Kein Spielkram: Neuköllner Theatertreffen der Grundschulen mit Gruppen aus acht Berliner Bezirken

michael assies+orchester wetzlar-schule_neuköllner mischung_18. ntt_heimathafen neukölln“Ich freue mich, dass die Hütte voll ist.” Michael Assies, Lehrer an der Lisa- Tetzner-Schule und Organisator des Neuköllner Theatertreffens der Grund-schulen, konnte bei der Eröffnungsver- anstaltung des Festivals in restlos besetzte Stuhlreihen blicken. Sogar die Empore des Heimathafens musste geöffnet werden, damit alle Zuschauer die für den franziska giffey_neuköllner mischung_18. ntt_heimathafen neuköllnAuftakt zubereitete Neuköllner Mischung aus Theater, Tanz und Musik sitzend genießen können.

34 Gruppen aus acht Berliner Bezirken nehmen an der 18. Auflage des Neuköllner Theatertreffen der Grundschu- len teil, berichtete Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey, fast die Hälfte – nämlich 15 – der Theater-AGs und -Klassen sind  aus Neukölln. Für alle der Schüler bedeute das Mitmachen samt der Vorbereitung ein sehr besonderes Lernen: das  durch Gefühl, Musik und Spiel.

“Theater”, bestätigte auch Sabine Hubrich, “liegt den Kleinsten im Blut”, Außerdem fördere es die Sprache und das Miteinander, schon deshalb dürfe man es “nicht als Spielkram  abtun”, führte die Lehrerin der  theaterbetonten Lisa-Tetzner-Schule in die

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Rotkäppchen-Adaption “Käppchen im Zauberwald” ein, die sie gemeinsam mit ihren Erstklässlern auf großer Bühne aufführte. “Nutzt den ganzen Raum aus! Nehmt die Musik mit euren Körpern auf!” Was für die zwischen Hibbeligkeit und äußerster Konzentration hin- und hergerissenen Kleinsten noch mancher Aufmunterung be- durfte, schafften die älteren Mädchen und Jungen mit Bravour. Von der Tanzgruppe der

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Rose-Oehmichen-Schule (l.) über das Schülerorchester der Wetzlar-Grundschule (r.) bis zur Theater-AG der Hugo-Heimann-Schule, die mit phantastischen Kostümen, flotter Choreographie und ergreifendem Gesang  Auszüge aus ihrer Produktion  “Die

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kleine Meerjungfrau” präsentierte. Von der Tanzgruppe der Wetzlar-Grundschule, die rund um ihr Stück “Follow Rivers” eine mitreißende Bühnenshow ablieferte, über die

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Theater-AG der Peter-Petersen-Schule, die mit Passagen aus Kästners “Emil und die Detektive” begeisterte, bis hin zu den Musical-Szenen  aus “Siegfried – Der Nibelun-

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tanz-gruppe rose-oehmichen-schule_neuköllner mischung_18. ntt_heimathafen neuköllngen erster Teil”, mit denen Schülerinnen und Schülern der Theater-AG und des Chors der Lisa-Tetzner-Schule brillierten, bevor Rose-Oehmichen-Absolventinnen mit der Tanzshow “Black And Gold” den Schlusspunkt hinter eine fulminante Neu- köllner Mischung setzten.

Wer dabei war, erlebte ein knapp zwei- stündiges, facettenreiches und voller Lei- denschaft vorgetragenes Programm, das Lust auf mehr Schülertheater machte. Inzwischen ist Halbzeit des 18. Neuköllner Theatertreffens für Grundschulen: Fünf Aufführungen finale_neuköllner mischung_18. ntt_heimathafen neuköllngingen bereits im Heimathafen Neukölln über die Bühne. Ab 29. Mai wird im Gemeinschaftshaus Gropius- stadt, im Süden des Bezirks, bei sechs öffentlichen Vormittagsauf- führungen (Eintritt: 1,50 €) ein wei- teres Dutzend Stücke gezeigt: Dann gibt es auch die Gelegenheit zum Wiedersehen mit der kleinen Meer- jungfrau Miriam und ihren singenden Fischen und tanzenden Quallen.

=ensa=

Mit Protestbaum an der Spitze durch Neukölln und Kreuzberg

dach hermannplatz_kdk2013_neuköllnWenn Neuköllner und Kreuzber- ger auf ihre Hausdächer steigen und Balkone in Richtung Hasen- heide zu Party-Locations werden, ist wieder Karneval der Kulturen.

Gestern ging die bunte, interna-tionale, tanzende, singende und musizierende Karawane zum 18. Mal auf die Route zwischen Hermannplatz und Yorckstraße. Angeführt – und das war eine Premiere – von einem Handwagen, auf dem ein  Protestbaum  stand. Denn der  Straßenumzug, der seit  1997 in  Berlin zum

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Pfingstsonntag gehört und seit Jahren regelmäßig so viele Menschen, wie die Ban- kenmetropole Frankfurt/Main Einwohner hat, an die Strecke holt, ist im Schrumpfen begriffen. Gestern waren es  nur noch 74 Gruppen (2012: 90), die bereit sowie in der dancing dragon_kdk2013_hermannplatz neuköllnLage waren, den enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand für ihre Performan- ces, Kostüme und Wagendekorationen zu stemmen. Dass das Land Berlin kräftig an diesem Event verdient, das u. a. unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit steht, die Gruppen und Künstler aber nicht daran beteiligt, kritisiert auch die Neuköllner Grünen-Politikerin Susanna Kahlefeld, die 2011 als Direktkandidatin ins Berliner Ab- geordnetenhaus gewählt wurde. Bereits vor einem halben Jahr hatte ihre Fraktion einen Antrag auf Einrichtung eines ent- sprechenden Fonds gestellt.

Darauf, dass der eingerichtet wird, hofft auch Vassiliki Gortsas, die Organisatorin des Karnevals der Kulturen. “Viele Gruppen können den sehr hohen Aufwand nicht mehr bewältigen”, weiß sie. Dass die Zurückhaltung des Berliner Senats langfristig die Vielfalt gefährdet, befürchtet sie.

=ensa=

Abschied von einem Kind, das nicht willkommen war

alter st. michael friedhof_neukölln“Lasst uns tun, was getan werden muss.” Mit diesen Worten begann der evangelische Polizeiseelsorger Rein- hard Voigt gestern Nachmittag seine Trauerrede. Es war ein sehr kleiner, weißer Sarg, der vor ihm zwischen den Bankreihen portal alter st. michael friedhof neuköllnin der Kapelle des katholischen Alter St. Michael Friedhofs stand.

Welchen Namen die Eltern dem kleinen Mädchen ge- geben hatten, wie alt es werden durfte, wo und unter welchen Umständen es zur Welt kam, wer die Mutter ist. “Das Leben des Kindes”, sagte Voigt weiter, “gibt Fragen auf, sein Tod macht ratlos.” Am 5. April war die stark verweste Leiche des Säuglings in einem Altkleider-Container in Neukölln entdeckt worden, als Mitarbeiter einer Recyclingfirma diesen leeren wollten. Irgendwann zwischen dem Fundtag und dem 27. März muss das Mädchen in den Container geworfen worden sein, nachdem es zuvor eines gewaltsamen Todes gestorben war: Mehr wollen die Beamten der Mordkommission, die dem Kind sara_alter st. michael friedhof_neuköllnden Namen Sara gaben und immer noch nach der Mutter suchen, aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

Welche Gefühle mögen die Eltern bei der Geburt gehabt haben, leiden sie jetzt und sind traurig, haben sie womöglich Schuldgefühle? “Wir sind er- schrocken, erbost, traurig, wütend, hilflos und ohn- mächtig.” Reinhard Voigt sprach aus, was wohl alle Anwesenden dachten: Menschen, die das Kind nie lebendig erlebt hatten und entweder durch die beisetzung sara_alter st. michael friedhof_neuköllnMe- dien von sei- nem Schicksal erfahren hatten oder nahe dem Fundort wohnen. Oder war vielleicht doch jemand unter ihnen, der manche Frage beantworten könnte, bisher geschwiegen hat und nun durch die berühren- den Abschiedsworte des Polizeiseelsorgers zum Reden gebracht wird?

Um 14.20 Uhr wurde der Sarg mit dem kleinen Mädchen, das nicht willkommen war und sterben musste, bevor es das Krabbeln, Laufen, Sprechen und Lachen lernen konnte, begleitet vom beisetzung sara_polizeiseelsorger reinhard voigt_alter st. michael friedhof_neuköllnGesang des United Gospel Choir und großer öffentlicher An- teilnahme in die Erde gelassen.

“Was wohl die Mutter jetzt macht, wäh- rend wir hier um ihr Baby weinen?”, fragt eine Frau flüsternd, nachdem sie Blumen und Sand ins Grab geworfen hat. Weshalb sie das Kind, mit dem sie sich offenbar überfordert fühlte, wie Müll behandelt hat statt es in einer der Berliner Babyklappen abzulegen, will der Rentnerin nicht in den Kopf. Und so geht es vielen, wenn nicht allen, die gekommen waren, um Sara einen würdigen Abschied zu bereiten.

=ensa=

Wie nach einem Wirbelsturm

hinweistafel kleingartenkolonien sonnenallee_neuköllnDie Hinweistafel steht noch an Neuköllns Sonnenallee, nur von dem, worauf sie hinweist ist nicht mehr viel übrig. Das Gebiet, auf dem früher Laubenpieper ihre Freizeit genossen, erweckt den Anschein, als wäre ein Hurrikan darüber hinweg gefegt. Die Trümmer von Holzhütten und Zäunen liegen verstreut oder zu meter- hohen Stapeln aufgetürmt in den ehe- maligen Kleingartenkolonien, die Blu- men-, Kräuter- und Gemüsebeete sind zerstört. Doch es war keine Naturgewalt, die hier eine Schneise der Verwüstung geschlagen hat, sondern die Politik. Parallel zur

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Sonnenallee, nördlich der Dieselstraße, sieht es nicht anders aus: Auch hier sind die einstigen  Parzellen von Brettern, Baumaterial  und  Schutt übersät. Nur die aus  Stein

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gemauerten Datschen stehen noch und warten auf die Bagger, die fortsetzen sollen, was heute vor einer Woche mit dem offiziellen Spatenstich begann: der Ausbau der Stadtautobahn A100. Auch das Werksgelände einer früheren Aluminiumfabrik an der

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Sonnenallee wird der umstrittenen 3,2 Kilometer langen, sechsspurigen Trasse wei- chen müssen, die Neukölln ab 2022 teils unter- und teils oberirdisch mit dem Nachbarbezirk Treptow verbinden soll.

=ensa=

Musikalischer Teppich fürs Tempelhofer Feld

Es sind eigenartige Dinge, die an diesem Wochenende über das Tempelhofer Feld geschleppt  werden. Zu verdanken ist der ungewöhnliche Anblick der amerikanischen

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Komponistin Lisa Bielawa (r.), die sich bei einem Besuch vor drei Jahren in das Areal verliebte und sofort die Idee hatte, dass man hierlisa bielawa_tempelhof broadcast_tempelhofer feld berlin mit ihren Kompositionen ein Fest der Freude und Musik veran- stalten müsste.

Nun wird dieser Traum mit Tempelhof Broadcast von etwa 250 Hobby- und Profi-Musikern aus Deutschland und den USA verwirklicht: Seit zwei Jahren bereiten sich die Ins- trumentalisten und Chöre auf das Raum-Klang-Event vor, seit zwei Monaten auch durch Vorort-Proben. Denn der Wind spielt eine – im wahrsten Sinne des Wortes – tra- gende Rolle für das Gelingen von Bielawas Vision, einen musikalischen Teppich auf dem  Feld auszulegen. “Mit  dem Wind ist  der Sound durchschnittlich etwa 400 Meter

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hörbar, gegen den Wind sind es immerhin noch 180 Meter”, erklärt Manuela Kugler-Knape, die Pressesprecherin des Projekts. “Spielt also nicht zu vorsichtig, sondern gebt richtig Gas!”, instruiert der Orchesterchef der Leo Kestenberg Musikschule seine Bläser vor der Ouvertüre auf der nördlichen Start- und Landebahn. Sechs Minu-

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ten spielen hier alle Musiker gemeinsam, danach verteilen sich die Gruppen in choreographierten, zeitlich exakt eingetakteten Bewegungen über das Gelände, um sämtliche  Besucher  in ein  60-minütiges akustisches Erlebnis  und einen  urbanen

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Klangkörper nie dagewesener Größe einzubinden. Dabei bleibt es jedem selber überlassen, den Chören, Blechbläsern, Streichern und Alphornisten zu folgen oder eine individuelle  Position innerhalb der  Klangsphäre einzunehmen. Was man  in ihr

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zu hören bekommt, besteht zwar aus identischen Kompositions-Bausteinen, klingt aber immer und überall anders.

Tempelhof Broadcast ist nochmals heute ab 15 Uhr und morgen ab 14 Uhr zu erleben.

=ensa=

Zum Lachen

wegweiser_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinSpaß kann man auf dem Tempelhofer Feld täglich haben. Gestern, am Weltlachtag, war er auf einem Stück der Wiese nahe dem Biergarten Programm. Vier Stunden lang wurde dort in großer Runde auf hauptstadt-lacht_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinEinladung der Initia- tive Hauptstadt lacht mit Yoga, Tanz, Spie- len und Gesang orga- nisierter Frohsinn ge- pflegt. Was auf Unbe- teiligte wie Kinder- geburtstags-Amüsement für Erwachsene wirkt, sei für die Gesundheit von Körper und Seele  effektiver als Sport, erfuhr man an einem Info-Stand. Flyer, die zu Lach-Partys, Lach-Meditation,

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lachfundstelle_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinLach-Reisen, Lach-Yoga und -Kursen oder in Lach-Clubs einluden, lagen hier  bereit. An einem anderen Tisch war eine Lachfundstelle eingerichtet, direkt dane- ben eine Lach-Bar mit kulinarischen Stär- kungen für die Lachenden.

dackel_weltlachtag_tempelhofer feld_berlinOb der Rauhaar- dackel, der sich am Rande des Lach-Events tief ins Tempelhofer Feld grub, auf der Suche nach seinem Lachen war, ließ sich leider nicht herausfinden. Seinen Spaß hatte er aber definitiv.

Premiere des TrendMafia-Designermarkts in Neukölln

1_trendmafia neubritz_neuköllnEs ist lange her, dass in der alten Fabrikhalle im Neuköllner Ortsteil Neubritz, wo einst Eisen ge- gossen wurde, zuletzt Geld ausgegeben werden konnte. Seit 2008, als die dort untergebrachte Kai- ser’s-Filiale ins HermannQuartier umzog, steht das denkmalgeschützte Gebäude gegenüber vom Brau- haus Rixdorf leer. Damit ist es nun vorbei – zumin- dest temporär, denn an diesem und am ersten Juni-Wochenende lädt der TrendMafia-4_trendmafia_neubritz_neuköllnDesigner- markt mit 50 Ständen auf knapp 1.000 Qua- dratmetern zum Stö- bern und Shoppen in der Delbrückstraße ein.

“Wenn es nach uns ginge, würden wir gerne länger bleiben und dann nach einer Sommerpause im September hier weitermachen”, sagt TrendMafia-Pressesprecherin Marina Neumann. Zuvor hat das Zwischennutzungs- konzept, das Designer verschiedener Genres gemeinsam auf einem Marktplatz 2_trendmafia_neubritz_neuköllnpräsentiert, in den Berliner Bezirken Wedding, Mitte und Friedrichshain Station gemacht. “Nach Neukölln”, findet sie, “passen wir schon deshalb perfekt, weil der Bezirk jung und lebendig ist und der Mix, den die Designer bei uns anbieten, die Bandbreite wasted talent_trendmafia_neubritz_neuköllnder Kreativ- szene Neuköllns widerspiegelt.”

Katrin Hoffmann und Katharina Borgwardt (l.) gehören zu dieser. Vor zwei Jahren gründeten sie ihr Label Wasted Talent (Stand-Nr. 23) und machen seitdem Accessoires und Streetwear für Frauen, die es lässig mögen und bei ihrem Look auf Colour Blocking oder Schwarzes mit peppigen Farbakzenten setzen. “Zurzeit läuft das Label noch nebenberuflich, aber irgendwann würden wir schon gerne davon leben können”, sagen die beiden Frauen, die jährlich zwei neue Kollektionen ent- boogieglas berlin_trendmafia_neubritz_neuköllnwerfen und planen, künftig auch Kinder- und Männer-Mode in ihr Repertoire aufzunehmen.

Für Anna Marten hat sich mit ihrer Boogieglas Berlin Manufaktur (Stand-Nr. 32) der Traum vom tragfähigen Standbein in der Kreativwirt- schaft schon erfüllt. “Die Nachfrage übersteigt das Angebot, das war schon von Anfang an so”, erzählt sie. Die von ihr kreierten Silberringe mit farbenprächtigen, handgearbeiteten Glas- steinen unterschiedlicher Formen und Größen, die in der Werkstatt im ehemaligen Flughafen Tempelhof entstehen,  hat sie sich patentieren lassen. “Am besten gleich mehrere nehmen, dann haben Sie zu jedem Outfit den passenden Ring!”, rät die Designerin Frauen, die sich über die Auslagen beugen. Bei Preisen zwischen 22 und 55 Euro ist  das Loch im Budget  überschaubar. Wer  lange Freude an den Schmuck-

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stücken haben möchte, solle nur darauf achten, dass sie nicht auf Steinboden fallen. “Ansonsten”, sagt Anna Marten, “halten die fast alles aus.”

pappup_trendmafia_neubritz_neuköllnHaltbarkeit und Wandlungsfähigkeit sind auch bei den Produkten von Papp Up (Stand-Nr. 03) überzeugende Verkaufsargumente. Vor drei Jahren begann Cantemir Gheorghiu das Geschäft mit den Pappbrillen, die zu- nächst in Versionen produziert wurden, die einen höhe- ren Fun-Faktor als Funktionalität hatten. Nun ist – ne- ben Papptaschen, -fliegen und -krawatten – eine Son- nenbrillen-Linie hinzu gekommen, die mit 400 UV- Kunststoffgläsern qualitativ und handgeöltem Papp- gestell optisch überzeugt. Wenn man sich auf die mal draufsetze, sei das gar kein Problem, das könne der Brille nichts anhaben. Für die Papp-Lesebrille, an der 6_trendmafia_neubritz_neuköllnderzeit getüftelt wird, soll das ebenfalls gelten.

Das Angebot, das im ehemaligen Supermarkt begutachtet, anprobiert und gekauft werden kann, ist so bunt gemischt wie die Schau-lustigen: Modedesign hängt neben Acces-3_trendmafia_neubritz_neuköllnsoires, Nützliches neben Dekorativem, und unter das typische, junge TrendMafia-Publikum mischen sich viele Anwohner, die neugierig darauf sind, was es nun hier gibt, wo sie früher ihre Lebensmittel eingekauft haben. Auch die- jenigen, die dieser Möglichkeit noch nachtrauern, begrüßen es, dass überhaupt wieder etwas in der Halle stattfindet und den Kiez belebt.

Der TrendMafia-Designermarkt ist noch heute von 13 bis 18 Uhr geöffnet; Eintritt: frei. Der nächste Termin ist am 1. und 2. Juni.

=ensa=

Die Camperin vom Richardplatz

Auch in Neukölln ist es eng auf dem Wohnungsmarkt. Wer aber meint, dass es so eng ist, dass sogar schon auf dem Richardplatz campiert werden muss, irrt. Das gilt  ebenfalls für diejenigen, die vermuten, der Bezirk  würde nun seine klammen Kassen

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durch das Betreiben von Campingplätzen in öffentlichen Grünanlagen auffüllen wol- len. Was aber hat es dann mit dem Zelt auf sich, das gestern am östlichen Zipfel des  Richardplatzes aufgeschlagen wurde? Es ist die  Bühne von Christine Dilmi, die

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sich  bis Montagmittag  innerhalb des Month of Performance Art – Berlin 2013 mit “Fil Conducteur” an der Reihe Crossing Context Neukölln beteiligt: Einen “intensiven Kontakt” zu Passanten will die französische Künstlerin bei ihrer 96-stündigen Lang- zeitperformance suchen. Auf Deutsch-Kenntnisse kann sie dabei nicht zurück- greifen, stattdessen soll Interaktion durch ihre Yoga-Übungen, eine Clownsnase und Handarbeiten entstehen.

“Wir sind nicht die mit ‘ner spinnerten Idee!”

“Ich möchte ins Parterre und eine kleine Terrasse haben, damit Paulinchen immer rein und raus kann.” Andere der etwa 30 Frauen, die an diesem Nachmittag nach RuT-WohnprojektNeukölln ins RuT gekommen sind, haben andere Wünsche und wollen lieber unters Dach oder eine Wohnung auf der Ostseite des Gebäudes. Wer den Frauen zuhört, könnte meinen, dass sie schon auf ge- packten Umzugskartons sitzen und alles für den Transport organisiert ist. Dafür wäre es aber noch viel zu früh.

Etwa ein Jahr ist es her, seit das Projekt erstmals ans Licht der Öffentlichkeit gehievt wurde: Berlin – so die Intention – braucht ein Wohn- und Kulturzentrum für lesbische Frauen, das ihnen bis ins hohe Alter ein ge- meinschaftliches, würdevolles und diskri- minierungsfreies Leben gewährleistet. “So etwas wie den Beginenhof, aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass wir keine Eigentums- sondern Mietwohnungen zu bezahlbaren Preisen anbieten wollen”, erklärt RuT-Projektleiterin Kirsten Schaper. Denn problematisch für frauenliebende Frauen, sagt sie, sei ja nicht nur, dass sie in Senioren- oder Pflegeheimen häufig diesen Teil ihrer Vita verleugnen, auch würden Plakat RuT-Wohnprojektviele von ihnen mit der Grundsicherung aus- kommen müssen.

An die 50 Wohnungen sollen unter dem Dach des RuT-FrauenKultur&Wohnen-Zentrum entste- hen: rund ein Drittel mit 2 1/2 bis 3 1/2 Zimmern, die restlichen kleiner und teils mit einer grund-sicherungsverträglichen Miethöhe. Ferner wird es in dem barrierefreien, auf Inklusion ausge-richteten Haus eine Pflege-WG mit acht Plätzen für Demenzkranke und Schwerstpflegebedürftige geben. “Eigentlich müssten wir schon jetzt mit viel mehr Wohneinheiten planen, weil die Nach- frage riesig ist”, bemerkt Kirsten Schaper. Über 200 Berlinerinnen stünden bereits auf der Inte- ressentinnenliste, es laufe also alles auf ein Losverfahren hinaus. Aber man müsse ja realistisch bleiben, schon wegen der Grundstücksgröße und der Finanzierung. Ein halber Hektar werde etwa für das Haus und die gemeinschaftlich nutzbare Außen- fläche benötigt: “Und den hätten wir am liebsten innerhalb des S-Bahn-Rings, auf jeden Fall aber mit guter ÖPNV-Anbindung.” An diesen Prämissen ist bisher schon einiges gescheitert. Erschwerend komme durch politische Veränderungen und die angespannte Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt hinzu, dass Grundstücke aus RuT-Wohnprojekt_spendensammlung neuköllndem Liegenschaftsfonds des Senats, die vormals in freier Veräußerung waren, nun zunächst Wohnungsbaugesellschaften an- geboten werden. “Überlegungen mit einer von denen zu kooperieren, gibt es natürlich, weil unser Projekt sich unbedingt in den Kiez öffnen will”, sagt Schaper, “aber da müssen dann auch alle anderen Rahmen-bedingungen stimmen.”

Die für die künftigen Bewohnerinnen wich- tigste ist, dass der RuT – Rad und Tat e. V., der im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen im Neuköllner Schillerkiez feiert, als Vermieter fungiert und seine Idee ohne Einflussnahme von außen umsetzen kann. Rund 6 – 8 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Die Finanzierung soll über eine Kreditaufnahme, Fördermittel von Stiftungen und öffentlichen Fonds sowie Spenden und zins- wie bedingungslose Privatdarlehen von Unterstützerinnen des Anliegens erfolgen. Zusagen für letztere gebe es bereits in erfreulichem Umfang, verrät Kirsten Schaper. “Wir sind nicht die mit ‘ner spinnerten Idee!“,  sagt sie und blickt dabei in die Gesichter derjenigen, die wie viele andere hoffen, dass endlich ein Grundstück oder Objekt gefunden wird, der Traum vom Frauenraum in Frauenhand bald Gestalt annimmt – und sie dann noch Losglück haben.

Für alle, die das RuT-FrauenKultur&Wohnen-Zentrum niederschwellig unter- stützen möchten, gibt es im RuT-Laden in der Schillerpromenade 1 eine blaue Tonne, die gerne mit  Papierspenden  gefüttert werden darf.

=ensa=

Aus dem Bett und auf die Straße

braunschweiger straße_neuköllnWer heute Morgen in den Straßen Neuköllns unterwegs war, begegnete kaum jemandem. Doch nicht alle waren um kurz vor 9 noch dabei, von Feiern in den Mai oder dem Cham- pions-League-Halbfinalspiel des BVB zu träumen: Der Vorplatz und die Halle des S-Bahnhofs Neukölln waren vol- ler als im dicksten Berufsverkehr, auf dem Bahnsteig am Gleis der S 46 s-bahnhof neuköllnund 47 bildeten sich Grüppchen. Die meisten der Fahrgäste hatten dasselbe Ziel: Schöneweide.

Dort will mittags ein NPD-Aufzug starten und eben den wollen die Unterstützer des Bündnisses “1. Mai Nazi- frei”, die sich am Treffpunkt Neukölln versammelten, durch zivilen Ungehorsam ver- hindern. Dass bei vielen auch Widerstand erstmal durch Koffein geweckt werden will,

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bekam vor allem der Inhaber des Backshops in der Bahnhofshalle zu spüren. Manche Reisende, die mit schwerem Gepäck aufs Vorwärtskommen statt aufs Blockieren aus waren, durften sich über das Zupacken der Bundespolizei-Beamten freuen, die Abwechslung vom entspannt beobachtenden Herumstehen suchten.

=ensa=

Die Macht der Bilder: Shitstorm über dem Tempelhofer Feld

1_tempelhofer feld_berlinEmpörung, hitzige Diskussionen, Ver- unsicherung. Seit vor einigen Tagen der zwei Jahre alte Blogbeitrag “Das teure Foto” zu einer Revival-Tournee durch das weltweite Netz und seine sozialen Netzwerke aufbrach, ist der Wirbel groß. Denn in Berlin ist das Tempelhofer Feld mittlerweile zum Reizthema geworden – und den Be- treibern von der Grün Berlin GmbH 3_tempelhofer feld_berlinals verlängertem Arm des Berliner Senats, traut mancher inzwischen vie- les zu.

Ob wir auch bezahlen müssen, wenn wir Fotos vom Feld veröffentlichen? Ob es denn noch erlaubt ist, Bilder bei Facebook zu teilen, ohne eine Rechnung befürchten zu müssen? Ob man eine Fotogenehmigung einholen müsse, bevor man zum ersten Mal auf den Auslöser drückt?  Zahlreiche besorgte Mails, Facebook-Nachrichten, Anrufe und Twitter-Messages erreichten uns in den letzten Tagen. Wer Fotos vom Tempel- hofer Feldes in sozialen Netzwerken einstellte, erhielt als Kommentar häufig die wohlmeinende Warnung, dass man gelesen habe, dass für solche Bilder bezahlt werden müsse. Der Aspekt, dass es sehr wohl zwischen privater und gewerblicher 2_tempelhofer feld_berlinFotografie zu unterscheiden gilt, wur- de vom Shitstorm mitgerissen.

Auch Grün Berlin blieb das Phäno- men nicht verborgen. Auf unsere An- frage, wie es sich in Sachen “Foto- grafieren auf dem Tempelhofer Feld” hinsichtlich der Genehmigungs- und Kostenpflichtigkeit verhält, kam von Projektmanager André Ruppert per E-Mail folgende Erklärung: “In der Tat 4_tempelhofer feld_berlingibt es derzeit eine hitzige Diskussion im Netz, die zum Teil sehr emotional geführt wird. Wir freuen uns daher über Ihre Anfrage und möchten an dieser Stelle deutlich machen, dass die Grün Berlin GmbH die Freiheit der Berichterstattung besonders schätzt und achtet und daher in keiner Weise versuchen wird, zu privaten Zwe- cken gemachte Fotos, Filme etc. in irgendeiner Form zu verhindern und deren Veröffentlichung zu behindern. Im Gegenteil: wir freuen uns, dass so viele Menschen das Tempelhofer Feld genießen und ihre Freude beim Besuch der Fläche durch das Einstellen von digitalen Inhalten im Internet zum Ausdruck bringen.”

Gleichwohl machte Ruppert klar, dass für gewerbliches Fotografieren ein anderes Prozedere gilt: “Wie es auch in unseren anderen Parkanlagen der Fall ist, erheben wir für kommerzielle Produktionen (Film, Fernsehen, Foto, Musikvideos) auf dem Tempelhofer Feld eine Motivmiete. Dieses Geld fließt in die Bewirtschaftung der Fläche und senkt den Anteil an öffentlichen Steuermitteln, die vom Land Berlin für den Unterhalt der Fläche ausgegeben wird. Davon ausgenommen sind – wie bereits erwähnt – selbstverständlich Aufnahmen, die Privatbesucher für den eigenen Gebrauch hier machen. Journalisten erhalten im Rahmen der täglichen Bericht- erstattung ebenso wie studentische nichtkommerzielle Produktionen nach Anmel- dung eine kostenfreie Erlaubnis für Foto- und Filmaufnahmen.”

Drive in and chill out

tempolimits_neuköllnFür Autofahrer, die es besonders eilig haben, könnte es heute auf den Straßen Berlins etwas länger dauern. Etwa 200 Radar- und Laserkon-trollgeräte sowie zusätzliche 21 Videofahrzeuge setzt die Berliner Polizei bei ihrer ganztägigen Aktion zur Verkehrsunfallbekämpfung an rund 800 wechselnden Orten ein: an Hauptstraßen und als Raserstrecken berüchtigten Routen in Wohn- gebieten. Wer zu schnell in die Drive-In-Falle tappt, soll sofort angehalten und zum “verkehrsaufkläre- rischen Gespräch” gebeten werden.

In Neukölln sind die Kontrollpunkte am Colum-biadamm, an der Gerlinger Straße, Groß-Ziethe- ner-Chaussee, Harzer Straße, Hermannstraße, Karl-Marx-Straße, am Kiehlufer, Mariendorfer Weg, Neudecker Weg, an der Neuköllner Straße, am Petunienweg, an der Schiller-promenade, Sonnenallee, Stubenrauchstraße, Thiemannstraße, Treptower Straße und Waltersdorfer Chaussee.

Der Anfang ist gemacht: Frisches Grün fürs Tempelhofer Feld

gaebler+schmidt_pk 1.baumpflanzung_tempelhofer feld_berlinEs hätte schlimmer kommen können, aber auch besser. Noch Freitagmorgen hatten Christian Gaebler (l.), Staatssekretär für Stadt-entwicklung beim Berliner Senat, und Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt (r.) damit gerechnet, im strömenden Regen die ersten neuen Bäume auf dem Tempelhofer pk 1.baumpflanzung_tempelhofer feldFeld pflanzen zu müssen. Doch dann war es am frühen Nachmittag nur noch herbstlich kalt und stürmisch. “Beste gärtnerische Bedingungen also”, fand Schmidt, “um die Bäume gut und nachhaltig in den Boden zu bringen.”

26 Gleditschien sind es, die nun im Bereich des Alten Hafens zu Vorreitern der “Qua- lifizierung der Parklandlandschaft anknüpfend an den Nutzerwünschen” werden, wie Christian Gaebler es nannte. Denn Befragungungen hätten ergeben, dass das Bedürfnis der Besucher nach schattigen Aufenthaltsplätzen groß ist. Das sahen und sehen natürlich die Aktivisten der Bürgerinitiative 100 % Tempelhofer Feld gänzlich anders: Die Pflanzaktion sei eine “Auftaktveranstaltung der gegen den eindeutigen gaebler+schmidt_bi thf100_tempelhofer feldBürgerwillen geplanten Zerstörung des Feldes”, echauffierten sie sich nicht nur per Pressemitteilung, son- dern auch vor Ort. Gleditschien seien zudem “nicht standortgerecht”, hielten sie Gaebler und Schmidt vor, die wiederum das völlig anders sahen und sehen und darauf verwiesen, dass die Baumart selbstverständlich im Vorfeld mit dem Berliner Natur-schutzbeauftragten abgestimmt wur- de. Gleditschien seien Bäume, die mit Wind, Trockenheit, hohen Temperaturen, einem verdichteten Boden und somit mit den spezifischen Bedingungen des ehemaligen Flugfelds gut zurechtkommen, refe- rierte Gaebler. Dazu kämen die optischen Vorzüge der Gleditschie, die sich mit ihrer 1.baumpflanzung tempehofer feld_gaebler+schmidtSilhouette perfekt in das Gesamtbild des Parks einfüge.

Im Herbst, kündigte der Staatssekretär an, werden weitere 116, ebenfalls sorgfältig ausgesuchte Bäu- me auf dem Areal gepflanzt. Und nicht nur das: Außerdem werde dann begonnen, mit der Aus- hebung eines 3 Hektar großen Wasserbeckens den Wunsch vieler Besucher nach Wasserflächen zu realisieren. Das Resultat würden jedoch nicht nur attraktive Aufenthaltsbereiche in den Uferregionen sein, sondern auch ein “ökologisch und ökono- misch vernünftiges Regenwasser-Management”. Etwa 300.000 Euro fielen derzeit als Kosten für die Wasserbecken Übersicht_Copyright Gross MaxAbleitung des Regenwassers von der Tempelhofer Freiheit in den Landwehrkanal an. Geld, das man für das Gelände sinnvoller ein- setzen könne.

Des Weiteren werde in absehbarer Zeit die Neuordnung der Sportfelder am Columbiadamm gestartet, um die dringend benö- tigten Flächen für die Erweiterung des muslimischen Friedhofs schaffen zu können.

Die Umsetzung anderer Pläne liegt noch in fernerer Zukunft. Bis 2016 reicht das Zeitfenster, das Christian Gaebler für Projekte wie das Anlegen eines Nord-Süd-Radwegs, die Verbesserung der Infrastruktur in puncto Toiletten und Gastronomie, die Schaffung quartiersnaher Spiel- und Sportplätze, das Ausweiten von Urban bi thf100_1.baumpflanzung_tempelhofer feldGardening-Flächen und die Kennzeich- nung und Ausstellung historischer Spuren auf dem ehemaligen Flughafen nannte.

Die Visionen vom künftigen Sound des Tempelhofer Felds hatten die Aktiven der Bürgerinitiative gegen die Bebauung gleich dabei. Baulärm vom Band begleitete die Spatenstiche von Christian Gaebler und Christoph Schmidt. Die Aufgabe, die der Staatssekretär ihnen auftrug, dürfte schwieriger zu bewältigen sein: “Dann zeigen Sie mir doch die 85 Prozent der Berliner, die etwas gegen mehr Bäume hier haben!” lautet sie.

=ensa=

“Kein marginales, sondern ein tiefgreifendes Thema für die Gesellschaft”

unbelehrbar-plakat_eingang sputnik-kino kreuzberg“Der Film ist wirklich optimal”, findet Sigi, und er muss es wissen. Nicht weil er ein renommierter Filmkritiker ist, sondern weil in der Geschichte, die der Film “Unbelehrbar” erzählt, sehr viel von sei- ner eigenen steckt. Vorgestern saß Sigi zusam- aussicht_sputnik-kino kreuzbergmen mit vielen anderen über den Dächern Kreuz- bergs im Sputnik-Kino, dem höchsten Kino Berlins, um sich die Leinwand-Version seiner Vergangenheit anzu- sehen. Und plötzlich schien der bittere Cocktail aus Unsicherheit, einem deso- laten Selbstwertgefühl, Verzweiflung und läh- mender Hilflosigkeit  wieder zum Greifen nah. Dass eine weite Etappe von Sigis Vita von einer Frau gespielt wird, macht keinen Unterschied. Die Emotionen, die Ellen in Anke Hentschels Film “Unbelehrbar”  durchlebt, kennen keine Geschlechtergrenzen. Nicht oder kaum lesen und schreiben zu können, ist für alle Betroffenen belastend – für etwa 7,5 Millionen Volljährige in Deutschland, also 14 Prozent aller Erwachsenen.

Die Schauspielerin Lenore Steller gibt ihnen mit ihrer Verkörperung der Ellen ein brillantes, zu Empathie animierendes Gesicht: Wie das Gros der funktionalen An- UNBELEHRBAR_Standfoto_CMYKAlphabeten mogelte sie sich irgend- wie durch ihre schulische Laufbahn. Als sie im Alter von 40 Jahren von ihrer Vorgesetzten dazu gedrängt wird, durch eine Weiterbildung ihre beruf- lichen Möglichkeiten zu verbessern, reagiert die Küchenhilfe zunächst trotzig: “Ich brauch keine Möglich- keiten!” Aber dann reift in ihr doch zwischen Zweifeln und Ängsten ein Jetzt-oder-nie-Gefühl heran, und sie beschließt, den Ehemann und die beiden Kinder im Teenager-Alter in der bran- denburgischen Kleinstadt zurück zu lassen, um in Berlin einen Alphabetisierungs-Lehrgang zu machen. Völlig auf sich allein gestellt, wird aus der anfangs ver- unsicherten, zögerlichen, schüchternen Ellen eine mutige, optimische Frau, die bereit ist, die überall aufgestellten Hürden in der fremden Umgebung zu nehmen und die anke hentschel_unbelehrbar-regisseurin_sputnik-kino kreuzbergWelt der Schriftsprache zu erkunden.

Auch für Regisseurin Anke Hentschel (l.) war die filmische Umsetzung des Themas An-Alphabetismus eine Heraus-forderung. “Es war ein Zeitungsartikel darüber, der mich sehr bewegt und mir den Impuls gegeben hat, es probieren zu wollen”, erzählte sie nach dem Ende des Films bei einer Gesprächsrunde, an der mit Marion und Peter auch zwei ehemalige funktionale An-Alphabeten vom Neuköllner Verein Lesen und Schreiben sowie Dr. Ulrich Raiser (l.) von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung teilnahmen. Mit dem Film “Unbelehrbar”, sagte sie, sei eine Metapher für Orientierungslosigkeit unbelehrbar-expertengespräch_sputnik-kino kreuzbergentstanden. Durch die exzellente Besetzung und insbesondere die her- ausragende Leistung von Lenore Stel- ler funktioniert die perfekt. Um sich die Rolle zu erarbeiten, die so schwierig sei wie die, eine Blinde zu spielen, nahm die Hauptdarstellerin – wie schon die Regisseurin – im Vorfeld Kontakt zu Betroffenen auf.

Mit dem Ergebnis, dass auch Peter und Marion, bewegt vom Film bestä- tigten, sich in vielen Situationen wie- dererkannt zu haben. “Noch heute”, gestand der 53-Jährige, “hab ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich einen Formular oder einen Bewerbungsbogen ausfüllen muss.” Denn sich als Erwachsener das anzueignen, was man als Kind verpasst hat, sei ein langer, anstrengender Weg. Für Marion begann der, als sie selber Kinder hatte: “Da hab ich begriffen, dass ich jetzt endlich den Arsch hoch kriegen und lesen und schreiben lernen muss.” Das Problem sei allerdings, unterstrichen beide, dass es filmrollen_sputnik-kino_berlin-kreuzbergviel zu wenige Hilfsangebote und Kurse gebe.

Dem konnte Dr. Ulrich Raiser nur zustimmen: “Man müsste viel mehr Geld für die Bereiche Alphabetisierung und Grundbildung in die Hand nehmen, aber es ist doch leider nicht so leicht, das zu kriegen.” Der Film, sagte er, sei sehr wichtig, um zu auf breiter Ebene zu verdeutlichen, dass es sich um kein mar- ginales, sondern um ein tiefgreifendes Thema für die Gesellschaft handelt. Durch das Ansehen von “Unbelehrbar” habe nun jeder die Chance nachzuvollziehen, worum es eigentlich geht, wenn von An-Alphabetismus die Rede ist.

“Unbelehrbar” läuft zurzeit im hackesche höfe kino, im Lichtblick-Kino und im Sputnik-Kino; ab 18.4. ist er im filmkunst 66 und im Film Cafe zu sehen.

Heute steht die Regisseurin Anke Hentschel nach der 20 Uhr-Vorführung für Gespräche bereit, morgen nach der 18 Uhr-Vorführung (beide im Licht- blick-Kino) ist die Autorin Katharina Schlender ebenfalls dabei. Am 20. April gibt es eine Sondervorführung mit Anke Hentschel und der Hauptdarstellerin Lenore Stelle im filmkunst 66 (Uhrzeit erfragen).

=ensa=

Nadeln für den guten Zweck

schalsZwei Meter lang sollte er schon sein. Und 25 Zentimeter breit. Alles weitere ist jedem selber überlassen: die Far- be, das Muster, das Material, die Nadelstärke. Vom melierten Anfänger- stück aus rechten Maschen bis hin zum hochkompliziert gemusterten Mo- dell, das bewundernde Blicke auf sich zieht, ist alles erlaubt. Wenn es denn selbstgestrickt ist.

Mit dem Slogan “An die Wolle, Fertig, Los!” ruft der Neuköllner Nachbarschaftstreff Sonnenblick derzeit bezirksübergreifend zum emsigen Nadeln auf. Ziel des ambitionierten Strickprojekts ist  der längste Schal Berlins, und der soll  mindestens 500 Meter messen. Im Herbst, d. h. zum Beginn der sonnenblick_kubus_längster schal berlinsnächsten Schal-Saison, dürfte man so viel zusammen haben, schätzt Gernot Zessin von der Kubus gGmbH, die Trä- gerin des Nachbarschaftstreffs ist und das Projekt angestoßen hat. Die bisherige Beteiligung sei jedenfalls gut, auch außer- halb Neuköllns: “Aber Luft nach oben ist ja immer.”

Je mehr Leute mitstricken, Wolle und Zeit investieren und Schals entstehen lassen, desto besser. Denn die wollenen Acces-soires, die zunächst zusammengenäht vermessen und dann wieder in Einzelteile zerlegt werden, sind für eine Versteigerung zugunsten der Hilfsaktion “Ein Herz für Kinder” bestimmt. Wann und wo die Auk- tion stattfindet, stehe noch nicht fest, sagt Gernot Zessin. Spruchreif ist aber, “dass der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky seine Teilnahme formal zugesagt hat.” Bis dahin darf noch fleißig an Teilstücken für  den längsten Schal Berlins  gestrickt werden.

Schals können im Nachbarschaftstreff Sonnenblick (Sonnenallee 273) ab- gegeben werden. Dort sind auch Wollspenden willkommen und weitere Informationen erhältlich: Tel. 030 – 39 20 10 32

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Aus Ehemaligem wird Zukünftiges: letzte Führungen durch den Bauteil H2rd

Die Orientierung auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof ist nicht leicht. Ortsangaben mit Begriffen wie Hangar, Tor, Eingang, Gebäudeteil und Aufgang treiben manchen Besucher an den Rand der Verzweiflung. “Das Leitsystem bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofmüssen wir dringend verbessern”, stellte so kürzlich auch Martin Pallgen, Presse- sprecher der Tempelhof Projekt GmbH, fest. Vergleichsweise leicht zu finden ist dagegen das ehemalige Offiziershotel – wenn man es nicht auf den Plänen sucht, fassade_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdie auf dem Areal stehen. Denn dort heißt es nur Bau- teil H2rd.

An den Ostertagen wird es in dem Trakt am Platz der Luftbrücke noch einmal richtig voll werden. Dann nämlich bietet sich die letzte Gelegenheit, das Gebäude vor seiner bevorstehenden  Sanierung und dem Umbau zu einem flur eg_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKreativzentrum zu besichtigen. Es ist das zweite Mal, dass es neu gestaltet wird, um den Be- dürfnissen einer veränderten Nutzung zu genügen.

“1935″, erklärt Birgit Ohström, “haben die Nazis mit der Errichtung des größten Baudenkmals Europas begonnen. Aber ganz fertig geworden sind sie nie, weil das Tau- sendjährige Reich eben früher als von ihnen geplant zu Ende gegangen ist.” Von außen sah und sehe seitdem birgit ohström_berlin kompaktalles ganz wunderbar aus, sagt die Stadtführerin, “aber das war’s dann auch schon.” 1938 zog die Hauptverwaltung der Lufthansa in das Gebäude. 1950 wurde mit dem Wiederaufbau des im Krieg weit- gehend ausgebrannten Anwesens für die US Air Force begonnen, die es in Columbia House umbenannte, hier  ihren Officers’ Club und  ein Offizierskasino einrichtete und die vorherigen Büros in den Obergeschossen zu Offiziers-unterkünften umgestalten ließ.

Was einen dort erwartet, lässt sich im Erdgeschoss noch nicht erahnen: Der Empfangsbereich wirkt seit seiner Komplettrenovierung vor 26 Jahren edel-funktional; saal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofdas riesige ehemalige Restaurant mit dem abgewetzten blauen Velours und angestaubten verspiegelten Wand- elementen versprüht Retro-Prunk. Es riecht, als wären die Fenster und Tü- ren zur angrenzenden Terrasse seit Jahren nicht mehr geöffnet gewesen.

Als Restaurant solle es auch künftig wieder genutzt werden, informiert Bir- git Ohström. Denn der Umbau des denkmalgeschützten, viergeschossi- gen Gebäudeteils  verfolge nicht nur das Ziel, jungen und arrivierten Kreativen Büros und Ateliers anzubieten. “Zur Planung gehören auch öffentliche Bereiche mit treppenhaus_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofKonferenz- und Veranstaltungssälen, eben dem Restaurant und einem Besucherzentrum mit Café.” Ideen, das einstige Hotel wieder als Hotel in Betrieb zu nehmen, seien verworfen worden. Aus einleuch- tenden Gründen, wie sich später zeigt.

Durch das weitgehend original erhaltene Treppen- haus geht es hinauf in die 1. Etage. Birgit Ohström weist auf das Treppengeländer hin, das sich vom Keller bis unters Dach zieht: “Es ist komplett aus Aluminium.” So wie er nach Plänen von Ernst Sage- biel, einem der bedeutendsten Architekten der NS-Zeit, gebaut wurde, ist auch der Eichensaal erhalten. Über zwei Stockwerke reicht der mit düs- terem Eichenholz vertäfelte  Raum, der zudem auf Schritt und Tritt durch Eichenblatt-Ornamente daran erinnert, weshalb er heißt, wie er heißt. Eine eingebaute Leinwand

eichensaal_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofeichensaal-kronleuchter_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

machte den rund 6 Meter hohen Saal zum Konferenz- und Vortragsraum der Luft- hansa – und ein Wasserschaden in der darüber liegenden Etage große Teile des wendeltreppe_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofEichenparketts kaputt.

In den einstigen Büros und späteren Hotelzimmern für durchreisende Offiziere der US Air Force ist es eine Mischung aus Verfall und amerikanischen innenarchi-tektonischen Vorlieben, die ihnen zugesetzt hat. Ram- ponierte, schwere Stores hängen vor milchigen Fenstern, die begonnene Beseitigung der Teppiche förderte edlen Parkettboden zutage,  die Wände und Decken sind so vergilbt wie die Heizkörper und Fensterrahmen, farblich dominieren Schlamm- und Brauntöne, die Bäder haben die Zeit, in der sie als modern galten, lange hinter sich. “Nach heutigen Maßstäben sind die Räume viel zu klein, um sie in einer gehoben Kategorie als Hotelzimmer vermieten zu können”, stellt Birgit Ohström fest und führt in

zimmer_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofoffizierswohnung_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofbad_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhof

die ehemalige Offizierssuite am Ende des schier unendlichen Flurs. Dass sich privilegiert fühlen konnte, wer einst in den drei Zimmern wohnen durfte, wird noch hotel-flur_bauteil h2rd_ehem. offiziershotel_flughafen berlin-tempelhofheute deutlich. Obwohl auch diesen Gemächern nicht mehr als morbider Charme geblieben ist.

Nach dem denkmalschutzgerechten Umbau wird von dem nichts mehr zu sehen. Wo nun historische Spuren durch fast acht Jahrzehnte führen, wird dann alles hell, freundlich und topmodern sein. “Es ist an der Zeit, dass aus diesem spannenden, immer mehr verfallenden Gebäude endlich was ge- macht wird”, findet Birgit Ohström. Man kann nicht anders als ihr recht zu geben.

Am 31. März und 1. April werden letztmalig vor der Sanierung und dem Umbau des Gebäudes Führungen durch das frühere Offiziershotel angeboten. Tickets kosten 10 Euro (erm. 6 Euro); eine Anmeldung ist ratsam.

=ensa=

Neukölln! Man hört’s!

steinle-tasche_itb berlinGestern ging in den Hallen der Messe Berlin am Funkturm die Internationale Tourismusbörse (ITB) zu Ende. Insgesamt 11.000 Messestände boten an drei Fachbesucher- und zwei Publikumstagen die Möglich- keit, sich über 180 Länder zu informieren. Auch die Länder Brandenburg und Berlin waren dabei und teilten sich die Messehalle 12. Direkt nebenan in Halle 13 warb die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH für den im Bau befindlichen Flughafen BER. Lag es an den mehrmals verschobenen Eröffnungsterminen und an den baulichen Mängeln des Flughafens, dass hier so gar kein Publikumsandrang herrschte?

Anders in dem Bereich, wo sich an Doppelcounter die Bezirke der Hauptstadt präsentierten. Gestern Vormittag durfte ich zusammen mit Tanja Dickert und Norbert Kleemann von der Kreativen Gesellschaft Berlin (KGB 44) interessierten Messe- besuchern Neukölln touristisch nahe bringen. Am Nachbarstand war in dieser Zeit der Bezirk Steglitz-Zehlendorf vertreten.

Wie unterschiedlich die Bezirke die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor gewichten, dies ließ sich auch anhand der Broschüren und Informationsmaterialien gut ablesen: Haben einige Bezirke Hochglanzprospekte über touristische Highlights in ihren Kiezen aufgelegt, halten andere lediglich einen Wegweiser bereit. Für Neukölln wurde das kleine Heft „Neukölln auf den Punkt gebracht“ mit Adressen für Gastronomie, Übernachtung, halle 12_itb berlinShop- pen und Kultur verteilt.

Der Besucherandrang war stetig, so dass sich durchgehend mindestens vier, fünf Interessierte vor dem Stand aufhielten. Auf Nachfrage erfuhr man, dass es vor allem BerlinerInnen waren. Es verwundert auch wenig, dass sie zuerst nach touristischen Infomaterialien über ihren Wohnbezirk fragten. Man könnte es vielleicht vermuten, doch das Interesse an anderen Bezirken war sehr gering. Wollte ich den Standbesuchern das Neukölln-Heft mitgeben, wurde die Annahme erstaunlich oft mit den Antworten „In Neukölln arbeite ich schon“ oder „In Neukölln habe ich früher mal gewohnt“ abgelehnt. Einige wenige Besucher meinten dagegen, dass sie es spannend finden, in Berlin immer wieder Neues entdecken zu reinhold steinle_neukölln-stand_itb berlinkönnen.

Durchgehend groß war dagegen das Interesse an der von visitberlin ver- öffentlichten Broschüre „Kiez erleben – Berlins 12 Bezirke“. In ihr werden 12 Insidertouren vorgestellt, der Bezirk Neukölln mit dem Slogan „Neukölln für die große Multikulti-Party“.

Und multikulti repräsentiere auch ich. Öfters wollten Leute wissen, für wel- chen Bezirk ich hier stehen würde. Und wenn ich mit meinem schwäbischen Dialekt entgegnete „Neukölln!“, bekam ich oft die manchmal trockene, manchmal auch amüsierte Antwort „Man hört’s!“.

=Reinhold Steinle=

Yes, indeed!

Seit einer gefühlten Ewigkeit liegt eine hell- bis dunkelgraue Wolkendecke über Ber- lin. Da kommt  das optische Pendant, das sich  in Sichtweite der  Neuköllner  Bezirks-

kunst am zaun_tempelhofer feld_berlin

grenze am Zaun um das Tempelhofer Feld präsentiert, gerade recht: Aus bunten, miteinander verschlungenen Bändern entstand am Columbiadamm ein StreetArt- Werk, das Labsal für Augen und Seele ist und gern öfter beweisen darf, dass es auch perfekt vor eine himmelblaue Kulisse passt.

Abfahrt mit Hindernissen

9_vfw614_deutsches technikmuseum berlinIhr letzter Flug liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück. “Bis 1999 gehörte die VFW 614 zur Flotte der Flugbereitschaft der Bundesregierung”, er- zählt Heiko Triesch. “Die komplette VIP-Ausstat- tung ist auch noch drin.” Luxuriös dürfe man sich die aber nicht vorstellen – obwohl reichlich Polit-Prominenz in dem 44-Sitzer Platz nahm, verrät der stellvertretende Leiter des Deutschen Technikmuseums Berlin, das seit 2007 Besitzer des 8_vfw614_deutsches technikmuseum berlinausgemus-terten Fliegers ist. Während der im Neuzustand die Bundesregierung noch 12,5 Millio- nen DM gekostet hatte, war nun nur noch das zu investieren, was “für einen vollausgestatteten Golf” zu zahlen ist. Der ideelle Wert liege zweifellos weitaus höher, sagt Heiko Triesch.

Bis gestern stand die Maschine im Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof, was nicht nur dem Material, sondern auch den Kosten ziemlich zusetzte: “Jedes Mal, 6_vfw614_deutsches technikmuseum berlinwenn das 12 Tonnen schwere Flugzeug bewegt werden musste, weil es sonst bei 11_vfw614_deutsches technikmuseum berlinPartys oder an- deren Veran- staltungen im Hangar im Weg gestan- den hätte, mussten wir den Transport aufs Vorfeld aufwändig organisieren.” Seit der Flughafen keiner mehr ist, sei eben auch die Infrastruktur nicht mehr vorhanden. Zwar ist auch die VFW 614 dann und wann als Kulisse eingesetzt worden, beispielsweise für den Spielfilm “Hilde”, aber längst nicht so häufig wie der Rosinenbomber, der nun als letztes und einziges Flugzeug in Tempelhof steht bzw. stehen sollte. Denn so glatt wie geplant, verlief der Abtransport 12_vfw614_deutsches technikmuseum berlindes weiß-blauen Düsenflugzeugs dann doch leider nicht. Der 20 Meter lange Rumpf, der gestern von einem Kran auf einen LKW geladen wurde, steht nun wieder auf Euro- paletten-Stapeln im Hangar. “Die Gesamt- höhe lag einige Zentimeter über der Ab- messung, die polizeilich genehmigt war”, berichtet Trieschs Mitarbeiter Dietmar Rup- pert. “Jetzt bemühen wir uns, so schnell wie möglich einen neuen Termin für den Trans- port des Rumpfes nach Werneuchen zu 1_vfw614_deutsches technikmuseum berlinkriegen.” In dieser Wo- che werde der jedoch auf keinen Fall zu realisieren sein.

Dass der Rumpf zeitnah dort deponiert werden kann, wo gestern bereits die beiden Tragflächen ankamen, ist sehr im Interesse des Deutschen Technikmuseums. Anders als im zugigen Tem- pelhofer Hangar seien die Bedingungen in der 5_vfw614_deutsches technikmuseum berlin“staubtrockenen Halle” auf dem ehemaligen Militär- flughafen der russischen Armee perfekt. “Wenn wir noch ein paar Wochen warten”, so Heiko Triesch, “könnten wir das Problem bekommen, dass sich Vögel Brutplätze in dem alten Flugzeug gesucht haben und der Transport aus Naturschutzgründen nicht stattfinden darf.” Schmunzelnd ergänzt er: “Wir machen das also nicht jetzt im Winter, weil wir beim Arbeiten so gerne kalte Hände und Füße haben.”

Zwei Wochen lang war ein halbes Dutzend Monteure der Firma 7_vfw614_deutsches technikmuseum berlinHerrmann & Wittrock damit be- schäftigt, die VFW 614 fach- männisch zu zerlegen, die 3_vfw614_deutsches technikmuseum berlinLeit- werke und die beiden 11 Meter langen Trag- flächen vom Rumpf zu trennen, Unmengen 2_vfw614_deutsches technikmuseum berlinvon Kabeln abzuklem- men und Schrauben in Plastikbeutel zu ver- packen. Dass die Maschine nie wieder ihre Flugtauglichkeit beweisen wird, spielte dabei keine Rolle. Auch nicht, dass sie in Werneuchen in Einzelteilen geparkt wird – so wie etwa 30 andere Flugzeuge, die das Deutsche Technikmuseum in 4_vfw614_deutsches technikmuseum berlinHallen eingelagert hat.

“Natürlich würden wir unsere Schätze wie die VFW 614, von der 19 gebaut wurden und nur noch sechs existieren, gerne fürs Publikum zugänglich machen”, 10_vfw614_deutsches technikmuseum berlinsagt Heiko Triesch. Aber dafür müsse man eben auch den Platz haben. “Für Museen wie unseres ist es jedenfalls normal, dass man mehr hat, als man zeigen kann.” Immerhin ließen sich für demontierte Flugzeuge Hallen zum Einlagern finden, das sei mit Schiffen doch schon wesentlich schwieriger.

=ensa=

Zu Lande statt in der Luft

Wenn sich Flugzeuge über öffentliche Straßen bewegen, noch dazu mitten in Millionenstädten wie Berlin, bedeutet das meist nichts Gutes. Das wird heute Abend anders sein – abgesehen von unvermeidbaren Verkehrsbehinderungen: Zwischen 19 und 20 Uhr verlässt eine VFW 614, das erste in der Bundesrepublik Deutschland entwickelte und in Serie gebaute Düsenverkehrsflugzeug, den ehemaligen Flughafen

1_vfw614_flugh berlin-tempelhofabtransport vfw614_flugh berlin-tempelhof

Tempelhof mit dem Ziel Werneuchen. Momentan wird die in sechs große Einzelteile zerlegte Maschine noch im Hangar 3 auf vier LKWs verladen. “Auf einen kommen die Höhen- und Seitenleitwerke, auf zwei je eine Tragfläche und auf einen der 20 Meter lange Rumpf”, erklärt Dietmar Ruppert, Depotleiter des Deutschen Technikmuseums,

5_vfw614_flugh berlin-tempelhof3_vfw614_flugh berlin-tempelhof

4_vfw614_flugh berlin-tempelhof2_vfw614_flugh berlin-tempelhof

das Besitzer des Flugzeugs ist. Wenn alles verladen und festgezurrt ist, geht es mit Polizeikonvoi über den Tempelhofer Damm, die Stadtautobahn in Richtung Tegel, die A111 und schließlich auf der A10 bis zur Ausfahrt Blumberg. Läuft alles planmäßig, soll die etwa 12 Tonnen schwere Fracht um 23 Uhr am Ziel sein.

Mehr über die Demontage und die Vergangenheit und Zukunft des Flug- zeugs morgen.

=ensa=

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