Augenblick Neukölln

So heißt das Thema des diesjährigen Fotowettbewerbs der Bürgerstiftung Neukölln, an  dem man sich noch  bis zum 16. Juni  mit  maximal drei Bildern  beteiligen  kann.

augenblick neukölln

Die Gewinner werden dann am 5. Juli bei der Eröffnung der Ausstellung aller ein- gesandten  Bilder  im  Neuköllner  Leuchtturm  bekanntgegeben.

Ein Bezirksbürgermeister muss es ja wissen

Wut, Frust und Unverständnis liegen in der Luft. Die Emotionen gelten dem Buch “Neukölln ist überall” und dessen Autor: Heinz Buschkowsky geißelt in seinem Buch das Versagen der Anderen – der Politik und der Migranten in seinem Bezirk. Er stilisiert sich damit zum einsamen Rufer in der Wüste. Engagierte Bürger Neuköllns, Migran- tenorganisationen und Projekte sprechen Neu- köllns Bürgermeister den alleinigen Deutungs-anspruch der “Wahrheit” in Neukölln ab! Sie sagen: “Wir sind Neukölln! Neukölln ist an- ders” erklären die acht Initiativen, die sich spontan zu einem Bündnis zusammenge- schlossen und mit einem Pressegespräch im Neuköllner Leuchtturm  zur Gegen- offensive geblasen haben, um wahrgenommen zu werden.

pressegespräch "neukölln ist anders", neuköllner leuchtturm, buschkowsky "neukölln ist überall"

v. l.: Elfi Witten (Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin), Deniz Eroglu, Idil Efe, Duygu Akay (Neuköllner Talente), Ghassan Hajjo (Arabische Eltern-Union e. V.), Yüksel Gök (Aufbruch Neukölln e. V.)

“Wir wollen das Bild von Neukölln, das der Bürgermeister in seinem Buch zeichnet, so nicht stehen lassen“, sagt Elfi Witten vom Pari- tätischen Wohlfahrtsverband Berlin, der das Bündnis unterstützt. Der Vorwurf an jene Medien, die dem Maler bei der Vermarktung seines Debüt-Werkes hilfreich unter die Arme greifen, klingt deutlich mit. Aber vorrangig gilt die Kritik der zwischen zwei Buchdeckeln er- schienenen Arbeit von Buschkows- ky und ihren Signalen. Dass ausgerechnet ein Bürgermeister verbal dermaßen auf seinen Bezirk und große Teile der Bewohner einknüppelt, kann hier niemand verstehen. “Er fordert präventive Arbeit, streicht aber die Mittel dafür und pflegt einen äußerst bedenklichen Umgang mit freien Trägern”, moniert Elfi Witten. “Warum”, fragt sie sich, “lässt er es zu, dass Neukölln in Berlin Schlusslicht bei der Kita-Versor- gungsquote ist? Weshalb schöpft er die Möglichkeiten des eigenen Han- delns nicht aus?” Als Bürgermeister, findet auch Kornelia Hmielorz vom FIPP e. V., müsse es ihm doch darum gehen, im Bezirk Türen für Migranten zu öffnen. Doch Buschkowsky schlage die Türen nicht nur zu, sondern treibe zusätzlich einen Keil in die Gesell- schaft. “Sein Wir-Begriff schließt Einwanderer aus und verhindert damit Integration”, kritisiert Idil Efe vom Neuköllner Talente-Projekt der Bürgerstiftung Neukölln. Beispiele für eine gelungene Integration, die es reichlich gebe, würden fatalerweise in seinem Buch nicht vorkommen. Stattdessen wimmele es in dem vor Problembenennungen und verheerenden Schlussfolgerungen, vor statistischem Zahlenmaterial ohne Quellenangaben, vor anonymisierten Informanten, Pauschalisierungen und “ge- fühlten Wahrheiten”. Die eigentlich Hilfebedürftigen seien für Heinz Buschkowsky immer die Schuldigen, seine  Rhetorik  die  eines strafenden Vaters.

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r.: Asia Afaneh-Zureiki (JUMA), 3. v. r.: Prof. Barbara John (Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin), l.: Julia Pankratyeva (Integrations-Verein ImPULS e. V.)

Das sieht Asia Afaneh-Zureiki, Spre- cherin von JUMA, einem Empower-mentprojekt für junge Muslime in Berlin, nicht anders: “Die Beispiele für muslimische Jugendliche, die er verallgemeinernd benennt, sind Ein- zelfälle.” Dem stimmt auch Ghassan Hajjo von der Arabischen Eltern- Union zu. Das Buch komme ihm nicht vor, als habe es jemand mit Hin- tergrundwissen geschrieben. Er ma- che bei seiner Arbeit jedenfalls immer wieder die Erfahrung, dass sich die dritte Generation arabischstämmiger Migranten zu integrieren versuche: “Leider ist aber der Wille oft größer als die Möglichkeiten, es zu schaffen.” Ein solches Buch, fürchtet Hajjo, verbaue die Aussicht auf positive Zukunftsperspektiven, was wiederum seelische Probleme forciere. “Diese so wichtige psychische Kom- ponente”, wirft Yüksel Gök vom Aufbruch Neukölln e. V. dem Autor vor, “findet sich aber im Buch mit keiner Silbe wieder.”

pressegespräch "neukölln ist anders", neuköllner leuchtturm, buschkowsky "neukölln ist überall"Auch andere Tatsachen blende der Be- zirksbürgermeister in “Neukölln ist überall” vollkommen aus, ergänzt Julia Pankratyeva, die 2005 in der Gropiusstadt den Integra-tionsverein ImPULS e. V. gründete, dessen Angebote vor allem für Zuwanderer aus den GUS-Ländern ausgerichtet sind: “Wie kann Buschkowsky sagen, dass Migranten faul sind und sich nicht engagieren? Un- ser ganzes Vereinsleben funktioniert vor allem über die ehrenamtliche Mitarbeit von Migranten.” Beim Aufbruch Neukölln sei es genauso, aber statt mit russischen mit türkischen Migranten, bestätigt Yüksel Gök: “Dass Buschkowsky ein sehr  veraltetes Bild von Arbeit hat, wird auch im Buch klar.”

Lob für das schriftstellerische Erstlingswerk des Neuköllner Bezirksbürgermeisters hat niemand aus der Runde der versammelten Initiativen übrig. Das Niveau eines Groschenromans über Integration habe es, sagt Barbara John, die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands: “Das Schlimme an dem Buch ist seine Wirkung. Weil der Bezirksbürgermeister es geschrieben hat, ist der Inhalt nun wie eine Expertise in den Köpfen der Menschen.” Die Folge sei, so John, dass das Dickicht von Vorurteilen über Neukölln und Migranten immer dichter werde. Schließlich würden Außenstehende per se davon ausgehen, dass so ein Bezirksbürgermeister es ja wissen müsse. Was er den “Neukölln ist überall”-Lesern nicht verrät, ist, dass viele Akteure im Bezirk viele Lösungsansätze anbieten. “Wie ignorante Gutmen- schen dazustehen, ist bestimmt nicht in unserem Interesse”, versichert Neuköllner Talente-Projektleiter Deniz Eroglu, “sondern wir wollen Probleme angehen. Leider ist es aber so, dass das Buch Türen zuschlägt, die wir seit Jahren zu öffnen versuchen.”

=ensa=

Die Suche nach dem Glück im Neuköllner Leuchtturm

bürgerstiftung neukölln, n+fotowettbewerb 2012, vernissage neuköllner leuchtturmEin sich küssendes Brautpaar, spielende Kinder, Sonnenauf- und -untergänge, ein Fuchs, Blumen, Straßenzüge unter blauem Himmel, ein Scheck über 3.000 Euro, feiernde Afrikaner, tanzende Karnevalisten, bürgerstiftung neukölln, n+fotowettbewerb 2012, vernissage neuköllner leuchtturmlächelnde Frauen: 149 Fotos  erzählen nun im Neuköllner Leuchtturm vom Glück in Neukölln. Denn so hieß das Thema des diesjährigen Fotowettbewerbs bertil wewer, bürgerstiftung neukölln, n+fotowettbewerb 2012, neuköllner leuchtturmder Bürger- stiftung Neu- kölln. Gestern Abend wur- den von Bertil Wewer (r.) im Namen des Vorstands der Bürgerstiftung die sechs Sieger bekanntgegeben und mit Geld- und Sachpreisen beglückt.

Als Gewinner dürfen sich, wie er betonte, aber auch sieben weitere Teilnehmer fühlen, weil es beim Wettbewerb schließlich nicht nur bürgerstiftung neukölln, n+fotowettbewerb 2012, vernissage neuköllner leuchtturmdarum gehe, die schönsten Fotos zu prämieren: “13 Bilder kommen in unseren  N+Kalender für 2013.” Zum neunten Mal wird der erscheinen. Im Laufe der Jahre, so Wewer, habe sich der Wandkalender voller Neukölln-Impressionen zu einem wahren Markenzeichen der Stiftung entwickelt, zu- gleich sei er aber auch für deren Admi- nistration wichtig: Mit dem Verkauf des Kalenders würden die Kosten für die Geschäftsstelle finanziert, in der das – nicht nur mit Glück – inzwischen auf 128.000 Euro angewachsene Stiftungskapital verwaltet wird und die Fäden der einzelnen  N+Projekte  zusammenlaufen. Eines davon ist die Kalender-AG, die die Fotos für den Kalender aussucht. Über die Gewinner des Wettbewerbs entscheide hingegen eine überwiegend mit Fotografen besetzte Jury, bertil wewer, ulrike eickers, gottfried günther, angelika kolbe, bürgerstiftung neukölln, n+fotowettbewerb 2012, vernissage neuköllner leuchtturmerklärte Bertil Wewer den Gästen der gut besuchten Vernissage.

“Die Entscheidung ist uns wirklich nicht leicht gefallen”, gab die Künstlerin Angelika Kolbe (r.) als Jurysprecherin zu, nachdem mit Ulrike Eickers (2. v. l.) die Sechstplat-6. preis: ulrike eickers, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neuköllnzierte fest- stand. Glück sei eben ei- ne sehr indi- viduelle Sache. Da das Thema “Glück in Neukölln” hieß, habe folglich auf den Bildern neben dem Glücksmoment auch der Neukölln-Bezug deutlich werden müssen. Außer bei Eickers’ Foto, das beim  Rixdorfer Strohballenrollen entstand,  sahen die Juroren die Kombination auch bei den Impressionen von Bodo Czypionka (l., 5. Platz), Marc Vorwerk (M., 4. Platz) und  Sabine Schreiber (r., 3. Platz)

5. preis: bodo czypionka, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neukölln 4. preis: marc vorwerk, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neukölln 3. preis: sabine schreiber, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neukölln

2. preis: martina rosenthal-schöne, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neukölln 1. preis: rebecca rodenwald, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neukölln

als erfüllt an. Martina Rosenthal-Schöne  beteiligte sich mit dem Bild eines Gartens im Böhmischen Dorf am Wettbewerb und landete auf dem 2. Platz. Als Beste der 56 Teilnehmer, fand die Jury, habe jedoch  Rebecca Rodenwald  das Thema im Foto festgehalten. Ob Glück in Neukölln ihrer Meinung nach durch nicht ganz legale Handlungen an Intensität gewinnt, ließ sich von der Gewinnerin leider nicht erfahren. Sie war als einzige der Prämierten nicht zur Eröffnung der Ausstellung gekommen und weiß vermutlich noch nicht mal, dass sie durch ihr Siegerbild um 300 Euro paul rapp, bertil wewer, bürgerstiftung neukölln, n+fotowettbewerb 2012, vernissage neuköllner leuchtturmreicher ist.

Für ein Novum beim N+Fotowettbewerb sorgte da- gegen  Paul Rapp. Sein Foto eines Pflanzentriebs, sonderpreis: paul rapp, n+fotowettbewerb 2012, bürgerstiftung neuköllnder aus dem Ausguss eines Spülbeckens sprießt, be- geisterte die Jury so sehr, dass sie Rapp ei- nen Sonderpreis verlieh. Hätte sich in der Spüle noch der Rathausturm gespiegelt und den Bezug zum Bezirk hergestellt, wäre für den Fotografen sicher mehr drin gewesen.

Was die Ausstellung einerseits beweist, ist die große Bandbreite des Glücks, die sich in Neukölln bei genauem oder auch nur flüchtigem Hinsehen erkennen lässt. Andererseits zeigt sie aber auch, dass die von den Fotografen empfundenen Glücksmomente nicht immer selbsterklärend  und in der Lage sind, beim Be- trachter selbiges auslösen. Oft sind es auch nur Fragen. Immerhin eine Teilnehmerin erkannte die Gefahr und sorgte vor, indem sie zusammen mit ihren Fotos die Entstehungsgeschichte einreichte.

Die “Glück in Neukölln”-Ausstellung ist noch bis zum 27. Juli im Neu- köllner Leuchtturm zu sehen. Geöffnet ist mittwochs, donnerstags und freitags von 14 – 19 Uhr und  heute von 14 – 17 Uhr.

Schon jetzt steht das Thema des nächsten Fotowettbewerbs der Bürgerstiftung Neukölln fest: Es heißt “Augenblick Neukölln”. Einsende- schluss ist der 16. Juni 2013; die Gewinner werden am 5. Juli be- kanntgegeben.

=ensa=

Neuköllner Glückssachen

Ob man auf der Kreuzberger oder der Neuköllner Seite wohnt, macht keinen Unterschied: Die Adresse  Hasenheide  ist eher keine, die mit Aaahs und Ooohs und Wows bedacht wird. Nur regelmäßig am Pfingstsonntag, da steigt die Beliebtheit der Wohnungen an der Hasenheide sprunghaft an – zumindest die derer, die Fenster oder besser noch einen Balkon zur Straße hinaus haben.

Auch morgen wird über die wieder die Karneval der Kulturen-Karawane ziehen: 99 Gruppen mit 5.190 Teilnehmern aus 70 Nationen starten ab 12.30 Uhr am Her- mannplatz und feiern mit Musik, Tanz und Akrobatik auf der Strecke von der  Hasen- heide bis zur Ecke Yorck-/Möckernstraße sich selber und die 17. Auflage des wohl buntesten gesellschaftlichen Ereignisses der Hauptstadt. Waren es 1996 noch nur rund 50.000 Menschen, die dem von der Werkstatt der Kulturen in Neukölln initiierten karnevalesken Multikulti-Treiben zusehen wollten, so knackte die Besucherzahl bereits im Jahr  2000 die  Millionengrenze. Im  Getümmel entlang der Feststrecke  ei-

karneval der kulturen berlin-neukölln karneval der kulturen berlin-neukölln

nen Sitzplatz zu ergattern, ist also reine Glückssache. Wie unterschiedlich “Glück in Neukölln” aussehen kann, will der diesjährige, noch bis zum 17. Juni laufende  Foto- wettbewerb der Bürgerstiftung Neukölln  herausfinden. Wer sich mit Impressionen vom Karneval der Kulturen daran beteiligen will, sollte allerdings unbedingt darauf achten, dass er das Glück nicht auf der falschen Straßenseite erwischt.

=ensa=

“Typobau”: eine Vernissage, die auch Anfang vom Ende ist

typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnAuf den ersten nur flüchtigen Blick wirkt die Galerie im Körnerpark schon so gut wie bereit für die nächste Vernissage. Riesige helle Stoff- bahnen, mit Wörtern, Buchstaben und Frag- menten von Schriftzeichen bedruckt, hängen im Raum und brechen dessen typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnLänge. Sie ver- bergen aber auch, was man erst auf den zweiten Blick sieht: dass eben doch noch alles ziemlich unfertig ist. Überall stehen leere Bilderrahmen und liegen großformatige Drucke herum. An den Wänden kleben Skizzen mit Notizen, die  morgen Abend verschwunden sein werden, wenn die Ausstellung typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neukölln“Typobau” eröffnet wird  und die ersten Besu- cher in die Galerie strömen.

Es sind außergewöhnliche Werke, die sie er- warten, was schon daran liegt, dass Rayan typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnAbdullah ein außerge- wöhnlicher Künstler ist. Der gebürtige Iraker mit der Professorenstelle an der Leipziger Hochschu- le für Grafik und Buch- kunst bemalt weder Lein- wände mit Öl- oder Pas- tellfarben, noch stellt er Collagen oder Skulpturen her. Die Materialien, mit denen Abdullah arbeitet, sind lateinische Buchstaben und arabische Schrift- zeichen, seine Ausdrucksformen Typografie, Kalligrafie und das Spiel mit der Wahr- typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnnehmung und dem Wesentlichen.

Diese Qualitäten machten den 54-Jähri- gen, dessen berufliche Laufbahn mit einer Feinmechaniker-Lehre begann, bekannt und zu einer der Corporate Design-Kory- phäen in Deutschland. Allgegenwärtig sind seine Kunstwerke hierzulande – allem voran das prominenteste: der Bundes- adler, das Logo der Bundesregierung. Aber es sind nicht nur renommierte oder große Institutionen und Firmen, denen Rayan Abdullah zu Wiedererkennungswert verhilft. Auch die Bürgerstiftung Neukölln kam – dank Abdullahs Verbindung zum Arabischen typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnKulturinstitut (AKI) e. V. und dessen Kontakt zur Bürgerstiftung – in den Genuss, mit einem professionell gestalteten, prägnanten Erschei-nungsbild an den Start gehen zu können. Die Berührungspunkte zwischen dem Schriftkünst- ler und Neukölln mussten also im Hinblick auf die “Typobau”-Ausstellung nicht erst geknüpft typobau-ausstellung rayan abdullah, galerie im körnerpark neuköllnwerden, son- dern bildeten bereits vorher ein tragendes Netz.

Doch die morgige Vernissage bedeutet nicht nur den Auftakt zur Präsentation von Rayan Abdullahs Werken in Neukölln, sie ist zugleich Anfang vom Ende  einer beispiellosen Neuköllner Karriere: 1981 war es, als Dorothea Kolland die Leitung des Kulturamts Neukölln übernahm. Zwei Jahre spä- ter, im Februar 1983, wurde die erste Ausstellung unter ihrer Ägide eröffnet. “Die hieß ‘Widerstand in Neukölln’ und war in der damals noch unreno- vierten Galerie im Saalbau”, erinnert sich Kolland. Die Ergebnisse des seinerzeit von ihr initiierten Langzeit-Forschungsprojekts über Neuköllner, die dem Nazi-Regime mit Zivilcourage begegneten, waren der Grundstein für den Multimedia-Gedenkort im Rathaus. Mit der “Typobau”-Ausstellung verabschiedet sich Dorothea Kolland von der Kulturbühne des Bezirks. Ende Mai geht die promovierte Musikwissenschaftlerin in Rente.

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Das Ziel ist das Paradies

finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neuköllnViel Zeit zum Üben hatten Benedikt und Alexander nicht. “Wir haben erst vorletzten Montag von einer Lehrerin von dem Computerspiel und dem Wett- bewerb erfahren”, sagen sie. Das Spiel heißt Ecopolicy, fördert und fordert strategisches Denken nebst verantwortungsvollem Han- deln und wurde von Frederic  Vester konzipiert; der Wettbe- werb heißt Ecopolicyade, wurde vom Schweizer Unter- nehmen Malik Management ins Leben gerufen und ermittelt die besten Ecopolicy-Teams an Deutschlands Schulen.

Donnerstag ging es im BVV-Saal des Neuköllner Rat- hauses, der kurzerhand zur Spielhalle umgebaut wurde, um den Ecopolicyade-Bezirksentscheid. Außer Benedikt und Alexander, die das Team 1 der Evangelischen Schule Neukölln bildeten, nahmen sechs weitere Minigruppen von insgesamt drei Neuköllner Schulen daran teil. Auch die Lokalmatadore von der Albrecht-Dürer-Oberschule, die sich im Vorjahr erst auf Bundesebene geschlagen geben mussten, waren wieder dabei. Natürlich mit dem Ziel, diesmal den Durchmarsch bis zum Deutschland-Sieg zu schaffen. Dazu müssten sie aber zuerst finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neukölln, finalist evangelische schule neuköllnheute beim Ecopolicyade-Landeswettbewerb gewin- nen, für den sich Alexander und Benedikt (auf dem Foto rechts neben Stadträtin Franziska Giffey) ebenfalls qualifizierten – aus dem Stand belegten sie den 3. Platz der Neuköllner finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neuköllnTeams.

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die beiden Teenager in den letzten Tagen noch mehr Zeit am Computer verbracht haben. “Dabei ist das Ecopolicy eigentlich gar kein Spiel mit Suchtpotenzial“, finden beide. “Dazu sind die Grafiken zu einfach.” Spannend sei es, obwohl Action keine Rolle spiele, und eine echte Herausforderung. Aufs Begreifen, dass alles mit allem zusammenhängt, komme es an. Und auf kluges Handeln. Bei Ecopolicy werden die Spieler zu Regierenden, die fiktive Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer durch clevere Investitionen, die die Interaktion zwischen Wirtschaft, Sozialem und Ökologie berücksichtigen, bestenfalls bis zum Status des Paradieses aufsteigen lassen sollen. “Das zu schaffen”, weiß  Alexander, “ist aber wirklich nicht finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neuköllnleicht.”

Jugendliche zur Beschäftigung mit fiktiven Szenarien und strategischen Spielereien anzuregen ist allerdings nur Seite des Anliegens, das hinter Ecopolicy und der Ecopolicyade steckt. Die Fähigkeit herauszukitzeln, die beim Spiel gemachten Erfahrun- gen auf das eigene Lebensumfeld herunterbrechen zu können, ist die andere. Schon bei der kurzen Feedbackrunde der Neuköllner Finalisten wurden die Effekte deutlich.  “Was ist denn Neukölln”, fragte der Moderator, “wenn man es in Ecopolicy-Kategorien misst?” Naja, antwortete einer der Schüler, zum Teil sei der Bezirk wie ein gut entwickeltes Industrieland, aber es gebe auch Dinge, die an ein Schwellenland anknüpfen können. “Was müsste man für die Entwicklung Neuköllns tun?” Für eine bessere Lebensqualität sorgen, warf eine Schülerin in die Runde, die Straßen sauberer halten, eine andere. Der soziale Zusammenhalt müsse gestärkt und das Interesse der Bewohner für ihren Bezirk geweckt werden. Außerdem sollten, wandten sich die Ecopolicyadisten an Franziska Giffey, die Defizite in den Schulen beseitigt werden, um sie für die Zukunft zu rüsten. “Seht ihr denn eure Zukunft in Neukölln? Wollt ihr hier bleiben?” Bei dieser Frage war es vorbei mit der Einigkeit unter den Schülerinnen und Schülern. Ihre Antworten reichten von “Auf gar keinen Fall!” bis hin zu “Neukölln ist meine Heimat, deshalb würde ich gerne hier bleiben!”.

Beim von Malik Management, der Bürgerstiftung Neukölln und dem Neu- köllner Bezirksamt initiierten Workshop  “Jugend gestaltet Zukunft – Schü- ler machen Politikberatung”, der am 18. April in der Albrecht-Dürer-Schule stattfindet, werden die Gewinner der Ecopolicyade Neukölln Ideen für die Entwicklung Neuköllns erarbeiten und diese anschließend mit Politikern, Unternehmern und Stiftungsvertretern diskutieren.

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Update (28.3.2012): Die Neukölln-Sieger von der Albrecht-Dürer-Oberschule haben auch den Berlin-Entscheid gewonnen und treten nun im Bundesfinale an.

Glück in Neukölln

So heißt das Thema des dies- jährigen Fotowettbewerbs der Bürgerstiftung Neukölln, der zur Suche nach wonnigen Motiven im Bezirk auffordert.

Einsendeschluss für die im Bild festgehaltenen Glücksmomente ist der 17. Juni. Wer das Glück hat, zu den Siegern des Wett- bewerbs zu gehören und Geld- oder Sachpreise gewinnt, gibt die Jury am 6. Juli bekannt, wenn die Ausstellung “Glück in Neukölln” im Neuköllner Leucht- turm  eröffnet wird.

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Neukölln-Gewinnspiel: Die Bescherung geht weiter (2)

Was es morgen bei unserem Zwischen-den-Jahren-Quiz zu gewinnen gibt, das gestern begann und am 31. Dezember endet, verraten wir noch nicht. Aber das Geheimnis um den heutigen Tagespreis wird nun gelüftet: Mit ihm erhält der/die Gewinner/in einen sehenswerten Begleiter durch’s nächste Jahr, der von der Bürgerstiftung Neukölln zur Verfügung gestellt wird. Die zu beantwortende Frage ist folgende:

Im Dezember konnte man sich in Neukölln anhören, wo der russische Bär Fahrrad fährt. Welchen Ort musste man dafür aufsuchen?

n+neukölln-kalender 2012, foto: marc vorwerk, bürgerstiftung neuköllnZu gewinnen ist ein Neukölln-Kalender 2012 von der Bürgerstiftung Neukölln. Die zwölf Bilder, die durch das kommende Jahr führen und vielfältige Impressionen des Bezirks zeigen, sind Einsendungen für den N+Foto- wettbewerb, der diesmal das Thema “Neu- kölln anders” hatte.

Wer den N+Kalender gewinnen möchte, schreibe den gesuchten Ort sowie (2) in die Betreffzeile einer E-Mail und schicke sie bis morgen (27. Dezember) 12 Uhr an: Der/die Gewinnerin wird direkt benachrichtigt. Gehen mehrere richtige Lösungen ein, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen viel Glück!

Update (27.12., 15:05 Uhr): Die richtige Antwort war Heimathafen Neukölln.

Der Neukölln-Kalender 2012 wird, wie das Los entschied, eine Wand schmücken, die rund 300 Kilometer von Neukölln entfernt ist.

Verdienstmedaille für eine Neuköllnerin: “Ich find’s maßlos übertrieben!”

Eigentlich sollte Helga Schneider schon vor einigen Wochen mit der Verdienst- medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden. “Das hab ich aber erst ‘ne halbe Stunde vor dem Termin erfahren und das war mir dann doch ein bisschen zu kurzfristig”, sagt die 72-Jährige. Amüsiert erzählt sie von den Irrungen und Wirrungen, die durch ihren Umzug innerhalb Berlins ob der fehlenden Koordination zwischen den gelben und grünen Briefzustellern ent- standen waren: “Mein Nachsendeantrag funktionierte zwar bei der Post einwandfrei, aber von dem wusste die PIN AG nichts, die die ganzen Schreiben vom Senat immer weiter lustig in meinen alten Briefkasten stopfte.” Bis sich eine ehemalige Nachbarin der Sache annahm. “Das sieht alles so offiziell aus. Du kriegst bestimmt ‘nen Orden”, habe die Frau geunkt, bevor sie auf Helga Schneiders Anweisung die Ku- verts öffnete und ihr telefonisch mitteilte, dass der Spaß Ernst sei und die Zeremonie bereits in einer halben Stunde beginnen solle. Die Neuköllnerin ließ den Termin verstreichen, setzte sich dann aber am nächsten Tag mit der Senatsver- waltung in Verbindung.

“Denen hab ich erstmal gesagt, dass ich es maßlos übertrieben finde, dass ich die- se Auszeichnung für mein ehrenamtliches Engagement bekommen soll, weil es viele gibt, die genauso viel oder noch mehr leisten”, erinnert sich Helga Schneider. Seit vielen Jahren ist die pensionierte Krankenschwester für das Berliner Herz, die Bürgerstiftung Neukölln und das Ricam-Hospiz tätig.

Ersteres, ein ambulantes Kinderhospiz, sei eine absolute Herzensangelegenheit und die ehrenamtliche Aufgabe, die ihr mit Abstand am wichtigsten ist: “Man kriegt da so viel zurück, wenn man sich auch nur stundenweise um schwerstkranke Kinder kümmert und den Eltern und Geschwistern dadurch die Möglichkeit schenkt, zu- mindest sporadisch ein Stück ganz normales Leben zu haben.” Momentan kommt eine Familie im Norden Berlins jeden Dienstag in diesen Genuss. Im Ricam-Hospiz sind es vorwiegend die Pflanzen, die von Helga Schneiders Lebenselixier, Gutes tun zu wollen, profitieren. Zweimal wöchentlich wird sie dort als Blumenfee aktiv und sorgt dafür, dass die botanische Pracht, die viel zur Atmosphäre des Hauses beiträgt, wächst und gedeiht. Indes ist ihr Engagement bei der Bürgerstiftung Neukölln vor allem Spaß und Entspannung in eigener Sache: Sie helfe da beim Trödelstand mit und mache was fürs Büffet, wenn Feste sind.

“Was soll ich denn sonst tun? Ausm Fenster gucken? Oder Kreuzfahrten machen?”, fragt Helga Schneider. “Was Langweiligeres gibt’s doch gar nicht.” Außerdem seien weite Reisen ohnehin kein Thema mehr für sie. “Die hab ich früher gemacht, vor vier Jahren die letzte. Heute kann ich in meinem Wohnwagen im Spreewald am besten auftanken.” Sie klingt dabei wie eine, die mit ihrem Leben einfach zufrieden ist und das Glück, dass es ihr gut geht, tag- täglich lebt.

Seit gestern darf sich Helga Schneider “Trägerin der Bun- desverdienstmedaille” nennen. Senatorin Carola Bluhm verlieh ihr die Auszeichnung im Namen von Bundespräsident Christian Wulff – nebst einer Urkunde. “Und einer Gebrauchsanleitung, in der genau steht, wie sie zu tragen ist”, erzählt sie lachend. Für Damen gelte, dass die Medaille bei öffentlichen Anlässen genau eine Handbreit unter dem Schlüsselbein auf der linken Seite anzubringen sei. “Ich finde die Auszeichnung zwar immer noch maßlos übertrieben”, sagt Helga Schneider, “habe sie aber angenommen – für alle, die namenlos und verdienstmedaille des bundesverdienstkreuzes der bundesrepublik deutschland,helga schneider,carola bluhm,berlin,neuköllnungeehrt ehrenamtlich aktiv sind.”

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“Neukölln anders” in 163 Varianten

Manfred Elter hat in seinem Leben schon vieles erlebt. Nun ist der Neuköllner Schuhmachermeister, der mit seinem Laden in der Mareschstraße seit Jahrzehnten  zu den festen Größen des Kiezes gehört, auf seine alten Tage auch n+fotowettbewerb neukölln anders, gewinnerin charlotte schmitz, bürgerstiftung neuköllnnoch Fotomodell geworden. Zu verdanken ist das Charlotte Schmitz, die neben 57 anderen Fo- tografinnen und -grafen am Fotowettbewerb der Bürgerstiftung Neukölln teilnahm und diesen mit einer Szene aus Elters Werkstatt gewann. Ein- stimmig entschied die Ju- ry, dass Charlotte Schmitz’ Visualisierung des Wett- bewerbsthemas “Neukölln anders” die gelungenste der insgesamt 163 Einsen- dungen ist.

Bereits zum sechsten Mal hatte die Bürgerstiftung Neukölln Hobby- und Profi- fotografen zu ihrem Wettbewerb aufgerufen, der nicht nur mit Geld- und Sachpreisen lockt, sondern auch sämtliche Werke in einer Ausstellung im Neuköllner Leuchtturm und 13 Fotos im alljährlich n+fotowettbewerb neukölln anders, bürgerstiftung neukölln, neuköllner leuchtturmerscheinenden N+Kalender präsentiert. Auf dessen 2012- Ausgabe darf man schon jetzt gespannt sein. Fest steht, dass er der Vitalität und dem Facettenreichtum Neuköllns wesent- lich gerechter wird als das derzeit noch aktuelle Exemplar. “Mit dem Thema ‘Neu- kölln anders’ haben wir uns wirklich einen großen Gefallen getan”, sagt auch Bern- hard Thieß, der Leiter der N+Foto-AG. Einerseits spiegelt sich das in der Teilnehmerzahl wider, die im letzten Jahr durch das behäbige, denkmallastige Thema “650 Jahre Neukölln” auf magere 36 ab- gesackt war. Andererseits in der Spannbreite des Spielraums und der Vielfalt der Perspektiven und Herangehensweisen.

“Neukölln anders” – dazu fällt jedem etwas ein und fast jedem etwas anderes. Die Palette reicht von der ländlichen Idylle am südlichen Stadtrand bis zum winterlichen Britzer Oberhafen, mit dem Marc Vorwerk den 2. Platz eroberte. Von zwei wartenden Hunden an der U-Bahnstation Leinestraße, die von   Michaela Behrens (3. Platz) foto-

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grafiert und mit dem originellen Titel “Und ich sag noch, lass uns da lieber nicht aussteigen” versehen wurde, über an der Waltersdorfer Chaussee abgestellte Skier n+fotowettbewerb neukölln anders, bürgerstiftung neukölln, neuköllner leuchtturmund Snowboards bis hin interkulturellen Zwiegesprächen. Menschen, Jahreszeiten, Architektur, Tiere, Stillleben – kaum etwas, das nicht zum Sinnbild für das Thema “Neukölln anders” taugt. Heraus kam eine spannende Ausstellung über das, was Neukölln an Alltäglichem, Skurrilem, Lebendigem, Vertrautem und mehr oder weniger Unentdecktem zu bieten hat: viel!

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Die Ausstellung mit allen Beiträgen für den diesjährigen Fotowettbewerb der Bürgerstiftung Neukölln ist noch bis zum 29. Juli im Creativ-Centrum Neu- köllner Leuchtturm (Emser Straße 117) zu sehen. Geöffnet ist von mitt- wochs bis freitags zwischen 14 und 19 Uhr sowie heute von 14 bis 17 Uhr; der Eintritt ist frei.

=ensa=

Mit Teamgeist zum “Neuköllner Globus”?

theaterlabor, bürgerstiftung neukölln,neuköllner globus 2011,adolf-reichwein-schuleVielleicht werden sie heute sogar noch mit dem Neuköllner Globus für ihr Stück “Görkem und Angie – eine Neuköllner Liebesgeschichte” ausgezeich- net. Ein Jahr haben die zehn Zehntklässler der Adolf-Reichwein-Schule es erarbeitet und geprobt und dabei wahrlich höhere Hürden genommen als ihre Konkurrenten um den Kinder- und Jugend- theaterpreis der Kategorie Sekundarstufe. Denn die Grund- und Oberschule an der Sonnenallee ist ein  sonderpädagogisches Förderzentrum mit dem theaterlabor, bürgerstiftung neukölln,neuköllner globus 2011,adolf-reichwein-schuleSchwerpunkt “Lernen”. Da birgt das Halten der Konzentration, die zum Merken der Texte und Einsätze nötig ist, größere Her- ausforderungen in sich. Zugleich gewinnen die Unterstützung der Mitspieler, ihre Auf- merksamkeit und ihr Teamgeist an Bedeu- tung.

Eine durchaus geschlossene Mannschaftsleistung brachten die fünf Mädchen und fünf Jungen der Adolf-Reichwein-Schule kürzlich bei ihrer Aufführung im Rahmen des Theaterlabors auf die Bühne. Erstmals war dieser eintägige Workshop für Thea- tergruppen der Sekundarstufe Bestandteil des Neuköllner Globus-Wettbewerbs. Zu den drei Gruppen, die von einer Jury ausgewählt wurden, daran teilzunehmen, theaterlabor, bürgerstiftung neukölln,neuköllner globus 2011,adolf-reichwein-schulegehörten auch die ARS-Zehntklässler mit ihrem Stück um die Protagonisten Angie und Görkem und Liebe, Gewalt, Jugendgangs, Rivalität und Identität.

“Dieser Workshop”, so die Neuköllner Globus-Koordinatorin Andrea Beh- rendt, “sollte einerseits eine Wür- digung für die schulische und außer- schulische Jugendtheaterarbeit im Bezirk sein.” Andererseits gab er den Teilnehmern die Möglichkeit, die Bereiche Stimme, Sprache und Bewegung mit professionellen Schauspielern, Tänzern und Theaterpädagogen zu trainieren und so  neue Einblicke in die Schauspielerei zu bekommen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Präsentation der Stücke vor anderen Thea- tergruppen des Wettbewerbs und der konstruktiv kollegiale Austausch darüber. Unterm Strich gab es viel Lob für “Görkem und Angie” und die jungen Schauspieler der Adolf-Reichwein-Schule. In wenigen Stunden werden sie erfahren, ob sie nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Neuköllner Globus-Jury überzeugen konnten.

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Gut zu wissen

Wikipedia weiß ja wirklich vieles über den heutigen 325. Tag des Gregorianischen Kalenders: Dass am 21. November 1789 North Carolina der 12. Bundesstaat der USA wurde. Dass der Rundfunksender RIAS am 21. November 1945 seine Geburtsstunde erlebte. Dass Silvio Meier, dem man gestern in Berlin mit einer Demo gedachte, am 21. November 1992 im U-Bahnhof Samariterstraße in Friedrichshain von Neonazis erstochen wurde. Dass am 21. November 1997 die legendäre Pressekonferenz der Mädchenband Tic Tac Toe stattfand, die zum Anfang vom Ende des Trios wurde, und dass der 21. November der Welttag des Fernsehens ist.

Was Wikipedia aber nicht weiß (oder anscheinend nicht für wichtig genug hält): Am 21. november 2008, schnee in neukölln21. November 2005 wurde die Bürgerstiftung Neu- kölln durch die Berliner Senatsverwaltung für Jus- tiz als rechtsfähig aner- kannt und somit gegrün- det. Über 70.000 Euro brachten 102 Gründungs- stifter zusammen, um dem Neugeborenen auf die Sprünge zu helfen. Und darüber, dass drei Jahre nach dem N+-Geburtstag, am 21. November 2008, die ersten Schneeflocken der Wintersaison 2008/09 aus dem Himmel über Neukölln fielen, erfährt man bei Wikipedia natürlich auch nichts. Aber hier.

=ensa=

In trockenen Tüchern

Während gestern im Haushaltsausschuss des Bundestags noch über die Kürzung der Städtebauförderung debattiert wurde, konnte die von diesem Topf – ergo: Soziale Stadt-Mitteln – unabhängige Bürgerstiftung Neukölln eine Erfolgsmeldung verkünden:

Auch im nächsten Jahr wird ihr Neuköllner Talente-Projekt, das Patenschaften zwi- schen Grundschülern und erwachsenen Ehrenamtlichen initiiert, von der Bauge- nossenschaft IDEAL eG, der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH und der KJK Freies Wohnungsunternehmen GmbH mit insgesamt 10.000 Euro unterstützt. Die Wohnungsunternehmen leisten durch ihr karitatives Engagement einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand des vor zwei Jahren gestarteten Projekts, das zu 80 Prozent durch “Aktion Mensch”-Mittel getragen wird, jedoch  eine  zu- sätzliche 20-prozentige Kofinanzierung durch Spenden erfordert.

Die Unterstützung des Trios aus der Immobilienwirtschaft gilt erneut dem Bereich Britz-Nord, wo im letzten Jahr bereits 22 Kinder der Zürich-Grundschule und der Grundschule am Teltowkanal zu Teilnehmern des Neuköllner Talente-Projekts wur- den und gezielt gefördert werden konnten. Auch zum Vorteil der Spender: “Mit der Talenteförderung”, so Friedemann Walther von der Bürgerstiftung Neukölln zur Win-Win-Situation, “stärken die Unternehmen den sozialen Zusammenhalt und damit die Qualität ihrer Wohnungsbestände.“

=ensa=

In den Neuköllner Leuchtturm und dann immer geradeaus!

neuköllner leuchtturm, neuköllnDas ist nun die Marschrichtung für die 58 Mentoren und mentorenprojekt der kepler-oberschule,neuköllner leuchtturm,neuköllnMentees, die aktuell an “Fit für den Be- ruf”, dem Mentoren- projekt der Kepler-Schule, teilnehmen. Denn das hat seit letzten Freitag eige- ne Räumlichkeiten im Hinterhof des wohl auffälligsten Hauses im Körnerkiez, im Neuköllner Leuchtturm.

“Vorher”, sagt Projektleiterin Ursula Rettinger, “gab’s oft Platzprobleme.” Das Mentorenprojekt sei schließlich nicht das einzige, das im Vorderhaus des Leuchtturms die Räume der Bürgerstiftung Neukölln benötige.  Sie hatte 2006 begonnen, Neuntklässlern der Kepler-Schule ehrenamtliche Mentoren an die Hand zu geben, um die  Schülerinnen und Schüler beim Übergang vom Schul- in den Berufsalltag zu begleiten. Der Grundstein für den Erfolg war gelegt. Zwei Jahre später zog sich die Bürgerstiftung Neukölln aus der Organisation des Projekts zurück und übergab es in die Trägerschaft des Fördervereins der Kepler-Schule.

“Mit den eigenen Räumen ist das Vorzeigeprojekt unserer Schule zur Vollendung gereift”, erklärte dessen Vorsitzende Martina Liebchen bei der Eröffnungsfeier. Eine eigene kleine Küchenzeile, zwei Arbeitsplätze und ein Besprechungstisch – so wenig und doch so viel: “Besonders für die Gespräche zwischen Mentoren und Mentees ist es enorm wichtig einen Raum zu haben, in dem sie ungestört zusammen kommen können.” Dass die Treffen der Schüler mit ihren erwachsenen Pfadfindern außerhalb der Schule und auch nicht in privaten Bereichen stattfinden, gehört zum Programm. “Milieuüberschreitung” nennt Friedemann Walther, der Vorstandsvorsitzende des Bürgerstiftung Neukölln, diesen wichtigen Baustein zum erfolgreichen Passieren der Grenze zwischen dem ersten und nächsten Ernst des Lebens durch zivil- gesellschaftliche Begleitung.

Durch das Mentorenprojekt träfen Jugendliche auf Menschen, die sie sonst nie kennen gelernt hätten, bestätigt auch Ursula Rettinger. Ihr obliegt die Zu- sammenstellung der Paar-Konstellationen, die mancher Mentee gerne aufgehoben sähe. “Natürlich”, sagt sie, “gibt es immer wieder den Wunsch, den Mentor mit einer Freundin oder einem Freund zu teilen. Aber das kommt nicht infrage.” Auch wenn es die Warteliste verkürzen würde. Inzwischen müsse sie nicht mal mehr Werbung machen, um neue Mentoren oder weitere Schüler zu finden, erklärt die Projektleiterin. Die Mundpropaganda aktueller Teilnehmer reiche völlig aus. Der Erfolg tut ein Übriges:  Die Quote derer, die an der Kepler-Schule dank der Mentorenbetreuung den Mittleren Schulabschluss schaffen, sei deutlich gestiegen.

Mehr Probleme bereitet dagegen die Kontinuität bei der Finanzierung des Projekts. Bis zum Jahresende sei es durch ESF-Mittel und die Unterstützung des Lions Club Berlin-Wannsee gesichert. Was danach kommt, müsse man sehen. “Immerhin müssen wir uns keine Sorgen wegen der Miete machen”, sagt Ursula Rettinger. Die Bürgerstiftung Neukölln wolle sich um Sponsoren für diesen Kostenfaktor kümmern.

_ensa_

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