Heiße Eisen am Richardplatz

1_rixdorfer schmiede_neukölln“Bezirksamt Neukölln setzt mich und meinen Betrieb nach 8 Jahren Auf- bauarbeit für das kulturelle Bildungs- und Handwerkszentrum vor die Tür der Rixdorfer Schmiede.” Mit dieser Nachricht schockte Gabriele Sawitzki Ende letzter Woche ihre Facebook-Freunde. Fassungslosigkeit und Ent- setzen schwappten durch die Com- munity, zu Petitionen und Protest- schreiben an das Bezirksamt wurde aufgerufen. Reaktionen, als hätte Sawitzki verkündet, dass in der historischen Schmiede demnächst eine Spielhalle eröffnet oder das Gebäude auf dem Ri- chardplatz gleich ganz abgerissen werde, um dort ein Shoppingcenter zu bauen. 3_rixdorfer schmiede_neuköllnDem ist jedoch nicht so!

Was also genau ist passiert? Im Juni 2004 hatte die Schmiedin einen Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit für die Nutzung des Anwesens mit dem Neuköllner Bezirksamt abgeschlossen. Seit 2009 wurde der stets automatisch für ein jeweils weiteres Jahr verlängert, auch weil es keine anderen Interessenten gab. Das änderte sich in diesem Sommer. Ausge- rechnet Martin Böck, der als Kunst- und Messer- schmied bislang Sawitzkis Untermieter in der Rix- dorfer Schmiede war, bewarb sich um den Haupt-mietvertrag. Schon das legte neuen  Zündstoff ins bereits seit gut zwei Jahren kriselnde Miteinander. Dass Böck den Vergabe- kriterien sowie den neuen Konditionen des vom Bezirksamt vorgelegten Pacht- vertrags zustimmte, ihn – im Gegensatz zur Mitbewerberin – unterschrieb und so in einem freihändigen Vergabeverfahren zum neuen Hauptmieter wurde, zündete die Lunte martin böck_rixdorfer schmiede_neuköllnzwischen der Frau fürs metallverarbeiten- de Grobe und dem Mann für die schmiede- rischen Feinheiten.

“Am 21.12.2012 geht bestimmt nicht die Welt unter, aber einer wichtigen Berliner Begegnungs- und Bildungsstätte hat das Bezirksamt Neukölln zum Jahresende den Untergang beschert. (…) Wird Berlin sich auf diese Weise einen weiteren Fauxpas leisten? Wird das Feuer und das Flair vom Richardplatz, so so viele und so vieles begeistert, angezündet und bewegt hat, künftig wieder auf Sparflamme  brennen?” Schon diese Sätze aus der Einladung, mit der Gabriele Sa- witzki gestern zur Pressekonferenz in die Rix- dorfer Schmiede geladen hatte, ließen nichts Gutes vermuten. Wer sich davon nicht abschrecken lassen hat, landete mitten in einer Gemengelage aus Enttäuschung, Unverständnis, Verletzungen, Wut und prognostizierten Eventualitäten auf der einen Seite. Auf der anderen stand Martin Böck, der wirkte, als wünsche er sich augen- blicklich den vom Maya-Kalender angekündigten Weltuntergang herbei, um diese für alle Beteiligten unwürdige Schlammschlacht  zu beenden.

Sie habe die Schmiede gemeinwesenorientiert ausgerichtet und dem Ort durch Kulturveranstaltungen und soziales Engagement eine Strahlkraft verliehen, die weit über den Bezirk Neukölln hinaus reichte, erinnerte 4_rixdorfer schmiede_neuköllnSawitzki an ihren zweifellos großen sozialen und unternehmerischen Ein- satz, für den sie vor vier Monaten mit der Franz-von Mendelssohn-Medaille ausgezeichnet wurde. Böck hingegen habe einen eher privatwirtschaftlichen Fokus. Nun werde er durch die Ver- gabekriterien des Bezirksamts ge- zwungen, die Schmiede als Museum und Kulturort mit gewerblichem An- teil zu führen. Das könne doch nicht klappen. Auch frage sie sich, wie er das alles finanziell stemmen wolle. Bisher habe die Miete rund 50 Prozent unter der gelegen, die ab Januar fällig wird, und Böcks Kostenbeteiligung habe gerade mal ein Fünftel des gesamten finanziellen Aufwands ausgemacht. Der Löwenanteil von 80 Prozent sei von ihr aufgebracht worden, was nicht zuletzt durch das als berufliches Standbein geführte Metallbau-Unternehmen möglich war.

Das mit der 80/20-Kostenaufteilung stimme definitiv nicht, meldete sich endlich auch Martin Böck zu Wort. Was jedoch richtig sei, ist, dass er keine zweite Werkstatt habe, die den Betrieb der Schmiede notfalls subventionieren könnte. Das unterneh- 2_rixdorfer schmiede_neuköllnmerische Risiko laste folglich kom- plett auf ihm und der Entwicklung des Ortes. Natürlich werde sich die Aus- richtung des gewerblichen Seg- ments ändern, kündigte Böck an: “Ich bin Messerschmied, habe seit 12 Jahren den Meisterbrief und produzie- re alles, was kleiner als ein Kühl- schrank ist, auch als Zuarbeit für an- dere Metallbauer.” Selbstverständlich werde er auch das von Gabriele Sa- witzki begonnene Anliegen fortführen, in der Schmiede Auszubildende für das Schmiede-Handwerk einzustellen. Schließlich habe er schon bei der Schmiede- ausbildung von Henriette Abitz einen Großteil übernommen.

“Ich hab überhaupt keine Zweifel, dass die Zukunft der Schmiede im gleichen Stil wie bisher weitergeht”, bemerkt ein Anwohner. “Kulturveranstaltungen während des Festivals 48 Stunden Neukölln, beim Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt, bei der Langen Nacht der Museen und beim Tag des offenen Denkmals wird es auch in Zukunft geben”, versichert Martin Böck. “Und daran, dass die Rixdorfer Schmiede sonntags für Besichtigungen geöffnet ist, wird sich ebenfalls nichts ändern.” Das klingt weder nach Sparflamme, noch nach einem Untergang zum Jahresende.

=ensa=

Freiwillig in den Knast

Schon während des Kulturfestivals 48 STUNDEN NEUKÖLLN haben viele die Gele- genheit  genutzt, sich  zwanglos  etwas genauer im ehemaligen  Neuköllner Gerichts-

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gefängnis in der  Schönstedtstraße  umzusehen. Das kann man auch  am kom- menden Samstag wieder tun: Dann ist im “Café Schönstedt” genannten Ex-Knast von 15  bis 18  Uhr  letztmalig  die  Ausstellung  “Positioning  Osmotic  Impulses”  zu

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sehen. Zwar nicht mehr in einem Umfang wie vor zwei Wochen beim Kulturspektakel, als  22 internationale Künstler 30 Zellen  in Installationen verwandelten, aber beeindrucken  kann auch das dezimierte  Restangebot, das sich über die 1. Etage im

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Trakt A erstreckt. Ebenfalls in die Verlängerung (Zeiten s. o.) geht die beeindruckend bedrückende Ausstellung  “Lebenszellen”  im Erdgeschoss des Backsteinbaus. Sechs  Künstler haben für die die  Lebenswege von  Menschen recherchiert und skiz-

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ziert, die als Asylhäftlinge in der Schönstedtstraße einsaßen und ihnen mit der Ausstellung temporäre Denk- und Mahnmale gesetzt.

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Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

baobab 2012 neukölln, afrika-fußballmeisterschaft berlin 

Auch für Kulturbanausen hatte Neukölln am letzten Wochenende vor den Som- merferien mehr als genug zu bieten: das BAOBAB!-Turnier um die 8. Afrika-Fuß- ballmeisterschaft Berlin, den Langen Tag der Stadtnatur und diverse Straßenfeste.

Zwischen Endstation und Paradies

“Endstation Paradies” – so heißt das Motto des diesjährigen Kunst- und Kultur- festivals 48 STUNDEN NEUKÖLLN, das heute um 19 Uhr eröffnet wird und bis Sonntagabend  600 Veranstaltungen in 340 Locations  auf dem Programm hat. Damit ist zwar im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Events konstant, hielt Festivalleiter Martin Steffens pressekonferenz 48 stunden neukölln, betsaal evang. brüdergemeine berlinbei der Pressekonferenz im Ge- meindesaal der Ev. Brüder- gemeine fest, “aber wir haben  40 Orte mehr, man muss also mehr laufen.” Doch das ist blo- ße Theorie, da die konkreten Zahlen bestenfalls als Renom- mee für die Veranstalter taugen. Jeder einzelne Besucher schafft ohnehin nur einen Bruchteil der Events.

Ein anderer Schuh wird aus der  Perspektive der Anwohner da- raus: Mit der größeren Ausbreitung des Festivals steigt für sie die Möglichkeit, ein Event mit all seinen unliebsamen Nebenwirkungen vor der eigenen Haustür zu haben. Steffens weiß um den schmalen Grat, auf dem sich die kulturelle Leistungsschau bewegt, die Jahr für Jahr mehr Besucher anzieht und mehr Anwohner abstößt: “Uns ist sehr daran gelegen, die Akzeptanz der 48 STUNDEN NEUKÖLLN zu erhalten und ein bewoherkompatibles Festival  zu veranstalten.” Deshalb werde es beispielsweise erstmals keine Open Air-Bühnen geben.

straßentheater invisibles, pressekonferenz 48 stunden neuköllnWas es dagegen erstmals reichlich gibt, sind Events mit eindeutig politischer Attitüde wie z. B. das Straßentheater Calaca, das morgen und Sonntagnachmittag auf dem Platz der Stadt Hof Szenen über “Invisibles  – Menschen ohne Papiere” spielt. “Das Motto wurde auch mit Bedacht gewählt”, sagt Kulturstadträtin Franziska Giffey und führt aus, was Steffens mit  “Blaupause für wei- tere Zuwanderungsbewegungen” zusam-menfasst: Vor 275 Jahren seien es die Böhmen gewesen, die sich in Neukölln an- siedelten. “Jetzt erleben wir wieder, dass Menschen nach Neukölln kommen, um hier ein besseres Zuhause zu finden.” Sogar für den Spiegel, der im Oktober 1997 mit der Schlagzeile  Endstation Neukölln”  aufmachte und damit gewissermaßen den Im- puls für das  Kunst- und Kulturfestival als Gegenpol zum Negativ-Image gab, habe sich der Kreis geschlossen: In der Ausgabe vom 2. April d. J. titelte das Magazin nun mit  Paradies Neukölln”.

podium pressekonferenz 48 stunden neukölln

(v. l.: Auguste Kuschnerow, Dorothee Bienert, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Yasemin Samdereli, Dr. Franziska Giffey, Dr. Martin Steffens

Von paradiesischen Zustän- den ist das Kulturspektakel indes auch im 14. Jahr noch ein ganzes Stück entfernt. Die Finanzierung ist ein Problem mit Déja-vu-Faktor, ein ande- res benannte Franziska Giffey: “Der  Bekanntheitsgrad der Neuköllner Kulturszene ist in den Schulen des Bezirks und bei Jugendlichen nicht sehr hoch.” Man müsse sich folg- lich für die Zukunft fragen, wie man es schaffen kann, die Kulturlandschaft mit kultureller Bildung zusammen zu bringen. Und noch weitere Überlegungen sollen durch diese 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Auflage angestoßen werden. Für den Herbst, so Martin Steffens, sei eine Zukunftswerkstatt geplant, deren Grundlage beim Festival geschaffen werde: Nicht nur mit einer  Online-Umfrage, sondern auch unter den Besuchern sollen Meinungen ermittelt werden, um diese später in größerer Runde  zu diskutieren. Über Fragen wie  “Was brauchen wir für Kultur in Neukölln?” müsse man ständig reflektieren, auch um die Menschen mit dem Festival anzusprechen und es so zu organisieren, dass es zu Neukölln passt.

Für die amtierende 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Schirmherrin Yasemin Samdereli gibt es an der Passgenauigkeit keine Zweifel. Die im Bezirk lebende Regisseurin findet Neukölln spannend und das Festival auch.

=ensa=

Irgendwas ist immer

sommerfest sehitlik-moschee berlin-neukölln“Erst die schwierige Parkplatzsuche und dann die Enge hier.” Die Rentnerin, die extra aus Potsdam mit ihrem Mann, ihrem Sohn und dessen Tochter nach Neukölln gekommen ist, um zum ersten Mal die Sehitlik-Moschee am Columbia- damm zu besuchen, ist sommerfest sehitlik-moschee berlin-neuköllnetwas genervt. Aber eigentlich finde sie alles ganz wunder- bar und faszi- nierend, sagt sie. Eine Moscheeführung habe die Familie schon mitgemacht, bei der Ebru- und Henna-Malerei zuge- sehen und bestens gegessen, während der Comedian Murat Topal nur wenige Meter entfernt auf der kleinen Bühne für kurzweilige Unterhaltung sorgte, anmoderierte, Kindern  Quizfragen  stellte und als  Auktionator  Kunst ans

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sommerfest sehitlik-moschee berlin-neukölln sommerfest sehitlik-moschee berlin-neukölln, henna-malerei

Publikum brachte. “Bisher kannten wir den jungen Mann, genauso wie die Moschee, nur aus dem Fernsehen”, sagt die Potsdamerin. Auch mit Muslimen habe sie im Alltag nur selten zu tun. Hier ist sie ihnen ganz nah – und verwundert, dass anscheinend recht wenige Nicht-Muslime sommerfest sehitlik-moschee berlin-neuköllndas Sommerfest zur Kontaktaufnahme nutzen. Das habe sie sich doch anders vorgestellt.

Auch Ender Cetin, Vorstandsvorsitzender der Sehitlik-Moschee, kann mit dem Fest nicht rundum zufrieden sein, das außer einer Feier- lichkeit zugleich eine Reaktion auf Drohbriefe und Anschläge auf die Gemeinde war. Mit  “über 5.000 Gästen”  und vielen Besuchern, die nicht der Gemeinde angehören und Interesse und Solidarität beweisen, hatte er im Vorfeld gerechnet. Klar war ihm auch, dass der Samstag der stärkere Tag werden würde: “Durch das Radrennen am Sonntag über den Columbiadamm wurden nicht nur wir zu Kompromissen gezwungen, sondern auch unsere Besucher müsssen Unannehmlichkeiten hinnehmen.” Dass das Neuköllner Ordnungsamt keine Sondergenehmigung erteilte, auf dem Bürgersteig vor der Moschee Stände auf- zubauen, um das Platzproblem auf dem Grundstück ein wenig zu entspannen, sei skoda-velothon berlin, sperrung columbiadamm, sommerfest sehitlik-moschee berlin-neuköllneine Sache. Dass der Straßenab- schnitt am Sonntag komplett für den Autoverkehr und somit auch das Parken gesperrt sei, werde nicht ohne Auswirkungen auf die Gästezahl blei- ben, ahnte Ender Cetin. Insgesamt waren es letztendlich nur rund 3.000 Besucher, teilte das Büro der Sehitlik-Moschee heute mit.

Wegen des Radrennens hätten auch sie sich für den Sonnabend entschieden, sagt die Potsdamerin und fragt: “Warum hat die Moschee ihr Sommerfest denn dann nicht aufs nächste Wochenende gelegt?” An dem ist das Kulturfestival 48 Stunden Neukölln, das zwar keine Straßensperrungen, dafür aber 600 Konkurrenz-Veran- staltungen bedeutet.

=ensa=

“Welch ein Reichtum”: Glaubensfreiheit und 275 Jahre Böhmisches Dorf

“Abkunft – Niederkunft – Herkunft – Ankunft – Auskunft – Unterkunft – Übereinkunft – Zukunft”  Diese Abfolge hätte als Motto zur Einladung zu einem „besonderen“ bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorfPressegespräch in der Bethlehemskirche am Richardplatz dienen können, bei dem das Pro- gramm “Glaubensfreheit – 275 Jahre Böhmisches Dorf” vorgestellt wurde. Nichts Besonderes war, dass es auch bei der von  Horst Evertz  von der [Aktion! Karl-Marx-Straße] moderierten Veranstaltung nicht ohne das akademische Viertel ging.

Nach der obligatorischen Verspätung heißt Viola Kennert, Superintendentin des evangelischen Kir- chenkreises Neukölln, die anwesenden Presse- vertreter willkommen, nimmt Bezug auf den Ort und erinnert, dass der Kirchbau älter sei als das bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, viola kennertEreignis, nämlich die Ankunft der Böhmen vor 275 Jahren, das in diesen Tagen gefeiert wird.

Die Kirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts gebaut und 1884 der lutherischen Bethlehems- gemeinde zur Nutzung übergeben. Seit 1912 hat sie den Namen Bethlehemskirche in Erinnerung an die Ursprungskirche, die Bethlehemskirche in Prag. Der Ort erzähle vom Ankommen, vom Heimat-Finden, vom Sich-Arrangieren mit denen, die schon da sind,  sagt Viola Kennert. 275 Jahre Böhmisches Dorf sei auch die Geschichte von Flucht. Flucht derjenigen Böhmen, die einen Ort suchten, an dem sie weder römisch-katholisch noch lutherisch sein mussten und ihre reformierte Konfession leben durften. Eine Konfession, für die Jan Hus bereits hundert Jahre vor Martin Luther gestritten hatte und dafür sterben musste.

Es war aber auch die Erfahrung, dass Integration und Zusammenleben zwar Raum gegeben, aber nicht angeordnet werden kann. Integration sei ein Stückchen Arbeit. Die Voraussetzung dafür sei, dass die Freiheit gewährt wird, den eigenen Glauben zu leben, zu gestalten und in die Gesellschaft einzubringen. Wenn das möglich wäre, würden Fremde zu loyalen Bürgern und Bürgerinnen, und das Zusammenwachsen von ganz Unterschiedlichen würde möglich, die Unterschiede würden aufgehoben, es entstünde etwas Neues. Abschließend weist Viola Kennert auf ein – wie sie findet – bedeutsames Zeichen der Zusammenarbeit der Brüdergemeine und der Rixdorfer Gemeinde hin, nämlich innerhalb der Reformationsdekade im Oktober im Gedenken an Jan Hus das Oratorium von Carl Loewe zur Aufführung zu bringen. „Vielfalt gelingt, wenn Unterschiede geachtet, vielleicht sogar geliebt werden. Ich denke, davon zeugt diese Geschichte – 275 Jahre – und die wollen wir mit unseren bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorfunterschiedlichen Gaben fortsetzen. Ich freue mich über den Austausch, den wir haben werden über das weiter- gehende Programm, das entstanden ist.“ Mit diesen Worten beschließt die Superintendentin ihren Begrüßung.

Launig beginnt Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing: „Das letzte Mal, dass ich – glaube ich – in einer Kirche was sagen durfte, war am Tag meiner Konfirmation.“ Weiter geht es im vom ihm angekündigten „normalen Neu- kölln-Deutsch“. So gäbe es bei vielen, wenn sie Böhmen hören, die Assoziation mit böhmischem Bier, böhmischer Musik, böhmischem Schweinsbraten und böhmischen Knödeln – nicht so bei denen, die sich sowohl in Rixdorfer wie Neuköllner Zeit den Böhmen freundschaftlich verbunden fühlten und fühlen. Er selbst sei seit sechs Jahren in seiner beruflichen Eigenschaft dicht an diesem Thema dran und hätte u. a. vieles vom Comeniusgarten-Initiator Henning Vierck erfahren und gelernt, aber auch mit ihm auf den Weg gebracht. Das Vorhandensein des Böhmischen Dorfes sei zur Normalität geworden und zum Neuköllner Alltag geraten, Fremdlinge seien zu Mitbürgern geworden. Bei den Überlegungen, wer die Vorbereitungen für die Feiern zu diesem Jubiläumsjahr begleiten solle, seien Bezirksbürgermeister und -amt zu dem Schluss gekommen, bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, thomas blesingihm diese Aufgabe zu übertragen, damit sichergestellt sei, dass auch der Bezirk seinen Anteil an dem Gesamtvorhaben habe.

Damit leitet er über zu den Absichten, die Richardstraße umzugestalten, diese u. a. mit Vorgärten und Bäumen zu versehen. Auftakt dazu wird ein 1. Spatenstich zusammen mit dem tschechischen Botschafter am 15. Juni vor dem Haus Richardstraße 97 sein. Bauarbeiten, so Blesings Credo, sind Ausdruck von Veränderung, und sollten unter diesem Gesichtspunkt akzep- tiert werden.

Mit dem Wunsch, es mögen viele Menschen anlässlich der vielen Veranstaltungen rund um das Jubiläum des Böhmischen Dorfs in diesen Bezirk finden, um feststellen zu können, wie viel Kultur – nicht nur beim Festival 48 Stunden-Neukölln – in Neukölln geboten wird, richtet er abschließend den Dank an die Initiatoren, und den Appell an die Presse, das entsprechend zu publizieren und wie in der Kirche üblich, die „Frohe Botschaft“ nach außen zu tragen.

Nun richtet der Kameramann vom tschechischen Fernsehen sein Equipment auf die nächste Rednerin, auf Lenka Štetková. Die Botschaftssekretärin vertritt den tschechischen Botschafter Rudolf Jindrák und schildert mit einigem emotionalem Ausdruck ihre Erfahrungen, die sie als Kind in Ostböhmen, in Litomyšl und dem Pflichtausflug zur „Rosenwiese”, im Nachbarort Ružový paloucek, machte. An diesem Ort, sollen sich die Glaubensflüchtlinge von ibethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, lenka stetkovahrer Heimat verabschiedet haben, bevor sie für immer ins Ausland gingen. Auch Jan Ámos Komenský war unter ihnen. Angeblich haben die Böhmischen Brüder an diesem Ort sogar einen goldenen Kelch vergraben. Dass dieser jedoch niemals gefunden worden sei, erheitert die Zuhörenden. Damals, während dieser Pflichtausflüge, hätte sie gespürt, sagt Štetková, dass es auf Ružový paloucek um etwas Trauriges gegangen sei, um den Anfang einer langen Reise. Wohin aber, warum und wie diese Reise ausging, das hätte sie damals nicht verstanden. Erst viel später, als sie begann, mehr über die Auswanderung der Exulanten in die Welt und auch nach Berlin zu lesen und als sie bei ihrem ersten Besuch des Böhmischen Gottesackers Ortsnamen ihrer Heimat entdeckte, wurde ihr damaliges Kindheitsgefühl der Traurigkeit durch ein neues Empfinden bereichert, der Gewissheit, dass es für die Böhmischen Brüder, die 1737 oder auch später nach Berlin gingen, ein Ankommen nach einer langen Reise gab, dass die genossenen Vergünstigungen und der eigene Fleiß ihnen schließlich die nötige Anerkennung verschafften.

Henning Vierck, der Initiator des Projekts “Glaubensfreiheit”, nimmt das Thema Rosenwiese seiner Vorrednerin auf  und weist auf die sich derzeit wunderschön präsentierende Rosenwiese im Comeniusgarten hin. Dann gerät er vor seinem Hintergrund als Politikwissenschaftler ins Schwadronieren. Bereits um 1968, einer Zeit, in der man über „Basisdemokratie“ nachdachte, bekam er von seinem erzkonservativen Professor Hans Maier, dem späteren Kultusminister in Bayern, bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, henning vierckfolgenden Hinweis: „Wenn Sie etwas über Basisdemokratie wissen wollen, dann müssen Sie sich über die Brüder und Schwestern des Gesetzes Christi informieren, und das sind die Böhmischen Brüder.“ Ab da hat sich Vierck mit der Rosenwiese beschäftigt. Die Rosenwiese stehe im Übrigen für Johann Valentin Andreae, ein Nachfahre von ihm arbeite übrigens im Jugendamt Neukölln. Andreae sei derjenige, der die Rosenkreuzermär verfasst und dazu aufge- fordert habe, dass alle Wissenschaftler ihre Werke nach Tübingen schicken, sollten, damit es Gemeingut wird.

Die Rosenwiese, so Henning Vierck, stehe für Vielfalt, für Vitalität und für das Zusammenkommen ganz unterschiedlicher Blüten. Wenn Tschechen ihr Land verlassen mussten, weil sie in ihrem Land ihrem Glauben nicht nachgehen konnten, dann haben sie geweint und aus den Tränen der Trauer sei die Rosenwiese entstanden. “Als die Exulanten am 25. März 1737 hier in Rixdorf ankamen, habe der König das Schulzengericht gekauft und dort innerhalb kürzester Frist ein preußisches Kolonistendorf errichten lassen.” Wie Soldaten hätten die Häuser an der Straße gestanden, zwei Familien in einem Haus. Das Ackergerät habe man sich geteilt. So habe die Architektur das Zusammenleben unterstützt. Das Dorf Cervená Voda, deren Bewohner geflohen waren und hier angesiedelt wurden, sei heute noch in letzten Resten sozial existent. Eigentlich, meint Vierck, müsse Manfred Motel hier stehen; er habe eine Chronik verfasst, die irgendjemand weiterführen müsse. In der 10./11. Generation leben hier Böhmen, was es seines Wissens so nur in Neukölln gäbe: “Welch ein Reichtum.”

Neukölln hätte in den letzten Jahren nicht viel an ökonomischem Reichtum, dafür aber immer viel an kulturellem Reichtum gehabt, und es gelte die kulturelle Vielfalt gerade jetzt in dem sozialen Wandel zum Nutzen der Menschen zu unterstützen, fordert Henning Vierck.

Horst Evertz merkt an, dass es insbesondere zu diesem Redebeitrag im Anschluss bestimmt viele Nachfragen gäbe – er sollte sich irren. Dann übergibt er an Dorothee Bienert, die Koordinatorin des Kulturprogramms. Einige Veranstaltungen – wie beispielsweise das Forschen von Kindern und Wissenschaftlern zum Thema “Himmel” – würdenbethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, dorothee bienert schon laufen, erklärt sie, andere erst beginnen. Bienert verweist auf die  morgige Eröffnung der Ausstellung “Das Leben ist anderswo”  in der Galerie im Körnerpark, auf  vielfältige Führun- gen, wissenschaftliche Exkursionen und “Begehun- gen toleranter Orte”. Hingewiesen wird Auch beim Kulturfestival in zwei Wochen werde man sich dem Thema „275 Jahre Böhmisches Dorf“ widmen:  Für den 17. Juni organisiere der Ökumenische Arbeitskreis einen ökumenischen Gottesdienst mit anschließender Festveranstaltung am Denkmal Friedrich Wilhelm I. und langer Kaffeetafel. Bis zum Ende des Jahres gebe es viele weitere Veranstaltungen, die ins Programm- heft Einzug gehalten hätten: das Ramadanfest im August, das Rixdorfer Strohballenrollen Anfang Sep- tember und diverse thematische Diskussionsrunden.

Nächste Rednerin ist die in einem der Büdnerhäuser der böhmischen Brüder- gemeine aufgewachsene Dr. Cordelia Polinna. Das Engagement für ihr Projekt erklärt sie einerseits mit dieser persönlichen Situation und anderseits mit ihrer Fachkompetenz als Planungs- und Architektursoziologin. In letzterer Funktion habe bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, cordelia polinnasie sich schon mehrfach mit benachteiligten Stadtteilen und mit Stadtteilen, die von Migran- ten geprägt sind, befasst.

Zum Programm “Glaubensfreiheit – 275 Jahre Böhmisches Dorf” trägt Polinna die Ausstel- lung „Keine Urbanität ohne Dörflichkeit“ bei, die am 30. Juni in der Galerie im Saalbau zu sehen sein wird. Kern der Arbeit sei es gewesen, anhand des Böhmischen Dorfes zu analysieren, wie die dörflichen Strukturen am Rande einer großen Stadt den Ankömmlingen geholfen haben, sich hier heimisch zu fühlen. Wie ist die Beziehung von Dorf und Großstadt? Welche Orte machen das Böhmische Dorf zu einem Stadtlabor, in dem ausgetestet wird, wie Menschen verschiedenster ethnischer, kultureller und sozialer Hintergründe miteinander leben können? Welches sind historische Orte des Glaubens, Orte des Lernens, Orte des Arbeitens und Orte der Gemeinschaft? Das waren die Kernfragen für Cordelia rixdorf 1755, foto: -jkb-Polinna.

Sie zeigt  u. a.  ein Bild vom Relief am Sockel des Friedrich Wilhelm I.- Denkmals. Die aufgereihten Häuser im Vordergrund entsprächen durch- aus der Realität, die Hügel im Hintergrund würden jedoch nicht die Rollberge, sondern eine Reminis- zenz an die Heimat darstellen, weiß Polinna. Um die Orte der Migration heute herausfinden zu können, wurden Stadtbegehungen und Interviews mit heute hier Lebenden durchgeführt. Aus einigen der Begehungen wurden Stadtteilführungen.

Zwei dieser Stadteilführerinnen stellen sich vor, es sind Rascha und Rima Akil, die seit 2008 Stadtspaziergänge begleiten. Die einzelnen Stationen, an denen sie ihre bethlehemskirche neukölln, pressegespräch glaubensfreiheit - 275 jahre böhmisches dorf, rascha akil, rima akilpersönlichen Eindrücke über diesen Kiez an die Teilnehmer vermitteln, hätten sie selbst ausgesucht. Stolz berichten sie, dass sie ihre Führungen in deutscher, englischer, französischer und arabischer Sprache anbieten. Als sie bei der Aufzäh- lung der zahlreichen Herkunftsorte ihrer Teilnehmer auch Neukölln erwähnen, wird das mit Lachen honoriert. Sie verraten bei der persönlichen Vorstellung, mit denen sie auch ihre Touren jeweils beginnen, dass Rascha 23 ist und Informatik studiert und die 22-jährige Rima ein Jura-Studium absolviert. Ihre Eltern, erzählen sie, seien strohballenrollen, wandbild frauenschmiede neukölln1989 aus dem Libanon hierher gekom- men. “Unsere Heimat ist Rixdorf”, sind sich die beiden Schwestern einig.

Die in der Ausstellung präsentierten Orte sollen im Quartier kenntlich gemacht werden, ergänzt Moderator Horst Evertz noch. Seiner Einladung, nunmehr nach- zufragen, will niemand folgen; offenbar waren alle Beiträge hinreichend informativ.

=kiezkieker=

Große Investitionen für eine große Bildungsoffensive

eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, heinz buschkowsky, falko liecke, bernd müller, franziska giffey, wolf schulgenNun hat auch Neukölln eine Jugend- kunstschule: die Young Arts NK. Vor- gestern wurde sie eröffnet. Aber nicht nur sie, denn zusammen mit ihr wurde die Werkstatt Kinder Eltern Bildung ins Leben gerufen, und die gibt das inhaltliche Dach, das wie- derum dazu führt, dass eine goldene Schleife um das Projektpaket ge- schlungen werden kann. Es sei alles in allem “ein gesellschaftlicher Auf- eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllntrag, der sich in die Zukunft richtet”, betonte Be- zirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bei der Er- öffnungszeremonie. Es zeige Prioritäten für den weiteren Weg des Bezirks auf und verbinde sie in beispielhafter Art ressortübergreifend, ergänzte Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtent- wicklung, die das  bildungsorientierte Modellvor- haben  bis 2014 mit über 1,3 Millionen Euro aus dem Aktionsräume plus-Programm finanziert. “Ein Erfolg ist es aber erst”, so Schulgen, “wenn sich feststellen lässt, dass die Neuköllner das Projekt annehmen.”

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v. l.: Bernd Müller (Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur im BA Neukölln), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport) und Falko Liecke (Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit)

Wie das geschehen soll, erläuterten Franziska Giffey, Falko Liecke und Bernd Müller im Vorfeld der Eröffnung vor Pres- severtretern. Grundlage sei, wie Liecke es formulierte, eine “konzertierte Aktion” zwischen seiner und Giffeys Abteilung. Vereinfacht ausgedrückt stellt die Werk- statt Kinder Eltern Bildung (Homepage ist noch nicht freigeschaltet) eine inter- disziplinäre Vernetzung zwischen fünf Modulen bezirklicher Bildungs- und Kultureinrichtungen dar:  Die Neuköllner Stadtbibliothek bringt ihr Lesemobil ein, der Jugendhilfe-Träger Kleiner Fratz sein Interkulturelles Begegnungszentrum Haus der Familie, die Musikschule Paul Hineröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, lesemobil stadtbibliothek neuköllndemith ihr musikpädagogisches Angebot namens Musik-Spra- che-Bewegung, die Volkshochschule die Erziehungs- hilfe-Offerte Elternkompass und das Kulturnetzwerk Neukölln die neu gegründete Jugenderöffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnkunstschule Young Arts NK. Durch die enge Kooperation der Institutionen habe man nun die Möglichkeit bei der Begleitung von Familien früh anzusetzen und die Offenheit innerhalb der Familien  auf eine gesundheitliche wie auch kul- turelle Bildung zu lenken, prognostiziert Liecke.

Indes skizzierte Bernd Müller den Idealfall: Eltern, die über Kitas oder Schulen mit dem im Neuköllner Ortsteil Britz angesiedelten Haus der Familie in Berührung kommen, lernen dort auch die anderen Projektmodule kennen, nehmen selber am Elternkompass teil und schicken Kind A in die Musikschule, besuchen mit Kind B das Lesemobil und begeistern Kind C für die Jugendkunstschule Neukölln. Das Einbeziehen der Eltern und die Verbesserung ihrer Kompetenzen, betonte auch Franziska Giffey, sei ein äußerst wichtiges Anliegen des Projekts: “Das Ziel ist, dass Eltern den Spaß ihrer Kinder an Bildung unterstützen.” Vielleicht ließe sich durch die Erfahrungen mit den innovativen außerschulischen Lernangeboten sogar das Neukölln vorherrschende Ausmaß an eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnSchuldistanz eindämmen.

“Schon als ich vor 10 Jahren nach Neukölln kam, dachte ich, dass es toll wäre, wenn Neukölln eine Jugendkunstschule hätte”, erzählte Giffey. Jetzt ist sie da und setzt mit Workshops und Seminaren für kreative oder künstlerisch ambitionierte Grund- schüler und Jugendliche auf das Angebot des benachbarten KinderKünsteZentrums auf. Die Trä- gerschaft der Young Arts NK hat das Bezirksamt dem Kulturnetzwerk Neukölln, vielen vor al- lem als Ausrichter des Kunst- und Kulturfes-tivals 48 Stunden Neukölln bekannt, übertragen.

Bereits im letzten Jahr, berichtete Geschäftsführerin Ilka Normann, hätten erste Projekte mit Jugendlichen im neuen, 380 Quadratmeter großen Young Arts NK- Standort stattgefunden – nach umfangreichen Renovie-rungsarbeiten, die das düstere einstige Fernmeldeamt in der Donaustraße dringend nötig hatte. Denn obwohl Neuköllns neuestes Leuchtturmprojekt im Kultur- und Bildungsbereich gerne  in einem Atemzug mit der Alten Post genannt wird: In eben dem Gebäude, das Neuköllner als “Alte Post” bezeichnen, ist es nicht untergebracht. “Wir hoffen aber”, sagte Franziska Giffey auf Nachfrage, “dass bald ein potenter Nutzer kommt und dann auch ein Zugang durch die Alte Post zur Jugendkunstschule möglich wird.” Vielleicht erfüllt sich diese Hoffnung ja 2013 zum 10-jährigen Leerstandsjubiläum.

=ensa=

Und das in Neukölln …

Wirklich kurz ist der Aufenthalt in einer Bibliothek nur für die, die lediglich Bücher abgeben wollen. Sonst dauert er länger. Wie lange, das hängt in erster Linie davon ab, wie konkret die Vorstellungen bezüglich der Leih-Lektüre sind. Je mehr Bücher hör(spiel)box, stadtbibliothek neukölln, lesen und schreiben e.v., krimoangelesen werden müssen, um eine Entschei- dung treffen zu können, desto mehr Zeit vergeht.

Nun könnte die Verweildauer der Nutzer in der Stadtbibliothek Neukölln weiteren Aufwind be- kommen: dank einer blauen Box, die das Ergeb- nis eines Projekts der Künstlerin krimo mit Teilnehmern der Alphabetisierungskurse beim Lesen und Schreiben (LuS) e. V. ist. In ihr steckt das Hörspiel “Und das in Neukölln – Die Ratte Rix, ihre Freunde und der Raub des roten BMWs”. Etwa ein Jahr hätten nach ersten technischen Experimenten die Arbeiten daran gedauert, rund 20 Leute seien beteiligt gewesen, erzählt krimo.

Aus 12 kurzen Episoden ist ein flotter Streifzug durch den Norden des Bezirks entstanden. Eine von den LuS-Lernern  erdachte und geschriebene Geschichte um die Ratte Rix, einen BMW-Fahrer, den Reporter Rudi Rastlos und andere Personen und Tiere zieht sich als roter Faden durch das Hörspiel. Unterbrochen wird die phantasievolle Fiktion von Interviews, die die ehemaligen funktionalen Analphabeten mit Angestellten verschiedener Neuköllner Institutionen über deren Arbeitsalltag führten: Dass Bezirksbürgermeister Buschkowsky zuweilen in der Rathaus-Kantine anzu- treffen ist, erfährt man da beispielsweise. Ebenso, dass es schon vorkam, dass Tauben durch offene Fenster in Rathausbüros flatterten, um dort ihre Runden über den Schreibtischen zu drehen.  Und der Kassiererin des Stadtbads Neukölln entlockten die Hörspielmacher den Namen eines prominenten Schauspielers, der häufig zu den Badegästen gehört.

Ergänzend zum Hörspiel finden sich in der Box von den LuS-Schülern gelesene eigene Stücke und Texte, die noch mehr Gründe dafür liefern, dass der Besuch der Bibliothek in den Neukölln Arcaden etwas länger als üblich dauern könnte. Knapp 50 Minuten  muss einkalkulieren, wer nur das Hörspiel hören will. Das komplette Audio-Programm bringt es auf rund zwei Stunden.

Die Hör(Spiel)Box steht noch bis zum 2. Mai in der Stadtbibliothek Neukölln. Danach macht sie Station vor dem Neukölln Info Center (NIC), bevor sie zum Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln im Info-Café des LuS e. V. aufgestellt wird.

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Neukölln-Gewinnspiel: Die Bescherung geht weiter (6)

Unser Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiel steuert unaufhaltsam die Zielgerade an. Heute, am Tag vor dem großen Finale, geht es um einen so dekorativen wie nützlichen Preis vom Kulturnetzwerk Neukölln, der dem/der Gewinner/in Neukölln im kommenden Jahr täglich vor Augen halten wird.

Es soll der Legende nach 1911 zum 174. Mal stattgefunden haben. 2008 erlebte es sein Revival und lockt seitdem alljährlich am zweiten September-Wochenende zahllose Schaulustige in den historischen Ortskern Neuköllns. Von welchem Event ist die Rede?

festival-kalender, 48 stunden neukölln 2012festival-kalender, 48 stunden neukölln 2012Bis ins letzte Jahr- hundert reicht die Tradition des Kul- tur- und Kunstfesti- vals 48 STUNDEN NEUKÖLLN zurück. 2012 wird es zum 14. Mal stattfinden: vom 15. bis 17. Ju- ni. Der/die Gewin- ner/in unseres heutige Quiz-Tages darf sich über einen großformatigen Wandkalender freuen, der vom Kulturnetzwerk Neukölln herausgegeben wurde und in den kommenden 12 Monaten stimmungsvolle Rückblicke auf das Festival 2011 gibt.

Wer den 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Festivalkalender (muss wegen seines porto-unfreundlichen Formats direkt beim Kulturnetzwerk Neukölln abgeholt werden) gewinnen möchte, schreibe den Namen des gesuchten Events sowie (6) in die Betreffzeile einer E-Mail und schicke sie bis morgen (31. Dezember) um 12 Uhr an: Der/die Gewinnerin wird direkt benachrichtigt. Gehen mehrere richtige Lösungen ein, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen viel Glück!

Update (31.12., 18:20 Uhr): Beim gesuchten Event ging es natürlich um Popráci, das Rixdorfer Strohballenrollen, das auch im nächsten Jahr wieder stattfinden wird: am 8. September.

Die Gewinnerin des 48 STUNDEN NEUKÖLLN-Festivalkalenders 2012 wur- de heute von einem Glücksfeeerich ermittelt und bereits informiert.

Stroh ‘n’ Roll

popraci rixdorfer strohballenrollen, neuköllnDass am zweiten Advents- wochenende kein Durch- kommen auf dem Richard- platz ist, wussten sie. Ebenfalls, dass der Platz rund um die Rixdorfer Schmiede während des Kunst- und Kulturfestivals “48 Stunden Neukölln”  mehr Trubel als histori- sche Idylle zu bieten hat. Was seit 2008 immer am zweiten Septembersams- tag in der guten Stube des Bezirks stattfindet, das war allerdings bisher nicht bis zu ihnen in den Ortsteil Rudow tief im Süden Neuköllns vorgedrungen: “Wir haben übers Wochenende Besuch aus Westdeutschland und wollten denen den Richardplatz und das Böhmische Dorf zeigen und danach auf der Terrasse der Villa Rixdorf was essen.” Nun steht das Rentner-Paar aus dem Süden Neuköllns am westlichen Eingang zum Richardplatz und blickt ebenso irritiert wie die beiden Besucher aus Bonn auf das Treiben.

Kinder bewerfen sich gegenseitig mit Stroh, eine Männerstimme mit schwäbischem Zungenschlag  schallt  durch   den   Kiez,  kostümierte   Erwachsene  rollen  in  Vierer-

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Teams riesige, über 200 Kilo schwere Strohballen über die kopfsteingepflasterte Straße, die den Platz umgibt. “Was soll das? Weshalb machen die das?”, fragen die auswärtigen Gäste ihre Gastgeber, bekommen aber nur ein Schulterzucken samt einer Gegenfrage: “Aus Jux und Dollerei?”. Das sei Popraci, das Rixdorfer Stroh- ballenrollen, ein traditioneller Wettkampf, der nun schon zum 178. Mal ausgetragen werde, mischt sich ein Mann mit einem Kind auf den Schultern ein, der hinter den bei-

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den Paaren steht und ihren kurzen Dialog mitbekommen hat. “Buschkowsky”, ergänzt er, “hat das Fest vorhin eröffnet.” Was Traditionelles also, wiederholt die graumelierte popraci rixdorfer strohballenrollen, neukölln, heinz buschkowsy, christoph agi böhm, rudolf jindrakRudowerin bestimmt.  Dass der Neuköllner Bezirksbürgermeister mitten im Wahlkampf für einen Auftritt bei einem Jux-und-Dollerei-Wett- bewerb gewonnen werden kann, scheint für sie außerhalb des Vorstellbaren zu liegen. “Lasst uns mal gucken, ob das Remmidemmi bis zur Schmiede geht”, schlägt ihr Mann vor. Dem Begleiter aus Bonn ist deutlich anzusehen, dass hinter seiner Stirn die eben gehörten popraci rixdorfer strohballenrollen, neukölln, reinhold steinleInformationen skeptisch verarbeitet werden.

Großartig, einfach nur großartig und wunderbar findet eine junge Familie vom Bodensee das Fest. Die Eltern halten ihre Tochter, die Stroh in den Haaren und sich das Gesicht bemalen lassen hat, an den Händen und stehen im Zielbereich, wo Moderator Reinhold Steinle im für sie vertrauten Idiom erschöpfte Wettkämpfer interviewt. Der einzige Kritikpunkt betrifft das Personal des Estrel Hotels, wo die Touristen aus dem Schwäbischen für ein verlängertes Wochenende logieren: “Mit keinem Wort haben die das Strohballenrollen erwähnt, als wir heute Morgen an der  Reception gefragt  haben, welche  kindgerechten Veranstaltungen  es  gerade  in

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Berlin gibt. Dabei findet das doch fast vor der Haustür statt.” Auf der Suche nach einem Spielplatz in Hotelnähe seien sie dann in das Rixdorfer Strohballenrollen am Richardplatz geraten. “Wo ist denn die nächste Apotheke, die noch offen ist?”, er- kundigt sich der Mann. Er brauche dringend ein Antiallergikum.

=kiezkieker/ensa=

Immer an der Wand lang

t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternVorgestern in Neukölln. Stöhnende Laute, enttäuschtes Seufzen, Schreie und Anfeuerungsrufe quellen aus den gekippten Fenstern der unschein- baren Halle in einem Hinterhof zwi- schen Sonnenallee und Neuköllner Schiffahrtskanal: “Los, mach’s! Go! Weiter! Du schaffst das!”

Mit künstlerisch-kulturellen Darbietun- gen von 48 Stunden Neukölln hatte die Geräuschkulisse nichts zu tun, auch nicht mit dem Langen Tag der Stadtnatur: Sie kam von den Athleten, die in der T-Hall an den Offenen Berliner Landesmeisterschaften im Sportklettern teil- t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternnahmen. Und von den Fans, Teams und t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternBetreuern, die die Kunst der Vertikal-Akrobaten mit festem Boden unter den Füßen und in den Nacken gelegten Köpfen beobachteten und jeden gelungenen Griff oder Tritt an der Wettkampfroute beju- belten. Je besser einer die Überhänge meisterte und je näher er der Hallendecke kam, desto lauter wurde es.

Kuriosum am Rande: Wer bisher dachte, Kletterer seien – egal ob sie ihren Sport t-hall kletterhalle, neukölln, offene berliner landesmeisterschaften im sportkletternhobby- oder leistungsmäßig betrei- ben – vom Ehrgeiz eines latenten Aufwärtstriebs gepackt, sieht sich im Treppenhaus der T-Hall eines Bes- seren belehrt. Schon nach wenigen Stufen der insgesamt knapp 30 bis zum Eingang zur Indoor-Alpinisten- Arena muss ein Schild mit der Aufschrift “Noch eine Etage!” Motiva- tionshilfe leisten. Nicht ausge- schlossen, dass mancher Kletterer schneller im ersten Obergeschoss wäre, wenn statt einer Treppe eine Kletterwand dort hinführen würde.

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Der Luxus des Neuköllner Kultur-Dschungels

581 Veranstaltungen in 48 Stunden an über 330 Orten – im Norden Neuköllns bricht heute wieder die kulturelle Gigantomanie aus. Dass mit 1.700 Akteuren weniger Mitwirkende als im letzten Jahr dabei sind, ist bei solchen Größenordnungen unerheblich. Die Besucher der 48 Stunden Neukölln erleben ohnehin nur einen Bruchteil davon. Vielleicht haben die ganz Eifrigen unter ihnen Sonntagabend, wenn das Kunst- und Kulturfestival endet, mehr als 10 Events hinter sich, bei den meisten dürften es aber weniger sein.

Für die generalstabsmäßige Orientierung, wann wo was stattfindet, gibt es ein 24-seitiges, eng bedrucktes pressekonferenz 48 stunden neukölln, v. l.: katharina rohde, franziska giffey, auguste kuschnerow, christoph böhmer (biotronik), martin steffensProgrammheft im halbrheini- schen Format, außerdem infor- mieren alle  sieben teilneh- menden Kieze mit eigenen Fly- ern über die Veranstaltungen in ihren Gebieten. Und dann ist da noch der von den Organisato- ren, dem Kulturnetzwerk  Neu- kölln, auch bei der Presse- konferenz massiert beworbene und bei vielen Künstlern glei- chermaßen umstrittene High- lights-Flyer: Er stelle, so Auguste Kuschnerow (M.) vom Kulturnetzwerk-Vorstand, 48 “besonders interessante Projekte vor, die von einer Jury ausgewählt wurden”.

Er unterteile die Akteure in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, halten die Kritiker dem entgegen. Besondere Brisanz gewinnt der Vorwurf dadurch, dass bei dieser 13. Auflage des Festivals erstmals ein dotierter Publikumspreis unter 42 Events mit dem Prädikat Highlight ausgelobt wird. Somit stellt die, laut Pressesprecher Clemens Kuhnert “demokratisch nach einem Kriterienkatalog” agierende Jury, die aus Kulturamtsleiterin Dorothea Kolland, Andreas Altenhof und Denise S. Puri (beide Vorstandsmitglieder des Kulturnetzwerks), Ilka Normann (Geschäftsführerin des Kulturnetzwerks) und Klaus Bortuluzzi (Akteur bei 48 Stunden Neukölln) besteht, nicht nur die Weichen für eine exponierte Vermarktung, sondern auch die für die Ambitionen auf eine zumindest partielle Refinanzierung des monetären Aufwands.

Denn von den von Kulturstadträtin Franziska Giffey (2. v. l.) mit rund 55.000 Euro bezifferten Förderungen, die das Festival erhält (15.000 Euro davon steuert das Bezirksamt als Basisunterstützung bei), sieht das Gros der Akteure nicht viel bis nichts. Schon die Teilnahme an der alljährlichen Leistungsschau der Neuköllner Kreativszene ist für sie der pure Luxus, in den Geld und noch mehr Zeit gebuttert wird. Dessen ist sich auch Christoph Böhmer (2. v. r.) bewusst. Er ist Geschäftsführer des in Neukölln ansässigen Unternehmens Biotronik, das nunmehr zum fünften Mal die Position des privatwirtschaftlichen Hauptsponsors des Kunst- und Kulturfestivals übernimmt. “Neukölln”, so die Überzeugung des Herrn über derzeit 2.500 Arbeitsplätze, “bietet den Luxus vieler kreativer intelligenter Menschen.” Die Unterstützung des Kulturwochenendes sieht er als “Teil der Verantwortung, dem wir gerecht werden sollten.”

Einen Schritt weiter bei der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Festival-Motto Luxus geht der diesjährige 48 Stunden Neukölln-Schirmherr Wolfgang Joop: Luxus, schreibt er in sei- nem Grußwort, ist für ihn eine Bewusstseinsebene, ein Begriff, der nicht dinglich sondern me- taphysisch zu verstehen sei. Gut möglich, dass sich diverse Neu- köllner Künstler besser mit dem identifizieren könnten, was Herbert Grönemeyer in seinem Lied “Luxus” besingt: “… die Träume werden leider immer kleiner …”

Der Traum, Wolfgang Joop in den Straßen Neuköllns zu begegnen, wird allen Besuchern unerfüllt bleiben. Der Schirmherr gönnt sich den Luxus der Abwesenheit. Aber vielleicht bringen ja die kostenlosen Skoda-Limousinen-Shuttles, die  morgen von 14 bis 21 Uhr erstmals auf der Route von der Neuen Nationalgalerie in Mitte nach Neukölln unterwegs, den einen oder anderen Promi in den Bezirk. Über das, was sie am Ziel erwartet, können sich Passagiere dieser Neuköllner Variante des Bussings mit Luxus-Touch  hier informieren. Und alle anderen natürlich auch.

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Kunst im Knast

“Viele wissen gar nicht”, meint Martin Steffens, Leiter der 48 Stunden Neukölln, “dass es in Neukölln überhaupt ein Gefängnis gibt.” Viel zu sehen ist von der 1901 eingeweihten Haftanstalt an der Schön- stedtstraße in der Tat nicht. Man muss schon hoch auf den Rathausturm, um einen Blick auf den Komplex werfen zu können, der als “Café Schön- stedt”  zum Modellprojekt des Jugendvollzugs wurde, nun aber bereits seit 23 Jahren in seiner eigent- lichen Funktion ausgedient hat.

Seitdem wird der Bau aus der Kaiserzeit haupt- sächlich als La- gerfläche vom Be- zirksamt genutzt, zuweilen finden auch Dreharbeiten für Kino- und Fernsehfilme und Schulungen für Voll- zugsbeamte dort statt. Mit Neuköllns größ- tem Kunst- und Kul- turfestival kommt die abgerockte Location am übernächsten Wo- chenende zu neuen Ehren: 43 Künstler präsentieren unter der Regie des Instituts für Raumforschung im Hof sowie in den Gängen, Zellen und Aufenthaltsräumen bei freiem Eintritt Objekte, Malerei, Installationen, Performances und musikalische Einlagen.

Doch schon das Gebäude an sich greift das diesjährige Festival-Motto “Luxus Neukölln” wunderbar auf – und führt es zugleich ad absurdum. “Ein 1989 ge- planter Umbau der Gefängnistrakte in Büros wurde aus Kostengründen nicht realisiert”, schreibt Cornelia Hüge in ihrem Buch über die Karl-Marx-Straße. Stattdessen leistet sich der Bezirk nun den Luxus, seit über zwei Jahrzehnten eine Immobilie in bester Lage im Winter zu beheizen, im Sommer durchzulüften und von Januar bis Dezember mit Strom und Wasser zu versorgen.  Darauf, dass letzteres schon seit langer Zeit stetig aus dem Wasserhahn dieser sechs Quadratmeter großen Zelle tropft, deutet einiges hin. Doch es stört ja niemanden.

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Angekommen

richardplatz neuköllnNun also auch in Neukölln: Gestern Nachmittag, be- richtet die B.Z., habe ein zunächst als verdächtig erachteter und dann für harmlos befundener Koffer einen Polizeieinsatz aus- gelöst. Ausgerechnet am für viel Geld verunschönten Richardplatz, auf dem es ja – wenn nicht gerade Alt-Rixdorfer Weihnachts- markt, 48 Stunden Neukölln oder Popráci ist – vor Menschen nur so wimmelt.

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