Tür an Tür: Einprägsame Einsichten in das Leben in der Großsiedlung Britz vor und nach 1933

“Das Ende der Idylle?” heißt die neue Ausstellung im Museum Neukölln, und wenig idyllisch war auch deren Eröffnung am Freitagabend. das ende der idylle_großsiedlung britz-ausstellung_museum neukölln“Für so viele Leute ist die Aus- stellungsarchitektur wirklich nicht ge- macht”, entschuldigte sich Museums- leiter Dr. Udo Gößwald bei allen, die keinen Sitzplatz mehr fanden oder das Geschehen innerhalb der auf Stoff ge- druckten Nachbildung der Hufeisen- siedlung nur akustisch verfolgen konn- 3_großsiedlung britz-ausstellung_museum neuköllnten. Künftig wird es im ehemali- gen Ochsenstall, in dem das Mu- seum Neukölln seit dem Umzug nach Britz seine Sonder-ausstellungen zeigt, weniger Gedränge und viel Zeit geben, sich mit den beeindruckenden Exponaten zu beschäftigen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die Neuköllns Beitrag zum Berliner Themenjahr “Zer- störte Vielfalt” ist, stehen die Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung, die als Pionierprojekt des sozialen Wohnungsbaus für Arbeiter und Angestellte geplant und zwischen 1925 und 1933 als Großsiedlung  Britz errichtet  wurden. Dass die ursprüngliche  Intention,

zeitstrahl ab 1918_großsiedlung britz_neukölln zeitstrahl ab 1933_großsiedlung britz_neukölln

komfortablen Wohnraum für kleinere Haushaltskassen anbieten zu können, schon an der Weltwirtschaftskrise über weite Strecken scheiterte, ist eine Sache. Weitaus größere Auswirkungen auf das Leben in der Siedlung hatte jedoch die Machtüber- peter lösche_museum neuköllnnahme der Nazis, und speziell dieser Aspekt wird durch “Das Ende der Idylle?” in den Fokus gerückt.

Einer, der in der Großsiedlung Britz geboren wurde, ist Prof. Dr. Peter Lösche, der als Parteien- und Wahlforscher bundesweit be- kannt wurde. 1935 waren seine Eltern, die SPD-Politiker Dora und Bruno Lösche, in die Fritz-Reuter-Allee 83 gezogen, 1945 zogen sie in eine Wohnung am Rande der Siedlung um. “Eine Idylle”, so Lösche, “herrschte in der Hufeisensiedlung aber auch vor 1933 nicht.” Realistisch betrachtet könne man die Atmosphäre innerhalb der Solidargemeinschaft von Künstlern, SPD- und KPD-Anhängern bestensfalls als brüchige Idylle bezeichnen: “Die Anarchos hatten für die sozialdemokratischen Spießer nur Hohn und Spott übrig und umgekehrt war es nicht anders.” Dennoch habe er beim “Rückspüren in der eigenen Biographie” sehr positive Erinnerungen an die Siedlung, franziska giffey_museum neuköllnmit seinem Buddelkastenfreund Wolfgang Hempel sei er sogar nach wie vor befreundet. “Ich bin ein Brit- zer!”, konstatierte Lösche, und als solcher freue er sich über den Fortschritt in der regionalhistorischen Forschung, den die Ausstellung bedeutet und doku- mentiert.

Den Wert der neuen Erkenntnisse hob auch Dr. Franziska Giffey in ihrer Begrüßungsansprache her- vor: “Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit hat eine lange Tradition in unserem Bezirk, mit der Forschung im Vorfeld der Ausstellung konnte die Geschichtsaufarbeitung entscheidend fortgeführt werden.” Aufgrund der guten Quellenlage sei es inzwischen möglich, die Alltagswirklichkeit und Handlungs- optionen der Menschen während des Nazi-Regimes viel differenzierter 1_großsiedlung britz-ausstellung_museum neuköllnals noch vor ein paar Jahren darstellen zu können.

Rund 80 Familien jüdischer Herkunft und 130 Künstler lebten vor 1933 in der Groß- siedlung Britz. 18 Bewohner, so die Neu- köllner Kulturstadträtin, wurden Opfer des Regimes, andere zogen weg, bevor Schlim- meres passieren konnte. Parallel dazu nahm der Zuzug von Nazis verheerende Ausmaße an: Waren es 1928 noch 128 NSDAP-Mitglieder, die in der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung wohnten, hatte sich ihre Zahl 12 Jahre später fast verzehnfacht. Auch Adolf Eichmann, einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, gehörte drei Jahre lang zu den Mietern: 1945 zog einer der wenigen Auschwitz-Überlebenden in statue die deutsche familie_museum neuköllnsein ehemaliges Haus in der Onkel-Herse-Straße 34.

“Das Bezirksamt Neukölln”, hielt Giffey fest, “sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, Erkenntnisse der Geschichtsforschung für die Gegenwart und Zukunft zu nutzen.” Niemand solle die Gewalt unterschätzen, die von den Feinden der Demokratie ausgeht, mahnte sie mit Hinweis auf “das fatale Versagen rechtsstaatlicher Struktur” in Sachen NSU.

Dass es in Neukölln mit der Pflege eines aufmerksamen Umgangs mit der deutschen Vergangenheit nicht immer furchtbar genau genommen wurde, beweist das Standbild “Die deutsche Familie”, 2_großsiedlung britz-ausstellung_museum neuköllndas ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Im Mai 1935 wurde die Statue des Bildhauers Bernhard Butzke im Akazien- wäldchen an der Fritz-Reuter-Allee einge- weiht, erst 2001 wurde sie dort abgebaut und eingelagert. Der Kopf des Vaters sei irgendwann abhanden gekommen.

Dafür, dass die Erinnerung an Menschen, die in der Krugpfuhl- und Hufeisensiedlung wohnten, nicht abhanden kommt, sorgt die Ausstellung “Das Ende der Idylle?”. Der udo gößwald_museum neuköllnWorpsweder Maler Heinrich Vogeler lebte hier, ebenso der Künstler Stanislaw Kubicki, der Anarchist und Dichter Erich Mühsam, der Leichtathlet Rudolf Lewy sowie zahlreiche SPD- und KPD-Parteigrößen. “Mit Beginn der Nazi-Herrschaft unterlagen sie als nichtkonforme Bewohner einer sehr ausgeprägten soziale Kontrolle und nahmen große Risiken in Kauf”, unterstrich Museumsleiter Dr. Udo Gößwald.

Es sind bedrückende Details und schier unvor-stellbare Lebensgeschichten, die von nun an durch die 2 1/2-jährige Arbeit seines Teams ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. “Dieses mikrohisto- rische Projekt macht deutlich, wie wichtig heute die Forschung regionaler Museen ist”, sagte Gößwald, und er sei sehr stolz auf das Ergebnis.

Seit der Vernissage ist die Sammlung des Museums um einige Schätze reicher. “Ich habe Ihnen etwas aus dem Konvolut meines Vaters als Geschenk franziska giffey+udo gößwald+peter lösche_museum neuköllnmitgebracht”, kündigte Prof. Dr. Peter Lösche an und überreichte Gößwald eine Map- pe. Die Ebert-Stiftung habe viel zu viele von diesen Akten, meinte der Britzer: “Sie sollten gefördert werden.” Dass Lösche – zu Gößwalds sicht- licher Irritation – ständig vom Heimat- museum gesprochen hatte, obwohl das Museum Neukölln bereits seit neun Jahren auf den zweisilbigen Zusatz verzichtet, war in diesem Moment verziehen.

Die Sonderausstellung “Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhl- siedlung vor und nach 1933″ wird noch bis zum 29. Dezember im Museum Neukölln gezeigt.

Zur Ausstellung ist ein 400-seitiger Katalog (18 Euro), der die Forschungs- ergebnisse detailliert dokumentiert, sowie die Begleitbroschüre „50 Türen in die NS-Zeit“ (5 Euro) erschienen.

=ensa=

Eine Insel für die Konrad-Agahd-Grundschule

konrad-agahd-grundschule_neuköllnIn der Konrad-Agahd-Grundschule im Neu- köllner Körnerkiez fand Freitagvormittag die Eröffnung von „Konrads Insel“ statt. Kon- rad Agahd (1867 – 1922), nach dem die Schule 1958 benannt wurde, war 23 Jahre Lehrer in Rixdorf/Neukölln. Bekannt wurde er für seinen Kampf gegen Kinderarbeit. Die Ergebnisse seiner Studien in meh- reren europäischen Staaten veröffentlichte er in Aufsätzen, Broschüren und Fach- büchern.

Die bisher leerstehende Hausmeisterwohnung der Schule konnte nach grund- legender Renovierung mit neu designten Räumen und neuer Funktion den Schülern,

konrads insel_konrad-agahd-grundschule_neukölln konrads insel_neukölln

Eltern und Lehrern übergeben werden. Die Kosten für Umbau und Renovierung in Höhe von 140.732 Euro trug der Bezirk Neukölln. Die Einrichtungskosten und Aufwendungen für den Betrieb der Schülerbibliothek und des Elterncafés von knapp 30.000 Euro wurden über Soziale Stadt-Mittel des Quartiersmanagements Körnerpark simone schützmann_eröffnung konrads insel_neuköllnfinanziert. Mit dem Anliegen, innerhalb der Schule eine Insel zu schaffen, entstanden in den wohnlich und zugleich zweckmäßig gestalteten Räumen eine Schülerbiblio- thek, ein Elterncafé und eine kleine Küche.

Bei der Einweihung wurden die Besucher von  Rektorin Simone Schützmann mit Ro- sen willkommen geheißen. Nach der Be- sichtigung der Räumlichkeiten und einem Auftritt des Kinderchores, der u. a. das sehr witzige Lied über die Stubenfliege zum Besten gab erfolgte die offizielle Eröffnung durch Heinz Buschkowsky und Dr. Franziska Giffey.

buschkowsky+giffey+schützmann_konrads insel_neuköllnDer Bezirksbürgermeister sprach da- bei vor allem die etwa 20 Kinder im Raum an. Er betonte, wie wichtig das Lesen ist. „Lesen”, sagte er, “ist für den Kopf wie Schokolade essen.“ Außerdem fragte er sie nach ihren späteren Berufswünschen. Die Be- zirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport hob in ihrer Rede hervor, dass anhand der eingehenden Anmeldungen festgestellt werden könne, dass die Konrad-Agahd-Grundschule mit zu den beliebtesten Grundschulen in Neukölln gehört.

Das neue Elterncafe soll dazu beitragen, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu verstärken. An zwei Tagen in der Woche initiieren die Eltern ein Elternfrühstück. Dies soll die Vernetzung unter den Eltern verbessern und die Eltern näher an die Schule und ihre Projekte heranführen. Eines davon ist das kostenlose Frühstück von schülerbibliothek_konrad-agahd-grundschule_neuköllnbrotZeit, einer Initiative der Schauspielerin Uschi Glas. Jeden Morgen wird es von ehrenamtlichen Senioren für die Grundschüler zubereitet, die so nicht nur in den Genuss von regelmäßigem Frühstück kommen, sondern von den Ehrenamtlichen auch viel über eine gesunde Ernährung lernen können.

Futter für Kopf und Seele gibt es nun in der neuen Schülerbibliothek, die etwa zur Hälfte mit Buchspenden bestückt wurde. Da sich die Schülerinnen und Schüler über noch mehr Auswahl freuen würden, gilt: Wer gut erhaltene Kinderbücher zuhause hat, die er nicht mehr benötigt, darf sich gerne mit der Konrad-Agahd-Schule in Verbindung setzen, um sie zu spenden.

=Reinhold Steinle=

Unser Autor, der in Neukölln bereits Führungen durch den Reuter-, Schiller-, Rollberg- und Richardkiez anbietet, führt ab nächsten Monat auch durch den Körnerkiez: Die erste Tour ist am 18. Mai und startet um 15 Uhr an der leuchtstoff–Kaffeebar.

Vorreiter: Die Neuköllner Peter-Petersen-Schule macht Schule auf dem Tempelhofer Feld

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnDas hatten sie sich alles entschieden anders vorgestellt: Ein Frühlingsfest mit Musik, Tanz und bunten Drachen am Himmel sollte es vorgestern zur Saisoneröffnung des M.I.N.T.grünen Klassenzimmers auf dem Tempel- hofer Feld geben. So war es von den Lehrern und Schülern der Peter-Petersen-Schule schon vor einem Vierteljahr geplant worden. Aber dann kam das Hoch Jill, das – im Gegensatz zu Neu- köllns Schulstadträtin Franziska Giffey (l.), Dietz Valentin vom Lions Club Berlin-bezirksstadträtin giffey, dietz valentien, schulleiterin greif-groß, MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnSans- souci (2. v. r.) und vielen anderen – nicht eingeladen war und lausige Käl- te mitbrachte. Statt auf grünem Rasen stand man folglich bei dem Fest rings um die beiden Überseecontainer, das, so Schulleiterin Hildegard Greif- Groß (r.) “eigentlich den Frühling ein- läuten sollte”, knöcheltief im Schnee.

Seit dem letzten Sommer gibt es auf dem Tempelhofer Feld das wohl ungewöhnlichste Neuköllner Klas- senzimmer. Von 12 Klassen der Peter-Petersen-Schule (PPS) wird es genutzt, jede ist einmal pro Monat dort. Um zu erleben, was in normalen Klassenräumen oder auf dem engen MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnSchulhof nicht möglich ist. “Natürlich”, sagt Henning Stirner, der für den Förderverein der PPS die Nutzung des M.I.N.T.grünen Klassen-zimmers koordiniert, “geht es auch darum, dass sich die Kinder hier richtig austoben können.” Im Vorder- grund steht aber die Idee, “reguläre Unterrichtsinhalte in lebensnaher Umgebung” zu vermitteln. Denn auch wenn beim Wort Mint jeder sofort an Pfefferminze denkt – bei diesem Projekt auf dem Pionierfeld Oderstraße steht es für Mathematik,  Informatik,  Naturwissenschaft  und  Technik, was  auch  die  Kinder der

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neukölln

Klasse 1.1 mit ihrer kleinen Darbietung verdeutlichten. Bevor Bewegung in den Kreis der rund 300 Schüler, Lehrer und Eltern kam und mit Tanz, Gesang und einem Auftritt

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnMINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neukölln

MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnder von Rocco Rossbach angeleiteten Trommel-gruppe versucht wurde, Schnee und Frost – wenn schon nicht zu vertreiben – doch wenigstens für einen Moment vergessen zu machen.

Wer noch nie zuvor im M.I.N.T.grünen Klasssenzimmer war, brauchte schon viel Phantasie, um sich aus-insektenhotel, MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnmalen zu können, was hier nicht nur durch das Engagement von Sponsoren wie dem Lions Club Berlin-Sanssouci, sondern auch durch die tatkräftige Mithilfe vieler Eltern entstanden ist. Der Schulgarten, Spiel- und Experimentier-flächen, die Hochbeete – dem Frühling zum Trotz lag (und liegt) alles, abgesehen vom verwaisten MINTgrünes klassenzimmer, tempelhofer feld berlin, peter-petersen-grundschule neuköllnInsek- tenhotel, unter ei- ner dichten Schnee-decke.

Phantasie ist zwei- fellos auch erforder- lich, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was Franziska Giffey in Aussicht stellte: “Der Bezirk Neukölln will, dass hier mehr als nur ein Klassenzimmer entsteht.” Langfristige Ziele seien der Bau einer Kita und eines ganzen Schulgebäudes auf dem Neuköllner Bereich des Tempelhofer Feldes. “Optimal wäre es, wenn man dabei nicht nur an eine Grundschule denken, sondern gleich eine Kombination aus Grund- und Oberschule planen würde”, meint die Stadträtin. Dafür müsse aber – trotz erkennbarer Bedarfe – noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

=ensa=

“Neukölln hat unheimliche Schätze”

2_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausLokalpatriotismus ist es nicht, der Prof. Dr. Paul Sigel zum Schwärmen bringt und Sätze wie “Neukölln hat unheimliche Schätze” sagen lässt. Nein, der Wis- senschaftler mit den Forschungsschwerpunkten Ar- chitektur- und Städtebaugeschichte sieht den Bezirk vor allem aus der fachlichen Perspektive. Mit 16 Stu- denten des Masterstudiengangs Historische Urba- nistik des Centers for Metropolitan Studies der TU Berlin hat er ihn nun mit dem Fokus auf bemer- kenswerte Siedlungs- und Gebäudekonzepte hin untersucht. Ergebnis des Projektseminars ist die Ausstellung “Neues Wohnen Neukölln – Wohnquar- vernissage_neues wohnen neukölln_neuköllner rathaustiere von 1900 bis heute”, die in Kooperation mit dem Mobilen Museum Neukölln entstand und gestern im Rathaus eröffnet wurde.

Zeitlicher Aufhänger ist der 100. Todestag von Reinhold Kiehl, an dessen Wirken eine Sondertafel erinnert. In “affenartiger Geschwindigkeit” habe der erste Neuköllner bzw. Rixdorfer Stadtbaurat seine Bauwerke geschaffen, stellte Bezirksbürgermeister buschkowsky+giffey_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausHeinz Buschkowsky fest. Da möge man überhaupt nicht daran denken, “wie lange wir heute brauchen, um ein Pförtnerhaus zu bauen”. Wenn “Papa Kiehl” nicht so früh gestorben wäre, ist er überzeugt, würde man nun in der ganzen Welt über den sprechen, der in Neukölln sichtbarste Spuren hinterlassen hat. Einerseits in Form öffentlicher Gebäude, andererseits aber auch, wie der blesing_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausamtierende Baustadtrat Tho- mas Blesing hinwies, durch die Planung und Anlage von Ensembles wie dem Richard- und dem Reuterplatz.

Von den 11 Wohnquartieren, die die Ausstellung porträtiert, hat Kiehl allerdings nur noch drei im Werden beobachten können: Die Schillerpromenade, die als “bessere Wohn- gegend” geplant war, dann aber überwiegend von Arbei-terfamilien bezogen wurde, die Ideal-Passage, wo 203 Wohnungen entstanden, die höchsten technischen und hygienischen An1_neues wohnen neukölln_neuköllner rathaussprü- chen genügten, und die zwischen 1912 und 1937 erbaute Kolonie Ideal in Britz, eine nach dem Vorbild einer Gar- tenstadt entworfene Reihenhaussiedlung.

“Es geht uns darum, auf innovative Wohn- konzepte in Neukölln hinzuweisen, die Antworten auf Aufgaben und Bedürfnisse des Wohnungsbaus paul sigel_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausder Zeit gegeben haben, in der sie errichtet wurden”, erklärte Prof. Sigel. Aber allein dabei wollten es die Studenten bei ihrem Projektseminar ab- seits des “universitären Lernens im Elfenbeinturm” nicht belassen: “Das Augenmerk lag immer auf der histo- rischen und der gegenwärtigen Perspektive und der Frage, ob die Konzepte der Quartiere noch heute neues wohnen neukölln_vernissage_neuköllner rathausfunk- tionieren.” Außer- ordentlich beeindru- ckend sei die Viel- falt der Wohnfor- men, die man im Bezirk insbesondere ob der topographischen Möglichkeiten zwischen In- nenstadt und Peripherie vorfinde. Auf sehr prominente Quartiere wie die Hufeisensied- lung oder die Gropiusstadt, so Sigel, habe man bei der Auswahl ganz bewusst verzichtet.

Stadtrandsiedlung Neuland I-IV. Nie gesehen! Grüne Häuser in Britz. Wo sollen die denn sein? Pilotprojekt Ortolanweg und Siedlung am Schlierbacher Weg. Noch nie ausstellungseröffnung_neues wohnen neukölln_neuköllner rathausvon gehört! Nur wenige Besucher der Vernissage stehen mit wissender Miene vor allen 11 Text-Bild-Tafeln. Für die meis- ten wird hier das eine oder andere Rätsel rund um das breite Spektrum des Woh- nens im Bezirk gelöst.

Die Ausstellung “Neues Wohnen Neu- kölln – Wohnquartiere von 1900 bis heute” ist noch bis zum 26. April in der 2. Etage des Neuköllner Rathauses zu sehen. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8 – 18 Uhr.

=ensa=

“In Mitte wird die Problematik totgeschwiegen”: Neukölln startet als erster Berliner Bezirk Impf-Aktion an Schulen

impfung_dr. gundert_hans-fallada-schule neuköllnRoxana guckt lieber weg. Wie der Arzt die feine Kanüle in ihren linken Oberarm piekst und den Impfstoff injiziert, das will sie nicht sehen. “Nein, hat nicht weh getan”, lässt die Neunjährige Dr. Dietrich Gundert wissen, als der ein Pflaster auf spritze_grundimmunisierung von neuköllner kinderndie Einstich- stelle klebt.

Roxana und ihre vier Ge- schwister, die gestern ebenfalls geimpft wurden, ge- hören zu den 90 Kindern, die in den letzten 2 1/2 Jahren überwiegend aus Rumänien nach Neukölln kamen und nun die Hans-Fallada-Schule besuchen. “Roma-Kinder machen damit fast ein Viertel der gesamten Schüler-hans-fallada-schule_neuköllnschaft aus”, stellt Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey fest, die kürzlich den 3. Neuköllner Roma- Statusbericht  veröffentlichte. Auf das in dem thematisierte Problem fehlender Impfnach- weise von Kindern zugewanderter Familien aus Südosteuropa  reagiert der Bezirk nun mit einer großangelegten Impfaktion zur Grund- immunisierung. Dazu habe, so Giffey, insbe- sondere Prof. Dr. Rainer Rossi, Chefarzt des Bereichs Kinder- und Jugendmedizin im Vivan- tes Klinikum Neukölln,  geraten, um die Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten an Schulen effektiv einzudämmen. Den Eltern von 802 Kindern, die derzeit Willkommens- oder Regelklassen von Neuköllner Schulen besu- chen, wird nun diese Grundimmunisierung ihrer Töchter und Söhne gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, MMR (Masern, Mumps, Röteln), Hepatitis B sowie Meningokokken angeboten.

Zwar könne man nicht sagen, dass die Kinder per se keinerlei Impfschutz in ihren Herkunftsländern erhalten haben, schränkt die Lehrerin Anita Wodatschek ein. “Aber ob und wann sie wogegen geimpft wurden, das hängt stark davon ab, ob sie impfpass_grundimmunisierung von neuköllner kindernländlich oder in einer Stadt gewohnt haben, und dokumentiert ist es oft auch nicht.”

Voraus ging der Impf-Aktion ein Info- Abend für die Eltern, bei denen sie von den Sprachmittlern der Schule behutsam in die Problematik einge- führt wurden. “Schriftliche Mitteilungen an die Eltern bringen auch in der Muttersprache meist wenig, weil viele An- alphabeten sind”, weiß Schulleiter Carsten Paeprer. Wichtig sei zudem, ihnen zu verdeutlichen, dass die Kinder nicht geimpft werden sollen, weil sie Roma-Kinder sind, sondern weil ihnen das fehle, was in Deutschland vom Säuglingsalter an zur gesundheitlichen Basisversorgung gehört. Dass die sechsfache Grundimmu-nisierung, die in fünf Durchgängen durchgeführt wird, im schulischen Umfeld am besten aufgehoben ist, um die notwendige Kontinuität zu erlangen, davon sind nicht giffey+paeprer+liecke_hans-fallada-schule_neuköllnnur Paeprer (M.) und Giffey (r.) über- zeugt, sondern auch der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (l.).

“Roma-Familien haben oft keine Krankenversicherung”, weiß Liecke. “Oder sie haben eine in ihrem Her- kunftsland, die aber für die Kosten- übernahme nicht zuständig ist, wenn der Hauptwohnsitz nach Deutsch- land verlegt wurde.” Konsequenz dieser bisher auf bundes- und europapolitischer Ebene vernachlässigten Sachlage sei, dass Arztbesuche aus finanziellen Gründen vermieden werden und Patienten erst als Notfälle der völlig überlaufenen Ret- tungsstelle im Mutter-Kind-Zentrum des Vivantes Klinikums vorgestellt würden und nicht abgewiesen werden dürfen: “Die Kosten müssen dann aus der Bezirkskasse beglichen werden.” Aus der wurden auch 127.000 Euro für die Anschaffung von Impfstoff vorfinanziert. Später würden die Kosten vom Berliner Senat erstattet.

Für die medizinisch fachgerechte Durchführung der für die Kinder kostenlosen Grundimmunisierung greift der Bezirk auf pensioniertes Personal wie beispielsweise Dr. Dietrich Gundert, den ehemaligen Leiter des kommunalen Kinder- und Jugend- gesundheitsdienstes, zurück. Wie viele der 802 neu zugezogenen Kinder im Rahmen der Aktion zunächst an der Hans-Fallada-, der Eduard-Möricke- und der Rixdorfer-Schule komplett durchgeimpft werden müssen, steht noch nicht fest. “Mehrere hundert sind es definitiv, wenn ein gewisser Impfstatus an den Schulen vorhanden sein soll”, ist Franziska Giffey überzeugt. Im Bezirk Mitte, ergänzt Stadtrat Liecke, habe man übrigens ganz ähnliche Probleme: “Aber in Mitte wird die Problematik tot- geschwiegen. Warum, weiß ich nicht.” In Neukölln geht man einen anderen Weg.

=ensa=

Mutter-Sohn-Dialog mit künstlerischen Argumenten

7_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnIhre Namen lassen es nicht vermuten: Farkhondeh Shah- roudi und Azin Feizabadi sind Mutter und Sohn. Schon deshalb sei ihre Ausstellung “(Un)written – (Re)written” eine sehr besondere, sagte Neuköllns Kulturstadträtin Franziska Giffey bei der Vernissage in der Galerie im Körnerpark: “Werke von Mutter und Sohn in einer gemein- samen Ausstellung, das haben wir hier zum ersten Mal.”

v. l.: Dorothee Bienert (Kuratorin der Ausstellung), Bettina Busse (kommissarische Leiterin der Neuköllner Kulturamts), Dr. Franziska Giffey (Kulturstadträtin von Neukölln)

v. l.: Dorothee Bienert (Kuratorin), Bettina Busse (kommissarische Leiterin der Neuköllner Kulturamts), Dr. Franziska Giffey (Kultur-stadträtin von Neukölln)

Doch es seien nicht die engen Familien- bande allein, die die Ausstellung zu etwas Besonderem machen, betonte Giffey. Farkhondeh Sharoudi und Azin Feizabadi würden ihre “Rucksäcke des Welt- bürgertums”, wie sie viele Neuköllner tragen, in der Galerie im Körnerpark präsentieren und so überraschen, Stoff für Inspiration liefern, man- che Frage beantworten, anderes aber auch im 9_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnUnklaren lassen.

Entstanden ist ein spannender Dia- log der Generatio- nen, des Verarbei- tens von Erfah- rungen und der künstlerischen Genres. Shahroudi, die 1962 in Teheran geboren wurde und seit 2008 in Neukölln lebt, führt den vor allem mit Stoff-Objekten Skulpturen und Installationen. Feizabadi, 20 Jahre nach seiner Mutter in Teheran geboren und  1990 mit ihr nach Deutschland gekommen, antwortet mit seinem mehrteiligen Filmprojekt “A Collectiv Memory”  und seiner  performativen  Fahnen-Serie, bei der er  mittels  Scha-

6_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neukölln2_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neukölln1_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neukölln

blonendrucken ideologische Sätze zu den Themen Körper, Verletzung und Heilung verarbeitete.

“Den engen künstlerischen Austausch vor und in der Ausstellung sahen beide als Experiment”, erklärte Kuratorin Dorothee Bienert. Eine Schnittstelle des kreativen 8_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnWirkens von Künstlerin und Künstler hatte es aber schon früher gegeben: Aus einem Foto, das das Gesicht der Mutter zeigt, hatte Azin Feizabadi eine Schablone angefertigt.  2004 sprühte er das Konterfei als Graffiti auf Kreuzberger Wände, um Farkhondeh Shahroudis politisches Engage- ment während der iranischen Revolution 1979 zu ehren. Seit 2006 sind Fotos des Graffitis in diversen Magazinen und Zeitungen erschienen, um die Multikulti-Debatte zu bebildern. Feizabadi sammelte alle gedruckten Zweckentfremdungen, signierte die Veröffentlichungen 5_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnund erklärte sie so wieder zu Bestandteilen seines Portfo- lios. In einer Vitrine vis-à-vis des Eingangs zur Gale- rie sind die Werke nun zu sehen.

Farkhondeh Shahroudis Arbeiten haben meist Dimensionen, die nicht schaukastentauglich sind. Ihr aus schwarzem Stoff handgearbeiteter Rhizom-Drache (2. Foto rechts) hängt über den Köpfen der Ausstellungsbesucher. Einige seiner vielen, mit orientalischen Schriftzeichen versehenen Hände reichen fast bis zum Boden, andere baumeln in Schulterhöhe und verleiten zum Zugreifen und genaueren Betrachten. Ihr Doppel-Poet thront auf einem Podest mitten in der langgestreckten Galerie und erinnert daran, die Beschäftigung mit der poetischen Aussage aller Werke 4_f.shahroudi+a.feizabadi_gal körnerpark_neuköllnnicht zu vergessen. Die spiele bei beiden Künstlern trotz unter- schiedlichster Ansätze eine große Rolle, sagte Dorothee Bienert.

Auch in anderer Hinsicht sei “(Un)written – (Re)written” eine sehr besondere Ausstel- lung, fiel der Kuratorin noch ein, bevor sie zum Rundgang durch die Galerie bat: “Ein großer Dank geht an das Technik-Team, das nur drei Tage Zeit zum Aufbau der Werke hatte, weil erst ein Wandstück der Galerie saniert werden musste.”

Die Ausstellung “(Un)written – (Re)written” wird noch bis zum 17. März in der  Galerie im Körnerpark  gezeigt; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr.

Bei einer Rahmenveranstaltung können 9- bis 13-Jährige am 9. März in einem Workshop (14 – 17 Uhr) aus Bilder und Texten Schablonen erstellen und mit diesen Stoffe bedrucken (Anmeldung: Tel. 030 – 56 82 15 45). Am 16. März um 17 Uhr findet eine Finissage mit Künstlergespräch und Per- formance statt.

=ensa=

Kochen mit dem Profi: Berlins Schülerbischöfe bei Matthias Buchholz

v. l.: Marco Boest, Benedikt Schuh, Matthias Buchholz, Hannah Gloger, Klaus-Randolf Weiser

v. l.: Marco Boest, Benedikt Schuh, Matthias Buchholz, Hannah Gloger, Klaus-Randolf Weiser

“Wie schneidet man denn Würfel?” Es sind Fragen wie diese, die Profi- Koch Matthias Buchholz verraten, dass er es mit Amateuren am Herd zu tun hat. “Immer abwärts schälen! Das geht  leichter als aufwärts, wie beim Radfahren”, rät er und zieht den Sparschäler über eine Petersilienwurzel. Hannah Gloger, Benedikt Schuh und Marco Boest sehen ihm aufmerksam zu, denn gleich sollen sie es nachmachen.

Während ihre Klassenkameraden im Unterricht sitzen, stehen die drei Zehntklässler der Evangelischen Schule Neukölln – verstärkt durch Schulleiter Klaus-Randolf 1_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnWeiser und Schulstadträtin Franziska Giffey – in der Küche des Buchholz Gutshof Britz. “Dass wir als Schü- lerbischöfe so viele Termine haben und der zeitliche Aufwand so groß ist, hätte ich vorher nicht gedacht”, gesteht Benedikt. Seit dem vergangenen Niko4_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnlaustag sind er und Marco (beide 15) sowie die 16-jährige Hannah im Amt. Beim Ein- führungsgottesdienst in der St. Marienkirche verteil- ten sie Äpfel an alle An- wesenden, zum Treffen mit Heinz Buschkowsky brachten sie ihre 10 Gebote für eine bewusste Ernährung mit. Der Neuköllner Bezirks- bürgermeister habe denen Alltagstauglichkeit attes-tiert, weil es nicht um einen totalen Verzicht z. B. auf Fleisch, sondern um machbare Einschränkungen und das Nachdenken übers Essen an sich geht, sagt Hannah. Der achtsame Umgang mit Lebensmitteln ist das Leitthema der drei Schülerbischöfe, die sich mit dem Bedürfnis, dieses Anliegen unter Gleichaltrige und in die Öffentlichkeit zu bringen, zur 6_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnWahl gestellt haben – und gewählt wurden.

“Aus den Würfeln machen wir ein Apfel-Petersilien-wurzel-Ragout. Dazu wird es Grießklöße in einem Sud aus den Resten geben”, erklärt Matthias Buchholz, der sich in seinem vor 1 1/2 Jahren eröffneten Restaurant einer leichten Landhausküche verschrieben hat und bevorzugt fri- sche, regionale, saisonale Produkte verarbeitet. Dass sich junge Leute für eine gesunde Ernährung einsetzen, gefällt ihm sehr. Mit 2_berliner schülerbischöfe_giffey_buchholz gutshof britz_neuköllnseiner 10-jährigen Tochter erlebe er das genaue Gegenteil, verrät er und erzählt von den Dramen, die sich früher im Hause Buchholz-Elm abspielten, wenn gesundes Selbstgekochtes auf den Tisch kam. Inzwischen sei die Ablehnung ledig- lich etwas gemäßigter und artikulierter, hinzu gekommen sei eine ausgeprägte Weiße-Tischdecken-Antipathie.

“Die Petersiliestängel nicht wegschmei- ßen!”, bittet Buchholz Franziska Giffey (l.). “Die kommen in den Sud.” So lernen die drei Schülerbischöfe nicht nur, wie leicht sich Gutes mit Produkten aus der Region kochen lässt, sondern auch, dass nicht alles in 5_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnder Biotonne landen muss, was dafür prä- destiniert scheint.

Benedikt macht sich mit Matthias Buchholz ans Kochen des Grießbreis. Wie anstrengend die Rührerei in der immer kompakter werdenden Masse aus Hartweizengrieß ist, wundert ihn: “Da braucht man ja richtig Oberarme!” Buch- holz grinst. Er weiß, dass der Alltag als Koch harte körperliche Arbeit bedeutet. In der Regel ist er mit drei Mitarbeitern in der Küche be- 7_berliner schülerbischöfe_giffey_buchholz gutshof britz_neuköllnschäftigt, um Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts für bis zu 50 Gäste täglich zu kreieren. Am 1. Weih- nachtsfeiertag waren es sogar 77. Danach wisse man dann schon, was man getan hat. Zudem werde auch das Kochen durch unterschiedlichste Allergien stän- dig herausfordernder. “Immer gleich wegräumen, was ihr nicht mehr braucht!”, ermahnt der 45-Jährige seine 8_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnBeiköche. “Ordnung ist das oberste Ge- bot in der Küche, ohne die geht das größte Genie den Bach runter.” Es gibt Bemerkungen, die Jugendliche im Alter der Schülerbischöfe lieber hören.

Mit einem Eisportionierer, Suppenkellen und den Händen werden aus der mit gehackter Petersilie bestreuten Grieß- masse Knödel. Etwa 10 Minuten Kochzeit, dann seien sie fertig, schätzt Buchholz. Wer noch nach einem Paradebeispiel dafür sucht, dass Männer durchaus multi- 12_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllntaskingfähig sein können, ist bei ihm an der richtigen Adresse: Er würzt, rührt, erzählt und hat nebenbei noch 11_berliner schülerbischöfe_giffey_buchholz gutshof britz_neuköllnalles im Auge, was auf dem Herd köchelt.

Eine gute Stun- de, dann ist aus wenigen Zutaten eine raffinierte kulinarische Komposition ge- worden. “Schmeckt’s?”, erkundigt sich Mat- 13_berliner schülerbischöfe_buchholz gutshof britz_neuköllnthias Buchholz und erntet einhelliges Nicken. Doch, findet er, das sei ein Gericht, das mit dem Namen “Petersilienknödel auf Ragout von Apfel und Petersilienwurzel” auch auf die Karte des Restaurants passen würde. “Ich maile euch das Rezept zu”, verspricht er den Schülerbischöfen.

Schon am 20. Januar wird deren Amtszeit wieder vorbei sein. “Viel länger”, vermutet Rektor Klaus-Randolf Weiser, “ließe sich das auch kaum mit dem Schulalltag ver- einbaren.” Schließlich sollen die Leistungen nicht unter den zusätzlichen Verpflich- tungen leiden. Marco Boest, Hannah Gloger und Benedikt Schuh wollen das Privileg, diese etwas anderen Erfahrungen zu machen, bis zum letzten Tag genießen.

Die Tradition der Kinder- oder Schülerbischöfe kommt aus dem Mittelalter. In Berlin wurde die Idee, Kinder und Jugendliche zu Bischöfen zu machen, 2010 vom damaligen Generalsuperintendenten Ralf Meister wieder belebt. Ziel ist es, dem Anliegen von Jugendlichen auch öffentlich eine Stimme zu geben. Neben Berlin gibt es u. a. auch in Hamburg und Göttingen Schüler- bischöfe.

=ensa=

Sie ist weg!

“Kommen und Gehen im Schillerkiez – den Wandel gemeinsam gestalten”: Darum ging es bei der Stadtteilkonferenz, zu der das Quartiersmanagement (QM) des Viertels Mitte Dezember in die gothe+giffey+schmiedeknecht_stadtteilkonferenz schillerkiez_izg neuköllnGene- zareth-Kirche eingeladen hatte.

Viel Neues kam dabei erwartungs- gemäß für einigermaßen Informierte nicht heraus. Einzig der in einen Ne- bensatz verflochtene Hinweis, dass QM-Teamleiterin Kerstin Schmiede-knecht (r.) zu den Gehenden zählt, hat überrascht.

Bedauern dürfte ihr Weggang aus dem Schillerkiez kaum hervorrufen. Denn Schmiedeknecht hat es in den 14 Jahren ihrer Tätigkeit für das QM Schillerpromenade  wahrlich nicht auf Beliebtheit ange- legt. Wer per Zugehörigkeit zu einem Gremium wie z. B. dem Quartiersrat mit ihr zu tun hatte und das Gefühl haben wollte, eigentlich passabel mir ihr auszukommen, tat gut daran, ihrer Meinung zu sein oder mit einer anderslautenden hinterm Berg zu schmiedeknecht_qm schillerpromenade_neuköllnhalten. Für diejenigen, die nichts mit ihr und der Institution Quartiersmanagement generell zu tun haben wollten, war sie hin- gegen die personifizierte Zielscheibe und ihr Name ein Synonym für Gentrifizierung. Wiederum anderen war sie so gleichgültig wie der berühmte umkippende Sack Reis in China.

“Dass sie es überhaupt so lange aus- gehalten hat”, wundern sich manche. Zu- nehmend dünnhäutiger sei sie – verständ- licherweise – im Laufe der Zeit geworden. Doch statt ihre Schwachstellen zu zeigen und so zumindest in weiten Kreisen Empathie zu ernten, habe Kerstin Schmiede- knecht sie durch aufgesetzte Härte, Schärfe und verbale Ausbrüche zu kaschieren versucht, ist aus dem Kiez zu hören.

Der 31. Dezember war der letzte Arbeitstag der Quartiersmanagerin im Gebiet rund um die Schillerpromenade. Sie ist weg – und seit dem 1. Januar für das Altstadtma- nagement Spandau tätig. Wer nun die Teamleitung übernimmt, werde sich innerhalb der nächsten Tagen entscheiden, sagt Gunnar Zerowsky vom QM Schillerpromenade. Fakt sei jedoch bereits jetzt, dass man künftig mit 2,3 Stellen auskommen müsse.

Ob die personellen Veränderungen im Quartiersmanagement einen Wandel vom jahrelang praktizierten Top-down-System zu echter Bürgerbeteiligung bedeuten wer- den, wird von vielen bezweifelt. Anderen ist auch das egal.

=ensa=

Neuköllner Jugendliche zeigen ihre Sicht auf Berlin

Als Roland Hägler kurz vor Ostern gefragt wurde, ob an der Hermann-von-Helmholtz-Schule, wo er Rektor ist, eine Kleinklasse für Roma-Kinder eingerichtet werden könne, war er zunächst skeptisch. Was würde das für die Lehrer- und Schülerschaft bedeuten? Welche Probleme würden auf sie zukommen und welche auf die Neuen? Das waren Fragen, die ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, cordula simon, joscha remus, dr. franziska giffey, roland häglerihn beschäftigten – bevor er entschied, es probieren zu wollen. Inzwischen findet Roland Hägler (r.): “Die Roma-Klasse ist eine große Bereicherung für uns alle, weil die 14 Kinder äußerst lernwillig, neugierig und motiviert sind.” Vier von ihnen, das zeichne sich bereits ab, seien schon zum nächsten Schuljahr so- weit, dass sie in eine Regelklasse wech- seln können.

Nun zeigen 12 Schülerinnen und Schüler mit der  Foto-Ausstellung “Die Stadt in meinen Augen”, wie sie ihre neue Heimat sehen. “Für die meisten Roma”, weiß ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, joscha remusHägler, “ist die erstmal ein Kulturschock, weil sie aus Dörfern kommen, die sich mit deutschen Dör- fern nicht vergleichen lassen.” Initiiert und geleitet wurde das bislang einmalige, mit LSK-Mitteln geför- derte Fotoprojekt von Joscha Remus (2. v. l.), der nicht nur fachliches Know-how dazu beitrug, sondern auch selber väterlicherseits Wurzeln in Rumänien und bereits drei Bücher über ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, joscha remusdas Land geschrieben hat. “Bei dem Pro- jekt”, sagt er, “ging es mir in erster Li- nie um das Team- work unter den Ju- gendlichen und darum, ihnen die Chance zu geben, ihre  Kreativität zu entdecken und zu beweisen und durch das Bewegen in der Stadt und den Kontakt zu den Berlinern spielerisch die Sprachkompetenz zu erweitern.” Das Ergebnis sind rund 40 Fotos, die teils überraschende Eindrücke von Berlin zeigen, vor allem aber die Lebensfreude und Ausgelassenheit der jungen Roma widerspiegeln. Auch er selber, so Remus, habe durch die Zusammenarbeit viel über sein Deutsch gelernt und zugleich ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, joscha remusEinblicke in ein “neues Sehen des Alltäg- lichen” bekommen.

Alltäglich neue Herausforderung bedeutet der unverminderte Zuzug von Roma in den Bezirk indes für Neuköllns Schulstadträtin Franziska Giffey (Foto oben: 2. v. r.): “Die Zahl der schulpflichtigen Roma-Kinder er- höht sich jeden Monat um etwa 20, was heißt, dass wir alle vier Wochen eine neue Kleinklasse einrichten müssten, um den Bedarf zu decken.” Da das unmöglich sei, würden Neuankömmlinge zunächst in Deutsch-Kursen der Volkshochschule auf die Schule vorbereitet werden. Den Eltern der Kinder und Jugendlichen die deutsche Sprache näher zu bringen, hat auch Roland Hägler vor: Eigens für sie wird in der Hermann-von-Helmholtz-Schule zur Förderung der Integration vormittags ein kosten- loser Deutsch-Kurs angeboten. Bislang, muss der Schulleiter feststellen, sei die Resonanz aber leider sehr verhalten.

Die Foto-Ausstellung “Die Stadt in meinen Augen – Roma-Jugendliche zeigen ihre kreative Sicht auf Berlin” ist  noch bis zum 14. Dezember im Foyer in der 2. Etage des  Neuköllner Rathauses  zu sehen; Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8 – 18 Uhr.

=ensa=

Auf eigene Faust

“Mit dem Chauffeur durch die Neuköllner Kulturszene” – das war jahrelang der Slogan des Kunstfestivals NACHTUNDNEBEL. Nun hat er ausgedient. Bei der heutigen 11. Auflage des Events, die ob “des Rückzugs der öffentlichen Hand aus der Finanzierung von Kunst und Kultur” von den Organisatoren unter unkomfortab- leren Bedingungen denn je gestemmt werden muss- te, müssen auch die Besucher umdenken. Großraum-taxen, die auf verschiedenen Routen zwischen den Veranstaltungsorten unterwegs sind, um Kultur-Expe- ditionsteilnehmer kostenlos von A nach N und Z zu bringen, gibt es nicht mehr. Wer heute die NACHTUNDNEBEL-Lo- cations erkunden will, muss sich erstmals selber überlegen, wie er sie anläuft oder -fährt – oder an einer der angebotenen Führungen teilnehmen.

Welche Auswirkungen der Wegfall der Chauffeure und damit eines Alleinstellungsmerkmals hat, das bisher sicher nicht unmaßgeblich zur Attraktivität des Festivals beitrugen,  wird sich zeigen. Dass sich die Zahl der Veranstaltungsorte im Vergleich mit dem Vorjahr um ein Zehntel reduziert hat, dürfte hingegen kaum jemandem auffallen, denn es sind immer noch rund 100.

Das Festival wird um 18 Uhr von Neuköllns Bezirksstadträtin Franziska Gif- fey und Katharina Smaldino, der Beauftragten für Menschen mit Be- hinderung, im  Schillerpalais  eröffnet.

=ensa=

Nicht bewacht, sondern beschützt

albert-schweitzer-gymnasium neuköllnGestern endeten nicht nur die Herbstferien für Berlins Schüler und Lehrer, auch die  Zeit ohne Wachschutz-Personal ist nun an 11 von 65 Neuköllner Schulen vorbei. “Damit entfällt für uns auch endlich wieder die permanente Beschäftigung mit dem Schutz der Schüler und der Schule”, stellte Georg Krapp (r.), Rektor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, gestern beim podium pressegespräch "wiedereinsetzung des wachschutzes an neuköllner schulen", albert-schweitzer-gymnasium, dr. franziska giffey, georg krappPressege- spräch fest, zu dem Neuköllns Schulstadträtin Franziska Giffey (l.) an- lässlich der bezirksweiten Wiedereinsetzung des Wach- schutzes eingeladen hatte.

Vor einem Dreivierteljahr hatte die Maßnahme aus Kostengründen eingestellt werden müssen, dank einer Nachschlagszahlung des Berliner Senats an die Bezirke kann sie jetzt fortgesetzt werden. Bis Ende 2013, so Giffey, laufe der Vertrag mit den Rheinischen Sicherheits Diens- ten (RSD), die sich bei der europaweiten Ausschreibung durch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die podium pressegespräch "wiedereinsetzung des wachschutzes an neuköllner schulen", albert-schweitzer-gymnasium, dr. franziska giffey, georg krapp, burkhard emonds, afif abbassiEinhaltung des vom Bezirk vorgegebenen Krite- rienkatalogs hervor getan hatten. Ein Mindeststundenlohn von 8,50 €, eine mindestens dreijährige Erfahrung beim Schutz öffentlicher Gebäude, ein Mit- arbeiterstab von mindestens 50 Perso- nen, ein Augenmerk auf die Frauen- und Ausbildungsförderung – all das seien Punkte gewesen, die es neben der Qualifikation, einwandfreien Führungszeugnissen und Sachkundeprüfungen der Mitarbeiter zu erfüllen gegeben habe. Auch deren Alter sei ein Kriterium gewesen: Weder zu jung noch zu alt dürfen sie sein. Die gänzlich unbewaffneten Wachschützer dürften bei Schulfremden, die ins Gebäude wollen, nicht den Eindruck erwecken “Den Opa renn ich um und geh rein!”, erklärte Burkhard Emonds (2. v. r.), der beim RSD für das Qualitätsmanagement zuständig ist. Zu jugendliche Wachschützer hingegen könnten leicht zu Verbrüderungs-Ambitionen führen: “Die wollen wir auch nicht, albert-schweitzer-gymnasium neuköllnsondern ein freundliches Verhältnis.” Afif Ab- bassi (r.) guckt zwar nicht gerade freundlich, nickt aber bestätigend. Er ist einer der beiden Einsatzleiter für das neue Betätigungsfeld albert-schweitzer-gymnasium neuköllnder RSD an Neu- köllner Schulen und koordiniert die 24 multieth- nischen Doppel- streifen, die durch Springer verstärkt werden können. Dass die meisten Mitarbeiter außer der deutschen mindestens eine weitere Sprache beherrschen, sei zwar bei Einsätzen in einem Bezirk wie Neukölln nicht unwichtig, ergänzte Emonds, wichtiger als die Sprache sei aber das Gefühl für einen Migrationshintergrund.

Einer, der all diese Qualitäten besitzt, ist Mostafa Mou- savi. Der 53-Jährige ist am Albert-Schweitzer-Gymnasium kein Unbekannter. “Ich war schon für die Firma tätig, die hier vorher den Wachschutz stellte, und bin nun nach neun Monaten Arbeitslosigkeit ins Team des RSD geholt worden”, erzählt der gebürtige Iraner. Zu seinem alten, neuen Arbeitsplatz hat er schon insofern ein besonderes Verhältnis, als auch seine Tochter hier zur Schule ging. Acht seiner albert-schweitzer-gymnasium neuköllnKollegen wurden ebenfalls auf Empfehlung von Schulleitern vom RSD angeheuert.

“Was man aber ganz klar sagen muss, ist, dass wir den Wachschutz nicht für die innere Sicherheit unserer Schule und Störfälle unter Schülern brauchen”, beton- te Schulleiter Krapp mehrfach. Derartige Probleme würden mit pädagogischen Mit- teln gelöst. Es gehe einzig und allein darum, Schulfremde am Zugang zum Gebäude und so daran zu hindern, es nach möglichem Diebesgut auszukundschaften oder in den Schulklos Drogen zu konsu- mieren: “Unsere Schüler fühlen sich durch den Wachschutz also nicht bewacht, sondern beschützt.”

Etwa eine Million Euro kostet die Maßnahme den Bezirk bis Ende nächsten Jahres. “Zum Idealbild einer Schule passt sie sicher nicht”, hielt auch Franziska Giffey fest, aber die Effektivität spreche für sie und sie trage entscheidend dazu bei, dass Eltern ihre Kinder in einer sicheren Schulumgebung wüssten. Die Alternative einer techniklastigen Lösung, sprich: die Ausstattung der Schulen mit Drehkreuzen, Chipkarten und Gegensprechanlagen, wäre jedenfalls nicht günstiger gewesen, wie ein von der Firma Bosch erstelltes Modellkonzept ergeben habe.

=ensa=

Blicke durch Schlüssellöcher

mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnSie heißen Leni, Mahmoud, Cheyenne, Jan-Krevan, Betül, Mekke, Susuda, Hamza, Mekke, Daniel, Leopold, Dallas, Hiba, Elias und Mariella – um nur einige zu nennen – und wohnen mitten in Neukölln im Ganghoferkiez. Sie sind zwischen zwei und acht Jahren alt, gehen in die Kita oder bereits in die Schule und zeigen derzeit im Kinder-KünsteZentrum, mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnwie sie leben und ihren Alltag erleben. “Guck mal, das ist bei uns zuhause!” Mahmoud zeigt stolz auf das große Schwarz-Weiß-Bild, auf dem er (M.), sein kleiner Bruder und seine große Schwester zu sehen sind. Das Bild, erklärt er, sei mal ein Foto mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllngewesen, das fotokopiert und vergrößert und später von ihm ausgeschnitten und an die Wand geklebt wurde. Dann ist er wieder weg, um zusammen mit Betül an einem weiteren Kunstwerk zu basteln.

“Das ist eine der Besonderheiten der Ausstellung mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnVielfalt der Fami- lien im Kiez“, sagt Karen Hoffmann (l.), die Leiterin des KinderKünsteZen- trums, bei der Ver- nissage. “Sie ist längst noch nicht fertig und wächst immer weiter.” Genau genommen sei sie auch keine Ausstellung, sondern in erster Linie eine Mitmach-Kunstwerkstatt. Hauptakteure sind Kinder der Kita Mosaik und der Kita Brüdergemeine sowie der Richard-Grundschule, die zusammen mit drei Künstlerinnen durch unterschiedlichste Herangehensweisen ein Kaleidoskop der mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnFamilien im Ganghoferkiez  erstellen.

Während die Kita Brüdergemeine-Kids, zu denen auch Mahmoud und Betül gehören, gemeinsam mit Chris Gräfensteiner ein Familienzimmer gestalten, das mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllndurch Foto- und Sound- collagen Einbli- cke in die Woh- nungen gewährt, nehmen sich die Kinder der Kita Mosaik zusammen mit Anett Lau gleich mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllndes ganzen Viertels an.

Mein Kiez heißt ihre Rauminstallation, die Straßen, Wege und Häuser aus der Sicht der Kinder darstellt, aber ebenso die Kinder selber als Exponate in die Szenerie mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllneinbezieht. Daniel will als Erster zur lebens- großen Pappmitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnfigur werden. “Versuch’ ganz ruhig zu liegen und nicht zu lachen, wenn’s kitzelt!”, fordert Anett Lau ihn auf, als Mekke beginnt, die Umrisse des Jungen auf den Karton zu übertragen. Daniel liegt konzentriert und mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnstocksteif da, wagt kaum richtig Luft zu holen, bis Mekke die Arbeit an seiner Silhouette vollendet hat. “So groß bin ich schon?”, wundert er sich.

Wer nicht mehr im Gebäudeteil hinter dem Stadtbad war, seit das Museum Neukölln aus diesem aus- gezogen ist, wird sich eher wundern, was durch das KinderKünsteZentrum aus dem einst düsteren Ambiente geworden ist: Ein mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnbunter Ort, an dem Kinder ihre Kreativität kennen lernen und ausleben können.

Den großen Raum mit der Lichtkuppel hat nun die Klasse 1.2 der Richard-Grundschule zu ihrem Atelier gemacht. Angeleitet von Simone Schander zeichnen und basteln die Schülerinnen und Schüler Familienportraits für die Ausstellung und werden so spielerisch an die Auseinandersetzung mit ihren eigenen Biographien herangeführt. Dass sich in den Exponaten, liebevoll gestalteten Miniaturwohnungen, zuweilen Realität und Phan- tasie vermischen, ist offensichtlich und gewollt. “Es ist doch auch mitmach-ausstellung "vielfalt der familien im kiez", ganghoferkiez, kinderkünstezentrum berlin, neuköllnwunderbar”, findet Bezirksstadt- rätin Fran- ziska Giffey, “dass man hier das bauen kann, was man sich wünscht – ein eigenes Zimmer zum Beispiel.” Als sie die Kinder fragt, wie viele mehrere Geschwister haben, gehen die meisten Hände nach oben. Bei der Frage nach einem eigenen Reich, bleiben viele unten.

In manch anderem Bezirk wäre das Ergebnis umgekehrt ausgefallen. Insofern ist die Mit- machwerkstatt “Vielfalt der Familien im Kiez” nicht nur für die Kinder ein spannendes Erlebnis, sondern auch für Besucher sowie das Team rund um Karen Hoffmann eine aufschlussreiche Erfahrung. “Normalerweise kommen ja Kinder aus ganz Berlin zu uns”, sagt sie. “Dieses Projekt nur für Kinder aus dem Umkreis unseres Standorts ist auch für uns eine Premiere.” Der Zuspruch beweist, dass das vor einem Jahr eröffnete KinderKünsteZentrum trotz der berlinweiten Ausrichtung im Kiez ange- kommen ist: Alle Workshops für Kitas und Schulen sind inzwischen ausgebucht.

Noch bis zum 11. November ist das KinderKünsteZentrum Berlin immer sonntags ab 11 Uhr geöffnet und lädt alle Familien mit Kindern zu kostenlosen Mitmach-Aktionen und Workshops ein.

=ensa=

Neuköllns Vielfalt in Graustufen

ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhDie Aufregung war groß. Je näher die Eröffnung der Foto-Ausstellung “Neu- köllner Sicht-Weisen” rückte, desto schwieriger wurde es für Passanten, sich einen Weg durch die Trauben der Wartenden vor dem Kunstlabor schwar- zekatze\weisserkater zu bahnen. Doch in die Vorfreude der Fotografen und ihrer Gäste mischte sich auch Wehmut, denn es könnte ob noch fehlender Wei- terfinanzierung die letzte Ausstellung dieser sehr besonderen Art sein.

Vor knapp einem Jahr startete das Projekt, bei dem die Kursleiter Ulli Schreier und Wolfgang Selbach vom schwarzekatze\weisserkater e. V.  Frauen und Männern mit Lern- und geistigen Behinderungen in die Kunst der Schwarz-Weiß-Fotografie ein- ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhführten. Die Technik einfacher Analog-Kameras, Motivsuche, Bildaufbau, die Fotoentwicklung im ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhLabor und fotografische Exkur- sionen – all das stand neben der Praxis, also dem Fotografieren an sich, auf dem Programm des Workshops. “Für das Projekt überhaupt einen Kooperationspartner zu finden, ist äußerst kom- pliziert gewesen. Nur das Kunstlabor schwarzekatze\weisserkater wollte es mit uns wagen. Von allen anderen im Kiez, die ich ange- sprochen habe, gab es nur Absagen”, beschreibt Heidemarie Sohnemann von der Lebenshilfe Berlin die Schwierigkeiten, aus dem Nebeneinander von Behinderten und Nicht-Behinderten ein Miteinander zu machen. Es sei definitiv eine wertvolle Erfahrung gewesen, sagt Ulli Schreier. Von Einblicken in eine andere Welt spricht er, wenn er sich an die Zusammenarbeit erinnert, und schwärmt von den Prozessen, die dabei entstanden: “Im Laufe der Zeit haben die Teilnehmer angefangen, mit den Bildern, die sie gemacht haben, Geschichten zu erzählen. Für mich sind das also ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhnicht nur Fotos, die wir nun ausstellen.”

Fast 50 Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind es. Das Bild mit der Nummer 4 ist von Martin May und zeigt eine Kollegin, die in der Behindertenwerkstatt mit ihm zu- sammenarbeitet. Natürlich, sagt er, habe er nicht nur sie, sondern auch anderes fotografiert: “Aber das Bild hat mir am besten gefallen.” Das Vertrauen der Frau in den Mann hinter der Kamera ist un- ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhübersehbar und macht als Kontrast zur Werkstatt-Peripherie den Reiz des Fotos aus. Für Martin May selber war es vor allem das Umdenken, das ihn reizte, am Projekt teilzunehmen. “Sonst fotografiere ich auch”, sagt er, “aber mit einer Digital-Kamera.” Plötz- lich nur einen Film mit 36 Bildern zu haben, nicht mehr schnell löschen zu können, was verwackelt ist oder nicht gefällt, das sei schon ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbh, katharina smaldinoeine große Umstellung gewesen. Und dann diese völlig andere Perspektive, die vom Sucher statt von einem Display be- stimmt wird.

Das Projekt, bei dem alle Fotografen die Werdegänge ihrer Bilder von der Aufnah- me bis zur Dunkelkammer miterleben konnten, erinnere sie sehr an einen Foto- ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbh, dr. franziska giffey, katharina smaldinoKurs, an dem sie früher in der Schule teilgenommen habe, verriet Kulturstadträtin Dr. Franziska Giffey (l.) bei der Vernissage: “Allein durch das eigene Bearbeiten entstehen dann besondere Bilder.” Und im Falle die- ser Ausstellung, lobte Giffey, würden sie die Vielfalt Neuköllns auf einzigartige Weise  widerspiegeln.

Auch Katharina Smaldino (r.), Beauftragte für Men- schen mit Behinderung im Bezirk, zeigte sich angetan von den Ergebnissen, die in der Schlussphase des einjährigen Workshops entstanden sind. “Ich versu- che gerade Geld für eine Fortsetzung des so wich- tigen Projekts aufzutreiben”, ließ sie die Teilnehmer wissen. Ein Hoffnungsschimmer.

Die Ausstellung “Neuköllner Sicht-Weisen” ist noch bis Anfang Oktober zu sehen. Das Kunstlabor schwarzekatze\weisserkater in der Emser Str. 128 hat  morgen von 15 – 18 Uhr geöffnet. Weitere Termine können per E-Mail an info[at]schwarzekatzeweisserkater.de vereinbart werden.

=ensa=

Zu viel des Guten

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinAusgerechnet der Wind war gestern das größte Problem auf dem Tempelhofer Feld, wo das erste Festival der Riesendrachen stattfand. Die Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND hatte dazu eingeladen und Dutzende internationale Drachenflieger-Teams waren gekommen. Dazu rund 40.000 Schaulustige – optimistisch frühherbst- lich gekleidet oder mit Mützen und Handschuhen, mit STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlineigenem Drachen im Gepäck oder ohne.

Bis zu 40 Meter lange Großdrachen und das mit 26 Metern weltgrößte Wind- rad waren neben einem bunten Programm rund ums Drachenfliegen angekündigt. Doch die steife, teils überdies böige Brise aus Nordwest  wirbelte manches gehörig durcheinander oder zwang die Riesendrachen-

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinSTADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinSTADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlin

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinSTADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinSTADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlin

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinSTADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinSTADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlin

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlinLenker ganz dazu, ihre Fluggeräte am Boden oder in Bodennähe zu lassen. Lediglich am Vormittag beim Warm up herrschten nahezu perfekte Bedingungen, im Laufe des Nachmittags frischte der Wind immer weiter auf, verhinderte so aber auch, dass das bunte Spektakel am Himmel durch Regen gestört wurde.

STADT UND LAND-festival der riesendrachen, tempelhofer feld, berlin

v. l.: Ingo Malter (STADT UND LAND), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin von Neukölln), Vera Gäde-Butzlaff (BSR), Oliver Schworck (Bezirksstadtrat von Tempelhof-Schöneberg), Dr. Christoph Landerer (STADT UND LAND)

Entsprechend positiv fiel das Zwi- schenfazit von Dr. Christoph Lande- rer, Vorsitzender des STADT UND LAND-Aufsichtsrats, nachmittags bei der offiziellen Eröffnung aus. “Das Festival kann schon jetzt als voller Erfolg bezeichnet werden, und wir werden dafür sorgen”, ver- sprach er, “dass es nicht die letzte Veranstaltung dieser Art ist.”

=kiezkieker=

Zwischen Himmel und Erde, Vergangenheit und Zukunft

Spektakulär soll es werden. Eine “einzigartige Sinfonie aus Flugakrobatik, Licht-installation und Sounddesign” erwartet die Schaulustigen  morgen  bei der  Fassa- denperformance am Ideal-Hochhaus, gropiusstadt berlin-neukölln, ideal-hochhausdem Höhe- punkt der Festivitäten rund um das 50-jährige Bestehen der Gropiusstadt. “Regen”, sagt Katja Richter, “würde die Show nicht gefährden.” Schwierig könne es nur bei Sturm oder Gewitter werden. Aber die Sprecherin des aus Dramaturgen, Stuntleuten, Technikern sowie Licht- und Sound- designern bestehenden Team Wired ist zuver- sichtlich, dass derartige Wetterereignisse den Ak- teuren erspart bleiben. Und natürlich hofft sie, dass sich reichlich Zuschauer auf der Wiese vor dem Haus einfinden, um das Spektakel weit über ihren Köpfen gebannt zu verfolgen. Eines, das gewissermaßen erst durch den Bau der Mauer möglich gemacht wurde.

Hochhaus an Hochhaus, eines neben, vor und hinter dem anderen – so hatte sich Walter Gropius die Großsiedlung im Neuköllner Süden eigentlich nicht vorgestellt. Sicher, es ging dem Architekten darum, Wohnraum für zehntausende Menschen zu schaffen, aber  “bei den ersten Planungen von Gropius ging es nur um etwa 14.000 Wohnungen und eine erheblich niedrigere Bebauung”, erinnert Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing. Fünfgeschossig, höher sollten die Häuser nicht werden, und alle sollten von großzügen Grünflächen umgeben sein. Doch dann kam im August 1961 der  Bau der gropiusstadt, berlin-neuköllnMauer. Von einem Tag auf den ande- ren musste umdisponiert werden. Das ans Gebiet der Gropiusstadt an- grenzende Bundesland Brandenburg, das anfangs als Ausdehnungsfläche in Kalkül gezogen worden war, war plötzlich ein anderer Staat. Folglich musste höher und enger gebaut werden.

Nichtsdestotrotz bedeute das Woh- nen in der Gropiusstadt immer noch ein  Wohnen im Grünen, sagt Frank Bielka vom Vorstand der degewo, die einen gropiusstadt berlin-neuköllnBestand von rund 4.500 Wohnungen in der Groß- siedlung hält. “Der Grünflächenanteil”, so seine Er- fahrung, “wird aber oft unterschätzt.” Vielleicht ist es aber auch ein Fakt, der nicht ins Klischee der Gro- piusstadt passt, das von Schlagwörtern wie Beton- wüste, Anonymität und Ghetto dominiert  wird. Wie so oft stehen sich auch hier die Außenwahrneh- mungen und die Empfindungen und Meinungen der Bewohner über ihren Stadtteil unvereinbar diametral gegenüber.

pk 50 jahre gropiusstadt, berlin-neukölln

(v. l.: Dr. Martin Steffens, Heike Thöne, Michael Abraham, Thomas Blesing, Frank Bielka, Falko Liecke, Dr. Franziska Giffey, Prof. Jörg Stollmann

Was beim Blick von außen ebenfalls häufig vergessen werde, sei, dass die Gropius- stadt nicht nur aus Wohntür- men bestehe, sondern auch Reihenhäuser, Einfamilien- häuser und Wohnblocks da- zugehören. Diese architekto- nische Vielfalt sei in Groß- siedlungen äußerst selten und mache die Gropiusstadt zum attraktiven Exkursionsziel für Architekten, ergänzt Michael Abraham, Mitglied des Vorstands der Ideal eG. Insbesondere das Modell des genossenschaftlichen gropiusstadt, neuköllnWohnens habe sich im Viertel als wichtiger  Sta- bilisator im sozialen Bereich  bewährt. Aspekte, die die Trabantenstadt vor allem für Familien attraktiv machen, lägen vor allem in  vielfältigen Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie einer ambitionierten Bildungs- und Kulturlandschaft, verweisen Jugend- stadtrat Falko Liecke und Bildungs-, Kultur- und Schulstadträtin Franziska Giffey. So habe mit dem Bildungsverbund Gropiusstadt ein effektives Instrument zur Vernetzung lokaler Kitas und Schulen initiiert werden können. Zugleich solle mit dem Campus Efeuweg per- gropiushaus, gropiusstadt neuköllnspektivisch im Süden von Neukölln das Gegenstück zum Campus Rütli geschaffen werden.

Die Weichen für die Gropiusstadt sind also eindeutig in Richtung Zukunft gestellt und daran ist das 50-jährige Jubiläum alles andere als unbeteiligt. Die Vorbereitung des Festprogramms habe bei allen Akteuren  spannende Prozesse ausgelöst, die Ge- schichte und Perspektiven des Stadtteils neu zu denken, schwärmt Quar- tiersmanagerin Heike Thöne. Eine wichtige Rolle wird bei den Visionen der Akademie einer neuen Gropiusstadt zukommen. Die solle, erklärt Prof. Jörg Stollmann, nicht nur Klammer zwischen Architektur, Sozialem und Historischem sein, sondern auch zur Optimierung der Bürgerbeteiligung beitragen und sich mit der Frage  “Wie kann Stadtentwicklung stattfinden?”  beschäftigen. Also mit einer, die für ganz Berlin von enormer Wichtigkeit ist.

=ensa=

Made in Neukölln: Frühstück für 52.000 Erstklässler

bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllnLange schlafen, gemütlich frühstücken, den Sonntag ruhig angehen lassen: Darauf mussten gestern alle verzichten, die beim Bio-Brotboxen-Packen mithelfen und so dazu beitragen wollten, dass rund 52.000 Erstklässler ihre Schulkarriere heute mit bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllneinem gesunden Frühstück begin- nen konnten.

In der Leergut- halle des Neuköllner Bio-Großhändlers Terra Naturkost sind Dutzende Tischreihen aufgebaut, neben dem Eingang steht eine kleine Bühne. Die Komponenten für die Frühstücksboxen – von 1 wie bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, leerguthalle terra naturkost, neuköllnTeebeutel bis 10 wie Möhrchen – lagern auf Paletten am Rand der Halle. Das von verschiedenen Berliner Bio-Bäckereien produzierte Voll- bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, l.: joachim weckmann (märkisches landbrot), tillmann biokonditorei, r.: dr. burkhardt sonnenstuhlkornbrot wird auf der Empore ein- getütet – Schei- be für Scheibe, gut  52.000mal.

Etwa 500 Helfer sind es, die sich fürs Packen der  Bio-Brotboxen  für die Erstklässler von  knapp 1.000 Berliner und Brandenburger Grundschulen  angemeldet haben. Den Großteil machen Beschäftigte der an der Bio-Brotboxen-Aktion beteiligten Firmen bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllnaus. Für die Parteien sei das Thema der gesunden Ernährung von Kindern verbunden mit tatkräftiger Unterstützung offenbar nur in Wahlkampfjahren interessant, kritisiert mancher. Immerhin: Berlins Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann, die grüne  Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm, Brandesburgs Staatssekretär für Verbraucherschutz Dr. Daniel Rühmkorf und der Neuköllner Bezirks-bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, heinz buschkowskybürgermeister Heinz Buschkowsky stehen am Promi-Packtisch statt am heimischen Frühstückstisch  zu sitzen. Wer die Gesichter kennt, kann einige Meter entfernt Neuköllns Jugend- und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke sowie den Bezirkssozialstadtrat Bernd Szczepanski entdecken. Ansonsten glänzt auch die Neuköllner Kommunalpolitik vor allem durch Abwesenheit – einzig den Grünen des Bezirks gelingt es, außer ihrem bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, sozialstadtrat bernd szczepanski, catherine michel (stv. fraktionsvorsitzende grüne neukölln)Stadtrat noch drei weitere Fraktionsmitglieder fürs Bio-Brotboxen-Packen zu begeistern. Die Linke – Fehl- anzeige, die Piraten ebenso.

“20.000 Boxen sind schon gepackt!”, ruft Projektinitiator Dr. Burkhardt Sonnenstuhl durch die Halle. Es ist gerade bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, bsr-bio-brot-boxermal viertel vor 11. Eine Viertelstunde da- nach kann er vermel- den, dass nun alle Brotscheiben einge- tütet seien.

Womit seine Pausen- brote  belegt waren, könne er gar nicht mehr erinnern, sagt Buschkowsky. “Ich weiß aber noch, dass ein Klassenkamerad immer bessere Stullen dabei hatte.” Das habe man dann, weil die Geschmäcker eben schon damals unterschiedlich waren, durch Tauschaktionen  behoben. “Tauschen”, grübelt Bernd Szczepanski, “nee, das gab’s bei uns nicht.” Leberwurst habe er gerne auf seiner Schulstulle gehabt; inzwischen sind die Vorlieben andere. “Gutes Brot mit Butter und Kohl- rabischeiben, das schmeckt köstlich”, schwärmt er. Auf gutes Brot, ergänzt er, sei bei ihnen zuhause schon Wert gelegt worden, als er ein Kind war: “Damals nannte man bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neuköllndas aber noch nicht  Vollkornbrot.”  Auch am Packtisch der Neuköllner Grünen in der Terra-Halle, an dem sich einige Bio Com- pany-Mitarbeiter eingereiht haben, ist der Sozialstadtrat dem guten Brot ganz nah. Seine Position ist am Ende des Tisches, wo die Biobrotschnitte als letzte Kompo- nente in die Box gelegt und diese ver- bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, meinrad schmitt (gf terra naturkosthandel), manuela saager (deutsche bank)schlossen und in Kartons ver- packt wird.

Aus den Hallenlautsprechern schallt eine weitere Er- folgsmeldung: Die vor 11 Jahren ins Leben gerufene Bio-Brotboxen-Aktion wurde von der Standortinitiative “Deutschland – Land der Ideen” gemeinsam mit der Deutschen Bank zum herausragenden Projekt ernannt. An die 2.000 Bewerber für die Auszeichnung “Aus- gewählter Ort 2012″ habe es gegeben, berichtet Manu- ela Saager, als sie den Pokal des Kreditinstituts an den Terra-Geschäftsführer Meinrad Schmitt überreicht. Die bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, marion krachtBio-Brotboxen-Aktion ha- be ob ihres nachhaltigen Grund- gedankens und der Idee, den Umgang mit gesunder Ernährung schon früh zu schulen, ge- wonnen.

Genau das war es auch, was die Schauspielerin Marion Kracht davon überzeugte, sich als Botschaf- terin für das Projekt zu engagieren. Das tut die Mutter zweier Söhne inzwischen seit vielen Jahren und mit ungebremstem Elan. “Früher habe sie Sauerteig- brot mit Teewurst geliebt”, sagt sie, “aber jetzt bin ich schon seit 22 Jahren Vegetarierin und lege mir lieber Tomaten aufs Vollkornbrot.” Und selbstverständlich achte sie auch bei ihren Kindern auf eine gesunde Ernährung, das sei das A und O für eine gute Entwicklung.

Je später es wird, desto mehr schmerzen die Rücken der Helfer und leeren sich die Packtische. An einem fehlen Gutscheinkarten für einen Liter Biomilch, an anderen Müslibeutel oder Brotaufstrich-Portionsdosen. “Das ist jedes Jahr so”, wissen die, die schon oft dabei waren. “Auch das mit dem Ziepen im Rücken, aber Spaß macht es bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, luna-cateringtrotzdem.” Im Vorraum der Halle hat der Vollwert-Caterer Luna seinen Eintopf-Stand aufgebaut und kredenzt Deftiges mit und ohne Fleischeinlage. Nur wenige Schritte entfernt bio-brotbox berlin-brandenburg 2012, bio-brotboxen-packen, terra naturkost, neukölln, ups-lkwswerden vier UPS- Hänger mit Bio- Brotboxen bela- den.

In Neukölln waren es 2.654 Mädchen und Jungen, die heute Morgen zum ersten Schultag eine solche gelbe Box überreicht bekommen haben, zusammen mit einem Zahnputzbeutel. An der Schule am Fliederbusch in Rudow übernahmen das Schulstadträtin Franziska Giffey und Gesundheitsstadtrat Falko Liecke. “Viele Kinder”, meint der, “ahnen ja gar nicht, welche leckeren Frühstücks-Alternativen es zu Toastbrot mit Nutella gibt.” Heute haben sie schon einige kennen gelernt.

=ensa=

Ausgezeichnet!

Die Zeugnisse sind verteilt und Berlins Schüler in den Sommerferien. Am 6. August beginnt für sie wieder der Alltag – so der in der Schule weitergeht und nicht mit rollberger superschüler 2012, neukölln, aki arabisches kulturinstitut e.v.Arbeitslosigkeit, Ausbildung oder Studium.

Über eine besondere Auszeichnung konn- ten sich 15 Jungen und 24 Mädchen der drei Schulen im Neuköllner Rollbergkiez kurz vor dem Start in die großen Ferien freuen: Sie bekamen den Titel “Rollberger Superschüler 2012″  verliehen.

Seit dem Schuljahr 2007/2008 gibt es den Wettbewerb, der vom  Arabischen Kultur- institut (AKI) e. V.  organisiert wird, das  wie die Regenbogen-Grundschule, die Zuck- mayer- und die Kielhorn-Schule im Roll- bergviertel ansässig ist. Mit der Aus- zeichnung gehe es darum, Kinder und Jugendliche zu ehren, die nicht nur mit schulischen Leistungen glänzen, erklärt die Koordinatorin Manon Ziemann. Auch durch  vorbildliche soziale Kompetenzen und beispielhaftes Engagement müssten sie auffallen, um von ihren Schulen für die Ehrung vorgeschlagen zu werden. Denn nur mit diesem Gesamtpaket lasse sich die “Basis für eine erfolgsorientierte Zu- kunft” legen. Ansporn und Belobigung zugleich solle die Auszeichnung sein.

Für die 39 Erst- bis Zehntklässler, die sie in diesem Jahr einheimsten, veranstaltete das AKI  Montag eine Feierstunde im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe. Außer dem Shakehands mit Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der auch Schirmherr der Aktion ist, und Schulstadträtin Franziska Giffey  gab es für die Roll- berger Superschüler  Urkunden, Medaillen sowie Hugendubel-Büchergutscheine.

Heute Nachmittag empfangen Buschkowsky und Giffey im Neuköllner Rathaus 16 Abiturienten, die ihre Abi-Prüfungen an Schulen im Bezirk  mit den Traumnoten 1 oder 1,1 gemeistert haben.

Den ersten Platz im Schulranking ergatterte das im Ortsteil Britz gelegene Albert-Einstein-Gymnasium mit sechs Absolventen in diesen Kategorien. Der  zweite und dritte Platz gehen an Schulen in Nord-Neukölln: An der Katholischen Schule St. Marien schafften drei Abiturienten ihren Abschluss mit einer glatten 1 bzw. 1,1. Zwei Einser-Prüfungen wurden in der Albert-Schweitzer-Schule abgelegt.

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Zwischen Endstation und Paradies

“Endstation Paradies” – so heißt das Motto des diesjährigen Kunst- und Kultur- festivals 48 STUNDEN NEUKÖLLN, das heute um 19 Uhr eröffnet wird und bis Sonntagabend  600 Veranstaltungen in 340 Locations  auf dem Programm hat. Damit ist zwar im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Events konstant, hielt Festivalleiter Martin Steffens pressekonferenz 48 stunden neukölln, betsaal evang. brüdergemeine berlinbei der Pressekonferenz im Ge- meindesaal der Ev. Brüder- gemeine fest, “aber wir haben  40 Orte mehr, man muss also mehr laufen.” Doch das ist blo- ße Theorie, da die konkreten Zahlen bestenfalls als Renom- mee für die Veranstalter taugen. Jeder einzelne Besucher schafft ohnehin nur einen Bruchteil der Events.

Ein anderer Schuh wird aus der  Perspektive der Anwohner da- raus: Mit der größeren Ausbreitung des Festivals steigt für sie die Möglichkeit, ein Event mit all seinen unliebsamen Nebenwirkungen vor der eigenen Haustür zu haben. Steffens weiß um den schmalen Grat, auf dem sich die kulturelle Leistungsschau bewegt, die Jahr für Jahr mehr Besucher anzieht und mehr Anwohner abstößt: “Uns ist sehr daran gelegen, die Akzeptanz der 48 STUNDEN NEUKÖLLN zu erhalten und ein bewoherkompatibles Festival  zu veranstalten.” Deshalb werde es beispielsweise erstmals keine Open Air-Bühnen geben.

straßentheater invisibles, pressekonferenz 48 stunden neuköllnWas es dagegen erstmals reichlich gibt, sind Events mit eindeutig politischer Attitüde wie z. B. das Straßentheater Calaca, das morgen und Sonntagnachmittag auf dem Platz der Stadt Hof Szenen über “Invisibles  – Menschen ohne Papiere” spielt. “Das Motto wurde auch mit Bedacht gewählt”, sagt Kulturstadträtin Franziska Giffey und führt aus, was Steffens mit  “Blaupause für wei- tere Zuwanderungsbewegungen” zusam-menfasst: Vor 275 Jahren seien es die Böhmen gewesen, die sich in Neukölln an- siedelten. “Jetzt erleben wir wieder, dass Menschen nach Neukölln kommen, um hier ein besseres Zuhause zu finden.” Sogar für den Spiegel, der im Oktober 1997 mit der Schlagzeile  Endstation Neukölln”  aufmachte und damit gewissermaßen den Im- puls für das  Kunst- und Kulturfestival als Gegenpol zum Negativ-Image gab, habe sich der Kreis geschlossen: In der Ausgabe vom 2. April d. J. titelte das Magazin nun mit  Paradies Neukölln”.

podium pressekonferenz 48 stunden neukölln

(v. l.: Auguste Kuschnerow, Dorothee Bienert, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Yasemin Samdereli, Dr. Franziska Giffey, Dr. Martin Steffens

Von paradiesischen Zustän- den ist das Kulturspektakel indes auch im 14. Jahr noch ein ganzes Stück entfernt. Die Finanzierung ist ein Problem mit Déja-vu-Faktor, ein ande- res benannte Franziska Giffey: “Der  Bekanntheitsgrad der Neuköllner Kulturszene ist in den Schulen des Bezirks und bei Jugendlichen nicht sehr hoch.” Man müsse sich folg- lich für die Zukunft fragen, wie man es schaffen kann, die Kulturlandschaft mit kultureller Bildung zusammen zu bringen. Und noch weitere Überlegungen sollen durch diese 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Auflage angestoßen werden. Für den Herbst, so Martin Steffens, sei eine Zukunftswerkstatt geplant, deren Grundlage beim Festival geschaffen werde: Nicht nur mit einer  Online-Umfrage, sondern auch unter den Besuchern sollen Meinungen ermittelt werden, um diese später in größerer Runde  zu diskutieren. Über Fragen wie  “Was brauchen wir für Kultur in Neukölln?” müsse man ständig reflektieren, auch um die Menschen mit dem Festival anzusprechen und es so zu organisieren, dass es zu Neukölln passt.

Für die amtierende 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Schirmherrin Yasemin Samdereli gibt es an der Passgenauigkeit keine Zweifel. Die im Bezirk lebende Regisseurin findet Neukölln spannend und das Festival auch.

=ensa=

Endlich eine Cafeteria statt einer Hausmeisterwohnung

zuckmayer-schule neuköllnKopfstraße 53-55 in Neukölln. Vor fast 100 Jahren wurde der von  Reinhold Kiehl  entwor- fene Backsteinkomplex erbaut, in dem die Zuckmayer-Schule ihren Hauptsitz hat. Auch eine Hausmeisterwohnung war in dem Gebäude untergebracht. “Aber ein Hausmeister hat in der schon seit ewig langer Zeit nicht mehr gewohnt”, sagt Schulleiter Steffen Eckardt. Nun ist die Ära der Hausmeisterwohnung passé, stattdessen hat die Zuckmayer-Schule, die als Sekundar- schule den Ganztagsbetrieb praktiziert und aktuell von 554 Schülern besucht wird, endlich eine Cafeteria. Gestern wurde sie offiziell einge- weiht; alle anderen Neuköllner Ganztagsschulen haben das Ereignis längst hinter sich.

“Die Damen und Herren von der Polizei sitzen da, wo die Badewanne stand”, erklärt Eckardt grinsend bei der kleinen Feier, bevor er näher auf die “bautechnische Meisterleistung” eingeht, die foffizielle einweihung cafeteria zuckmayer-schule neuköllnür den Umbau der 3-Zimmer-Wohnung nötig war. “Das  Mauerwerk unse- rer Schule gleicht ja einem Schweizer Käse, weil  früher jedes Klassenzimmer eine eigene Ofenheizung hatte.” Um die Statik nicht ins Wanken zu bringen, seien die Säulen, die statt einer Wand mitten in der Cafeteria stehen, “vom Keller aus durch das Gebäude geschos- sen” worden. Seitdem erinnert nichts mehr an die Hausmeisterwohnung. Fast nichts mehr. “Die Woh- nungstür mit Spion und Briefkastenschlitz wollten wir unbedingt behalten”, sagt der Schulleiter. Allerdings sind offizielle einweihung cafeteria zuckmayer-schule neukölln,diese Relikte nun nur noch Dekoration.

Etwa 320.000 Euro flossen aus der Kasse des Neu- köllner Bezirksamts in die Umstrukturierungsarbeiten, die von insgesamt 13 regionalen Fachfirmen bewerk- stelligt wurden. “Mit wirklich  minimalen Belästigungen und großer Rücksichtnahme auf den laufenden Schul- betrieb”, betont Steffen Eckardt. Sehr zufrieden seien er, die Lehrer und Schüler mit dem Ergebnis und auch mit der Farbgestaltung mit ihren lila- und petrolfarbenen offizielle einweihung cafeteria zuckmayer-schule neukölln, steffen eckardt, dr. franziska giffeyAkzenten.

Franziska Giffey (r.), Neuköllns Schulstadt- rätin, kann die Begeisterung nur bedingt teilen. Insbesondere der Flieder-Ton, sagt sie, sei ja doch sehr gewöhnungsbedürftig. Voll des Lobes ist sie indes über den organisatorischen Kraftakt, den Schulleiter Eckardt (l.) und das Lehrerkollegium der Zuckmayer-Schule in letzter Zeit neben dem Unterricht absolvierten und noch vor sich haben: Die Umgestaltung des Hauptsitzes in der Kopfstraße war eine Baustelle, der Umzug der Zuckmayer-Schule-Filiale eine andere. Letztere sei jedoch nicht zu vermeiden. “Der Bezirk braucht vermehrt Schulplätze und das nicht nur wegen des anhaltenden Zuzugs von Roma-Familien”, so Giffey. “Wir werden zum nächsten Schuljahr rund 100 Schüler haben, die das Gymnasium nicht schaffen und auf Sekundarschulen wechseln  müssen.” Das bedeute Umstrukturierungen. Deshalb werde die Filiale der Zuckmayer-Schule unter dem Dach der Thomas-Morus-Schule aufgelöst und künftig in der ehemaligen Kurt-Löwenstein-Schule ihren Sitz haben, die wiederum 2011 mit der Röntgen-Schule fusionierte und ein Gebäude an der Bezirksgrenze zu Treptow bezog. “In dem Präsentkorb ist ein wenig Nervennahrung offizielle einweihung cafeteria zuckmayer-schule neukölln,für Sie und Ihre Kollegen”, verspricht Franziska Giffey dem Schulleiter.

Steffen Eckardt nimmt das Geschenk dankbar an und beweist im nächsten Moment, wie sehr er auf Herausforderungen eingestellt und ihm das tägliche Improvisieren in Fleisch und Blut übergegangen ist: “Eigentlich hätten wir heute auch gerne eine kleine kulturelle Einlage unserer Schulband präsentiert, aber die könnte nicht vollzählig auftreten, weil die Schüler der 10. Klassen gerade in den Prüfungen stecken.” Auf eine musikalische Kostprobe muss trotzdem nicht verzichtet werden. “Wir sind ja schließlich eine Multimedia-Schule”, sagt Eckardt und bittet seine Kollegin, den Beamer ein- zuschalten. Kurz darauf rockt die Schulband mit dem John Lennon-Titel “Imagine” die neue Cafeteria der Zuckmayer-Schule.

=ensa=

Endlich!

innsportplatz neukölln (august 2009)innsportplatz neukölln (november 2011)Wer erst seit etwa fünf Jahren rund um die Kreuzung Innstraße/ Sonnenallee oder am Anfang der Finowstra- ße wohnt, musste seit- dem nur aus dem Fenster gucken, um einen   Eindruck vom stetigen Wandel Neuköllns   zu bekom- men. Erst sah man sich einer eingezäunten Kraterlandschaft gegenüber, dann einer Baustelle mit Christo-Attitüde, später einer riesigen Buddelkiste und schließlich einem asphaltierten Areal. Wie es ist, einen Sportplatz direkt vor der Haustür zu haben, konnten nur jene erzählen, die schon vor dem Sommer 2007 in die Gegend gezogen waren.

Nun dürfen das wieder alle erleben, der Innsportplatz hat die fünfjährige spielfreie Zeit endlich hinter sich. Eigentlich sollte er damals nur saniert werden. Doch dann wurden bei den Bauarbeiten Waffen und Munition aus dem 2. Weltkrieg entdeckt – und der Sportplatz an der Innstraße wurde zum Fall für das LKA und zum Sorgenkind für die Kassen des Berliner Senats und des Bezirks Neukölln. Bis in 3 Meter Tiefe wurde der Boden gesiebt und kontaminiertes Erdreich abgetragen, bevor erneut ein Kunst- rasenfeld für Kicker aller Alters- und verschiedener Spielklassen angelegt werden konnte. Letzten Freitag wurde das über 800.000 Euro teure Bauprojekt beendet und der Innsportplatz samt neuer Flutlichtmasten, Beregnungsanlage, Stehplatztribünen und innsportplatz neukölln, foto: simonwiedereröffnung innsportplatz neukölln, foto: bertil wewerBallfangzäune wie- der offiziell seiner Be- stimmung übergeben.

Das Bezirksamt Neu- kölln trat mit Bürger- meister Buschkowsky,  Baustadtrat Thomas Blesing und Sportstadträtin Franziska Giffey  zur feierlichen Wiedereröffnung an. Der  1. FC Neukölln und der Rixdorfer SV Berlin (ehem. 1. SV Galatasaray) schickten ihre E-Jugend-Mannschaften, um den alten neuen Inn- sportplatz einem spielerischen Belastungstest zu unterziehen. Die Anwohner müssen künftig genauer hingucken, wenn sie den Wandel vor ihrer Haustür erkennen wollen, denn der wird sich nur noch auf wechselnde Teams und Trikots beschränken.

=ensa=

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