eine pflichtgetreue Amtsführung aussprechen werden. Beide Parteien  stellen den Grünen jedoch anheim, eine alternative Personalentscheidung zu ermöglichen.”

Ein Vorschlag, dem Vorstand und Fraktion der Neuköllner Grünen noch gestern prompt eine Absage erteilten:  “SPD und CDU missachten mit dieser Ankündigung das Vorschlagsrecht der Grünen. Das ist der Höhepunkt einer Reihe von Diffamierungsversuchen gegen die Grüne Stadträtin und die Grüne Partei. Gabriele Vonnekold wurde mit großer Mehrheit als Kandidatin für die Bezirksamtswahl von den Grünen Neukölln nominiert. Zu dieser Nominierung stehen wir auch weiterhin und werden Gabriele Vonnekold am 27. Oktober 2011 der BVV zur Wahl vorschlagen”, stellten sie ihrerseits in einer Presse-Information klar.

Es wird also stürmisch zugehen beim Start in die neue Legislaturperiode der Neu- köllner Bezirksverordnetenversammlung.  Im Sinne der Fortuna ist das sicher nicht.

=ensa=

In den Startblöcken

Genau ein Monat ist seit der Wahl vergangen, die über die neue Zusammensetzung des Berliner Abgeordnetenhauses und der Bezirksverordnetenversammlungen entschied. Noch acht Tage dauert es bis zur ersten öf- fentlichen und zugleich konstituierenden Sit- zung der Neuköllner BVV: am 27. Oktober um 17 Uhr ist es soweit.

Während die künftig im Rathaus Neukölln vertretenen Fraktionen in ihrer Phase der Findung und des Auslotens unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagten, machten die neu in die BVV eingezogenen Mitglieder der Piraten-Partei ihre Ankündigung einer Transparenz-Offen- sive wahr. In der öffentlichen konstituierenden Sitzung am vergangenen Mittwoch (Protokoll: hier) wurde Steffen Burger zum Fraktions- vorsitzenden gewählt.

Fest steht inzwischen auch, wie die von sechs auf fünf gestutzten Stadtratsposten im Neuköllner Bezirksamt personell besetzt werden: Heinz Buschkowsky, Dr. Franziska Giffey und Thomas Blesing werden per SPD-Ticket Ressorts leiten, auch Gabriele Vonnekold wurde in einer parteiinternen Wahl der Neuköllner Grünen erneut als Bezirksstadträtin bestätigt. Für die CDU Neukölln wird mit Falko Liecke ebenfalls ein Routinier die Spitze eines Geschäfts- bereichs im Bezirksamt übernehmen. Lieckes Parteikollege Michael Büge hat – als Konsequenz für das schlechte Wahlergebnis – auf eine abermalige Kandidatur für einen Stadtratsposten verzichtet, bleibt der Neuköllner  Lokalpolitik aber als CDU-Kreis- und neuer  Fraktionsvorsitzender erhalten. Wer welche Abteilung leiten wird, ist indes noch unklar: Über die Verteilung der Zuständigkeitsbereiche soll dieser Tage entschieden werden.

=ensa=

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 123 Followern an